Dienstag, 24.06.2014

Kommunikationschaos dank Gruppenchats

Ich bin Mitglied von 27 Gesprächsgruppen bei WhatsApp! Hört sich nach Selbsthilfegruppe an? Stimmt genau. Und ich glaube, die brauche ich bald tatsächlich.

Als Nutzerin der "ersten Stunde" habe ich nur die WhatsApp-Gruppen gezählt, die dieses Jahr gestartet wurden. Mit wem da getextet wird und über was? Skiurlaub-Mitreisende und Sportkurs-Mitleidende sind fein säuberlich eingruppiert und die Bandbreite der Themen reicht von der Junggesellinnenabschiedsorganisation und Urlaubsplanung bis hin zur Grilltreff-Gruppe, Familiengruppe, Familiengruppe der besseren Hälfte und so weiter und so fort. Das ist ja alles schön und gut, wären da nicht noch weitere Plattformen und Kommunikationswege.

Facebook, iMessage, Hoccer XO (eine Threema-Alternative) und natürlich E-Mails helfen dabei, mich immer häufiger zur Weißglut zu bringen. Die Organisation eines einfachen Grillabends mit Freunden, bei dem jeder etwas mitbringt, mündet in wilden Tippereien auf dem Smartphone. Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit von Chatrooms, wo gechattet wurde, nur um zu sehen, wie der eigene Text tatsächlich auf dem Bildschirm erscheint und vielleicht sogar kommentiert wird.

grafik_gruppenchats.jpg

Aber zurück zum eigentlichen Problem: Was als WhatsApp-Chat beginnt, wird auf Facebook oftmals in Einzelgesprächen fortgeführt, dann wird hier, und da noch eine SMS versendet und das Kommunikationschaos ist perfekt. Letztendlich hat die einfache Frage, wer was zum Grillen mitbringt, zu einer ellenlangen Diskussion geführt und ich sehne mich ein bisschen nach früher. Früher (manche praktizieren dies angeblich auch heute noch) hat man nämlich telefoniert. Man plante einen Grillabend, rief jeden seiner Freunde an, machte sich nebenbei auf einem Zettel eine Liste, wer das Brot und wer Tomate-Mozzarella mitbringen sollte - basta.

Besonders verhasst: Die Ein-Wort-SMS

Heute geht das nicht mehr. Die andauernde Erreichbarkeit führt zu enormer Unverbindlichkeit. Immer wieder erinnern uns Nachrichten daran, dass eine Verabredung ansteht. Am Tag selbst wird noch mal die Uhrzeit nachgefragt. Kurz vorher die Wegbeschreibung angefordert. Sind wir nicht mehr in der Lage fünf Informationen auf einmal abzuspeichern? Das wäre traurig. Wahrscheinlicher ist die Tatsache, dass wir uns einfach zu sehr auf unsere "mobilen Endgeräte" verlassen. Da stecken schließlich die Informationen drin, die wir brauchen. Irgendwo in den Tiefen der geführten Konversation. Aber warum überhaupt im Gesprächsverlauf suchen? Lieber schnell eine Frage in den Gruppenchat, da sind genug Leute drin, die antworten können.
Besonders entnervt reagiere ich mittlerweile auf Kurznachrichten von Freunden, denen "kurz" noch zu lang ist. Da werden für eine SMS lieber drei Nachrichten geschickt, von denen jede höchstens drei Worte und ein Smiley beinhaltet. Mein Smartphone kommt unterdessen aus dem bimmeln gar nicht mehr heraus. Kein Wunder also, dass - wie die FAZ WWW: hier berichtet - Oberstufenschüler nach einer zweistündigen Theatervorstellung insgesamt 200 verpasste SMS auf ihren Displays hatten.

Und die Eltern, die sind bestürzt ... Dabei sieht es in den meisten WhatsApp-Verläufen der Erziehungsberechtigten nicht anders aus.

Problem erkannt, Problem gebannt! NICHT!

Mein Problem hab ich zwar erkannt, allerdings noch nicht "gebannt". Eine probate App gibt es leider nicht dafür, oder ich habe sie noch nicht gefunden. Ich nutze zwar gerne Doodle, um Termine mit mehreren Leuten festzumachen, aber eine Alternative zur Absprache von Details ist das auch nicht. Zwei Optionen scheinen am sinnvollsten: Entweder tatsächlich wieder auf mündliche Absprachen, sprich Telefonieren zurückgreifen. Oder eine Art Netiquette für Gruppenchats einführen, bei der man darum bittet, dass: Keine unnötigen Bilder und Videos herumgeschickt werden (Speicherplatz ist rar auf meinem Smartphone); nicht aus einer SMS zehn gemacht werden; und themenbezogen, wie auch zielorientiert getextet wird. Nur ob meine Freunde das so toll finden, das ist die Frage ...

bei mir wird der Googleglasträger den Hack mit dem Kantholz deutlich spüren

Klaus Rüdiger am 27.06.14 22:11

Sehr schöner Artikel! Ich musste sehr schmunzeln, da ich leider auch genau zu denjenigen zähle, die versuchen, sich um das lästige Scrollen - durch die 61 verpassten Nachrichten - zu drücken :)

Chrissy am 30.06.14 17:42

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Dienstag, 24.06.2014

Geld-Origami

Ich bin Expertin in Papierknüllen. A4 bekomme ich so klein wie kein anderer. Im künstlerischen Papierfalten bin ich über Schiffchen und Schwalben hinaus aber eher unbegabt. Dabei kann man Dinge basteln, die mich staunen lassen - und wenn man will, auch mit barem Geld.

Manche Origamis sprengen meine Fantasie und Vorstellungskraft: Wer kommt auf solche Ideen und wie bekommt man bitte eine Papier-Ananas so originalgetreu hin? Wie viele Jahre braucht man für einen Origami-Elefanten und aus wie vielen Teilen besteht ein Papier-Riesenrad mit tausend Knicken und Falten? In der japanischen Papierkunst scheint wirklich alles möglich zu sein!

Papierelefant; Rechte: WDR/Diaz/Bauer

Zum Üben würde ich natürlich Makulatur nutzen. Origami-Fans kaufen sich meist spezielles, quadratisches Papier. Aber das wäre bei mir schon reine Verschwendung. Wer noch eins oben drauf setzen will, kann aber mit Geldscheinen basteln. Und weil mir mein Geld dafür zu schade ist, habe ich meine Scheine Steffi aus Düsseldorf anvertraut. Ihre Schwester heiratet in wenigen Wochen. Steffi möchte ihr Geld schenken, weil der Hausstand bereits komplett ist. Aber das Geld soll nicht einfach platt in einem Umschlag stecken. Also hat sie sich für 1,59 Euro die App "Money Origami" im Play Store runtergeladen (1,79 Euro bei iTunes).

Geld-Origami; Rechte: WDR/Horn

17 Figuren werden hier angeboten, vom einfachen Geld-Herz über Männerhemden mit Ärmeln und Kragen bishin zu dreidimensionalen Blumen, Friedenstauben und Schmetterlingen. Steffi versucht sich zunächst am Herzen und ist nach einer Minute fertig. Ein paar mehr davon lassen sich an Schaschlikspießen befestigen und zu einem künstlichen Blumenstrauß zusammenstecken. Weiter geht es mit einem Schmetterling, der am Ende auf der Blume sitzen soll. In der App zeigen einfache Grafiken in mehreren Schritten, wie das Origami aussehen soll. Es gibt eine Anleitung für die verschiedenen Falttechniken und eine Galerie mit allen Ergebnissen. Der Schmetterling ist aber irgendwie nicht bastelbar. Steffi gibt auf und nimmt doch was leichteres: eine Blume.

Geld-Origami-App; Rechte: WDR/Horn/Bauer

Der Geldschein bekommt zwei spitze Enden. In Schritt vier heißt es: fertig ist das erste Modul, es werden noch zwei weitere benötigt. Diese Information wäre am Anfang der Figur hilfreich gewesen, findet Steffi. Wenn sie nur einen Geldschein verschenken möchte oder keine weiteren hat, hätte sie ein Problem. Gut dass wir nicht mit 50ern angefangen haben. Und im fünften Schritt erfahren wir auch noch, dass fester Dreht benötigt wird, um die einzelnen Elemente zusammen zu halten und den Stiehl zu formen. Die Bume bleibt also auch unfertig und Steffi schnappt sich die Anleitung für die Friedenstaube - die hat die meisten Bastelschritte und stellt sich als sehr kniffelig, aber machbar heraus.

Geld-Origami; Rechte: WDR/Horn

Mit Gegenbrüchen, Bergfalten und Quetschfaltungen entstehen nach und nach Körper, Flügel und Schnabel. Am Ende ist der Geldschein auf ein Fünftel zusammen geschrumpft. Kompliziert und für Steffis Freund Markus auch nicht sofort als Taube identifizierbar. Aber mit etwas Übung bestimmt ein schönes Geldgeschenk. Markus versucht sich am Ende noch selbst an einer Figur und bekommt ein hübsches, kleines Hemd zusammen.

Geld-Origami; Rechte: WDR/Horn

Fazit zur Geld-Origami-App: für über einen Euro nicht wirklich ein Schnäppchen, aber mit netten, meist gut verständlichen und umsetzbaren Ideen. Üben sollte man trotzdem erstmal mit normalem Papier. Nachdem ich übrigens auf mehreren Origami-Seiten im Internet unterwegs war, um mir Falttechniken anzusehen, habe ich plötzlich personalisierte Werbung und kuriose Angebote für Faltenbehandlungen und andere Schönheits-Operationen bekommen. Die Money-Origami-App ist dafür werbe-, wenn auch nicht faltenfrei.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Donnerstag, 19.06.2014

Amazon Fire Phone: 3D-Handy mit Gimmicks

Entsprechende Blog: Gerüchte gab es schon lange. Jetzt will Amazon auch noch ein Smartphone bauen, wurde gemunkelt. Richtig gemunkelt. Amazon-Chef Jeff Bezos hat nun den Vorhang gelüftet: Amazon baut tatsächlich ein Smartphone. Ab Ende Juli soll es in den USA im Handel sein, das Fire Phone. Der Onlinehändler macht damit (wieder einmal) Giganten wie Apple, Samsung oder Google Konkurrenz. Im Tablet-Markt mischt Amazon auch schon lange mit - und durchaus mit Erfolg.

FirePhone mit Jeff Bezos; Rechte: Amazon
FirePhone: Amazon baut jetzt auch Smartphones


Smartphone mit 3D-Effekt
Das Fire Phone ist ein Smartphone, das es mit den Luxusgeräten anderer Hersteller aufnehmen kann, kein Gerät der Billigklasse: Schwarzes Gehäuse, 4,7 Zoll Display, Quadcore-Prozessor mit 2,2 GHz, die Kamera auf der Rückseite löst mit 13 Megapixel auf, die auf der Vorderseite mit 2,1 Megapixel - das kann sich wirklich sehen lassen. Doch das Amazon-Handy hat auch ein paar Besonderheiten zu bieten: Das Display kann 3D-Objekte darstellen, außerdem hat das Smartphone einen Multifunktionsscanner an Bord. So etwas hat bislang kein anderes Gerät zu bieten.

Die 3D-Funktion verblüfft: Man kann das Smartphone bewegen und so den Blickwinkel verändern. Die Aufnahmen bekommen so deutlich mehr Tiefe. Das ist etwas anderes als die klassische 3D-Funktion im Kino oder im Fernsehen. Die 3D-Funktion im Fire Phone ist interaktiv: Der Benutzer bestimmt durch die Bewegung des Geräts, wie er auf das abgebildete Foto gucken möchte. Dazu beobachten vier Sensoren das Gesicht des Betrachters. Der Effekt ist beeindruckend - wenn auch totale Spielerei. Entsprechend präparierte Fotos vorausgesetzt.


Die komplette Pressekonferenz im Videostream


Ein Smartphone erkennt die Welt
Wirklich komplett neu ist eine andere Funktion im Fire Phone: Das Smartphone verfügt über eine besondere Art von Scanner. Die Sensoren im Fire Phone können Geräusche, Musik, Fotos, Bilder und Gegenstände erkennen. Dass ein Smartphone mit entsprechender App ausgestattet ein Musikstück erkennen kann, wissen die meisten. Doch wer das Fire Phone zum Beispiel vor den Fernseher hält, kann den gerade gespielten Film oder die Serie erkennen lassen - und im Fall von Serien sogar die genaue Folge. Sensoren ermitteln die Bilder, das Mikrofon schnappt die Akustik auf.

100 Millionen verschiedene Objekte sollen sich auf diese Weise erkennen lassen, so umfangreich ist die Datenbank bereits. Auch Kunstgegenstände oder Waren - etwa Lebensmittel oder Kleidungsstücke - soll das Fire Phone erkennen können. Und selbstverständlich lässt sich alles sofort bei Amazon bestellen. Knopfdruck genügt. Das Smartphone wird so zur ständigen Einkaufshilfe. Alles, was man sieht oder hört kann man bei Amazon kaufen. Bezos will richtig Kasse machen. Die Idee dahinter ist gut: Einen Kaufimpuls hat man doch häufig, immer dann, wenn man etwas sieht und es gut findet. Aber oft löst sich der Impuls mit der Zeit in Luft auf. Wer aber ein Smartphone dabei hat, das derart schnell reagiert und zum Einkaufen benutzt werden kann, der kauft auch - sicher öfter als andere.

Das Fire Phone kostet mit 32 GB Speicher und Zwei-Jahres-Vertrag bei AT&T immer noch 200 Dollar. Ohne Vertrag gibt's das Smartphone bei Amazon direkt für 650 Dollar. Also alles andere als ein Billig-Handy. Im Bereich der Tablets hat sich Amazon zuerst mit extrem günstigen Geräten versucht. Bei den Smartphones geht Amazon gleich in die Vollen. In den USA startet der Verkauf am 25. Juli. Wann es in Deutschland zu haben ist, steht nicht fest. Es wird noch Monate oder vielleicht sogar Jahre dauern, denn die Datenbank zur Objekt-Erkennung ist das entscheidende Feature. Und die muss erst mal für unsere Bedürfnisse entwickelt werden - das dürfte dauern.

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