Mittwoch, 26.02.2014

Kreditkarten absichern mit dem Smartphone

Auf dem WWW: Mobile World Congress in Barcelona werden nicht nur neue Smartphone-Modelle gezeigt wie das ARD: S5 von Samsung. Man kann auch einiges über neue Ideen erfahren. Eine ist: Mit dem Smartphone in der Tasche Kreditkartenzahlungen sicherer machen. Wie das? Im Grunde genommen ganz einfach: Indem man schaut, wo sich der Inhaber der Kreditkarte gerade befindet und überprüft, ob seine oder ihre Kreditkarte genau nur dort eingesetzt wird.

Mastercard ganz nah; Rechte: dpa/Picture Alliance
Mastercard will Smartphone als Sicherheitsmerkmal verwenden


Keine Kreditkartenzahlung ohne Smartphone
Konkret: Mastercard WWW: testet gerade ein neues Sicherheitsverfahren, zusammen mit dem Anbieter WWW: Syniverse. Es soll dabei erst mal nur um Zahlungen mit der eigenen Kreditkarte im Ausland gehen. Wird die irgendwo benutzt, etwa um ein paar Schuhe in einem Schuhgeschäft in Mailand zu bezahlen, überprüft ein Algorithmus die aktuelle Geolocation des Smartphones vom Kreditkarten-Inhaber. Gibt es Widersprüche, wird die Zahlung nicht genehmigt.

Die Idee ist erst mal überzeugend. Vorausgesetzt, man hat sein Smartphone immer mit dabei, ist es in der Tat so, dass der aktuelle Aufenthaltsort des Smartphones gewisse Rückschlüsse zulässt, ob die Kreditkarte von der Person genutzt wird, die sie nutzen soll - und nicht womöglich von einem Dieb, der sich die Kreditkarte unrechtmäßig besorgt hat oder sogar eine Kopie verwendet. Ist mein Smartphone gerade in Frankfurt, kann ich nicht in Hamburg ein Dinner bezahlen. Es sei denn, ich habe mein Smartphone liegen gelassen.

Mastercard und Smartphone; Rechte: Syniverse
Kreditkarte und Smartphone werden gekoppelt


Optional - und einige Abers
Die zusätzliche Sicherheitsfunktion ist erst mal als Opt-In gedacht. Also nur, wer es möchte, kann sie aktivieren für seine Kreditkarte. So hat - erst mal! - jeder die Wahl, ob er seinen Aufenthalt tracken möchte und ob er will, dass Zahlungen nur dann möglich sind, wenn das eigene Smartphone in der Nähe ist. Das hat die beschriebenen Vorteile, kann aber auch zu Problemen führen, etwa wenn das Smartphone im Hotel geblieben ist oder der Akku seinen Geist aufgibt.

Weiteres Problem: Laut einer aktuellen Studie verzichten 70% der ins Ausland reisenden Menschen darauf, im Ausland die Datenfunktion im Handy zu aktivieren - um Roaming-Kosten zu sparen. Dann kann die neue Sicherheitsfunktion aber auch nicht greifen, da Daten übertragen werden müssen, um den aktuellen Aufenthaltsort zu übermitteln. Darüber hinaus verrät Kooperationspartner Syniverse, was noch alles möglich ist: Etwa gezielte Werbung, weil ja der Aufenthaltsort der User bekannt ist. Scheint mir so, als ob es eher darum geht als um das Plus bei der Sicherheit.

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Montag, 24.02.2014

Nokia baut auf Android mit Kacheln

Auf dem WWW: Mobile World Congress in Barcelona hat Nokia für eine ordentliche Überraschung gesorgt. Nokia traut sich, neue Smartphones vorzustellen, die mit Android laufen. Das allein ist schon ein kleiner Coup, schließlich wurde Nokia vor einer Weile von Microsoft gekauft (gehört allerdings noch nicht offiziell zum Konzern aus Redmond). Da erwartet man, dass das Unternehmen Smartphones baut und verkauft, die mit Windows Phone laufen, aber doch nicht mit dem Betriebssystem der verhassten Konkurrenz.

Kachel-Optik auf Nokia-Handy mit Android; Rechte: Nokia
Ein Android-Smartphone mit Kachel-Optik


Nokia X Serie: Android ohne Android
Doch genau den Weg geht Nokia mit seiner X-Serie. Der Handyhersteller hat gleich drei neue Modelle vorgestellt, sie alle laufen mit Android - und sie alle liegen preislich unter 100 EUR. Das ist eine klare Kampfansage. Nun ist es nicht so, dass Nokia der erste Hersteller wäre, der die Preisgrenze von 100 EUR unterschreitet, aber allzu viele sind es bislang nicht gewesen - und einige auch nur Blog: mit Firefox OS drauf.

Außerdem hat Nokia einen Namen. Auch wenn die goldenen Zeiten vorbei sind und die Finnen längst nicht mehr der größte Handyhesteller der Welt ist, was schließlich mal der Fall war: Irgendwie traut man dem Unternehmen noch immer was zu. Die Blog: Lumia-Modelle aus dem vergangenen Jahr können sich durchaus sehen lassen. Als Billiganbieter sieht man Nokia daher nicht.

Was nach Illoyalität aussieht, ist ein strategisch geschickter Schachzug. Das Nokia X, X+ und XL mag zwar mit Android arbeiten, allerdings mit einem stark veränderten Android. Optisch wurde jede Menge verändert: Der Benutzer bekommt ein Kachel-Design präsentiert, das haargenau so aussieht wie auf Geräten mit Windows Phone 8. Man meint, ein Windows-Phone-Handy in den Händen zu halten, dabei handelt es sich um ein Android-Gerät.


Die neuen Nokia X Modelle


Optisch und inhaltlich alles anders
Aber nicht nur optisch ist alles anders. Auch sonst. So haben die Nokia-Entwickler alle Verbindungen zu Google gekappt. Statt Google ist Microsoft Bing als Suchmaschine integriert. Anstelle der Cloud-Dienste von Google werden die von Microsoft eingebunden. Statt Goole Mail gibt es outlook.com, auch Youtube und Hangout fehlen in dem wohl ungewöhnlichsten Android aller Zeiten. Auch ist die Chat-Software Skype vorinstalliert, die ebenfalls zum Microsoft-Konzern gehört.

Auch der Google Play Store steht nicht zur Verfügung, die Tankstelle für Apps. Stattdessen soll der Nokia Store die User mit angepassten Apps versorgen - oder es müssen alternative Portale wie Yandex genutzt werden. Nokia hat Android wirklich alle Flügel gestutzt. Zum einen bedient Nokia so die wachsenden Märkte für günstige Smartphones und zum anderen streut escGoogle Sand ins Getriebe. Denn wer ein Nokia-X benutzt, der steigt später vielleicht doch auf ein Windows Phone um. Und zu Hause oder im Büro benutzt man dann Windows. Noch gehört Nokia nicht zum Microsoft-Konzern. Gut möglich, dass Microsoft diese Strategie wieder ändert.

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Montag, 24.02.2014

Facebook und WhatsApp - bekommen wir nur die Datenschutzdebatten, die wir verdienen?

Selten musste ich für Blogartikel so viel Prügel einstecken wie für die zu Facebook und WhatsApp. Blog: In Digitalistan habe ich die Prognose abgegeben, die Übernahme von WhatsApp durch Facebook werde für uns Nutzer auch Vorteile haben. Drüben WDR: im 1LIVE-Nerdblog habe ich versucht, gegen die Hysterie anzuschreiben.

Und die Frage lässt mich auch weiter nicht los: Warum diese Aufregung? Am Samstag zum Beispiel ist mir fast die Kinnlade runtergekippt, als gefühlt sämtliche deutsche Medien WWW: einen temporären Ausfall von WhatsApp zur Schlagzeile gemacht haben. Dabei gab es solche Ausfälle immer wieder. Die anderen bisher drölfzigtausend haben nie eine solche Wucht entfaltet. Plötzlich sind sie wichtiger, nur weil Facebook mit im Spiel ist?


Google Trends zeigt, in welchen Ländern Nutzer vor allem nach dem WhatsApp-Konkurrenten Threema suchen.

Bei Twitter machte am Wochenende außerdem die Grafik oben die Runde. Sie zeigt:
Nach der sicheren App Threema als Alternative zu WhatsApp googeln fast ausschließlich deutsche Nutzer. Auch Blog: die anderen sicheren Messenger scheinen dem größten Teil der Welt zumindest bei Google einfach egal zu sein.

Warum diese Schnappatmung aufkommt, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Einen Erklärungsversuch startet der Kollege Daniel Fiene WWW: in seinem Blog:

"Wir Deutschen haben uns mal wieder auf ein Produkt versteift. Vor einem Jahr lag der Marktanteil von WhatsApp bei 84 Prozent. In den USA lag er bei 7 Prozent. In vielen Ländern spielen mehrere Apps eine wichtige Rolle. Bei uns scheint es nur WhatsApp zu geben. Wie in vielen anderen Bereichen auch: Google hat einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent, in den USA liegt er bei etwas mehr als 60 Prozent. Bei Street View gab es in keinem anderen Land so einen Aufschrei wie bei uns. Vor dem Deutschlandstart waren die Deutschen aber schon die größte Nutzergruppe außerhalb der USA."

Ein spannender Ansatz: Verhelfen wir Unternehmen wie Facebook, WhatsApp und Google in Deutschland erst zum Monopol, lassen damit selbst keine Konkurrenz zu - und beschweren uns dann über deren Status als unzähmbare Datenkraken?

Es gibt keine wirkliche Debatte um Datenschutz bei WhatsApp.
Warum auch?

Wer sich um seine Daten sorgt, meidet solche Dienste seit jeher.
Und den anderen war es schon immer egal.

Teilte früher die Geburt die Menschen, meist gegen ihren Willen, in ihre sozialen Gruppen ein, tun sie es heute von ganz allein und sogar freiwillig.

Wenn sich heute Leute bei mir wegen einer Arbeitsstelle vorstellen, gehen meine Fragen immer gleich in genau die Richtung soziale Netzwerke und Freizeitbeschäftigung.
Dann noch ein paar originelle Tattoos oder Piercings an exponierter Stelle, ein sündhaft teures (und während des Gespräches todsicher klingelndes) Handy und ich weiß in 10 Sekunden mehr über den Aspiranten als beim Studium seiner kompletten Unterlagen.

Und dann wird eben entschieden.......

Gert am 24.02.14 13:41

Ein interessanter Ansatz. Das "immer auf eine Karte setzen und dann enttäuscht sein, wenn aus dem Frosch kein Prinz wird" - ein deutsches Problem?

Ich sehe die Ursache für den regelmäßigen deutschen Protestaufschrei deutlich simpler, nämlich in ganz grundsätzlichen, durch unsere Geschichte geschürten Ängste: Wir reagieren allergisch darauf, wenn wir das Gefühl haben, kontrolliert und manipuliert zu werden. Wir hassen es, wenn uns jemand etwas weg nimmt, ohne was wir etwas dagegen tun können - und wenns "nur" Daten sind. Wir haben Angst davor, dass jemand unsere Daten ausspionieren könnte, um sie dann zu missbrauchen. Vielleicht sogar, uns etwas an zu tun.

Aber um ehrlich zu sein, Protest und Widerstand kommen ein bisschen zu spät. Der "transparente Mensch" ist längst Realität und ein Ankerpunkt unserer Zeit.
"Wir Deutschen" müssen lernen mit der Verantwortung, die daraus erwächst, umzugehen. Uns wird gar nichts anderes übrig bleiben.

Jérôme Cantu am 25.02.14 20:15

@Jérôme Cantu
Wie soll ich diesen Kommentar verstehen? Der Kampf ist verloren, finden wir uns damit ab? Außerdem ist alles gar nicht so schlimm, hat mehr mit unserer eigenen Angst zu tun?
Ich finde es erschreckend, wie sehr sich heute Datenschützer rechtfertigen müssen, obwohl Datenschutz eigentlich selbstverständlich sein müsste!

Bertram in Mainz am 27.02.14 16:33

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