Montag, 01.09.2014

Tastatur, Maus und Keyset - von einem Gerät, das nicht überlebt hat

Computer wären heute nicht so, wie wir sie kennen, hätte es den Pionier und Erfinder Douglas C. Engelbart nicht gegeben. 1963 hat er in Stanford den ersten Prototypen der Computermaus gebaut - auch wenn dieses Eingabegerät erst 20 Jahre später seinen Siegeszug angetreten hat, nachdem Apple sie für seinen Rechner Lisa genutzt hatte.

Xerox PARC Alto; Rechte: Flickr/Michael Hicks/CC BY 2.0
Ein Meilenstein der Computergeschichte: der Xerox PARC Alto, rechts mit der Maus als Eingabegerät, einer Tastatur in der Mitte - und links dem Keyset.

Ohne eine Maus kommt heute kein Computer mehr aus. Neben der Maus hat Engelbart aber noch ein weiteres Gerät erfunden, von dem heute so gut wie niemand weiß: WWW: das Keyset. Fünf Tasten, die an Klaviertasten erinnern, die man mit der linken Hand bedienen konnte, während die rechte Hand mit der Maus durch die Gegend klickt.

Diese fünf Tasten konnte man einzeln oder in verschiedenen Kombinationen drücken, um entweder die Buchstaben des Alphabets einzugeben oder in Verbindung mit der Maus bestimmte Funktionen zu nutzen, während wir die Maus bedienen. Hielt man zum Beispiel die linke Maustaste gedrückt, konnte man per Keyset Zahlen und Sonderzeichen eingeben, hielt man die damals noch existente mittlere Maustaste gedrückt, konnte man Großbuchstaben "tippen".

Der Gedanke hinter dem Keyset war nicht, die Tastatur zu ersetzen - sie war schon immer das schnellste Eingabegerät. Der Gedanke war: Wer die rechte Hand an der Maus hat, kann die Tastatur nicht mehr bedienen - also stattdessen das Keyset.

Mit den fünf Tasten des Keysets ließen sich bis zu 31 Kombinationen eingeben. Wer das einmal gelernt hatte, sollte den Computer damit unglaublich schnell bedienen können - WWW: wie Douglas C. Engelbart bei einer Vorführung 1969 gezeigt hat, die es beim Internet Archive zu sehen gibt. WWW: Selbst 1992 hat Engelbart noch aufs Keyset gesetzt.

Heute leben wir ohne dieses komplizierte und verkopfte Gerät. Die Funktionsgewalt können wir stattdessen dann voll ausschöpfen, wenn wir gleichzeitig Tasten wie [Strg] oder [Alt] drücken - die Idee hinter dem Keyset hat also trotzdem überlebt.

Kann gar nicht sein ;) Das war doch Steve Jobs der das alles erfunden hat-wie auch die Fenster...

Oh je am 2.09.14 15:49

Nein.
Steve Jobs hat nur die Ein-Tasten-Maus erfunden.

Damit konnte man sich so elegant durch die Menüs bewegen wie ein Pianist mit Fausthandschuhen durch Chopins Balladen.
Aber alles voll intuitiv.

Gert am 2.09.14 22:46

Bitte was? Zitat: "...hielt man die damals noch existente mittlere Maustaste gedrückt..." Die mittlere Maustaste gibt es immer noch und wird auch noch benutzt (einfach mal auf das Mausrad drücken statt scrollen) denn nicht alle PC-User lassen sich verapplen!

Jim Panse am 3.09.14 12:00

Für jemanden, der *ernsthaft* an Computergeschichte interessiert ist, bietet die Biographie von Steve Jobs (von Walter Isaacson) eine Menge interessanter Einblicke. Er war weniger ein Erfinder, als jemand der aus (durchaus auch fremden) Erfindungen *Produkte* mit Weitblick entwerfen und umsetzen konnte. Das ist leider auch heute noch eine seltene Tugend, wie man an vielen Geräten erkennt, die technisch hochwertig, aber am Benutzer vorbei konzipiert sind. Was nicht heißt, dass Apple immer nur alles richtig gemacht hat. Aber die stringente Art zu denken ist schon ziemlich einzigartig.

Xerox ist das Gegenbeispiel: viele geniale Dinge hatten sie vor Apple (Maus, GUI, moderne Softwarekonzepte, Ethernet, ..). Aber völlig unfähig, daraus ein Produkt für "Dich und Mich" zu machen.

Gerhard Waler am 3.09.14 13:54

Für jemanden, der *ernsthaft* an Computergeschichte interessiert ist, bietet die Biographie von Steve Jobs (von Walter Isaacson) eine Menge interessanter Einblicke. Er war weniger ein Erfinder, als jemand der aus (durchaus auch fremden) Erfindungen *Produkte* mit Weitblick entwerfen und umsetzen konnte. Das ist leider auch heute noch eine seltene Tugend, wie man an vielen Geräten erkennt, die technisch hochwertig, aber am Benutzer vorbei konzipiert sind. Was nicht heißt, dass Apple immer nur alles richtig gemacht hat. Aber die stringente Art zu denken ist schon ziemlich einzigartig.

Xerox ist das Gegenbeispiel: viele geniale Dinge hatten sie vor Apple (Maus, GUI, moderne Softwarekonzepte, Ethernet, ..). Aber völlig unfähig, daraus ein Produkt für "Dich und Mich" zu machen.

Gerhard Waler am 3.09.14 13:54

BTW, nochmal zur Maus: die stirbt inzwischen. Alle unsere Desktop-Rechner haben Trackpads, die Laptops und Touch-Geräte ohnehin.

Vielleicht wäre es mal an der Zeit für einen Nachruf auf die Maus? Die ja durchaus noch ihre Vorteile hat, z.B. wenn es um das pixelgenaue Positionieren geht, oder für Leute die am Computer spielen. Aber ich sehe sie sehr langsam, aber sicher den Weg nehmen, den Floppy Disk und Röhrenmonitor bereits gegangen sind.

Gerhard Waler am 3.09.14 14:02


Vom Keyset hatte ich noch nie gehört. Aber ein bisschen gibt es das noch. Es gibt die an den USB-Port anschließbaren numerischen Zusatztastaturen zur schnellen Eingabe von Zahlenreihen. Besonders bei Notebooks sind die nützlich und schonen zudem die Tastatur.

@Gerhard Waler
Für umfangreiche Arbeiten würde ich die Maus vorziehen. Teils ist das wohl eine Frage der Gewohnheit. Die Trackpads haben zusätzlich Schalter, die den Maustasten entsprechen. Seit ich mal ein Notebook reparieren musste, bei dem ein defekter Microswitch (Verschleißteil!) am Trackpad das ganze Gerät blockierte (Dauer-Ein), benutze ich die Tasten nur noch ungern. Man kann auch auf das Trackpad tippen. Aber manchmal tippt es aus Versehen.

Alles Externe lässt sich leicht öffnen, möglichst reparieren oder ersetzen.

Bertram in Mainz am 3.09.14 23:07

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Montag, 01.09.2014

Bitte lächeln!

Ich setze hinter etwa jeden dritten Satz einen obligatorischen Smiley. Ich mag Smileys. Egal ob grinsend, weinend oder mit Heiligenschein. Ich finde sie süß. Sie verstärken, was ich sagen will. Oder zeigen, dass ich das Gesagte ironisch meine. Aber so inflationär gehen nicht alle mit den gelben Grafikmännchen um - und bringen mich damit oft ins Grübeln.

"Du bist doof", schrieb mir neulich eine Freundin. War sie jetzt ernsthaft beleidigt, oder war das ein Scherz? Hat sie verstanden, was ich meinte? Soll ich jetzt nochmal nachfragen oder wäre das übertrieben? Textnachrichten jeglicher Art sind die Spielwiese für Missverständnisse. Statt wie bei der normalen Kommunikation von Angesicht zu Angesicht noch Mimik, Gestik, Stimmlage und Tonfall mit zu beurteilen, lesen wir hier nur eine Bleiwüste aus Buchstaben. Smileys helfen da durchaus, einen kleinen bildlichen Hinweis zu geben, wie das Ganze denn gemeint ist.

Smileys; Rechte: WDR/Horn

Vor allem unter Freunden funktioniert diese digitale Hieroglyphen-Schrift wunderbar, sagt Prof. Martin Beckenkamp von der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln. Jetzt hätte ich ja gesagt, dass die Symbole vor allem zwischen Unbekannten gut funktionieren und helfen, das Geschriebene mit Emotionen zu belegen. Aber der Kommunikationsexperte warnt: "Wer sich nicht so gut kennt, sollte die Smileys und Emoticons nur mit Bedacht nutzen. Zum Beispiel vom Vorgesetzten zum Angestellten, um ihn ausdrücklich zu loben - ähnlich wie die Fleißkärtchen oder Tier-Stempel damals in der Grundschule. Wer mit den Smiileys um sich schmeißt, wird irgendwann nicht mehr ernst genommen." Freunde hingegen können auch zwischen den Zeilen lesen.

Digitale Hieroglyphen
Ich wollte also wissen, ob Smileys und Emoticons auch den kompletten Schriftverkehr ersetzen können. Grinsen statt tippen. Geht bestimmt auch schneller, als jedes Wort einzeln zu schreiben. Für meinen kleinen Test habe ich Tanja und Angela, die ich am Kölner Dom angesprochen habe, um Hilfe gebeten. Die beiden kennen sich seit Jahren und schreiben täglich massenweise Nachrichten hin und her. Angela sollte eine Bildergeschichte formulieren und Angela durfte sie dann ganz nach ihrem Verständnis vorlesen.

Emoticons; Rechte: WDR/Horn

"Wir haben heute Morgen einen Donat am Rhein gegessen, der war sehr lecker. Während dessen haben wir beobachten müssen, wie eine Frau sich vom Fernsehen hat filmen lassen und das fanden wir ganz fürchterlich." Test bestanden :-)

Donat; Rechte: WDR/Horn

Schwierig wird es laut Martin Beckenkamp vor allem, wenn es um komplexere Sachverhalte geht. Wer sagen will, dass er gestern Abend ein saftiges Entrecôte mit Jägersauce im Restaurant von und zu Leckerschmecker gegessen hat, bekommt sicherlich Schwierigkeiten. "Andere Zeiten, Adjektive und spezielle Wörter wie Entrecôte lassen sich nicht mit Emoticons oder anderen Icons darstellen. Das ist Zukunftsmusik."

*trompete-wahrsagerkugel-lol*
Allerdings kann es durchaus so sein, dass die Digital Natives, also Leute, die mit dem Web 2.0, Emoticons und Smileys groß geworden sind, sie lesen können wie kein anderer, so Beckenkamp. "Wenn ich zum Beispiel wütend bin und in ausschließlich Großbuchstaben schreibe ´Ich schaffe es nicht!´, dann kann es durchaus sein, dass der Empfänger antwortet ´schrei nicht so rum´." Emoticons und Symbole im Allgemeinen haben unsere Kommunikation also schon gut im Griff. Wer jetzt sagt, dass die gelben Gesichter unsere Sprache verkommen lassen, dem sei aber gesagt...

Handsymbole WhatsApp; Rechte: WDR/Horn

... sie können unsere Sprache durchaus ergänzen und bereichern. "Damals haben unsere Lehrer auch gesagt, Comics seien schlecht für die Sprachentwicklung", erinnert sich Beckenkamp. Heute ist wohl allen klar, dass das Blödsinn ist. Und wenn man sich weltweit umschaut, sieht man sogar eine große Kreativität.

Es geht los mit einfachen Strichzeichungen:
:- / (Skepsis)

In Japan gucken die Gesichter den Leser sogar direkt statt schiefliegend an:
(*_*) (Furcht)
\(˚o˚)/ (Jubel)

Und sogar kleine Kunstwerke aus Punkt-Komma-Strich sind möglich:
(((
(. .)
(( v ))
---m-m---

Es gibt übrigens diverse Studien, die belegen, dass Smileys und Emoticons die gleichen Hirnregionen ansprechen wie echte Gesichter, wenn sie von links nach rechts lesbar sind. Die Augen müssen also links liegen oder gerade stehen. Der Erfinder der Gesichter, US-Informatikprofessor Scott Fahlmann, hätte sich wohl damals nicht träumen lassen, dass er mit seinem :-) die Kommunikation revolutioniert. Mittlerweile gibt es sogar diverse Apps und Grafikprogramme, mit denen ich meine eigenen Smileys entwerfen könnte. Das ist mir zu umständlich. Aber die Auswahl ist auch so groß genug. Auch wenn Tanja und Angela noch einige Lücken im Smileys-Repertoir vermissen. "Was es immer noch nicht gibt als Symbol ist der Mittelfinger. Dabei könnte man den manchmal gut gebrauchen."

Natürlich weiß jeder Digital Native, dass es längst Möglichkeiten und Zeichen für den Stinkefinger gibt. Aber auch in der Sprache der Smileys darf man ja wohl ein paar kleine Geheimnisse haben. Aber pssssss... 0:-p

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Montag, 01.09.2014

Netflix: Enttäuschung noch vor dem Start

Eigentlich soll es mit Blog: Netflix in Deutschland erst am 16. September losgehen. An diesem Tag ist ein großer Launch Event in Berlin geplant. Das ist der offizielle Startschuss - gut eine Woche nach der IFA. Doch der offizielle Marktstart kündigt sich mit Vorbeben an. Denn die Konkurrenz wird unruhig: Die WWW: Online-Videothek Sky Snap kostet plötzlich nur noch 3,99 im Monat. Maxdome spricht intensiver mit Journalisten. Und Amazon weist stolz immer wieder auf den (angeblichen) Erfolg seines Videoangebots WWW: Prime Instant Video hin.

Man möchte halt nicht untergehen angesichts der Bedrohung, die jetzt aus USA nach Deutschland kommt. Schließlich hat Netflix zweifellos in den USA den Videomarkt revolutioniert und auch den ein oder anderen Anbieter in die Knie gezwungen.

Netflix Homepage; Rechte: dpa/Picture Alliance
Netflix: Neue Konkurrenz für Maxdome, Watchever und Co.


Möglicherweise überzogene Erwartungen an Netflix
Man sollte Netflix schon ernst nehmen. Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass die Erwartungen an Netflix mitunter etwas überzogen sind. Auch Netflix kann nicht zaubern und störende Rechteprobleme ignorieren. Auch Netflix muss Geld verdienen. Und bekannte Eigenproduktionen von Netflix wie WWW: House of Cards läuft bei uns im Fernsehen, bei Sky Atlantic, und kann deshalb nicht exklusiv bei Netflix zu sehen sein. Das Pulver ist also bereits verschossen. Immerhin werden die beiden ersten Staffeln der Gefängnisserie WWW: Orange is the new black auf Netflix zu sehen sein.

Doch nun mehren sich die Gerüchte, dass Netflix in Deutschland möglicherweise sogar früher starten könnte als geplant. Auf der einen Seite schwer vorstellbar, weil dann ein Launch Event keinen Sinn mehr macht. Andererseits aber auch wieder denkbar, denn letztlich ist alles gut, was einen ins Gespräch bringt und das Interesse steigert. Der Branchendienst DWDL jedenfalls hat bereits WWW: einige Screenshots online gestellt, in denen man Teile der deutschen Benutzeroberfläche und Teile des Angebots sehen kann. Denn das deutsche Onlineangebot lässt sich über Umwege bereits einsehen. Das aber bedeutet nicht, dass es bereits offiziell gestartet ist.

Orange is the new black; Rechte: Netflix
Orange is the new black wird auch bei Netflix Deutschland zu sehen sein


Enttäuschung macht sich breit
Angesichts dessen, was vorab über das tatsächliche Angebot von Netflix in Deutschland in Erfahrung zu bringen ist - und das sind ausnahmslos alles inoffizielle Kanäle -, macht sich im Netz Enttäuschung breit. WWW: "Enttäuschung on Demand" titelt der Mediendienst Meedia. Denn der Abopreis soll sich in Deutschland auf 7,99 EUR im Monat belaufen. Branchenüblich. Aber ohne wirklich cooles Zeug, das man nirgendwo anders bekommt.

Der Netflix-Start könnte also deutlich bescheidener ausfallen als bisher gedacht. Egal, ob es nun am 16. September losgeht oder schon ein paar Tage früher.

"Deutsch"Immer erst einmal ueber ungelegte Eier jammern?Das Angebot soll uebrigens mehrsprchig werden-Originalfassung und Syncro+Untertitel.Lasst doch Netflix erst einmal starten.Man wird dann schon sehen das dies den markt aufmischen wird.Content wird auch schon noch kommen.

Typisch am 3.09.14 15:39

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