Mittwoch, 18.06.2014

Facebook muss europäischer werden

Amerikanische Onlinedienste zeigen sich meist selbstbewusst, seltener verständnisvoll. Wenn das Thema Datenschutz aufkommt, dann wird gerne argumentiert, es gelte amerikanischer Datenschutz, nicht der deutsche - bestenfalls der europäische. Oder es wird die Karte mit der "nationalen Sicherheit" gezogen. Alles streng geheim und vertraulich. Die US-Regierung darf alles wissen, der Rest der Welt nichts, schon gar nicht die User.

Die Onlinedienste nehmen immer den Standpunkt ein, der ihnen gerade am besten passt. Es wird ihnen allerdings auch leicht gemacht. Denn Daten sind unsichtbar. Niemand kann so ohne weiteres sagen, welchen Weg Daten eigentlich gehen und wo sie gespeichert werden - oder welche Behörden oder Geheimdienste sich daran bedienen.

Smartphone mit sozialen Netzwerken; Rechte: dpa/Picture Alliance
Soziale Netzwerke im Smartphone


Mehr Rechte für den Verbraucher
Genau darum geht es beim Rechtsstreit des Österreichers Max Schrems, der in Dublin geklagt hat - weil die EU-Datenschützer nicht gegen Facebook vorgehen wollen. Welche Daten erhoben werden, welche gespeichert bleiben und wer sich am Datenpool bedienen darf - bei Facebook alles intransparent. Man erfährt es nicht mal, wenn man konkret nachfragt, wie der Jurist Schrems. Auf einer Lebensmittelverpackung steht genau drauf, was drin steckt - egal, wo der Inhalt hergestellt wird. Was in Europa verkauft wird, das unterliegt europäischen Gesetzen. Bei Onlinediensten ist das bislang nicht so klar.

Man kann es den US-Onlinediensten nicht einmal vorwerfen: Wenn die Regeln nicht klar und eindeutig sind, ist es doch logisch, dass sie versuchen, die für sie günstigste Auslegung heranzuziehen. Das könnte durch das jüngste Urteil des High Court aus Dublin anders werden. Daten, die in Europa erhoben und für europäische Zwecke gespeichert werden, unterliegen auch dem EU-Datenschutz - das hat ein Gericht jetzt klipp und klar festgestellt. Die Datenschützer müssen aktiv werden.


Europäische Daten in die EU
Es führt kein Weg daran vorbei: Daten von EU-Bürgern müssen auch in der EU gespeichert werden - und dort bleiben. Es müssen die Spielregeln der EU gelten. Und sollten amerikanische Geheimdienste der Ansicht sein, sie müssten Daten anzapfen, dann brechen sie auf jeden Fall geltendes Recht. Daten sollten verschlüsselt und aufwändig vor Zugriffen Dritter geschützt werden, ob Hacker, Kriminelle oder Geheimdienste. Es muss wirklich dringend was passieren.

Jetzt geht es darum, das Thema vor dem europäischen Gerichtshof auszufechten. Die Initiative WWW: Europe-vs-Facebook sammelt Geld dafür.

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Dienstag, 17.06.2014

Gronkh - der König der Parallelwelt

Es dauert wohl nur noch gut zwei Wochen, dann wird der erfolgreichste YouTuber in Deutschland die Marke von drei Millionen Abonnenten durchbrechen. Drei Millionen Abonnenten. Es gibt Fernsehsendungen, die wünschen sich so viele Zuschauer. WWW: Gronkh hat sie. Seine Videos kommen zusammengerechnet auf mehr als eine Milliarde Abrufe, sein erfolgreichstes auf mehr als zehn Millionen Klicks. Das ist irre.


"Let's Play Minecraft" - in dieser Reihe hat Gronkh mittlerweile mehr als 1.000 Videos veröffentlicht, die nichts anderes zeigen als das Computerspiel plus Kommentar.

Man mag die Videos banal finden, den Kommentar für inhaltsleere Plapperei halten und das Zugucken für Zeitverschwendung. Aber Gronkh ist Kopf eines Massenphänomens: Millionen Nutzer verbringen Zeit damit, anderen beim Computerspielen zuzuschauen, nicht nur Teenies, die den Großteil ausmachen, sondern auch immer mehr Erwachsene. Mit WWW: "Twitch" gibt es mittlerweile sogar eine ganze Plattform, die Liveübertragungen von Computerspielen anbietet - vom Sport über die Strategie bis zum Egoshootern.

Diese Videos nennen sich Let's-play-Videos und könnten auch als eine neue Form der Sportberichterstattung bezeichnet werden, mit dem Unterschied: Die Sportler, also die Spieler, sind gleichzeitig die Kommentatoren. Gronkh ist damit nur in Deutschland der erfolgreichste YouTuber. Weltweit ist es WWW: PewDiePie aus Schweden mit über 27 Millionen Abonnenten - mehr als Justin Bieber und Lady Gaga zusammen. Er verdient angeblich über die Werbeeinblendungen bei YouTube mehr als 100.000 Euro im Monat.

Let's-play-Videos sind erstens Kaufberatung: Je mehr ich von dem Spiel sehe und davon, wie viel Spaß es macht, desto eher kaufe ich es auch. Let's-play-Videos sind zweitens Unterhaltung: YouTuber wie Gronkh und PewDiePie sind die Stars einer ganzen Generation. Let's-play-Videos sind drittens Ratgeber: Wer selbst spielt, kann sich bei Profis abgucken, wie er in den Computerspielen weiterkommt und besser wird.


"YouTube and the new news": Auf der re:publica in diesem Jahr ging es unter anderem darum, wie Deuschlands erfolgreichste YouTuber mit der Verantwortung umzugehen, eine komplette Generation mit ihren Videos zu beeinflussen.

Was aber einer der spannendsten Aspekte ist: Gronkh kommt wie WWW: Y-Titty und WWW: LeFloid auf beeindruckende Zugriffszahlen - außerhalb von YouTube sieht, hört oder liest man aber kaum etwas darüber. Was dort passiert, wirkt wie eine Parallelwelt, deren Köpfe gerade zu den Stars einer Generation heranwachsen: mit neuen Nachrichtensendungen, Ratgebervideos oder Comedyformate - nicht im Fernsehen, aber mit Millionen Fans.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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Montag, 16.06.2014

Weltreise per Drohne

Eine kleine virtuelle Weltreise gefällig? Nicht etwa wie vor zehn Jahren per Google Earth oder vor sechs Jahren per Street View - sondern wie es sich fürs Jahr 2014 gehört per Drohne? Dann empfehle ich: WWW: TravelByDrone - eine Weltkarte voller Drohnenvideos.

TravelByDrone; Rechte: travelbydrone.com
Hinter der TravelByDrone steckt der Schweizer Drohnenfan Jan Hiersemenzel. Er wählt jedes einzelne Video auf der Weltkarte von Hand aus.

Pins auf der Karte zeigen die Orte, für die es Drohnenvideos gibt - über das Suchfeld könnt ihr auch direkt eingeben, welche Gegend, welche Sehenswürdigkeit oder welches Naturwunder ihr von oben sehen möchtet. Klickt ihr auf einen der Pins, öffnet sich das passende YouTube-Video dazu und nimmt euch mit auf die Reise.

Sind einige beeindruckende Videos dabei, ganz bestimmt. aber wenn wir über den Schutz der Privatsphäre reden, hier werden Wohnhäuser und Bürogebäude abgeflogen und gefilmt, man kann z.T. jedes Detail auf dem Schreibtisch erkennen, vielleicht sogar über die Schulter am Bildschirm mitlesen. Und im zigten Stock macht man sich eigentlich keine Gedanken mehr über Spanner... Ganz abgesehen davon ist das zumindest in der Stadt ja auch ein gewisses Risiko, wenn da so ne Drohne rumflattert...

dobby.s am 17.06.14 7:32

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