Freitag, 17.07.2015

Einfacher online shoppen

Wer online einkauft, muss sich normalerweise in jedem Onlineshop beim ersten Einkauf neu anmelden, dort seine Zahlungsdaten hinterlegen, die gewünschten Waren bestätigen, zur virtuellen Kasse gehen und dort alles artig bezahlen. Es sind immer wieder dieselben Schritte nötig - das kann ganz schön lästig sein, vor allem in kleineren Onlineshops, in denen man vielleicht nur ein einziges Mal einkaufen möchte.

Das will ein deutsches Startup ändern: Mit WWW: ShopCo steht ein Browser-Plugin zur Verfügung, das jede Bestellung im Internet zum Kinderspiel machen soll. Webseite mit Ware auswählen, auf den Button klicken - fertig.

Ein deutsches Startup hatte die Idee: Zentral einkaufen; Rechte; ShopCo
Ein deutsches Startup hatte die Idee: Zentral einkaufen


Nur noch einmal anmelden
Es ist tatsächlich so einfach, wie es klingt. Natürlich muss man sich bei ShopCo auch einmal anmelden. Aber in anderen Onlineshops nicht mehr. Man kann über das Plugin in nahezu allen Onlineshops einkaufen, auch wenn man kein Onlinekonto dort hat. Das Plugin erledigt den gesamten Bestellprozess im Hintergrund. Völlig unbemerkt. Die Waren werden geordert, die Lieferadresse übermittelt, die Zahlung geregelt - und fertig. Damit man nichts versehentlich bestellt, wird jede Bestellung erst 30 Minuten eingefroren. In der Zeit hat man die Möglichkeit, die Bestellung zu stornieren. Nach 30 Minuten geht der eigentliche Bestellprozess los.

Hinter ShopCo steckt eine Art Künstliche Intelligenz, die ständig dazu lernt und immer besser wird. Die Webseiten der Onlineshops werden analysiert. Auf diese Weise ermittelt ShopCo eigenständig Preis, Bezeichnung der ausgewählten Ware, aber auch Eigenheiten wie Größe oder Farbe. All das wird korrekt an den eigentlichen Onlineshop weitergegeben. Nur bei der Bezahlung kann es zu Problemen kommen, etwa wenn man nur eine Kreditkarte hinterlegt hat, diese aber nicht akzeptiert wird. Aber das sind Kinderkrankheiten, die der Betreiber noch beseitigen will. ShopCo funktioniert bereits ausgesprochen gut, obwohl noch in der Betaphase.


Erklärfilm des Anbieters: Einkaufen per Plugin


Komfortabel mit Macken
Die meisten User haben keine große Lust, sich in jedem Onlineshop neu registrieren zu müssen, um ein paar Waren zu bestellen. Klar, in den ganz großen Shops macht man das noch, weil man öfter vorbei schaut. Aber in den kleineren? Wieder einen Zugangscode merken, ein weiteres Passwort hüten - das ist lästig. Diese Arbeit nimmt einem ShopCo ab - und das ist wirklich, wirklich praktisch. Und es funktioniert bereits in erstaunlich vielen Shops. Außerdem hat man eine zentrale Anlaufstelle für alle Einkäufe, man sieht genau, was man bereits alles eingekauft hat - und ob die Waren bereits auf dem Weg sind.

Ein paar Macken hat das Plugin dann aber doch. Zum Beispiel werden einem nicht immer die Versandkosten richtig ausgewiesen. Oder es werden keine Summen berechnet, wenn man von einem Produkt mehrere Exemplare bestellt. Aber im Großen und Ganzen ist ShopCo eine prima Einkaufshilfe, vor allem in kleineren Shops. Es fallen auch keine Gebühren an, denn ShopCo refinanziert sich über Affiliate-Provisionen, die anfallen, wenn ein Kunde vermittelt wird. Das scheint ShopCo zu reichen. Sehr schöne Idee!

Medien in Deutschland anno 2015 - eine größere, schlimmere Ansammlung an Verbrechern gegen die Menschlichkeit hat es nie gegeben. Da werden selbst die schlimmsten Nazis als Segen der Menschheit empfunden. Ihr benutzt die öffentlich erpressten Zwangsgebühren, um das Volk zu entmündigen und ins Unglück zu stürzen. Ihr laßt keine Gelegenheit ungenutzt, das deutsche Volk zu beschimpfen und diskriminieren, um so Euren islamistischen, fanatischen Verbrechern Vorschub zu leisten, dieses Land, seine Menschen, seine Kultur und Werte auszulöschen. Doch irgendwann werdet Ihr stinkenden Bastarde dafür bezahlen!!!

Pipi Langstrumpf am 18.07.15 11:32

Bitte Pipi Langstrumpf sprechen sie bitte nicht für meine kreativen Freunde und für mich! Wir waren und bleiben stets mit Engelsgeduld bemüht uns einzubringen. Wir haben immer noch Ideale und wir suchen nicht die Schuld bei anderen, weil/wenn Ziele sich entfernen. Wir beleidigen niemand und wir beherrschen gut unseren Frust zu zähmen, wenn was nicht gelingen will. Es gab immer schlechte und gute Jahre. Mir langt's allmählich, dass unsere Welt Tag für Tag aus den Fugen gerät. Jeder ist seines Glückes Schmied. Meine kreativen Freunde und ich bedauern zur Zeit wegen anderweitige Projekte, die uns vereinnahmen, nicht von COshopping oder ShopCo Gebrauch machen zu können. Ich denke einigen wird ShopCo Freude bereiten und ich meine jeder soll nach seiner Façon leben dürfen. Einen schönen Sonntag und seien sie froh, danken sie dem Himmel, wenn niemand ihre Beleidigung zur Anzeige bringt. Ruhig bleiben. In der Ruhe liegt die Kraft.

LiFe am 18.07.15 17:02

Wer schon Bedenken gegen z.B. Amazon hat (die wissen und verwerten alles, was ich bei Amazon kaufe) sollte unbedingt ShopCo ausprobieren: Die wissen dann alles über meine Online-Einkäufe.

k430248 am 19.07.15 9:09

Wer schon Bedenken gegen z.B. Amazon hat (die wissen und verwerten alles, was ich bei Amazon kaufe) sollte unbedingt ShopCo ausprobieren: Die wissen dann alles über meine Online-Einkäufe.

k430248 am 19.07.15 9:10

Gegen den "Ozeanriesen" Amazon wettern und so etwas toll finden?

Dieses Plugin in Kombination mit der Smartphone-Sucht, alles überall jederzeit nebenher erledigen zu wollen und zu erwarten, alle Käufe jederzeit wiederrufen zu können und gratis zurückschicken zu können .... DAS soll dem Einzelhandel helfen?

Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dass sich zur Abwechslung jeder auf das konzentriert, was er tut und die Verantwortung für sein Handeln übernimmt.

Bei allen diesen Super-Apps und -Plugins wird eines wissentlich ignoriert: Sobald etwas "wirklich, wirklich praktisch" ist und "tatsächlich so einfach ist, wie es klingt" geht die überwältigende Mehrzahl der Nutzer auch davon aus, dass sie keinerlei Verantwortung zu tragen haben und ein Rundum-Sorglos-Paket mitgeliefert wird.

Btw:
Seit der Neueinführung eines öffentlichen ebay-"Mitglieder helfen Mitgliedern"-Forums, welches Haupt-Bestandteil des offiziellen Kundendienstes ist, landen private Kundendaten in der Öffentlichkeit.

harraps am 20.07.15 10:03

Gegen den "Ozeanriesen" Amazon wettern und so etwas toll finden?

Dieses Plugin in Kombination mit der Smartphone-Sucht, alles überall jederzeit nebenher erledigen zu wollen und zu erwarten, alle Käufe jederzeit wiederrufen zu können und gratis zurückschicken zu können .... DAS soll dem Einzelhandel helfen?

Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dass sich zur Abwechslung jeder auf das konzentriert, was er tut und die Verantwortung für sein Handeln übernimmt.

Die separate Anmeldung bei jedem einzelnen Online-Shop dient dem Zweck, dass Kundendaten geschützt werden.
Welchen Vorteil kann es haben, mit einer einzigen Pin vollen Zugriff auf alles zu haben?

Bei allen diesen Super-Apps und -Plugins wird eines wissentlich ignoriert: Sobald etwas "wirklich, wirklich praktisch" ist und "tatsächlich so einfach ist, wie es klingt" geht die überwältigende Mehrzahl der Nutzer auch davon aus, dass sie keinerlei Verantwortung zu tragen haben und ein Rundum-Sorglos-Paket mitgeliefert wird.

harraps am 20.07.15 10:08

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Donnerstag, 16.07.2015

Der Wir-verkaufen-alles-Onlineshop wird 20

Aus dem schönen Seattle an der Westküste der USA kamen nicht nur US-Gitarrist Jimi Hendrix oder die Band Nirvana, sondern auch Unternehmen wie Microsoft, Starbucks oder Amazon. Sie alle haben die westliche Kultur verändert. Für Amazon gilt das ganz besonders. Vor genau 20 Jahren wurde Amazon gegründet: Am 16. Juli 1995 startete amazon.com einen Onlineshop für Bücher. Rund eine Million Titel standen von Anfang an zur Auswahl. Heute ist Amazon der mit Abstand größte Onlinehändler der Welt, der so ziemlich alles verkauft, was man legal verkaufen kann.

Jeff Bezos will mit seinem Unternehmen hoch hinaus; Rechte: dpa/Picture Alliance
Jeff Bezos will mit seinem Unternehmen hoch hinaus


Jeff Bezos kennt kein Limit
Amazon-Gründer Jeff Bezos ist einer dieser Menschen, die das Wort "genug" aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. Es muss immer weiter gehen: Wachstum, Wachstum, Wachstum! Deshalb ist Amazon heute unbestritten die Nummer eins im Netz, fast überall auf der Welt. Ohne jeden Zweifel hat Amazon das Konzept des Onlineverkaufs perfektioniert: Jeff Bezos Unternehmen kennt seine Kunden perfekt, macht Empfehlungen per E-Mail, die zum Geschmack passen, und lässt sich ständig neue Sachen einfallen, um die Kunden an sich zu binden. Ob kostenloser Versand, gratis Speicher für Musik und Fotos, ob Video-Verleih oder eigene Hardware wie eBook-Reader.

Einfallsreich ist Jeff Bezos auf alle Fälle. Er würde sich am liebsten auf Augenhöhe mit Apple, Google und Microsoft bewegen, was nicht immer klappt. Aber er gibt sich alle Mühe. Heute hat Amazon 154.000 feste Mitarbeiter weltweit und einen Umsatz von 89 Milliarden. Trotzdem weist Amazon nach wie vor (fast) jedes Jahr Verluste aus: Bezos setzt nach wie vor auf Wachstum. Gewinne sind ihm nicht so wichtig. Doch Wachstum kommt nicht von allein. Das Wachstum entsteht durch Verdrängung. Hier darf man sich keine Illusionen machen: Amazon verdrängt den klassischen Handel.

Amazon testet die Warenauslieferung per Drohne; Rechte: dpa/Picture Alliance
Amazon testet die Warenauslieferung per Drohne


Die Dampfwalze aus Seattle
Der Onlineriese Amazon zerstört Tausende von Arbeitsplätzen im Einzelhandel. Dafür entstehen zwar Arbeitsplätze in den Lagern und auch bei den Kurierdiensten, doch das sind eher Niedriglohn-Jobs. Doch Jeff Bezos hat nicht nur die Arbeitsplätze von Verkäuferinnen und Verkäufern auf dem Gewissen, sondern auch die Verwaisung von Einkaufsstraßen zu verantworten. Überall machen Geschäfte dicht. Nicht unbedingt so sehr in großen Städten, aber doch in kleineren. Die Einkaufskultur in der realen Welt ist ärmer geworden.

Natürlich: Daran tragen auch die Einzelhändler mitunter selbst schuld, die nicht mit der Zeit gegangen sind. Aber es macht halt einen Unterschied, ob ein Unternehmen allein 89 Milliarden Dollar umsetzt - oder ob sich Tausende von Unternehmen diesen Umsatz teilen. Berücksichtigt man dann noch die Tatsache, dass Amazon - wie viele andere Unternehmen auch - durch geschickte Nutzung der Steuergesetzgebung kaum bis gar keine lokalen Steuern zahlt, dämpft das die Begeisterung für den unbestreitbaren Erfolg doch erheblich.

Aber keine Frage: Amazon hat die Art und Weise verändert, wie wir einkaufen. Die meisten anderen Onlineshops eifern Amazon mehr oder weniger nach. Man darf gespannt sein, was sich Jeff Bezos in den nächsten 20 Jahren einfallen lässt.

E ist zu billig die Schuld am Sterben des Einzelhandels auf Amazon zu schieben. Vor 30 Jahren waren es die Einkaufstempel auf der grünen Wiese, dann die Mals in den Städten mit immer den gleichen Mode- und Elektronikketten. Jetzt ist es also der Onlinehandel und mit Amazon hat man ein neues Feindbild geschaffen. Davon ab, ich kaufe nicht bei Amazon, ich kaufe überhaupt nicht Online . Mode und Elektronik gehört nicht zu meinem täglichen Bedarf und Lebensmittel kaufe in frisch im nächsten Laden.

Der Alte am 16.07.15 16:28

Ich denke, der Fortschritt laesst sich nur schwer aufhalten. Onlineeinkauf hat ja auch grosse Vorteile fuer den Kunden. Ich denke dabei nicht an Dumpingpreise, sondern an die Moeglichkeit, alles in Sekundenschnelle zu finden anstatt von Laden zu Laden rennen zu muessen. Auch Dinge, die nicht "mainstream" sind bzw. gerade nicht in Mode, lassen sich online beschaffen (notfalls gebraucht), was im Laden schon wegen der begrenzten Lagerflaeche nicht geht.

Das Problem ist doch das Lohndumping an den Werktaetigen, und dazu das Steuerschlupfloch. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Ein Mindestlohn und faire Bedingungen fuer die Beschaeftigten koennen den derzeitig bestehenden unfairen Vorteil gegenueber dem Einzelhandel (Ausbeutung durch Billiglohn) zumindest reduzieren.

Inglaterra am 16.07.15 16:56

Nur so: Manchmal kann Amazon mit dem Vermerk: "Derzeit nicht verfügbar", ohne es zu wissen, Wachstum blockieren. :-)

LiFe am 16.07.15 17:22

Entwicklung und Fortschritt ist ein Unterschied. Und ist es ein Fortschritt, etwas positives, dass unser Leben verbessert? Ich habe da meine Zweifel. Toll, ich kann jede Menge Dinge im Netz kaufen. Und ist ja auch so viel billiger. Aber zu welchem Preis? Ein in der Tat sterbener Einzelhandel, dessen Angebot immer eingeschränkter wird, weil wenig gefragte Produkte unrentabel sind. Bekomme ich, wenn überhaupt zur noch im Netz. Immer weniger gutgeschulte Verkäufer, weil zu teuer. Ich ziehe es vor, mit Menschen im Geschäft reden zu können, mich beraten zu lassen, das Produkt zu sehen. Und ist es eine Verbesserung, wenn Amazon seine Autoren nur noch nach gelesenen Zeilen bezahlen will?? Ups, Kapitel mit Landschaftbescheibung laß mal zukünftig weg, liest eh kein Schwein?? Schreib nur noch "Aktion"? Das ist eine Ökonomisierung und Verflachung bis in die Tiefe unserer Denkprozesse und die nützt nicht "uns", sondern nur den Aktionären von Amazon.

Juscha am 17.07.15 11:45

Entwicklung und Fortschritt ist ein Unterschied. Und ist es ein Fortschritt, etwas positives, dass unser Leben verbessert? Ich habe da meine Zweifel. Toll, ich kann jede Menge Dinge im Netz kaufen. Und ist ja auch so viel billiger. Aber zu welchem Preis? Ein in der Tat sterbener Einzelhandel, dessen Angebot immer eingeschränkter wird, weil wenig gefragte Produkte unrentabel sind. Bekomme ich, wenn überhaupt zur noch im Netz. Immer weniger gutgeschulte Verkäufer, weil zu teuer. Ich ziehe es vor, mit Menschen im Geschäft reden zu können, mich beraten zu lassen, das Produkt zu sehen. Und ist es eine Verbesserung, wenn Amazon seine Autoren nur noch nach gelesenen Zeilen bezahlen will?? Ups, Kapitel mit Landschaftbescheibung laß mal zukünftig weg, liest eh kein Schwein?? Schreib nur noch "Aktion"? Das ist eine Ökonomisierung und Verflachung bis in die Tiefe unserer Denkprozesse und die nützt nicht "uns", sondern nur den Aktionären von Amazon.

Juscha am 17.07.15 11:47

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Donnerstag, 16.07.2015

Egal, wie schnell der Internetanschluss ist - er ist zu langsam

Wie lange braucht ihr, um einen Song runterzuladen? In welcher Auflösung könnt ihr Videos gucken? Kurz gefragt: Wie schnell ist euer Internetanschluss? Die meisten sagen: Egal, wie schnell - er ist zu langsam. Was Breitband angeht, liegen wir in Deutschland mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,2 MBit/s nur auf Platz 26 weltweit. Für die WDR Servicezeit bin ich deshalb gerade in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs, WDR: um die Probleme zu dokumentieren, die das Nutzern und Unternehmen macht.

Statistik zum Breitbandausbau; Rechte: Statista
Mit durchschnittlich 10,2 MBit/s sind die Internetanschlüsse in Deutschland zu langsam für die Weltspitze - wir landen damit international auf Platz 26.

Beispiel eins: die Grafikerin aus Mönchengladbach. Brigitta Settels wohnt in Wanlo und arbeitet von zu Hause aus. Sie ist auf schnelles und stabiles Netz angewiesen, weil sie große Dateien an Druckereien verschicken muss. Trotzdem hat sie lange Zeit mit einem Anschluss gelebt, über den sie nur 1 MB pro Minute verschicken konnte. Für eine 200 MB große Druckdatei hieß das: mehr als drei Stunden warten. Settels war zum Teil so verzweifelt, dass sie nachts mit ihrem Auto durch die Straßen gefahren ist, auf der Suche nach einem ungeschützten WLAN, um darüber ihre Dateien zu verschicken. Mittlerweile ist Wanlo per Richtfunk ans Netz angeschlossen, was dem Ort einigermaßen verträgliche Geschwindigkeiten bringt.

Beispiel zwei: der Bauernhof im Münsterland. Familie Stumpf hat sich ihren Anschluss ans moderne Glasfasernetz in Olfen selbst organisiert. Eigentlich war nicht vorgesehen, dass ihr Bauernhof angeschlossen wird. Der Betreiber hat sich für ein paar Hundert Euro aber darauf eingelassen. Einzige Voraussetzung: Familie Stumpf musste 300 Meter von der Landstraße, an der gerade eine Glasfaserleitung für schnelles Internet verlegt wird, bis zu ihrem Bauernhof selbst buddeln.

Beispiel drei: das Gewerbegebiet in Wesel. Dort sitzt ein Unternehmen, das Kühltürme baut und dafür Baupläne verschicken muss, die zum Teil in den dreistelligen Megabyte-Bereich gehen. Das Unternehmen hat lange mehrere Leitungen mit 2 MBit/s gebündelt, was oft trotzdem nicht ausreichte. Für Videokonferenzen sind die Mitarbeiter zu befreundeten Unternehmen gegangen, um Dateien zu verschicken zum Teil zu sich selbst nach Hause - und zwar ins Wohngebiet auf der anderen Straßenseite, das mit schnellem Internet per Kabel versorgt ist. Mittlerweile hat auch dieses Unternehmen auf Richtfunktechnik umgestellt und ist einigermaßen zufrieden. Andere Unternehmen im Gewerbegebiet dagegen haben weiter Probleme und zahlen zum Teil viele Hundert Euro, um in einer angemessenen Geschwindigkeit ins Netz zu kommen.

Bagger auf Feld; Rechte: WDR/Dennis Horn
Familie Stumpf hat sich einen alten Bauernhof im Münsterland gekauft - und 300 Meter weit gebuddelt, um ans Glasfasernetz ihrer Stadt angeschlossen zu werden.

Beispiel vier: das 5-Sterne-Hotel in Bad Laasphe. Das Hotel hat viele internationale Gäste, die überhaupt kein Verständnis für eine schlechte Internetanbindung haben. Es gibt dort immer wieder Beschwerden, weil alles vorhanden ist, was ein Luxushotel so ausmacht - nur eben kein schnelles Internet, das im Ausland aber Standard ist.

Beispiel fünf: das Neubaugebiet in Wachtendonk. Dort haben uns Einwohner ihr Leid geplagt, die beim Bau noch die Hoffnung hatten, mit 16 MBit/s ins Netz gehen zu können - was übrigens oft schon in Familien mit nur einem Kind Engpässe mit sich bringt. Kurz vor dem Einzug erfuhren die Anwohner dann, dass sich kein Betreiber gefunden hat, der investieren wollte und deshalb nur die Telekom für die Grundversorgung mit 2 MBit/s aufkommt. Es ist das Jahr 2015, und selbst die Politik scheint noch achselzuckend hinzunehmen, dass Neubaugebiete nicht ordentlich angeschlossen werden. Im Viertel nebenan übrigens liegt Glasfaser fürs Kabelfernsehen. Das Angebot von Unitymedia für den Anschluss eines Hauses inklusive Tiefbauarbeiten: rund 12.000 Euro.

Wir haben jetzt vier Drehtage für unsere Reportage über den Breitbandausbau hinter uns und allein in dieser Zeit Geschichten erlebt, die mich verzweifeln lassen. Vermieter bekommen ihre Wohnungen nicht los, weil das Internet zu lahm ist. In Familien gibt es täglich Streit, wenn die Bandbreite sinkt. Unternehmen müssen fehleranfällig und teuer mit Stift und Papier arbeiten, weil sie nicht schnell genug ins Netz kommen. Anwohnern auf dem Land werden teure LTE-Verträge aufgeschwatzt - um dann festzustellen, dass es beim Telefonieren Aussetzer gibt und das Datenvolumen von 15 GB schon nach ein paar Tagen verbraucht ist. Videochats, Filme streamen, große Software-Updates runterladen - was heute völlig normal sein sollte, ist mit vielen Anschlüssen gar nicht möglich.

Ich weiß garnicht, warum alle Welt nach mehr Internet schreit.
Ist doch klar, wenn es mehr Geschwindigkeit gibt, wird noch mehr online gemacht.
Also passt es dann wieder nicht.
Hat schon mal Jemand ausgerechnet, wieviel Belastung die gigantischen Serverparks ausmachen? Wieviel Strom (und CO²) verbraucht wird?
Muss denn Jeder heute Alles im Internet machen, bis hin zum Kino-Film schauen?

Ich war gestern im neuen Terminator-Film - offline - so richtig im Kino.
Die Seitenhiebe Richtung Google und Facebook waren nicht zu übersehen.
Wir ahnen es kaum, aber wir sind kurz vor einem echten "Skynet" .....

Kai am 16.07.15 12:26

In der Grafik liegt D auf Platz 29 mit 8,8 Mbit/s. Im Text werden andere Werte verwendet (Platz 26 und 10,2 Mbit/s)?

Hinweis am 16.07.15 13:14

Und man hatte es eigentlich schon 1989 gewusst, dass es für ein Klicki-Bunti-Web niemals ausreichend Bandbreite für Alle geben wird. Irgendein kleiner Dritt-TV-Sender möchte immer noch mehr peinlich-gähnend langweiliges Programm streamen...

vaikl am 16.07.15 15:06

Es ist schon tragisch wie es um die Internetversorgung in Deutschland steht. Witzig finde ich aber die Kritiker des Internet welche das Internet nutzen.

Der Alte am 16.07.15 16:13

@Hinweis: Danke für selbigen. Wir haben ganz einfach versehentlich das Bild der alten Statistik von Ende 2014 eingebunden - statt der aktuellen.

Dennis Horn am 16.07.15 16:20

@Der Alte:
Es gibt ja auch noch eine Handvoll Menschen, welche einfach nur dienstlich Informationen aus dem Internet ziehen, die kurz und knapp sind.
Ich sprach in meinem Kommentar ja von denen, welche ganze Filme und Musikbibliotheken streamen und mit dem Sitznachbarn im Bus über whatsapp "kommunizieren". Das finde ich übertrieben und wenn man sich umschaut, haben die Leute kaum noch einen Blick für das Wesentliche.
Überall ist das Smartphone im Einsatz und oft sinnfrei.
Wie neulich im Kino, als meine Sitznachbarn während des Filmes permanent auf Facebook unterwegs waren.
Alleine das Displayleuchten störte gewaltig.
Muss das denn sein?

Kai am 17.07.15 12:18

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