Mittwoch, 18.03.2015

Whistleblower Edward Snowden auf der CeBIT

Edward Snowden muss man nicht mehr vorstellen. Den Namen des wohl berühmtesten Whistleblowers hat man in jedem Winkel der Erde schon mal gehört. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn - und einigen wenigen ist er vielleicht auch egal. Ihn als "Special Guest" auf der Rednerliste der diesjährigen CeBIT zu führen, war sicher keine schlechte Idee. Denn eins ist Snowden ganz sicher: Ein Zugpferd. Entsprechend hoch waren auch die Erwartungen, was der via Google Hangout aus Russland zugeschaltete Snowden denn zu sagen hat. Live vor Ort war sein Statthalter Glenn Greenwald, der dann auch deutlich mehr und länger redete als Edward Snowden.

Edward Snowden auf der CeBIT 2015; Rechte: dpa/Picture Alliance
Edward Snowden auf der CeBIT 2015


Die Welt besser gemacht
Allzu große Überraschungen gab es im Gespräch zwischen Moderator Brent Goff mit Glenn Greenwald und Edward Snowden nicht. Keine neuen Enthüllungen, keine neuen Anklagen. Edward Snowden erklärte, er sehe derzeit keine Möglichkeit für eine Rückkehr in die USA. Zwar würde er gerne wieder nach Hause zurück, er würde sich auch vor einem öffentlichen Gericht verantworten wollen. Aber nach aktuellen US-Gesetzen sei es unmöglich, einen fairen Prozess zu bekommen, denn wenn er zurück in die USA ginge, würde sein Verfahren komplett im Verborgenen ablaufen. Damit dürfte er wohl Recht haben.

Aber wohin soll Snowden? Er kann nicht ewig in Russland bleiben. Doch westliche Staaten trauen sich nicht, ihm Asyl zu gewähren. Das beklagt Glenn Greenwald ausdrücklich. Er wirft der Bundesregierung vor, Snowden und die freie Welt verraten zu haben. Vizekanzler Gabriel beklage zwar, dass niemand Snowden helfe - aber selbst sei er auch nicht bereit. Gabriel setzt sich stattdessen derzeit lieber energisch für die Blog: Vorratsdatenspeicherung ein, obwohl Gerichte in der EU die Vorratsdatenspeicherung immer wieder kippen oder stoppen - und widerspricht damit lauthals den Klagen von Edward Snowden. Oder er versteht sie nicht.

Edward Snowden möchte in die USA zurück; Rechte: dpa/Picture Alliance
Edward Snowden möchte in die USA zurück


Verpasste Chance
Snowden und Greenwald bereuen nichts. Sie würden immer wieder so handeln. Aber wirklich weiter geht es gerade nicht. Zumindest Snowden befindet sich schon jetzt im Gefängnis - und Greenwald hat alle Hände voll zu tun, damit nicht das große Vergessen eintritt. Der Auftritt von Edward Snowden auf der CeBIT in Hannover war wichtig, aber letztlich nicht besonders interessant. Neue Erkenntnisse gab es jedenfalls nicht. Und das ist schade. Die CeBIT wäre eine gute Plattform gewesen, das Rad weiter zu drehen. Das ist nicht passiert.

Es ist an UNS "das Rad weiterzudrehen"!Snowden und Greenwald haben geliefert-es ist an uns nun die Konsequenzen zu ziehen und die Politik unter Druck zu setzen!Immer nur zu sagen"Hannemann geh' Du voran"reicht eben nicht!

Ach je am 20.03.15 7:47

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Mittwoch, 18.03.2015

Geld beamen mit Facebook

Im Internet ist zwar vermeintlich fast alles kostenlos. Aber trotzdem regiert auch hier der schnöde Mammon. Das zeigt sich schon allein dadurch, dass immer mehr Onlinedienste und IT-Konzerne versuchen, mobile Zahlsysteme einzuführen. Paypal entwickelt seine App weiter, Apple hat sein Blog: Apple Pay eingeführt, Samsung wiederum sein eigenes Smartphone-Bezahlsystem. Alibaba-Chef Jack Ma wiederum hat gerade erst auf der CeBIT ein eigenes Bezahlsystem vorgestellt, das Blog: sich Smile to Pay nennt.

Und nun also auch Facebook. Schon vor einigen Monaten hat Mark Zuckerberg ein eigenes Bezahlsystem angekündigt. Jetzt wissen wir, es wie aussieht: Ab sofort kann man mit dem WWW: Facebook Messenger Geld transferieren. Bislang allerdings nur in den USA und auch nur mit der Messenger App. Aber der Anfang ist gemacht.

Geld überweisen mit dem Facebook Messenger; Rechte: Facebook
Per Fingertipp Geld von A nach B senden - im Facebook Messenger jetzt möglich


Ohne Gebühren Geld überweisen
Die Idee: Wer einem Freund Geld schicken will, etwa um ein Kinoticket zu bezahlen, das der Freunde schon mal vorab reserviert, der soll das nun mit der Messenger-App können. Einfach im Chat auf das Dollar-Symbol tippen, den Betrag eingeben - fertig. Schon landet die Kohle beim Freund. Nicht sofort, sondern ein, zwei Tage später, denn Facebook verwaltet keine eigenen Konten, so wie das Paypal macht, sondern transferiert wirklich Geld vom einen Girokonto zum anderen Girokonto. Kreditkarten sind bislang ausgeschlossen, wegen der Gebühren.

Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht - aber eben auch nicht neu. Mit Paypal geht das schon lange. Allerdings ist Paypal nicht Peer-to-Peer, sondern verwaltet eigene Konten. Mobiles Peer-to-Peer-Payment bieten aber schon Snapchat, Square Cash und Venmo. Facebook nun auch. Geld verdienen will Facebook an dem Service angeblich nicht. Es werden jedenfalls - bislang! - keine Gebühren erhoben. Doch es dürfte wohl kaum darum gehen, die User glücklich zu machen. Facebook wil vielmehr das Fundament für ein eigenes Zahlungssystem legen, mit dem man schon bald auch digitale Güter (Spiele, Musik, Fotos, Videos) wird bezahlen können. Und dann wird kräftig verdient! Jetzt sollen die User erst mal daran gewöhnt werden, dass es geht.


So erklärt Facebook sein neues Bezahlsystem


Nur Platz für zwei, drei Anbieter
Zwar drängeln gerade alle ins Bezahl-Business. Doch die meisten werden scheitern. Selbst Google ist es bislang nicht gelungen, sein Bezahlsystem Google Wallet zum Erfolg zu führen. Die vielen, vielen Apps, die mobiles Bezahlen ermöglichen sollen und wollen, kommen nie aus einer Prototyp-Phase heraus.

Wenn es um Geld geht, zählt halt Vertrauen - und nur wenige Unternehmen bekommen das nötige Vertrauen entgegengebracht. Langfristig haben nur zwei, drei Anbieter die Chance, eine relevante Rolle beim Bezahlen zu spielen. Dazu gehört in meinen Augen eindeutig Apple Pay. Denn Apple Pay ist ein äußerst klug ausgedachtes System, das die Daten des Konsumenten schützt, schnell und zuverlässig funktioniert und auch nicht viel kostet. Vor allem am "Point of Sale", also in der "echten Welt", dürfte sich Apple Pay durchsetzen.

In der Onlinewelt ist es eindeutig Paypal. Man mag von diesem Bezahlsystem halten, was man will, aber es ist weit verbreitet. Bei Händlern wie bei Kunden. Es braucht kein weiteres Bezahlsystem, es sei denn, es hat unschlagbare Vorteile. Die sehe ich weder bei Samsung Pay, noch bei "Pay to Smile" und schon gar nicht bei Facebooks Payment System. Klar: Es ist komfortabel. Aber das ist es dann auch schon. Gut möglich, dass sich ein eigenes Bezahlsystem von Facebook in Facebook selbst etabliert. Aber es wird nicht den Markt aufrollen.

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Mittwoch, 18.03.2015

Wie viel China wollen wir im Internet?

China ist Partnerland der WDR: diesjährigen CeBIT. Aber nach drei Tagen CeBIT frage ich mich: Warum eigentlich? Klar, man kann die Wahl des Partnerlandes als Verneigung vor der wirtschaftlichen Leistung Chinas verstehen. Schließlich geht es auf der CeBIT vor allem ums Geschäft. Und in China brummt der Laden. Das wissen nicht nur Apple, Samsung und Co., das wissen eigentlich alle. Der eindrucksvolle Börsengang des Online-Händlers Alibaba vor einigen Wochen hat zudem gezeigt, dass China nicht einfach nur ein interessanter Absatzmarkt ist, sondern eine Wirtschaftsmacht, die längst auch Einfluss auf unsere Märkte hat.

China ist Partnerland der CeBIT: Warum eigentlich?; Rechte: dpa/Picture Alliance
China ist Partnerland der CeBIT: Warum eigentlich?


CeBIT schweigt Internetzensur tot
Schon mal daran geacht? Vielleicht exportiert China nicht nur Waren in den Westen, sondern auch Werte. Machen die Amerikaner schließlich auch: In den App-Stores von Apple, Google und Microsoft zum Beispiel gelten amerikanische Sittenregeln, nicht europäische. Doch das scheint in Hannover niemanden zu jucken. Das Thema Internetzensur wird auf der CeBIT praktisch überhaupt nicht diskutiert. Aber warum eigentlich nicht? Der Anlass ist doch nun wirklich perfekt: Da ist Zensur-Weltmeister China Partnerland der CeBIT 2015, aber niemand will darüber reden.

Dabei könnte man die Partnerschaft doch nun wirklich zum Anlass nehmen, mal genauer hinzuschauen, wie die das eigentlich machen in China. Und wir müssten uns fragen, wie wir das eigentlich finden, ob wir strenge Zensur unterstützen wollen - und ob wir die nicht früher oder später auch hier bekommen, wenn chinesische Unternehmen nach Europa und USA drängen. Es reicht nicht, den gefeierten Alibaba-Chef Jack Ma einzuladen und ihm die Gelegenheit zu geben, auf der Eröffnungsveranstaltung sein neues Bezahlsystem Pay to Smile vorzustellen. Man sollte sich auch mit seinem Gast, mit dem Partnerland auseinandersetzen - kritisch.

Jack Ma im Gespräch mit finnischen Spieleentwickler; Rechte: dpa/Picture Alliance
Alibaba-Chef Jack Ma im Gespräch mit finnischen Spieleentwickler


In China ist das Internet unter strikter Kontrolle
Denn in China funktioniert das Internet anders als im Rest der Welt. Die chinesische Regierung hat nahezu vollständige Kontrolle über das Netz. Ein Heer von Wächtern kontrolliert, was im Netz veröffentlicht wird. Wer über die Stränge schlägt, wird offline genommen - oder sogar bestraft. Artikel in westlichen Medien werden immer wieder blockiert, teilweise komplette Portale. Was nicht sein darf, das findet man nicht im Netz. Wird schlichtweg herausgefiltert. Blockiert. Zensiert. Ja, man darf das Zensur nennen, denn was blockiert wird und was nicht, das ist nicht transparent und auch einer gewissen Willkür unterworfen.

Warum ist das auf der CeBIT kein Thema? Weil es unbequem ist? Man kann sich nicht ständig über Zensur beklagen, aber die wohl größte Chance, mit dem Zensur-Weltmeister in Dialog zu treten, schlichtweg verstreichen lassen. Übrigens wäre nicht nur Kritik angebracht, sondern auch Selbstkritik: Was tun wir eigentlich, um uns vor Unrat aus dem Internet zu schützen? Wäre es nicht wünschenswert, mehr gegen Kinderpornografie, politische Agitation, IS-Propaganda und Co. zu unternehmen? Muss man wirklich alles hinnehmen, was das Internet auf die Bildschirme spült? Das wäre nicht nur eine spannende, sondern auch eine sehr nötige Diskussion. Aber wohl nicht auf der CeBIT.

WDR: Unser CeBIT-Schwerpunkt

Sehr treffend, niemand hat die Absicht im Internet eine Mauer zu errichten.

Jasper Jones am 18.03.15 12:26

Wie waere es erst einmal vor der eigenen Haustuere zu kehren statt mit dem Finger auf andere zu zeigen?
Wo ist die Diskussion ueber Staatstrojaner an dem das BSI(!)mitgearbeitet hat?Was ist mit den 5eyes?DAS ist interessant und Staatliche Aufgabe-damit aufzuhoeren!"mehr gegen Kinderpornografie, politische Agitation, IS-Propaganda und Co"-ulkig hatte ich bisher in den vergangenen 20 Jahren noch nie bei mir auf dem Monitor-wo treiben Sie sich denn herum Herr Schieb?Soll nicht heissen das derartiges nicht verfolgt werden sollte-daher der einfache Rat:Aufhoeren mit der Massenueberwachung und die Kraefte gezielt einsetzen,dann wird das auch etwas damit.

HaHa am 18.03.15 19:12

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