Dienstag, 24.03.2015

Lernen vom Chlorhühnchen

Wären unsere Daten essbar, würde sich die Politik mehr Gedanken darüber machen, woher sie kommen, wo sie gelagert werden, was sie zu futtern bekommen, was aus ihnen gemacht wird und wo und wie sie am Ende irgendwo auf dem Tisch landen. Bei Lebensmitteln wird nichts dem Zufall überlassen, da ist alles bis ins kleinste Detail geregelt. Beispiel Chlorhühnchen: In den USA selbstverständlich - bei uns äußerst umstritten und bislang auch nicht zugelassen. Im Rahmen von TTIP in Zukunft aber denkbar. Doch zumindest sprechen wir drüber.

Chlorhühnchen: Motivwagen auf dem Mainzer Karneval 2015; Bild: dpa/Picture Alliance
Bei Lebensmitteln ist alles geregelt, bei Daten nichts


US-Unternehmen bestimmen die Spielregeln
Unsere Daten werden nicht so konsequent geschützt wie unser Essen. Es wird zwar jede Menge gemeckert, aber es passiert nichts, selbst wenn die Blog: NSA uns komplett durchleuchtet. Amerikanische Unternehmen entscheiden selbstgefällig und eigenmächtig, was erlaubt ist und was nicht. Ihre "Terms of Conditions" (TOC) sind heiliger als heilig, sie stehen praktisch über Gesetz und Verfassung. Wer gegen die TOC verstößt, egal ob bei Google, Youtube, Apple, Microsoft, Facebook oder Twitter, der kann gar nicht so schnell gucken, wie etwas passiert: Das Posting gelöscht, das Video gesperrt, die Droh-Mail im Briefkasten. Motto: Noch mal, und Du darfst nicht mehr mitspielen.

Gesetzesverstöße? Spielen keine große Rolle. Nur wenn man die Multikonzerne entschlossen zwingt, passiert überhaupt mal was. Nur so lässt sich erklären, dass zum Beispiel Facebook auf europäisches Datenschutzrecht pfeift. Denn Daten ist es schnuppe, auf welchen Servern sie gespeichert werden und innerhalb welcher Grenzen da Strom verbraucht wird. Daten bevorzugen die Wolke - das sollte doch spätestens seit dem Cloud-Boom klar sein.

Jurastudent Max Schrems hat sich mit Facebook angelegt; Rechte: dpa/Picture Alliance
Jurastudent Max Schrems hat sich mit Facebook angelegt


US-Unternehmen bestimmen die Spielregeln
Der EuGH ARD: beschäftigt sich nun mit dem massenhaften Datentransfer in die USA - und zwar am konkreten Fall Facebook. Nicht die Politik hat diesen Prozess angestrengt, sondern ein Jurastudent aus Österreich. Datenschutz-Aktivist Max Schrems will nicht damit leben, dass Facebook ihm eine lange Nase macht und selbstgefällig allein entscheidet, welche Daten erhoben, gespeichert und nach USA transportiert werden. Er hat geklagt - und jetzt wird verhandelt. Das dürfte für Facebook nicht ganz einfach werden. Denns eins ist klar: Was Facebook und alle anderen Onlinedienste machen, spottet jeder Beschreibung. Mit Datenschutz hat das garantiert nichts zu tun.

Die EU muss sich entschlossen um das Thema kümmern. Es darf keine Rolle spielen, wo Daten gespeichert werden, es muss eine Rolle spielen, wo sie erhoben werden - und dann muss eben zwingend europäisches Datenschutzrecht gelten. Ohne Wenn und Aber. EU-Bürger sollten jederzeit sehen können, welche Daten wann erhoben und gespeichert wurden. Es braucht Transparenz. Und wir müssen die Möglichkeit haben, personenbezogene Daten konsequent wieder löschen zu lassen. Wer da nicht mitspielen will, darf eben seine Dienste in Europa nicht anbieten. Fertig.

Nur gut, das es ein Östereicher ist, der da klagt. Als Deutscher würde man wahrscheinlich wieder durch altes Besatzungsrecht ausgehebelt. So wie bei der NSA Datenerhebung geschehen.

Gamer am 25.03.15 10:54

... oder nicht mehr herumjammern und europäische Lösungen auf die Beine stellen !!! Sind 'wir' denn sooooo blöde ?!

Es ist schon deprimierend, wie die einstigen 'Kinder' Europas ihren 'Eltern' jetzt auf der Nase herumtanzen und sich für den Nabel der Welt halten!

Und ... wird dieser Blog-Eintrag auch 'über USA umgeleitet' ... ?

Guten Tag!

DollyToll am 25.03.15 13:15

Mal wieder ein Vergleich der hinkt-niemand in der Politik interessiert sich wirklich fuer gesunde Lebensmittel!Ansonsten waere der Antibiotika Einsatz bspw. laengst verboten und die die es trotzdem machen im Knast!Da hat die Industrie und das Geld das sie mit Muell macht eindeutig Vorrang.Was die Daten betrifft-"gemeckert"wird seitens der Politik nur fuer die Show.Hintenrum greifen "unsere"genau so unverfroren Daten ab!Ob selbst,oder mit Hilfe"unserer Freunde"ist denen egal.Auch die VDS kommt ja wieder.

HaHa am 26.03.15 16:35

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Dienstag, 24.03.2015

Zeit für schlechte Laune: Das Datenvolumen ist verbraucht!

Jetzt, wo der Monat zu Ende geht, warten viele von uns wieder minütlich auf die schlimmste SMS überhaupt: "Sie haben Ihr Datenvolumen für diesen Monat verbraucht." Weil ich mein Smartphone auf der CeBIT im Dauerbetrieb hatte, war ich schon vor einer Woche dran - und es ist wie immer eine der schlimmsten Phasen überhaupt.


Gedrosselt lässt sich das Internet auf dem Smartphone kaum nutzen: E-Mails lassen sich noch abrufen, aber sobald Bilder oder Videos oder andere Dinge ins Spiel kommen, ist der Spaß vorbei. Ich habe vorhin einmal testweise nach dem Begriff WWW: "datenvolumen" bei Twitter gesucht. Da öffnen sich Abgründe aus Wut, Hass und schlechter Laune.

Die Anbieter argumentieren: Ohne Volumentarife wäre das Mobilfunknetz zu schnell überlastet. Ich persönlich glaube, die Tarife sind viel eher ein gutes Geschäft - zumal es ja überhaupt kein Problem ist, nach Überschreiten der Volumengrenze noch einmal ein bisschen schnelles Datenvolumen dazuzukaufen. Nur die Kosten dafür treiben mir regelmäßig die Tränen in die Augen: In meinem Vertrag werden knapp 5 Euro für jeweils 250 MB fällig. Das ist unfassbar teuer - und in einem Atemzug verbraucht.

Am Ende bleibt nur übrig, in einen teureren Tarif mit einem höheren Datenvolumen zu wechseln - oder genau darauf zu achten, die Volumengrenze nicht zu erreichen. Dafür kann ich euch zwei Apps empfehlen: WWW: "3G Watchdog" ist eine Android-App, die euren Verbrauch kontrolliert. Bei Bedarf könnt ihr eine bestimmte Menge an MB pro Woche vorgeben, so dass ihr das Datenvolumen bis zum Monatsende gut einteilen könnt.

MobileData; Rechte: Florian Walter
MobileData klinkt sich als Widget in die Mitteilungszentrale von iOS ein.

Unter iOS mag ich außerdem die App WWW: "MobileData", die sich als Widget in die Mitteilungszentrale einklinkt. Sie funktioniert bisher zwar nur für Kunden von Telekom, Vodafone/CallYa und O2. Programmierer Florian Walter verspricht aber, dass weitere Anbieter folgen, als nächstes 1&1 sowie Mobilcom-Debitel.

Und wenn ihr trotzdem gedrosselt werdet und nicht bereit seid, eurem Anbieter viel Geld für zusätzliche Datenpässe in den Rachen zu werfen: Schon in ein paar Tagen beginnt ein neuer Monat. So ist eben der Kreis des Lebens: Alles beginnt immer und immer wieder von vorn. Geburt, Frühling, Sonnenaufgang - und neues Datenvolumen.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Es gibt bei den Volumentarifen ein Problem, das zu selten thematisiert wird. Man bekommt eine Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür!

Wieso? Bei einer echten Flatrate gibt es keinen Grund, die aufgerufenen Seiten zu speichern. Bei einem Volumentarif wird der Anbieter die Seiten speichern. Falls es zu Einsprüchen kommt, kann man den Datenabruf belegen. Ein Einspruch kann noch Wochen nach der Rechnung kommen. Da ist man schnell bei Speicherfristen von Monaten.

Eine bloße Speicherung der Summen wie beim alten Telefonzähler wird es in der Zeit des spottbilligen Speicherplatzes nicht geben. Und wenn die Daten erst mal da sind ...

Eine Auflistung der Verbindungen kann auch leicht innerhalb der Familie missbraucht werden. Man beantragt eine Auflistung wie beim Telefon, um die (erwachsenen?) Kinder zu kontrollieren.

Bertram in Mainz am 24.03.15 9:58

Warum muss man zur Messung des Datenvolumens "Seiten speichern"? Da wird zwecks Beleg nur Datum/Uhrzeit und halt das Datenvolumen gespeichert. Mein Anbieter macht das jedenfalls so. Mal ganz davon abgesehen, dass das Internet nicht aus "Seiten" besteht. Wer will, dass der Provider sowas überhaupt nicht mitbekommt, der soll halt ein VPN verwenden, dann KANN der Anbieter gar nichts speichern, weil er nie mehr als einen verschlüsselten Datenstrom sieht.

Und wer davon ausgeht, dass der Provider Dinge speichert, die ihn nichts angehen, der wäre geradezu blöd, wenn er meint, er würde das nicht tun, wenn man keinen Volumentarif hat...

Nix gegen ein gesundes Misstrauen, aber eine Mischung aus technischer Ahnungslosigkeit und Paranoia führt nur dazu, dass man alles vermutet und nichts mehr versteht.

joh am 24.03.15 12:30


@joh:
Mit "Seiten" meinte ich die URLs. Das ist Wortklauberei. Wird der Anbieter in jedem Fall speichern? Das täte er gerne. Es gibt aber ein Urteil, dass nur die zur Abrechnung nötigen Daten gespeichert werden dürfen. Mit einem Volumentarif hat der Anbieter einen Grund, zumindest eine Ausrede: Die gespeicherten URLs dienen ja "nur zu Abrechnungszwecken". Eigentlich reichen Uhrzeit und Datenmenge. Ja, eigentlich, aber eben nur eigentlich.

Bertram in Mainz am 24.03.15 13:04

Vielleicht ist es ja an der Zeit, mal über ein anderes Bezahlmodell nachzudenken: Pay as you go, statt einem monatlichen Festpreis, der abgebucht wird - ob man nun surft (und telefoniert) oder nicht.

Unabhängig davon ist Mobiles Internet in Deutschland durchaus teuer - in Irland habe ich vergangenes Jahr für 10€ 5 GB versurft. DAS finde ich günstig!

handysurfer am 24.03.15 17:15

Offroad beim opera browser funkt super und reicht dicke.bis monatsende.

Tumbri am 24.03.15 20:40

Naja, Volumentarife sind fair, denn: wer mehr Leistung bezieht, bezahlt auch mehr.

Und wer das Netz stärker belastet, treibt den Netzbetreiber auch mehr zum Ausbau. Im Mobilfunk teilen sich alle Nutzer die verfügbare Kapazität, da macht es Sinn, dass jemand für z.B. 10GB zugestellte Daten auch mehr zahlt, als jemand mit 'nur' 500MB angeforderten Daten im Monat.

Frequenzen (z.B für LTE), Antennen, Glasfaseranbindungen und Hardware kosten nun mal Geld. Und nicht jedes Netz ist gleich gut, daher sollte man nicht nur auf den Preis für eine Datenmenge schauen :)

LG :)

PaKo am 24.03.15 21:15

@Dennis
Weshalb hast Du auf der CeBIT im Dauerbetrieb Dein Datenvolumen aufgebraucht?

Auf der CeBIT-Seite anreise-aufenthalt/services steht:
„WLAN-Services
Die Deutsche Messe bietet in Zusammenarbeit mit T-Systems einen kostenlosen WLAN-Service auf dem Messegelände an. Jeder Besucher erhält mit dem Kauf eines Fachbesuchertickets freien Zugang zum WLAN, das in sämtlichen Veranstaltungshallen verfügbar ist.“

Die Einwahl erfolgt über Barcode/Ticketcode.

Eddy am 25.03.15 8:00

@Eddy: Wenn du für die Berichterstattung ständig zwischen den Hallen hin- und herläufst, ist das alles nicht so toll, wie es klingt. Es gab ja außerdem Veranstaltungen im Rahmen der CeBIT, die nicht auf dem Messegelände selbst stattfanden.

Dennis Horn am 19.04.15 23:50

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Sonntag, 22.03.2015

Fotografiert die NSA!

Der US-Amerikaner Trevor Paglen kennt sich mit Geheimdiensten aus. Er hat nicht nur als Kameramann und Rechercheur beim oscarprämierten WWW: Kinofilm Citizenfour über Edward Snowden mitgewirkt, sondern beschäftigt sich schon lange mit den geheimen Gefängnissen der CIA, mit nicht eingetragenen Flügen der Geheimdienstler und den Abhöranlagen der NSA überall auf der Welt. Er schreibt darüber nicht nur Bücher, er ist auch Künstler, denn er fotografiert die ultra-geheimen Anlagen, die in keiner offiziellen Karte verzeichnet sind. Er macht sichtbar, was für uns sonst unsichtbar ist, zerrt die Auswüchse der Geheimdienste ans Licht der Öffentlichkeit.

Besonders beliebt ist er bei den Geheimdienstlern deswegen ganz sicher nicht. Heute (22.03.2015) hat Trevor Paglen ein neues Projekt gestartet. Der WWW: Eagle Eye Photo Contest listet Standorte von US-Geheimdiensten in aller Welt auf, darunter auch etliche in Deutschland wie den "Dagger Complex" bei Griesheim in der Nähe von Frankfurt. Klare Aufgabe: Wir sollen Fotos von den Anlagen machen, die uns ausspionieren und unsere Bürgerrechte verletzen - und die Fotos über das Portal online stellen. Eine neue Art von Bürgerjournalismus. Die Idee ist klar: Wir beobachten die, die uns beobachten.

In der Karte sind die Standardorte der geheimen Anlagen verzeichnet; Rechte: WDR
In der Karte sind die Standardorte der geheimen Anlagen verzeichnet

Einsendeschluss ist der 31. Mai. Es gibt sogar Preise zu gewinnen. Die besten Aufnahmen werden ausgezeichnet und vom 20. Juni bis 30. August 2015 im Kontext der Ausstellung "Trevor Paglen: The Octopus" im Frankfurter Kunstverein präsentiert und im Journal Frankfurt publiziert.

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