Dienstag, 21.04.2015

Tyrions Kurzbesuch bei iTunes

Der Apple-Support-Mitarbeiter ist sehr verständnisvoll. „Das kann ich gut nachvollziehen, dass Sie sich an uns wenden, WWW: Game of Thrones ist ja auch wirklich eine ganz tolle Serie, und das ist auch wirklich ärgerlich."

Vier Tage zuvor (17.04.) hatte ich voller Glück festgestellt, dass die 5. Season von "Game of Thrones" im deutschen iTunes-Store verfügbar war - auf Englisch, für knapp 30 Euro komplett in HD. Seltsam, stutze ich: Das sollte es in Deutschland doch nur bei Sky Atlantic geben, wo die neuen Folgen der HBO-Serie seit dem 12. April ausgestrahlt werden. Aber es gab keinen Zweifel: Auch bei WWW: werstreamt.es war nachzulesen, dass Apple alle fünf Staffeln streamt. Es sollte also wirklich einen Staffelpass für die laufende 5. Season geben: alle Folgen im Komplettangebot. Als Fan hatte ich da keine Wahl. Kurze Zeit später war die Bestätigungsmail da, die erste Folge bereit zum Download.

gameoftext.jpg

Dabei beließ ich es zunächst, empfahl den Weg über iTunes aber weiter - zuletzt auch gestern einem Kollegen. Der fand das Angebot dann aber gar nicht mehr im Store. Ich hatte meinen Pass weiterhin, konnte aber Folge zwei nicht laden - WWW: und war nicht die einzige.

Selbst für den Apple-Support scheint das überraschend gekommen zu sein: "Als ich heute Morgen zur Arbeit kam, hatte ich hier den Hinweis, dass "Game of Thrones" -Staffel 5 wieder aus dem Store genommen wurde. Es gab rechtliche Schwierigkeiten. Es war zu früh drin", erklärt der Mitarbeiter, der mich aus dem europäischen Ausland zurückruft. Für wenige Tage war das Angebot auffindbar - bis auffiel, dass Verhandlungen noch gar nicht abgeschlossen sind? In US- und UK-iTunes-Store gab und gibt es die aktuelle Staffel weiterhin nicht. Die kleine deutsche Sensation der Exklusivität - nur eine Panne.

"Bis zum 30. April sollten dann aber alle bisher ausgestrahlten Folgen bei iTunes verfügbar sein." Bis dahin, so erklärt er, seien hoffentlich noch bestehende Uneinigkeiten mit dem Rechteinhaber - HBO, nicht Sky - geklärt. Ob gerade jemand richtig Ärger bekommt, weil er da etwas zu früh freigegeben hat? Selbst ein Tyrion-Fan? Der Hotline-Mitarbeiter bleibt jedenfalls ungerührt freundlich. Ihm ist wohl egal, wie es in Westeros weitergeht.

Für Menschen wie mich, die sich schnell den Staffelpass sichern wollten, bedeutet das: Von iTunes die Rückerstattung verlangen - oder den Pass behalten und darauf hoffen, dass die ersten Folgen Game of Thrones dann also wirklich Ende April im iTunes-Store verfügbar sind. Die Alternative wäre ein Sky Abo - für 16,99 Euro monatlich und das für 24 Monate. Nein, danke!

Update (26.04.2015): Neues vom iTunes Store, Mail vom 25.04.: "Der Staffelpass und Folge 1 von „Game of Thrones", Staffel 5, wurden vom Anbieter versehentlich vor dem geplanten Termin zugänglich gemacht und sind ab dem 28. April 2015 wieder verfügbar. Die weiteren Folgen sind ab dem 5. Mai wöchentlich nach der TV Ausstrahlung verfügbar. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten möchten wir uns entschuldigen. (...)" Na immerhin.

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Dienstag, 21.04.2015

Mobilegeddon: Muskelspiel einer Suchmaschine

Seit einigen Wochen ist es ziemlich laut im Netz. Wenn man beim Surfen die Augen schließt und ganz konzentriert lauscht, kann man es hören, das Klappern der Zähne all jener Webmaster, die sich Sorgen um den neuen Ranking-Mechanismus von Google machen. Denn der größte Onlinekonzern der Welt führt ein neues Bewertungssystem ein, das festlegt, welche Webseiten ins Töpfchen und welche ins Kröpfchen kommen. Google verändert die Art und Weise, wie Webseiten bewertet werden, welche eher zu einem eingetippten Keyword als Treffer präsentiert werden und welche eher nicht.

Google Schild; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google muss derzeit Rückschläge einstecken


Mobilegeddon: Alles dreht sich um Mobilität
Diesmal werden "Mobile-Friendly Sites" beim Ranking besser berücksichtigt. Was das konkret bedeutet, weiß keiner. Denn Google verrät normalerweise keine Details über die Algorithmen, die im Hintergrund über die Sichtbarkeit einzelner Websites und damit über Wohl und Wehe entscheiden. Allerdings verändert Google immer wieder mal die Prinzipien. Und jedes Mal geht bei Webmastern und Shop-Betreibern die Angst um, in Zukunft nicht mehr so gut von Google gelistet zu werden. Mobilegeddon - so wurde das neueste Update von Google getauft. Weil es diesmal vor allem um die Mobiltauglichkeit von Webseiten geht - und der neue Suchalgorithmus womöglich kein Stein auf dem anderen stehen lässt.

Google schaut nun genauer hin, welche Figur eine Webseite auf einem Smartphone oder Tablet macht. Sind die Schriften groß genug und zoombar? Lassen sich Menüs auch auf einem Touchscreen gut bedienen? Wird Flash verwendet? Liegen die Links weit genug auseinander, damit man sie bequem antippen kann? Webseiten, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden ab heute schlechter gerankt als bisher. Allerdings nur bei Suchen, die auf einem Smartphone durchgeführt werden. Und das ergibt auch Sinn: Eine Webseite, die auf einem Smartphone-Display unübersichtlich aussieht, sollte dort auch erst gar nicht angezeigt werden. Ob eine Webseite in den Augen von Google Mobile-Friendly ist oder nicht, WWW: lässt sich hier überprüfen.

Google Logo mit Schatten von Personen davor; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google soll künftiger weniger finden


Marktmacht von Google
Lange ging das Gerücht um, dass Google nun grundsätzlich Seiten schlechter bewertet, wenn sie nicht auf Mobilgeräte optimiert sind. Oder besser: Wenn es nicht wenigstens auch eine auf Mobilgeräte optimierte Version der Webseite gibt. Doch dem scheint nicht so zu sein. Die neue Beurteilung betrifft ausschließlich Suchen auf Smartphones und Smartwatches, wo es auch wirklich sinnvoll ist, so vorzugehen.

Allerdings macht das Zähneklappern vor dem Update deutlich: Die Marktmacht von Google ist brutal. Jeder, der eine Webseite oder einen Onlineshop betreibt und damit Geld verdient, ist darauf angewiesen, dass Google ihm Besucher bringt. Jede Veränderung des Mechanismus kann das wirtschaftliche Aus bedeuten - oder zumindest erhebliche Umsatzeinbrüche.

Merkwürdigerweise sieht kaum jemand eine Chance in so einem Update des Such-Algorithmus. Sicherlich wird sich auch die Blog: EU-Wettbewerbskommission dafür interessieren, welchen Einfluss Google hat. Was aus meiner Sicht auch relevant ist: Google durchsucht jetzt auch Apps nach passenden Inhalten, wo möglich. Allerdings ausschließlich Android-Apps. Das könnte eine weitere Wettbewerbsverzerrung darstellen.

Hinweis: "Jede Veränderung der Mechanismus" - entweder "des Mechanismus" oder "der Mechanismen"
Gruß
Alfred Mignon

Alfred Mignon am 21.04.15 17:24

Naja, kann durchaus eine gute Sache sein.
Das neue Ranking gilt ja nur wenn man mit Mobilgerät sucht, also mit dem Handy oder Tablet. Wenn Google da von sich aus die Ergebnisse mit nicht vorhandener Mobilversion später einreiht, kann das sicher doch von Vorteil sein. GIbt immerhin Webseiten, die ich regelmässig vom PC aus besuche, aber nie vom Handy aus ansurfen wurde, ein Versuch hat mir gereicht. Viel zu schwer zu lesen / bedienen.
Fazit: Wer seinen Platz auch auf der Mobilsuche halten will, muss seinen Inhalt in Zukunft auch mobilverträglich anbieten.

Netzbürger am 21.04.15 19:43

@alfred: Danke! :)

jörg schieb am 22.04.15 9:18

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Montag, 20.04.2015

Warum eigentlich "Noob" und "Nerd" und "Geek"?

"Nerd!" - eine der wenigen Ausrufe, die Bewunderung, Verwunderung und Beleidigung in einem tragen. Die Bezeichnung für den "sehr intelligenten, aber sozial isolierten Computerfan" hat es schon vor über zehn Jahren in den Duden geschafft, ist dort noch als "abwertend" verzeichnet, obwohl das Wort im Alltag nicht nur so genutzt wird.


Der Duden kennt nur den "Nerd" - in den USA dagegen wird noch einmal etwas feiner zwischen Nerd (uncool) und Geek (cool) unterschieden.

Warum aber heißt es "Nerd"? Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür. Schriftlich taucht der Begriff zum ersten Mal in einem Kinderbuch von 1950 auf. In "If I Ran The Zoo" von Dr. Seuss gibt es das folgende Gedicht zu lesen:

"And then, just to show them, I'll sail to Ka-Troo
And Bring Back an It-Kutch, a Preep and a Proo,
A Nerkle, a Nerd, and a Seersucker too!"

Da hatte das Wort mit dem Nerd, wie wir ihn heute kennen, aber noch nicht so viel zu tun. Ein Jahr später tauchte der Begriff im Magazin "Newsweek" erstmals abwertend für bestimmte Personen auf. In den 1960ern und 1970ern schaffte er es in die Alltagssprache. Wie es aber zu diesem Begriff kam - dafür gibt es drei Erklärungen.

Erstens könnte er bei Nortel in Kanada entstanden sein. Nortel ist ein Ausrüster für Telekommunikationsunternehmen und hieß bis in die 1970er noch "Northern Electric". Und welche Abkürzung stand auf den Klamotten der Nerds aus der Entwicklungsabteilung "Research and Development"? Natürlich: "N.E.R.D."

Zweitens gibt es die Erklärung aus dem Techmagazin "IEEE Spectrum" von 1995: Uniabsolventen in den USA hätten sich gegenseitig "knurd" (rückwärtsgelesen "drunk") genannt, wenn sie während des Studiums wenig gelernt, aber viel gefeiert haben - spricht man "knurd" im Englischen aus, wird "nerd" draus - fertig ist der Begriff.

Und drittens könnte er ganz einfach vom Begriff "nert" abstammen, mit dem man in den 1940ern dumme oder verrückte Personen bezeichnet hat. "nert" wiederum stammte von "nut" wie "Nuss" ab. Der Nerd also - nichts anderes als eine dumme Nuss?

Noob und Nerd; Rechte: WDR
In der 1LIVE-Comedywelt wohnen "Noob und Nerd" sogar zusammen in einer WG.

Der Begriff "Geek" wiederum stammt aus dem Mittelniederdeutschen und hieß dort im 14. Jahrhundert nichts anderes als "Narr" - im Rheinland kennen wir den Geek heute als Jeck. In den USA dagegen waren Geeks rund um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Menschen, die auf Jahrmärkten lebendigen Tieren die Köpfe abbissen. Abscheuliche und auffällige Personen wurden Geeks genannt - erst einmal also eine Beleidung.

Erst vor rund 20 Jahren hat der Begriff eine Wandlung vollzogen und wurde in dieser Zeit zum "Nerd in cool". Neben dem streberhaften Spezialwissen, das den Geek auszeichnet, gilt er nämlich als extrovertiert, als um Anerkennung buhlend, als Teil der Hipsterkultur. Zwischen Nerd und Geek gibt es also einen kleinen, feinen Unterschied.

Und dann wäre da noch der Noob. Wenn ihr eure Anfänge im Gaming der 2000er hattet, kann es gut sein, dass ihr schon einmal so genannt wurdet - vermutlich genau dann, wenn ihr euch in einem Spiel extrem dumm angestellt habt. Die Herkunft des Begriffs ist einfach: In den 1830ern wurden Menschen, die sich mit etwas neu beschäftigt haben, als "newie" bezeichnet, in den 1980ern im Usenet als "newbie", abgekürzt "newb", im Leetspeak der Gamerszene geschrieben "n00b", lesbar gemacht "noob".

Die feine Linie zwischen Newbie und Noob ist übrigens diese: Der Newbie ist wirklich neu in etwas. Der Noob dagegen ist möglicherweise schon lange dabei, wird es aber nie raffen und deshalb immer ein Noob bleiben. Was für euch, wenn es um die Begriffe Nerd, Geek und Noob geht, jetzt nicht mehr gelten sollte. Wieder was gelernt.

"nonsense wakes up the brain" Dr. Seuss :-)

LiFe am 20.04.15 10:54

Tatsächlich wieder was gelernt: Dankeschön!

Schüler am 20.04.15 12:48

Zu "Noob" gibt es übrigens noch eine andere Erklärung. Es leite sich von "boon", kurz für "baboon" (Pavian bzw. Trottel) ab.

tbito am 22.04.15 17:39

Zu "Noob" gibt es übrigens noch eine andere Erklärung. Es leite sich von "boon", kurz für "baboon" (Pavian bzw. Trottel) ab.

tbito am 22.04.15 17:39

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