Samstag, 18.04.2015

Do Not Track: Die Tricks der Onlinedienste

Wer online geht, der wird beobachtet. Nicht nur von der NSA, sondern von Dutzenden Werbenetzwerken, Onlineshops und Onlinediensten. Das geschieht unbemerkt. Im Verborgenen. Dabei wenden die, die an unsere Daten kommen wollen, immer neue Tricks und Methoden an, um uns auszuspionieren. Wie das alles grundsätzlich funktioniert, welche Anbieter besonders neugierig sind, welche Tricks die Onlinedienste anwenden, all das ist Thema des wirklich gut gemachten und gelungenen Online-Projekts WWW: Donottrack. Eine Online-Dokumentation aus Kanada, die Arte und Bayerischer Rundfunk jetzt nach Deutschland geholt haben.

Donottrack: Interaktive Dokumenation aus Kanada; Rechte: donottrack
Donottrack: Interaktive Dokumenation aus Kanada


Interaktive Dokumentation: Wer spioniert denn da?
Wirklich beeindruckend, wie gut das gemacht ist. In kurzen Einspielfilmen bekommt man die Basics erklärt. Wer verdient eigentlich an unseren Daten - und wie viel? Mit welchen Tricks werden wir überwacht? Welche Daten lassen sich abschöpfen und welche Erkenntnisse daraus gewinnen? Was gebe ich alles über mich in Sozialen Netzwerken preis? Es sind Themen, die uns alle angehen. Verständlich und sehr anschaulich erläutert. Und sogar interaktiv: Wenn wir gefragt werden, auf welchen Webseiten wir uns informieren oder unterhalten, erfahren wir auch gleich, welche Tracking-Dienste uns dabei über die Schulter schauen.

Diese Kombination aus Wissensvermittlung und individuellen Informationen gefällt mir besonders gut. Die Online-Dokumentation ist außerdem sehr bildstark. Aber: Man kann nicht eintauchen und alles auf einmal durchlesen, denn die Doku ist zeitlich gestaffelt. Sie hat gerade begonnen - und geht bis zum 9. Juni. Nach und nach werden neue Episoden, neue Folgen freigeschaltet. Das stört anfangs ein bisschen, ist aber vielleicht aus pädagogischer Sicht eine gute Idee. So wird man dazu angehalten, sich länger mit dem Thema zu beschäftigen.

Pflichtprogramm für Entscheider und Politiker
Ich möchte die Online-Dokumentation Donottrack wirklich jedem ans Herz legen. Für Entscheider und Politiker sollte sie sogar zum Pflichtprogramm werden. Ich will keine pauschale Schelte aussprechen. Aber immer noch kennen sich viel zu wenige Politiker mit der Onlinewelt aus. So entstehen fatale Fehlentscheidungen. Wer sich Donottrack anschaut, der schiebt die dringend erforderliche Novelle des EU-Datenschutzrechts nicht weiter auf, sondern handelt so schnell wie möglich. Denn wer möchte schon gerne ohnmächtig zusehen, wie die Onlinedienste sich ungeniert mit Daten versorgen?

Und wer sich die Online-Dokumentation anschaut (und die Inhalte versteht), der wird auch kaum zum Blog: Anhänger der Vorratsdatenspeicherung. Denn was alles möglich ist, wenn im großen Stil Daten gesammelt werden - dann sogar im staatlichen Auftrag und von ausnahmslos allen Menschen -, dem wird angesichts dieser Idee schwindelig. Und wird auch die Blog: NSA-Schnüffeleien nicht in Ordnung finden.

Tracking is stalking.

LiFe am 19.04.15 13:38

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Freitag, 17.04.2015

Illegal streamen mit Periscope

Was waren das doch für schöne, weil ruhige und auf gewisse Weise auch einfache Zeiten, als Musik noch auf Vinyl gepresst wurde und Filme auf Zelluloid in die Kinos kamen. Wenn sich überhaupt mal jemand die Mühe gemacht hat, etwas zu kopieren, dann war die Kopie grundsätzlich schlechter als das Original.

Das ist heute natürlich völlig anders: Fotos, Musik und Videos verlieren nicht im Geringsten an Qualität, wenn man sie kopiert. Darum haben Fotografen, Musiker und Filmemacher immer wieder damit zu kämpfen, dass ihre Inhalte illegal kopiert und über das Internet verbreitet werden. Dabei werden immer wieder neue Methoden ausprobiert, wie sich die Inhalte verbreiten lassen. Neuester Trend: Live-Video-Stream-Apps wie Periscope oder Merkaat.

Periscope ist eine kostenlose App für Live-Videos; Rechte: Periscope
Periscope ist eine kostenlose App für Live-Videos


Peer to Peer bekommt Konkurrenz
Mit Apps wie WWW: Periscope oder WWW: Merkaat lassen sich Momente mit anderen teilen. Man kann zum Beispiel ein Konzert mit dem Smartphone einfangen und live ins Netz senden. Alle Freunde können dann über ihr Smartphone live dabei sein und zuschauen, wie bei einer Live-Übertragung. Natürlich kann man auch andere Dinge übertragen, etwa die ersten Schritte des Nachwuchses, ein Fußballspiel, das Meeresrauschen und vieles andere mehr. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Die Videoqualität ist nicht berauschend, aber OK - und wird erfahrungsgemäß mit der Zeit immer besser.

Peer-to-Peer-Netzwerke zum illegalen Austausch von Musik, Filmen und Software waren gestern. Heute werden eben andere Tricks angewendet: Eine zunehmende Zahl von Usern nutzt heute Tools zur Live-Übertragung wie Merkaat oder Periscope, um Sendungen oder Filme illegal im Internet zu streamen. Ein User muss das Videodateien haben - und legt los. Die geleakten neuen Folgen von Game of Thrones wurden mit Hilfe von Periscope gestreamt. Es können sich mühelos Hunderte an den Stream dran hängen und die Filme anschauen.

Game of Thrones: Erst geleakt - dann gestreamt; Rechte: HBO
Game of Thrones: Erst geleakt - dann gestreamt


Kaum eine Möglichkeit der Kontrolle
Es gibt derzeit praktisch keine Möglichkeit, das zu entdecken oder gar zu unterbinden. Der amerikanische Kabelsender HBO sieht daran mittlerweile das WWW: kommende Problem von massenweiser Copyright-Verletzung. Mittlerweile werden bereits Livesendungen im Fernsehen live über Periscope gestreamt. Da hat man dann zwar nicht dieselbe HD-Qualität wie am Fernsehgerät, aber man zahlt nicht fürs Zuschauen. Das Qualitätsproblem haben all jene, die sich neue Wege für das illegale Verbreiten von Inhalten zunutze machen, bislang noch immer gelöst. Es brodelt mal wieder in der Szene. Künstler wie Madonna sprechen sogar von "Terrorismus" und "künstlerischer Vergewaltigung".

Die Kritik richtet sich an Twitter, den Erfinder und Betreiber von Periscope. Deshalb klagt HBO auch ganz konkret Twitter an. Nachvollziehbar, finde ich. Vor allem, weil Twitter angeblich in der Regel erst dann aktiv werde, wenn man den Onlinedienst auf Urheberrechtsverstöße hinweist. Im Fall vom Streaming von Livesendungen ist eine Reaktion logischerweise grundsätzlich viel zu spät. Die Argumentation von HBO ist daher verständlich. Twitter wird sich nicht mehr lange verstecken können.

Da rollt ein riesiges Problem auf Twitter zu. Auf Merkaat zwar auch, aber in der Regel müssen sich die großen Anbieter mit solchen Themen beschäftigen. Schon bald werden auch Konzertveranstalter, Kinobetreiber, Theater und andere das Problem bemerken und fordern, der Sache Einhalt zu bieten. Ob und wie das gehen soll, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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Freitag, 17.04.2015

Apps entdecken per #homescreen

Das nenne ich mal eine interessante Variante, auf spannende neue Apps zu stoßen: Die Website WWW: #homescreen wertet lauter Screenshots von iPhone-Nutzern aus und zeigt im Anschluss an, welche Apps gerade besonders beliebt sind - so stoßt ihr immer wieder auf Apps, die gerade heiß gehandelt werden, die ihr aber vielleicht noch nicht kennt.

#homescreen; Rechte: #homescreen
Vom Twitter-Streamingdienst "Periscope" bis zur Instagram-App "Layout": #homescreen wertet aus, welche Apps Nutzer gerade besonders oft neu installieren.

Die Macher von #homescreen haben extra WWW: eine eigene App rausgegeben, mit denen sich die Screenshots auch teilen lassen - ihr könnt darauf jedes einzelne Icon durchgehen und euch anzeigen lassen, auf wie vielen Screenshots die dahinter liegende App installiert ist.

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