Mittwoch, 17.06.2015

Fairphone 2 kann sich nicht entscheiden

Es gibt Dinge, die kauft man nicht aus purer Vernunft. Bei Autos ist das so. Bei Uhren - oder heute Smartwatches. Bei Smartphones ist es zweifellos genauso. Denn besonders vernünftig scheint es nicht, mehrere hundert Euro oder sogar mehr als 1.000 EUR für ein Smartphone auszugeben, das einem irgendwie gar nicht gehört. Egal ob Apple, Google oder Microsoft: Das jeweilige Betriebssystem beherrscht das sündhaft teure Gerät. Und im Fall von Apples iPhone kann man noch nicht mal den Akku austauschen, geschweige denn das Gerät reparieren.

Das Fairphone 2 lässt sich auseinander nehmen; Rechte; Fairphone
Das Fairphone 2 lässt sich auseinander nehmen

Modulare Bauweise hilft Müll vermeiden
Das Fairphone ist so ziemlich das genaue Gegenteil dieser Prestige-Smartphones (die durchaus ihren Spaßfaktor haben, das ist nicht zu bestreiten). Denn das Fairphone ist fair produziert, die verbauten Materialien so sorgfältig ausgewählt wie nur möglich. Die Macher der Fairphone wollen die Umwelt schonen und alle, die solche Geräte bauen, unter vertretbaren Arbeitsbedingungen arbeiten lassen. Das jetzt angekündigte WWW: Fairphone 2 ist darüber hinaus modular aufgebaut. Jedes einzelne Bauteil lässt sich bei Bedarf ersetzen oder austauschen. Man kann das Fairphone 2 sogar selbst reparieren. Davon können Besitzer moderne Luxus-Geräte wie iPhone, Lumia oder Galaxy S6 nur träumen.

Beim Fairphone 2 kann man einzelne Module entnehmen und bei Bedarf austauschen. Man muss also nicht gleich das komplette Gerät entsorgen, wenn ein Detail nicht stimmt. Das soll insgesamt eine längere Lebensdauer ermöglichen und ist definitiv zu begrüßen. Was die Technik selbst betrifft, die im Fairphone 2 verbaut ist, haben die Macher spürbar aufgerüstet: Im Inneren werkelt ein Quad-Core-Prozessor Snapdragon 801 von Qualcomm, außerdem gibt es zwei Gigabyte RAM und 32 Gigabyte internen Speicher. Das fünf Zoll große Display mit Gorilla Glass löst in Full-HD auf (1.920 mal 1.080 Pixel).


Modulare Bauweise hilft Müll vermeiden
Etwa 60.000 Geräte konnten von dem ersten Fairphone-Modell verkauft werden. Das ist nicht besonders viel. Doch während die erste Generation nur 300 Euro gekostet hat, schlägt das Fairphone 2 mit 525 Euro zu Buche, ist also fast doppelt so teuer. Technisch rückt das Gerät dafür allerdings deutlich auf. Das Smartphone bewegt sich technisch auf der Höhe der Zeit. Damit unterwerfen sich die Anbieter den Regeln des Marktes. Sie wollen in der Oberliga mitspielen, obwohl sie einen ganz anderen Focus haben. Oder hatten - beim ersten Modell.

Die Macher können sich offensichtlich nicht wirklich entscheiden, in welchem Markt sie vertreten sein wollen. Es gibt durchaus einen Bedarf an fair hergestellten Geräten, bei deren Herstellung an die Umwelt und die Arbeitsbedingungen gedacht wird. Aber jetzt ein Gerät anzubieten, das locker das Doppelte kostet, bedeutet auch, die ursprüngliche Zielgruppe aus dem Auge zu verlieren. Vielleicht wäre es klug gewesen, gleich zwei Modelle anzubieten: Eins im Low-Budget-Bereich und eins im gehobenen Preissegment, wenn auch fair hergestellt. Ich bin nicht sicher, ob diese Rezeptur aufgeht.

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Mittwoch, 17.06.2015

Die Sache mit der Forumshaftung

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat sich mit der Frage beschäftigt, ob ein verleumderischer Kommentar in einem Onlineforum gegen die Menschenrechte verstößt - und ob sich dadurch ein Schadenersatzanspruch ableiten lässt, wenn ein besonders gehässiger Kommentar trotz Beschwerde lange Zeit nicht gelöscht wird. Und: Ja, Webseitenbetreiber haften für solche Kommentare durchaus.

Das hat für eine Menge Aufruhr in der Community gesorgt. Klar, denn rechtliche Unsicherheiten bedeuten auch erhöhte Risiken für jeden, der in seinem Blog Kommentare zulässt. Doch das bedeutet WWW: Nicht das Ende des Internets, wie der Lawblog in seinem lesenswerten Beitrag schreibt. Auf die Rechtslage in Deutschland wirke sich das Urteil nicht unmittelbar aus. Ganz ähnlich sieht es auch WWW: Thomas Stadler bei internet-law. Das dürfte ein wenig Ruhe in die aufgeregte Szene bringen.

Lawblog sieht nicht das Ende des Internets; Rechte: lawblog.de
Lawblog sieht nicht das Ende des Internets

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Dienstag, 16.06.2015

Mehr Geld für YouTube-Stars?

Wie viel Deutschlands YouTube-Stars verdienen, weiß man nicht genau - es ist ein dank der Verträge mit Google gut gehütetes Geheimnis. Marketingexperten schätzen, dass pro 1.000 Videoabrufen 1 bis 2 Euro zusammenkommen. Damit dürften die größeren Kanäle monatlich locker eine fünfstellige Summe einfahren.


Gekaufte Blogger, manipulierte Kids - über Schleichwerbung bei YouTube

Was sicher ist: Da ist noch mehr drin. Einige YouTuber sind schon jetzt regelmäßig im Werbeblock im Fernsehen zu Gast. Dazu kommen umstrittene Produktplatzierungen, die nicht immer kenntlich gemacht werden. Angebote dafür bekommen so gut wie alle großen YouTuber regelmäßig. Es geht hier eben nicht mehr nur um ein Hobby - aus YouTube ist eine komplett neue Unterhaltungsindustrie entstanden.

Interessant ist da jetzt ein Versuch, den das Start-up WWW: Vessel in den USA startet: Es verspricht seinen Nutzern, für 2,99 US-Dollar im Monat Zugriff auf die Videos ihrer Stars zu bekommen - Tage, bevor sie bei YouTube oder auf anderen Plattformen online gehen. Die Fans erhalten also Exklusives im Tausch gegen Bares.

Die Stars selbst verdienen bei Vessel mit jeweils 1.000 Videoabrufen rund 50 Dollar, den größten von ihnen hat das Start-up versprochen, ihnen noch einmal denselben Betrag zu zahlen, den sie bei YouTube verdienen - offenbar, um damit erst einmal Content auf die eigene Plattform zu ziehen. Bisher haben sich rund 200 Videomacher angemeldet.

Vessel; Rechte: Vessel
Videos von YouTube-Stars schon Tage vorher - Vessel verspricht Exklusivität gegen Bares.

Ob das am Ende erfolgreich wird? Ich zweifele noch daran, denn das würde bedeuten, dass den Fans nur die Videos wichtig sind. YouTube liefert aber noch mehr als das: die Community nämlich, den direkten Austausch - und den kann ein kleines Start-up zumindest mit dieser Wucht und Nähe, wie YouTube sie herstellt, nie liefern.

Auf der anderen Seite gehören Amazon-Chef Jeff Bezos und andere Größen zu den Investoren - das macht es zumindest spannend, Vessel weiter zu beobachten. Und ich glaube ja, dass wir in Zukunft noch mehr dieser Ideen sehen werden: die großen YouTube-Kanäle weiter und weiter zu monetarisieren.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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