Montag, 15.06.2015

Heureka, das EU-Datenschützchen kommt

Google, Facebook und Apple müssen sich auf härtere Zeiten einstellen. Künftig wird es nicht mehr ganz so einfach sein, europäische User über den Tisch zu ziehen. Das Standardargument "Unser Firmensitz ist in den USA, deshalb gelten unsere Spielregeln" zieht dann nicht mehr. Denn die EU-Justizminister haben sich endlich auf eine ARD: einheitliche Datenschutzreform geeinigt, die künftig in ganz Europa gelten soll.

Heureka! Wer hätte das gedacht? Bereits seit über drei Jahren wird leidenschaftlich darüber gestritten, wie diese EU-Datenschutzreform aussehen könnte, die die Datenschutzrichtlinie aus dem Jahr 1995 ablösen soll. Kaum zu glauben: Schon 2018 sollen die neuen Spielregeln in Kraft treten.

Smartphone mit sozialen Netzwerken; Rechte: dpa/Picture Alliance
Soziale Netzwerke sollen stärker kontrolliert werden


Trägheit ungeheuren Ausmaßeses
Richtig gelesen: 2018. In der Ruhe liegt die Kraft. Schließlich muss man sich noch mit dem EU-Parlament einigen. Dann müssen einige Staaten noch die entsprechenden Gesetze auf den Weg bringen. Und ein bisschen Zeit muss man natürlich auch noch allen lassen, sich auf die neuen Spielregeln einzulassen. Ist schon komisch: Anti-Terror-Gesetze sind ruckzuck beschlossen. Von heute auf morgen dürfen wir keine Getränke mehr mit ins Flugzeug nehmen. So etwas geht blitzschnell. Aber wenn es um Datenschutz geht, dann haben wir alle Zeit der Welt.

Die Trägheit, mit der die EU den Datenschutz voran bringt, ist schon bemerkenswert. Dass sich die EU-Justizminister jetzt selbst auf die Schulter klopfen, ist eigentlich fast schon unanständig. Unser Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) meint, die geplanten Datenschutzreform sei "ein ungeheurer Fortschritt für die Verbraucher". Er hätte auch gerne mal sagen dürfen: "Wir schämen uns, dass wir so lange gebraucht haben und die neuen Spielregeln nicht vor 2018 in Kraft treten. Aber besser als nichts!" Das hätte die Sache irgendwie besser getroffen.

Heiko Maas; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) betont den Fortschritt für Verbraucher


Mehr Rechte für Verbraucher
Es stimmt schon: Wenn die neue Datenschutzverordnung dann irgendwann mal in Kraft tritt, bedeutet das tatsächlich einen Fortschritt für den Verbraucher. Weniger Schutz als bislang wäre aber auch kaum möglich gewesen. Künftig haben wir EU-Bürger ein Recht auf Vergessen. Wir können Beschwerde beim deutschen Datenschutzbeauftragen einreichen und müssen uns nicht mehr an den irischen wenden. Wir können künftig unsere persönlichen Daten mitnehmen wie Fotos, E-Mails oder Kontakte, wenn wir den Anbieter wechseln. Und vor allem sollen Daten nicht mehr an Nicht-EU-Regierungen weitergegeben werden dürfen. Zumindest nicht ohne Zustimmung. Anderenfalls drohen empfindliche Konventionalstrafen.

Das tönt alles ganz gut. Hätte aber gerne noch etwas entschlossener sein dürfen. Das EU-Parlament fordert höhere Maximalstrafen als die EU-Justizminister. Ebenso verlangt das Parlament, dass Onlinedienste mit simplen Symbolen klar machen müssen, was mit den Daten passiert. Die ellenlangen AGBs liest schließlich niemand durch. Leider konnten sich die EU-Justizminister mit dem Gedanken nicht anfreunden.

Mich nervt, wie lange die EU bereits an dem neuen Datenschutz herumdoktort. Außerdem fehlt es nach wie vor an Entschlossenheit. Wir bekommen Datenschützchen, keinen umfassenden Datenschutz. Es fehlen Rechte für Verbraucher, sich umfassend über alle gespeicherten Daten informieren zu lassen. Außerdem hätte man auch gerne die Verpflichtung einführen dürfen, dass Onlinedienste jedwede Form von Schnüffeleien - auch durch eigene Behörden - zu unterbinden seien. Ein Schritt in die richtige Richtung. Aber noch längst nicht im Ziel.

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Montag, 15.06.2015

Sich einmal wie ein Klavierspieler fühlen

Wer Klavier spielen möchte, muss viele Dinge beherrschen: die Melodie, den Rhythmus, das Notenlesen, das Instrument an sich und vor allem seine eigene Geduld. Wie gut, dass es Experimente wie WWW: "Touch Pianist" gibt: eine Website, für die ihr nur noch eine dieser Fähigkeiten braucht, nämlich das Gefühl für den richtigen Rhythmus.

Touch Pianist; Rechte: Batuhan Bozkurt
Die Noten gibt "Touch Pianist" euch vor - ihr müsst nur noch die Tasten im richtigen Moment drücken.

Mit jedem Tastendruck auf eurer Tastatur spielt "Touch Pianist" eine weitere Note ab. Mehr passiert auf dieser Website nicht - und trotzdem macht sie großen Spaß, weil man einfach sehr schnell zu zauberhaft klingenden Ergebnissen kommt.

(Falls die Seite in eurem Browser übrigens Probleme macht: Sie ist optimiert für den Chrome-Browser. "Touch Pianist" gibt es aber auch als App für WWW: Android und WWW: iOS.)

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Sonntag, 14.06.2015

TrayTyper verhindert fettige Schlieren

Manche Leute können ihre Finger einfach nicht vom Smartphone lassen. Selbst beim Essen tappen sie aufs Display. Für diese Unart haben die Amerikaner bereits einen Begriff geprägt: WWW: Phubbing. Das sorgt dann für noch schlimmere Schlieren auf dem Glas als sonst ohnehin schon. Das gilt natürlich erst recht für den Fall, wenn man bei einer Fastfood-Kette den Hunger bekämpft. Dann sind die Finger unweigerlich fettiger als sonst.

KFC hat sich für diese Spezies etwas Besonderes einfallen lassen: Ein ungewöhnliches Zubehör für die effektivere Smartphone-Nutzung. KFC legt in einigen Filialen auf Wunsch anstatt des üblichen mit Werbung bedruckten Papiers ein 0,4 Millimeter dünnes Keyboard aufs Servicetablett, ein TrayTyper. Das Keyboard lässt sich per Bluetooth mit dem eigenen Smartphone oder Tablet verbinden - und dann kann man sein Mobilgerät benutzen, ohne Schlieren auf dem Display zu hinterlassen. (Nur zum Koppeln von Tastatur und Mobilgerät muss man noch mal ans Display. Wer regelmäßig bei dem Hähnchen-Frittierer futtert, muss das freilich nur einmal machen.)


KFC macht Werbung für seine Nerd-Tastatur

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