Sonntag, 14.12.2014

Mit Kano einen eigenen Computer bauen

Computer haben wir heute überall. Auf dem Schreibtisch. Auf dem Schoss. In der Hosentasche. Am Handgelenk. Doch für die meisten sind Computer eine Blackbox. Kaum jemand weiß, wie sie eigentlich funktionieren - und wie man sie programmiert. Deshalb finde ich die Idee des Kano so sympathisch: Eine Art Bausatz für alle, die wissen wollen, wie Computer funktionieren. Eigentlich ist Kano für Kinder gedacht, doch auch große Kinder können damit ihren Spaß haben. Mich erinnert der Kano an die Bausätze aus den 80er Jahren. Allerdings musste man damals oft noch zum Lötkolben greifen. Beim Kano ist das nicht nötig.

Kano Bausatz; Rechte: Schieb
Platine, Tastatur, Lautsprecher, Kabel: Alles im Set dabei


Alles dabei, was man so braucht
Das rund 150 Euro teure Set besteht aus einem Raspberry Pi Minirechner, einem Lautsprecher, einem Gehäuse, jede Menge Kabel (etwa, um den Rechner am heimischen Fernseher anzuschließen) sowie einer knallbunten Tastatur und Software. Das Innenleben ist ein Raspberry Pi. Ein Mini-Computer mit Linux-Betriebssystem. So etwas gibt es schon für 22 Euro zu kaufen. Kollege David Ohrndorf hat den Blog: kleinen Minirechner hier schon mal vorgestellt. Die Winz-Rechner sind recht leistungsfähig und bieten ein prima Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die einzelnen Bauteile zusammenzusetzen macht einen natürlich nicht gleich zum Technikexperten. Doch es vermittelt immerhin einen Eindruck davon, dass auch Computer aus verschiedenen Bauteilen bestehen. Einige davon kann und muss man beim Kano zusammensetzen, damit es überhaupt losgehen kann. Am Ende verbindet man den selbst gebauten Rechner per HDMI-Kabel mit dem heimischen Fernseher (einzige Bedingung ist natürlich, dass man einen Fernseher oder einen Monitor mit HDMI hat, es gibt aber auch Adapter für andere Standards).

Das Kano-Set hat alles dabei - auch einen Lautsprecher; Rechte: Kano
Das Kano-Set hat alles dabei - auch einen Lautsprecher


Besonderer Spaß und Reiz: Die Programmierung
Natürlich will niemand so gerne Bash-Befehle aus der Linux-Welt lernen, um Ordner anzulegen und Dateien zu verschieben. Jedenfalls nicht am Anfang. Das könnte man mit dem Kano zwar, denn Linux ist serienmäßig eingebaut. Doch die Kano-Macher haben sich etwas anderes einfallen lassen: Sie haben Kano verschiedene Spiele wie Pong, Minecraft und Snake beigelegt. Und diese Spiele lassen sich durch eine besonders simple Art der Programmierung beeinflussen. So kann der Kano-Benutzer festlegen, wie groß der Schläger bei Pong sein soll, welche Ziele bei Minecraft zu erreichen sind oder welche Farben die Schlangen bei Snake haben.

Hier sehe ich einen großen Vorteil: Diese Vorgehensweise erlaubt, die Zusammenhänge zu verstehen, wie ein Computerprogramm das verändert, was man auf dem Bildschirm sieht. Natürlich könnte man das genauso gut auf einem Tablet oder auch Desktop-PC machen. Aber auf einem "selbst gebauten" Minirechner macht das gleich doppelt viel Spaß - und auch Sinn. Wer ein bisschen Begeisterungsfähigkeit für technische Dinge und Zusammenhänge mitbringt, bei dem springt der Funke garantiert über. Das macht Kano zu einem schönen Geschenk. Meinen Kano will ich allerdings nicht mehr hergeben - bin halt selbst ein Spielkind.

Programmierung auf dem Kano; Rechte: Kano
Programmierung auf dem Kano

Verstehen, wie etwas funktioniert! Offenbar bin ich doch nicht der Einzige, der dieses Bedürfnis hat. Meistens höre ich nur: "Es muss funktionieren. Wie, ist unwichtig."

Ich wollte als Kind nie Spielzeugautos, weil da nichts drin war. Interessant waren Uhren, in denen es ein interessantes Uhrwerk gab. Später faszinierte mich die Funktechnik.

Leider waren Experimentierkästen früher extrem teuer. Ein "Radiomann" mit allen Zusatzkästen und allem Zubehör war unerreichbar. Immerhin reichte es für einen Baukasten mit 2 Transistoren von Radio-RIM. Mit einem Lautsprecher in einem defekten Röhrenradio ließen sich ein paar Sender gut empfangen.

Es gibt heute viele "Lernpakete" von Franzis, Kopien bei Conrad. Es gibt welche zum Löten und welche ohne Löten. Oder einfach nur lesen? Egal wie, verstehen, wie etwas funktioniert!

Hätte ich Kinder, würde ich denen öfter mal was "Interessantes" mitbringen. Dann wäre ich vermutlich bitter enttäuscht, dass die ganz andere Wünsche haben ;-(

Bertram in Mainz am 14.12.14 22:04

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Donnerstag, 11.12.2014

Bewahrt die Netzneutralität

Wie wirkungsvoll Lobbyarbeit sein kann, zeigt die jüngste Entwicklung in Sachen Netzneutralität. Plötzlich setzt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich für ein Blog: Zwei-Klassen-Internet ein. Unter ganz bestimmten Umständen sollen demnach bestimmte Daten bevorzugt behandelt werden dürfen. Ganz sicher nicht die Daten von Netzaktivisten oder von kleinen Bloggern, sondern wohl eher die von zahlenden Konzernen.

Das ist genau das, was die Blog: Telekom schon lange fordert. Was für ein Zufall. Das Aufweichen der Netzneutralität als Belohnung für den sowieso längst überfälligen Netzausbau: Ein weiteres Kapitel in dem traurigen Bestseller "Wie Deutschland seinen Führungsanspruch in der Informationsgesellschaft vergeigt".

Petition gegen Aufweichen der Netzneutralität; Rechte: change.org
Petition gegen Aufweichen der Netzneutralität


Alle sind dagegen, nur Angela Merkel ist dafür
Netzneutralität ist wichtig. Präsident Obama hat das längst begriffen und das kürzliche Ansinnen der Industrie, die Netzneutralität aufzuweichen, ARD: wirkungsvoll zurückgewiesen. Auch für die Blog: EU ist die Netzneutralität keine Verhandlungsmasse und schützenswert. Nur unsere Regierung knickt vor den Forderungen der Lobby ein und will die Netzneutralität plötzlich relativieren. Doch eine wie auch immer relativierte Netzneutralität ist eben keine mehr.

Verstehen kann man so etwas nicht - aber man kann versuchen, sich dagegen zu wehren. netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl hat deswegen kurzerhand eine WWW: Onlinepetition auf change.org gestartet. Er will die "Netzneutralität sichern und das 'freie Internet' retten". Große Worte. So wie viele andere Experten befürchtet er, eine "Überholspur" für privilegierte Daten würde das Netz insgesamt so stark verändern, dass wir es am Ende nicht wieder erkennen. Eine begründete Sorge.


Netzneutralität schön erklärt


Eine Lobby muss her
Eine Onlinepetition ist schön und gut. Allerdings wird die allein nicht viel ändern können. Denn wir sehen ja, wie der Hase läuft: Lobbyarbeit ist enscheidend. Nur wer sich ans Ohr der Mächtigen heftet, der hat eine Chance, gehört zu werden. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Telekom-Wünsche plötzlich zu Forderungen der Bundesregierung werden, und das obwohl die US-Regierung und die EU strikt dagegen sind. Man muss fast befürchten, die Verantwortlichen haben das Thema nicht gegoogelt.

Eigentlich müsste also eine Gegen-Lobby her. Nicht einfach, denn das kostet eine Menge Geld - und auch Zeit. Das spricht nicht gegen die Onlinepetition. Je mehr dort mitmachen, desto eindrucksvollere Zahlen kann man präsentieren. Allerdings ist das Thema Netzneutralität für die meisten Internetbenutzer zu abstrakt, um zu einem Aufregerthema zu werden. Es wird also jetzt nicht leicht für alle, die gegen das Aufweichen der Netzneutralität sind.

Wieso ist das Thema zu abstrakt und wieso hat das Thema keine Lobby? Alle gebildeten intelligenten Leute müssten für ein freies Internet sein und wenn 80 mio Unterschriften zusammenkommen dürfte es Angela Schmerkel ziemlich schwer fallen noch für die Telekom zu voten!! Also alle die Petition auf Facebook etc verbreiten!!

Fabian Baumgarten am 12.12.14 16:43

Fabian, wer kein Problem damit hat 80mio Bürgern ins Gesicht zu Lügen "mit mir wird es keine PKW Maut geben" dem is so eine Aktion komplett Hupe...

Dieter am 12.12.14 23:22

Merkel vertritt die "Wirtschaftskompatible Demokratie".Zudem sind sich beide derzeitigen Koalitionspartner immer einig gewesen wenn es darum ging das Volk zu unterdruecken und zu bespitzeln.Eine"Demokratie"hat es in Deutschland von Beginn an nie gegeben.Dies Volk hat leider genau die Politiker die es"verdient".Keiner bekommt seinen Hintern hoch.Maximal wird mal ein wenig im Internet gemault-das aber war es auch schon.Ab 1 Million auf der Strasse wuerde selbst eine Merkel ein wenig nachdenklich.

Robin am 13.12.14 22:24

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Donnerstag, 11.12.2014

Die neuen Tricks der Passwort-Jongleure

Benutzername und Passwort, das sind die Zugangsdaten zu den allermeisten Onlinediensten. Es ist schon viel darüber geschrieben und gesprochen worden, worauf man achten sollte, wenn man Passwörter auswählt. Ich möchte hier niemanden mit unnötigen Wiederholungen quälen. Allerdings würde ich in diesem Zusammenhang gerne die durchaus vorhandenen Vorzüge von Passwort-Managern unterstreichen. Sie machen es einfach, bei jedem Onlinedienst ein anderes, sicheres Passwort zu haben - ohne sich die kryptischen Passwörter merken zu müssen.

Und jetzt haben Passwort-Manager wie Dashlane und Lastpass eine neue Funktion eingeführt: Man kann bei Bedarf alle Passwörter auf einmal ändern.

Passwörter auf allen Geräten verwalten; Rechte: Lastpass
Passwörter auf allen Geräten verwalten


Alle auf einen Streich
Den Anfang gemacht hat Dashlane mit dem WWW: Passwort Changer. Die Software überprüft auf Wunsch die Passwörter für alle im Programm verwalteten Onlinedienste, warnt vor schwachen Passwörtern und erneuert die Passwörter auf Wunsch auch - Mausklick genügt. Über 75 Onlinedienste werden aktiv unterstützt, ob Facebook, Twitter, Amazon, Dropbox, Apple, eBay, AirBnb - die Liste ist wirklich lang. Die Passwörter lassen sich ruckzuck erneuern - was man ohnehin in regelmäßigen Abständen machen sollte.

Natürlich wird bei jedem Onlinedienst ein anderes, per Zufallsgenerator erzeugtes Passwort eingerichtet. Da die Passwörter im Manager gespeichert sind und auch von dort in die Eingabefelder der Onlinedienste eingetragen werden, muss man sich nichts merken. Der Passwort-Manager erledigt alles. Das klappt sogar bei Onlinediensten mit aktivierter Blog: Zwei-Faktor-Authentifizierung. Da poppt dann allerdings jedes Mal ein Fenster auf, in das man den Sicherheitscode eingeben muss.

Dashlane ändert im Blitztempo alles Passwörter; Rechte: WDR
Dashlane ändert im Blitztempo alles Passwörter


Regelmäßig Passwörter erneuern ist sinnvoll
Die Idee dahinter: Macht mal wieder ein großes Sicherheitsproblem wie Heartbleed die Runde, bei dem dann viele Onlinedienste gleichzeitig betroffen sein können, lassen sich die Passwörter schnell und bequem abändern. Auf Wunsch kann der Passwort-Manager die Passwörter aber auch automatisch in regelmäßigen Abständen erneuern. Der Dashlane Manager ist gratis, wenn man nur ein Gerät benutzt. Wer Dashlane auf mehreren Geräten einsetzen - inklusive Mobilgeräte -, der zahlt 40 Dollar im Jahr dafür.

Bei Lastpass ist es ganz ähnlich. Auch hier: Ein Gerät ist gratis, der Einsatz auf mehreren Geräten kostet 12 Dollar im Jahr. Heute hat Lastpass mit dem "Auto Password Change" eine ganz ähnliche Funktion eingeführt wie Dashlane. Auch hier reicht ein Klick, um die Passwörter der in der Software verwalteten Onlinedienste zu erneuern. Nutzer müssen sich dann nur noch das Master-Passwort für den Manager merken. Viel bequemer!

Da freuen sich die Hacker denn Sie müssen nur noch eine Plattform Hacken :)

Dieter am 12.12.14 23:27

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