Mittwoch, 13.05.2015

Facebook verführt Verleger

Spiegel und Bild geben die Vorhut. Eine mehr als ungewöhnliche Allianz - und das sollte uns skeptisch machen. Denn beide Publikationen veröffentlichen ab sofort Teile ihrer Inhalte direkt auf Facebook. "WWW: Instant Articles" nennt das Mark Zuckerbergs Netzwerk. Gemeint sind damit Artikel, die direkt im Facebook-Network gespeichert sind und dort gelesen werden können. Man bekommt also keinen Abriss präsentiert und landet nach einem Klick auf der Webseite des Inhalteanbieters, sondern liest alles von vorne bis hinten direkt in Facebook. Der Leser muss das soziale Netzwerk nicht verlassen.

Facebook Instant Articles: Inhalte direkt im Netzwerk eingebunden; Rechte: dpa/Picture Alliance
Facebook Instant Articles: Inhalte direkt im Netzwerk eingebunden


Facebook lockt mit 100% Werbeeinnahmen
Dafür werden die Verlage auch belohnt: Spiegel, Bild und alle anderen, die von Anfang an dabei sind, bekommen 100% der Werbeeinnahmen, die im Umfeld zu ihren Artikeln gemacht werden. Sie können sogar ihre eigenen Anzeigen mitbringen. Normalerweise ist es weniger, bei Google AdSense zum Beispiel 68%. Aber dafür behält man die vollständige Kontrolle über die eigenen Inhalte sowie die Nutzerdaten. Wer 32% mehr kassieren möchte, verzichtet also mal eben auf jedwede Kontrollmöglichkeit. Und liefert dem ohnehin schon größten und am schnellsten wachsenden System noch zusätzliches Futter, um weiter zu wachsen.

Besonders schlau ist das sicher nicht. Denn wenn sich die User erst mal daran gewöhnt haben, "ihr" Netzwerk nicht mehr verlassen zu müssen, dann wollen sie es irgendwann auch nicht mehr. Mark Zuckerberg wird sich freuen. Die User vielleicht auch. Aber es darf bezweifelt werden, dass sich auch alle anderen darüber freuen. Eine Win-Win-Win-Situation ist das nämlich ganz sicher nicht. Auch wenn Facebook erst mal mit 100% der Werbeeinnahmen lockt: Man kann sicher sein, dass die Anteile deutlich reduziert werden, wenn Facebook mächtig genug geworden ist, wenn jeder praktisch gezwungen ist, seine Inhalte bei Facebook zu präsentieren. Und dann werden die Pioniere von heute die sein, die den Karren als erste in den Mist gezogen haben.

Jonah Peretti: Macht Geld mit etwas, was nach Infos aussieht; Rechte: dpa/Picure Alliance
Jonah Peretti: Macht Geld mit etwas, was nach Infos aussieht


Facebook lockt mit 100% Werbeeinnahmen
Spiegel und Bild sind natürlich nicht allein. Auch New York Times, National Geographic, NBC News, Atlantic und Buzzfeed machen mit, in Großbritannien die BBC und der Guardian. Sie alle legen ihr Schicksal in die Hände von Mark Zuckerberg. Ich kann verstehen, dass man neue Wege gehen und sich auch ausprobieren möchte. Die Info-Junk-Schleuder Buzzfeed geht den Weg schon länger, seine Inhalte in die sozialen Netzwerke einzustellen.

Wie Jonah Peretti auf der WWW: SXSW-Konfernz im März eindrucksvoll geschildert hat, ist Buzzfeed damit überaus erfolgreich. Allerdings sollte man sich fragen, ob man wie Buzzfeed sein möchte. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, dass Buzzfeed irgend eine relevante Bereicherung darstellt, während zumindest der Spiegel wertvolle Inhalte bietet. Wie sagte schon Erich Kästner: "Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken."

Nun denn, Zuckerberg ist clever. Befassen wir uns mit Kästner. " Alles was gigantische Formen annimmt" hat er gesagt, "kann imponieren. Auch die Dummheit".

LiFe am 13.05.15 20:25

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Dienstag, 12.05.2015

Zettellose Mehr-Personen-Kalender

Ein Termin, fünf Telefonate, zehn Mails oder zwanzig Messages - und am Ende weiß keiner mehr, was abgemacht wurde. Einige behelfen sich mit Doodle-Listen, um den Überblick zu bewahren. Andere kritzeln noch alles auf Post-Its. Ich benutze am liebsten Familienplaner-Apps. Quasi die Wandkalender von damals, mit mehreren Spalten für Mama, Papa, Kind und Katze - nur eben digital. Die helfen übrigens durchaus auch Eltern, um sich während der Kita-Streiks in Sachen Kinderbetreuung abzustimmen.

App Ohana; Rechte: WDR/Horn

Um nicht permanent telefonieren zu müssen, verabredet man sich im Büro noch per Outlook, privat nutzt der Homo Digitalis die mitgelieferten Kalenderfunktionen auf seinem Handy oder schnappt sich Apps wie Week Cal, Ohana oder Family Cockpit - alle zwischen 1,79 und 2,99 Euro teuer, aber mit zahlreichen Funktionen.

App Family Cockpit; Rechte: WDR/Horn

So gibt es meist die Möglichkeit, mehrere Subkalender zu erstellen, die ich für bestimmte Personen freischalten oder unsichtbar lassen kann. Wer die Termine einsehen darf, muss dafür nicht extra snychronisieren. Das macht das Handy automatisch. Wenn ich also einen neuen Termin eintrage und eine Freundin einlade, erhält sie innerhalb weniger Sekunden eine Benachrichtigung oder eine blinkende "1" auf dem App-Icon angezeigt und weiß, dass etwas Neues ansteht. Regelmäßige Termine werden nicht als Neuigkeit angezeigt.

Ob man sich nur für einen Termin zum Reifenwechsel abstimmt oder zum Training verabredet - jeder ist sofort auf dem Laufenden. Bei Family Cockpit kann man auch Notfallnummern und Kontaktlisten teilen und es gibt einen Wunschlistenplaner für Geburtstage. Bei einer vierköpfigen Familie läppern sich die Kosten für den App-Kauf allerdings. Deshalb lohnt es sich auch, die ein oder andere Gratis-App zu testen.

App Famanice; Rechte: WDR/Horn

Die App Famanice ist vom Design in grün und weiß eher kantig und gefällt mir nicht so gut, aber sie funktioniert. Toll ist, dass hier eine Einkaufsliste integriert ist, aus der man einzelnen Leuten einzelne Zutaten zuordnen kann, damit jeder weiß, was er besorgen soll. Außerdem gibt es hier einen Stundenplan - super für Familien mit mehreren Kindern, aber auch wunderbar geeignet für die Planung von Trainingsterminen und Wettkämpfen in Vereinen oder die Organisation von Umzügen. Ich muss nur noch alle anderen überzeugen, sich die Apps auch runterzuladen. Per Mail. Oder Message. Notfalls auch zehn Mal.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Schon der kostenlosen Google Kalender kann Mehrbenutzerbetrieb und vieles mehr.
Und da er u. a. auch im Browser läuft, kann ihn jeder benutzen.

Resümee: Bessere Lösung, 0 Euro kosten!

Kumuluss am 13.05.15 0:08

Schon der kostenlosen Google Kalender kann Mehrbenutzerbetrieb und vieles mehr.
Und da er u. a. auch im Browser läuft, kann ihn jeder benutzen.

Resümee: Bessere Lösung, 0 Euro kosten!

Kumuluss am 13.05.15 0:09

Und was soll daran jetzt neu sein???
Mach ich seit Jahren so; geht sowohl mit Android als auch mit Apple-Geräten ohne Probleme.

Wenn ihr so olle Kamellen hier schreibt, müsst ihr euch nicht wundern, dass es kaum Kommentare zu den Blog-Einträgen gibt....

Christian Müller am 13.05.15 13:07

Man sollte beachten, dass man mit der Teilnahme der Nutzung der persönlichen Daten zustimmt. Zwar muss man nicht zwingend Adresse, Geburtsdatum oder Bilder hinterlegen, aber mindestens e-Mail Adresse und Familienbeziehungen werden preisgegeben. Das sind schon mehr gesicherte Informationen, als Google oder Facebook automatisch bekommen.

So gesehen ist die App zwar kostenlos aber nicht ohne Preis!

Michael Ziegler am 13.05.15 21:07

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Sonntag, 10.05.2015

Die Welt ist in Bewegung

Die Welt ist in Bewegung. Ständig. Viele dieser Bewegungen nehmen wir gar nicht wahr, etwa die Erdrotation. Die Bewegung um die Sonne. Das Dahingleiten unserer Galaxie. Aber auch auf unserem Planeten gibt es jede Menge Bewegung. "Motion is life", sagt der Autor Haruki Murakami. Davon hat sich der Filmemacher Aaron Keigher inspirieren lassen. Er zeigt uns, wie die Welt beiNacht aussieht. Auch da ist alles in Bewegung. Die Wolken am Himmel. Die Autos auf der Straße. Die Menschen. Die Tiere. Keigher hat das in einem wundervollen Film eingefangen.

Sehr ästhetisch und stimmungsvoll. Schön anzusehen und anregend. Viel Spaß beim Anschauen.

WWW: Move from WWW: Aaron Keigher on WWW: Vimeo.


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