Donnerstag, 30.04.2015

Woher kommt eigentlich das "@"?

Es kommt nicht nur in jeder E-Mail-Adresse vor - und zwar ohne Ausnahme -, sondern wird auch immer wieder gerne als Symbol fürs Netz ganz allgemein verwendet. Das "@"-Zeichen ist so populär wie kaum ein anderes Sonderzeichen auf der Tastatur. Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal gefragt, woher das merkwürdige Kringel-Symbol eigentlich kommt. Denn es war auch schon auf den Tastaturen drauf, bevor man damit E-Mail-Adressen eingetippt hat. Es war aber auch nicht einfach plötzlich da. So viel kann ich schon mal verraten: Das Symbol selbst gibt es schon ziemlich lange, nur wurde es in der Prä-Internet-Zeit kaum verwendet.

Der Klammeraffe hat eine lange Geschichte; Rechte: dpa/Picture Alliance
Der Klammeraffe hat eine lange Geschichte


Zum ersten Mal im Mittelalter verwendet
Meine Recherchen über die Herkunft des Klammeraffens haben mich bis ins Mittelalter verschlagen. Historiker haben das Zeichen in alten Schriften entdeckt und konnten es tatsächlich bis in ein Kloster im Mittelalter zurückverfolgen. Dort war einem faulen Mönch das Wörtchen "WWW: ad" (lateinisch, bedeutet so viel wie "zu" oder "an") zu lang. Deshalb hat er einfach ein neues Zeichen erfunden: Der findige Geistliche hat die beiden Buchstaben "a" und "d" zu einem neuen Zeichen verschmolzen. Ein Zeichen, das dem heute bekannten "@" schon recht ähnlich war.

Wenig später, im 15 Jahrhundert, hat es der Klammeraffe dann aus dem Kloster ins richtige Leben geschafft. Iberische Kaufleute haben das kunstvoll geschwungene Zeichen für sich entdeckt. Die Kaufleute haben die ursprüngliche Bedeutung des Zeichens einfach komplett ignoriert und machten es zur Abkürzung für die damals zum Abwiegen von Stieren und Wein gebräuchliche Gewichtseinheit WWW: Arroba. Ein Arroba sind rund 11,5 Kilogramm oder 16,17 Liter. Wieviel "@" wohl ein ausgewachsener Stier wiegt?

Im Millteralter in einem Kloster
Im Millteralter in einem Kloster "erfunden"


Zum ersten Mal im Mittelalter verwendet
Während der Renaissance wurde das "@" wieder anders benutzt, diesmal als Abkürzung für "zu". Man konnte über den Markt schlendern und Schilder sehen, auf denen geschrieben stand: "2 Äpfel @ 10 Schilling". Gibt's heute auf manchen Märkten immer noch zu sehen. Später, während der industriellen Revolution, ist das "@"-Zeichen dann vor allem in der Buchhaltung populär geworden. Das zumindest war ein logischer Schritt, wenn schon so viele Kaufleute das Zeichen kennen - und verwenden.

Irgendwann schaffte es der Kringel dann auch auf Schreibmaschinentastaturen. Im angelsächsischen Raum wurde das "@" danach vor allem in der Bedeutung von "an" oder "bei" verwendet. Bis das Internet seinen Siegeszug angetreten ist. Als die E-Mail-Adresse erfunden wurde, braucht man ein Bindeglied für Name und Ort - da bot sich das "@"-Zeichen an. Seitdem steht der Klammeraffe symbolisch fürs Internet und ist zu einem der wichtigsten Zeichen der Neuzeit geworden.

Warum wir Klammeraffe dazu sagen? Das machen nur wir Deutschen. Grund sollen die kleinen Plastikäffchen sein, die in den 70er Jahren (der Geburtsstunde der E-Mail) als Modeerscheinung an vielen Gläsern baumelten.

Beim Klammeraffen-Zeichen dachte ich immer an den langen Greifschwanz der (echten) Klammeraffen. Im Inneren des "@" ist gewissermaßen das kleine Äffchen, drumherum der lange Greifschwanz.

Bertram in Mainz am 30.04.15 22:06

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Donnerstag, 30.04.2015

Instagram plus Tinder plus Gaming-App

WWW: Mission: Pic macht aus einer klassischen Foto-App ein Spiel. Jeden Tag geben die Macher eine Aufgabe vor, und zwar ein Motto, zu dem User Fotos machen können. Lautet die Aufgabe "Metal", könnt ihr zum Beispiel die Nahaufnahme einer Getränkedose posten, einen besonders schönen Aufzug oder die Crowd beim AC/DC-Konzert. Anschließend wird per Voting ein Tagessieger ermittelt. Das funktioniert wie bei der Dating-App Tinder: Fotos, die euch gefallen, schiebt ihr nach rechts, alle anderen nach links.

Mission: Pic; Rechte: Mission: Pic, LLC
"Mission: Pic" gibt jeden Tag ein neues Motto für die Fotos vor.

Ob der Ansatz funktioniert? Einerseits wird es mit der Zeit langweilig - schließlich nutze ich Apps und soziale Netzwerke nicht, um irgendwelche Aufgaben ihrer Macher zu erfüllen. Andererseits könnte ab und zu ein kleiner Wettbewerb, organisiert zum Beispiel über Hashtags, auch den Alltag bei Instagram, Facebook oder Twitter auflockern.

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Dienstag, 28.04.2015

Google reicht Verlegern einen Strohhalm

Über die zunächst für drei Jahre finanzierte digitale Nachrichteninitiative kann Google mit lächerlichen 50 Millionen Euro pro Jahr das milliardenschwere Geschäftsmodell von Google News absichern. Neben der „Frankfurter Allgemeinen und der „Zeit" beteiligen sich weitere sechs europäische Zeitungen und mehrere Branchenverbände an der Initiative.


Zeitungen; Rechte: WDR/Peter Welchering
Zeitungen bei News-Initiative

Google ist dabei in erster Linie daran interessiert, sich als freundlicher Geldgeber für Verleger und Journalisten in Szene zu setzen. Der Konzern setzt darauf, dass bei so viel Mildtätigkeit, auch die Berichterstattung über das von der EU-Kommission betriebene Verfahren wegen Wettbewerbsbehinderung etwas milder ablaufen wird.


Recht auf Pressefreiheit; Rechte: WDR/Peter Welchering
Pressefreiheit: Vom Gesetz gesichert und vorgeschrieben

Die Zeitungsverleger nehmen die Brosamen vom Tisch der Mächtigen aus dem Silicon Valley gern, weil sie mit ihrem völlig untauglichen Leistungsschutzrecht gescheitert sind und damit keine nennenswerten Einnahmen generieren konnten. Außerdem hoffen sie, einen starken Verbündeten an ihrer Seite zu haben, der ihnen den Weg in die digitale Zukunft ihrer Zeitungen zeigt.

Verlegerischer Offenbarungseid

Denn den finden sie aus eigener Kraft nicht, weil sie mit dem Rücken zur Zukunft stehen. Im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger konnte man sich ja nicht einmal auf ein gemeinsames Bezahlmodell für Zeitungen im Internet einigen. Lieber kannibalisierten sie ihre Print-Produkte durch Kostenlos-Angebote im Netz.

Nachrichten Online-Angebote; Rechte: WDR/Peter Welchering
Kannibalisierung der Print-Produkte im Netz

Statt eine zukunftsfähige Digitalstrategie zu entwickeln, springen sie auf jeden angeblichen Online-Trend auf und haben damit Milliarden versenkt. Ihre Renditen sind während der vergangenen Jahre weggeschmolzen, was nicht wenige Verlagshäuser veranlasst hat, lieber auf das Modell des kostensenkenden Barfuss-Journalisten zu setzen.

Job-Angst lässt Journalisten mitmachen

Beide strategischen Ansätze sind erfolglos geblieben. Deshalb machen sich die Verleger auf, neue Geldquellen zu erschließen. Und die hauptamtlichen Funktionäre in den Journalistenverbänden machen kräftig mit. Denn wenn bestimmte Geschäftsmodelle im Journalismus nicht mehr funktionieren, haben nicht nur die Verleger Schaden zu beklagen, sondern die Verbandsfunktionäre den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Deshalb greifen sie nach dem Strohhalm, den Google ihnen reicht. Dass sie damit mit einem Monopolisten gemeinsame Sache machen, dessen Geschäftsinteressen sich gerade nicht mit Meinungs- und Medienfreiheit decken, sondern eher Big-Data-gestützte Meinungstrends implementieren wollen, darf im totalen Kampf des Strukturwandels doch nun wirklich niemanden interessieren - oder?

"Lächerliche 50 Millionen Euro"? Das steht im Blog eines Senders, dessen Intendant wegen einer "lächerlichen" 100 Millionen Euro Lücke bis 2020, nur noch auf Wiederholungen setzt und die beliebteste Sendung, die Lokalzeit, zusammenstreicht? Sind schon witzige Menschen, die beim WDR arbeiten...

Peter Lustig am 28.04.15 21:30

Und der Artikel kommt vom WDR. Wo der Leser kaum noch Artikel kommentieren darf und wenn sind es nur Themen die sich kaum lohnen zu kommentieren, der sich aber gleichzeitig über die Rundfunkgebühren finanzieren lässt. Es soll ja Kollegen geben die es nicht so gut haben und auch schauen müssen das ihre Artikel verkauft werden und auf die Leser somit angewiesen sind.

Markus am 29.04.15 6:36

Lieber Markus, ich finde dieses Thema schon wichtig. Viele Journalisten arbeiten prekär. Sie müssen sich selber versichern, sie müssen sich alleine um ihre Altersvorsorge kümmern. Kurzum, den Verlegern geht es nicht gut. Dennoch ist Deutschland das Land der Ideen. Man muss unglaubliche Ideen entwickeln, um weiteren Unheil abwenden zu können. "Wir brauchen Ideen, Innovationen und Gründergeist." Ideen und Innovationen mögen vorhanden sein. Der Gründergeist? Derzeit nicht verfügbar!

LiFe am 29.04.15 8:31

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