Dienstag, 11.08.2015

Aus Google wird Alphabet

Der Umsatz von Google explodiert. Vielleicht hatten die Buchhalter Sorge, dass der Name des Unternehmens irgendwann ironische Realität werden könnte - und die Bilanz tatsächlich eine 1 mit 100 Nullen ausweist, was eben ein WWW: Googol Dollar Umsatz wäre. Aber vermutlich waren andere Gründe entscheidender. Fest steht: Google spaltet sich selbst auf. All die Unternehmen, die mittlerweile unter dem Konzerndach Google versammelt sind, werden eigenständig und unter der neuen Holding namens Alphabet versammelt. Und das nicht etwa irgendwann, sondern sofort.

Google wird zerschlagen: Viele Firmen unter der neuen Holding Alphabet; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google wird zerschlagen: Viele Firmen unter der neuen Holding Alphabet


Aus einem Unternehmen werden ganz viele
Google ist dann also wieder das, was es eigentlich mal war: Eine Suchmaschine. Zumindest im weitesten Sinne, denn unter dem Namen Google werden nun alle Onlinedienste zusammengefasst (und das sind ja auch nicht wenige). Aber all die anderen Investitionen und Experimente, ob die Datenbrille Glass, der Betrieb von Satelliten, die Haushaltsgeräte von Nest, der Betrieb eigener Glasfasernetze, die Investitionen in andere Unternehmen und all die anderen Dinge, mit denen sich Google schon seit Jahren beschäftigt, firmieren jetzt unter der neuen Holding Alphabet.

Das alles soll der Transparenz dienen. Jedes Unternehmen der Gruppe bekommt eine eigene Leitung, alle sind wirtschaftlich sauber voneinander getrennt. Angesichts der Unterschiedlichkeit der verschiedenen Unternehmen ist das zweifellos auch sinnvoll. Und es hat einen angenehmen Nebeneffekt: Es erfüllt die Forderungen von Kritikern und Wettbewerbshütern - und lässt ihre Kritik verstummen. Denn die fordern schon lange eine Zerschlagung von Google. Jetzt kommt eine kontrollierte Zerschlagung. Larry Page hat sich wohl gedacht: Besser, ich übernehme die Choreografie dafür selbst, bevor es andere tun. Google bzw. Alphabet für seine Investitionen und Aktivitäten zu kritisieren wird jetzt definitiv schwieriger - vor allem juristisch.

Larry Page; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google-Gründer Larry Page mit Glass Brille


Größenwahn mit Ankündigung
Ein paar Worte noch zum gewählten Namen. Eine ordentliche Portion Größenwahn muss man Larry Page schon attestieren. Während der Firmenname Google wohl von der Kunstzahl Googol abgeleitet wurde - eine Eins mit hundert Nulluen, eine Zahl, möglichst nahe an der Unendlichkeit -, so ist auch der neue Name Alphabet für die Holding alles andere als bescheiden. Denn Alphabet sagt ja: Wir könnten alles sein. Wir wollen alles sein. Wir bieten alles, von A bis Z. Da bleibt kein Platz für andere. Weg da, wir kommen. Und das, fürchte ich, könnte und dürfte wohl auch ernst gemeint sein.

Eine kleine Randnotiz noch am Ende: Die Domain WWW: alphabet.com ist bereits belegt. Von einem Unternehmen für Car-Sharing. Mal sehen, ob Larry Page dem Unternehmen die Domain abluchsen will - oder gleich die ganze Firma kauft. Bis dahin firmiert die neue Holding unter WWW: abc.xyz, was - das muss ich zugeben - eine wirklich witzige Domain für den neuen Megakonzern ist.

"Da bleibt kein Platz für andere. Weg da, wir kommen." So isses. Brauchen wir noch Ideen? Geschweige einen Gründergeist?

LiFe am 11.08.15 12:41

Den Größenwahn hat doch Apple schon gepachtet, Herr Schieb.

Der Alte am 11.08.15 16:12

@"Der Alte": Larry Page und Sergey Brin fanden Apples Macher und deren Fähigkeiten, sich als Marke und Firma permanent neu zu erfinden, immer schon geiler als BillyBoy und das schabrackige Windoof;-))
Davon mal ab - Der einzige Zweck für diese neue Holding ist fraglos das Zuvorkommen gegen die in den USA sehr mächtigen Wettbewerbshüter, die auch schon z.B. IBM zerschlagen hatten. Von "Transparenz" hat bei Google noch Niemand was gehalten und wird es auch weiterhin nicht.

vaikl am 12.08.15 11:29

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Dienstag, 11.08.2015

Zur Hölle mit besseren Smartphones! Wir brauchen bessere Akkus!

"Wow! Guten Morgen. Herzlich willkommen in San Francisco. Heute präsentieren wir den größten Fortschritt in der Geschichte des iPhones. Ich war noch nie so aufgeregt und so stolz, ein neues Gerät präsentieren zu dürfen. Es ist ohne Zweifel das beste iPhone, das wir je gebaut haben. Das neue iPhone 6S. Es ist exakt das gleiche Gerät wie das iPhone 6. Wir haben fast nichts daran geändert. Nur eins: den Akku."

Tim Cook; Rechte: picture-alliance/Contra Costa Times/Karl Mondon
"Wir haben fast gar nichts am iPhone geändert. Nur eins: den Akku."

Was für ein wundervoller Moment wäre das in knapp einem Monat, wenn Apple die neue iPhone-Generation vorstellen wird: eine Keynote, die nur ein paar Sekunden lang dauert, weil Tim Cook darin bekannt gibt, dass Apple ein Jahr lang ausschließlich daran gearbeitet hat, den Akku zu verbessern. Dasselbe wäre natürlich ähnlich toll für alle anderen Smartphones von Samsung über HTC bis Sony.

Im Moment läuft es ja so: Morgens wache mit 90 Prozent persönlicher Akkuladung und 100 Prozent am Smartphone auf. Dann lese ich. Was ist die Nacht über passiert? Kurzer Blick in die E-Mails, in den Feedreader, in Facebook - was man eben so macht. Auf dem Weg zur Arbeit dann etwas Musik hören. Und während dieser Zugfahrt ist die Akkuanzeige dann oft schon auf 60 Prozent gesunken. Mogens, um 9 Uhr. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass es mal Mobiltelefone gab, deren Akkus eine Woche lang hielten.

Es geht ja nicht nur mir so, dass mein Smartphone schon nachmittags schlappmacht und wieder Strom braucht. Wenn es wenigstens so wäre, dass es zum Schlafengehen erst wieder an die Steckdose müsste. Schon dann wäre ich glücklich.

Stattdessen sieht meine Lösung mittlerweile so aus, dass ich mir online fünf zusätzliche billige Aufladegeräte bestellt habe und auf viele meiner Steckdosen verteilt habe. Eins hängt dauerhaft am Bett, eins in der Küche, eins am Sofa im Wohnzimmer, eins im Büro. Und eins trage ich immer mit mir rum, falls ich unterwegs Strom klauen muss. Mein Haus ist zu einer einzigen Ladestation fürs Smartphone geworden. Und mein Kopf kommt nicht zur Ruhe, weil ich ständig auf die Prozentzahl stiere.

Deshalb ist die Idee ja so toll, Möbel mit drahtloser Aufladefunktion zu verkaufen. Und alle verfügbaren Tipps so nötig, den Smartphone-Akku möglichst lange haltbar zu machen. Aber am Ende führt doch kein Weg dran vorbei: Eigentlich brauchen wir bessere Akkus - und nicht jedes Jahr wieder bessere Smartphones.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Dem kann man nur beipflichten, letztens auf dem Familiengrillfest ein paar Fotos gemacht Facebook hochgeladen per Whatsapp alle Verwandten belästigt von 100% auf 10% in nur 6h! War gezwungen es bei 10% abzuschalten damit ich noch einen Notruf absetzen kann wenn mir auf der Rückfahrt was passiert...

Teilweise ist der Energieverbrauch so hoch das es sich selbst am Ladegerät noch entläd da hilft nur ausschalten.

Dieter am 11.08.15 11:54

Herr Horn, jedes Sony Gerät der Xperia Z Klasse hat Akkus die bis zu 48h reichen. Gerade dies ist neben der Wasserfestigkeit das Alleinstellungsmerkmal von Sony.

André am 11.08.15 15:28

Herr Horn, Sony hat die stärksten Akkus am Markt. Im Z3 sind 48h die Regel.

André am 11.08.15 15:29

Mit einem Handy von früher konnte man auch nur telefonieren oder SMS schreiben. Dauertelefonierer mussten auch damals schon das Gerät öfter an die Steckdose anschließen.

Der Alte am 11.08.15 16:40

Master Lächerlich (aka Dennis Horn), wie wäre es denn, wenn "Dann lese ich. Was ist die Nacht über passiert? Kurzer Blick in die E-Mails, in den Feedreader, in Facebook - was man eben so macht" von einer ökonomischen, peinlich separierten sozialen Dissenz geprägten Interapp-gequälten homolistischen Betrachtungsweise von BlaBla ihren Job kosten würde?

vaikl am 13.08.15 3:00

Die Elektroauto-Nutzer und -Entwickler haben hierfür einen Begriff: 'Range Anxiety' - die Angst, dass das Auto unterwegs leere Batterien hat und man Stunden warten muss, bevor man wieder aufgeladen hat und weiterkommt.
Und für das, was Smartphones alles können heutzutage, von dem man abhängig sein könnte, scheint es dieses Phänomen auch beim Smartphone zu geben.

Andererseits, eine Lösung wäre auch die Optimierung der Energieübertragungsrate beim Tanken bzw. Laden: Ein Tank vom Auto ist in 2 Minuten voll und bringt einen 700 km weit- ein E-Auto bräuchte dafür Tage (wenn es einen so großen Akku hätte). Große Akkus wären eine Lösung, sicher, aber auch kleine Akkus, wenn man sie denn in einer Minute von Null auf Voll laden könnte.

Zu Nokia-Tastenhandy-Zeiten hatte ich das Problem, dass mein neues Modell mit Farbdisplay sehr viel mehr Strom als das Vorgängermodell fraß. Lösung: Ich hatte immer einen Wechselakku im Portemonnaie dabei!

Chris26 am 14.08.15 3:48

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Montag, 10.08.2015

The "Virtual Angst" is coming

Angst ist ein Urinstinkt, den jeder kennt. Gerade uns Deutschen wird nachgesagt, gerne etwas ängstlich zu sein. Die WWW: German Angst ist längst ein geflügeter Begriff, vor allem in der angelsächsischen Welt. Damit wird unsere - aus dortiger Sicht - oft übertriebene Sorge vor allem Möglichen umschrieben.

Ganz Deutscher sehe auch ich eine neue Welle der Angst auf uns zukommen: Gut möglich, dass wir demnächst wie selbstverständlich von der "Virtual Angst" sprechen - und das nicht nur im angelsächsischen Raum, sondern weltweit. Denn mit der zunehmenden Verbreitung von Virtual Reality Brillen - wie auf der Blog: Gamescom unübersehbar - dürfte ein neues Phänomen die Runde machen: Die Angst vor Gefahren aus der virtuellen Welt.

Ein neues Phänomen: Angst in VR-Spielen; Rechte: dpa/Picture Alliance
Ein neues Phänomen: Angst in VR-Spielen


Bedrohungen werden als real empfunden
Spätestens seit der berühmten Matrix-Trilogie wissen wir: Ob wir im echten Leben bedroht werden oder in einer virtuellen Welt, etwa in unseren Träumen oder in einer Simulation, ist für die körperlichen Reaktionen egal. Angst ist immer real - und überzeugend. Moderne VR-Brillen können uns derart vollständig und komplett in die virtuelle Welt ziehen, dass das Gehirn die Illusion nicht mehr als Illusion erkennt. DIe Illusion wird zur unmittelbaren, echten Realität. Jeder kennt Momente in Filmen, wo er sich erschrickt. Dieser Effekt potenziert sich in der Welt der VR-Spiele noch: Da Augen und Ohren und damit unser Bewusstsein vollständig getäuscht werden, ist auch die Angst echter.

Jeder, der schon mal so eine VR-Brille aufgesetzt hat, weiß, wie verblüffend die Wirkung ist. Grafik und Sound sind heute exzellent - und werden noch besser. Die marktführenden Hersteller solcher VR-Brillen arbeiten daran, nicht nur Bewegungen des Kopfes zu erkennen - und entsprechend im Bild zu berücksichtigen -, sondern auch Bewegungen des Körpers und der Hände. Dann wird die Wahrnehmung noch intensiver und effektiver getäuscht. Wer an einem virtuellen Abgrund steht, der bekommt Panik. Wer von einem VR-Löwen angebrüllt wird, der findet das nicht in erster Linie lustig.


Nicht nur Spiele, auch Filme setzen zunehmend auf VR


Verantwortung der Hersteller
Auch die Geister- und die Achterbahn spielen mit unseren Ängsten. Computer- und Videospiele können das noch viel geschickter machen, wenn wir eine VR-Brille aufgesetzt haben. Eine möglichst echt wirkende virtuelle Welt zu schaffen, die uns nicht nur überrascht, sondern auch beängstigt, das dürfte der Trend der nächsten Monate und Jahre werden. Und das wird Folgen haben: Viele werden sich von diesem Angstgefühl angezogen fühlen und es mit der Exposition übertreiben. Das kann dann schon gehörig auf die Psyche gehen.

Das typische Genörgel eines IT-Journalisten mit deutschem Reisepaß? Vielleicht. Aber eine ernstgemeinte Sorge. Die Verantwortung all jener, die VR-Welten entwerfen und entwickeln, ist nicht zu unterschätzen. Sie schaffen künstliche Welten, die so nah an der Realität dran sind wie keine andere künstliche Welt zuvor.

Einfach mal den Stecker ziehen!

Der Alte am 10.08.15 17:00

Die Meldung kann wieder gelöscht werden: Muss es nicht richtig heißen: Kann einen unangenehmen Nebeneffekt mit sich bringen?

LiFe am 10.08.15 17:28

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