Donnerstag, 23.10.2014

Casa Wuala: Versprechen gebrochen

Am Anfang ist immer alles kostenlos. Manchmal jahrelang. Bis die Gründer des jeweiligen Startups eine Idee haben, wer eigentlich die Zeche zahlen soll. Und vor allem wie. Denn eins ist klar: Sofern ein Onlinedienst nicht gefördert oder subventioniert wird oder jemand aus purer Freude an der Sache einen Dienst betreibt, muss früher oder später jemand dafür bezahlen. Anfangs sind es die Investoren - irgendwann die Kunden. Dann taucht plötzlich Werbung auf oder es muss für Premium-Modelle bezahlt werden. Was alles in Ordnung ist. Schwierig wird es allerdings, wenn ehemals kostenlose Dienste plötzlich nicht mehr kostenlos sind - obwohl das so für die Ewigkeit versprochen war.

Wuala Wolke; Rechte: Wuala
Wuala: Der ehemals populäre Cloud-Dienst schafft Gratisspeicher ab


Sitz in der Schweiz - aber jetzt ein US-Unternehmen
So ist das im Fall von Wuala. Der Cloud-Dienst aus der Schweiz hat sich schon früh als attraktive Alternative zu den bösen, großen Onlinediensten aus den USA positioniert. Server in der Schweiz: Das klingt gut, das schafft Vertrauen. Darüber hinaus hat Wuala von Anfang an auf konsequente Verschlüsselung aller Daten gesetzt. Die Daten werden schon im Gerät verschlüsselt, was ein Ausspionieren schwierig bis unmöglich macht, je nachdem, wie man die angebotenen Dienste nutzt. Auch das spricht eindeutig für Wuala.

Doch seit einer Weile ist der Lack ab, zumindest bei privaten Usern. Denn mittlerweile gehört Wuala zum amerikanischen LaCie-Konzern, der wiederum vom US-Konzern Seagate gekauft wurde. Das ehemals schweizer Unternehmen ist fest in amerikanischer Hand. Das besorgt viele User - und darauf WWW: antwortet Wuala sogar in seinem Onlineforum. Die Sorge, mit den eigenen Daten bei Wuala nicht mehr in einem sicheren Hafen zu sein, mehren sich - und sind vermutlich auch nicht völlig unbegründet.


Deeplink: Was ist eigentlich die Cloud?


Schluss mit Schnorren
Schon vor einer ganzen Weile hat Wuala entschieden, dass es WWW: keinerlei kostenlosen Speicherplatz mehr bei Wuala gibt. Das ist das gute Recht des Anbieters. Jeder muss selbst wissen, ob er Freemium-Anbieter sein möchte oder andere Strategien fährt, um Kunden zu finden. Das Problem ist nur, dass Wuala seinen Nutzern bislang versprochen hat, dass einmal kostenlos genutzter Speicherplatz auch kostenlos bleibt - dauerhaft. Für immer.

Doch genau dieses Versprechen hat Wuala nun gebrochen, wie Blogger WWW: Caschy dokumentiert. Viele Wuala-User haben heute (23.10.2014) eine Nachricht erhalten, dass der bislang kostenlos angebotene und genutzte Speicherplatz (5 GB) Ende des Jahres endgültig eingestellt wird. Wer Wuala weiter nutzen wolle, müsse auf die kostenpflichtige Variante wechseln. Das ursprüngliche Versprechen gilt nicht mehr. Entsprechende Hinweise auf dieses Versprechen von eins wurden aus der Webseite entfernt.

Es hat schon viele Dienste gegeben, die aufgrund nicht einsetzenden Erfolgs wieder dicht machen mussten. Und viele andere haben ihr Geschäftsmodell geändert. Aber etwas, was kostenlos angeboten und ausdrücklich als dauerhaft kostenlos versprochen wurde dann doch irgendwann kostenpflichtig zu machen, das gibt es nicht so oft.

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Dienstag, 21.10.2014

Es muss dringend "Klick" machen

Eigentlich ist doch alles in Ordnung. Schließlich kümmern sich bei uns in Deutschland gleich drei gestandene Minister um die digitale Zukunft des Landes. Ist das nicht toll? Erst im August hat das umtriebige Internet-Trio Sigmar Gabriel, Thomas de Maizière und Alexander Dobrindt mit viel Tamtam Blog: die Digitale Agenda vorgestellt. Und heute (21.10.2014) reist Bundeskanzlerin Angela Merkel gleich mit sechs Ministern zum WWW: IT-Gipfel nach Hamburg, um mit Vertretern der Wirtschaft und der Internetindustrie alles mögliche zu besprechen. Vermutlich werden einige der angereisten Politiker stolz ihr Tablet in der Hand halten. Die Bürger sollen halt glauben, sie würden von unheimlich digital-affinenen Menschen regiert.

Gabriel und Merkel mit Smartphone; Rechte: dpa/Picture Alliance
Schau mal, ich hab mir jetzt auch so ein Smartphone gekauft - tolle Sache


Politik hat immer noch nicht verstanden
Blöd nur, dass ihnen das keiner abkauft. Ich jedenfalls nicht. Zwar ist in der Politik-Elite angekommen, dass das Thema Internet wichtig ist. Irgendwie. Zumindest vielen Bürgern. Aber keiner weiß mit dem Thema etwas anzufangen. Keine Visionen. Keine Entschlossenheit. Keine konkretem Pläne. Nur wenn es darum geht, das Internet zu kontrollieren oder zu regeln (Stichwort: "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!"), funkelt etwas Entschlossenheit durch. Die Digitale Agenda jedenfalls ist (bislang) ein Witz. Unkonkretes Geschwurbel, ohne jede Relevanz, ohne irgend eine konkrete Konsequenz. Was (unter anderem) daran liegt, dass gleich drei Minister die Verantwortung tragem, aber keine davon etwas entscheiden kann oder will.

Beispiel: Netzausbau. Es ist völlig unstrittig, dass etwas passieren muss - und zwar dringend. Das kann man sogar in der Digitalen Agenda nachlesen. Wir brauchen ein schnelleres Internet. Überall, nicht nur in den Ballungsgebieten, auch auf dem Land. Das erfordert hohe Investitionen. Allerdings hat die Politik nicht entschieden, wie die Aufgabe gestemmt werden soll. Entschlossenheit? Fehlanzeige. Hier wird nur getan, als ob. Aufbruchstimmung sieht anders aus.

Längst sind noch nicht alle Haushalte mit schnellem Internet versorgt; Rechte: dpa/Picure Alliance
Thema Netzausbau wird nur zögerlich angegangen


Falsches Personal, falsche Akzente
Auch andere Themen werden stiefmütterlich behandelt. Open Data zum Beispiel. Zwar ist man sich immerhin mittlerweile im Klaren darüber, dass Bund, Länder und Gemeinden anfallende Daten der Öffentlichkeit digital zugänglich machen müssen. Aber auch hier bewegt sich alles nur im Mäusetempo. Wer meint, er könnte solche wichtigen Themen immer wieder vertagen, der hat nicht begriffen, wie schnell es in der IT-Industrie zugeht. Wer den Anschluss nicht verlieren will, muss das Tempo erhöhen. Wer sogar an die Spitze will, der muss das Tempo doppelt erhöhen und schneller sein als alle anderen.

Es gibt nicht ein einziges ermutigendes Signal. Jemanden wie Günther Oettinger zum EU-Digitalkommissar zu machen, ist in etwa so vertretbar als würde man mir zutrauen, eine mit 400 Passagieren besetzten Jumbo zu fliegen. Mit dem Argument, ich hätte ja vor einigen Jahren schon mal am Flugsimulator geübt und finde Fliegen toll (so in etwa hat Oettinger argumentiert, wieso er als Digitalkommissar nach Brüssel geht). Wer wollte sich da von mir 10 Stunden lang in die Ferne fliegen lassen? Sicher niemand!

Schluss also mit diesem halbherzigen Getue. Berlin braucht endlich ein Ministerium oder zumindest eine kompetente Person, die exklusiv für das Thema Digitale Agenda verantwortlich ist - ausgestattet mit der nötigen Macht und den erforderlichen Mitteln. Der Netzausbau muss im Eiltempo vorangebracht werden, die Gesetze müssen fit fürs 21. Jahrhundert gemacht werden, die Regierung muss die Medienkompetenz fördern, Forschung und Wissenschaft müssen besser ausgestattet werden, Banken und Investoren müssen lernen, dass auch deutsche Startups erfolgreich sein können und ihnen Geld leihen.

Kurz: Es muss dringend "Klick" machen in den Köpfen - nicht nur auf dem Schreibtisch.

Danke für Ihre Meinung.
Da kann ich nur in vollem Umfang zustimmen!

Gorem am 23.10.14 6:50

Fehlen da auf einmal Kommentare, die gestern noch da standen?

Gert am 23.10.14 20:08

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Sonntag, 19.10.2014

New York Times Video: Ebola in Monrovia

Ebola ist eine äußerst WDR: tückische und meist auch tödlich endende Krankheit. Und eine Krankheit, die längst nicht mehr allein auf Afrika beschränkt ist, wie aktuelle ARD: Fälle in Deutschland, Spanien und USA belegen. Aber wie es wirklich in den von Ebola besonders schwer gebeuteltem Ländern wie Liberia aussieht, davon macht man sich keine Vorstellung. Deshalb ist das neue Video der New York Times so eindrucksvoll: Ein acht Minuten langer Bericht über Rettungssanitäter in Monrovia.

Das Video zeigt in packenden Bildern, wie sich die Männer bemühen, den Patienten in der Hauptstadt von Liberia zu helfen - mehr oder weniger gut verborgen hinter Schutzkleidung und Atemschutzmaske. Keine einfache Aufgabe. Einige stecken sich trotzdem mit der Krankheit an, andere werden fast gelyncht, weil sie nicht schnell genug bei einem Patienten sind. Ein bedrückender Bericht, den die New York Times erstellt hat.

Die Aufregung zu Beginn ging nicht darum das"Sie"wer auch immer das sein sollte"nicht schnell genug bei den Patienten waren"-es ging darum das immer mehr Tote tagelang in der Gegend herumliegen.Nur wie sollen dies 15 Ambulancen in einer Millionenstadt mit schlechter Infrastructur schaffen?Wenn ich Menschen wie diesen Helden von Rettungssanitaeter sehe und sein Verhalten mit dem meiner Landsleute hier in DE vergleiche....kein Wunder das ich mich immer in solchen Landern wohler fuehle als in DE.

Robin am 19.10.14 16:17

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