Donnerstag, 20.03.2014

App-Entwicklung mit Arne

Ich habe 16 Apps auf meinem Handy. Die meisten davon sind einfach praktisch. Sie ermöglichen mir eine problemlose Navigation in fremden Gegenden, zeigen mir übersichtlich an, wann meine Bahn kommt und scannen ein schwarz-weißes Kästchen ab, um mir direkt alle Infos über ein Produkt auszuspucken. Aber wie funktioniert das eigentlich? Wer entwickelt Apps, wie lange dauert sowas und könnte ich das auch?

Eine App zur App-Entwicklung gibt es leider nicht. Ich habe nachgeschaut. Aber trotzdem kann ich eine App zumindest mitentwickeln. Am Anfang braucht man einfach nur eine Idee. Aber weil es schon eine Menge gibt, bietet es sich an, mit Experten zu überlegen. Ich habe mich also einfach mal bei App-Entwickler Arne Horn (nein, kein Verwandter von mir) und seinem Team von Maple Apps eingeklinkt. Ich steige direkt mit meiner wichtigsten Frage ein: Wie funktioniert die Entwicklung einer App?

App-Progammierung; Rechte: WDR/Horn

Und ich bekomme in etwa diese Antwort:

„Das ist die Init-Methode, da hat man dann ein Alock mit NSObject."

Wie bitte? Ich verstehe nur Bahnhof. Und diese Fetzen sind auch leider alles, mehr ist nicht hängen geblieben vom vereinfachten Erklärungsversuch. Programmierer Moritz sitzt vor einem großen Monitor und schreibt in einem Wust aus Zahlen, Sonderzeichen und Buchstaben in pink und grün und blau herum, als würde er gerade den Deutsch-Aufsatz eines Erstklässlers korrigieren.

Eins ist mir ganz schnell klar: nein, ich könnte nicht selbst eine App entwickeln. Die Programmierung ist nicht einfach. Die Benutzung sollte es aber auf alle Fälle sein, erklärt mir Arne. "Aus unserer Sicht ist eine gute App eher zu vergleichen mit einem Schraubenzieher oder einem Hammer. Sie sollte eine Funktionalität haben, und die sehr gut, also auf keinen Fall das Schweizer Taschenmesser, das alles kann."

Ein gutes Beispiel: die App "Exitus". Damit kann der Nutzer seine Lebenserwartung berechnen. Zuerst überlegte das Team, was man dafür braucht und stolperte dabei über einige Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Je nach Lebensstils - Sport, Ernährung, Arbeit - erreicht man statistisch gesehen ja ein mehr oder weniger hohes Alter. Schritt zwei also: Arne und sein Team haben eigene Formeln aufgestellt, um Lebensjahre zu berechnen und angefangen, die App damit zu füttern. Alles was ich als Nutzerin dann tun muss, ist ein paar Fragen zu beantworten. Alter, Größe, Gewicht, Geschlecht und dann, wo ich 80 Prozent meines Lebens verbracht habe (Deutschland), wie ich zur Arbeit komme (Fahrrad), ob ich auf eine ausgewogene Ernährung achte (ja)? Zwischenstand: ich lebe noch 49 Jahre. Putzt du täglich deine Zähne? Klar! Wieder plus drei Jahre.

Exitus; Rechte: Arne Horn

Mein Ergebnis: noch 60 Jahre soll ich haben. Gar nicht schlecht. Damit das Ganze schnell und vernünftig funktioniert, mussten die einzelnen Seiten der App aber erst mühselig zusammen gebastelt werden. Dabei gibt es einmal die visuelle Komponente und auf des weiteren die Funktionalität, so Arne. "Wenn also eine Zahl in der App geändert wird, muss man die Zahl berechnen und dann anzeigen. Die Ansicht ist dabei eine Datei, das Berechnen eine andere Datei. Die Klammer startet sozusagen einen Countdown, dann wird die Berechnung durchgeführt und das gibt man dann an die Anzeige und bekommt die Zahl." Für mich als Nutzer erscheint die im hübschen "Kleid" auf meinem Display. Schwarzer Hintergrund, in der Mitte eine Art analoge Uhr, in der meine Lebenserwartung erscheint. Das Design muss natürlich auf allen Endgeräten, also Handys und Tablets, darstellbar sein. Dabei hilft Josh, der für das Erscheinungsbild von Exitus zuständig war, technisches Hintergrundwissen.

Nach knapp sechs Wochen - von der Idee bis zur Testversion - ist die App fertig. Anschließend muss sie nur noch in die Review von Apple und Google. "Apple guckt sich jede App an. Wenn zum Beispiel ein Fehler im Beschreibungstext ist, muss man den erst beheben, bevor die App wirklich veröffentlicht wird. Google lässt Apps erst einmal zu und prüft sie nur, wenn es Beschwerden gibt."

Ich mach den Fragebogen gleich nochmal. Vielleicht lerne ich noch mehr über die Visualisierung der Init-Methode. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja in diesem Exitus-Durchgang noch ein paar Jahre älter.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Mittwoch, 19.03.2014

25 Jahre WWW | 2002: Das erste Freunde-Netzwerk

Wenn wir heute über "Soziale Netzwerke" sprechen, dann denken wir in der Regel an Facebook, Google+ und vielleicht noch MySpace. Aber das Ur-Netzwerk, das erste soziale Netzwerk überhaupt, das kennt - zumindest bei uns in Deutschland - kaum jemand: Bereits im Jahr 2002, also zwei Jahre vor der Erfindung von Facebook, wurde das Freunde-Portal WWW: Friendster gegründet. Hier konnte man sich virtuell mit anderen Leuten treffen, Freunschaften schließen, sich online austauschen. Damals etwas ganz Neues. Friendster war ohne jeden Zweifel das erste soziale Netzwerk überhaupt - und hatte in besseren Zeiten bis zu drei Millionen Mitglieder, vor allem in den USA und Japan.

friendster.png
Heute ist Friendster eine Plattform für Gamer

Bis 2004 galt Friendster als größtes soziales Netzwerk, wurde dann aber im Jahr 2004 von WWW: MySpace überholt. MySpace wurde ebenfalls 2002 gegründet und hat sich vor allem auf das Thema Musik konzentriert. Das eigentliche Friendster-Portal gibt es nicht mehr: Alle Beiträge, Fotos, Kommentare und Videos auf Friendster wurden 2011 gelöscht. Heute gehört Friendster einem WWW: asiatischen Anbieter für Onlinezahlungen und beschäftigt sich vor allem mit Online-Games. Heutige soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ und Co. sind Erben von Friendster. Sie haben die Idee weiterentwickelt.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Lieber Jörg, soweit ich mich erinnern kann (und zumindest Wikipedia bestätigt meine Erinnerungen) gab es uboot.com schon einige Zeit vor 2002. Davon abgesehen würde ich mich bei einem Medium, wie dem Internet, keinesfalls festlegen wollen, wer da als erstes eine "Tür" (Portal = Webseite) aufgemacht hat.

Für mich steht jedenfalls fest, dass die Kommunikation der Weltbevölkerung durch das Internet förmlich explodiert ist. So zu sagen: Der Big Bang der Kommunikation. Wir nehmen es heute nur noch als Hintergrundrauschen war - nennen es Facebook und glauben, das sei das wahre Internet. Dabei ist es doch viel geruhsamer, durch das wilde Digistalistan zu surfen. ;-)

LG & CU

Dominik am 20.03.14 1:33

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Dienstag, 18.03.2014

Netzneutralität in Gefahr

WWW: Netzneutralität ist wichtig. Wie wichtig, dass können wir allerdings erst merken, wenn sie nicht mehr da ist. Bislang gibt es Netzneutralität im Netz. Und das bedeutet insbesondere: Alle Datenpakete müssen gleichwertig behandelt werden, unabhängig von Absender, Inhalt oder Empfänger. Nur so ist sichergestellt, dass kleine Start-ups im Web dieselben Möglichkeiten haben wie große Onlinekonzerne, Blogger genauso zuverlässig im Web präsent sind wie die Nachrichtenportale von Zeitungen, Zeitschriften oder Sendern.


DSL-Kabel mit Knoten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die Tempobremse für DSL-Anschlüsse ist noch nicht da


Geschwächt statt gestärkt
Doch die Netzneutralität ist erheblich in Gefahr. Heute (18.03.2014) hat der Industrieausschuss im EU-Parlament (ITRE) dem Entwurf für eine EU-weite Telekommunikationsverordnung zugestimmt: 34 Ja-Stimmen, 22 Nein-Stimmen. Manche EU-Politiker verkaufen das als Stärkung der Netzneutralität. Doch Skeptiker sehen genau das Gegenteil: Problematisch ist demnach ein Passus, der Providern in Europa erlaubt, "Specialized Services" anzubieten, die dann bevorzugt behandelt werden dürfen. Blog: Drosselkom durch die Hintertür sozusagen, durch die EU legitimiert.

Kritiker befürchten allerdings das Schlimmste. Es geht dabei nicht um die Initiative an sich, sondern um konkrete Passagen im Gesetz, die Nachteile nach sich ziehen könnten. Möglicherweise zahlen wir zukünftig deutlich mehr fürs Internet, denn die in Zukunft dann erlaubten "Specialized Services" wollen ja finanziert werden. Außerdem bekommen wir nicht mehr das gesamte Internet zur Verfügung gestellt, weil Internetprovider ohne richterlichen Beschluss Inhalte blocken können.

Zustände wie in der Türkei also. Last, not least könnte der Wettbewerb verzerrt werden. Weil finanzkräftige Unternehmen wie Microsoft, Facebook oder Google es sich leisten können, für bevorzugte Behandlung zu bezahlen, würden Onlineangebote von Start-ups oder gemeinnützige Angebote wie Wikipedia gedrosselt. Sollte das Gesetz so kommen und für die gesamte EU wirksam werden, könnten sich die Befürchtungen tatsächlich bewahrheiten. Für uns Konsumenten wäre das nicht gut, nur für die Internetprovider.


Save the Internet: Die Netzneutralität in Gefahr


Aufruf zum Widerstand
Zwar stimmen die EU-Abgeordneten in der Regel ab, wie die Ausschüsse empfehlen. Dann wäre die Netzneutralität in der EU tatsächlich schon bald in Gefahr. Trotzdem gibt es noch die vage Möglichkeit, Details am Gesetzespaket zu ändern. Darauf setzen die Macher der Initiative WWW: savetheinternet.eu. Auf der Webseite kann man sich nicht nur informieren, welche Fallstricke der Vorstoß der EU birgt und welche Verbesserungsvorschläge es gibt - jeder Einzelne kann auch aktiv werden, um die Initiative zu unterstützen.

Kontaktiere Deinen EU-Abgeordneten, das ist die Strategie. Sage ihm, was Du von den Plänen hältst - und wie wichtig Dir Netzneutralität ist. Allerdings trauen die Betreiber der Initiative den EU-Abgeordneten wohl nicht unbedingt zu, technologisch auf dem Stand zu sein. "Schicken Sie Ihrem EU-Abgeordneten ein Fax", empfehlen die Betreiber, nachdem die anderen beiden Möglichkeiten des Protests - Anrufen oder E-Mail senden - genannt wurden. Das sagt wohl alles.


Screenshot; Rechte: savetheinternet.eu
Save the Internet: Initiative für Netzneutralität

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