Mittwoch, 22.07.2015

Wo Sie surfen, bestimmen immer noch wir!

Man nehme: Ein Tablet, eine SIM-Datenkarte und einen richtig schönen LTE-Tarif. Stolze 30 GB Datenvolumen monatlich inklusive. Und weil ich mit bis zu 100 MBit/Sekunde surfen möchte - ich bin ein ungeduldiger Mensch -, zahle ich 69,99 EUR im Monat für die WWW: MobileInternet Flat 100 von Vodafone.

Normalerweise bin ich auch recht zufrieden damit. Das Tempo stimmt. Mit dem Volumen komme ich prima aus - obwohl ich viel unterwegs bin und oft recht üppige HD-Videos hochlade, zum Beispiel für dieses Blog. Aber das mit dem viel unterwegs ist ein wichtiges Stichwort. Denn Vodafone möchte offensichtlich nicht, dass ich mit meinem Tablet das schöne Deutschland verlasse.

Weltweit schnell - aber nicht weltweit zu nutzen; Rechte: dpa/Picture Alliance
Weltweit schnell - aber nicht weltweit zu nutzen


Kein Roaming - nicht mal gegen Aufpreis
Bei meinem letzten Aufenthalt in Spanien wollte ich die Daten-Flat in meinem Tablet nutzen. Allerdings: Es wollte partout nicht funktionieren. Kein Einbuchen ins lokale Vodafone-Netz. Also habe ich den Support kontaktiert. Und der hat mir eröffnet: Es gibt für mich kein Roaming. Nicht mal gegen den sonst bei Vodafone üblichen Aufpreis von 2,99 EUR. So viel zahle ich täglich auf meinem Smartphone, um meine Tarife im EU-Ausland nutzen zu können. Aber bei meinem LTE-Tarif geht gar nichts. Der Support schreibt mir:

"Ihre Verärgerung über die nicht mögliche Nutzung des Internets in Spanien mit Ihrer Rufnummer 0173-xxx xx xx kann ich verstehen. Für die Unannehmlichkeiten entschuldige ich mich bei Ihnen. Leider ist die Nutzung der Vodafone EasyTravel Flat für Ihren Vertrag mit der Rufnummer 0173-xxx xx xx nicht vorgesehen. Sie können lediglich Vodafone WebSessions international für 24 Stunden buchen. Mit dieser Option haben Sie 100 MB zur Verfügung und zahlen 2,99 Euro."

Meine Fassungslosigkeit war entsprechend groß: Ein sündhaft teurer LTE-Tarif für Business-Kunden - aber man kann ihn im EU-Ausland nicht nutzen? Nicht mal gegen Aufpreis? In solchen Situationen fühlt man sich als Konsument ohnmächtig und ausgeliefert. Da wünscht man sich eine noch tatkräftigere, strammer zupackende EU-Kommission, die da mal richtig aufräumt. Denn wie ist es im Jahr 2015 möglich, dass ein EU-weit operierendes Mobilfunkunternehmen seinen Kunden im Ausland die Nutzung seines Mobiltarifs verweigert? Eine Zumutung.

Roaming einschalten kann ich - aber es bringt nichts; Rechte: WDR/Schieb
Roaming einschalten kann ich - aber es bringt nichts


Noch bis 2017 auf Besserung warten?
Ähnliche Tarifungeheuerlichkeiten finden sich bei anderen Mobilfunkanbietern zweifellos auch. Aber das macht die Sache nicht besser, sondern schlimmer. Ein in nahezu der gesamten EU operierender Provider sollte willens und in der Lage sein, seinen Kunden auch im EU-Ausland die Nutzung eines gebuchten LTE-Tarifs zu ermöglichen. Es wird wirklich Zeit, dass das ein Ende hat. Wer einen Tarif bucht, sollte den auch in ganz Europa ohne Aufschläge nutzen können. Das gilt sogar ganz besonders für Datentarife.

Mag sein, dass das für die Anbieter unerfreulich ist. Aber auch die müssen mit der Zeit gehen. Jetzt haben sie uns so weit, dass wir nicht nur im Smartphone eine SIM-Karte stecken haben, sondern auch im Tablet und in anderen Geräten - da ist es zwingend erforderlich, dass wir diese Geräte innerhalb von Europa auch frei nutzen können. Doch die WWW: lästigen Aufschläge werden erst 2017 abgeschafft. Noch zwei Jahre rumärgern - blöd.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Eurem Provider beim Roaming gemacht?


Ber der Terrorkom kann ich jetzt für 5€ aufpreis im Ausland meinen Datentarif mit der Volumen Limitierung die ich im Inland auch habe nutzen...

Dieter am 22.07.15 8:58

Nee, ist klar.
Meckern über GCHQ&Co., aber diesen Anbieter unterstützen.
Google: "*fone-Tochter soll für Spähauftrag abkassiert haben"
Sehr konsistent. :)

Carsten am 22.07.15 13:26

Nee, ist klar.
Meckern über GCHQ&Co., aber diesen Anbieter unterstützen.
Google: "*fone-Tochter soll für Spähauftrag abkassiert haben"
Sehr konsistent. :)

Carsten am 22.07.15 13:26

Eingentlich sind es zwei völlig unterschiedliche Firmen, einerseits Mannesmann Mobilfunk D2 in Deutschland und Airtel Móvil in Spanien, die beide von Vodafone aufgekauft wurden. Sie werden auch heute noch getrennte Buchhaltungen haben und lediglich den Gewinn an die Muttergesellschaft auf der Insel abführen müssen. Ach ja, außerhalb Deutschlands suche ich mir für Datenübertragung lieber ein WLAN-Netz. Das sollte der Fachmann Jörg Schieb aber wissen ;-)

Der Alte am 22.07.15 15:36

@deralte: Natürlich - aber da wo ich war, gab es kein WLAN. Zumindest kein öffentliches. Und das eine, das ich entdeckt habe, hatte ein Upload von 100 KBit/Sekunde. Keine Alternative.

jörg schieb am 22.07.15 15:51

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Dienstag, 21.07.2015

Datenrettung nach Kaffeedusche

Sowas passiert mir nur einmal! - Das habe ich mir geschworen, als mein Laptop vor ein paar Jahren den Geist aufgegeben hat und alle meine Daten weg waren. Futschikato. Auf und davon. Im digitalen Nirvana verschollen. Tausende Nerven habe ich gelassen. Mich am Rechner eines Freundes durch Foren gelesen, Gratis-Software zur Rettung von Daten heruntergeladen, geweint und geflucht. Am Ende habe ich mich entschieden, das Gerät einem Profi zu geben. Und dafür schmerzhafter Weise einen Haufen Kohle hinzublättern. Aber ich würde es wieder tun.

USB-Stick Fehlermeldung; Rechte: WDR/Horn
Kaputter USB-Stick zeigt Fehlermeldung

Egal ob Kaffeedusche, Kurzschluss oder Kollaps wegen Altersschwäche - Festplatten und USB-Sticks können von jetzt auf gleich den Geist aufgeben. Klar, mein kleiner 16-GB-Stick landet unverfroren und deckellos in der Handtasche, fällt mit oder ohne Tasche auch mal auf den Boden. So ein Laptop wird auch nur anfangs mit Vorsicht angefasst, danach landet er im Sturzflug auf der Couch, dient als Kaffeetablett oder Kopfkissen. Das Ergebnis: schwarz. Nichts geht mehr. Mir rutscht das Herz in die Hose. Fotos, Steuerdokumente, Musik - alles verloren!?

Kurzschluss in Festplatte; Rechte: WDR/Horn
Festplatte mit Kurzschluss

Es gibt diverse Programme von gratis bis teuer, mit denen man seine Daten retten kann. Wichtig ist dabei nur, ein paar Regeln zu beachten:

Regeln zur Rettung

- immer erst eine Kopie der Festplatte machen und nur mit der Kopie arbeiten
- alte Daten niemals überschreiben, sondern neu ablegen auf einem anderen Speichermedium
- Festplatten niemals im Wohnraum aufschrauben: Staub zerkratzt den Datenträger
- bei Kaffee- oder Wasserduschen nicht fönen oder im Ofen trocknen, sondern Festplatte in ein feuchtes Handtuch einwickeln und in einer Plastiktüte zum professionellen Datenretter bringen ...

USB-Überprüfung; Rechte: WDR/Horn
Datenüberprüfung am USB-Stick

Diesen Tipp hat mit IT-Experte und Datenretter WWW: Olexiy Ushakov gegeben. Er hat schon die absurdesten Trocknungsversuche vorgesetzt bekommen - bis hin zur geschmolzenen Tastatur, weil der Rechner im Ofen wieder gerettet werden sollte. Er sieht regelmäßig Tränen verzweifelter Kunden fließen - bringt sie aber am Ende normalerweise wieder zum Lachen. Mit speziell preparierten Rechnern, einem reinen Labor für das Öffnen der Geräte, Kopfhaube und Mini-Werkzeug arbeitet der studierte Jurist mit seinem Team an fast unmöglichen Fällen. Ob die Festplatte von Musikproduzenten mit wichtigen Tonaufnahmen, Dokumente von Ämtern oder Urlaubsfotos von Privatleuten - je nach Vorfall muss Olexiy entscheiden, was zu tun ist. Dabei findet die Rettungsaktion immer bei ihm in der Firma statt. Viele Firmen haben nur eine Annahmestelle in verschiedenen deutschen Städten, schicken die Festplatten dann aber zum Beispiel nach Osteuropa. Das ist nicht schlimm, kann durch den Transport nur entsprechend teurer werden.

Festplatten-Lesekopf; Rechte: WDR/Horn
Head-Crash einer tragbaren Festplatte

Wer gar nichts bezahlen will, kann natürlich auch mit Gratis-Programmen arbeiten. Aber die beste Lösung ist immer noch, es gar nicht soweit kommen zu lassen. Deshalb neue und wichtige Daten immer und sofort duplizieren und die externe Festplatte an einem sicheren Ort lagern. Allgemeine, ältere Dokumente regelmäßig neu sichern, da auch moderne Speichermedien irgendwann kaputt gehen können. Am Ende hat jeder sein eigenes Rezept. Spätestens wenn einmal alle Daten weg waren ...


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Audio: Radio

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Dienstag, 21.07.2015

Diese Anzeigen muss man sich leisten können

Wie wird man die wertvollste Marke der Welt? Richtig: Indem man sich ganz genau überlegt, wie man dem Wettbewerb stets eine Nasenlänge voraus ist. Da sind auch ungewöhnliche Ideen willkommen. Apple denkt über neue Werbeformate nach. So will Apple Kunden auf Mobilgeräten künftig gezielt Anzeigen für Produkte oder Angebote zeigen, die sie sich auch leisten können.

Wer gerne Geld ausgibt, dem werden eher teure Angebote unterbreitet - wer sich so etwas nicht leisten kann (oder will), der bekommt die Anzeige erst gar nicht zu sehen. Es geht also nicht um die Interessen - dem Status quo bei Online-Reklame -, sondern um die Bonität des einzelnen.

Apple Pay; Rechte: Apple
Die Bonität entscheidet, welche Anzeigen man präsentiert bekommt

Wie ist Dein Kontostand?
Bei Online-Anzeigen hat sich bislang noch niemand getraut, die Bonität zur Grundlage zu machen. WWW: Dieser Patentantrag erklärt, wie Apple sich das konkret vorstellt: Apple will im Hintergrund eine Art Scoring durchführen. Dazu schnüffelt der Betreiber im Kontostand der Prepaid-Karte, überwacht und analysiert früheres EInkaufsverhalten oder bewertet die Höhe der Mobilfunkrechnung. Bedenkt man, dass Apple in USA bereits seinen eigenen Blog: Bezahldienst Apple Pay eingeführt hat, bekommt die Sache einen wirklich unangenehmen Beigeschmack.

Und noch etwas wäre denkbar: Der Einkauf der über die neuartigen Anzeigen angebotenen Waren und Dienstleistungen könnte natürlich auch direkt über Apple Pay abgewickelt werden. Eine vorweggenommene Bonitätsprüfung hat es dann schon gegeben. Das alles wäre denkbar - ist aber ausdrücklich noch nicht geplant. Apple hat lediglich einen entsprechenden Patentantrag eingereicht. Apple-Chef Tim Cook betont gerne, dass er Nutzerdaten nicht monetarisieren möchte (anders als Google). Wenn er Wort halten will, dürfte er sein Patent nicht umsetzen. Manche vermuten daher, Apple wolle lediglich die Konkurrenz davon abhalten, ein solches Anzeigen-System einzuführen.

Apples Patentantrag im Detail: Auch Kaufentscheidungen fließen ins Scoring ein; Rechte: Apple
Apples Patentantrag im Detail: Auch Kaufentscheidungen fließen ins Scoring ein


Wer mehr zahlen kann, soll mehr zahlen
Nach dem Kontostand beurteilt zu werden, hinterlässt bei den meisten (verständlicherweise) ein unangenehmes Gefühl. Dabei ist so etwas absolut üblich. Irgendwie schaffen es ja zum Beispiel auch die Hersteller von Luxusautos, die passende Klientel mit Angeboten zu versorgen. Wer sich keinen 100.000-Euro-Schlitten leisten kann, bekommt auch nur selten ein Angebot für eine Probefahrt zugeschickt. Letztlich wird auch hier im Vorfeld nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sondiert.

Doch auch in der Onlinewelt wird schon lange nach Ausgabefreudigkeit unterschieden. Manche Onlineshops präsentieren Apple-Nutzern höhere Preise als Windows-Nutzern, etwa bei Reiseangeboten. Weil jeder weiß und statistisch belegt ist: Apple-User geben mehr Geld aus. Im Grunde ist auch das nicht weiter verwunderlich. Jeder, der etwas verkauft, versucht einen maximalem Preis auszuhandeln - und wer einkauft, einen minimalen. Im Zentrum Venedigs kostet der Espresso auch mehr als in Spanien auf dem Land.

Im Grunde will sich Apple etwas patentieren lassen, was längst Usus ist. Weltweit. Die Frage ist nur, ob Apple das später auch in die Tat umsetzt - und dazu auf Daten zurückgreift, die Rückschlüsse über die Zahlungsfähigkeit zulassen. Das dürfte dem Ruf schaden.

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