Donnerstag, 13.06.2013
LinkLounge 13/24: Gerafftes, Enthülltes und Remixtes
Bald kommt angeblich der echte Sommer. Zum Wetter passend empfehlen wir daher einen coolen Zeitraffer und ein chilliges Remix-Projekt. Und sollte es wider Erwarten doch regnen, bleibt zumindest Zeit für unser gutes Dutzend weiterer Link-Tipps:
Seit man nicht nur auf den Kölner Ringen, sondern
sogar auf dem Mount Everest in eine Massenschlägerei geraten kann, habe ich von einer Besteigung endgültig Abstand genommen. Dann doch lieber im Bürostuhl entspannt zurücklehnen und diesen fantastischen Zeitraffer-Clip genießen, den Fotograf und Filmer
Elia Saikaly rund um den Gipfel gedreht hat, während rund um ihn fast alles schlief:
Mein anderer Linktipp hat hingegen nichts, was zum entspannten Zurücklehnen animieren könnte. Es ist eine Klick- und Guck-Empfehlung
für die ARD-Doku "Der Fall Mollath". In 45 Minuten arbeitet das Autorenteam des Bayrischen Fernsehens die Umstände auf, die dazu führten, dass
Gustl Mollath seit sieben Jahren in der geschlossenen Psychiatrie sitzt. Mich hat der Film erst wie ein Krimi gepackt und am Ende unglaublich erschüttert und aufgewühlt- auch, wenn
er einige Fragen nicht beantworten kann. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen will, dem empfehle ich außerdem
das Dossier der Süddeutschen Zeitung.
David Ohrndorf
Eindeutig das beste Fundstück der Woche: Die Antwort auf die Frage "Wie hätte 'Get Lucky' von Daft Punk geklungen, wenn es Jahrzehnte früher produziert worden wäre?" PVNova hat den Track neu interpretiert. In seinem
Blog schreibt er auch über seine Motivation für diesen Remix und er ruft dazu auf, ihm eigene Aufnahmen für sein nächstes Werk zu schicken.
Es ist ja nicht so ganz einfach, leere Räume in Videos darzustellen. Schön hinbekommen hat das Daniel Silva. Er hat ein altes leerstehendes Kloster in Portugal gefilmt und nachcoloriert.
Insa Moog
Die Enthüllungen von
Edward Snowden über das US-Überwachungsprogramm
PRISM beschäftigen die (Netz-)Öffentlichkeit intensiv. Während hier abgebildet wird,
wie
PRISM faktisch funktioniert, haben die Kollegen von
Zeit-Online mal die deutschen User gefragt, was die von der US-Überwachung halten. Menschen mit besserer Schulbildung gehen demnach "offenbar sorgloser mit ihren Daten um als andere". Was das über den BILD-Kolumnisten Franz Josef Wagner sagt, nun ja,
er wendet sich jedenfalls Anfang der Woche an Whistleblower Snowden. Wagner hat nun
auch Post von Blogger Sascha Pallenberg bekommen. Danke dafür.
Und dann wäre hier noch dieses Video über ein Schwein, ein Huhn und viele Eier. Viel Spaß damit!
Chicken or the Egg from
KIMWU on
Vimeo.
Jörg Schieb
Dass die US-Geheimdienste uns ausschnüffeln, haben die meisten immer geahnt - deswegen fällt die Überraschung durch den
PRISM-Skandal geringer aus als erwartet. Aber es gibt interessante Reaktionen. Erstmals regt sich auch eine nennenswerte Zahl von Amerikanern auf, es gibt sogar eine
Online-Petition namens Stop Watching us, in der offiziell dazu aufgerufen wird, das Belauschen einzustellen. Interessant auch die
Übersicht der Electronic Frontier Foundation, die auflistet, welche Alternativen man nutzen kann, um der Datensammelei (etwas) zu entgehen.
Wer regelmäßig twittert, wüsste vielleicht ganz gerne, was mit seinen Tweets passiert. Eine kleine Statistik ware fein. Und die bietet Twitter sogar, allerdings sehr versteckt. Wer die
Analytics-Funktion von Twitter aufruft, bekommt erst mal einen Warnhinweis: Das Konto sei nicht qualifiziert, nur für alle, die englisch twittern, werben wollen etc. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen: Wer danach unter "Analytik" auf "Timeline-Aktivität" klickt, bekommt eine schöne Übersicht über seine Tweets geboten - und kann sehen, wie oft auf Tweets geantwortet oder wie oft sie retweetet wurden. Praktisch.
Diese Woche hat Apple mal wieder Hof gehalten und diverse
Neuigkeiten verkündet. Vor der Keynote wurde ein Video gezeigt, über das wenig gesprochen wurde, das aber sehr ästhetisch ist - und die Klarheit von Design deutlich machen will. Das gelingt - und Zuschauen wirkt irgendwie beruhigend. Sicher auch dank der Musik.
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Dienstag, 11.06.2013
Penis pfui, Mordaufruf hui?
Wer ein Penis-Foto auf Facebook veröffentlicht, muss damit rechnen, dass es innerhalb kürzester Zeit gelöscht wird. Deutlich länger Zeit lässt sich Facebook hingegen, wenn es um einen religiös motivierten Mordaufruf geht. Trotz zahlreicher Hinweise ignorierte das Unternehmen tagelang eine entsprechende Fotomontage auf der Facebookseite der radikalen Muslimbruderschaft. Das Bild zeigte den islamkritischen deutsch-ägyptischen Politologen
Hamed Abdel-Samad, dem der stempelartige Aufduck "Gesucht als Toter" auf der Stirn prangte.
Inzwischen ist das Foto, das auch auf salafistischen und den Muslimbrüdern nahestehenden Seiten verbreitet wurde, zwar gelöscht worden. Doch tagelang geschah nichts, obwohl sich zahlreiche Facebook-Nutzer per Online-Formular an das Unternehmen gewandt hatten und um Entfernung baten. Dabei ist genau dies der Weg, den Facebook selbst für Fälle vorschlägt, in denen die selbst auferlegten
Standards der Facebook-Gemeinschaft verletzt werden.
Doch immer wieder ist erst öffentlicher Druck nötig, damit das milliardenschwere Unternehmen zumindest mit Verzögerung reagiert. Erst vor wenigen Wochen hatte sich die Aktivistengruppe
"Women, Action and the Media" in einem
offenen Brief an Facebook gewandt, um gegen "Rape Culture"-Gruppen im Facebook-Netzwerk zu protestieren,
in denen sexistische Tiraden und Gewaltverherrlichung im Mittelpunkt stehen und reich bebildert werden. Viele Medien griffen das Thema auf und in der Folge kündigten erste Werbekunden (
z.B. der Autohersteller Nissan) Konsequenzen an, wenn Facebook nicht entschiedener gegen solche Vorfälle vorgehen werde. Und siehe da: Der ansonsten so schwerfällige Social-Netzwerk-Riese reagierte plötzlich ganz schnell und versprach
in einem Blogeintrag Besserung.
Es ist also offenbar vor allem das Druckmittel Geld, das ein solches Unternehmen im Gegensatz zu Appellen an die Moral ganz schnell zum Einlenken bewegt. Für uns "Normal-User" könnte daher in Zukunft der indirekte Weg der erfolgsversprechendere sein: Beim nächsten Fall nicht nur den Lösch-Antrag an Facebook schicken, sondern gleichzeitig deutsche Unternehmen kontaktieren, die im Umfeld solcher Seiten Werbung für sich machen.
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Freitag, 03.05.2013
Linklounge 13/18: Tanzende Atome und schockierende Bilder
Wenn die Meteorologen nicht lügen, kommen Grill-Enthusiasten in den kommenden Tagen auf ihre Kosten. Gut, dass die aktuelle Linklounge ein "Wie zerlege ich ein Huhn ohne Gemetzel"-Video bereithält. Aber auch alle Fleisch-Verächter können zufrieden sein: Der winzige Stop-Motion-Clip, die moderne Erzählkunst im Internet und die Facebook-Analysen sind zu 100% vegan.
Insa Moog
Unter dem "kleinsten Film der Welt" kann man sich so einiges vorstellen, wohl kaum aber einen Stop-Motion-Clip, in dem man einzelne Atome umherhüpfen sieht. Genau die aber bewegen sich in diesem von
IBM-Wissenschaftlern produzierten Clip:
Vielleicht keine Filmkunst, aber doch recht faszinierend. Ein
Making of wird natürlich mitgeliefert.
Die erste
smarte Brille hat Google entwickelt, das dürfte kaum jemandem entgangen sein. Und auch nicht, dass einige
ausgesuchte Tester sich mit "Glass" auch schon öffentlich gezeigt haben. Ein wenig nervt die viele Theorie und die Praxis einiger weniger fast schon. Wie dieser besondere Nasenaufsatz bedient wird, zeigt immerhin der folgende Film konkreter - ich stelle mir dabei automatisch wieder
so etwas vor.
Stefan Domke
Sehr häufig empfehle ich in unserer Linklounge Fotostrecken. Meistens, weil sie mich aufgrund der darin enthaltenen schönen Portraits oder Natur- und Landschaftsaufnahmen begeistern. In dieser Woche lege ich Euch hingegen Fotografien ans Herz, die weder schön sind, noch begeistern:
Portraits von Frauen aus Pakistan, deren Gesichter durch Säure-Attacken verätzt und entstellt wurden.
Sehr häufig sind Männer die Täter gewesen. Zum Beispiel, weil ihr Annäherungsversuch oder Heiratsantrag vom späteren Opfer zurückgewiesen wurde. Vor allem in Pakistan und Bangladesh soll die Zahl solcher Attacken in den vergangenen Jahren stark angestiegen sein. Die britische Organisation
asti kümmert sich darum, die Opfer medizinisch und psychologisch zu betreuen. Die Fotografin dieser ebenso schockierenden wie aufrüttelnden Bilder ist übrigens
Izabella Damavlys.
Dennis Horn
Auch in dieser Woche ein großes Thema:
die Netzneutralität. Seit die Telekom
angekündigt hat, die Geschwindigkeit zu drosseln, wenn ihre Nutzer ein bestimmtes Volumen pro Monat erreichen, bekommt das Thema endlich
ordentlich Aufmerksamkeit. Fakt ist: Wir können uns schon heute nicht frei im Internet bewegen. Unser Zugang ist beschränkt, selbst in einem Staat, der keine Onlinezensur kennt. Die Kollegen von DRadio Wissen haben mit ihrem
Thementag "Das beschränkte Netz" in dieser Woche einen ausführlichen Einblick in den Zustand der Netzneutralität in Deutschland gegeben. Sehr hörenswert!
Außerdem hat mich in dieser Woche
"Out in the Great Alone" gefesselt, eine weitere Geschichte, erzählt im Stil der berühmten
"Snow-Fall"-Story der New York Times. Endlich entstehen im Netz Erzählformen, wie sie nur dort möglich sind. Großartig!
David Ohrndorf
Neuer Monat bedeutet auch immer: neue Statistiken. Ich gucke mir gerne die Seiten von
Socialbakers an. Die führen eine ganze Reihe interessanter Facebook-Statistiken. Natürlich nicht mit offiziellen Zahlen - nein, nein, so transparent ist das Soziale Netzwerk nicht. Sie analysieren die Reichweiten-Angaben, die Werbekunden angezeigt werden, wenn sie ein Banner auf Facebook schalten wollen. Demnach hat Deutschland im April 90.000 aktive Facebook-Nutzer verloren. Auch interessant, besonders mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen: Barack Obama hat bei uns mehr Facebook-Fans (760.000), als jeder Deutsche Politiker. Und der Politiker mit den meisten Likes hat gar keine politischen Ämter mehr, es ist Karl Theodor zu Guttenberg (240.000).
Nach den Zahlen die Entspannung: Ein schönes Zeitraffer-Video zeigt den Winter in Montreal. Großklicken und in HD angucken, lohnt sich.
Jörg Schieb
Die
Electronic Frontier Foundation kümmert sich in den USA bereits seit 1990 um solche wichtigen Dinge wie Datenschutz und Bürgerrechte im Internet. Jetzt hat die EFF einen Bericht rausgegeben, wie einzelne Unternehmen mit Benutzerdaten umgehen. Gut abgeschnitten haben dabei Google, Twitter, Linkedin in Dropbox. Tadel bekommen Apple, Yahoo und MySpace. Den kompletten, wirklich
interessanten Report gibt es hier.
Manchmal sind Youtube-Videos eine richtige Segnung. Etwa wenn man wissen
will, wie man komplizierte Sachen in der Küche macht - zum Beispiel ein
komplettes Huhn ausnimmt und schneidet. Die New York Times zeigt, wie es
geht. Sieht doch gar nicht so schwierig aus:
Der Fotodienst Instagram bringt in der neuen Version 3.5 das Fotos-von-Dir-Feature. Im Grunde ein alter Hut: Man kann jetzt die Namen von Personen taggen, die auf einem Bild zu sehen sind. Kennt man von Facebook und Co., soll jetzt aber auch in Instagram direkt möglich sein. Anders als in anderen Netzwerken kann aber nur der Fotograf selbst diese Markierung vornehmen, das macht es etwas überschaubarer und ist deshalb keine schlechte Idee.
Den "interessanten Report gibt es hier."...wer eine Woche Zeit hat. Jau. Aber schieb doch mal eine Seite in Landessprache rüber, ist WDR hier, keine Hymnensingen mit Reporterwracks beim Fußball.
Doll+Metscher am 5.05.13 1:49
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