Samstag, 25.07.2015

Whatsapp-Konkurrenz aus Redmond

Whatsapp ist so unbestreitbar wie unangefochten die Nummer eins bei den Kommunikations-Apps. Vor allem im Privatbereich. Doch im geschäftlichen Umfeld kommt Whatsapp aus vielen Gründen nicht in Frage. Zum einen gehört Whatsapp zu Facebook, einem Konzern, der nicht gerade für Diskretion bekannt ist. Zum anderen lässt sich mit Whatsapp nicht sicher kommunizieren. Es gibt keine Möglichkeit, Daten und Kommunikationswege individuell zu verschlüsseln.

Doch in der Geschäftswelt spielt das eine zunehmend wichtige Rolle: Viele Unternehmen müssen bei der Kommunikation strenge Kriterien erfüllen oder wollen schlichtweg kein Risiko eingehen. Aus gutem Grund: Wer über Whatsapp kommuniziert, kann seine Informationen auch gleich laut rausschreien.

Microsoft Send: Leichter mit Kontakten kommunizieren; Rechte: Microsoft
Microsoft Send: Leichter mit Kontakten kommunizieren


Zuerst für iOS-Smartphones
Darum verwenden immer noch viele die E-Mail, selbst um kurze Meldungen wie "Meeting-Raum hat sich geändert" zu verteilen, obwohl da ein Messenger viel praktischer wäre. Mit Slack oder Hipchat gibt es auch durchaus Apps, die diese Lücke füllen wollen. Doch nun hat auch WWW: Microsoft eine App vorgelegt, die zur vertrauensvollen Kommunikation innerhalb von Gruppen gedacht ist: Die neue WWW: Send-App soll die geschäftliche Kommunikation erleichtern.

Interessanterweise hat Microsoft die Send-App zuerst für iOS entwickelt. Nicht für Windows oder Android; Versionen für diese mobilen Betriebssysteme kommen erst noch. Noch gibt es die Send-App erst mal nur in den USA und Kanada, aber ein erster Schritt ist gemacht. Send funktioniert vom Prinzip her wie ein Messenger, hat aber trotzdem eine etwas andere Philosophie. Microsoft spricht von "in-and-out email".

Größter Vorteil von Send: Die App ist nicht isoliert, sondern synchronisiert die Daten mit Microsoft Outlook. Hat man seine Kontakte also in Outlook gespeichert, kann man die direkt in Send verwenden. Der Schritt von der E-Mail zur App ist damit nur ein sehr kleiner. Wer Send benutzt, kann nicht nur die mit Outlook ausgetauschten Mails sehen, sondern auch die mit Send verteilten Kurznachrichten. Das ist durchaus praktisch.

Hop-App: Auch hier werden E-Mail-Verteiler im Messenger fortgeführt; Rechte: Hop
Hop-App: Auch hier werden E-Mail-Verteiler im Messenger fortgeführt


Kooperation mit Outlook
Anders als bei Whatsapp braucht man bei Send nicht die Mobilnummern seiner Chat-Partner. Gerade in der Geschäftswelt teilt man die auch nicht unbedingt jedem mit. Und anders als bei Outlook braucht man bei einer mit Send verschickten Nachricht keine Betreffzeile, auch Anrede, Grußformel oder Fußzeile können fehlen. Die Nachricht wird auf den Punkt gebracht - wie in einem Messenger üblich. Das ermöglicht schnelle, spontane und unkomplizierte Chats in der Gruppe. Standard-Floskeln wie "Bin unterwegs" oder "Verspäte mich um 5 Minuten" lassen sich durch kurze Wischbewegungen auswählen und verschicken.

Die Send-App ist ein interessanter Ansatz. Natürlich wird sie Whatsapp als Primus nicht den Rang ablaufen. Doch für alle, die nicht in erster Linie privat plaudern, sondern geschäftlich kommunizieren, kann die App durchaus praktisch sein. Das gilt natürlich vor allem für all jene Nutzer, die sowieso Outlook und/oder Office 365 einsetzen. Allerdings gibt es mit WWW: Hop durchaus schon ein Vorbild, das ganz ähnlich funktioniert. Auch hier wird die E-Mail in den Messenger geholt - und Hop gibt es bereits für Android und iOS. Man darf gespannt sein, welche der beiden Apps sich eher durchsetzt.

Man muss nichts neues erfinden, da es den BBM (BlackBerry Messenger) gibt. Wenn man Sicherheit haben möchte dann ist die erste Adresse BlackBerry.
Den BlackBerry Messenger kann sich jeder runter laden und benutzen.

oender am 25.07.15 23:19

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Freitag, 24.07.2015

Historisches Video-Archiv bei YouTube

Wochenschauen oder Filmberichte aus längst vergangenen Tagen haben einen ungeheuren Reiz: Man wird in die Zeit von damals zurückversetzt. Nun hat die Nachrichtenagentur AP sich dazu entschlossen, große Teile des Archivs bei YouTube einzustellen. Auf diese Weise landen Filme, Berichte und Woschenschauen von AP und dem britischen Wochenschau-Archiv British Movietone in dem populären Videoportal, für jeden frei zugänglich. Mehr als eine halbe Million Videoclips (550.000, um genau zu sein) - eine riesige Auswahl mit vielen Schätzen!

Die Archive von AP und British Movietone bei YouTube; Rechte: YouTube
Die Archive von AP und British Movietone bei YouTube


Über eine Million Minuten historisches Bildmaterial
Gemeinsam haben AP und British Movietone über eine Million Minuten historisches Bildmaterial online gebracht. Der Aufwand dafür war und ist groß: Die Archive müssen nicht nur durchstöbert werden, das Material muss auch gesichtet und vor allem digitalisiert werden, damit es bei YouTube online gestellt werden konnte. Außerdem musste jeder einzelne Film mit Infos wie Titel, Datum und Schlagworten versehen werden, damit man die Filme leichter findet. Aber die Mühe hat sich gelohnt.

Die ältesten Filmschnipsel stammen aus dem Jahr 1895 - die jüngsten sind von heute. Alle Filme sind in Kategorien unterteilt, was das Stöbern erleichtert. Aber man kann natürlich auch chronologisch suchen oder Suchbegriffe eingeben. Das Archiv bei YouTube wird ständig aktualisiert. Jeder kann kostenlos drin stöbern und die Videos embedden. Auf diese Weise hat man eine Art Video-Nachschlagewerk, in dem man nicht nur nachgucken kann, sondern das man auch verwenden darf - im eigenen Blog, auf der eigenen Webseite. Das ist wirklich toll!


Eine halbe Million Filme und Berichte von 1895 bis heute

Über eine Million Minuten historisches Bildmaterial
Wer in die Archive eintaucht, kann eine wahre Zeitreise wagen. Mehr als 120 Jahre journalistisches Wirken stehen so kostenlos für jeden zur Verfügung. Wie hat man damals über WWW: Pearl Harbor berichtet, wie über die WWW: Twiggy Models in den 60er Jahren, wie über WWW: Marylin Monroes Besuch in London in den 50er Jahren oder das WWW: Erdbeben in San Francisco im Jahre 1906?

YouTube präsentiert vor und in den Videos Werbung - das Projekt ist damit eine Einnahmequelle für AP und British Movietone. Doch das ist völlig in Ordnung, stehen uns auf diese Weise doch wirklich bemerkenswerte Zeitdokumente schnell, komfortabel und kostenlos zur Verfügung. Ich würde mir wünschen, es gäbe mehr solcher Projekte, auch mit deutschen Berichten.

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Donnerstag, 23.07.2015

Wirkmittel Computervirus

oder: Welche Digitalwaffen braucht die Bundeswehr

Scharfe Kritik für Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Gleich zwei Informatikervereinigungen lehnen ihre Pläne ab, die Bundeswehr angriffsfähig zu machen für den digitalen Krieg.

„Stattdessen muss dringend die Cyberverteidigung gestärkt werden", fordert Professor Hartmut Pohl, Sprecher des zuständigen WWW: Präsidiumsarbeitskreises der Gesellschaft für Informatik. Zudem sei das Grundgesetz in dieser Frage eindeutig. Es regelt in Artikel 87 unmissverständlich, dass die Bundeswehr nur zu Verteidigungszwecken eingesetzt werden darf. „Das schließt eine massive Aufrüstung der Bundeswehr mit Cyberangriffswaffen aus", betont Pohl.

Auch das WWW: Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung lehnt die bekannt gewordenen Pläne des Verteidigungsministeriums ab, die Bundeswehr mit digitalen Angriffswaffen auszustatten. Die Forumsvertreter warnen davor, „wissentlich gegen die Genfer Konvention verstoßen zu wollen".

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Auf solchen digitalen Schlachtfeldern soll die Bundeswehr angriffsbereit sein


Ein kürzlich bekannt gewordenes WWW: Strategiepapier des Verteidigungsministeriums empfiehlt unter anderem, die Bundeswehr bei Auslandsmissionen mit Schadsoftware auszustatten, um die Mobilfunk- und Internetnutzung durch den Gegner auszuschalten. Die IT-Wirtschaft soll im Bedarfsfall Reservesoldaten bereitstellen.

Die Diskussion um digitale Angriffswaffen für die Bundeswehr wird seit dem Jahr 2006 immer wieder geführt. In diesem Jahr hatte der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung die Abteilung Informations- und Computernetzwerkkooperationen ins Leben gerufen.

80 Cyberkrieger der Bundeswehr sollen angreifen

Die in der WWW: Tomburg-Kaserne in Rheinbach bei Bonn residierende Hackertruppe der Bundeswehr hat den Auftrag, digitalen Waffen zu entwickeln, um feindliche Server und Computernetze anzugreifen.

Anfang Juni 2010 teilte das Verteidigungsministerium dem Deutschen Bundestag mit, die Bundeswehr sei angriffsbereit für den Cyberkrieg. Allerdings wurde sogleich eingeschränkt, es läge nur eine „Anfangsbefähigung" für den Angriff auf gegnerische Netze vor. Mit anderen Worten: Die Cyberkrieger aus der Tomburg-Kaserne konnten einen „Computervirus als Wirkmittel im Netz freisetzen".

Seitdem wurden im Verteidigungsministerium immer wieder Ideen und Konzepte für digitale Angriffswaffen diskutiert, die teilweise Science-Fiction-Charakter hatten und haben, teilweise einfach nur vom IT-Unverständnis der ministeriellen Planer zeugen.

Ein aus amerikanischen Quellen stammendes Papier über den „vireninduzierten Atomschlag" machte die Runde. Auch das im IT-Center der NATO in Tallinn diskutierte Vorhaben, mit einem Computervirus Kontrollrechner von Minenfeldern lahmzulegen, wurde sehr unterschiedlich von westlichen Militärs bewertet.

Vireninduzierter Atomschlag ist als Angriffswaffe umstritten

Das Bundesverteidigungsministerium argumentiert unermüdlich, auch offensive Cyberfähigkeiten würden nur der Verteidigung dienen. Doch so pauschal lässt sich das nicht sagen. Ob eine bestimmte Software für einen Angriff oder rein defensiv eingesetzt wird, lässt sich nur im Einzelfall beurteilen. Ob der digitale Angriff auf einen Kontrollrechner für Minenfelder ethisch geboten ist, hängt von der Gesamtsituation ab.

Natürlich gibt es auch digitale Angriffswaffen, die von vornherein gegen die Genfer Konvention verstoßen. Die Software für den vireninduzierten Atomschlag ist solch eine Angriffswaffe. Damit wird die Stromversorgung eines Kernkraftwerks ausgeschaltet, so dass die Kühlsysteme versagen und eine Kernschmelze erfolgt. Die Konsequenzen lassen sich in Tschernobyl und Fukushima besichtigen.

Im Verteidigungsministerium will man die digitale Angriffsfähigkeit der Bundeswehr aus Verteidigungsgründen. Doch gleichzeitig weigert sich die Bundesregierung schon lange, darüber zu diskutieren, welche offensiven Fähigkeiten für Abwehrbereitschaft vonnöten sind und welche Software primär für einen Angriffskrieg entwickelt würde. Hier muss eine rote Linie gezogen werden. Alles mit der vorgeblichen Verteidigung ist unredlich und falsch.

Können wir Digitalwaffen international ächten?

Deshalb muss Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen endlich Schluss machen mit windigen Begründungen aus den Stäben und eine klare Cybersicherheitsstrategie entwickeln. Damit würde sie sich allerdings Feinde machen, zumindest bei den Nachrichtendiensten, die Cybersicherheit fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Denn das Geschäftsmodell der Nachrichtendienste beruht wie das der Online-Kriminalität auf Cyberunsicherheit. Da haben digitale Angriffswaffen einen echten Vorteil für die Verteidigungsministerin: Mit ihnen bleibt die Cyberlage hochgradig unsicher.


Neue Waffen sollte man ächten, bevor sie eingeführt sind. Sind sie erst mal da, wird niemand auf seinen kleinen Vorteil verzichten wollen. Der Gegner "muss" dann auch aufrüsten, natürlich "nur zur Verteidigung". Eine Chance, den Wettlauf zu verhindern, gibt es nur ganz am Anfang.

Eine Aufrüstung der passiven Sicherheit gegen Schadsoftware bleibt davon ja unberührt. Die brauchen wir sowieso.

Bertram in Mainz am 24.07.15 10:10

Also was bei chemischen und biologischen Waffen immer gemacht wird-erst die Waffe(z.b. Virus;-)) herstellen und darauf hin eine Abwehr entwickeln geht also garnicht in der Informatik,nasowas...
Sehr intelent:-)

Martin Däniken am 24.07.15 17:16

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