Dienstag, 05.05.2015

#Fashiontech

Mode- und Netzwelt? Die platten Klischees schreien: passt nicht! Die Realität allerdings sagt (wie ja zum Glück so oft bei Klischees): Halt die Klappe!

Die WWW: Kooperation zwischen den großen High-Fashion-Messen PREMIUM und SEEK und der Digitalkonferenz re:publica gibt es schon seit Januar. Da hat sie im Rahmen der Berliner Fashionweek stattgefunden - die Netzmenschen waren also zu Gast in der Modewelt.

Anita Tillmann sagt: Mode und Digitalisierung gehören zusammen!

Für PREMIUM-Chefin Anita Tillmann ist die Kooperation aus Modemacher-Sicht ziemlich selbstverständlich: "Wir folgen Trends in der Gesellschaft. Und Digitalisierung ist gerade ein Riesenthema, das uns alle beschäftigt. Also auch die Modeindustrie." Außerdem hat die Digitalisierung natürlich auch in der Modewelt ziemlich viel verändert.

Bei der Subkonferenz im Rahmen der re:publica treten 38 Speaker aus den Bereichen Industrie, Wissenschaft und Mode auf und reden zum Beispiel über Wearables, digitales Marketing und den Verkauf von Mode oder auch innovative Produktionsmöglichkeiten.

screenshot_fashiontech.png
Die Ziele der Zusammenarbeit zwischen Mode- und Netzwelt

Und neben dem Stage-Programm am ersten re:publica-Tag gibt es auch ein "Lab" mit Workshops, Talks und Ausstellungen. Es werden zum Beispiel Jacken mit eingebauten LEDs vorgestellt, in Apps designte Shirts oder Schmuck mit Solarelementen. Kurz: Es geht darum, was Kleidungsstücke uns bringen können. Uns wärmen, uns sichtbarer machen, unsere Gesundheit überwachen - "Smart Fashion" ist das Stichwort.

TrafoPop.jpg Oh Gott! Typisches Marketing-Blabla: Modemacher treffen Tech-Firmen und machen zusammen Geld. Klar. Auch darum geht es. Das ist ein Riesenmarkt für beide Welten. Aber es geht eben auch darum, darüber zu reden, wie die Digitalisierung die Modewelt und damit auch einen wichtigen Teil unsere Gesellschaft und Kultur beeinflusst. Darum, Themen und mögliche Entwicklungen in den Blick zu nehmen, die eben nicht total naheliegend sind, wenn es um "typische Netzthemen" geht.

Was macht die Digitalisierung der Modewelt zum Beispiel mit unserem Frauenbild? Ist die Angst, von den eigenen Klamotten überwacht zu werden, berechtigt - werden wir eventuell bald sogar alle irgendwann zu Cyborgs? Und ist das vielleicht sogar gut? Ein großer Markt mit vielen Möglichkeiten und natürlich auch Gefahren. Aber nicht drüber reden, macht es ja nicht besser - wer die Welt nicht versteht, hat Angst!

Vor diesen Überwachungsklamotten sollten wir tatsächlich Angst haben. Ebenso vor diversen anderen Überwachungen. Nicht die Funktion an sich ist schlecht. Es ist diese unselige Mode, alle Daten per Internet in die Cloud zu schaufeln. Warum eigentlich? Für Anbieter der Geräte ist das zusätzlicher Aufwand. Also will man mit den Daten etwas machen. Was wohl? Man will letztlich Geschäfte machen, und zwar mit unseren Daten!

Das sollten die Fachjournalisten wachsamer sein. Geräte, die keinen anonymen Gebrauch mit lokaler Datenauswertung gestatten, sollten in Tests und Besprechungen rigoros abgewertet werden!

Noch ist die Datenweitergabe weitgehend freiwillig. Wenn sie erst mal akzeptiert ist, wird sich das ändern. Abgreifen von Daten gehört dann zu den Standardfunktionen, die man allenfalls umständlich deaktivieren kann. Oder man suggeriert uns, die Datenweitergabe sei ein wertvoller "Mehrwertdienst".

Bertram in Mainz am 5.05.15 23:49

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Dienstag, 05.05.2015

re:publica: Wo ist der Optimismus hin?

Was ich an der WWW: republica so schätze: Es sind viele Leute vor Ort, die ehrliche Leidenschaft für Netzthemen mitbringen. Um so überraschter war ich heute über das Opening der hervorragend organisierten Konferenz: re:publica-Mitbegründer Markus Beckedahl schien ehrlich bedrückt, weil sich einige Themen auf der re:publica ständig wiederholen: Massenüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität - dieses Jahr wieder ein Thema. So wie in den letzten Jahren.

Der aktuelle BND-Skandal lässt das Thema Massenüberwachung in einem noch dramatischeren Licht erscheinen als bisher dank NSA sowieso schon. Besonders aufklärungswillig scheint die Bundesregierung nicht zu sein. Und als wäre das noch nicht genug, will die Große Koalition die Vorratsdatenspeicherung zurück. Zu allem Überfluss ist auch die Netzneutralität gefährdet, eine Art Gral der Netzgemeinde, obwohl sich die Blog: amerikanische FCC und auch Blog: das EU-Parlament eindeutig dafür ausgesprochen haben. Der Politik scheint nichts heilig.

Republica: Treffpunkt der Netzgemeinde; Rechte: WDR/Schieb
Die republica: Treffpunkt für die Netzgemeinde


Match verloren? Dann wird es wiederholt
Kein Wunder, dass sich Beckedahl wie ein Murmeltier fühlt. Immer wieder dieselbe Debatte. Immer wieder dieselben Argumente. Und irgendwie wird es - aus Sicht der Netzaktivisten - auch schlimmer statt besser. Beispiel Vorratsdatenspeicherung: Obwohl zwei Verfassungsgerichte (das deutsche und das der EU) die Vorratsdatenspeicherung gekippt haben, soll sie jetzt doch wieder kommen. Sie Blog: heißt nur anders - und die Spielregeln wurden variiert. Es sollen wieder alle Bürger anlasslos und vollständig überwacht werden. Politiker, die auf der re:publica erklären, warum das denn sinnvoll sein soll (und rechtsstaatlich), sucht man hier allerdings vergeblich. Die re:publica wäre eigentlich ein guter Ort für diese Diskussion. Aber so führt man sie in Berlin ohne den Gegner.

Wenn selbst nach dem Paukenschlag Edward Snowdens kein Richtungswechsel erfolgt - wie soll es dann überhaupt klappen? Das scheint sich Beckedahl gefragt zu haben, als er seine (kurze) Eröffnungsrede gehalten hat. Beckedahl wirkte verzweifelt - aber noch nicht resigniert. Er fordert ein "Ende der Massenüberwachung". Nur: Wie? Sein Frust ist verständlich.


Vorratsdatenspeicherung ist wie Gucklöcher in der Wand


Netzgemeinde war lange zu optimistisch
Und noch einer scheint seinen Optimusmus verloren zu haben: Ethan Zuckerman. Er ist Leiter des Centre for Civic Media der US-Eliteuniversität MIT und beobachtet das Netz schon lange. Zuckerman gesteht auf der re:publica öffentlich: Die Netzgemeinde war lange Zeit viel zu optimistisch, was die "Power" des Internets betrifft. Vor 20 Jahren hätten er und seine Freunde noch geglaubt, Internet könne Politik und Gesellschaft verändern. Ein Ort ohne Zensur, mit geteilter Macht, Verschlüsselung für jeden. Heute wissen wir: Es ist ganz anders gekommen. "Wir haben eine Menge dämlichen Scheiß geglaubt", resümiert Zuckerman.

Die re:publica ist ein guter Stimmungsmesser dafür, was sich die Netzgemeinde noch zutraut. Einfacher scheint es nicht zu werden, das Internet zu einem Ort zu machen, wie ihn sich die meisten Besucher wünschen. Am Ausgang des Konferenzgeländes steht ein gelber Container, der auf den Punkt bringt, wie sich die meisten Internetnutzer heute fühlen (sollten). Im Container sind ein paar Löcher. Schaut man rein, sieht man eine Wohnung: Badezimmer, Wohnzimmer, Toilette, belebt von vier Schauspielern. Man beobachtet sie. Egal was sie machen. So wie die Vorratsdatenspeicherung uns beobachtet. Die NSA. Der BND. Und wir merken nicht mal, wenn jemand durch die Gucklöcher schaut. Es gibt wahrlich wenig Grund für Optimismus.

Für Optimismus gibt es keinen Grund. Gerade hat Frankreich ein weitgehendes Überwachungsgesetz beschlossen. Der Trend geht weltweit in Richtung Überwachung. Wenn der Zeitgeist es will, wird auch uns kein Grundgesetz, kein Verfassungsgericht schützen. Mich wundert, dass so viele Menschen das auch noch toll finden.

Das bedeutet nicht, dass man den Kampf aufgeben sollte. Auch wenn sich die "Krankheit" nicht aufhalten lässt, versucht man doch, sie zu verzögern.

Bertram in Mainz am 5.05.15 20:24

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Dienstag, 05.05.2015

Eure Hacker sind keine Hacker!

Den Begriff "Hacker" vermeide ich gern. Als ich noch Nachrichtenredakteur fürs Radio war, habe ich meinen Kollegen öfter geraten: "Sag nicht 'Hacker'. Sag lieber 'Angreifer'." Beim legendären Angriff auf Sony, beim Aufkeimen von Anonymous, bei den großen Schlagzeilen zu Stuxnet: Nie waren es Hacker. Denn Hacker - das sind die Guten.

Wau Holland; Recht<br />
e: picture-alliance/dpa/Werner Baum
"Ein Hacker ist jemand, der versucht, einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." (Wau Holland, einer der Gründer des Chaos Computer Clubs, hier zu sehen beim BTX-Hack 1984)

Der Begriff "Hacker" wurde schon in den 1950er-Jahren genutzt: Amateurfunker, die ihre Geräte gepimpt haben, nannten sich damals so. Genauso die Nerds vom Tech Model Railroad Club, dem Modelleisenbahnclub der Eliteuni MIT. Heute würden wir sie wohl eher Bastler nennen - seit den 1980ern gehören die Hacker zur Computerwelt.

Seitdem wird aber auch fleißig alles in einen Topf geworfen: egal ob sich Hacker daran beteiligen, Sicherheitslücken aufzudecken, um das Netz sicherer zu machen - oder ob sie in fremde Systeme eindringen, illegal Daten kopieren oder ganze Websites lahmlegen. Für all diese unterschiedlichen Dinge gibt es auch ganz unterschiedliche Begriffe.

Hacker, die sich vor allem mit Sicherheitslücken befassen, werden deshalb heute in drei Typen unterteilt: White-Hat-Hacker arbeiten innerhalb der Gesetze und richten sich nach der WWW: Hackerethik. Black-Hat-Hacker dagegen arbeiten mit krimineller Energie. Und für Grey-Hat-Hacker heiligt der Zweck die Mittel: Sie verstoßen gegen Gesetze und die Hackerethik - um am Ende mit ihrer Arbeit die Welt ein bisschen sicherer zu machen.

Dennis Horn mit Guy-Fawkes-Maske; Rechte: WDR/Dennis Horn
Seit dem Aufkeimen der Anonymous-Bewegung tragen Hacker auf Symbolbildern nicht mehr die Sturmhaube, sondern Kapuzenpulli plus Guy-Fawkes-Maske.

Cracker wäre der eigentlich korrekte Begriff für Black-Hat-Hacker. So steht er im populären WWW: Jargon File, einer Art Hackerlexikon. Eingeführt wurde dieser Begriff, damit vor allem in der Presse zwischen guten und schlechten Hackern unterschieden wird - doch bis heute wird dieser Begriff nicht wahrgenommen oder einfach ignoriert.

Skriptkiddies gehören auch zu den Crackern oder Black-Hat-Hackern - wirklich hacken können sie allerdings gar nicht. Ihnen fehlt das nötige Grundlagenwissen. Stattdessen nutzen Skriptkiddies fertige Programme, um in fremde Systeme einzudringen oder sie lahmzulegen. Ein Großteil der Anonymous-Bewegung, die sich in Chats verabredet, um Websites per WWW: DDoS-Angriff lahmzulegen, besteht aus Skriptkiddies. Halbstarken Black-Hat-Hackern also, die nur in der Gruppe laut sind, sonst aber nichts zustande bringen.

Phreaker gibt es mittlerweile nicht mehr. Sie stammen aus der Urzeit des Hackens. Als Phreaker hat man Hacker bezeichnet, die Telefonverbindungen manipuliert haben, zum Beispiel um kostenlos telefonieren zu können. Mit all den Internetanschlüssen, die wir heute haben, ist diese Szene aber natürlich auch komplett ausgestorben.

Julian Assange; Rechte: picture-alliance/dpa/Sandro Compardo
Einer der bekanntesten Hacktivisten: Julian Assange, der umstrittene Kopf hinter WikiLeaks.

Hacktivisten sind Hacker, die sich politisch engagieren. Auch hier gibt es die Guten und die Bösen: Hacktivisten arbeiten zum Beispiel daran, Wahlcomputer zu verhindern, weil deren Einsatz technisch zu gefährlich ist. Hacktivisten finden sich aber auch auf Seiten der Black-Hat-Hacker, die politisch motiviert in fremde Systeme eindringen. Einer ihrer bekanntesten Köpfe: Julian Assange, Gründer von WikiLeaks, um den es zusammen mit anderen Whistleblowern auch WWW: im WDR-Projekt "Supernerds" geht.

Hardwarehacker schließlich sind die, die sich nicht auf Programmbefehle konzentrieren, sondern auf die Geräte dahinter. Sie arbeiten daran, Geräten zusätzliche Funktionen zu verschaffen, die von den Herstellern nicht vorgesehen sind. Ein Beispiel sind die vielen Kinect-Hacks für die Microsoft-Sensorleiste, die zur Steuerung der Xbox veröffentlicht wurde, aber sehr viel mehr kann, wie WWW: eine einfache Google-Suche zeigt.

Wenn ihr ein bisschen Zeit mitbringt: Der sehr lange und sehr gute WWW: Wikipedia-Eintrag zum Begriff "Hacker" geht da noch sehr viel mehr in die Tiefe.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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