Freitag, 22.05.2015

Auch Firefox macht Kohle mit Daten

Im Englischen klingt vieles schicker als es ist. Wer denkt bei "WWW: Suggested Tiles" was Böses? Firefox präsentiert demnächst "empfohlene Kacheln", denn genau das ist die wörtliche Übersetzung. Gemeint ist aber etwas ganz anderes. Demnächst schlägt der vor allem bei uns in Deutschland so beliebte Firefox-Browser beim Öffnen eines neuen Tabs basierend auf dem Browser-Verlauf von sich aus Websites vor, die zu den Interessen des Firefox-Nutzers passen. Die angebotenen Webseiten sind allerdings bezahlte Anzeigen.

Firefox will künftig gezielt Werbung präsentieren - in neuen Tabs; Rechte: dpa/Picture Alliance
Firefox will künftig gezielt Werbung präsentieren - in neuen Tabs


Nutzerdaten führen zu Profilen
Ist ja ein Ding: Nach Google, Facebook und Microsoft - im weitläufigen Sinne die "bösen", da kommerziellen Unternehmen - setzt nun also auch eine Stiftung auf die konkrete Verwertung von Nutzerdaten. Die beim Browsen ermittelten Daten werden dazu genutzt, ein Profil anzulegen. Nicht mal ansatzweise so komplex wie bei Google oder Facebook, aber doch ein Profil, das scharf genug ist, um passende Anzeigen - sorry, Kachel-Vorschläge - präsentieren zu können. Und für jede gezeigte und womöglich angeklickte Kachel fließt Geld an die Mozilla Foundation, die Stiftung hinter dem Firefox-Browser.

Die Firefox-Betreiber versichern, dass die Nutzerdaten nicht an Dritte weitergegeben werden. Das ist rührend, wäre aber ja wohl auch noch schöner. Google, Facebook und Microsoft argumentieren genauso: Sie geben keine konkreten Daten weiter, nutzen aber die vorliegenden Daten, um perfekt zugeschnittene Online-Reklame zu präsentieren. Mozilla will mit Firefox nun im Grunde genommen genau dasselbe machen. Im kleineren Rahmen, keine Frage. Aber das Prinzip ist absolut identisch.

Firefox Tiles: Kacheln mit Webseiten - künftig auch mit Werbung; Rechte: dpa/Picture Alliance
Firefox Tiles: Kacheln mit Webseiten - künftig auch mit Werbung


Kacheln mit Werbung
Demnächst geht es in einer Betaversion los. Bis Sommer soll das neue Konzept dann fest im Firefox-Browser integriert sein. Beim Öffnen eines neuen Tabs sieht der Nutzer dann acht Ziegeln mit Vorschlägen. Webseiten, die thematisch passen. Einige davon sind bezahlt. Wie genau die "Suggested Tile" aussieht, bestimmt der Werbekunde. Wer das nicht will, kann (und muss) ein Opt-Out durchführen. Der "Service" lässt sich also abschalten. Immerhin. Auch werden keine Cookies gesetzt, sondern "nur" der eigene Browser-Verlauf zur Analyse verwertet. Dennoch: Hier wird eine Linie überschritten.

Die Omnipräsenz von Werbung kann schon nerven. Natürlich: Kostenlose Inhalte oder Produkte müssen sich refinanzieren. Doch da war Mozillas bisheriger Weg, nämlich durch das Einstreichen von Provisionen für das Weiterleiten an Suchmaschinen, eine deutlich bessere Wahl. Die Frage, die sich stellt, ist: Wieso muss eine Stiftung mehr Umsatz machen? Für Firefox ist es schade.


Es ist doch nur Werbung. Wer etwas zu verkaufen hat darf anbieten. Die Entscheidung bleibt jedem frei, ob er von Angeboten gebrauch machen will oder nicht.

LiFe am 23.05.15 11:42

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Donnerstag, 21.05.2015

Immer noch alle unter Verdacht

Justizminister Heiko Maas sieht in den letzten Wochen geplagt aus. Leidend. Der ganze Körper sagt lautstark: Ich will das nicht. Trotzdem macht der SPD-Mann mit. Eigentlich wollte Maas die Blog: Vorratsdatenspeicherung gar nicht. Jetzt aber dann doch. Er bereitet die Vorratsdatenspeicherung light vor. Manche sagen auch "WWW: Grundrechtsverletzung mit Zuckerguss" dazu.

Und das alles nur, weil sein Blog: Chef Siegmar Gabriel es so will. Natürlich nicht nur der, aber er vor allem. Die anlasslose Massenüberwachung aller Bundesbürger, vom Bundesverfassungsgericht vor fünf Jahren in der damaligen Ausformulierung klar als verfassungswidrig eingestuft, wird unter dem Begriff "WWW: Speicherpflicht für Verkehrsdaten" wiederbelebt. Alter Wein in neuen Schläuchen.

Heiko Maas; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will Geheimnisse in Erfahrung bringen

Massenüberwachung Beta
Der Widerstand dagegen wächst. Ganz so leicht wie damals, als noch keiner auf so was geachtet hat, wird die neue Richtlinie diesmal nicht durchzuwinken sein. Berufsgruppen wie Journalisten, Rechtsanwälte, Seelsorger oder Mediziner laufen bereits Sturm gegen die geplante Massenüberwachung. Zwar hat Heiko Maas das vom Verfassungsgericht einkassierte Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) überarbeitet, so sind zum Beispiel die Speicherfristen deutlich kürzer als damals. Aber am Grundgedanken hat sich überhaupt nichts verändert: Jeder wird anlasslos überwacht.

So werden Positionsdaten der Mobilgeräte und damit letztlich die Bewegungsprofile von allen vier Wochen gespeichert. Das ist zwar weniger als im alten Gesetz, wo die Daten ein halbes Jahr lang gespeichert wurden, trotzdem sollen diese Daten gesammelt werden. Andere Kommunikationsdaten bleiben sogar länger gespeichert. Das sieht nicht nach Einsicht aus, sondern nach Taktik. Heiko Maas versucht, den engen, vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Spielraum voll auszunutzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die immer lauteren Zweifel der Bürger spielen keine Rolle.

Gabriel fordert die Vorratsdatenspeicherung light; Rechte: dpa/Picture Alliance
Gabriel fordert die Vorratsdatenspeicherung light


Es findet keine Debatte statt
Was mich persönlich am meisten stört: Es hat keine ehrliche, offene und ernsthafte Debatte über das Thema gegeben. Es wurde nicht ausreichend diskutiert, ob es verhältnismäßig ist, die Grundrechte aller Bundesbürger derart stark einzuschränken, nur um möglicherweise Vorteile bei der Verbrechensbekämpfung zu haben. Es wird vollkommen ignoriert, dass die Gesellschaft einen hohen Preis dafür zahlen soll, die Ermittlungsarbeit zu erleichtern. Ganz abgesehen davon, dass bislang nicht nachgewiesen ist, dass die VDS wirklich erhebliche Vorteile bei der Ermittlungsarbeit bringt. Es wird gerne behauptet, aber praktisch nie belegt.

Warum findet keine ehrliche Debatte statt? Weil man sie fürchtet - und weil man keine Lust hat zu argumentieren. Natürlich ist es richtig, dass im Internet eine Menge Kriminalität begangen wird. Aber auch auf der Straße. Oder in Wohnungen. Und niemand käme auf die Idee, jede Wohnung zu verwanzen und mit Kameras auszustatten - für den Fall der Fälle. Der digitale Raum hat Privatsphäre verdient. Sie einfach zu aufzugeben, ist fahrlässig.

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Dienstag, 19.05.2015

Wie De Maizière uns verhöhnt

Thomas de Maizière ist kein Mann, der einen inkompetenten Eindruck macht. Da hatten wir in jüngster Vergangenheit andere Innenminister, die in dieser Disziplin ungeschlagen sind. Nein: Der Mann denkt strategisch. Man muss bei De Maizière davon ausgehen, dass er genau weiß, was er tut, auch was er sagt und warum. Er hat eine klare Haltung - sendet aber dennoch verwirrende Signale. Zum Beispiel auf der Eröffnung des WWW: 14. Deutschen IT-Sicherheitskongresses in Bonn. Dort hat der Innenminister uns Internetnutzern, seinem Wahlvolk, mal eben eine "digitale Sorglosigkeit" attestiert. Wir alle tun zu wenig, um uns im Netz zu schützen. Punkt.

Thomas De Maizière kritisiert die Netz-User; Rechte: dpa/Picture Alliance
Thomas De Maizière kritisiert die Netz-User


Netznutzer sind resigniert
Er hat zweifellos Recht. Die meisten von uns unternehmen zu wenig. Aber dafür gibt es einige gute Gründe. Der aus meiner Sicht wichtigste und auch überzeugendste ist: Resignation. Denn ein Staat, der seine eigenen Bürger ausspioniert oder zulässt, dass andere Mächte seine Bürger ausspionieren und/oder bei der Spionage tatkräftig mithilft, der darf sich nicht wundern, wenn die Bürger resignieren. Wenn sie davon ausgehen, dass sie sich in der digitalen Welt sowieso nicht verstecken können. Dass es dort keine Privatsphäre gibt.

Denn das ist es ja, was Thomas De Maizière auch ausdrücklich sagt: Seiner Meinung nach müssen Sicherheitsbehörden "befugt und in der Lage sein", jederzeit auf unsere Daten zugreifen zu können. Auf alle Daten - selbst die verschlüsselten. Unser Innenminister, der uns vorwirft, uns nicht ausreichend zu schützen, verlangt gleichzeitig, dass Behörden die Möglichkeit haben müssen, "verschlüsselte Kommunikation zu entschlüsseln oder zu umgehen, wenn dies für ihre Arbeit zum Schutz der Bevölkerung notwendig ist". In Klartext: Der Staat darf alles - wenn er will. Oder muss. Oder so. Denn "wenn dies für ihre Arbeit und zum Schutz der Bevölkerung notwendig ist" kann so ziemlich alles bedeuten und für alles als Rechtfertigung dienen.

Die Überwachung lassen wir uns was kosten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die Überwachung lassen wir uns was kosten


Mangelnde Aufklärung, mangelnder Schutz
Ja, die meisten Netz-Nutzer unternehmen zu wenig, um sich zu schützen. Viele wollen sich auch so gar nicht an das Konzept der Datensparsamkeit halten, also Daten nur gezielt und vereinzelt preiszugeben. Das mag ungeschickt und auch unklug sein. Aber die viel schlimmeren Vergehen finden woanders statt. In der Politik. Im Innenministerium. Denn der Steuerzahler bezahlt dafür, dass er beschützt wird. Wird er aber nicht. Wir werden ausgeschnüffelt - in bislang unvorstellbarem Ausmaß. Auch von den USA - was definitiv in den Verantwortungsbereich von Thomas De Maizière fällt. Doch wird das aufgeklärt? Nein. Wird das abgestellt? Nein! Hat es Konsequenzen? Nein.

ARD: De Maizière bestreitet einfach alles. Das kann man wohl mit gutem Gewissen als "Versagen" bezeichnen. In einer solchen Situation wäre es wohl angemessen, mal in sich zu gehen. Selbstkritisch zu sein. Aufzuräumen. Aber öffentlich die zu kritisieren, die man verraten hat - das ist mutig. Von daher ist davon auszugehen, dass Thomas De Maizière ablenken will. Wir sollten ihn nicht gewähren lassen. Er muss sich Kritik gefallen lassen - und handeln. Dann können wir darüber reden, was wir als User besser machen können.

De Maiziere und kompetent?

Also wenn ich die Drohnenaffäre, die G36, die Flüchtlingspolitik und weiteres anschaue, ist er einer der Inkompetentesten Politiker seiner Zeit. (Wobei Friedrich auch kein deut besser war)

Zum Datenschutz kann man nicht viel ausrichten, bis es eine einfache Möglichkeit seine Daten zu verschlüsseln und auch die Masse antreibt zu wechseln. Davon gibt es leider immer noch viel zu wenig Möglichkeiten.

Peter am 19.05.15 18:59

De Maiziere und kompetent?

Also wenn ich die Drohnenaffäre, die G36, die Flüchtlingspolitik und weiteres anschaue, ist er einer der Inkompetentesten Politiker seiner Zeit. (Wobei Friedrich auch kein deut besser war)

Zum Datenschutz kann man nicht viel ausrichten, bis es eine einfache Möglichkeit seine Daten zu verschlüsseln und auch die Masse antreibt zu wechseln. Davon gibt es leider immer noch viel zu wenig Möglichkeiten.

Peter am 19.05.15 19:00

Hier liegen offensichtliche Missverstaendnisse vor:"Drohnenaffaere" und G36-Drohne=Industriepolitik,G36 genauso.Die Soldaten sind unwichtiges "Verbrauchsmaterial"!"
"Datenschutz"sind bei Innen und Rech(en)stpolitikern nur Fensterreden fuer den Plebs-die tatsaechlich stattfindende Uberwachung seitens des Staates und der Privaten dient dem Schutz der tatsaechlichen Machthabern im Hintergrund,den"Puppetmasters"!
Verschluesselung ist nicht das Allheilmittel.Das ist nur ein Haase und Igel game.
Tatsaechlich koennte man tatsaechlich etwas machen-nur halt nicht durch gemaule im netz-sondern indem endlich mal die faulen Deutschen ihre Hintern hochbekaemen und geballt auf die Strasse gehen!

Ach je am 19.05.15 19:32

Also einmal nüchtern betrachtet:
Der Herr hat soviele Jobs inne gehabt, hat nichts richtig gekonnt, keine Erfolge verbucht und steigt immer höher auf der Leiter. Und dann will der Opa uns noch über PCs belehren. Ja gehts noch?

Jürgen Bordeux am 19.05.15 20:00

Hab grad die Startseite des BMI angeschaut....
"Wir wolln starke Bürger,die on Freiheit sicher leben"
Boah ey,wattn abgeschraubtes Geschwurbel.
Wer definiert Bürger.Stärke.Freiheit.Sicherheit eigentlich!
Anscheinend irre Germanisten mit Phrasendreschmaschinen ;-)
Mal ernsthaft,es geht eigentlich darum schon eingefahrene Handlungsweisen in schicke Verordnungen uder Gesetze zufassen,weil sich sonst der Bürokrat ganz doll unwohlfühlt.
Und weil man das immer schon so machte und der Sicherheit dient ist das ganz doll wichtig,jawohl!

Martin Däniken am 22.05.15 10:39

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