Freitag, 30.01.2015

Facebook macht Smartphone zum Reiseführer

Gerade wird viel über die neuen WWW: AGB von Facebook geredet, diskutiert und gestritten. Ein Aspekt der neuen Spielregeln aus Kalifornien: Wir nutzen auch Deine Standortdaten für gezielte Werbung. Gesagt, getan. Heute hat Facebook einen neuen Dienst namens WWW: Place Tips gestartet. Im Smartphone erscheinen Tipps und Hinweise, die sich konkret auf den aktuellen Aufenthaltsort beziehen. Also genau das, was wir dem Social Network in den neuen AGB ab sofort erlauben sollen. Zeitgleicher Start der neuen Funktion - das nenne ich mal wirklich schnell.

Place Tips in der iOS App: Tipps zum aktuellen Standort; Rechte; Facebook
Place Tips in der iOS App: Tipps zum aktuellen Standort

Erst mal nur in New York City
Die neue Funktion steht erst mal nur in der App zur Verfügung. Klar. Den Desktop-PC klemmt man in der Regel nicht unter den Arm, da macht das nicht so viel Sinn. Auf einem Notebook womöglich schon, aber doch in erster Linie auf Smartphone und Tablet. Die Idee ist die: Bewegt man sich durch eine Stadt, erscheinen passend zum aktuellen Aufenthaltsort Informationen über Shops, Restaurants, Bars, Hotels oder Galerien in der Timeline. Außerdem präsentiert Facebook aber auch Posts von Freunden, die in der Vergangenheit einen Beitrag zu diesem Ort oder von diesem Ort geschickt haben.

Es gibt also einen konkreten Bezug zur aktuellen Position. Erst mal nur in New York City und mit der iOS-App - aber dabei wird es natürlich nicht bleiben. Hinweise auf Geschäfte und Restaurants werden Anzeigen sein, für die sich Mark Zuckerbergs Unternehmen bezahlen lässt. Es sollen aber auch nützliche Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und generell Tipps erscheinen, die Facebook sozusagen redaktionell beisteuert. Die Idee jedenfalls ist nicht verkehrt und aus Sicht des Unternehmens nur logisch: Facebook muss wachsen und hat lange nach Strategien gesucht, wie sich mit Mobilnutzern Geld verdienen lässt.


So erklärt Facebook seinen neuen Dienst Place Tips


Erst mal nur in New York City
PlaceTips lässt sich auch abschalten. Vielleicht macht man das auch reflexartig, denn ein bisschen spooky ist es schon, wenn beim Bummeln durch die fremde Stadt plötzlich die Fotos von Freunden zu sehen sind, die auch vor einer Weile an derselben Stelle waren. Benutzer müssen sich darüber im Klaren sein, dass das, was sie heute posten, womöglich in einigen Jahren noch mal von Facebook herausgekramt wird.

Braucht man eine solche Funkition wie Place Tips? Sicher nicht. Doch die Idee ist nicht schlecht und ich könnte mir vorstellen, dass viele das mal ausprobieren würden. Bedenken, dass Facebook den Aufenthaltsort genau trackt, haben viele nicht. Die neue Funktion könnte sie sogar motivieren, die Tracking-Funktion zu aktivieren. Ein Albtraum für Datenschützer. Aber zumindest kann man nicht sagen, dass Facebook etwas verheimlicht hätte. Genau das wurde mit den neuen AGB versprochen.

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Donnerstag, 29.01.2015

Nintendo will Gameprofis abkassieren

Gronkh, Simon Unge und andere sind bekannt dafür, dass sie auf Youtube oder Twitch zeigen, wie sie angesagte Spiele spielen. Sie zocken populäre Games und kommentieren das Spielgeschehen und ihre Strategien. Das lockt Tausende von Zuschauern an, denn es macht Spaß, erfahrenen Gamern über die Schulter zu schauen. Blog: twitch.tv ist ein Onlineangebot, wo es um nichts anderes geht.

Let's Player - so nennen sich die Leute, die sich beim Spielen und Zocken drehen und die Videos online herzeigen. Und die - das muss der Vollständigkeit halber auch gesagt werden - damit ordentlich Geld verdienen. Viele Let's-Play-Zocker sind regelrechte Stars, die ein Vermögen verdienen.

Nintendo hat viele bekannte Figuren; Rechte: Nintendo
Nintendo hat viele bekannte Figuren


Abgreifen der Werbeeinnahmen
Jetzt will Nintendo ein ordentliches Stück vom Kuchen abhaben. Youtuber, die ein Let's-Play-Video online stellen, in denen es sich in erster Linie um Spiele wie Mario, Zelda oder Kirby von Nintendo dreht, sollen Nintendo künftig an den Werbeeinnahmen auf Youtube beteiligen. Dazu hat WWW: Nintendo eigens ein Creator Programm gestartet. Das Unternehmen will 30 bis 40 Prozent der über Werbung erzielten Umsätze haben. Ohne etwas dafür zu tun. Allein, dass die Spieler die Spiele von Nintendo nutzen, soll den alles andere als bescheidenen Obolus rechtfertigen.

Für Insider kommt der Vorstoß keineswegs überraschend, denn Nintendo hat schon mehrfach versucht, mit dieser WWW: Methode Geld zu verdienen. Nintendo wollte vergangenes Jahr sogar Youtube-Videos sperren (lassen), in denen Spiele aus dem Hause Nintendo zu sehen sind. Nach Protesten war Nintendo dann zurückgerudert. Jetzt versucht es der japanische Konzern erneut und meint es offensichtlich ernst. Außerdem sollen nicht die Spieler Nintendo bezahlen, es soll sogar umgekehrt laufen: Nintendo kassiert erst mal das Geld von Youtube - und zahlt später dann an den Gamer aus.


Solche Videos wird es künftiger wohl seltener geben


Die Rechnung wird nicht aufgehen
Darauf wird sich kein Gamer mit Rang und Namen einlassen, so viel ist sicher. Auch wenn Nintendo keineswegs bei allen Spielen kassieren will (WWW: hier eine Liste der Titel): Wenn Nintendo wirklich ernst macht, werden die Let's-Play-Profis künftig einfach einen großen Bogen um Nintendo-Spiele machen. Ich kann das sogar verstehen: Man sieht zwar Figuren über den Bildschirm zuckeln, an denen Nintendo die Urheberrechte hat. Doch die eigentliche Leistung ist das Kommentierende, das Spielgeschehen.

Wenn Nintendo hier Geld verlangt, wäre das so, als ob der Hersteller des Fußballs Geld dafür haben will, wenn damit eine WM bestritten wird. Oder der Hersteller des Rollrasens. Oder der Hersteller der Kreide, mit denen die Markierungen gezogen werden. Die Gameplays auf Youtube und Co. sind im Gegenteil exzellente Werbung für die Spiele. Die meisten Hersteller sind heilfroh, wenn die Gamer die Titel zocken und ins Netz stellen. Je früher und je mehr, um so besser. Nur Nintendo hat da eine andere Sicht.

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Mittwoch, 28.01.2015

Twitter macht seine Videos länger

Die Generation Youtube ist Videos gewöhnt. Darum setzen alle Onlinedienste verstärkt aufs Bewegtbild. Viel braucht man schließlich nicht, um ein Video zu drehen und später online zu stellen: Jedes Smartphone fungiert heute auch als Videokamera. Selbst Schneiden, Nachvertonen und Optimieren der Bilder ist auf den Mobilgeräten kein Problem.

Entsprechend viele Videos landen im Netz, egal ob bei Youtube, Instagram, Twitter oder wo auch immer. Was Twitter allerdings stört: Allzu oft verlinken Twitter-User auf Youtube. Also zur Konkurrenz. Deshalb hat Twitter seine Videofunktion nun ausgebaut. Ab sofort lassen sich bis zu 30 Sekunden lange Videos in Tweets integrieren. Die iOS-App kann es schon, die Android-App soll es sehr bald auch können.

Neue Twitter-App: Videos drehen und im Mobilgerät bearbeiten; Rechte: Twitter
Neue Twitter-App: Videos drehen und im Mobilgerät bearbeiten


Quadratische 30 Sekunden
Die neue WWW: Video-Funktion in Twitter ist nativ, also direkt in den Dienst integriert. Man kann die Videos direkt zu Twitter hochladen (die Apps für iPhone und Android wurden entsprechend erweitert), braucht also keine Links und auch keine zusätzliche App wie bei Blog: Vine. Und während bei Vine (das auch zu Twitter gehört) die Videos maximal 6 Sekunden lang sein dürfen, gewährt Twitter uns bei den neuen Videos bis zu 30 Sekunden Zeit. Allerdings sind auch die neuen Twitter-Videos quadratisch - warum auch immer.

Die Videos erscheinen direkt in der Web oder auf der Webseite, sind fest integriert. Pluspunkt: Die Videos starten nicht von alleine, also automatisch, sondern erst, nachdem man sie angeklickt hat. Die Bildqualität scheint etwas besser zu sein als bei Instagram-Videos. HD-Qualität ist es allerdings auch bei Twitter nicht - man will wohl die Bandbreiten schonen, schließlich wird Twitter vor allem auf Mobilgeräten genutzt. Wieso es auch bei der neuen Twitter-Funktion quadratische Videos sein müssen, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich persönlich bin kein Freund davon.


Twitter sucht händeringend nach Durchbruch


Quadratische 30 Sekunden
WWW: Gruppen-Chats hat Twitter heute auch noch eingeführt. Twitter will nichts verpassen, alles anbieten, was andere auch können. Der Durchbruch will dem Dienst aber dennoch nicht gelingen, schon gar nicht hier bei uns in Deutschland. 30 Sekunden lange Videos sind ein erneuter Versuch, die Bedürfnisse der User zu bedienen und sie nicht ständig an andere Dienste zu verlieren. Das ist verständlich, wirkt aber trotzdem mitunter etwas hilflos. Wirtschaftlicher Erfolg will sich bei Twitter jedoch ARD: immer noch nicht einstellen, während Apple, Microsoft, Google und sogar Yahoo ordentlich Kasse machen.

Videos nahtlos in Tweets zu integrieren scheint mir ein konsequenter Schritt zu sein. Die Aufgabe ist auch gut gelöst, macht einen guten Eindruck. Allerdings wird sie Twitter nicht den nötigen Schub geben, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Denn Geld verdienen lässt sich auf diese Weise nicht. Ich wüsste zumindest nicht, wie.




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