Dienstag, 09.06.2015

Fernsehen streamen in HD

Vor ein paar Jahren habe ich mir noch TV-Karten gekauft und in den Rechner gebaut. Damit konnte ich dann am PC fernsehen. Dafür musste die TV-Karte natürlich mit einer Antenne verbunden werden. Später gab es TV-Karten auch im Miniformat, um mobile Geräte mit Fernsehsignalen zu versorgen, vor allem mit DVB-T. Heute geht das alles viel einfacher. Ganz ohne Hardware. Man kann Fernsehen streamen, teilweise live, teilweise OnDemand. Die WDR: Mediatheken von WDR und WWW: ARD sind schöne Beispiele dafür. Wer eine Internetverbindung hat, kann hier fernsehen. Egal wann und wo.

MagineTV streamt Live-Inhalte auf alle Geräte; Rechte: MagineTV
MagineTV streamt Live-Inhalte auf alle Geräte
Alle Streams an einem Platz
Doch jeder Sender hat eine eigene Mediathek. In einem eigenen Portal. Das hat natürlich nicht viel vom Zappen vergangener Tage, wo man mal in das eine, mal in das andere Programm reinschaut. Doch auch das ist möglich: Ich habe jetzt den recht neuen Onlinedienst WWW: MagineTV entdeckt - und gleich mal ausprobiert. MagineTV verspricht, Dutzende von Fernsehprogramme aus Deutschland in HD-Qualität zu streamen. Auf den Rechner, aufs Notebook, aber auch auf Mobilgeräte. Live und teilweise auch on-demand, wenn die Sender das zulassen.

ARD, WDR, ZDF, Phoenix, Arte - die guten öffentlich-rechtlichen Sender sind alle mit dabei. Und man kann sie tatsächlich wunderbar in HD-Qualität gucken, auch auf dem Mobilgerät oder auf dem Blog: Google Chromecast Stick, den man auf den Fernseher steckt. Das funktioniert prima und ruckelfrei. Da das Onlineangebot auch einen wirklich gut gemachten EPG (Electronic Program Guide) bietet, kann man außerdem gut erkennen, was gerade läuft. Umschalten jederzeit möglich. Im Minifenster gibt es eine Vorschau. Ein Klick, und das kleine Fenster zoomt groß - und man kann bildfüllend schauen.

maginetv_epg.png
MagineTV hat einen komfortablen EPG

Komfortabler EPG
Der Program Guide ist übrigens mehr als "nur" eine Übersicht über aktuelle Fernsehinhalte. Das System lernt dazu, lernt die Sehgewohnheiten kennen und macht basierend darauf später auch Empfehlungen für Sendungen, Filme oder Shows. Es gibt einen individuellen Showroom, der einen Schwerpunkt auf die eigenen Interessen setzt. Das gefällt mir gut und ist wirklich hilfreich. Außerdem kann man sich auch benachrichtigen lassen, wenn eine Sendung ansteht. Das ist sogar nützlich, wenn man im "richtigen" Fernseher schauen möchte.

MagineTV kann man im Web nutzen, dann ist allerdings die Installation von Microsoft Silverlight erforderlich. Eine Erweiterung, die auch Netflix, Maxdome und einige andere Video-Anbieter voraussetzen, um Bewegtbilder präsentieren zu können. Doch es gibt auch Apps für iOS, Android und Windows, die eine Benutzung besonders einfach machen. Das Angebot kann 30 Tage lang komplett kostenlos benutzt werden. Das"Free"-Paket mit 55 Sendern, darunter diverse Öffentlich-Rechtliche, bleibt kostenlos - und werbefrei. Wer mehr Sender sehen will, muss dafür eine Monatsgebühr bezahlen.

Noch'n Abo? Zitat: "Das 'Free'-Paket mit 55 Sendern, darunter diverse Öffentlich-Rechtliche, bleibt kostenlos ... "
Die wenigsten Zuschauer werden mehr brauchen. Das bedeutet aber, ein so umfangreiches Paket bleibt bestimmt nicht lange kostenlos!

Werden da nicht wieder Nutzerdaten gesammelt? Oder bin ich paranoid? Doch, es steht ja extra da, Zitat: "Das System lernt dazu, lernt die Sehgewohnheiten kennen und macht basierend darauf später auch Empfehlungen ... " Aha, genau das will ich nicht unbedingt. Dass ich Nachrichten und Informations-Magazine gucke, gerne auch mal Star-Trek oder Akte X, ist kein Geheimnis. Aber ich möchte unbedingt die Möglichkeit des anonymen Fernsehens behalten!

Meine Situation ist vielleicht nicht typisch. Ich bin im DVB-T-Kernbereich. Ich höre viel Radio. Deshalb vermisse ich DVB-T-Tuner und UKW bzw. DAB in den meisten Tablets und Smartphones.

Falls es mich mal juckt, kann ich eine Sat-Antenne montieren und ein Heimnetzwerk mit lokalem Streaming einrichten.

Bertram in Mainz am 9.06.15 16:51

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Dienstag, 09.06.2015

Bedienungsanleitung für Kinder?

In meinem Freundeskreis habe ich über 40 Babys und Kleinkinder, die weinen, brabbeln, krabbeln und motzen, lächen und beobachten. Wann ein Kind was lernen sollte, welche Vorsorgeuntersuchungen es braucht und welche Entwicklungsstufen es durchmacht - damit kenne ich mich nicht aus. Aber ich will die Freuden und Sorgen meiner Freundinnen verstehen und gucke dafür gerne mal in die ein oder andere App. So wie Sandra aus Köln. Sie hat vor sechs Monaten ihren Sohn Len zur Welt gebracht und nutzt neben dem Rat von Eltern und Freunden natürlich Bücher und auch gerne ihr Handy. Ob Kinder-Apps etwas bringen, haben wir gemeinsam mit ihrem Kinderarzt getestet - und sind zu einem klaren Ergebnis genommen.

App Baby und Essen; Rechte: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Test-App No.1 heißt "WWW: Baby und Essen" und ist vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Sie ist gratis für iOs und Android zu haben. Mit ihr sollen Eltern nachsehen können, ab wann man welche Beikost geben kann, was man statt Fleisch nehmen kann und wie man die richtigen Mengen berechnet. Sandra mag die Aufmachung der App. Sie ist bedienerfreundlich - auch wenn man gerade ein Kind auf dem Arm hat. Aber am liebsten guckt sie zwischendurch rein, um sich etwas in ein neues Thema einzulesen und Rezeptideen zu sammeln. Die App basiert auf den bundesweit einheitlichen und wissenschaftlich fundierten Empfehlungen zur Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter von Gesund ins Leben, heißt es auf der Homepage des Bundesministeriums.

App Ohje ich wachse; Rechte: Twise Victory BV

Trotzdem vergleicht Sandra die Infos gerne nochmal mit Büchern, fragt Freundinnen oder sucht im Internet nach Informationen. Am meisten vertraut sie aber ihrem Kinderarzt Doktor Eckhart Dierlich. Mit ihm will sie herausfinden, in welcher Entwicklungsphase Len gerade ist. Die App „Oje ich wachse" kann das angeblich einordnen. Sie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von einem holländischen Ärztepaar. Sandra hat dafür 1,50 Euro für ihr Android-Handy bezahlt. Für iOst kostet die App 1,99 Euro, für Windows Phones 1,29 Euro. Sobald man das Geburtsdatum des Kindes einstellt, bekommt man eine Tabelle mit der Wochenphase angezeigt - und ob ein Entwicklungssprung oder ein bestimmter Wachstumsschub bevorsteht. "Len ist jetzt 27 Wochen alt und kommt angeblich bald in eine schwierige Phase", liest Sandra vor. Doktor Dierlich muss schmunzeln. "Das ist so zuverlässig wie eine Wetter-App". Allgemein gesehen gibt es natürlich Phasen, in die eine Entwicklung unterteilt wird, aber wann was passiert, ist so individuell, dass sich Eltern mit einer App nicht verrückt machen sollten. "Gerade ist Len in der oralen Phase, nimmt den Schlüssel in den Mund und erkundet die Welt auf diese Art. Danach kommen neue Entwicklungsschritte, aber schwierige Phase würde ich das nicht nennen", sagt der Kinderarzt.

Zum Vergleich lädt Sandra auch die App "Elternsein" herunter. Die ist von der Uni Freiburg und erklärt mit Videos unter anderem die Babysprache, geht aber auch auf Klein-, Schulkinder und Jugendliche ein. "Ziemlich ambitioniert, so viele Infos in eine App zu packen", findet Doktor Dierlich. Sandra sind die Videos mit vier Minuten oft zu lang, um sie mit Kind in Ruhe zu gucken. Deshalb probiert sie lieber noch die vierte App namens "medikid."

App "medikid"; Rechte: Nase und Nase GbR

Sie wurde von zwei Kölner Ärzten entwickelt und dient unter anderem der Dokumentation von Impfungen, fasst Infos über Erkrankungen und Vorsorge zusammen und gefällt Doktor Dierlich ganz gut. Sandra mag die Übersichtlichkeit und wäre auch bereit 2,99 Euro dafür zu zahlen. Allerdings ist die App bisher nur für iPhones zu haben.

Es gibt also eine Fülle an Apps für Eltern. Gerade für unterwegs und zwischendurch sind sie durchaus praktisch, finden Sandra und Doktor Dierlich. Ich finde sie gut, um mit etwas Halbwissen aufzutrumpfen und wenigstens einen Hauch von Ahnung zu haben, was die vielen kleinen Wesen und deren Eltern so erleben. Aber am schönsten ist es weiterhin, sich mit Eltern und Freunden auszutauschen. Und bei akuten Fragen oder Problemen vertraut Sandra weiterhin auf ihr Gefühl und ihren Kinderarzt.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Da hilft nur vorsortieren. Eine ganz subjektive Empfehlung, die natürlich keinen Anspruch auf universelle Weisheit erhebt:
Medizinisches kann man mal durchschauen, Impfempfehlungen sind wichtig. Vieles kann auch der Kinderarzt beantworten.
Psychologisches gleich in die Tonne treten. Weil dadurch das Gerät kaputt ginge, gar nicht erst runterladen.

Man muss nicht das ganze Internet wissen lassen, wenn man ein Kind hat. Für die Werbung ist das eine neue Adresse mit Altersangabe. Ab da kann man weiterzählen, wann der Nachwuchs sich wohl für welche Themen interessiert, wann den Führerschein macht, eigenes Konto braucht, eigene Versicherung usw.

Es gibt auch noch ganz altmodische Bücher, die man bis zur Abschaffung des Bargelds anonym im Laden kaufen kann. Ich habe an sich nichts gegen eBooks. Aber solange man derart reglementiert wird, kaufe ich keine.

Schade, aber das Gebot der Datensparsamkeit würde mich von solchen Apps abhalten. Es gibt doch massenhaft normalen Lesestoff im Netz!

Bertram in Mainz am 9.06.15 12:21

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Dienstag, 09.06.2015

"Da kann ich Ihnen jetzt leider keine konkreten Beispiele nennen."

Tilo Jung polarisiert. Sein Grimme-prämiertes YouTube-Format WWW: "Jung & Naiv" ist WWW: auf vielen Ebenen kritikwürdig. Seine Kollegen in Berlin fühlen sich durch Ahnungslosigkeit WWW: regelmäßig auf die Palme gebracht. Und mit einem frauenfeindlichen Instagram-Posting zum Weltfrauentag hat er sich WWW: einen veritablen Shitstorm eingefangen. Mittlerweile aber lohnt sich wieder ein Blick auf "Jung & Naiv" - seit sich Jung darauf konzentriert, in der Bundespressekonferenz die Sprecher der Regierung und Ministerien zum Schwitzen zu bringen - WWW: wie hier beim Thema Vorratsdatenspeicherung.


Bei der Bundespressekonferenz zur geplanten Vorratsdatenspeicherung kann der Sprecher des Justizministeriums nicht beantworten, welche Gefahren sie denn abwehrt.

Highlight: die Frage danach, welche Gefahren durch die Vorratsdatenspeicherung denn bisher abgewehrt wurden. Antwort des Ministeriumssprechers: "Da kann ich Ihnen jetzt leider keine konkreten Beispiele nennen." Blog: Wie auch?

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