Montag, 24.02.2014

Facebook und WhatsApp - bekommen wir nur die Datenschutzdebatten, die wir verdienen?

Selten musste ich für Blogartikel so viel Prügel einstecken wie für die zu Facebook und WhatsApp. Blog: In Digitalistan habe ich die Prognose abgegeben, die Übernahme von WhatsApp durch Facebook werde für uns Nutzer auch Vorteile haben. Drüben WDR: im 1LIVE-Nerdblog habe ich versucht, gegen die Hysterie anzuschreiben.

Und die Frage lässt mich auch weiter nicht los: Warum diese Aufregung? Am Samstag zum Beispiel ist mir fast die Kinnlade runtergekippt, als gefühlt sämtliche deutsche Medien WWW: einen temporären Ausfall von WhatsApp zur Schlagzeile gemacht haben. Dabei gab es solche Ausfälle immer wieder. Die anderen bisher drölfzigtausend haben nie eine solche Wucht entfaltet. Plötzlich sind sie wichtiger, nur weil Facebook mit im Spiel ist?


Google Trends zeigt, in welchen Ländern Nutzer vor allem nach dem WhatsApp-Konkurrenten Threema suchen.

Bei Twitter machte am Wochenende außerdem die Grafik oben die Runde. Sie zeigt:
Nach der sicheren App Threema als Alternative zu WhatsApp googeln fast ausschließlich deutsche Nutzer. Auch Blog: die anderen sicheren Messenger scheinen dem größten Teil der Welt zumindest bei Google einfach egal zu sein.

Warum diese Schnappatmung aufkommt, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Einen Erklärungsversuch startet der Kollege Daniel Fiene WWW: in seinem Blog:

"Wir Deutschen haben uns mal wieder auf ein Produkt versteift. Vor einem Jahr lag der Marktanteil von WhatsApp bei 84 Prozent. In den USA lag er bei 7 Prozent. In vielen Ländern spielen mehrere Apps eine wichtige Rolle. Bei uns scheint es nur WhatsApp zu geben. Wie in vielen anderen Bereichen auch: Google hat einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent, in den USA liegt er bei etwas mehr als 60 Prozent. Bei Street View gab es in keinem anderen Land so einen Aufschrei wie bei uns. Vor dem Deutschlandstart waren die Deutschen aber schon die größte Nutzergruppe außerhalb der USA."

Ein spannender Ansatz: Verhelfen wir Unternehmen wie Facebook, WhatsApp und Google in Deutschland erst zum Monopol, lassen damit selbst keine Konkurrenz zu - und beschweren uns dann über deren Status als unzähmbare Datenkraken?

Es gibt keine wirkliche Debatte um Datenschutz bei WhatsApp.
Warum auch?

Wer sich um seine Daten sorgt, meidet solche Dienste seit jeher.
Und den anderen war es schon immer egal.

Teilte früher die Geburt die Menschen, meist gegen ihren Willen, in ihre sozialen Gruppen ein, tun sie es heute von ganz allein und sogar freiwillig.

Wenn sich heute Leute bei mir wegen einer Arbeitsstelle vorstellen, gehen meine Fragen immer gleich in genau die Richtung soziale Netzwerke und Freizeitbeschäftigung.
Dann noch ein paar originelle Tattoos oder Piercings an exponierter Stelle, ein sündhaft teures (und während des Gespräches todsicher klingelndes) Handy und ich weiß in 10 Sekunden mehr über den Aspiranten als beim Studium seiner kompletten Unterlagen.

Und dann wird eben entschieden.......

Gert am 24.02.14 13:41

Ein interessanter Ansatz. Das "immer auf eine Karte setzen und dann enttäuscht sein, wenn aus dem Frosch kein Prinz wird" - ein deutsches Problem?

Ich sehe die Ursache für den regelmäßigen deutschen Protestaufschrei deutlich simpler, nämlich in ganz grundsätzlichen, durch unsere Geschichte geschürten Ängste: Wir reagieren allergisch darauf, wenn wir das Gefühl haben, kontrolliert und manipuliert zu werden. Wir hassen es, wenn uns jemand etwas weg nimmt, ohne was wir etwas dagegen tun können - und wenns "nur" Daten sind. Wir haben Angst davor, dass jemand unsere Daten ausspionieren könnte, um sie dann zu missbrauchen. Vielleicht sogar, uns etwas an zu tun.

Aber um ehrlich zu sein, Protest und Widerstand kommen ein bisschen zu spät. Der "transparente Mensch" ist längst Realität und ein Ankerpunkt unserer Zeit.
"Wir Deutschen" müssen lernen mit der Verantwortung, die daraus erwächst, umzugehen. Uns wird gar nichts anderes übrig bleiben.

Jérôme Cantu am 25.02.14 20:15

@Jérôme Cantu
Wie soll ich diesen Kommentar verstehen? Der Kampf ist verloren, finden wir uns damit ab? Außerdem ist alles gar nicht so schlimm, hat mehr mit unserer eigenen Angst zu tun?
Ich finde es erschreckend, wie sehr sich heute Datenschützer rechtfertigen müssen, obwohl Datenschutz eigentlich selbstverständlich sein müsste!

Bertram in Mainz am 27.02.14 16:33

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Samstag, 22.02.2014

Google WiFi App macht Hotspots komfortabler

Offene WLANs (Hotspots) sind eine feine Sache: Man kann sich einloggen, um E-Mails zu checken, Messenger-Dienste zu nutzen oder Webseiten abzurufen. Vor allem, wenn man größere Datenmengen übertragen muss, sind Hotspots dem mobilen Datenfunk überlegen - im Ausland sowieso, da spart man obendrein eine Menge Kosten. Allerdings muss man sich eben erst einloggen. Oft ist es sogar erforderlich, am Thresen nach dem Zugangscode zu fragen. Einigermaßen lästig - und das soll sich ändern.

Bürgermeister eröffnet kostenloses WLAN; Bild: dpa/Picture Alliance
Google bietet in vielen Städten kostenlosen Wifi-Zugang


WiFi ohne Anmeldung nutzen
In Mountain View, Kalifornien, da wo Google auch seinen Firmensitz hat, probiert der Onlineriese gerade etwas WWW: komplett Neues aus. Google tüftelt an einer WiFi App, die lästiges Einloggen unnötig machen soll. Wer die App startet, wird an bekannten Orten WWW: automatisch eingebucht, sobald er den Raum betritt. Ausprobiert wird das mit Filialen von Starbucks. Dort gibt es in den USA grundsätzliche kostenlosen WLAN-Zugang. Die neue WiFi App, die es für iOS und Android geben soll, erkennt das Netz und meldet einen an, ohne dass man etwas tun müsste. Egal, welchen Laden man betritt: alles vollautomatisch und im Hintergrund.

Bislang muss man als User zur Nutzung eines öffentlichen Hotspots in seinem Smartphone erst das passende Netzwerk finden, dann muss man sich mit dem Browser anmelden und die AGBs bestätigen. Erst danach steht das Netzwerk zur Verfügung. Das alles könnte künftig wegfallen. Gleichzeitig soll die Nutzung der Hotspots aber auch sicherer werden: Selbst das Einrichten und Nutzen von persönlichen Schlüsseln ist mit der Google WiFi App möglich, um die Datenverbindung abzusichern. Das würde es WLAN-Hackern in der Tat deutlich schwerer machen, arglose Nutzer auszuspionieren, da es nicht mehr so ohne weiteres funktionieren würde, einen Hotspot zu simulieren.

Onlinekarte mit Netzausbau; Rechte: Google
Ausbau des Glasfaser-Netzwerks in Provo


Google stellt auch die Infrastruktur
Schon bald könnte die Google WiFi App in WWW: über 7.000 Starbucks-Filialen der USA genutzt werden. Auch andere Ketten und Partner sind im Gespräch. Grundsätzlich könnte dieser Service überall angeboten werden. Wie es aussieht, stellt Google aber nicht nur die App zur Verfügung, sondern auch das Netz dahinter. In den USA ist Google da sehr aktiv. Mit WWW: Google Fiber will der Onlineriese auch zum ISP (Interne Service Provider) werden, zum Anbieter von DSL-Anschlüssen. Zehn bis 100 Mal schneller sollen die neuen WLAN-Zugänge sein als bisher.

Google wirft also weiter seine Fangarme aus. Jetzt baut der Onlineriese auch noch Netzwerke und ermöglicht den schnelleren Zugriff auf Hotspots. Klar, dass dabei weitere Daten anfallen. Nicht nur, wo man sich einloggt, das liegt auf der Hand. Sondern auch, mit wem man rumhängt. Denn sind die Freunde gleichzeitig automatisch eingeloggt, bekommt Google das natürlich mit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Google solche (und andere) Informationen nicht für eigene Belange nutzt. Auch erfährt Google so manches über den Publikumsverkehr einzelner Filialen oder Geschäfte. Ganz zu schweigen davon, dass auch passende Anzeigen erscheinen können, wenn man irgendwo eingeloggt ist.


Google Tango: Räume in 3D vermessen

Aber auch wie es in einzelnen Räumen aussieht, interessiert Google. Dazu hat der Konzern das WWW: Project Tango gestartet. Hier wird ein Smartphone entwickelt, das 3D-Modelle von den Räumen erstellt, in denen sich das Smartphone aufgehalten hat. Derzeit noch mit speziellen Kameras ausgerüstet und mit spezieller Software, aber in Zukunft vielleicht auch in ganz normalen Smartphones. Das Ziel: Räume und Gebäude zu kartografieren und am Ende als 3D-Modelle abzubilden. Jetzt will Google mit professionellen Entwicklern zusammenarbeiten und Ideen entwickeln, was sich mit dieser Technologie alles anstellen lässt. Ein bisschen spooky ist das schon.

Sorry, aber *wirklich* neu wäre so eine App nur dann, wenn sie mit *allen* WLAN-Hotspots unterschiedlichster Netze und Anbieter zurecht käme. Automatisch und verschlüsselt anmelden am eigenen Google-Hotspot mit Google-Infrastruktur dahinter entspricht doch wohl eher der Realität bekannter Netze.

vaikl am 22.02.14 11:45

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Freitag, 21.02.2014

Video-Streaming zum Schleuderpreis

Was hat Amazon mit Videos oder gar WWW: Video on Demand zu tun? Hier in Deutschland wissen es nicht so viele, aber WWW: Lovefilm gehört zum Amazon-Konzern. Bei Lovefilm kann man nicht nur Filme oder Fernsehserien auf DVD ausleihen, die einem dann per Post zugeschickt werden, sondern auch Filme und Fernsehserien online anschauen. Gegen entsprechende Bezahlung, versteht sich.

Lovefilm: Hier kann man Videos ausleihen; Rechte: Amazon
Mit Lovefilm ist Amazon schon länger am Start


Amazon stellt eigene Serien her
In den USA ist Amazon da schon weiter. Hier ist das Video on Demand Geschäft längst in die Amazon-Präsenz integriert. Wer WWW: Amazon Instant Video nutzt, kann sich online mit Videos versorgen und sie sich auf PCs, Tablets, Smartphones, Spielekonsolen oder auf Smart-TVs anschauen. Amazon hat den Dienst dort bereits im September 2006 gestartet und ist damit erfolgreich. So erfolgreich, dass der Onlineshop bereits WWW: eigene Serien produziert, "Alpha House" oder "Betas". Konkurrent Netflix stellt Serien wie WWW: "House of Cards" her. Nicht fürs Fernsehen, sondern fürs Onlineangebot.

Jetzt startet Amazon auch in Deutschland einen Video on Demand Dienst unter Amazon-Label. Ab 26. Februar kann man WWW: Amazon Prime buchen. Für 49 EUR im Jahr bekommt man dann nicht nur seine Amazon-Pakete schneller und gratis zugestellt (was für sich allein schon 29 EUR im Jahr kostet), sondern eben auch Zugriff auf das gesamte Online-Angebot von Lovefilm: 12.000 Filme und Serienepisoden.

Amazon Prime: Tiefstpreise fürs Streaming; Rechte: Amazon
Amazon Prime: Kampfansage an die anderen Dienste


Video on Demand zum Kampfpreis
49 EUR im Jahr - das ist ein absoluter Kampfpreis. Andere Anbieter wie WWW: Maxdome oder WWW: Watchever kosten mit 96 EUR fast doppelt so viel. Selbst das zu Amazon gehörende Lovefilm war bisher ähnlich teuer. Dafür gibt es eigentlich nur eine Erklärung: Amazon will WWW: Netflix in die Parade fahren. Dieser Video on Demand Dienst ist in den USA bereits sehr erfolgreich, in Deutschland aber noch nicht vertreten. Allerdings steht die Markteinführung kurz bevor: Netflix will in Deutschland starten. Jetzt ist Amazon seiner Konkurrenz zuvorgekommen.

Die Branche ist in Aufruhr. Das Preisgefüge kommt ins Wanken. Andere Anbieter müssen nun entweder auch mit dem Preis nach unten oder das Angebot verbessern. Wir Verbraucher profitieren also von dem Wettbewerb. Man sollte aber genau hinschauen, ob man das Angebot nutzt. Derzeit sind die deutschen Video On Demand Dienste noch nicht so attraktiv wie amerikanische. Dort gibt es deutlich aktuellere Filme als bei uns und vor allem auch Serien. In Deutschland werden die Inhalte nur sehr zögerlich eingestellt. Aktuelle Filme findert man gar nicht, einigermaßen neue nur in kleiner Zahl.

watcheverhp.png
Watchever ermöglicht auch Offline-Schauen

Und noch etwas gibt es zu bedenken: Bei Amazon legt man sich immer für ein Jahr fest. Bei allen anderen kann man monatlich kündigen. Und: Wer Watchever nutzt, kann Filme und Serien auch offline schauen, indem sie aufs Tablet geschaufelt werden. Das geht bei Amazons Videoangebot wie bei Lovefilm nicht bzw. nur auf Kindle-Readern. Eine enorme Einschränkung. Denn Filme schauen sich viele gerne unterwegs an, auf einer Autofahrt, im Zug, im Flugzeug. Doch das geht derzeit nur mit Watchever.

Doch eins scheint klar: Video-Streaming wird in Deutschland immer wichtiger. Ich mag Video on Demand Dienste. Aber ich will nicht nur abgehangene Streifen sehen, deshalb bin ich von den deutschen Ondemand-Diensten oft enttäuscht. Und die Möglichkeit, offline zu schauen, finde ich extrem wichtig. Hier muss Amazon/Lovefilm dringend nachbessern, um charmant zu sein. Immerhin kann Amazon jetzt mit dem Preis punkten.

Kleiner Rechenfehler: Sie schreiben "Andere Anbieter wie Maxdome oder Watchever kosten mit 96 EUR fast doppelt so viel." Doch das Amazon-Video-Paket (ohne den Prime-Anteil in Höhe von 29 Euro) kostet doch nur 20 Euro. Also ist die Konkurrenz fünf Mal teurer. Es sei denn, sie übernimmt die Versandkosten für alle Produkte, die ich bei Amazon kaufe.

Sebastian am 21.02.14 20:30

Ich schau nur "gut", nicht "neu".

Für preisgünstige Angebote fehlen mir Zeit und Geld.

Gert am 21.02.14 20:40

@Sebastian: Nicht wirklich, ich habe ja geschrieben, dass die Prime-Basics 29 EUR kosten. Aber viele werden das Angebot wohl wahrnehmen, NUR im Video on Demand zu nutzen, die zahlen dann 49 EUR... Ist ein bisschen nastürlih Äpfel und Birnen. :)

Jörg Schieb am 21.02.14 23:20

ich habe aktuell Prime, werde aber wohl kündigen, weil 49,- / Jahr zu bezahlen, wobei ich Streaming nicht nutzen kann (Bandbreite zu gering und Angebot zu schlecht), wird nicht passieren.

Schade, daß Amazon nicht ein Prime-Modell ohne Streaming anbietet.

Olly am 22.02.14 10:05

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