Dienstag, 16.09.2014

Anti-Stress-Apps

Einatmen, ausatmen... Das macht jeder von uns. Nur meist ziemlich oberflächlich - während wir nebenbei auf das Handy schielen, telefonieren, Mails tippen oder Fotos posten. Und sobald das Handy vibriert, wird reagiert. Wir antworten schnell auf eine Frage, tragen einen Termin in den Kalender ein und schauen kurz, wie morgen das Wetter wird. Puh. Was ein Stress. Wie bitte soll da ein Handy helfen zu entspannen?

Ich suche also Entspannung. Im Google Play Store. Und bekomme rund 270 Apps vorgeschlagen. Bei iTunes sieht es nicht viel anders aus. Egal ob angeleitete Meditation, tibetanische Klangschalenmusik oder Atemübungen für unterwegs - das Angebot ist unfassbar groß. Also picke ich mir drei Apps raus und teste sie zusammen mit Dauerhandynutzer Till. Ob man sich mit Handy vom Handy entspannen kann?

Entspannungs-Apps; Rechte: WDR/Horn

"Get calm" ist unsere erste Test-App. Für 1,79 Euro bekommen wir immerhin ein chilliges Design in grün und weiß. Eine nette Damenstimme erzählt uns im Audioguide, dass wir während der Entspannung nicht Auto fahren und uns 30 Minuten Zeit nehmen sollen. So lange? Na gut, von nichts kommt nichts. Kaum drückt Till auf Play, vibriert allerdings sein Handy. Eingehende Nachricht. Na toll. Wir stoppen die Entspannung und suchen im Menü nach den Einstellungen, die alle Benachrichtigungen ausschaltet. Ein neuer Versuch. "Fühle, wie sich die Anspannung auflöst". Ooommmm. "Dein Kiefer und dein Nacken entspannen sich". Ich schiele mit einem Auge auf das Handy. Bin ich noch wach? Ja. Und genervt. Till lacht. Kann auch entspannend sein. Als er im Menü noch den Punkt "Erinnerung" findet, ist er fast überzeugt von der App. In dem Fall handelt es sich nur leider nicht um einen Wecker, falls man während der Session einschläft, sondern um einen Eintrag im Kalender, damit wir morgen auch ja an unsere nächste Sitzung denken. Absurd. Adios.

Get Calm Collage; Rechte: WDR/Horn

Wir greifen uns entspannt App Nummer II namens "Endlich schlafen" - die gibt es für Apple (3,99 Euro) und Android (1,59 Euro). Till wacht nachts immer wieder auf und baut jetzt auf die App. Ich schlafe eigentlich wie ein Stein, aber ein Versuch schadet ja nicht. Im Menü haben wir die Wahl zwischen Willkommensgruß, Entspannung, Tipps und Informationen, Affirmation, Tagebuch und App-Bewertung. Wir folgen strikt unserem Plan. Entspannung finden. Es gibt mehrere Audiotracks zwischen 15 und 45 Minuten. Auch hier eine Probe aufs Exempel. Das Hintergrundbild auf dem iPhone zeigt kristallklares Wasser und einen Play-Button. Till drückt drauf, wir schließen die Augen.

Gut schlafen Collage; Rechte: WDR/Horn

"Lege dich so bequem wie möglich auf deinen Rücken", sagt die fremde Frau. Allerdings reißt Till direkt wieder die Augen auf und lacht. "Die Stimme wirkt fast wie aus einem Horrorfilm." Mich nervt der knartschende Lautsprecher. Die Höhen scheppern aus dem Handy und wir sind eher angespannt als entspannt. Vielleicht ein Zeichen von Rastlosigkeit. Weiter geht es mit App Nummer III.

Entspannung pur Collage; Rechte: WDR/Horn

"Entspannung pur". Klingt vielversprechend und ist für Android-Nutzer gedacht. Ganz umsonst. Ich kann auf Atemübungen, Yoga und progressive Muskelentspannung klicken. In jedem Kapitel gibt es einen Gratis-Track mit Anleitungen von einer - mal wieder - nett gemeinten Damenstimme. Alle weiteren Tracks kosten dann doch Geld. Auch hier geht es los, nachdem ich den Play-Button gedrückt habe, aber auch hier bimmeln und vibrieren zwischendurch eingehende Text-Nachrichten. Ich stelle mein Handy also auf stumm und lege mich auf die Couch. Eine Chance gebe ich den Apps noch. Das Programm spricht. Und ich schlafe innerhalb weniger Minuten ein.

Relax-Katze; Rechte: WDR/Horn

Ganz ehrlich: Wenn die Apps mich dazu gebracht haben, mir klar darüber zu werden, dass ich mal wieder und eigentlich viel häufiger entspannen sollte, wunderbar. Aber zum Einschlafen brauche ich keine App, sondern meine Couch. Till ist mittlerweile gelangweilt und fängt an, sich durch seine Musiksammlung zu klicken. Die gefällt ihm besser als das blecherne Gedudel aus der Meditations-Konserve.

Aber am Ende sind wir uns einig: Wenn wir zur Ruhe kommen wollen, legen wir unsere Handys einfach weg. Stumm. Und gehen eine Runde spazieren. Gerne unstumm. Nette Gespräche sind auf jeden Fall entspannender als 1.000 Text-Nachrichten täglich. Und als Entspannungs-Apps. Also, nichts gegen Klangschalenlieder, entsprechende CDs und schon gar nicht gegen Atem- und Yoga-Übungen. Das sollten wir alle vermutlich viel öfter machen. Auch das Handy einfach mal weglegen. Denn wenn das Handy Stressfaktor Nummer Eins ist, ist Entspannung mit dem Handy einfach dann doch zu paradox.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Eure Sorgen möchte ich - nicht - haben!
Die Lösung ist doch ganz einfach:
Kein Smart(=Sucht)Fon anschaffen oder in Betrieb nehmen - und Ruhe ist!
Ich lebe prima ohne alle diese Suchtmittel (Suchtfon, Auto) und komme auch als selbständiger Rechtsanwalt und reisender Dozent sehr, gut klar, nein, noch besser, nämlich: BESSER als MIT alledem!!
Denkt mal drüber nach!
Weniger ist mehr!
Viele entspannte Grüße! :-)

WENIGER_IST_MEHR am 16.09.14 19:05

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Sonntag, 14.09.2014

Küsschen, Deine Grandmaster Flash

Auch Silver Surfer nutzen mittlerweile die sozialen Netzwerke, etwa um mit ihren Enkeln in Kontakt zu bleiben. Das ist löblich - aber nicht ohne Tücken. Davon zeugt der wirklich witzige Tumblr WWW: grampaandgrandmasterflash.tumblr.com. Dort zu finden sind jede Menge Glückwünsche, etwa zum Geburtstag oder zur bestandenen Prüfung, geschrieben von liebenden Omas. Allerdings unterschreiben nicht die Omas die lieben Zeilen, sondern Grandmaster Flash - Pionier des Hip-Hop, Ende der 70er Jahre.

Facebook-Seite Grandmaster Flash; Rechte: WDR/Schieb
Sorgen ungewollt für Verwirrung: Grandmaster Flash

Hintergrund: Wer seine Zeilen mit "Viele Grüße Grandma" oder "Küsschen, Deine Grandma" unterschreiben möchte, der kann beobachten, wie Facebook krampfhaft nach einem passenden Facebook-Account sucht. Passend ist dann, aus Sicht des vom Namen her vielleicht sozialen, in der Sache aber seelenlosen Netzwerk das Facebook-Konto von WWW: Grandmaster Flash. Die meisten Omas bemerken die List und Tücke nicht, mit der Facebook da vorgeht. Und die Enkel sammeln nun solche Nachrichten von Grandma(ster Flash) im Tumblr-Blog.

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Freitag, 12.09.2014

Facebook auf die Finger schauen

Manchmal wundere ich mich schon ein wenig. Mark Zuckerbergs Onlinedienst hat - global betrachtet - immer noch Zulauf, trotz der zahlreichen Bedenken von Datenschützern und Experten. Dabei ist mittlerweile wohl jedem klar: Facebook speichert endlose Mengen an Daten, leuchtet zu kommerziellen Zwecken jeden Winkel der Privatsphäre aus - von jedem, der Facebook benutzt, egal ob am PC oder mobil. Besonders auskunftsfreudig, welche Daten genau erhoben werden und was Facebook damit anstellt, ist das Unternehmen nicht. Nur wenn genügend Druck entsteht - in der Regel aus Europa -, passiert überhaupt etwas.

Facebook Messenger App; Rechte: Facebook/WDR
Facebook sammelt jede Menge Daten - auch beim Chat


Web-App bietet Einblicke in gespeicherte Daten
Wegen der Anforderungen europäischer Datenschützer bietet Facebook schon eine ganze Weile eine Art Daten-Dossier an, das jeder Benutzer in den Menüs anfordern kann. Das Dossier wird dann erstellt und per Mail zugeschickt. Hier informiert Facebook über viele der gespeicherten Daten. Experten sagen aber: Das sind längst nicht alle Erkenntnisse, die Facebook über seine User speichert, sondern lediglich ein kleiner Auszug. Trotzdem: Man staunt, was Facebook alles registriert.

Noch einfacher ist ein Blick in die Untiefen der auf den Facebook-Servern gespeicherten Erkenntnisse mit der WWW: Privacy Awareness App, entwickelt von Studenten aus Österreich. Die Handhabung ist einfach: Nachdem Ihr die Web-App gestartet habt, sammelt die erst mal fleißig Daten. Vorher müsst Ihr allerdings jede Menge Genehmigungen erteilen, damit die App die Daten auch von Facebook überreicht werden. Doch hat man das erst einmal gemacht, erscheinen wirklich jede Menge Infos über einen auf dem Bildschirm.

Illustration; Rechte: WDR/Schieb
Wie bin ich über Facebook vernetzt und mit wem?


Web-App bietet Einblicke in gespeicherte Daten
Welche Fotos habe ich hochgeladen, welche Begriffe am häufigsten benutzt, wie oft war ich in Facebook und welche Orte habe ich in den letzten Jahren besucht, mit wem bin ich vernetzt und wie intensiv ist der Austausch? Selbst welche Bücher ich gelesen habe wird verraten. Was einem klar sein muss: All diese Informationen lassen sich über die Facebook-API abrufen, von jeder App, die mit Facebook vernetzt ist. Doch die Privacy-App will mehr als nur Daten sichtbar machen, sie will unser Bewusstsein schärfen. Die App bekommt die Daten von Facebook frei Haus geliefert. Die Programmierer der App wollen konkret demonstrieren, welche Daten jeder App zur Verfügung gestellt werden, wenn wir die Genehmigung dazu erteilen.

Bitte nicht ungeduldig werden. Je nachdem, wie aktiv Ihr auf Facebook seid, kann es schon ein paar Minuten dauern, bis alle Daten übertragen und ausgewertet sind. Ob die "Privacy Awareness App" tatsächlich dazu führt, dass wir vorsichtiger werden, ist ungewiss. Aber die App erlaubt doch zumindest recht konkrete Einblicke in die nicht vorhandene Privatsphäre eines Facebook-Nutzers. Was einen misstrauisch stimmen sollte: Die App präsentiert mehr Infos als Facebook selbst in der Dossier-Funktion. Wer mag, kann die Erkenntnisse und Daten auch exportieren. Die App speichert die Daten auf Wunsch als Zip-Datei.

Facebook Tagcloud; Rechte: WDR/Schieb
Tagcloud: Welche Schlagwörter besonders oft vorkommen

Jörg Schieb hat das Thema auch bei WWW: Leonardo auf WDR5 besprochen.

Ähm, mit Verlaub: An dem Punkt (und da ist man dann wohl noch ganz am Anfang) wo dieses Ding mich fragt, ob es in meinem Namen auf Facebug posten darf war es für mich auch schon wieder Geschichte!

Sven am 12.09.14 15:41

Wenn auch mal ein kritischer Beitrag von Schieb bezüglich Apps, Facebook, Google, WhatsApp, Twitter oder der anderen Scheiße zu lesen wäre, dann würden sich Leute mit IQ echt freuen. Ich kann diese Werbeplattform für Datenkraken nicht nachvollziehen.

Birger am 12.09.14 17:04

Ps. Ich weiß gar nicht, ob Sie es wußten, Schieb. Wer einen Verstand hat, nutzt keine Wanze, auch Handy genannt! Und er nutzt überhaupt nichts, was Sie empfehlen. Sie haben vermeintlich Ahnung von Technik, aber von Datenschutz, Bürgerrechten und Datenkraken haben Sie keinen blassen Schimmer. Sie turnen auf diesen Angeboten herum, supporten die, bewerben die, aber wissen gar nicht, was Sie veranstalten. Sie haben null Ahnung von Irgendwas. Es wäre schön, wenn Sie sich endlich mal von der Werbung für den Schrott abwenden könnten und in den Warnmodus umschalten würden!

Birger am 12.09.14 17:14

Zur Info: 28% aller Deutschen mit Internetanschluß (86%) sind so dumm und nutzen Facebook. 58% aller deutschen User sind daher als klug zu bezeichnen, denn sie nutzen die Scheiße nicht. Und auch keine Datenkraken wie WhatsAPP, Twitter und andere asozialen Netzwerke. Sie haben ihren Browser im Griff, lehnen Kekse ab, tummeln sich nicht auf Ami-Scheiße, haben keine Wanze, geben ihre Daten nicht preis, kaufen nicht online unter Angabe ihrer Kreditnummer, nutzen keine externen Server (auch Clouds genannt), machen kein Online-Banking und senden ihre Mails nur verschlüsselt! Da fällt mir noch viel mehr ein, aber das für Sie als DAU reicht das erstmal.

Birger am 12.09.14 17:36

@Birger: Ich will mal höflich sein und nur meinem Unverständnis Ausdruck verleihen, worauf Sie eigentlich abzielen. Ob "argumentum ad hominem" oder doch eher "argumentum ad personam"? Jedenfalls nicht der Sache dienlich. Ich verstehe meinen Beitrag eigentlich so, dass ich auf ein Projekt hinweise, das sich kritisch mit dem Sammeln von Daten in Facebook beschäftigt. Sollte Ihnen doch eigentlich gefallen. Ansonsten empfehle ich die Lektüre folgendesn Beitrags:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/hass-im-netz-ich-bin-der-troll-13139203.html

Jörg Schieb am 12.09.14 17:38

Nach Rücksprache mit dem WDR werden Sie in jeder Sendung als "Computer-Experte" genannt, als einziger, denn lt. WDR kann man sich mehr Leute nicht leisten. Was haben Sie für eine Vita? Sind Sie Informatiker? Sie sind es nicht. Wenn ich einige Ihrer Aussagen in zahlreichen Sendungen sehe, wie Sie die übelsten Dinge kritiklos anpreisen, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Machen Sie das, wofür Sie als ÖR-Sender bezahlt werden, nämlich die Menschen über die Gefahren aufzuklären, die von den oben genannten Konsorten ausgehen. Sie machen Werbung!

Birger am 12.09.14 18:07

Wer auch immer dieser Birger ist, seine 4 Posts hier sind allesamt Beleidigungen, deswegen fände ich es gut, wenn der WDR diese Beiträge löschen würde. Höflichkeit und Respekt sollten auch bei anonymen Posts selbstverständlich sein. Schade, dass so viele Menschen sich in der anonymen Welt des Internets nicht unter Kontrolle haben. Und bevor es zu Missverständnissen kommt: Nein, ich kenne Herrn Schieb nicht.

Frank am 12.09.14 18:18

Ps. Und hören Sie endlich auf, jedes Novum, was von den Datenkraken rausgebracht wird, anzupreisen. Hören Sie auf, von der Cloud zu sprechen, sondern nennen Sie es beim Namen: Es sind die Server der Datenkraken, keine Luftnummern, keine Wolken. Die sind bei drei gehackt.

Warnen Sie davor, auf Online-Shops die Daten preiszugeben. Warnen Sie vor Keksen, vor Scriptings! Schulen Sie Menschen, wie sie ihren Browser im Griff haben, das Einfallstor für allen Mist. Machen Sie keine Werbung für Ami-Scheiße. Sie haben die Menschen aufzuklären und keine vermeintlich tolle und neue Angebote dieser Datenverkäufer anzupreisen!

Danke!!

Birger am 12.09.14 18:21

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