Montag, 23.02.2015

YouTube für die ganz Kleinen

Würden die Manager bei Google, Microsoft, Apple, Facebook und Co. ehrlich auf die Frage antworten, ab welchem Alter ihnen eigentlich User willkommen sind, müssten sie sagen: Uns sind alle willkommen. Zu jung gibt es für uns nicht. Doch zum Glück gibt es das Jugendschutzgesetz, das zumindest einige Grenzen setzt. Deshalb müssen sich die Anbieter schon ein bisschen anstrengen, um Jugendliche ködern zu dürfen. Facebook zum Beispiel hat sich da schon einiges einfallen lassen. Das WWW: offizielle Mindestalter ist 13, um sich bei Facebook registrieren zu dürfen. Überprüft aber sowieso niemand ernsthaft. Flunkern beim Alter - nicht erlaubt, aber geduldet. Bei Google und Youtube ist es genauso.

YouTube Kids: Spezielle App für Kids unter 13 Jahren; Rechte: Google
YouTube Kids: Spezielle App für Kinder und Jugendliche


Eine eigene App soll Inhalte filtern
Doch nun wagt sich Google aus der Deckung: Mit einem neuen Angebot namens YouTube Kids spricht der Onlinedienst gezielt die ganz junge Klientel an. Eine App speziell für Kinder, die es kostenlos für Android und iOS gibt, bislang allerdings nur in den USA. Die Idee: Junge Youtube-Nutzer sollen vor unangemessenen Videoinhalten und unpassender Werbung geschützt werden. Bevor besorgte Eltern auf die Idee kommen, vielleicht doch mal WWW: Kika einzuschalten, sollen sie dem Nachwuchs lieber ein Tablet mit YouTube Kids in die Hände drücken, so das Kalkül des Onlineriesen.

Die App zaubert natürlich keine pädagogisch wertvollen Inhalte herbei, sondern blockt bestenfalls schädliche Angebote. YouTube Kids bietet Zugriff auf redaktionell ausgewählte Videos, Kanäle und Playlists, die für den Nachwuchs als geeignet eingestuft wurden, etwa Sendungen der Sesamstraße oder Episoden aus Talking Tom. Die Benutzerführung der App orientiert sich an den Bedürfnissen junger Nutzer, etwa mit extragroßen Bedienelementen. Videos starten außerdem direkt im Vollbild-Modus. Nach unpassenden Begriffen zu suchen, ist in YouTube Kids nicht möglich. Außerdem können Eltern die Nutzungszeit einschränken, also festlegen, wie lange und wie viel der Nachwuchs in Youtube konsumieren darf. Alles zwischen 0 und 120 Minuten ist möglich.


Verlockung der Youtube-Nutzung nimmt zu
Ist das jetzt ein Knaller, der Eltern in Entzücken versetzen soll? Mitnichten. YouTube Kids richtet sich erkennbar nicht an Jugendliche (die sollen bitte schön auch weiterhin das normale Youtube benutzen), sondern primär an Kinder. Motto: Je jünger, desto besser. Vordergründig geht es darum, eine App anzubieten, die Kinder vor unangemessenen Inhalten bewahrt. So was kommt bei Eltern immer gut an. Doch in Wahrheit geht es wohl eher darum, junge Menschen an Youtube zu gewöhnen, noch bevor sie lesen können. Du willst wissen, wie die Welt funktioniert? YouTube weiß Bescheid. Wer kommt nur auf die verrückte Idee, 120 Minuten in der YouTube-Bilderflut für angemessen zu halten?

Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, eine App zu haben, die nur ein bestimmtes Spektrum der Inhalte zeigt und einfach bedienbar ist. Auch dass die Nutzungszeit einstellbar ist, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Problematisch dürfte allerdings sein, dass nun die Hemmungen vieler Eltern fallen, ihre Kinder unbeaufsichtigt YouTube nutzen zu lassen, da ja alles wunderbar geregelt ist. Keine schädlichen Inhalte, die Zeit ist befristet. Wunderbar. Wie bequem.

Die Nutzungszeit dürfte unterm Strich dramatisch zunehmen. Unter diesem Aspekt ist YouTube Kids eher schädlich als nützlich.

Da Netflix und Watchever ähnliche Angebote haben, die auch in Deutschland verfügbar sind, verstehe ich die Kritik nicht. Bzw. das einseitige daran. Genauso könnten Sie dem Kika vorwerfen, die Kinder in die ARD zu locken, in der dann das Nachmittagsprogramm des Ersten wartet.

Robert am 24.02.15 8:22

Also ob die Eltern ihre Kids jetzt vor der Konsole, dem TV oder vor YT abstellen - es ist und bleibt das gleiche Problem.

Aber erstmal schön auf YT rumbashen, modern ist böse. Immer.

Genau wie damals Bücher, dann das Radio, dann der Fernseher, dann der Heimcomputer, dann die Konsole - alle paar Jahre das gleiche Blahblah und das immer vom Vorgängemedium.

Watashi am 24.02.15 8:50

Also ob die Eltern ihre Kids jetzt vor der Konsole, dem TV oder vor YT abstellen - es ist und bleibt das gleiche Problem.

Aber erstmal schön auf YT rumbashen, modern ist böse. Immer.

Genau wie damals Bücher, dann das Radio, dann der Fernseher, dann der Heimcomputer, dann die Konsole - alle paar Jahre das gleiche Blahblah und das immer vom Vorgängemedium.

Watashi am 24.02.15 8:52

Wenn man schon mal dabei ist: Da könnte man kleinen Kindern doch gleich auch Schnaps, Heroin und Crystal Meth zu probieren geben, damit sie sich schon mal daran gewöhnen.

Suchtfrei. am 24.02.15 14:58

@Suchtfrei: Nicht immer alles nachplappern, lieber mal selber reflekieren. Zu wie vielen 1.000 Todesfällen hat denn Videokonsum geführt? Zählt zu Videokonsum auch das stumpfe Sitzen vorm Fernseher? Wie definieren Sie Sucht? Wie viele Stunden verbringen Sie am Tag vor TV und Radio?

Und: Wo ist nun der Unterschied? Wo ist der Unterschied, ob der Content auf einem PC-Monitor zu sehen ist oder auf einem TV-Monitor? Ja, stimmt, der Fernseher ist meist größer als der PC-Monitor. Ja, stimmt, je nach TV-Kanal laufen 5 Minuten Werbung auf 15 Minuten Sendung.

Aber das Internet ist ja sooooooooo böse

Watashi am 24.02.15 19:28

Ich habe die vage Vermutung das keiner der bisherigen Kommentatoren Kinder hat oder schon volljährig ist.

Werner am 25.02.15 2:53

Es sind nicht die Medien, die böse sind, sondern immer die Menschen, die damit böse Dinge tun! Ich weiß gar nicht, warum sich Watashi so echauffiert. Herr Schieb meint doch bloß, dass es manche Eltern Dank eines solchen Angebots nicht mehr als wichtig erachten, darauf ein Auge zu haben, was ihr Nachwuchs im Netz eigentlich so macht. Nun, solche Leute gibt es immer, egal, welche Angebote es gibt. Es bleibt doch jedem überlassen, wie er/sie mit solchen Dingen umgeht. Ich denke, wenn man mit seinem Nachwuchs gemeinsam auf Youtube guckt, ist daran nichts verwerfliches. Man muss immer bedenken: Kinder machen Dinge nach. Bin ich ein Youtube-Junkie, wird es oft auch der Nachwuchs!

Britta am 25.02.15 11:51

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Montag, 23.02.2015

SehLAN statt WLAN

Solche Experimente liebe ich: Charles Lohr hat eine LED an ein WLAN-Funkmodul angeschlossen und so programmiert, dass sie ihre Farbe ändert, je nachdem, wie stark das Funksignal an einzelnen Stellen im Raum ist. Manchmal reichen nur ein paar Millimeter - und schon ändert die LED ihre Farbe von sattem Rot in tiefes Blau.


Eine LED und ein kleines Funkmodul reichen - schon wird ein SehLAN aus dem WLAN.

Mit Kamera und entsprechender Software lassen sich ganze Räume vermessen. Wer sich nicht das komplette, fast sieben Minuten lange Video geben möchte, findet WWW: bei imgur eine gute Zusammenfassung mit animierten GIFs. In den Videoinfos WWW: bei YouTube findet ihr außerdem die Github-Links, mit denen ihr selbst weiterbasteln könnt.

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Sonntag, 22.02.2015

Der Ramones-Smartphone-Smasher

So schön es für einen selbst sein mag, einen Moment im Smartphone festzuhalten: Für andere kann es ganz schön nervig sein. Wie häufig fuchteln zum Beispiel Besucher auf einem Konzert mit ausgestreckten Armen mit ihrem Smartphone herum und versperren so völlig unnötig den ohnehin eingeschränkten Blick auf die Bühne? Richtig: Ständig. Viele Künstler sehen sich deswegen mittlerweile genötigt, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Besucher doch bitte lieber keine Smartphones und Tablets benutzen.

Es machen trotzdem viele. Marky Ramone, Drummer der Ramones, hat deswegen jetzt die Smartphone-Klatsche erfunden. Den "Smartphone Swatter" kann jeder leicht selbst bauen: Man nehme einen Drum-Stick und klebe eine Ramones-Vinyl-Scheibe darauf. Fertig ist die Klatsche. Und wenn man jemanden auf einem Konzert dabei erwischt, mit dem Smartphone zu hantieren - zack, gibt's einen auf die Finger. Die Smartphones knallen im Video mit lautem Splittergeräusch zu Boden. Das ist vielleicht keine besonders friedfertige Lösung, aber daran gedacht hat sicher jeder schon mal - wenn andere mit dem Smartphone hantieren.

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