Dienstag, 01.07.2014

Apps gegen den Sonnenbrand

Die Temperaturen toben wieder. Der Hochsommer kommt zurück. Wie schützt ihr euch da eigentlich vor Sonnenbrand? Mit einem großen Sonnenschirm? Mit einem hohen Lichtschutzfaktor? Oder ganz einfach per Smartphone, wie es sich fürs digitale Jahr 2014 gehört? Weil es für alles eine App gibt, gibt es eben auch: Anti-Sonnenbrand-Apps.

Die meisten funktionieren ganz ähnlich, indem sie schlicht berechnen, wie lange ihr in der Sonne liegen bleiben könnt. Dafür prüfen sie: Wo genau legt ihr euch in die Sonne? Welches Wetter herrscht an diesem Ort? Wie sieht dort die UV-Strahlung aus? Welchen Lichtschutzfaktor hat eure Sonnencreme? Welchen Hauttypen habt ihr?

UV-Check; Rechte: WDR/Horn
"UV-Check" vom Berufsverband der Dermatologen verarbeitet alle möglichen Daten vom Sonnenstand über Geländehöhe und Gesamtmenge des atmosphärischen Ozons bis zu Hauttyp, Kleidung, Sonnencreme und Wetter.

Bei einigen Apps wie "Sun Timer" (WWW: Android, WWW: iOS) gebt ihr diese Daten von Hand ein, andere wie "Sonnen-Konto" (WWW: Android, WWW: iOS) von der Europäischen Stiftung gegen Hautkrebs oder "UV-Check" (WWW: Android, WWW: iOS) vom Berufsverband der Dermatologen prüfen sie automatisch, zum Beispiel über die Ortungsfunktion eures Smartphones.

Sobald eure Zeit rum ist, klingelt der Wecker - oder eine eindringliche Frauenstimme wie in "Suntan Watcher" (WWW: iOS) gibt euch das Zeichen, euch endlich umzudrehen oder wenigstens einmal einzucremen. Andere Apps versuchen es etwas witziger: "Sonnen-Konto" zum Beispiel zeigt euch ein Toastbroat an - das immer krosser wird, so lange ihr euch sonnt.

Wenn ihr euch reine Spielerei wünscht, könnt ihr zu einer App wie "iTanning" (WWW: iOS) greifen: eine Bräunungsvorschau, mit der ihr ein Selfie schießen könnt - und die euch dann anzeigt, wie braun ihr werdet, je nachdem, wie lange ihr in der Sonne liegen bleiben würdet. So könnt ihr vorher schon sehen, ob ihr euch so überhaupt gefallt; nicht, dass ihr zu lange liegen bleibt und euch am Ende überhaupt nicht mehr wiedererkennt.

Dennis Horn; Rechte: WDR/Horn
Einige Anti-Sonnenbrand-Apps können eine sinnvolle Ergänzung sein. Andere wie "iTanning" sind ganz klar reine Spielerei.

Mein Gefühl nach ein paar Wochen Ausprobieren: Keine dieser Apps ist ein echter Ersatz dafür, selbst den richtigen Lichtschutzfaktor zu wählen und zu checken, wann es aus der Sonne rausgehen sollte. Mich haben die Apps nämlich oft auch verunsichert, und zwar meistens dann, wenn das Wetter mal gewechselt hat und plötzlich zu viele Wolken oder gar keine Wolken mehr am Himmel waren - dann wusste ich nicht mehr: Weiß die App das? Erkennt sie das? Klingelt der Wecker jetzt zu früh? Oder zu spät?

Außerdem empfehle ich, jede einzelne dieser Apps zu testen, auch wenn dafür ein paar Euro draufgehen. Sie spucken nämlich unterschiedliche Zeiten aus: Die eine App erlaubt mir, den kompletten Tag in der Sonne zu bleiben, die nächste nur dreieinhalb Stunden und noch eine andere nennt mir zwei Stunden als Grenze. Wenn ich dann aber eine App gefunden habe, ich gut zu mir passt, kann sie schon ein nützliches Gimmick sein.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Wofuer es alles schon Apps gibt ! Was kommt als Naechstes ? Die App, die nach Eingabe von Aussentemperatur und eingenommener Fluessigkeitsmengen den Blasenfuellstand ermittelt - um dann rechtzeitig zu warnen, dass die Blase entleert werden muss ? Ich weiss nicht. Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber gewisse Dinge traue ich eher dem "gesunden Menschenverstand" zu, als mich auf ein Blechkistchen zu verlassen.

Inglaterra am 1.07.14 16:42


Ob mit App oder konventionell: Man sollte den Lichtschutzfaktor nicht dazu missbrauchen, entsprechend länger in der Sonne zu liegen. Man schmiert immer einige Stellen dünner ein oder vergisst sie. Hals hinten, hinter den Ohren, Rücken, Beine hinten usw. Diese Stellen bekommen dann eine vielfache Überdosis ab. Das sind dann auch noch die Stellen, wo man eine Veränderung schlecht sieht. Also mit hohem Schutzfaktor einschmieren, viel hilft viel. Aber sicherheitshalber mit deutlich geringerem Faktor rechnen.

Bertram in Mainz am 2.07.14 0:33

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Dienstag, 01.07.2014

Anonym bewerten, anonym bleiben

Wir bewerten ständig. Alles. Unbewusst. Wie schmeckt uns das Brötchen? Wie freundlich ist die Verkäuferin? Wie gefällt mir das Wetter? Wie fährt eigentlich der Typ im Auto nebenan? Was wir denken, bleibt jedoch in der Regel ein wohl gehütetes Geheimnis. Unausgesprochen. Bestenfalls Freunde und Familie bekommen schon mal mit, was wir denken. Das hat sich durchs Internet verändert: Hier kann jeder erfahren, was wir denken. Viele der privaten Beurteilungen werden öffentlich - in Bewertungsportalen. Plötzlich wird jeder zum Buchkritiker. Zum Musikkritiker. Hotelbewerter. Selbst Ärzte lassen sich heute öffentlich beurteilen.

Bewertungsportale; Rechte: dpa/Picture Alliance
Jeder kann im Netz Ärzte bewerten


BGH schützt die Anonymität
Es liegt in der Natur der Sache, dass Beurteilungen von Privatleuten nicht zwingend professionellen Kriterien entsprechen. Sie sind subjektiv - und damit nicht unbedingt fair. Manchmal entsprechen sie nicht mal den Tatsachen. Ein Arzt aus Schwäbisch-Gmünd hatte deshalb gegen das Bewertungsportal Sanego auf Herausgabe der Daten eines Nutzers geklagt, der auf dem Portal falsche Behauptungen veröffentlicht hat (Wartezeit: drei Stunden, Patientenakten würden in Wäschekörben aufbewahrt). Doch der BGH hat jetzt festgestellt: Auf zivilrechtlichem Weg (es sollte um Schadenersatz gehen) besteht kein Anspruch auf Aufheben der Anonymität.

Ein starkes Stück: Der Arzt erfährt nicht, welcher Patient ihn angeschwärzt hat - obwohl die Behauptungen im Netz unzutreffend waren. Das Bewertungsportal Sanego hatte sich auf WWW: Paragraph 13 des Telemediengesetzes (TMG) berufen. Das Gesetz sieht vor, dass Anbieter von Bewertungsportalen und Diskussionsforen ihre Nutzer wirkungsvoll schützen und eine anonyme Nutzung oder unter Pseudonym ermöglichen müssen. Was soll man sagen: Gesetz ist Gesetz, der BGH hat also vollkommen konsequent entschieden.

Bewertungsportal Sanego; Rechte: WDR/Sanego
Bewertungsportal Sanego: Hier müssen sich Ärzte Bewertungen gefallen lassen


BGH schützt die Anonymität
Wenn Patienten befürchten müssen, nicht anonym zu bleiben, dann machen Bewertungsportale keinen Sinn - argumentieren die Richter. Das ist sicher richtig. Welcher Patient würde das Risiko eingehen, sich kritisch über seinen Arzt zu äußern, wenn sein Schicksal in dessen Händen liegt? Wohl kaum jemand. Ich muss zugeben, dass ich zwiegespalten bin, was Bewertungsportale anbelangt. Zum einen lassen sie sich kinderleicht manipulieren, zum anderen können sie aufschlussreich sein. Es gibt keine objektiven Kriterien - und manchmal ist gerade die subjektive Beurteilung interessant. Jeder bewertet, wie er will. Subjektiv. Nach eigenen Kriterien. Und oft genug wird einfach nur Dampf abgelassen.

Die möglichen Folgen interessieren viele nicht. Und das alles sogar ohne jemals Verantwortung übernehmen zu müssen, wie das aktuelle Urteil zeigt. Das ist problematisch, da sich jeder hinter dem Privileg der Anonymität verstecken kann. Da gehen mit dem ein oder anderen schon mal die Pferde durch - und das ist eigentlich unzumutbar. Auf der anderen Seite ist Anonymität oft auch sehr wichtig. Bedauerlich, dass manche dieses Privileg schamlos missbrauchen. Man kennt das auch aus Internetforen und Kommentarspalten.


Anonymität ist wichtig, aber Missbrauch übel. Es wäre ein Leichtes, dem Kritisierten im Portal eine Stellungnahme/Richtigstellung zu ermöglichen und somit eine Art "Neutralisierung" zu erreichen. Sowas gibt es gelegentlich ja schon.

Fritz am 1.07.14 11:19

Zum einen gibt es ja die Möglichkeit, auf strafrechtlichem Wege des Verleumders habhaft zu werden, zum anderen wäre die "Stellungnahme"-Funktion wahrscheinlich dann eine Funktion, die nur zu bezahlten Schreiberlingen führen würde :)

Twister (Bettina Hammer) am 1.07.14 11:50

Guten Tag, Herr Schlieb,
vielen Dank für Ihre ausgewogene Stellungnahme.
Ich finde dieses Urteil nicht in Ordnung, weil es Denunzianten begünstigt, ja ermutigt.
Auch ich bin (als Arzt) schon Opfer solcher "Bewertungen" geworden.
In einem Fall behauptete ein Patient, ich hätte mir eine "verdreckte Wunde nicht einmal angesehen und dann ohne Desinfektion von einer Mitarbeiterin (hätte) verbinden lassen".
Ein Weiterer hat mich vor versammeltem Wartezimmer wüst beschimpft, ich hätte eine Lipom ein Jahr zuvor übersehen und somit nicht entfernt, obwohl dies ein jahr vorher überhaupt noch nicht vorhanden war.
Da er seine "Bewertung meiner miserablen Arbeit" laut und vernehmlich verkündet hatte, konnte ich beim Bewertungsportal die Löschung seiner Behauptungen erreichen, seine "Benotung" wurde jedoch nicht gelöscht.
Das Recht auf Äußerung der freien Meinung muss da enden, wo objektiv falsche Aussagen gemacht werden!

Wolfgang Mehlen am 1.07.14 20:19


An der Anonymität im Netz sollten wir nicht rühren! Die Nebenwirkungen wären gravierend, der Nutzen gering. Ausnahmen mag es bei Volksverhetzung oder wirklich schweren Straftaten geben. Das ist dann eine Ausnahme mit richterlicher Anordnung.

Wenn keine anonyme Kritik mehr möglich ist, kann jede finanzstarke Organisation jede Kritik aus dem Netz klagen. Man muss die Prozesse am Ende gar nicht mal gewinnen. Allein die Aussicht auf jahrelange Prozesse wird die meisten Kritiker verstummen lassen. Eine seriöse Firma wird mit dem Kritiker Kontakt aufnehmen und die Sache klären. Das geht auch jetzt. Gerade die Unseriösen werden Kritik wegklagen.

Man könnte keine zweifelhafte Organisation kritisieren, keinen Arbeitgeber, keinen Kaffeefahrtenverkäufer, keine Bank, nicht mal ein schlechtes Produkt. Außerdem würde es bald anonyme Bewertungsportale im Ausland geben, die für hiesige Rechtsprechung unerreichbar sind. Die wird der Verleumder gerne nutzen, der normale Kritiker lieber nicht.

Bertram in Mainz am 2.07.14 17:48

@Wolfgang Mehlen-das Urteil nicht verstanden?es ist damit nicht ausgeschlossen auf Strafrechtlichem Wege seine Interessen durchzusetzen.Abgesehen davon-was sie da schildern mit ihrem Patienten-dafuer gibt es die Polizei und die ist rasch da wenn man 110 anruft!Das das Portal seinen Kommentar geloescht hat,haben sie ja erreicht-das die Bewertung( eine 4 oder schlechter?)stehen blieb ist doch voellig klar,denn das ist eine subjective Bewertung und eben kein Kommentar der eunter Umstaenden gerichtlich ueberprueft werden kann.Wenn ich der Meinung bin ihre Arbeit entsprcht nach meinem dafuerhalten nur einer Zeugnisnote von 4 ist dies eben nicht Gerichtlich ueberpruefbar-da damit eben keinerlei Beleidigungen oder Unwahre Tatsachenbehauptungen einhergehen.Das sie sich dadurch "auf den Schlips getreten fuehlen"ist fuer ein gericht kein Masstab.Kleiner Tip:derartiege Bewertungsportale interessieren nur Patienten an denen ihnen sicher nicht gelegen ist-und schlechte Aerzte.. ;)

Ach je am 9.07.14 10:10

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Montag, 30.06.2014

Dieses Posting wird Dein Leben verändern

"Unglaublich: Du wirst Deinen eigenen Augen nicht trauen". "Unfassbar, dass ein Mensch so etwas überlebt." "Dieses Bild wirst Du nie wieder vergessen." Es sind Überschriften wie diese, die ausschließlich niedere Instinkte ansprechen, garantiert keinen Inhalt haben - doch leider unglaublich gut funktionieren. Es gibt mittlerweile diverse "Portale" wie Buzzfeed oder Heftig, die auf diese Weise in den Social Media Dumme suchen, die willig genug sind, solche Headlines anzuklicken. "Click Bait" wird das genannt: eine neue Seuche im Netz.

Dummheit stirbt leider nicht aus. Da hilft nur Aufkärung - zumindest ein bisschen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Jedenfalls habe ich ein WWW: Video entdeckt, das ganz wunderbar das Phänomen Click Bait erklärt: Unterhaltsam, bissig - und leider wahr. Unbedingt anschauen. Und danach bitte nie wieder auf einen Clickbait-Trick reinfallen.

Und richtig übel wird es dann, wenn das beim blauen f passiert - und anschließend automatisch(!) ein Newsfeed generiert wird, dass man selbst diesen Link empfiehlt(!)... So dass die eigenen Freunde da auch noch draufklicken.

Melbournian am 1.07.14 10:17

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