Samstag, 10.05.2014

Google drängt ins Taxigewerbe

Google hat diese Woche die neue Version 3 seiner Karten-App Google Maps vorgestellt - für iOS und Android. Neben vielen neuen Funktionen wie verbesserten Offlinekarten oder feinerer Suchfilter gibt es nun auch eine serienmäßige Anbindung an die Taxi-App WWW: Uber, direkt aus der Maps-App heraus. Mit Hilfe von Uber kann man einen Wagen rufen, der einen von A nach B fährt - wie ein Taxi. Allerdings ruft man kein Taxi, sondern einen Mietwagen mit Chauffeur oder sogar Privatleute, die einen mit ihrem Auto kutschieren. Eine ernsthafte Konkurrenz fürs Taxigewerbe. Deswegen gibt es immer öfter Ärger: In Berlin WDR: wehren sich die Taxtfahrer bereits, in WWW: London ebenfalls. Trotzdem will Uber auch in Köln und Düsseldorf starten.


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Uber bietet in vielen Städten Chauffeurdienste an


Google ist an Uber beteiligt
Stellt sich die Frage, wieso Google Maps mit Uber kooperiert, nicht aber mit anderen, vergleichbaren Plattformen wie WWW: Hailo, WWW: Lyft, WWW: Blacklane, WWW: MyDriver oder WWW: MyTaxi. Technisch wäre die Anbindung an solche Apps genauso einfach - und nicht minder sinnvoll. Manche der alternativen Apps/Systeme sind stärker im Einsatz als Uber. Die Bevorzugung eines einzelnen Anbieters ist schon recht ungewöhnlich für Google.

Aber die Gründe dafür liegen auf der Hand, wenn man die Hintergründe kennt: Google hat längst ein Auge auf Uber geworfen. Der Konzern hat über Google Ventures mit 258 Millionen Dollar in Uber investiert. Insider vermuten, Google könnte an einer kompletten WWW: Übernahme von Uber interessiert sein. Es wäre nicht die erste Übernahme einer Firma, die auf den ersten Blick nicht viel mit Googles Kernaufgaben zu tun hat. Ich möchte nur an den Blog: Aufkauf von Nest erinnern, den Hersteller von Thermostaten und Rauchmeldern. Auch hier hat Google erst investiert - und wenig später das komplette Unternehmen übernommen. Könnte Uber auch blühen.

uberpop.png
UberPop: Jeder kann zum "Chauffeur" werden


Google hat mit Uber eine Menge vor
Google denkt gerne gleich mehrere Schritte weiter. Es geht Google wohl kaum darum, Provisionen an Taxifahrten zu kassieren. Das sind Peanuts - uninteressant. Viel interessanter sind die durchaus denkbaren Zukunftsszenarien, die manche Experten haben. Google experimentiert schon länger mit Blog: selbstfahrenden Autos. Sollten die in einigen Jahren Marktreife erlangen, könnte Google zum ersten und gleich größten Anbieter von selbstfahrenden Taxen werden. Klingt plausibel, aber auch ein bisschen zu sehr nach Science-fiction.

Eher wahrscheinlich ist ein anderes Szenario: Google plant einen eigenen Zustellservice. Zweifellos ein boomender Markt. Auch Amazon denkt längst über einen WWW: eigenen Zustelldienst nach. Google könnte Amazon zuvorkommen wollen. Uber-Fahrer stellen Pakete und Sendungen zu, zur Not rund um die Uhr. Durchaus vorstellbar. Googles Infrastruktur, Know-how und detailreichen Kenntnisse über Großstädte (nicht zuletzt dank Google Maps), die aktuelle Verkehrslage inklusive, wären echte Wettbewerbsvorteile.

..ruft man kein Taxi, sondern einen Mietwagen mit Chauffeur oder sogar Privatleute, die einen mit ihrem Auto kutschieren.. Uber-Fahrer stellen Pakete und Sendungen zu, zur Not rund um die Uhr. Durchaus vorstellbar. - DIE ARMEN LEUTE, DIE DAS MACHEN MUESSEN, TUN MIR JETZT SCHON LEID! :( SO GEHT DAS TAXIGEWERBE VOR DIE HUNDE!

Peter am 10.05.14 18:11

Machen müssen? Gezwungen wird dazu niemand, oder?

Nils am 13.05.14 5:30

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Freitag, 09.05.2014

Radikaler oder nicht? - Notizen von Tag drei der re:publica 14

Nach drei Tagen re:publica zeigt sich, wie sehr die Netzgemeinde um Positionen ringt. Brauchen wir mehr Netz oder mehr Entspannung? Suchen wir die Fehler bei uns selbst, in der Politik oder bei den Menschen in diesem Land? Und vor allem eine Frage steht im Mittelpunkt: Müssen wir jetzt radikaler werden - oder kompromissbereit?

re:publica; Rechte: re:publica/Sandra Schink
Drei Tage re:publica vergehen wie im Flug: Johnny Haeusler und Team verabschieden sich mit dem traditionellen Bohemian-Rhapsody-Karaoke von den Teilnehmern.

Es soll Menschen geben, die das Internet nicht nutzen. Die es zum Beispiel dabei stört, sich zu entlieben. Oder die einfach von manchen Begleitumständen genervt sind. Für sie war die Session "Todessternsünden" vermutlich eine Wohltat: Laura Sophie Dornheim hat die digitalen Nachfahren der sieben Todsünden vorgestellt.

Hochmut? Heutzutage ganz klar: das #selfie, inklusive aller WDR: How-tos im Netz. Geiz? Die Kostenloskultur, versteht sich. Das Sich-darauf-eingestellt-Haben, im Netz alles für umme zu bekommen. Wollust? Der Wahn, ständig aufs Smartphone zu gucken und am liebsten alle sozialen Netzwerke auf einmal zu bedienen - und darüber sein Gegenüber zu vergessen. Zorn? Die oft unterirdische Kommentarkultur im Netz. Völlerei? Binge-Watching, Online-Shopping, Dauer-Networking. Und Faulheit? Dazu kopiere ich mir gleich etwas aus der Wikipedia, um mir selbst nicht die Arbeit machen zu müssen.

Überhaupt: das digitale Fasten liegt im Trend und ist wohl in vielen Lebenssituationen auch ganz sinnvoll. Kate Miltner, die auf der re:publica schon mit ihrem Emoji-Karaoke aufgefallen ist, hat eine ganze Session dazu gehalten, wie sehr sich Smartphones und Liebesbeziehungen stören können - und wie sich das verhindern lässt. Nach dieser re:publica ist mir klar: Ich werde nie wieder eine Session mit Kate Miltner verpassen.


Kate Miltner: "Put Down That Phone And Talk To Me"

Ein ganz großer Geheimtipp außerdem: die Reportage "Wo das Internet lebt" von Moritz Metz. Neben seinem großartigen WWW: Feature für Deutschlandradio Kultur hat er eine ganze Reihe von WWW: Audioslideshows für ARTE Future produziert. Alles zusammen schafft ein ungemeines Verständnis dafür, wie das Netz eigentlich "aussieht".

Das größte Highlight: Felix Schwenzels "Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben". Er hält damit exakt den Vortrag, den ich von Sascha Lobo als Blog: Rede zur Lage der Nation erwartet hätte - und differenziert dabei so wie nur wenige auf dieser re:publica.

"Wir kennen unseren Gegner nicht, kennen keine Lösung und wissen nicht, wie wir diese erreichen können", sagt Schwenzel. "Das ständige Aufbauschen und Beschwören der Demokratieapokalypse ist ein Problem. Wir müssen besser argumentieren. Wir überzeugen niemanden durch dumpfes Wiederholen unserer eigenen Ansichten." Großer Tipp zum Nachgucken, WWW: sobald diese Rede online verfügbar ist.

re:publica; Rechte: re:publica/Sandra Schink
Der Termin für die re:publica 15 steht bereits fest: Sie findet in der Woche vom 4. bis 8. Mai 2015 in Berlin statt.

Was bleibt nun von dieser re:publica? Sie war wie immer eine wundervolle Konferenz, so wichtig für die Netzwelt, auch weil sie einer der Orte ist, an denen klar wird, dass die Digitalisierung kein reines Technikthema, sondern ein großes Gesellschaftsthema ist. Dieses Forum in dieser Atmosphäre und in dieser Offenheit - dafür kann man Tanja und Johnny Haeusler, Markus Beckedahl und Andreas Gebhard gar nicht genug danken.

Doch es bleibt ein Beigeschmack: Die Konferenz war in diesem Jahr auch ein Rückschritt, bei all den Kampfansagen, den Aufrufen zur Radikalisierung, dem neu aufgelegten Wer-nicht-für-uns-ist-ist-gegen-uns. Die Diskussion ums Netz war noch ein Jahr vorher weiter vorangeschritten. WWW: Dabei brauchen Staat und Netz nach dem Überwachungsskandal einander so viel mehr als bisher.

Sieben Todsünden? Waren das nicht eigentlich Laster? Und was war nochmal der Unterschied zwischen Laster und Sünde? Wie ist Klugscheißerei einzustufen?

Thomas am 9.05.14 23:13

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Donnerstag, 08.05.2014

Wer bewahrt die Schätze des Internets?

"Das macht die NSA doch eh, mag mancher sagen" - mit dieser etwas sarkastischen Note beginnt eine Gesprächsrunde auf der re:publica zur Frage, wie ältere Websites und andere digitale Werke eigentlich für die Zukunft erhalten und zugänglich gemacht werden. "Sollten wir es wirklich Geheimdiensten überlassen, das Internet zu archivieren?" Natürlich nicht, sind sich die beiden Gäste auf der Bühne einig: Alexis Rossi vom WWW: Internet Archive in San Francisco, der größten internationalen Einrichtung zur Archivierung digitaler Daten, und Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der WWW: Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt.

Gäste auf re:publica-Bühne; WDR/Sturm
Gesprächsrunde auf re:publica-Bühne zur Frage: Wer archiviert das Internet?

Doch wie lässt sich die sekündlich wachsende Datenflut bändigen und systematisch aufbereiten? Die Konzepte der beiden Einrichtungen fallen sehr unterschiedlich aus:

Das Internet Archive wurde schon 1996 durch den amerikanischen Informatiker Brewster Kahle gegründet. Seine Vision damals: ein vollständiges, globales Internet-Archiv. Doch ruft man heute beispielsweise ältere Versionen von WWW: WDR.de über archive.org auf, wird schnell deutlich: Davon ist das gemeinnützige Projekt weit entfernt. In vielen Monaten sind nur wenige Schnappschüsse archiviert. Je mehr Jahre man zurückgeht, desto größer werden die Lücken. "Wir haben einfach nicht die Ressourcen jede Website komplett zu archivieren", so Rossi auf dem re:publica-Panel.

Screenshot der Website archive.org; WDR/Sturm
Auf archive.org können beispielsweise ältere Versionen der WDR-Website bis ins Jahr 1997 aufgerufen werden

Rund zwei Millionen Menschen nutzen laut Rossi pro Tag das Internet Archive, das neben den Websites auch noch viele Bücher, Filme, VHS-Kassetten oder Schallplatten digital archiviert. Dazu 60 TV-Sender, die rund um die Uhr gespeichert werden, tausende Mitschnitte von Konzerten, 50.000 Software-Titel, über 5.000 PC-Spiele, CD-Roms. "Da müssen wir einfach eine Auswahl treffen", so Rossi.

In Deutschland gibt es bislang kein vergleichbares Projekt zur Archivierung digitaler Publikationen. Erst seit 2006 kümmert sich die Deutsche Nationalbibliothek auch um die Sammlung digitaler Werke. Denn seitdem gibt es einen WWW: gesetzlichen Auftrag, der auch die Archivierung von nicht-physischen Publikationen einschließt. Die Umsetzung läuft jedoch nur langsam an und fällt sehr beliebig aus, ohne definierte Kriterien. Einzige Bedingung: "Der Urheber muss seinen Wohnsitz in Deutschland haben", so Generaldirektorin Niggemann. Man versuche nach der Bedeutung von Dokumenten zu filtern, einen Schnitt durch alle Typen für die Zukunft zu archivieren, erklärt Niggemann. "Wie ein Archäologe, der irgendwann wissen will: Was haben die Leute damals gedacht, welche Musik gehört, was gelesen."

Alexis
Zu Gast auf der re:publica-Bühne: Alexis Rossi vom Internet Archive in San Francisco

Das strenge Urheberrecht in Deutschland führt dann auch zu der paradoxen Situation, dass manche ursprünglich mal frei zugängliche Netzinhalte in archivierter Form nicht mehr frei sind. "Die können dann tatsächlich nur im Lesesaal der Nationalbibliothek eingesehen werden", so Niggemann. Anders in den USA: "Uns kümmert das Urheberrecht da weniger", so Rossi schmunzelnd - vom re:publica-Publikum mit Zwischenapplaus honoriert. Die WWW: Fair-Use-Regel in den USA macht es den US-amerikansichen Archivaren leichter.

Doch wie steht es eigentlich um die Archivierung von Tweets und Posts in sozialen Netzwerken, fragt am Ende des Panels ein Besucher. Seien das auch digitale Dokumente, die mal archiviert werden sollen? Die Antwort: Für beide Archiv-Einrichtungen sei das - allein schon wegen technischer Hürden - aktuell kein Thema. "Aber wir würden uns freuen, wenn sich dafür andere Archivare finden würden", so Niggemann. Und Rossi spielt den Ball zurück ans Publikum: "Wer würde es denn befürworten, dass Post und Tweets auch archiviert werden?" Die Mehrheit der Besucher hebt den Arm. Und die anderen? Ihnen wurde wohl einmal mehr deutlich, wie wenig wir es eigentlich noch in der Hand haben, was mit einmal ins Netz gestellten Informationen passiert. Das digitale Gedächtnis ist eben mächtiger als jede Löschtaste.

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