Donnerstag, 20.03.2014

25 Jahre WWW | 2003: Skype, Spiele und Star Wars

Hat das World Wide Web sich anfangs noch vergleichsweise langsam entwickelt, ging es Anfang der 2000er Jahre deutlich schneller weiter. Im Jahr 2003 zum Beispiel ist jede Menge passiert - mit Auswirkungen auf das Web, die wir bis heute beobachten können. So wurde 2003 zum Beispiel Skype erfunden. Heute kennt die Chat-Software praktisch jeder. Erfunden und in den Markt eingeführt wurde Skype im Juli 2003. Ausnahmsweise mal keine Software aus den USA, sondern eine Idee aus Skandinavien. Programmiert wurde Skype von Esten Ahti Heinla, Priit Kasesalu und Jaan Tallinn, die zuvor auch schon an der Filesharing-Software Kazaa mitgewirkt haben. Mittlerweile gehört WWW: Skype zu Microsoft und ist in Windows 8 und in Windows Phones fest eingebaut.

Mit Skype konnte man zum ersten Mal komfortabel mit anderen Leuten über das Internet plaudern - und sich dabei sehen, wie in einer Videokonferenz. Einzige Voraussetzung: Ein PC mit Webcam und Mikrofon. Per Skype geführte Videogespräche sind kostenlos - bis heute. Zwar kann man mittlerweile mit Skype auch ganz normale Telefongespräche führen, die dann kostenpflichtig sind, aber die meisten nutzen Skype für kostenlose Gespräche. Wer mag, kann auch einfach chatten - per Tastatur. Skype ist nach wie vor die mit Abstand populärste Chat-Software. Daran konnte auch Hangout von Google nicht viel ändern, das erst einige Jahre später an den Start gegangen ist.

skypen.png
Skype: Videokonferenzen übers Internet zum Nulltarif

Virtuelle Welten in Onlinespielen
2003 war aber auch das Jahr, in dem ein anderer Trend Gestalt annahm: Virtuelle Spielwelten im Web. Mit WWW: Entropia Universe ist 2003 ein Online-Rollenspiel gestartet, das von Anfang an über eine opulente 3D-Spielgrafik verfügte. Mehrere Hundert Spieler konnten sich damals schon gleichzeitig in der virtuellen Welt aufhalten und die Geschicke ihrer virtuellen Spielfiguren steuern. Das Besondere an Entropia Universe aber ist, dass es nicht nur offiziell erlaubt, sondern sogar erwünscht ist, im Spiel mit echtem Geld zu handeln.

Das Spiel ist gratis - man zahlt nicht dafür, dass man spielen kann. Doch wer in der virtuellen Welt Geschäfte abwickelt, etwa Grundstücke kauft oder mit anderen Spielern Waren gegen Bezahlung austauscht, der muss dafür bezahlen. Die Betreiber des Spiels kassieren bei solchen Transaktionen Gebühren - ausreichend, um das Spiel an sich kostenlos anbieten zu können. Ein Spielkonzept, das sich Free2Play nennt und bis heute existiert.


Eindrücke aus der virtuellen Spielwelt Entropia Universe


Star Wars Kid: Ein Video geht um die Welt
2003 machte auch zum ersten Mal ein Video die große Runde. Im November 2002 hat sich ein kanadischer Schüler mit der Videokamera dabei aufgenommen, wie er - etwas ungelenk - eine Golfballangel wie ein Lichtschwert aus Star Wars führt. Das sieht ungemein komisch aus - und deshalb veröffentlichten seine Mitschüler das Video im April 2003 auf Youtube. Allerdings ohne die Zustimmung des armen Jungen, der davon nichts wusste.

Das Video wurde mittlerweile über eine Milliarde Mal angeschaut und gilt als eins der am häufigstem angesehenen Videos überhaupt. Der betroffene Schüler hat davon nicht profitiert: Er musste mehrmals die Schule wechseln, weil er für sein Video verhöhnt wurde - und musste sich am Ende sogar in psychiatrische Behandlung begeben. Dennoch: Das WWW: Star Wars Kid getaufte Video hat Geschichte geschrieben. Es hat gezeigt, wie sich bestimmte Phänomene wie ein Lauffeuer im Web verbreiten können. Heute noch schneller als damals.


Über 28 Mio. Klicks: Star Wars Kid

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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Donnerstag, 20.03.2014

App-Entwicklung mit Arne

Ich habe 16 Apps auf meinem Handy. Die meisten davon sind einfach praktisch. Sie ermöglichen mir eine problemlose Navigation in fremden Gegenden, zeigen mir übersichtlich an, wann meine Bahn kommt und scannen ein schwarz-weißes Kästchen ab, um mir direkt alle Infos über ein Produkt auszuspucken. Aber wie funktioniert das eigentlich? Wer entwickelt Apps, wie lange dauert sowas und könnte ich das auch?

Eine App zur App-Entwicklung gibt es leider nicht. Ich habe nachgeschaut. Aber trotzdem kann ich eine App zumindest mitentwickeln. Am Anfang braucht man einfach nur eine Idee. Aber weil es schon eine Menge gibt, bietet es sich an, mit Experten zu überlegen. Ich habe mich also einfach mal bei App-Entwickler Arne Horn (nein, kein Verwandter von mir) und seinem Team von Maple Apps eingeklinkt. Ich steige direkt mit meiner wichtigsten Frage ein: Wie funktioniert die Entwicklung einer App?

App-Progammierung; Rechte: WDR/Horn

Und ich bekomme in etwa diese Antwort:

„Das ist die Init-Methode, da hat man dann ein Alock mit NSObject."

Wie bitte? Ich verstehe nur Bahnhof. Und diese Fetzen sind auch leider alles, mehr ist nicht hängen geblieben vom vereinfachten Erklärungsversuch. Programmierer Moritz sitzt vor einem großen Monitor und schreibt in einem Wust aus Zahlen, Sonderzeichen und Buchstaben in pink und grün und blau herum, als würde er gerade den Deutsch-Aufsatz eines Erstklässlers korrigieren.

Eins ist mir ganz schnell klar: nein, ich könnte nicht selbst eine App entwickeln. Die Programmierung ist nicht einfach. Die Benutzung sollte es aber auf alle Fälle sein, erklärt mir Arne. "Aus unserer Sicht ist eine gute App eher zu vergleichen mit einem Schraubenzieher oder einem Hammer. Sie sollte eine Funktionalität haben, und die sehr gut, also auf keinen Fall das Schweizer Taschenmesser, das alles kann."

Ein gutes Beispiel: die App "Exitus". Damit kann der Nutzer seine Lebenserwartung berechnen. Zuerst überlegte das Team, was man dafür braucht und stolperte dabei über einige Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Je nach Lebensstils - Sport, Ernährung, Arbeit - erreicht man statistisch gesehen ja ein mehr oder weniger hohes Alter. Schritt zwei also: Arne und sein Team haben eigene Formeln aufgestellt, um Lebensjahre zu berechnen und angefangen, die App damit zu füttern. Alles was ich als Nutzerin dann tun muss, ist ein paar Fragen zu beantworten. Alter, Größe, Gewicht, Geschlecht und dann, wo ich 80 Prozent meines Lebens verbracht habe (Deutschland), wie ich zur Arbeit komme (Fahrrad), ob ich auf eine ausgewogene Ernährung achte (ja)? Zwischenstand: ich lebe noch 49 Jahre. Putzt du täglich deine Zähne? Klar! Wieder plus drei Jahre.

Exitus; Rechte: Arne Horn

Mein Ergebnis: noch 60 Jahre soll ich haben. Gar nicht schlecht. Damit das Ganze schnell und vernünftig funktioniert, mussten die einzelnen Seiten der App aber erst mühselig zusammen gebastelt werden. Dabei gibt es einmal die visuelle Komponente und auf des weiteren die Funktionalität, so Arne. "Wenn also eine Zahl in der App geändert wird, muss man die Zahl berechnen und dann anzeigen. Die Ansicht ist dabei eine Datei, das Berechnen eine andere Datei. Die Klammer startet sozusagen einen Countdown, dann wird die Berechnung durchgeführt und das gibt man dann an die Anzeige und bekommt die Zahl." Für mich als Nutzer erscheint die im hübschen "Kleid" auf meinem Display. Schwarzer Hintergrund, in der Mitte eine Art analoge Uhr, in der meine Lebenserwartung erscheint. Das Design muss natürlich auf allen Endgeräten, also Handys und Tablets, darstellbar sein. Dabei hilft Josh, der für das Erscheinungsbild von Exitus zuständig war, technisches Hintergrundwissen.

Nach knapp sechs Wochen - von der Idee bis zur Testversion - ist die App fertig. Anschließend muss sie nur noch in die Review von Apple und Google. "Apple guckt sich jede App an. Wenn zum Beispiel ein Fehler im Beschreibungstext ist, muss man den erst beheben, bevor die App wirklich veröffentlicht wird. Google lässt Apps erst einmal zu und prüft sie nur, wenn es Beschwerden gibt."

Ich mach den Fragebogen gleich nochmal. Vielleicht lerne ich noch mehr über die Visualisierung der Init-Methode. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja in diesem Exitus-Durchgang noch ein paar Jahre älter.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Mittwoch, 19.03.2014

25 Jahre WWW | 2002: Das erste Freunde-Netzwerk

Wenn wir heute über "Soziale Netzwerke" sprechen, dann denken wir in der Regel an Facebook, Google+ und vielleicht noch MySpace. Aber das Ur-Netzwerk, das erste soziale Netzwerk überhaupt, das kennt - zumindest bei uns in Deutschland - kaum jemand: Bereits im Jahr 2002, also zwei Jahre vor der Erfindung von Facebook, wurde das Freunde-Portal WWW: Friendster gegründet. Hier konnte man sich virtuell mit anderen Leuten treffen, Freunschaften schließen, sich online austauschen. Damals etwas ganz Neues. Friendster war ohne jeden Zweifel das erste soziale Netzwerk überhaupt - und hatte in besseren Zeiten bis zu drei Millionen Mitglieder, vor allem in den USA und Japan.

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Heute ist Friendster eine Plattform für Gamer

Bis 2004 galt Friendster als größtes soziales Netzwerk, wurde dann aber im Jahr 2004 von WWW: MySpace überholt. MySpace wurde ebenfalls 2002 gegründet und hat sich vor allem auf das Thema Musik konzentriert. Das eigentliche Friendster-Portal gibt es nicht mehr: Alle Beiträge, Fotos, Kommentare und Videos auf Friendster wurden 2011 gelöscht. Heute gehört Friendster einem WWW: asiatischen Anbieter für Onlinezahlungen und beschäftigt sich vor allem mit Online-Games. Heutige soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ und Co. sind Erben von Friendster. Sie haben die Idee weiterentwickelt.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Lieber Jörg, soweit ich mich erinnern kann (und zumindest Wikipedia bestätigt meine Erinnerungen) gab es uboot.com schon einige Zeit vor 2002. Davon abgesehen würde ich mich bei einem Medium, wie dem Internet, keinesfalls festlegen wollen, wer da als erstes eine "Tür" (Portal = Webseite) aufgemacht hat.

Für mich steht jedenfalls fest, dass die Kommunikation der Weltbevölkerung durch das Internet förmlich explodiert ist. So zu sagen: Der Big Bang der Kommunikation. Wir nehmen es heute nur noch als Hintergrundrauschen war - nennen es Facebook und glauben, das sei das wahre Internet. Dabei ist es doch viel geruhsamer, durch das wilde Digistalistan zu surfen. ;-)

LG & CU

Dominik am 20.03.14 1:33

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