Freitag, 27.02.2015

Ein Hoch auf die Netzneutralität

Die Sektkorken sind bei den großen Netzbetreibern in den Flaschen geblieben. Denn die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hat überraschend eindeutig entschieden: Netzneutralität geht vor. Es wird definitiv keine Überholspur für welche Daten auch immer geben im Internet. Das hat die Behörde strikt untersagt. Alle Daten müssen gleich behandelt werden, unabhängig davon, woher die Daten kommen, wohin sie fließen und was sie enthalten. Teure Luxus-Parallel-Spuren wird es im Internet erst mal nicht geben können.


Präsident begeistert, Konzerne beleidigt
US-Präsident Obama ist begeistert - und hat das auch WWW: getwittert. Er hat sich sogar öffentlich beim WWW: Online-Forum Reddit bedankt, das sich für die Netzneutralität stark gemacht hat. Obama hat sich aktiv in die Diskussion eingeschaltet und aus seiner Haltung keinen Hehl gemacht: Das Weiße Haus befürwortet die Netzneutralität. Nicht so begeistert von der Entscheidung des FCC sind die großen Netzbetreiber, allen voran Blog: Verizon, die eine Änderung der strikten Regelungen erwirken wollten. Die Entscheidung der FCC hat Verizon - sich einen Rest Humor bewahrend - in WWW: Schreibmaschine als Depesche veröffentlicht, im Stil der 30er Jahre.

Insgeheim wollen nahezu alle Netz-Provider die Netzneutralität aufweichen, denn nur dann könnten sie für Extradienst auch extra Kohle verlangen, etwa für Premiumdienste, die Daten bevorzugt behandeln, also schneller zustellen. Auch die Telekom wünscht sich eine Lockerung der Netzneutralität, um für Extradienste kassieren zu können, musste aber eine Blog: Menge Widerstand erleben. Bei Videodiensten könnte das sinnvoll sein, auch zum Beispiel bei medizinischen Diensten. Doch das Problem ist: Fängt man mal damit an, gibt es ganz schnell ein Zwei-Klassen-Internet.

Ohne Netzneutralität haben wir ein schnelles und ein langsames Internet; Rechte: dpa/Picture Alliance
Ohne Netzneutralität haben wir ein schnelles und ein langsames Internet


Jetzt bitte auch in EU und Deutschland
Man kann nur hoffen, dass dieses äußerst starke Signal auch in Brüssel und Berlin gehört wird. Wenn schon in den Kommerz geleiteten USA die Netzneutralität obsiegt, obwohl ohne sie mehr zu verdienen wäre, dann sollte es in Europa doch wohl auch möglich sein. Während die EU sich ebenfalls Blog: klar zur Netzneutralität positioniert, sieht das in Berlin schon anders aus. Hier denkt man laut darüber nach, unter bestimmten Umständen eine Bevorzugung von Daten zu erlauben. Es bleibt zu hoffen, dass diese Gedanken angesichts der klaren Haltung aus den USA und Brüssel nicht weiter gesponnen werden.

Auf jeden Fall ist die Entscheidung der FCC gut und richtig. Sie ist im Sinne der Verbraucher - und sie ist im Sinne des Internet. Die Netzneutralität ist ein Grundpfeiler des Netz und sollte es auch bleiben. Für alle Aktivisten, die sich für die Netzneutralität eingesetzt haben, war heute allerdings ein guter Tag.

"Jetzt bitte auch in EU und Deutschland" ROFL Die ersten"passenden Toene"sind doch schon von Deutschen und EU Politikern auf dem Markt"das geht ja garnicht"-man will ja die Fabrik 4.0,die dann von Moskau,Peking,oder Langley ausgeschaltet werden kann.Koennen die zwar jetzt schon,wie auch Kraftwerke,Krankenhaeuser,Banken etc.-geht dann aber schneller ;)
Btw.die Abstimmung war 3:2 und was die Reps in den USA nun machen ist so gut wie sicher...und von deren Sorte haben wir reichlich auch in Europa und Deutschland!

HaHa am 1.03.15 8:01

Offensichtlich auch nicht den Kommentar aus Oestereich mitbekommen unter" fm4p orf at stories 1754728 "
Die ersten beiden durch Punkt von einander trennen,nach at die folgenden durch slash vowaerts. ;)

Überholspur auf der Datenautobahn am 2.03.15 7:03

In Neusprech heisst VDS jetzt"Digitale Spurensicherung".Die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag erklärt dann mal, warum die "digitale Spurensicherung" so wichtig ist.Hmm"Spurensicherung"-kommt die nicht erst immer hinterher-warum also hier umgekehrt"die Digitale DNA"der gesammten Bevoelkerung abschnorcheln?

Ach ja am 4.03.15 8:04

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Donnerstag, 26.02.2015

Office für lau: Geschenkt ist geschenkt

Schüler und Studenten haben in der Regel Ebbe in der Kasse. Zwar bekommen sie auf wundersame Weise trotzdem ihre Smartphones und Mobilfunkverträge bezahlt, aber für andere Sachen fehlt das Geld garantiert, etwa für ernsthafte Software. Macht nichts, denn ab sofort müssen sie für Programme wie Word, Excel oder Powerpoint auch nichts mehr bezahlen, denn Microsoft verschenkt seinen Bestseller Blog: Office 365 an alle im Lehr- und Lernbetrieb. Schüler und Studenten zahlen nix für die begehrten Programme. Auch Lehrer kommen in den Genuss dieser Sonderbehandlung.

Schüler und Studenten können Office 365 jetzt für lau benutzen; Rechte: Microsoft
Schüler und Studenten können Office 365 jetzt für lau benutzen


Das Kleingedruckte lesen
So wertvolle Programme gratis nutzen dürfen? Das klingt sensationell und verlockend. Klar, OpenOffice ist auch prima Software. Aber mit dem Original arbeiten ist nie verkehrt. Zumal Microsoft komplette Office 365 Lizenzen verteilt. Man kann die aktuellste Version von Word, Excel, PowerPoint, OneNote, Access und Publisher benutzen - und das auf bis zu fünf Geräten. Außerdem gibt es 1 TB Speicherplatz auf OneDrive und Zugang zur Onlineversion von Office. Eine runde Sache, keine Frage.

Ich kann die nun im Kopf aufpoppende Frage förmlich sehen: Wo muss ich mich melden? Ganz so einfach ist es leider nicht. Es reicht nämlich dann doch nicht, Schüler, Student oder Lehrer zu sein. Man muss auch an einer Einrichtung lernen und lehren, die bei dem Microsoft-Programm mitmacht. Das ist zwar ab sofort auch in Deutschland möglich, aber allzu viele Bildungseinrichtungen sind noch nicht offiziell bei Microsoft gemeldet. WWW: Hier kann man rausfinden, ob man schon unter den Glücklichen zählt, die gratis mit einer Lizenz versorgt werden.

Wer nicht die passende E-Mail-Adresse hat, muss draußen bleiben; Rechte Microsoft
Wer nicht die passende E-Mail-Adresse hat, muss draußen bleiben


Klappt nur bei kooperierenden Einrichtungen
Man muss also auch eine E-Mail-Adresse bei der Bildungseinrichtung haben. Denn nur das wird von Microsoft überprüft: Steht die E-Mail-Adresse (@meine-schule.de) in der Liste der kooperierenden Einrichtungen - oder nicht. Falls ja, bekommt man gleich den Lizenzschlüssel zugeschickt. Falls nein, muss man warten, bis der Papierkram im Hintergrund erledigt ist. Dann muss man es erneut versuchen. Das sind viele Wenns und Abers. Begrüßenswert finde ich den Schritt von Microsoft aber dennoch.

Denn es ist eine noble Geste, den Bildungsapparat bei seiner Arbeit zu unterstützen. Zwar wäre es durchaus die Aufgabe der Allgemeinheit, genügend Geld für Lehrmaterial zur Verfügung zu stellen (Kreidehersteller liefern ihre Kreide garantiert nicht kostenlos an Schulen), aber Unterstützung kann nichts schaden. Auch wenn Microsoft natürlich einen Hintergedanken bei der Sache hat: Wer sich in seinen Lehrjahren auf eine Software einschwört, der wird sie in den Herrenjahren sicher nicht mehr über Bord werfen. Das Projekt ist also auch eine Investition in die eigene Zukunft - von Microsoft.

Man könnte auch sagen, das übliche Lock-Angebot, um das Produkt nachher teuer zu verkaufen.

Folgt man dem Link, stellt man schnell fest, dass das kostenfreie Angebot sich lediglich auf die Online-Version bezieht. Will man die Software auf seinem Rechner oder Tablet installieren, kostet es bereits, für die US-Version ab $2,50 pro Nutzer und Monat. (Beachte: monatliche Raten!)

Man kann getrost davon ausgehen, dass bei der Online-Version die Dateien eben auch erstmal online gespeichert werden. Ich bezweifle, dass man diese Office-Version dann z.B. für Klassenlisten oder schulinterne Dokumente wie Konferenzprotokolle etc. verwenden sollte oder auch darf. (Beḧ́ördendaten und so..)

Mal abgesehen davon, dass damit Schüler erst mal "angefixt" werden, damit sie dann nach der Schulzeit schön weiter ihr Abo bezahlen. Auf Alternativen umzusteigen wird dann immer schwerer, auch weil M$ sich kontinuierlich offenen Standards verweigert. Könnte ja das Geschäftsmodell beschädigen..

M$ mal wieder am 26.02.15 17:38

Wie Jörg schon sagt, das Angebot hat einige Haken. Aufgrund der Online-Bindung haben sich etliche Universitäten gegen das Angebot ausgesprochen. Da alles auf US-Servern gespeichert wird, sind Datenschutzrechte gefährdet.

Paavo Pohndorff am 26.02.15 18:04

OpenOffice ist inzwischen vollkommen veraltet, seitdem sich die Entwickler zurückgezogen haben, als das Projekt an oracle verkauft wurde. Dennoch ist es auch ein Original.
LibreOffice ist inzwischen deutlich weiter und ebenfalls ein Original. Beide Pakete bekommt man seit jeher kostenlos und dank einer aktiven Fan-Gemeinde gleich diverse Lösungen gratis. Ich benötige eine Firmenbriefvorlage? Das DIN-gerechte Vorlagenpaket steht bereit in den Kopf das eigene Logo einfügen, fertig. Die Buchhaltung für den Schachverein, die entsprechdende Vorlage ist bereits vorhanden, einige kleine Anpassungen machen, fertig.
Ich will gar keine Argumentationsschlacht ob MS, oder die Opensource Systeme besser sind. Wahrscheinlich sind sie sowieso gleichwertig. Und ja, man kann auch mit LibreOffice arbeiten, wenn alle anderen auf Produkte aus dem Hause MS setzen. Denn LibreOffice speichert auf Wunsch und bei entsprechender Voreinstellung auch standardmäßig, in MS Formaten ab. Öffnen kann es sie sowieso.

LibreOffice am 26.02.15 18:38

Sehe ich genau so wie "M$ mal wieder" und vor allen Dingen "LibreOffice"!Habe seid win95 win software genutzt.der Umstieg fiel mir nicht leicht,aber nun ist schluss mit Lustig und ich wechsle langsam aber sicher ueber zu Linux und natuerlich auch zu LibreOffice!Seit win98 habe ich und musste ich mit speziellen Programmen win vor der eigendlichen Installation "abspecken",damit nur das in der Installation enthalten war was ein normaler user wirklich braucht,um somit gleichzeitig win so sicher zu machen-wie es gleich bei einer "normalen"Installation haette wenigstens sein sollen.Aber jetzt reicht es-dann doch lieber gleich ein sicheres OS,das zudem flexibel an meine Beduerfnisse anpassbar ist und 99% der Programme die es gibt mir fuer umsonst liefert.Zum Glueck gehoere ich zu den 99% der user die keinerlei Superspezialsoftware brauchen und kann daher bedenkenlos wechseln.

Jep am 27.02.15 12:58

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Montag, 23.02.2015

House of Gnarf

Am Freitag werde ich wieder aus der Haut fahren - denn dann geht die dritte Staffel von WWW: "House of Cards" online. Niemandem von euch, der auch nur eine Episode dieser Serie gesehen hat, muss ich erklären, wie heiß man auf diesen Tag sein kann. "House of Cards" ist eine Ausnahmeserie. Für mich der Inbegriff des Binge Watchings: eine Serie, wie im Rausch. Aber das allein ist nicht der Grund, um aus der Haut zu fahren.

Kevin Spacey; Rechte: picture-alliance/AP Images/Chris Pizzello
"House of Cards" mit Kevin Spacey ist eins der Argumente für den Streaminganbieter Netflix - nur in Deutschland gehen Kunden mit der neuen Staffel erst einmal leer aus.

"House of Cards" ist eine Produktion des Streaminganbieters Netflix. Deutsche Kunden haben aber nichts davon: Die Rechte liegen bei Sky. Möchte ich nun ab Freitag diese eine neue Staffel mit ihren 13 Episoden in ordentlicher HD-Qualität sehen, muss ich ein Sky-Abo abschließen und zwar für ganze zwei Jahre - für 27 Euro im Monat. Es gibt zwar auch ein reines Onlineabo, das ich nach einem Monat kündigen kann - aber ohne HD.

Dazu bin ich nicht bereit. Stattdessen fühle ich mich, als könnte ich den Tatort nicht sonntags gucken, sondern erst ein paar Tage später: Ich kann nicht mitreden, und wenn ich Pech habe, ist der ganze Spaß eh vorbei, weil ich mich irgendwo versehentlich durch eine Website, einen Tweet oder einen Facebook-Beitrag spoilern lasse. Gnarf!

Die Lizenzpolitik für "House of Cards" ist nur ein Beispiel dafür, warum Nutzer auf illegale Angebote ausweichen. Warum soll ich mir ein teures Abo für eine Serienstaffel leisten? Warum überhaupt sollte ich mehrere Abos gleichzeitig abschließen? Warum soll ich für Downloads zahlen, wo ich doch schon ein Abo habe - mein Anbieter es aber nicht auf die Reihe bekommt, mir meine Lieblingsserie zur Verfügung zu stellen?

Kim Dotcoms sehr wahre Anleitung dazu, wie sich Piraterie im Netz stoppen lässt. Seine Plattform "Megaupload" war lange Zeit die beste Anlaufstelle, wenn es darum ging, an Musik, Filme und Serien zu kommen, ohne dafür zu zahlen.


Es fühlt sich so an, als steckten Film- und Fernsehmacher an derselben Stelle fest wie die Musikindustrie vor vielen Jahren: Ihre Kunden sind bereit zu zahlen, gehen auf die Suche nach legalen Angeboten - doch entweder, es gibt sie nicht, oder man wird monatelang hingehalten, während der Rest der Welt schon alles sehen kann. Wir schreiben das Jahr 2015. Es wäre möglich, Filme oder Serien zeitgleich weltweit zu veröffentlichen.

Der nach wie vor beste Appell übrigens ist der von "House-of-Cards"-Hauptdarsteller Kevin Spacey WWW: beim Edinburgh International Television Festival vor zwei Jahren: "Gib den Menschen was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form, in der sie es wollen - zu einem vernünftigen Preis." Genau so ist es. Mehr möchte ich gar nicht.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Solche Praktiken sollten allen zu denken geben, die meinen, das heutige restriktive Urheberrecht sei doch gerecht, weil die Abgaben den "armen Künstlern" zugute kommen. Wer kassiert, das sind die Rechteverwerter!

Solche Praktiken sollten allen zu denken geben, die meinen, wir sollten ARD, ZDF und die GEZ ganz abschaffen. Statt dessen freier Markt, der für uns Benutzer zusätzliche Restriktionen bringt: Verschlüsselung, noch mehr Werbung, teure Abo-Modelle, Verhinderung des Speicherns usw.

Solche Praktiken sollten allen zu denken geben, die sich von "kostenlosen" Angeboten locken lassen, die dann langfristig richtig kosten. Ich denke z.B. HD+ oder an Streamingdienste.

Freilich geht eine Veralberung auch offline. Man kann z.B. beliebte Songs auf verschiedene Alben (CDs) verteilen. Die muss man dann alle kaufen, obwohl man nur einen Teil des Inhalts will. Aber man hat wenigstens keinen Vertrag am Hals!

Bertram in Mainz am 28.02.15 22:05

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