Dienstag, 18.03.2014

25 Jahre WWW | 2001: iTunes geht online

Eine Jukebox-Software, endlich eigene Musikmix-CDs produzieren! 2001 war das eine Sensation, "Rip. Mix. Burn." der zugehörige Slogan: Am 9. Januar präsentierte Apple die erste Version von "iTunes". Damit konnte man Musik-CDs einlesen ("rippen"), einzelne Tracks wurden dabei in Mp3 umgewandelt, die sich wiederum in eigene Playlists umorganisieren ließen. Die konnte man dann auf einen CD-Rohling brennen. iTunes selbst basierte damals noch im Wesentlichen auf der Mp3-Anwendung SoundJam MP (herausgegeben von dem Software-Verlag Casady & Greene), die Apple kurzerhand mit deren Entwicklern übernommen hatte.

Screenshot iTunes Version 1.1, Rechte: Apple iTunes Version 1, lange ist's her

Interessanter wurde iTunes zehn Monate später mit Version 2.0 - die flankiert wurde von der Neuvorstellung des iPod. Dieser tragbare Mp3-Player ließ sich mit der Desktop-Version synchronisieren und war so viel leichter als ein WWW: Discman, cool.
Im April 2003 starte dann der "iTunes Music Store" in den USA - und das war nun wirklich komplett neu: Aktuelle Musik bekam man bis dato nur auf CD, Vinyl, im Radio oder über illegale Tauschbörsen im Netz. Im iTunes Store sollte man für einzelne Songs zahlen, ganz ohne später einen physischen Tonträger oder ein aufwändig designtes Booklet in Händen zu halten. Stattdessen: eine Datei. Apple verlangte pro Titel 99 Cent, wählen konnte der User aus einem Startangebot von über 200.000 Songs. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch erstmals Apples Fair Play DRM (WWW: Digital Rights Management), das dem Nutzer schnell deutlich machen sollte, dass "Musik kaufen" noch lange nicht "Musik besitzen" bedeutete. Das hatte man nun von der Legalität. (Erst seit 2009 sind alle Musikstücke im iTunes Store inzwischen kopierschutzfrei, Musikvideos weiterhin nicht) 2004 öffnete schließlich auch in Deutschland der iTunes Musicstore und entgegen der Meinung einiger Kulturpessimisten zeigte der Erfolg: Menschen waren bereit, auch im Netz für Musik zu zahlen.

2006 wurde der ehemalige reine Musicstore kurz zum "iTunes Store", inzwischen bereichert um ein Angebot an Filmen und TV-Serien. Zu der Expansion passte die Zwischenbilanz: Seit Gründung waren bis 2006 mehr als eine Milliarde Songs bei iTunes heruntergeladen worden, 2010 wurde die Zehn-Milliarden-Downloads-Grenze überschritten. Bereits 2008 wurde der App Store angedockt, über den Besitzer von iPod, iPhone und später auch von iPad Spiele und Anwendungen auf ihren Geräten verwalten konnten - und mussten. "Closed Shop" ("geschlossenes System") ist ein zentrales Apple-Prinzip: Wirklich reibungslos funktioniert iTunes eben nur auf Geräten und mit Formaten aus dem Apple-Kosmos. Auf Geräte anderer Hersteller lassen sich Songs nur mithilfe von anderer Software überspielen, Videomaterial akzeptiert iTunes nur als Mp4- und Mov-Datei, WMV- oder DivX-Format hingegen nicht. Erst seit iTunes 7 ist es überhaupt möglich, Musik, die vorher bei der Apple-Plattform gekauft wurde, vom iPod wieder zurück auf den Computer zu kopieren.

Zwischenzeitlich versuchte es Apple dann auch mit einem sozialen Netzwerk für Musik: "Ping" kam mit der im September 2010 erschienenen iTunes-Version 10 - das kam weniger gut an, und "Ping" wurde 2012 wieder geschlossen.

itunes-heute.jpg iTunes Store in der aktuellen mobilen Version

Inzwischen gibt es längst Alternativmodelle zum Musikdownload. 2013 verzeichnete die US-Musikindustrie erstmals seit Launch des iTunes Stores einen Rückgang beim Verkauf von digitaler Musik WWW: um fast sechs Prozent: 1,26 Milliarden Songs kauften US-Kunden 2013, im Vorjahr waren es noch 1,34 Milliarden gewesen.

Ein möglicher Grund: 2013 hörten schon sechs Millionen Deutsche Musik legal im Stream, besonders die Jüngeren: WWW: Laut BITKOM nutzte schon mehr als jeder vierte 18- bis 29-Jährige User einen entsprechenden Dienst. Spotify, Pandora, Simfy und Co. werden zunehmend bekannter und beliebter, die 2010er Jahre könnten das Jahrzehnt der (Musik-)Streaming-Plattformen werden. Im Juni 2013 stellte auch Apple einen Streaming-Dienst vor: iTunes Radio erlaubt den Zugriff auf vorausgewählte Web-Radiostationen, ist aber noch immer nicht in Deutschland verfügbar. Da war Konkurrent Google schneller: Seit dem 6. Dezember 2013 ist der Musik- und Radio-Streaming-Dienst "Google Play Music All-Inclusive" auch hierzulande am Start.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Musik wird als störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden ;)

Der Alte am 18.03.14 13:42

Lach mich scheckig-wo soll da bitte die "Sensation"gewesen sein?Bereits in den 90gern gab es ripping software die einem anschliessend es ermoeglichte via playlist seine eigenen Musikzusammenstellungen abzuspielen.AccurateRip,Exact Audio Copie,foobar und dbPowerAmp sind nur einige davon.bdPowewrAmp schlaegt zudem das schrottige iTunes bei weitem und verhaelt sich nicht wie ein Virus!Jobs und Co. haben auch dort nur wieder kopiert.Nur in der Vermarktung via hype und Sektenaehnlicher Juengerschaft brachten ihm den Erfolg-nicht die wirkliche Leistung und Erfindungshoehe.Die war mit Steve Wozniak gegangen.

Muhahaha am 20.03.14 17:54

@Muhahaha: Die Sensation war iTunes für die breite Masse schon, auch wegen der einfachen Bedienbarkeit.

Insa Moog am 20.03.14 21:13

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Montag, 17.03.2014

25 Jahre WWW | 2000: Loveletter macht Ärger

Die zunehmende weltweite Vernetzung, die Tim Berners-Lee mit der Blog: Erfindung des World Wide Web zwar nicht begonnen, jedoch zweifellos enorm beschleunigt hat, hat auch ihre Schattenseiten. Vieles läuft vollautomatisch im Hintergrund ab. Genau das öffnet Betrügern Tür und Tor. Bestes Beispiel dafür, welcher Schaden durch entsprechend programmierte Schädlinge im Netz angerichtet werden kann, ist der Computerwurm WWW: Loveletter, der auch als "I Love You" bekannt ist.

Loveletter ist am 4. Mai 2000 zum ersten Mal in Erscheinung getreten und hat sich in den Folgetagen explosionsartig per E-Mail verbreitet. Loveletter hat neue Maßstäbe in Sachen Schadwirkung gesetzt. Der Wurm hat infizierte Rechner erst langsam gemacht und schlussendlich lahmgelegt. Die Schäden lagen weltweit bei zehn Milliarden Dollar. Damit ist der Virus einsamer Spitzenreiter in dieser Klasse. Immerhin konnten die Urheber später ausfindig gemacht werden: Entwickelt und in Umlauf gebracht haben den Wurm Programmierer von den Philippinen. Zur Rechenschaft gezogen wurden sie allerdings nie.

Die Betreffzeile "I love you" (Ich liebe Dich) hat dazu geführt, dass damals viele Menschen arglos die Mail geöffnet haben. Die Verlockung war groß - und damals wussten noch nicht so viele um die betrügerischen Absichten im Web. Den Wurm wieder vom Rechner zu entfernen, war nicht so einfach: Man musste diverse Korrekturen an der WWW: Systemdatenbank Registry vornehmen, für Laien ein eher schweres Unterfangen. Es hat einige Tage gedauert, bis führende Antiviren-Softwares den Wurm zuverlässig erkennen und abblocken konnten.


4. Mai 2000: "I love you" macht die Runde

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Sonntag, 16.03.2014

25 Jahre WWW | 1999: DSL macht dem Web Dampf

Internet im Allgemeinen und World Wide Web im Besonderen machen zweifellos dann am meisten Spaß, wenn man nicht lange warten muss. Dafür ist allerdings eine möglichst schnelle Datenleitung nötig. Weil Webseiten immer umfangreicher und aufwändiger gestaltet wurden, waren in den 1990er Jahren übliche Modemverbindungen meist quälend langsam. Damals haben private Internetbenutzer noch Modems benutzt, um sich bei Onlinediensten anzumelden und darüber online zu gehen. Besonders schnell waren die aus heutiger Sicht betrachtet nicht gerade. Da ist heute jedes Handy selbst unter ungünstigsten Umständen schneller.

Logo Escape; Rechte: WDR
Escape - die lange Onlinenacht im Web (1998)

Datenturbo sorgt für rasend schnelles Internet
Mehr Tempo? Nur mit Glasfaser möglich, hieß es lange. Doch in den 90er Jahren wurde an einem Datenturbo gearbeitet, der sich DSL nennt (WWW: Digital Subscriber Line) und mit den üblichen Kupferkabeln funktioniert, über die wir telefonieren. Ich kann mich gut erinnern: 1998 habe ich für WDR: Escape, die Onlinenacht im WDR die ersten DSL-Anschlüsse an der Uni Münster getestet. Was war ich neidisch: Die Studenten konnten mir über 2 MBit/Sekunde surfen, während ich mich zu Hause mit 19.200 Bit pro Sekunde begnügen musste. DSL - das stand für mich von Anfang an für Internettempo total.

Im Juli 1999 war es dann so weit: Die Deutsche Telekom hat die ersten DSL-Anschlüsse in Deutschland freigeschaltet - allerdings erst mal nur in ausgewählten Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Bonn, Hamburg, Berlin oder München. Damals wohnte ich noch in Mönchengladbach, dort gab es kein DSL. Und wer DSL wollte, der musste auch einen ISDN-Anschluss haben oder bestellen, eine digitale Telefonleitung. Teuer war der Spaß obendrein: 98 Mark im Monat Grundgebühr waren fällig, also knapp 50 EUR.

An eine Flatrate war damals auch nicht zu denken: Wer 50 Online-Stunden mit DSL haben wollte, musste dafür stolze 197 Mark (100 EUR) einkalkulieren, das große Paket mit 100 Surfstunden hat sogar 247 Mark gekostet. Trotzdem haben viele das Angebot dankbar angenommen, auch wenn DSL anfangs lediglich 768 kBit/s schnell war. Für damalige Zeiten ein Quantensprung.


Werbung für T-DSL aus dem Jahr 1999

DSL hat das Web revolutioniert
DSL hat das World Wide Web schicker gemacht. Ohne DSL wäre an Fotos und Bilder, an Audios und Videos oder gar HD-Filme aus dem Netz nicht zu denken gewesen. DSL war über die Jahre in immer mehr Städten verfügbar - und wurde gleichzeitig immer günstiger. Denn nach der Telekom haben auch andere Anbieter damit begonnen, DSL anzubieten, vor allem 1&1 aus Montabaur sowie Arcor. Die Grundgebühr für DSL-Anschlüsse fiel bereits 2004 auf unter 10 EUR und war damit für deutlich mehr Menschen erschwinglich.

Längst ist DSL auch bei Kabelanbietern verfügbar - und es gibt DSL-Anschlüsse mit 128 MBit/Sekunde und mehr. Ein derartiges Tempo konnten sich vor einigen Jahren nicht mal große Firmen leisten. Das Datentempo entwickelt sich rasant weiter und sorgt für immer mehr multimediale Inhalte im Web.


25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Hm, ich war damals auch einer der ersten die das 768er DSL bekommen haben, da gab es aber eigentlich auch schon Flatrate, kann mich nicht daran errinern das es eine Stundenbegrenzung gab?

Dieter am 17.03.14 10:03

Wenn ich im Teaser-Text auf der WDR-Website lese "Heute surfen wir alle mit DSL-Tempo im Netz", dann kann ich nur müde lächeln, denn diese Aussage trifft ja in der Realität nur auf Großstädte oder Ballungszentren zu. Bei mir in Minden (immerhin eine Stadt mit mehr als 80.000 Einwohnern) gibt es in vielen Ortsteilen noch immer vorsintflutliche Internetverbindungen, wo beispielsweise das Ansehen eines YouTube-Clips selbst in niedrigster Auflösung nur mit Ruckeln und sekundenlangen Unterbrechungen möglich ist.

Was die von der Politik so oft zitierte Internet-Wettbewerbsfähigkeit anbelangt, befindet sich Deutschland zu großen Teilen noch in der Computer-Steinzeit!

Bruno am 17.03.14 10:44

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