Dienstag, 07.07.2015

Sind wir bald dahaaa?

Eine Straße, ein Haus, ein Kraftwerk und schon lebt mein Handy-Display. Ich habe die Temperaturen in den letzten Tagen nur bedingt gut ausgehalten und mich deshalb entschieden, es mal mit Handy-Spielen zu probieren. Im schattigen Wohnzimmer. Nach einer kleinen Feldstudie im Kölner Grüngürtel, welche Spiele denn gerade gefragt sind, habe ich mich das erste Mal in meinem Leben mit SimCity beschäftigt, einem Klassiker. Bis vor kurzem habe ich mich oft gefragt, wie man bloß am Handy Spiele spielen kann und soviel Zeit verbringen kann. Jetzt weiß ich es.

Simcity; Rechte: EA/Horn

Kleine Männchen bauen Gebäude, es wird Tag oder Nacht, die Vögel zwitschern im Hintergrund und ich bekomme Rückmeldung, ob meine Bewohner zufrieden sind, frieren, Licht oder Wasser brauchen. Ich kann meine Nachbarstadt besuchen und meiner Stadt einen Namen geben. Ahorncity. Und zack, sind die ersten 20 Minuten verflogen.

Handyspiele sind sehr umstritten, ich weiß. Gerade für Kinder heißt es oft, sowas braucht man nicht, man kann auch anders Zeit verbringen. Stimmt, kann man. Es gibt Bücher, Karten, Eis und Papas Rückenlehne bei langen Autofahrten. Handys sind kein Mittel zur Ruhigstellung, wenn man auf Reise ist. Aber digitaler Zeitvertreib ist doch nicht grundsätzich etwas Schlechtes, oder? Wir haben damals auch nicht nur Holzklötzchen gespielt, sondern gedaddelt was das Zeug hält. Vielleicht waren es eher Gameboys oder Tamagotchis. Und Zuhause waren es Computer und Konsolen. Aber was spricht dagegen, dass Kinder sich auch mal die Zeit versüßen und uns als Erwachsenen ein paar Minuten das ewige "sind wir bald dahaaa?" ersparen? Sind wir durch Disketten und Apps etwa schlechtere Menschen geworden?

Draußen tobt der Sommer und alle Kinder spielen hoffentlich gerade alle im Garten oder toben im Schwimmbad statt am Handy zu versacken. Aber so wie wir nach einem langen Arbeitstag vielleicht den Fernseher anschmeißen, noch ein paar Emails und unzählige Nachrichten über WhatsApp schreiben oder unsere Pulsuhren mit dem Rechner synchronisieren, können Kinder und Jugendliche doch auch mal entspannen und Spaß haben. Auf einer Flugreise können Kinder zum Beispiel selbst Sicherheitsbeamter spielen - mit dem Airport-Scanner müssen sie Schmuggelware im Koffer erkennen und die Bösewichte aus dem Verkehr ziehen. Dabei läuft die Uhr rückwärts, denn der Flieger will rechtzeitig starten. Dabei lernt man sogar zu kalkulieren und Bösewichte auszusortieren.

airportscanner kl.jpg

Es ist auf jeden Fall sinnvoll und notwendig, dass Eltern eine zeitliche Begrenzung festlegen und den Kindern rechtzeitig beibringen, welche Spiele sie meiden sollten und wie sie richtig mit Werbung und In-App-Kauf-Verlockungen umgehen sollten. Aber man kann es nicht verneinen: Handys, Tablets und Co. gehören mittlerweile zu unserem Alltag wie die Luft zum Atmen. Man kann sie nutzen und trotzdem ein sozialer Mensch werden. Vielleicht einer, der im Schulbus zwischendurch Englisch-Vokabeln per App lernt statt andere Kinder zu ärgern, weil ihm langweilig ist. Oder einer der Tiergeräusche lernt, die Mama und Papa nicht vormachen (können). Oder wissen Sie, wie ein Eichhörnchen, ein Zebra oder ein Panda machen - ohne digital nachzuhören?


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Audio: Radio.

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Montag, 06.07.2015

Griechenland muss offline durch die Krise

Die Bilder gehen um die Welt: Griechen stehen geduldig und in langen Schlangen vor dem Geldautomaten, um täglich maximal 60 Euro zu ziehen. Doch was sich nicht so gut fotografieren oder filmen lässt, sind die jüngst eingeführten Kapitalverkehrskontrollen - und ihre Folgen.

Seit gut einer Woche darf - von einigen Ausnahmen wie beim Kauf von Arzneimitteln abgesehen - kein Geld mehr ins Ausland transferiert werden. Diese Kontrollen betreffen nicht nur Firmen, die deshalb keine Waren mehr im Ausland einkaufen können. Die Kontrollen betreffen auch Privatleute. Denn auch an Onlinedienste wie Amazon, Paypal, Google oder Apple darf kein Geld mehr geschickt werden. Jedenfalls nicht von einem griechischen Konto oder von einer griechischen Kreditkarte.

Griechen ziehen Bargeld am Automaten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Griechen ziehen Bargeld am Automaten


Griechenland wird nicht mehr bedient
Das bedeutet in der Praxis: Es ist nicht mehr möglich, online Musik oder Filme zu kaufen (sofern es überhaupt viele Griechen gibt, die es sich angesichts der aktuellen Situation so etwas leisten wollen). Auch das Shoppen bei Amazon geht nicht mehr. Und das Überweisen von Geldbeträgen ins Ausland via Paypal natürlich erst recht nicht. Durch diese Beschränkungen bekommen aber nicht nur Privatleute ein Problem, sondern auch viele Freiberufler, Startups oder Unternehmen, die zum Beispiel ihre Server-Infrastruktur per Kreditkarte bezahlen und bei Amazon Web Services (AWS) einkaufen, wie so viele Startups in der Welt.

Der Online-Bezahldienst Paypal WWW: bestätigt die Einschränkungen. Überweisungen innerhalb Griechenlands seien aber nach wie vor möglich. Nur gibt es praktisch keine relevanten Dienstleistungen aus dem IT-Bereich, die man in Griechenland einkaufen könnte. Das wird zur Folge haben, dass nicht nur Apple Music, Apple iTunes, Google Play Store, Amazon, Paypal und Co. nicht mehr genutzt werden können, sondern dass auch viele Webseiten und Onlineshops in Griechenland abgeschaltet werden.

Ripple: Kaum Transaktionsgebühren fällig; Rechte: Ripple
Ripple verlangt kaum Transaktionsgebühren


Bitcoins und Ripple nicht zu kontrollieren
Schlägt nun die Stunde für Blog: virtuelle Währungen wie Bitcoin oder Ripple? Solche Kryptowährungen existieren ausschließlich im Netz. Ohne jede staatliche Kontrolle. Kapitalverkehrskontrollen sind für Kryptowährungen unmöglich. Wenn Griechen ihre Euro innerhalb von Griechenland gegen Bitcoins oder Ripple umtauschen, also das Geld nicht ins Ausland überweisen müssen, so ist das jederzeit möglich. Der WWW: Bitcoin-Kurs ist in den letzten Wochen etwas gestiegen - ist aber noch weit von ehemaligen Höchstkursen entfernt.

Doch selbst wer Bitcoin oder Ripple gehortet hat, kann jetzt nicht im Luxus schwelgen: Denn trotz zunehmender Popularität kann man nach wie vor nur sehr eingeschränkt mit der virtuellen Währung einkaufen. Um sein Geld in Sicherheit zu bringen sind Bitcoin, Ripple und Co. jedoch eine ganz gute Möglichkeit. Doch davon werden nur wenige Gebrauch machen. Denn die Kunstwährungen bekommt man nicht bei der Bank und schon gar nicht am Automaten, sondern ausschließlich online.

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Montag, 06.07.2015

Mein Smartphone weiß bald alles besser

Vor allen Dingen wird es bald ziemlich genau vorhersagen können, was sein Besitzer oder seine Besitzerin als nächstes mit ihm tun wird. "Wir entwickeln jetzt für unsere neue Familie von Top-Endgeräten eine Anwendung, mit der wir kognitive Technologien in das Chipset integrieren", sagt Eloy Fustero vom WWW: Prozessorhersteller Qualcomm.

Die Chiphersteller setzen auf Technologien maschinellen Lernens, weil sie unbedingt Strom sparen müssen. Denn zur Zeit muss ein gut ausgelastetes Smartphone spätestens nach 24 Stunden wieder aufgeladen werden. Den Anwendern reicht die Akkulaufzeit nicht mehr aus.

chipset.jpg; Rechte: WDR/Peter Welchering
Solche allwissenden Smartphone-Chips der Zukunft werden gerade in den Labors getestet

"Wir müssen unbedingt Geräte mit längerer Betriebszeit bauen", meint denn auch Rodrigo Del Prado vom spanischen WWW: Smartphone- und Tablet-Hersteller BQ. Und Del Prado weiß auch: "Den Tank können wir nicht mehr beliebig vergrößern, also müssen wir eine effizientere Maschine haben."

Das erfordert dringend eine Optimierung der Prozessverwaltung. Denn zu früh aufgerufene oder ständig vor sich hinlaufende Prozesse verbrauchen enorm viel Strom. Die Lösung: Das Smartphone muss prognostizieren können, welche Anwendungen sein Besitzer demnächst aufruft, um die entsprechenden Prozesse just in time bereitzustellen. Nur die Prozesse dürfen laufen, die auch wirklich gerade benötigt werden.

Lernsoftware sagt den Smartphone, was sein Besitzer will

Und weil Smartphone-Benutzer Gewohnheitstiere sind, lässt sich das auch bewerkstelligen. Die Prozessorhersteller integrieren deshalb Software für maschinelles Lernen direkt in das Chipset und lassen die Verwaltung der Prozesse darüber laufen.

handy-akku-klein.jpg; Rechte: WDR/Peter Welchering
Apps starten viele Prozesse, und das braucht enorm Strom


Die Lernsoftware muss dafür jede Aktivität des Smartphone-Besitzers aufzeichnen. Sind entsprechend viele Daten über die individuelle Smartphone-Nutzung gesammelt worden, werden Muster gebildet und Wahrscheinlichkeitsbeziehungen berechnet.

Auf dieser Grundlage kann die Vorhersage-Software dann präzise bestimmen, wann welche Prozessorleistung benötigt wird. Ein Teil der benötigten Rechenleistung kommt dann von Spezialprozessoren, zum Beispiel vom Grafikchip oder einem Audioprozessor.

"Die Prozesse werden dann von der Prognosesoftware zum richtigen Zeitpunkt gestartet, auf die Prozessorkerne oder Spezialprozessoren verteilt und rechtzeitig wider beendet", schildert Prozessorspezialist Eloy Fustero das Konzept.

Es geht um den Stromverbrauch

Denn nur die völlig transparente Smartphone-Anwendung kann die Energie so effizient nutzen, dass Betriebszeiten von mehreren Tagen auch für Intensiv-Anwender wieder möglich werden.

Genau hier liegt ein Problem: Die Prognosesoftware kennt das Verhalten des Smartphone-Benutzers ganz genau. Die Daten, die von der Lernsoftware des Smartphones gesammelt werden, die Musterberechnungen, die für die Prognosesoftware mit diesen Daten angestellt werden, betreffen sowohl sehr persönliche Lebensbereiche als auch Firmengeheimnisse bei Diensthandy-Besitzern.

Wer diese Daten, solche persönlichen Geheimnisse oder individuelle Nutzerprofile haben will, muss dann nur das Smartphone der "Zielperson" anzapfen. Geheimdienste werden frohlocken. Denn das könnte ihre Arbeit ungemein erleichtern.

Alle wollen solche effizienten Smartphones, aber offensichtlich machen sich viel zu wenige Menschen Gedanken darüber, wie trotz der damit verbundenen völlig transparenten Nutzung noch so etwas wie Privatsphäre, Raum für persönliche Geheimnisse garantiert werden kann. Längere Smartphone-Laufzeiten gegen persönliche Daten scheint mir jedenfalls.

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