Montag, 09.06.2014

Maschine besteht den Turing-Test

Als ich in meiner Jugend die ersten Bücher über Computer und künstliche Intelligenz (KI) gelesen verschlungen habe, bin ich immer wieder über einen bestimmten Begriff gestoplert: Turing Test. Eine faszinierende Sache. Im Jahr 1950 hat der britische Mathematiker und Informatiker Alan Turing einen Test vorgeschlagen, um künstliche Intelligenz nachzuweisen. Denn was soll man darunter verstehen - künstliche Intelligenz? Wann ist ein Computer, wann ist eine Software "intelligent"? Das ist eine Frage der Beurteilung, lässt sich also nicht objektiv bestimmen.

Rechenmaschine Alan Turing; Rechte: dpa/Picture Alliance
Rechenmaschine von Alan Turing aus dem zweiten Weltkrieg


Schlau genug - oder nicht?
Deshalb der Test: Wenn sich ein Computerprogramm in einer künstlichen Konversation derart gut behauptet, dass viele Menschen meinen, mit einem anderen Menschen zu sprechen und nicht mit einem Computer, dann gilt der Test als bestanden. Der Test selbst dauert fünf Minuten. Ein echter Mensch stellt dem Programm Fragen. Die Maschine muss antworten. Natürlich sitzen die Tester dem Probanden nicht gegenüber, das wäre zu einfach. Die Tester sehen die Probanden nicht, sie unterhalten sich wie in einem Chat über Bildschirm und Tastatur.

Wenn mindestens 30% der Tester meinen, das Gegenüber sei ein Mensch und keine Maschine, gilt der Turing-Test als bestanden. Nur ein Drittel also - bislang ist das aber keiner einzigen Software gelungen. 64 Jahre lang nicht. Jetzt hat es geklappt: An der University of Reading wurde jetzt, am 60. Todestag von Alan Turing, an fünf Supercomputern der WWW: Turing-Test vollzogen. Bestanden hat den Test "Eugene", eine Entwicklung aus Russland. 33% der Tester hielten die Software für schlau genug, ein 13 Jähriger Junge zu sein.


Eliza: Simulierter Psychologe


Plaudern mit dem Psychologen
Das ist ein klarer Durchbruch. Denn die Intelligenz, Schlagfertigkeit und Individualität eines Menschen nachzuahmen, das ist alles andere als einfach. Aus Filmen wie "2001 Odyssee im Weltraum" oder Fernsehserien wie "Star Treck" kennen wir Computer, die auf jede Frage schlau reagieren. Aber wie schwierig das ist, weiß jeder, der schon mal versucht hat, mit Apples Siri eine auch nur einigermaßen komplexe Konverssation zu führen. Mehr als das Bellen von Anweisungen wie "Ruf meine Frau an" versteht Siri nicht.

Aber das wird sich in Zukunft ändern. Das beweist die aktuelle Entwicklung. Software ist heute in der Lage, immerhin als 13-Jähriger durchzugehen. Unglaublich. Auch der Informatiker Joseph Weizenbaum wollte mal eine Software entwickeln, mit der man sich unterhalten kann. Heraus kam WWW: Eliza, eine Art Online-Psychologe. Programmiert im Jahr 1968, stellt die Maschine dem Menschen vor der Tastatur Fragen, so ähnlich wie ein Psychologe. In gewisser Weise auch eine Art Turin-Test. Diesen hätte Eliza allerdings nie bestanden.

Wer mal mit Eliza plaudern möchte: WWW: Nur zu - hier geht das.

Das Problem ist, dass viele Entwickler sogenannter "intelligenter" Systeme vom Turingtest noch nicht gehoert haben. Wenn immer ich eine Servicehotline anrufe und ein Computer mich bittet, mein Problem zu beschreiben, weiss ich, dass ich verloren habe. Und selbst ohne Spracherkennung bei Hilfsangeboten online - "ask your question here" funktioniert nie. Am Telefon rufe ich inzwischen "Alan Turing" in den Hoerer. Natuerlich versteht der Computer das nicht, aber nach drei Versuchen werde ich mit einem Callcenter und einem richtigen Menschen verbunden - gewonnen !

Inglaterra am 9.06.14 17:47

Die "Rechenmaschine" sieht aber verdächtig nach einer Enigma aus. Turing arbeitete erfolgreich mit anderen Mathematikern etc. daran, diese deutsche Chiffriermaschine zu knacken. Lesenswert dazu ist der entspr. Wikipedia-Beitrag.

Tofo am 9.06.14 22:19

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Freitag, 06.06.2014

Der längste Tag: Timeline des D-Day

Vor genau 70 Jahren sind die Alliierten in der Normandie gelandet, haben eine zweite Front gegen Nazi-Deutschand eröffnet und so das Ende des Zweiten Weltkriegs eingeläutet. Es gibt einige Specials dazu im Web. Besonders sehenswert finde ich allerdings das der Kollegen der BBC: Die WWW: D-Day Timeline schildert die Ereignisse des entscheidenden Tags aus der Sicht der Briten. Beginnend am 5. Juni um 4:17 Uhr - und endend am 7. Juni um Mitternacht. Wer sich das anschaut versteht, warum dieser Tag als der "längste Tag" gilt.

Die Reportage greift auf Archivmaterial von damals zurück. Mit Richard Dimpleby war damals ein BBC-Korrespondent mit dabei, als "Embedded Journalist". Die Web-Reportage der BBC präsentiert Material aus dem Archiv, gepaart mit Augenzeugenberichten und Hintergründen. In der Timeline kann man die wichtigsten Ereignisse des Tags chronologisch nachvollziehen: Auslaufen der Schiffe, Landung an der Küste, Fallschirmspringer, Einnehmen der ersten Städte - Szenen, die die Gefühle der Veteranen, die wir heute gesehen haben, sehr verständlich machen.

Timeline des D-Day; Rechte: BBC
Timeline des D-Day: Web-Reportage der BBC

Mr. Schieb who i find Lengue German...leider nur in Englisch oder habe ich etwas übersehen ? Ansonsten schon informativ wenn man nicht schon von ZDF Info die zig Wiederhohlungen hätte sehen können oder von ZDF History. Für nicht so Historisch bewanderte aber ein guter Tip.

M G am 7.06.14 19:11

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Donnerstag, 05.06.2014

Der Feind im Netz heißt NSA

Wenn Edward Snowden eins geschafft hat, dann wohl, dass wir das Internet heute mit anderen Augen sehen. Mir zumindest geht es so. Ich sehe das Internet heute mit anderen Augen - und leider auch die Politik, die in dieser Sache komplett versagt hat und immer noch versagt. Vor genau einem Jahr ist Snowden an die Öffentlichkeit gegangen und hat Einblicke in den gigantischen Blog: Schüffelapparat der USA geliefert. Seitdem werden wir Woche für Woche mit neuen Erkenntnissen schockiert. Mittlerweile ist klar: Es ist alles denkbar - und die Wirklichkeit noch viel schlimmer.

obama.png
Yes, we scan: Obama als Filmplakat à la "Das Leben der anderen"


Range ermittelt nur wegen Merkel-Handy
Vermutlich kennen wir selbst heute noch nur die Spitze des Eisbergs. Andernfalls würden sich die Verantwortlichen wohl nicht so still verhalten. Es gab auch vor Edward Snowden schon Mahner, die uns vor einer Totalüberwachung im Netz gewarnt hatten. Doch die hat man lange nicht ernst genommen. Höchstens in Hollywood, wo solche Allmachtsphantasien für spannende Filme taugen. Doch die Wirklichkeit ist härter als Hollywood. Was sich NSA und andere Geheimdienste leisten, nämlich Rechtsbruch im großen Stil, Tag für Tag, in Millionen Fällen, das sprengt einfach alles.

Praktisch jeder, der regelmäßig online geht oder ein Mobilgerät benutzt, ist Opfer der NSA-Spähaktionen. Jeder. Tag für Tag. Doch das veranlasst unsere Politik nicht, sich gegen diesen massenhaften Rechtsbruch durch befreundete Nationen zu stemmen. Selbst aufrichtige Empörung ist zu viel verlangt. Nur das Belauschen des Kanzlerinnen-Handys ist ein Thema. Generalbundesanwalt Range jedenfalls ermittelt nur in einem einzigen Fall: Weil die ARD: NSA das Kanzlerinnen-Handy abgehört hat. Mehr nicht. Die Millionen anderen Rechtsverstöße, die täglich passieren, spielen keine Rolle.


Generalbundesanwalt Range begründet Ermittlungen in der Abhör-Affäre

Das Recht auf Privatsphäre ist aufgehoben
Die Botschaft aus Berlin scheint klar: Wir scheren uns nicht darum, dass massenhaft Rechtsbruch begangen wird. Wir schützen Euch nicht. Insgeheim finden wir das alles sogar klasse - solange das Kanzlerinnen-Handy nur tabu bleibt. Wie sonst sollte man diese Un-Kommunikation der Regierung in Sachen NSA verstehen? Die Opposition versucht immerhin, die Affäre dem Vergessen zu entreißen und ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen. Das ist zwar auch nicht genug - aber immerhin.

Irgendwie wird aber wohl erwartet, dass wir uns an die Totalüberwachung gewöhnen sollen. Ich will mich aber nicht daran gewöhnen. Im Gegenteil. Dass die Überwachung außerdem gar nichts bringt - jedenfalls bleiben die Betreiber der Überwachung jeden Beweis schuldig, dass dadurch irgendwelche nützlichen Erkennitsse gewonnen werden -, ist ebenfalls klar. Schlimmer noch: Man muss davon ausgehen, dass die Erkenntnisse der NSA zum Beispiel für Drohnen-Angriffe genutzt werden. Wer weiß, wofür sonst noch alles. Wer hier schweigt, macht insgeheim mit.

Die Welt in online und offline zu unterteilen, was immer wieder und auch gerne gemacht wird, ist ein riesiger Fehler. Es gibt nicht zwei Welten. Es gibt nur eine. Die Online-Welt ist Teil des "echten" Lebens, begleitet uns heute rund um die Uhr. Wenn sich Geheimdienste da mit brachialer Gewalt reindrängen, dann geht uns das alle an. Es verändert uns. Keine Privatsphäre mehr zu haben, das ist nicht nur deprimierend - es ist eine dauerhafte Verletzung der Menschenrechte.

Ja, alles für den Antichrist,
die Auskundschaftung durch NSA & Co. ist nur eine Vorstufe.
Als nächstes - so planen die Illuminaten, wirklich! - muss jeder Mensch einen Chip an der rechten Hand (mit einer Spritze) implantieren lassen um vollständig kontrolliert zu werden. Das geschieht natürlich zu unseren Vorteil, wie man uns sagen wird...

Stefan C. am 5.06.14 21:07

Leider muß ich den obrigen Aussagen widersprechen. Recht ist bekannterweise immer der kodifizierte Wille der Machthaber, und die sind seit dem 8.5.1945 in Deutschland immer noch die Besatzungsmächte, denn in Abwesenheit von Souveränität, Verfassung und Friedensvertrag - wir befinden uns im Zustand einer Kapitulation der Teilstreifkräft - und sind Feindstaat gemäßt Charta der UN. Lesen Sie deshalb einmal das Grundgesetz, Zitat: Der Bund trägt die Kosten der Besatzung (sic!) - und, viel wichtiger: Die Beschlüsse und Erlasse der Besatzungsmöchte stehen OBERHALB des Grundgesetzes. Die Konsequenz daraus ist: Es wird kein deutsches Recht gebrochen, weil deutsches Recht nicht gilt. Deutschland bezahlt (im Moment) sogar die amerikanischen Abhöranlagen. Deutschland kann und darf sich nicht auflehnen. Und kein Staatsanwalt kann amerikanische Einrichtungen in Deutschland betreten. Er darf höchstens eine Protestnote überreichen - vor der Tür. Und genau dies will niemand sagen-

Jupps Hund am 7.06.14 17:32

Ach Gottchen - immer noch diese Empörung! Wir haben hier Altersarmut, Kinderarmut, zunehmende Kriminalität, Mangel an gut bezahlten Arbeitsplätzen, Tausende an Aufstockern dank unzumutbarer Niedriglöhne,
Großstädte mit zunehmender Verwahrlosung und immer mehr kiffende
Jugendliche - aber der aufgeschreckte Michel gerät immer weiter in Panik wegen der jahrelangen Überwachung durch Amerika! Erstens: Diese gibt es bereits nicht erst seit Snowden! Zweitens: Wir dürften auch einen BND haben, der nicht nur zum Däumchendrehen da ist! Drittens: Wenn man ein langweiliger Steuerzahler ist, hat man nichts zu befürchten - höchstens dass der der Abhörende dabei einschläft! Viertes: Wir verdanken diesem Abhören durchaus auch unsere bisherige Sicherheit vor islamischen Terroranschlägen. Denn Amerika als gebranntes Kind kann die salafistische Gefahr viel besser einschätzen, wie wir gutgläubigen Michels...

Maria A. am 10.06.14 23:16

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