Montag, 29.06.2015

360°-Video selbst gemacht

Als kürzlich die Grimme Online Awards verliehen wurden, hat auch die Web-Dokumentation WWW: "Polar Sea 360°" einen Preis bekommen. Neben der spannenden Geschichte (eine Reise durch die Arktis) ist hier besonders die eingesetzte Technik bemerkenswert. An vielen Stellen kommen Videos mit 360° Rundumblick zum Einsatz. Bei der Fahrt durch die Artkis kann man selbst entscheiden, in welche Richtung die Kamera blickt und wer eine Virtual-Reality-Brille hat und Kopfhörer aufzieht, taucht so viel tiefer in die Geschichte ein, als bei einer herkömmlichen Dokumentation in Video-Form. WWW: Immersion nennen das die Experten.

Produktion von 360°-Video wird einfacher

Die Erstellung solcher 360°-Videos war lange Zeit sehr aufwändig. Im WDR haben wir 2010 zum ersten Mal mit diesem Format experimentiert (zu der Produktion gibt es noch eine WDR: "Making-of"-Fotogalerie). Damals hakte bei den Aufnahmen die Technik immer wieder und die Nachbearbeitung war mit sehr viel Handarbeit verbunden. Das fertige 360°-Video war qualitativ eher durchschnittlich, weil es stark komprimiert werden musste, um auch mit langsamen Internetverbindungen zu funktionieren.

Heute, fünf Jahre später, ist das Thema stark in Bewegung geraten. Auf Blog: Youtube können seit einigen Monaten 360°-Videos abgespielt werden und es gibt Blog: verschiedene Apps, die 360°-Videos auf Smartphones und Tabletts in sehr guter Qualität (bis 4k) anzeigen können. Außerdem arbeiten verschiedene Hersteller an Kameras, die die Aufnahme dieser Videos auch für Amateure ermöglichen sollen. Eine der ersten Kameras, die tatsächlich lieferbar ist und Videos mit Rundumblick aufnehmen kann, ist die Kodak SP 360.

kodak02.jpg Relativ klein: Die Kamera in Würfelform hat eine Kantenlänge von etwa 5 Zentimetern.

Aus Sicht des Herstellers, handelt es sich um eine Actioncam, die normale Fotos und Videos aufnehmen kann und als Zusatzfeature auch 360°-Video erlaubt. Bei unserem Praxistest haben wir uns nur diese Funktion genauer angesehen. Fazit: Es funktioniert, allerdings mit zwei entscheidenden Nachteilen:

  • 360° bedeutet hier keinen Rundumblick in alle Richtungen. Wie auf dem Foto zu sehen, hat die Kamera nur eine Linse und kann deshalb nur in einer Ebene 360° aufzeichnen. Wenn man sie auf einen Tisch legt, sind auf dem Video zwar alle zu sehen, die daran sitzen, die Tischplatte unterhalb der Kamera wird aber nicht bzw. nur zum Teil gefilmt.


  • Die technische Qualität des fertigen 360°-Videos ist nicht so gut wie man es heutzutage von Videos im Netz gewohnt ist. Die Videos werden zwar mit einer Auflösung von 1440 x 1440 Pixeln (also etwa HD-Auflösung) aufgenommen, allerdings ist durch die 360°-Darstellung später immer nur ein Ausschnitt mit deutlich weniger Pixeln zu sehen. Hinzu kommen die technischen Grenzen derart extremer Weitwinkel-Objektive. Die Schärfe der Aufnahme nimmt im Randbereich deutlich ab.
Für einen ersten Eindruck hier ein Testvideo. Es wurde in bestmöglicher Qualität aufgenommen, mit der mitgelieferten Software aus einer längeren Sequenz herausgeschnitten und im Youtube-tauglichen Format exportiert.



Die 360°-Funktion von Youtube funktioniert nicht mit allen Browsern. Sollte das Video hier seltsam verzerrt angezeigt werden, empfiehlt sich eine Aktualisierung des Browsers. Mit Chrome scheinen die Videos zur Zeit auf dem Desktop-Computer am besten zu laufen oder auf Smartphones mit der Youtube-App. Nach dem Klick auf den Play-Button kann die Blick-Richtung der Kamera geändert werden: Mit der linken Maustaste auf das Video klicken und mit der Maus den Ausschnitt nach links, rechts, oben oder unten ziehen.

So funktioniert die Aufnahme in der Praxis

Technisch gesehen ist die Aufnahme sehr einfach: Die Kamera hat einen Aufnahmeknopf und kann wahlweise auch recht komfortabel über eine Smartphone-App ferngesteuert werden. Das Video wird auf einer Micro-SD-Karte gespeichert und kann dann einfach auf einem Computer weiterverarbeitet werden.

kodak01.jpg

Schwieriger fand ich die Frage: Was filme ich eigentlich und wo postiere ich dafür die Kamera? Bei diesem neuen Medium muss man sich zunächst mal von vielen klassischen eindimensionalen Bildideen lösen. 360°-Video ist nur sinnvoll, wenn es in verschiedene Richtungen etwas zu sehen gibt. Hilfreich war hier tatsächlich der Einsatz eines "Selfie-Sticks", nicht nur um Selfies zu machen, sondern auch, um die Kamera in eine leicht erhöhte Position bringen zu können. Völlig verabschieden muss man sich, zu meinem bedauern, von einer Bildgestaltung mit Schärfe und Unschärfe.

In den nächsten Tagen werde ich hier im Digitalistan-Blog noch meine Erfahrungen mit einer anderen 360°-Kamera aufschreiben und noch etwas detailierter auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Veröffentlichung von 360°-Videos eingehen.

[Die Kamera wurde uns für den Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt]

Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten sehr viel umfangreicher mit dieser Technik arbeiten. Arte macht das bei Polar-360 vor. Diese immersive Darstellungsform begünstigt die Arbeit bei Reportagen. Mit freundlichen Grüßen aus Scheveningen.

VR-Fan am 29.06.15 17:52

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Montag, 29.06.2015

Spamgedichte

Die Welt braucht keinen Spam. Aber sie braucht Lyrik. WWW: ee spammings ist ein Projekt des Wissenschaftskünstlers Martin Krzywinski voller wundervoller Spamgedichte.

Spam-Dosenfleisch; Rechte: picture-alliance/dpa/Franziska Koark
Spam kann so vieles sein: Dosenfleisch, E-Mail-Müll - oder auch ein wundervolles Gedicht.

Es gibt nur ein paar feste Regeln für diese Gedichte: Der Text wird so umgeformt, dass er keine Großbuchstaben mehr hat. Leerzeichen, Zeilenumbrüche und Satzzeichen dürfen hinzugefügt werden. Einzelne Worte dürfen gestrichen oder wiederholt werden. Die einzelnen Wörter dürfen gebeugt werden. ee spammings ist damit gleichzeitig eine Hommage an die Gedichte von WWW: E. E. Cummings, die recht ähnlich aufgebaut sind.

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Montag, 29.06.2015

USA wollen Internet-Verwaltung vorerst behalten

Vor gut einem Jahr haben die Vereinigten Staaten von Amerika angekündigt, die Oberaufsicht über die Internet-Verwaltung Icann abgeben zu wollen. Bis September 2015 sollte ein Nachfolgegremium gefunden werden, das dann die Internet-Adressverwaltung übernehmen sollte.

Doch nun haben die USA anlässlich des WWW: 53. Treffens der Internetverwaltung Icann in Buenos Aires angekündigt, dass sie die Netzaufsicht erst noch einmal behalten wollten. Bis zum 30. September sei ein Rückzug der USA-Behörden angesichts der Verhandlungssituation nicht machbar.

Die Internet-Adressverwaltung stellt überhaupt erst sicher, dass zum Beispiel E-Mail beim richtigen Empfänger mit der korrekten Internet-Protokolladresse landet, dass Anwender auf Web-Seiten surfen oder sich auf sozialen Plattformen, wie Facebook oder Twitter austauschen können.

internetknoten.jpg
Auch Großforschungseinrichtungen brauchen ein funktionierendes Internet

Umso erstaunter war die Netzgemeinde, als die US-Regierung am 15. März 2014 ankündigte, die Kontrolle über das Domain-Namenssystem und damit die Oberhoheit über das Netz selbst aufzugeben. Zu massiv war die Kritik an der Netzspionage des amerikanischen Geheimdienstes NSA geworden.

Ein Jahr lang sind jetzt unterschiedliche Modelle diskutiert worden, wie denn ein transnationales Gremium geschaffen werden könnte, das die Internetverwaltung dann überwacht. So könnte etwa das jährlich stattfindende WWW: Internet Governance Forum zu einer Art internationalem Netz-Parlament ausgebaut werden, das der Icann Vorgaben macht und sie auch kontrolliert. Denn auf dem IGF abgekürzten Internet Governance Forum werden schon heute viele Verwaltungs- und Regulierungsfragen diskutiert.

Amerikaner blockieren Nachfolge


Doch da blockierten die Amerikaner. Sie seien sich noch gar nicht sicher, ob sie ein IGF nach 2015 überhaupt noch wollten, warnten sie. Und die USA stehen mit dieser ablehnenden Haltung nicht allein. Ägypten und China beispielsweise sind von eienr Aufwertung des IGF auch nicht überzeugt.

Diese Staaten möchten es am liebsten abschaffen, um mehr einzelstaatliche Kontrolle über das Netz ausüben zu können. Auch die WWW: Internationale Fernmeldevereinigung, abgekürzt ITU, möchte das Internet Governance Forum am liebsten abschaffen.

Denn die ITU will selbst gern die Oberaufsicht über die Icann übernehmen und begründet dies mit ihrem Status als Organisation der Vereinten Nationen. Und gegen eine UNO-Oberaufsicht kann doch niemand etwas haben, argumentieren die ITU-Vertreter.

Auch das sehen die Amerikaner anders: Eine Oberaufsicht der Vereinten Nationen kommt für sie überhaupt nicht in Frage. Sie haben dabei die Türkei und Russland auf ihre Seite. Sie treten für nationale Adressregulierungen ein. Dann würde jedes Land oder auch eine Staatengemeinschaft wie die Europäische Union ein eigenes Adressverwaltungssystem für das Internet aufbauen und betreiben.

No Go für die Vereinten Nationen


Damit könnte jeder Staat mit eigener WWW: DNS-Root auch für seine Bürger festlegen, ob sie eine Website wie zum Beispiel „Twitter.com" überhaupt aufrufen dürfen und wenn ja, ob die Originalseite oder eine andere national betriebene Seite dann angezeigt würde.

Aus Europa kam der Vorschlag, die Internet-Verwaltung solle von einer Organisation nach dem Vorbild des Internationalen Roten Kreuzes wahrgenommen werden. Die Vereinten Nationen sollten dazu eine Icann-Konvention verabschieden.

Auch da waren die Amerikaner stark dagegen. Jetzt treten sie mit dem Gestus auf, dass die internationale Gemeinschaft es nicht geschafft habe, eine Internet-Verwaltung auf die Beine zustellen. Also müssen sie es erst einmal weiterhin richten.

Gleichzeitig betonte Lawrence Strickling, der Chef der WWW: amerikanischen Telekommunikationsaufsicht, dass es der amerikanischen Regierung nur noch über das Wie einer Übergabe der Netzoberaufsicht gehe. Dass es eine Übergabe geben werde, stehe außer Frage. Gleichwohl stellt sich die Frage, wie eine Abgabe der Oberaufsicht über die Internet-Verwaltung denn aussehen kann, wenn die USA jeden Vorschlag dazu ablehnen oder hintertreiben.

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