Dienstag, 26.08.2014

Amazon kauft Twitch ... wen!?

Dass es passiert, war lange klar. Dass es so passiert, ist eine Überraschung: Nach all den großen Übernahmen der letzten Zeit von Instagram über Tumblr bis WhatsApp geht der Streamingdienst WWW: Twitch für 970 Millionen US-Dollar an Amazon - WWW: das ist jetzt offiziell. Dabei hatte es wochenlang Spekulationen über Verhandlungen mit Google gegeben. Auch Yahoo! und Microsoft waren interessiert - WWW: und hätten angeblich sogar noch mehr investiert.

Twitch; Rechte: Twitch
Welches Spiel darf's sein? Bei Twitch schaut man anderen Nutzern beim Zocken zu. Zehntausende Fans verfolgen gerade zum Beispiel die Livestreams zu "League of Legends".

Twitch ist einer dieser Dienste, WWW: von dem viele jetzt das erste Mal hören und den es vor etwas über drei Jahren noch nicht einmal gab - und das, obwohl er für fast eine Milliarde US-Dollar über den Tisch geht. Der Dienst ist 2011 aus dem Streamingdienst Justin.tv hervorgegangen und seitdem zum "YouTube für Spiele-Livestreams" geworden. Er erreichte zuletzt jeden Monat weltweit rund 55 Millionen Nutzer.

Wer einen Livestream bei Twitch aufruft, bekommt die Übertragung des Spiels zu sehen, außerdem ein Bild des Nutzers - und ein Chatfenster, über das man sich mit den anderen Fans austauschen kann. Einige Spieler haben Tausende Zuschauer, wenn über Twitch ganze E-Sport-Turnierspiele übertragen werden, sind Hunderttausende live dabei.

Beliebt sind außerdem das Spreedrunning, bei dem Nutzer in Nullkommanix komplette Spiele von vorn bis hinten durchzocken, kreative Experimente, in denen ganze Spielewelten auf den Kopf gestellt werden, oder Übertragungen von Minecraft-Spielen, bei denen Zuschauer die Klötzchenwelten anderer Nutzer kennenlernen - damit ist Gronkh immerhin Blog: der erfolgreichste YouTuber Deutschlands geworden.


Wenn euch Twitch völlig neu ist: Mit diesem Video stellt sich der Streamingdienst zurzeit bei YouTube vor.

Erfolg haben bei Twitch nicht nur die Profizocker, sondern auch Nutzer, die ihre Spiele mit Humor kommentieren. Es geht nicht nur wie beim Sport darum, wer gewinnt und wer verliert. Kreativität und Comedy machen einen großen Teil aus. Viele schauen die Livestreams auch, um an ihrem eigenen Können zu arbeiten. Und wie YouTube bringt auch Twitch ganz neue Stars hervor - WWW: was sich auch hier anfühlt wie eine Parallelwelt.

Twitch ist seit seinem Start auf jeden Fall zu einem Riesen geworden - es gehört heute zu den 15 Onlinediensten, die weltweit den meisten Datenverkehr verursachen. Twitch beeinflusst mit Sicherheit auch viele Nutzer, die sich nach dem Erscheinen neuer Spiele erst einmal per Livestream darüber informieren, ob sich der Kauf auch lohnt. Und Twitch ist vermutlich auch erst der Anfang einer großen Livestream-Ära.

Spannend wird jetzt, was Amazon daraus macht. Twitch soll zwar unabhängig bleiben, mit seinem Namen, mit seinen Mitarbeitern, mit seinen Büros. Es könnte aber gut sein, dass der Dienst zu einer Art Werbeplattform wird: Wer interessiert zuguckt, ist auch schneller dabei, ein Spiel zu kaufen - natürlich über Amazon. Den Verkaufslink dazu könnte es dann in Zukunft direkt neben dem Livestream geben.

Für Amazon könnte Twitch außerdem ein strategischer Schritt sein, wenn es ums Wohnzimmer geht: Google und Apple haben schon lange die Marktführerschaft, was mobile Geräte vom Smartphone bis zum Tablet angeht. WWW: Der Kampf ums Wohnzimmer ist aber noch nicht entschieden. Dort, wo die Zocker mit ihren Konsolen zu Hause sind, nämlich auf dem großen Fernseher, kann sich Amazon noch immer einnisten.

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Digitalistan - Digital - WDR.de

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Montag, 25.08.2014

Wenn die Welt dieselbe Musik hört

Der Streamingdienst Spotify hat ein spannendes Experiment online gestellt: WWW: Serendipity - eine Website, die zeigt, wo auf der Welt zwei Menschen zur selben Zeit den selben Song hören. Laut Spotify gibt es jede Sekunde zehn solcher Paarungen, egal ob es sich um völlig verquere Free-Jazz-Nummern oder den aktuellen Song von David Guetta handelt.

Serendipity; Rechte: Spotify
"Cool Kids" von Echosmith läuft gleichzeitig in Wolfeboro in New Hampshire und im kleinen Ort Sandy in den Südstaaten.

Serendipity wechselt alle paar Sekunden den Song und die damit verbundenen Orte und spielt wechselweise Musik, die nur in bestimmten Regionen angesagt ist - oder solche, die weltweit beliebt ist. Damit bin ich schnell auch auf ganz neue Musik gestoßen, die ich noch nicht kannte - besser als jeder Algorithmus, der mir eh immer nur dasselbe liefert.

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Montag, 25.08.2014

Die Kettensägen-App

Der Sound einer Kettensäge! Da kreischt es doch direkt im Kopf. Blöd nur, dass da, wo das Kreischen als Alarmsignal wichtig wäre, einfach zu wenig Köpfe sind. In unseren Regenwäldern. Südamerika, Afrika, Indonesien - da, wo laut Studie von Interpol und UNEP WWW: 50 bis 90 Prozent Holz illegal abgeholzt werden. Das merkt keiner, beziehungsweise erst über Satellitenbilder und dann ist es schon zu spät. Das Startup WWW: Rainforest Connection ändert das gerade. Mit alten Handys.

rainforestconnection-grafik.jpg Grafik: Rainforest Connection

Wie? Alte Smartphones werden umgebaut - sie bekommen eine Ladung Solarzellen und eine wasserdichte Hülle - und werden in Bäume gehängt. Die Smartphones hören dann den Regenwald ab, reagieren auf Kettensägengeräusche und schlagen über App Alarm.

WWW: Das erste Pilotprojekt in Sumatra ist gut gelaufen. Schon am zweiten Tag haben die Rainforest Connection-Leute illegale Baumfäller geschnappt. Jetzt möchte Erfinder WWW: Topher White aus San Francisco ein größeres in Afrika starten. WWW: Und auch in Brasilien besteht anscheinend Interesse. Ende 2014 will die Organisation außerdem eine App rausbringen, über die wir alle uns den Regenwald-Sound per Stream nach Hause holen können.

Finanziert wurde das Ganze über die Crowfunding-Plattform Kickstarter. WWW: 2.844 Spender haben 167.299 Dollar gegeben.

Ein spannendes Projekt! Lohnt sich, es weiter im Auge zu behalten.

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