Montag, 01.09.2014

Somebody: Die Messaging-App, die keine Textnachrichten versendet

Miranda July ist eine Frau, die so viele Jobtitel hat, wie andere zweite Vornamen. Die Amerikanerin ist Regisseurin, Drehbuchautorin, Schauspielerin, Schriftstellerin, Musikerin, Künstlerin und jetzt hat sie auch noch eine App herausgebracht: eine "Messaging"-App.

In Konkurrenz mit anderen Messaging-Apps tritt July aber mit ihrer App Somebody bestimmt nicht. Zwischen der Nachrichtenübermittlung von Sender und Empfänger steht nämlich eine weitere Person: ein Fremder. Somebody pfeift auf die Privatheit von Nachrichten, sondern fokussiert stattdessen die analoge Interaktion zwischen zwei Menschen. Hört sich kryptisch an? Ja, ein wenig, aber der folgende Kurzfilm, welcher von July für das Luxuslabel und Kooperationspartner Miu Miu gedreht wurde zeigt auf charmante, melancholische und amüsante Art und Weise, welcher Gedanke dahinter steht.

Einem bekannten Menschen etwas zu sagen, was man eigentlich nicht über die Lippen bringt - weil der Mut fehlt oder man sich schämt - sind Gedanken, die hinter Somebody stecken. Somebody: jemand anderes, jemand Unbekanntes, der diese Aufgabe übernimmt und es so viel leichter hat, weil er unbefangen ist.

app.jpg

Das Design der App ist bunt und verspielt. Nach der Anmeldung und dem Zugriff auf die Kontakte, Standortfreigabe, Verifizierung der Mailadresse per SMS-Code und der Einrichtung eines Profils samt Profilbild, kann man endlich loslegen und tatsächlich sehe ich, dass einige Nachrichten in kleinen Wölkchen "herum-floaten" und darauf warten überbracht zu werden.
Innerhalb des Schriftfeldes ist sogar Platz für Regieanweisungen, damit der Überbringer die Nachricht auch akkurat "performen" kann.

Ob sich Somebody tatsächlich etablieren wird, bleibt dahingestellt. Auf der WWW: Facebookseite der Künstlerin wird Miranda July regelrecht bestürmt die App, die bisher nur für iOS verfügbar ist, auch für Android zu entwickeln. Einige Early Adopter sind schon dabei - unbekannterweise - Nachrichten mit Somebody zu übermitteln.
Auf einem WWW: Tumblr kann man außerdem nachverfolgen, wer schon alles über Somebody Nachrichten übermittelt und erhalten hat. Sogenannte "Somebody Hotspots" sind auf der WWW: Website ausgeschrieben und weisen darauf hin, dass an diesen Orten mit akuter Somebody-Übermittlung zu rechnen ist, wie z.B. auf der Biennale.

july.jpg

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache eine fremde Person anzusprechen und intime, persönliche und sensible Nachrichten zu überbringen. Abgesehen davon, dass man seinen Standort für alle Somebody Nutzer frei gibt. Dennoch bin ich gespannt, wie sich Somebody entwickeln wird. Momentan ist die App noch ein wenig unübersichtlich und lässt bei der Benutzung noch einige Fragen offen.

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Montag, 01.09.2014

Google Street View - jetzt auch mit Ton

Wenn ihr gerne per Google Street View um die Welt reist, könnte das Projekt WWW: "Sounds of Street View" etwas für euch sein. Dessen Macher haben Orten des virtuell begehbaren Stadtplans Geräuschkulissen verpasst - von Akkordeonklängen und Kirchenglocken in Avignon über spielende Kinder in San Diego bis zum Meeresrauschen auf Hawaii.


Erklärvideo der Firma Amplifon zu "Sounds of Street View"

Eigentlich ist es erstaunlich, dass Google selbst nicht auf die Idee gekommen ist, mit seinen Kameraautos auch gleich die Geräuschkulissen vor Ort aufzunehmen. Mit "Sounds of Street View" setzt die britische Firma Amplifon diese Idee jetzt um und ruft auch gleich Entwickler weltweit zum Mitmachen auf.

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Freitag, 29.08.2014

Warum die Cloud Müll vermeiden hilft

Ich habe in den letzten Tagen mein Büro aufgeräumt. Das war dringend nötig: Es hat sich jede Menge Kram angesammelt. Softwareboxen. Hardware. Rohlinge. Zeitschriften. Solche Sachen. Unterm Schreibtisch lagen mehr Kabel als bei einer Fernsehübertragung des WDR. Was daran liegt, dass ich gelegentlich Geräte wieder abstöpsle, aber zu bequem bin, das zugehörige Kabel zu entfernen - ist müsste dann ja genau dieses Kabel aus dem Kabelsalat entfernen. "Später", denke ich dann. Jetzt war später, und bei einigen Kabeln weiß ich beim besten Willen nicht mehr, wozu sie eigentlich gut sind (oder waren).

Vermeidbarer Müll: Boxen, Sticks, Handbücher, Festplatten und Rohlinge; Rechte; WDR/Schieb
Vermeidbarer Müll: Boxen, Sticks, Handbücher, Festplatten und Rohlinge


Weg mit CD-Brennern, Sticks und Rohlingen
So ist das in der IT-Welt: Hier dreht sich alles ziemlich schnell. Was heute noch hipp ist, das ist morgen schon ein alter Hut. In der Folge entsteht völlig unnötiger Müll. Ich habe jede Menge Softwareboxen weggeschmissen. Handbücher, in die ich niemals reingeschaut habe. Rohlinge vom CDs und DVDs, wieder beschreibbare CDs und DVDs. USB-Sticks. Kleinere externe Festplatten (10 GB). Dongles (spezielle Stecker, damit Software nicht geklaut und nur auf einem Rechner benutzt werden kann.) DVD-Brenner. Weg damit. Brauche ich alles nicht mehr, denn ich nutze die Cloud.

Die viel gescholtene Cloud: Sie bringt durchaus eine Menge Vorteile. Ich muss Daten nicht mehr per USB-Stick vom einen auf den anderen Rechner übertragen. Oder zumindest nur noch selten. Ich kann auch große Mengen von Daten (Fotos etwa) in der Cloud speichern, muss sie also nicht mehr umständlich auf CDs oder DVDs packen. Und Software kommt heute entweder als Download aus dem Netz (also ohne Datenträger) oder läuft sogar direkt und komplett in der Cloud. In beiden Fällen: Keine Boxen, keine Datenträger, keine Handbücher. Weniger Müll.


Die Datenwolke Cloud: Vor- und Nachteile


Cloud hilft Müll vermeiden
Seitdem ich mehr auf die Cloud setze, ich Blog: scanne sogar Dokumente und speichere sie auf meinen Festplatten und teilweise in der Cloud, verringern sich meine Papierberge sichtbar. Ich bekomme kaum noch Demoversionen von Software zugeschickt. Ich muss weniger auspacken, weniger zurückschicken und weniger entsorgen. Ich finde das ungemein praktisch. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher lese ich zwar noch - ich mag hochwertige Bücher sehr -, aber auch immer weniger. Nachschlagen geht im Netz schneller und bequemer. Dafür muss man kein Papier bedrucken.

Natürlich: Wer Daten in der Cloud speichert, geht ein gewisses Risiko ein. Da muss eine Menge passieren: Der Gesetzgeber muss reagieren, die Anbieter müssen besser werden, wir müssen mehr verschlüsseln. Aber es gibt ja Blog: durchaus sichere Lösungen. Mein nun aufgeräumtes Büro gefällt mir jedenfalls sehr gut. Jetzt muss ich allerdings aufpassen, dass meine Online-Festplatten nicht zumüllen.

Irgendwie komisch, dass die Kostenfrage einer Cloud immer so ganz diskret außen vor gelassen wird.
Wer zukünftig alle gewohnten Programme via Cloud nutzt, zahlt recht schnell eine nicht eben kleine monatliche Summe. Genau DAS ist aber die Absicht der Softwarehersteller, denn dann wird erheblich besser verdient. Merkt das eigentlich keiner? Der scheinbare Vorteil der Cloud ist der größte Nachteil!

Ulli Zauner am 29.08.14 13:45

Naja ... ich sehe die Cloud ebenfalls skeptisch. Abgesehen vom Datenschutz - da hat man einen Hochleistungsprozessor im Rechner, genuegend RAM und eine grosse Festplatte. Warum soll ich dann meine Daten irgendwo anders hinladen, um sie dort zu verarbeiten und wieder herunterzuladen ? Und kann ich mich darauf verlassen, dass meine Daten auch nach 5 oder 10 Jahren noch da sind ? Ich mache Astrofotografie - da kommen pro Nacht schnell ein paar Gigabyte zusammen. Es wuerde Ewigkeiten dauern, diese Daten durchs Internet zu jagen um sie woanders zu speichern. Ich denke, auf meiner Festplatte sind sie besser aufgehoben (natuerlich mit 1-2 Backups). Und ich kann die Daten auch dort verarbeiten, wo ich keinen Internetzugang habe. Andauernd heisst es, das Internet gerate in Kapazitaetsnoete - und dann soll so viel Bandbreite durch unnoetiges "Cloud-Computing" verloren gehen ? Ein sittlicher Naehrwert erschliesst sich mir nicht.

Inglaterra am 29.08.14 16:46

Das mag für die "Minisinglewohnung" und den coolen PC User der mehr im Internetcafe als zu hause ist sinnvoll sein. Mehr Probleme machen die vielen Kabel. Man hätte sich die 7.1 Anlage sparen können, kabellose Maus und Keyboard anschließen, dann wird es schon weniger. Ich persönlich setze zur langfristigen Datensicherung auf die gute alte DVD. Sofwaremüll war doch auch fast einmal, ich hatte schon lange keine verpackte Software mehr. Dafür gibt es die Altpapiertonne, gelben Sack und Restmülltonne die jeder Haushalt hat. Dann noch Werstoffhöfe. Nein, ich bleibe selbstständig für meine Daten.

MG am 29.08.14 18:49

100% Zustimmung bis auf die kabellose Tastatur und Maus. Da sind immer die Batterien alle, und die Maus kann verloren gehen, waehrend man bei der verkabelten Maus einfach solange am Kabel zieht, bis das Ding aus dem Schreibtischchaos wieder auftaucht. ;) Schoenes Wochenende ...

Inglaterra am 29.08.14 19:09


Warum soll die Cloud besser sein als die lokale Speicherung in Terabyte-Festplatten? Eine Netzwerkfestplatte, vielleicht gar als RAID erscheint mir sicherer als die Cloud. Wenn man unkritische Daten von sensiblen Daten konsequent trennt, kann man von den unkritischen ein zusätzliches Backup in der Cloud speichern, warum nicht?

Kritische Daten im Sinne des Datenschutzes kämen mir niemals in die Cloud! Wäre ich Krypto-Experte, dann vielleicht als verschlüsseltes Backup. Die wirklich wichtigen und gleichzeitig sensiblen Daten sind meistens nicht so umfangreich. Da würde eher ein paar Datenträger mit den verschlüsselten(!) Backups außer Haus deponieren.

Die Cloud mag eine zusätzliche Sicherheit bieten im Sinne von Redundanz. Als alleiniger Speicherort wird sie wieder zum Risiko. Das gilt ganz unabhängig von der Frage des Datenschutzes. Dazu kommt der Datenschutz. Ein investigativer Journalist legt seine Daten hoffentlich nicht in die Cloud!

Bertram in Mainz am 29.08.14 23:54

Lustig wenn ein"erfahrener"(?)It-Journalist es nie auf die Reihe gebracht hat seine Kabel mit einem beschrifteten Faenchen zu versehen.Mit der Cloud hat dies genau so viel zu tun wie seine Unfahigkeit obsolete Fachliteratur in der Blauen Tonne zu entsorgen.Einem Cloud Anbieter traut man grundsaetzlich nicht-insbesonders wen der einem anbietet die Daten zu verschluesseln!Spideroak vertra ich daher nicht-selbst wenn Herr Snowden dies nutzt!Wenn schon Cloud-dann nur wenn man_vorher_die Daten selber verschluesselt,mit einer Vertrauenswuerdigen Software und die_muss_in so einem Falle Open Source sein!Abgesehen davon,selbst mit dieser lustigen IT-Initiative der GroKo bleiben die Uebertragungsraten in der BRD immer noch unterirdisch-ob nun down,oder besonders aber up.Abgesehen davon-"aus den Augen aus dem Sinn"-gilt bei der Cloud besonders.Was ich nicht taeglich vor Augen habe,das stoert ja erst einmal nicht-also muellt die Cloud noch besser voll,als es zu Hause jemals passieren koennte

Kabelsalat am 30.08.14 8:45

Eigentlich liegt mir Schadenfreude nicht, aber bei so viel (gefährlicher) Naivität freue ich mich - inmitten meiner Datenträger - auf den Tag, an dem Jörg Schiebs cloud sich - egal ob wegen eines technischen Fehlers oder aus kriminellen Absichten - in Wohlgefallen auflöst. :-)

Auf das andere daraus lernen werden!

thor am 30.08.14 14:29

@Inglaterra lustig,meine steckt in einem Ladegeraet und auch fuer die Tastatur gibt es ein Ladegeraet.Das Ladegereat fuer die Maus kommt immer nach beendigung der Session zum einsatz,das fuer die tastatur wenn die zugehoerige Software eine warnung auf den Monitor sendet.So einfach kann das Leben sein wenn man nur danach sucht. ;) @thor-nur nicht vergessen deine Datentraeger ab und an hervorzuholen und die wirklich wichtigen Dinge umzukopieren.Gibt genug "gesicherte Daten"auf die es mangels hard,oder passender software keinen Zugriff mehr gibt.

Kabel los am 30.08.14 16:41

@thor: Ich gönne jedem seine Schadenfreude... Aber es soll CDs, DVDs, Festplatten und auch Rohlinge geben, die durchaus schon mal ihren Geist aufgeben und nicht mehr gelesen werden können. Das ist mir sogar schon häufig passiert. Daten in der Cloud sind mir bislang noch nie abhanden gekommen, vielleicht liegt es daran, dass sie bei den meisten Hostern redundant gespeichert werden, um genau das zu vermeiden. :) und wirklich wichtige daten lassen sich mühelos an verschiedenen stellen backup-en.

Jörg Schieb am 30.08.14 16:58

Hm wer sichert denn in die Cloud die meisten DSL anschlüsse (sofern man überhaupt einen hat) haben doch nicht mal 1Mbit Upload das dauert doch ewig bis man seine Daten dahin gesichert hat?

Dieter am 1.09.14 10:59

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