Mittwoch, 19.02.2014

Lebensabschnittstechnik und Du

Ein Februarmorgen 2014. Schon die ersten Klänge reizen dazu, das Ding zum Schweigen zu bringen. Aber beim analogen Wecker war das ja auch nicht anders. Nun also über das Smartphone wischen, Weckfunktion deaktiviert, Ruhe. Kurz. Mal sehen, ob abends spät oder nachts noch etwas reingekommen ist. Ja, auf dem Display warten schon einige Pushnachrichten. Etwas später, Tablet und Smartphone am Frühstückstisch nörgeln gleichzeitig (Kalender sind synchronisiert), Zahnarzttermin in 90 Minuten. Jaja, das wusste ich auch so noch. Eben WWW: Siri beauftragen, gleich Alarm zu geben, damit der Tee nicht zu lange zieht. Ein ganzer normaler Morgen eben.

iPhone mit aktivierter Siri-Software Guten Morgen, liebe Technik, ich lasse mir gern helfen

Vor zehn Jahren lief das etwas anders, erster Internetkontakt womöglich erst nach elf Uhr. Daran kann ich mich kaum noch erinnern. Dafür aber an meine erste E-Mail: an den einzigen mit Mailadresse, den ich damals kannte, meinen Onkel, und abgeschickt gemeinsam mit Freunden in den USA - im Jahr 1997. In der Zeit habe ich auch noch diverse Briefe bekommen. Geschätzte Technikdurchsetzung des Alltags damals: 40 Prozent. Heute 95?

1985 hätte sie besser schon angefangen, typische gegenwärtige Vorgänge mit technischen Geräten zu beschreiben, bedauert Autorin und Netzbewohnerin WWW: Kathrin Passig. Am 17. Februar hat sie nun mit Co-Bloggerin WWW: Anne Schüßler damit begonnen, ein WWW: Techniktagebuch zu führen: die kleinen Anekdötchen aus einem Alltag mit WWW: Mobile Check-in am Flughafen, die Entscheidung zwischen verschiedenen WWW: Videostreamingdiensten oder einfach über Musik, beziehungsweise die Art, wie WWW: man sie heute eben hört. Kurze Bestandsaufnahmen, Mikroprotokolle, subjektiv und doch nicht, immer technikunterstützt. "Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!", steht als Motto über diesem Technikchronisten-Tumblr.

Technik ist eben auch nur Lebensabschnittstechnik. Das zu dokumentieren ist eine schöne Idee, finde ich, und überlege, wie ich am besten meine spätere Verabredung koordiniere: per Messenger (habe ich mit der Freundin zuletzt über Blog: Whatsapp oder Threema kommuniziert?), via Facebook oder doch ne handfeste SMS? Nun erst einmal ein paar Leuten in der Bahn beim WWW: Quizduell spielen beobachten.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Lebensabschnittstechnik und Du

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 19.02.2014

Sei kein Glasshole!

Ich möchte mich schon mal für den unhöflichen Titel entschuldigen. Denn "Glasshole", das klingt doch verdächtig nach "Asshole" - englisch für Arschloch. Das ist kein Tippfehler, sondern durchaus genau so gemeint. Ein Glasshole ist jemand, der Google Glass benutzt und besonders rüde ist. Also jemand, der zum Beispiel mit der Cyberbrille auf der Nase andere Leute fotografiert oder filmt - unbemerkt. So etwas ist nicht nur möglich, so etwas wird auch gemacht. Heute schon. Denn viele Entwickler und VIPs haben bereits eine Glass-Brille im Einsatz. Auf Youtube gibt es bereits mit Glass WWW: aufgezeichnete Videos zu sehen.

Jörg Schieb probiert Google Glass aus; Rechte: WDR/Schieb
Eigentlich kein Brillenträger, aber mit Google Glass schon


Google will schlechtes Image vermeiden
Beim Gedanken an rüpelnde Glass-User fühlt sich Google offensichtlich etwas unwohl. Der Verkaufsstart von Google Glass steht vor der Tür - und der soll nicht durch ein schon im Vorfeld entstehendes schlechtes Image gestört werden. Deshalb hat Google selbst nun eine Art WWW: Verhaltenscodex aufgestellt, an den sich jeder halten soll, der Google Glass aufsetzt und damit in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Hier erfahren wir, unter "Do's and Dont's", was von einem Google Glass Benutzer erwartet wird (Do's) und was man besser lassen sollte (Dont's).

Wichtigster Tipp: Anwesende um Erlaubnis fragen, Google Glass benutzen zu dürfen. Wer "alleine in einer Ecke steht und die Leute mit der Kamera aufnimmt, macht sich keine Freunde". Stimmt zweifellos. Wird aber trotzdem passieren. Glass-User sollen also vorher fragen, ob jemand etwas gegen Fotos oder Videos einzuwenden hat. Außerdem solle man Glass nirgendwo tragen, wo der Einsatz von Smartphones verboten oder unerwünscht ist, etwa im Badebereich eines Hotels. Auch zum Selbstschutz gibt es einige Tipps: Glass-User sollten das Spielzeug nicht übermäßig nutzen. Ständiges Starren auf den Minibildschirm sehe ein bisschen verrückt für die Umstehenden aus.


Google Glass im Praxistest


Verhaltenscodex fürs Smartphone
Doch wo wir beim Thema Benimmregeln sind: Wer selbst kein Google Glass hat, regt sich sicher gerne und schnell über mangelnde Umgangsformen von Glass-Usern auf. Sind ja die anderen. Aber wie sieht es mit uns selbst aus? Praktisch jeder hat heute ein Smartphone in der Tasche. Und wer mit offenen Augen durch den Tag geht, entdeckt garantiert jede Menge Regelverstöße. Kleinere und größere Unhöflichkeiten, etwa dass nur noch auf den Bildschirm gestarrt wird. Aber auch relevante Aspekte: Wie oft wird man heute wohl am Tag von Fremden fotografiert? Oder fotografiert selbst Fremde? Sicher unzählige Male, ob bewußt gewollt oder nicht.

Sei also kein Smarthole. Mist. Klingt nicht so gut. :) Aber jeder weiß, was gemeint ist.

Sollte ich so einen Typen jemals in meiner Umgebung feststellen wird er ein gewaltiges Problem haben!

Robin am 20.02.14 8:53

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Sei kein Glasshole!

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 19.02.2014

Warum ist der Mauszeiger schräg?

Manche Dinge nimmt man einfach so hin - ohne sich je zu fragen, warum sie so sind wie sie sind. Warum zum Beispiel zeigt der Pfeil des Mauszeigers nicht einfach gerade von unten nach oben? Hat das historische Gründe? Dient das irgendeinem speziellen Zweck? Die kleine Hand, deren Zeigefinger nach oben zeigt und in die sich der Mauszeiger manchmal verwandelt, ist doch schließlich auch nicht schräg. Warum?

Tatsächlich hat das einen historischen Grund, und WWW: ein uraltes Dokument von Xerox (PDF) aus den 80ern, das jetzt WWW: in einem Grafikforum in den USA aufgetaucht ist, zeigt ihn:

Mauszeiger; Rechte: Xerox
Konzeptskizze für den Mauszeiger vom Computerhersteller Xerox aus den frühen 80ern.

Als Douglas Engelbart in den 70ern die Maus erfand, WWW: war der Mauszeiger tatsächlich noch gerade nach oben ausgerichtet. Der Computerhersteller Xerox hat ihn aber Anfang der 80er für seine Workstation WWW: Xerox Star, den ersten kommerziellen Computer mit grafischer Benutzeroberfläche, schräg gemacht: eine Linie, die gerade nach unten führt, die andere im 45-Grad-Winkel.

Hauptgrund: die niedrige Auflösung auf den Monitoren damals. Ein schräger Mauszeiger war einfacher darzustellen. Hätte man ihn vertikal ausgerichtet, wäre er viel größer geworden und hätte eine wesentlich dickere Spitze gehabt.

Weil es außerdem einfacher ist, mit einem schrägen Mauszeiger genau den Punkt zu erwischen, auf den man klicken möchte - und weil sich alle so daran gewöhnt haben - arbeiten wir bis heute damit. Zumindest solange, bis alle nur noch mit Touchscreen arbeiten. Dann tippen wir mit unseren Fingern im schrägen Winkel weiter.

Ich werde auch in Zukunft nicht auf meinen PC verzichten und mit Maus und Tastatur arbeiten. Ein Tablet ist kein vollwertiger Computer. Man kann zwar damit Informationen abrufen, aber Schreiben auf einer virtuellen Tastatur ist für einen Menschen, der vor 45 Jahren auf einer mechanischen Schreibmaschine das Zehnfingersystem gelernt hat, einfach unmöglich.

Der Alte am 19.02.14 13:07

"Zumindest solange, bis alle nur noch mit Touchpad arbeiten."
Ich glaube hier ist Touchscreen gemeint, Touchpads benötigen auch weiterhin einen Mauszeiger :-)

Jonas Wilms am 19.02.14 18:50

@Jonas Wilms: Hervorragend aufgepasst - direkt korrigiert :). Danke!

Dennis Horn am 19.02.14 19:04

Ich finde Mäuse nur noch nervig. Ein anständiges grosses Touchpad ist viel angenehmer und verarbeitet auch Gesten mit zwei oder mehr Fingern.

Noch nerviger sind Systeme und Programme, die unnötigerweise winzige Icons und Knöpfe verwenden, auch mit einem Mauszeiger trifft man grosse Ziele erheblich entspannter. Dasselbe gilt natürlich auch für Webseiten.

joh am 19.02.14 23:39

Nette Erklaerung.Mir faellt eine andere ein-da die meissten Menschen rechtshaender sind wird der Zeiger normalerweise von rechts her an das Ziel herangefuehrt.Dann ist es einfacher das Zeil zu treffen wenn der Zeiger breits rechts\links ausgerichtet ist.

hmm am 20.02.14 8:50

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Warum ist der Mauszeiger schräg?

Zum Anfang dieses Eintrags

April 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/