Samstag, 28.06.2014

Verizon: Der Feind in meinem Bett

Spätestens, seitdem Whistleblower Edward Snowden die Blog: NSA-Affäre in Gang gebracht hat, sollte jeder wissen, dass amerikanische Geheimdienste so ziemlich alles unternehmen, um ihre Neugierde zu befriedigen. Auch befreundete Nationen werden ausgespäht. Rechtliche Bedenken spielen keine Rolle, moralische Bedenken gibt es keine. Da mutet es schon ein bisschen merkwürdig an, dass der deutsche Bundestag und auch die deutsche Bundesregierung Verträge mit dem amerikanischen Internet-Provider Verizon haben, der den Bundestag mit Internet versorgt - und diese Verträge in Zeiten der NSA-Affäre niemanden aufgefallen zu sein scheinen, der für IT-Sicherheit verantwortlich ist.

Verizon Homepage; Rechte: Verizon
US-Provider versorgt Bundestag mit Internet


US-Provider versorgt Bundestag mit Internet
Wenn Abgeordnete in Berlin oder in ihren Abgeordnetenbüros im Netz surfen, nutzen sie zumindest teilweise die Infrastruktur des amerikanischen Anbieters Verizon, und das bereits seit dem Jahr 2005. Jetzt hat der Bundestag die Verträge mit Verizon gekündigt. Aus gutem Grund, denn wer will garantieren, dass Verizon seine Kenntnisse und Möglichkeiten nicht auch der NSA zur Verfügung stellt? Selbst wenn das vertraglich ausgeschlossen wäre: Amerikanische Gesetze könnten den Provider zur Mitarbeit zwingen und gleichzeitig zu Stillschweigen verdonnern. Ein unnötiges Risiko.

Alle großen Medien berichten derzeit über den Paukenschlag. Nur wenige fragen allerdings, wieso es so lange gedauert hat, bis in Berlin jemand aktiv wurde. Seit einem Jahr ist bekannt, dass die NSA generell im großen Stil schnüffelt, seit Monaten wissen wir, dass selbst das Kanzlerinnen-Handy nicht tabu. Wie man da guten Gewissens Verizon in den Bundestag lassen kann, das muss man erst mal so erklären, dass jemand mit gesundem Menschenverstand dafür Verständnis aufbringen kann. Bislang mangelt es an einer solchen Erklärung - verständlicherweise.

Angela Merkel hält Handy in der Handy; Rechte: dpa/Picture Alliance
Das Handy von Angela Merkel:Abgehört von der NSA?


Arbeitserleichterung für die NSA
Die gerade erst (und völlig zu Recht) mit einem WDR: Grimme Online Award ausgezeichnete Plattform Blog: netzpolitik.org bezeichnet diese Verträge mit Verizon augenzwinkernd als eine "WWW: Arbeitserleichterung für die NSA". So kann man es natürlich auch formulieren. In Wahrheit ist es schlimmer. Denn Verizon ist nicht nur irgendein amerikanischer Provider, sondern ausgerechnet einer, der besonders eifrig Daten an die NSA weitergibt. Verizon wird sogar WWW: von der NSA dafür bezahlt. Verizon war die erste US-Firma, über die Glenn Greenwald im ersten Leak aus den Snowden-Dokumenten ausführlich berichtet, weil Verizon nämlich WWW: Telefondaten gesammelt und an die Behörden übergeben hat.

Dass dieser Skandal aufgeklärt wurde, ist vor allem netzpolitik.org zu verdanken. Das Portal hat nämlich einige Büros im Bundestag untersucht und ermittelt, dass tatsächlich mit Verizon gesurft wird - und Belege dafür veröffentlicht. Erst danach kam Fahrt in die Sache, erst danach haben Medien im großen Stil darüber berichtet (freilich oft, ohne netzpolitik.org zu erwähnen), und erst danach wurde die Sache in der Bundesregierung mal ernst genommen - und die Notbremse gezogen. Ich frage mich: Wieso ist niemand im Bundestag oder in der Regierung auf die Idee gekommen? Schon vor Monaten hätte man Zeichen setzen müssen. Da kann man nur staunen. Und erschrocken sein.

Einige Dienste im Bundestag nutzten IP-Adressen einer Firma, die dann später von Verizon gekauft wurde. Aber wen interessierten schon Details wenn man so viel besser fluchen kann.

Das zu ändern ist völlig korrekt, aber dass das nicht weiter aufgefallen ist, ist nicht weiter verwunderlich.

Joh am 28.06.14 20:33

Ist schon peinlich wenn man so einen Kommentar abgibt und den txt nicht gelesen hat:
Der Bundestag hat einen Vertrag mit Verizon und kuendigt diesen erst gut ein Jahr nachdem es oeffentlich wurde das speziell Verizon sich im "vorauseilenden Gehorsam"gegenueber der NSA befleissigt hat.Nun gut-die Politik weiss es ja seit den 50ger Jahren das unsere Freunde aus den USA uns ueberwachen und abschnorcheln-aber bis Snowden blieb es ja "unter Freunden",dies Wissen.

@Joh am 29.06.14 19:30

Wir haben hier womöglich ein grundsätzliches Problem mit dem Ehrgefühl einiger Regierungsmitglieder, was ihre deutsche Staatsbürgerschaft angeht.
Für solche Sachen wie der hier gingen Politiker von Angela Merkels großem Bruder langjährig in den Knast.
Das zieht sich doch wie ein roter Faden durch die ganze NSA/Snowdengeschichte.

Ich glaube auch nicht mehr an Naivität der Teilnehmer. Nicht mehr nach all den Vorgängen.
Da wird meiner Meinung nach von außen Druck gemacht oder Geld gezahlt.

Gert am 30.06.14 14:01

Ich habe dazu verdammt viel mehr als diesen zweitverdauten Text gelesen. Diese IP-Adressen kamen von einer Firma, die erst später von Verizon gekauft worden ist. Das war eine sehr mittelbare Angelegenheit, und lange nicht so klar wie "der Bundestag geht ins Internet über Verizon!!!". Das ist eher so wie "Ich kaufe für meine Katzen nur Whiskas, weil Kitekat ist doof. Ach, das sind nur zwei Marken desselben Unternehmens?" Naja, eher noch viel vermittelter, weil die erst später gekauft wurden. Ach, egal.

joh am 30.06.14 22:40

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Freitag, 27.06.2014

Hack: Spionieren mit Google Glass

Google Glass spaltet die Gemüter. Die einen können sich mühelos für die fraglos vielen Blog: Möglichkeiten begeistern, die Googles Datenbrille anbietet: Sofort Blog: Fotos oder Videos aufnehmen von genau dem Motiv, das man gerade sieht zum Beispiel. Oder sich unterwegs mit Daten versorgen. Nicht schlecht. Ein vielseitiges Spielzeug. Andere halten Google Glass für völlig verzichtbar und Blog: sorgen sich um ihre Privatsphäre. Denn mit Google Glass lassen sich nahezu unbemerkt Aufnahmen machen. Längst gibt es daher Cafés und Restaurants in den USA, wo das Tragen von Google Glass ausdrücklich verboten ist. Das werden wir auch hier in Deutschland bekommen, wenn die Datenbrille erst mal stärker verbreitet sein wird.

Doch aus den Niederlanden kommt eine Nachricht, die Glass-Fans sicher missfallen und Glass-Gegner als Bestätigung empfinden werden: Mit einem WWW: Hack lässt sich Google Glass so manipulieren, dass Hacker die Brille fernsteuern können. Sie haben dann die Möglichkeit, alles zu sehen, was der Träger der Brille sieht. Die Brille liefert den Hackern eine Art Livevideo, Google Glass wird zum perfekten Spionagewerkzeug - und der Träger der Brille merkt es nicht mal. Die NSA dürfte Interesse an diesem Hack haben, so viel ist klar. Sicher kein Feature, das Google Glass die Herzen zufliegen lässt ...


Google Glass im Selbsttest

"Sicher kein Feature, das Google Glass die Herzen zufliegen lässt ..."

Ach, Herr Schieb,
die Erfahrung zeigt doch, daß die, die sowieso alles toll finden, was aus den USA kommt; die dann auch nie niemals nichts zu verbergen haben, intellektuell die Reichweite ihres Tuns einfach nicht erfassen können.
Denen geht Ihr "aber" sowas von am Allerwertesten vorbei.

Es gibt ja noch eine Handvoll aufgeklärter Geister in diesem Land.
Aber die werden von unserem "one man, one vote"-System einfach durch die Masse weggebügelt.

Wir bräuchten wirklich eine souveräne und moralisch legitimierte Instanz, die Spielregeln für solche neuen Technologien von Google Glass bis zum Einsatz von Drohnen zur Ermordung politisch Andersdenkender aufstellt und sanktioniert.

Die Politik als involvierter Täter in diesem derzeitigen System scheidet dafür jedenfalls, samt Bundespräsident, komplett aus.
Die sind nur an einer Festigung des derzeitigen Zustands, der ihnen Macht und Geld gewährt, interessiert.

Gert am 27.06.14 13:25

Wie ist das eigentlich juristisch zu bewerten?
Ich habe doch das Recht auf das eigene Bild,Somit dürfte diese Brille in Deutschland sowieso nicht genutzt werden, jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit.
Darf ich also dem Träger dieser Brille diese abnehmen und unbrauchbar machen, wenn ich annehmen kann, dass er mich in Bild und Ton aufzeichnet?
Also eigentlich immer, wenn ich jetzt von dem Hack weiss.

oppa ali am 27.06.14 18:49

@oppa ali: Das "Recht am eigenen Bild" gilt nur, wenn die betreffenden Bilder veröffentlicht werden. Ansonsten darf jeder jeden im öffentlichen Raum soviel fotografieren und filmen, wie er Lust hat. Als "Kameramann" sollte man natürlich auf die Einwände und Befindlichkeiten der fotografierten Personen Rücksicht nehmen, aber Ihre Fantasien vom gewaltsamen Herunterreissen und Zertrampeln der Kamera-Brille (oder auch eines anderen Aufnahmegerätes wie einer klassischen Kamera) können Sie sich wieder abschminken, das wäre illegal und würde Sie schadensersatzpflichtig machen. Sie dürfen natürlich höflich darum bitten, nicht fotografiert oder gefilmt zu werden.

Herbert Kaiser am 27.06.14 21:25

Aber nicht doch, Herr Kaiser. Reissen und Trampeln liegen mir fern.
Diese Dinger funktionieren elektrisch, Elektrik hat immer etwas mit magnetischem Fluss zu tun und ist von daher ziemlich störanfällig.

oppa ali am 28.06.14 10:02

@oppa ali: Naja, das mit dem "Wegnehmen", das Sie sich in Ihrem ersten Beitrag wünschten, dürfte elektromagnetisch etwas schwierig werden. Aber was schwebt Ihnen denn jetzt vor? Ein Störsender? Ziemlich illegal in Deutschland. Eine Mikrowellen-Kanone? Will ich gar nicht erst darüber nachzudenken anfangen... Und, wie gesagt, all das gegen etwas, dessen Gebrauch entgegen laienhaften Vorstellungen NICHT illegal ist, auch wenn Sie noch so oft auf Ihrem angeblichen "Recht am Bild" herumreiten.

Herbert Kaiser am 28.06.14 18:31

Das Recht auf das eigene Bild ist nicht "angeblich".

Gert am 30.06.14 13:52

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Mittwoch, 25.06.2014

Google will anziehend werden

Google will mit seinem Betriebssystem Android und mit seinen Onlinediensten in möglichst viele Bereiche unseres Lebens vordringen. Wie konkret diese Pläne sind, zeigt die Entwicklerkonferenz WWW: Google I/O, die gerade in San Francisco stattfindet. Hier erfahren Techniker und Entwickler, wohin für Google die Reise geht. Das Ziel ist klar: Google will verstärkt in tragbaren Geräten vertreten sein, etwa in der Smartwatch. Ab sofort sollen die ersten Geräte im Google-Store zu kaufen sein, die mit Googles Betriebssystem WWW: Android Wearable für tragbare Mobilgeräte ausgerüstet sind, unter anderem Smartwachtes von LG und Samsung. Die schicke Smartwatch Moto 360 soll im Sommer auf den Markt kommen.

Das Timing ist kein Zufall, sondern geschickt gewählt. Denn gerade verdichten sich die Gerüchte, dass Apple im Oktober nun endgültig die schon lang erwartete Smartwatch iWatch vorstellen dürfte, mit einem klaren Schwerpunkt auf Messfunktionen für Sport und Gesundheit. Google will das Thema Wearbales vor Apple besetzen und präsentiert deshalb auf der Konferenz Google I/O stolz erste Geräte mit dem speziell dafür entwickelten Android Wear. Eine auf kleine Displays (rund oder eckig) zugeschnittene Version von Googles Mobilbetriebssystem Android, die auf Spracheingabe setzt. Schon lange experimentiert Google mit Spracheingabe bei den Onlinediensten - bei solchen Minigeräten macht sie besonders viel Sinn, da sich die Winz-Displays kaum anders bedienen lassen. Tippen und Wischen ist noch möglich, aber einen Text eingeben? Unmöglich.

Google Now in Smartwatch; Quelle: Google
Google Now auf Smartwatch mit Android Wearable


Auf die Benutzeroberfläche kommt es an
Damit eine Smartwatch nicht nur ein zweiter Bildschirm für das Smartphone in der Tasche ist (und damit eher ein kostspieliges Spielzeug), muss man sich in der Tat einiges einfallen lassen. Google will deshalb vor allem mit Google Now punkten: Der digitale Assistent hält Termine im Blick und erinnert einen, wenn man eigentlich losfahren muss zum nächsten Termin - oder zum Flughafen. Aktuelle Staus oder Flugänderungen werden dabei berücksichtigt. Google Now denkt mit und zeigt immer die Informationen an, die gerade wichtig sind. So etwas macht in einer Smartwatch durchaus Sinn, schließlich ist das Display vergleichsweise klein, das lässt sich nicht mit Informationen überladen.

Noch ist Google Now nicht sonderlich ausgereift, aber das kann kommen. Gut hingegen, dass auch Dritte Apps für die Wearables entwickeln können. So waren auf der Konferenz schon Apps zu sehen, mit deren Hilfe man ein Taxi bestellen kann - blitzschnell, ohne zum Smartphone greifen zu müssen. Google hat sich aber auch konkrete Gedanken dazu gemacht, wie die Bedienung auf Mobilgeräten aussehen soll und eine Art WWW: Leitfaden erstellt, an den sich Entwickler halten sollen. Dieser Schritt scheint dringend nötig, denn in punkto konsistente Benutzeroberfläche ist Apple bislang deutlich überlegen. Das soll sich ändern, nicht nur auf Wearable-Geräten, sondern auch auf Tablet, Smartphone und Desktop. Lobenswert!


Android Wear: Selbst im kleinsten DIsplay ist Platz für Google


Android TV: Auch im Fernseher zu Hause
Auch in den Fernseher will Google verstärkt einziehen. Sony, Sharp und Philips kommen schon bald mit Geräten auf den Markt, die mit Android-Betriebssystem ausgestattet sind. Die Fernseher lassen sich dann einfach und schnell mit dem Internet verbinden. Youtube ist ebenso selbstverständlich möglich wie das Kaufen oder Ausleihen von Filmen im Google Play Store. Darüber hinaus sollen sich die Fernseher per Sprachsteuerung bedienen lassen - oder per Smartphone oder Smartwatch. In Android TV ist Blog: Googles Chromecast mit eingebaut. Das erlaubt, Inhalte als Smartphone, Tablet oder Notebook auf dem Fernseher sichtbar zu machen. TV-Apps soll es ebenfalls geben. Google dringt damit mit Wucht in einen Markt vor, den sich bislang Apple und Microsoft vorgeknöpft haben.

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