Montag, 10.03.2014

Neustart für die Cebit

Es ist so leicht geworden, die Cebit runterzuschreiben. Was einmal die wichtigste digitale Messe der Welt war, war zuletzt nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Premier David Cameron bei der Eröffnung der CeBIT 2014; Rechte: Deutsche Messe
Beste Laune bei der Eröffnung der Cebit zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Premier Cameron - dabei wäre der Überwachungsskandal zur Eröffnung einer IT-Messe ein solch schönes Diskussionsthema gewesen.

Es gab Zeiten, in denen ich Monate vorher froh war, ein Ticket zu haben. Das waren die Zeiten, in denen Hunderttausende nach Hannover gepilgert sind. In denen Bill Gates zur Cebit kam, um Windows 95 vorzustellen. In denen Besucher die ersten MP3-Player, die ersten Handys, die ersten Smartphones, die ersten Tablets sehen durften. In denen man auf die Cebit ging und WWW: das Gefühl hatte, ein Stück in die Zukunft zu reisen.

Obwohl mit 280.000 Besuchern zuletzt so wenige wie noch nie nach Hannover kamen, obwohl große Namen von Apple über Google bis Facebook nach wie vor fehlen, obwohl von der CES und der IFA über den Mobile World Congress bis zur Gamescom und der E3 heute auf anderen Messen die Musik spielt: Auf die Cebit folgt jedes Jahr die Meldung, wie zufrieden ihre Veranstalter doch sind - WWW: sogar vor der eigentlichen Eröffnung.

Dass die Veranstalter WWW: bei den Zahlen Augenwischerei betreiben und, um Größe zu beweisen, manchmal die Zahl der Aussteller nennen, manchmal die der "beteiligten Unternehmen", ist da nur noch eine Randnotiz. Genauso, dass die weltgrößte IT-Messe erst im Jahr 2014 auf die Idee kommt, ihre Besucher WWW: kostenfrei mit WLAN zu versorgen und sie nicht wie zuletzt Blog: mit 60 Euro für zehn Stunden Onlinezugang abzuzocken.

Vorstellung der Vodafone-App Secure Call; Rechte: Deutsche Messe
Vodafone stellt auf der Cebit die App "Secure Call" vor, die so sicher verschlüsseln soll wie das Smartphone der Bundeskanzlerin - sozusagen das "Kanzlerphone" für alle.

Es ist so leicht geworden, die Cebit runterzuschreiben, dass es fast traurig ist. Wäre da nicht die Ausdauer, mit der die Veranstalter versuchen, die Messe relevant zu halten. Ihr Ansatz in diesem Jahr: "Normale Besucher" müssen draußen bleiben. Die Ticketpreise wurden erhöht. Show und Spiele für Computerfans wurden zusammen mit dem Messesamstag gestrichen. Übrig bleiben "100 Prozent Business", so die Veranstalter.

Tatsächlich hat die Cebit mit dem Leitthema "Datability" ein spannendes gewählt: Der Umgang mit großen Datenmengen steht dieses Jahr im Mittelpunkt, und viele Aussteller beschäftigen sich nach dem Überwachungsskandal mit sicherer Kommunikation im Netz. Mit Eugene Kaspersky ist der "Godfather of Security" zu Gast in Hannover. Und für deutsche Unternehmen könnte Sicherheit im Netz eine der letzten Chancen sein, die Zukunft der IT mitzubestimmen - als Gegengewicht zum Silicon Valley.

So sehr sie am Scheideweg steht: Auf der Cebit lässt sich also durchaus noch etwas erleben - und ein bisschen davon versuchen wir in den kommenden Tagen wieder hier nach Digitalistan zu bringen. Also: Auf nach Hannover!

Hallo Komentatoren! Kommt mal runter von den ewigen Phrasen! Welcher Abhörskandal denn? Was wissen wir denn neu seit dem Verräter Snowden? Wieso überhaupt Verräter? Er hat nur einer breiteren Öffentlichkeit bekanntgemacht, was zuvor schon eh jeder Insider wusste.!Gut, es ist nun bekannt, dass Frau Merkel abgehört wird - na und glauben Sie denn der Obama und der Putin würden nicht abgehört?? Traumtänzer !

Die unumstößliche Tatsache, egal, ob das nun manchen passt oder nicht, ist, dass wir immer mehr der Überwachung unterliegen. Derzeitige Mittel dazu: Handy, EC-Karte-Überwachungskameras - Navi usw. Sobald wir eines dieser Hilfsmittel benutzen weis die beauftragte Stelle, wo Sie - - JA S I E sich gerade auf den Meter genau aufhalten.

Glauben Sie wirklich das würde besser werden - ganz sicher Ja, aber nicht für uns, sondern für die Überwacher, denn die Meterdistanz wird sich auf wenige cm verringern!

Lösung? Aber sicher : Pferdekutsche und Buschtrommel!!

Gell Ebert!

Ebert am 10.03.14 13:48


@ Ebert, 10.03.14 13:48

Offenbar ist die nächste Stufe der Überwachung erreicht: Wer nicht überwacht werden will, muss sich rechtfertigen. Man beschimpft oder verspottet inzwischen die Datenschützer. Genauso könnte man ein totalitäres System rechtfertigen! Staat hört mit, na und? Man könnte genauso die Stasi rechtfertigen. Das hätte sich der größte Pessimist nicht träumen lassen!

Bisher gehörte eine nicht überwachte Privatsphäre zu den demokratischen Grundrechten. Inzwischen heißt es: Datenschutz ist Täterschutz. Ich habe nichts zu verbergen. Man beschimpfte z.B. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als "Sicherheitsrisiko". Oder man bekommt im Diskussionsforum eine "Paranoia" attestiert.

Nichts zu verbergen? Der Andere bestimmt, was er aus den Daten herausliest und was er damit macht! Einerseits sollen wir alle erwachsen werden. Dazu gehört auch, dass man oft eine andere Meinung hat als Eltern oder Lehrer. Andererseits stört es uns nicht, wenn "Vater Staat" und die Wirtschaft überall schnüffeln. Wie naiv!

Die Lösung ist nicht "Pferdekutsche und Buschtrommel". Statt dessen sollten wir endlich den Mund aufmachen! Würde der Wähler anders reagieren, würden auch die Politiker ganz schnell munter.

Bertram in Mainz am 10.03.14 15:55

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Montag, 10.03.2014

25 Jahre WWW | 1993: Radio aus dem Netz

Als Tim Berners-Lee die Blog: Idee für das World Wide Web hatte und das Fundament für das Netzwerk legte, war an multimediale Inhalte noch nicht zu denken. Man konnte froh sein, wenn ab und zu mal ein Blog: Bild, meist eine Illustration in die Webseiten integriert war. Doch das sollte sich rasch ändern. Heute sind wir es gewohnt, dass wir auf Mausklick Videos in HD-Qualität abspielen können, selbst Werbebanner enthalten heute oft Audio und Video.

Der Grundstein dafür wurde 1993 gelegt. Damals startete der Journalist WWW: Carl Malamud eine wöchentliche Talksendung im Web, die er WWW: Internet Talk Radio genannt hat. Malamud interviewte Experten aus der IT-Szene und stellte sie und ihre Ideen in der Sendung vor. Die Hörer konnten die Sendung nicht als Stream genießen, sondern mussten sich die Sendung herunterladen, wie einen Podcast. Das Interesse an diesem erstem multimedialen Projekt war groß. Malamud hat seine Online-Talksendung, die ausschließlich im Web ausgestrahlt wurde, jahrelang gemacht.


Den eigenen Radiosender aufbauen: Hier wird erklärt, wie's geht

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan nun jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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Sonntag, 09.03.2014

25 Jahre WWW | 1992: Viola macht das Web bunter

Im Jahr Drei nach der eigentlichen Erfindung des World Wide Web (WWW) ist zum ersten Mal eine Software erschienen, die nicht am Cern in Genf entwickelt wurde und nicht von Blog: Tim Berners-Lee stammte, sondern von einer anderen Person. Pei-Yuan Wei, ein Student an der Experimental Computing Facility der University of California in Berkeley, hat die von Berners-Lee im Jahr zuvor Blog: veröffentlichten Spielregeln für das World Wide Web zum Anlass genommen, einen Browser zu programmieren. Mit WWW: ViolaWWW war der erste Browser geschaffen, der Webseiten anzeigen konnte, die auch Grafiken enthalten.

Screenshot ViolaWWW; Rechte: vioala.org
ViolaWWW: Der erste Browser mit integrierten Grafiken und Stylesheets

Ein Vorläufer der modernen Browser von heute. Denn ViolaWWW konnte auch Tabellen darstellen und verfügte bereits über die Möglichkeit, Webseiten eine gewisse Gestalt zu geben, mit Hilfe entsprechender HTML-Anweisungen. Auch Stylesheets waren bereits enthalten. Eine erstaunliche Vielfalt an Möglichkeiten. Durch ViolaWWW wurde schnell klar, welches Potenzial in der Idee des World Wide Web steckt. Die Entwicklung des WWW sollte Fahrt aufnehmen.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan nun jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Nett-den kannte ich noch nicht.Mein"Erster"war Mosaic.Den gibt es tatsaechlich noch als download und die docu dazu "ftp ftp ncsa uiuc edu Mosaic "Den gab's fuer UNIX,Mac und Windows.Unter XP bekam ich ihn noch zum laufen ;)

Nett am 9.03.14 15:14

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