Mittwoch, 06.05.2015

Sind wir bereit für die neue Arbeit?

Das „neue" Arbeiten, die digitale Transformation der Arbeitswelt - ein wiederkehrendes Thema auf der re:publica. Die meisten, die sich hier rumtreiben, sind mittendrin. Zwei Veranstaltungen zum Thema am zweiten re:publica-Tag (06.05.2015) sind rappelvoll.

Microsoft schmückt sich hier wiederholt mit dem Label des visionären Arbeitgebers, präsentiert gleich mehrere Veranstaltungen zum Thema. WWW: Thorsten Hübschen (von Microsoft) berichtet im Panel „WWW: Neues Europa, neue Arbeitswelt - wie, wann und wo passiert das" von progressiven neuen Büros, deren Zentrum die Menschen darin sind und nicht ihre Schreibtische.

Hübschen selbst veröffentlichte 2014 gemeinsam mit dem Autor Markus Albers das „Manifest für ein neues Arbeiten". Die Berufswelt müsse viel unternehmerischer, eigenverantwortlicher werden, fordert er. In Deutschland, der Satz fällt heute so oder so ähnlich gleich mehrfach, in Deutschland dreht sich alles immer noch um die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Hübschen sagt: „Dabei gibt heute erst Veränderung Sicherheit."

Aufbruchstimmung beobachtet

Leute sitzen bei republica im Sand, Rechte: WDR/Domke
Flexible Arbeit - flexible Arbeitsorte?

Mit der Bereitschaft zur Veränderung müsse auch die Arbeit selbst flexibler werden, stimmt Panel-Speakerin WWW: Jana Tepe zu. „Aber das muss auch mit konkreten Ansätzen ins Handeln umgesetzt werden. Jobsharing kann zum Beispiel eine Lösung sein." WWW: Max Neufeind beobachtet eine Aufbruchsstimmung, Unternehmer experimentierten mit neuen Formen der Arbeit und der Beteiligung. Er selbst verfolge eine Vision der „Arbeitswelt, die durch die Innovation des Technischen wieder humaner wird." Das klingt gut, aber nun wieder deutlich weniger konkret.

Es sei wichtig, nach seinen eigenen Ideen zu arbeiten. „Ich bin Volloptimistin für die Selbständigkeit. Die neuen Technologien bevorzugen generell den selbständigen Lebensentwurf," erklärt WWW: Catharina Bruns.

Träumereien, Illusionen? Unerträglich für einige

Das reicht. Jedenfalls meinem Sitznachbarn. „Ich muss gehen, das ist nicht zu ertragen", raunt er mir beim Aufstehen und an mir Vorbeidrängeln zu. Sein grauer Vollbart ist echt, den trägt er nicht erst seit dem Neukölln-Besuch. Ich fühle mich erinnert an ähnliche Auftritte von ebenfalls ergrauten Theaterzuschauern, die protestierend eine Vorstellung verließen. Ist das wirklich so ein Generationending, warum dieses Unverständnis?

„Es muss normal sein, dass es viele Formen der Arbeit gibt. Wer Ideen hat, hat heute riesige Chancen", fährt Catharina Bruns auf dem Podium unbeirrt fort. „Aber kann das ein Lebensmodell für alle sein, Catharina? Auch für die Kassiererin?", fragt WWW: Moderator Richard Gutjahr. „Ich mag diese Kategorien wie Putzfrau nicht. Sie putzt vielleicht gerade, aber sie kann noch tausend andere Sachen machen. Wir müssen neue Unternehmen gründen, in denen das selbstverständlich ist", antwortet sie.

Veränderung auf allen Ebenen

Frau auf republica allein mit Laptop; Rechte: WDR/Domke
Als Arbeitnehmer und Selbständiger braucht man vor allem Ideen

Arbeitnehmer, Selbständige, Unternehmen - die Veränderung, die Transformation muss sich auf allen Ebenen vollziehen, da sind sich alle auf dem Podium einig. „Viele große Unternehmen sind einfach zu erfolgreich in ihren alten Strukturen gewesen und können sich nicht so schnell ändern", wirft Moderator Gutjahr ein. Es geht um das gute Arbeitsklima, wie Unternehmen Teamwork fördern können.

„Aber ist denn bei aller Automatisierung und Effizienzsteigerung in 20 bis 30 Jahren überhaupt noch genug Arbeit für alle da?", fragt er in die Runde. Max Neufeind antwortet: „Technologische Innovation hat immer Arbeitsplätze vernichtet und neue geschaffen." Ein wichtiges Ziel könne nur sein, Menschen dabei zu unterstützen, auch in Umbruchsphasen kreativ zu bleiben. „Arbeit kann man sich selbst erfinden."

Die Angst nehmen

Catharina Bruns nickt. „Es geht auch darum, Menschen die Angst zu nehmen, damit sie den Switch in die Selbständigkeit schaffen können. Sicher ist man nur, wenn man sich selbst sicher ist. Das Sicherheitsdenken in Deutschland ist vollkommen überzogen." Auch aus der Vollzeit-Anstellung heraus ließen sich schon Projekte testen, wenn nicht als Haupteinkommen, dann vielleicht als dauerhafter Nebenerwerb oder einfach als andere Form der Anerkennung. Sie arbeite nach Möglichkeit nur mit Menschen, die ihre Arbeit wirklich lieben.

Die beiden schwarzgekleideten bärtigen jungen Männer, die inzwischen neben mir sitzen, brummen hörbar zustimmend. Klischee?

„Ihr werft ein Systemproblem auf, ja. Aber checkt auch mal eure, unsere Privilegien! In so einer Arbeitswelt werden einige ganz sicher durchfallen!" Ja, es droht durchaus eine wachsende Kluft zwischen den smarten Wissensarbeitern und dem Prekariat, antwortet Max Neufeind. Seine Antwort: „Umverteilung sozialer Absicherung" - das klingt nicht nach einer Adhoc-Lösung.

Speed of Wandlungsprozesse

Panel Arbeit neu erfinden; Rechte: WDR/Domke
Viel Interesse beim Panel zur Neuerfindung der Arbeit

Aber wer redet auch von Schnelligkeit, wenn es teil- oder gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse geht? „WWW: Arbeit neu erfinden" heißt ein Panel am frühen Nachmittag. „Nein, wir werden nicht von Microsoft präsentiert, das war ein Missverständnis in einer Ankündigung", erklärt Moderatorin WWW: Kathrin Kaufmann gleich zu Anfang. In der Runde wird es schon deutlich konkreter mit dem neuen Arbeiten. Es geht um die Einteilung einer relativ freien Arbeitszeit, Einheitslöhne, aber auch um Missverständnisse und Herausforderungen bei der Pluralität der Kommunikationswege: Whatsapp, Facebook, Twitter, E-mail oder auch das Telefon. Es geht um virtuelle Teams, ein Recht auf Homeoffice wie in den Niederlanden, und vollkommen neue Hierachie- und Führungskonzepte.

Und dann wird Richard Gutjahrs Frage aus dem Vormittagspanel beantwortet: „Manche Unternehmen sind noch nicht bereit für die digitale Transformation. Wenn das Neue dort noch nicht passt, muss man es auch lassen", sagt Panel-Speakerin WWW: Christiane Brandes-Visbeck. „Es gibt auch Arbeitnehmer, die nicht gern selbst entscheiden." Und einige, sagt WWW: Martina Pickhardt (wieder Microsoft), „arbeiten am liebsten nine to five und liefern dabei verdammt gute Arbeit ab".

WWW: tl;dr

Was man aus diesen beispielhaften Veranstaltungen zum neuen Arbeiten ziehen kann? Wir müssen zunächst einmal für uns selbst rausfinden, wie wir arbeiten wollen. Die Antwort darauf ist individuell. Arbeit kann man sich sogar selbst erfinden. Besonders leicht, wenn man ausreichende Bildung genossen hat. In Deutschland versteifen sich viele auf die Utopie des sicheren, festen Arbeitsplatzes. Angst vor Veränderung lähmt. Selbständigkeit ist kein Allheilmittel gegen Arbeitsunzufriedenheit, aber kann auch als Konzept neben der Festanstellung getestet werden. Viele, besonders große Unternehmen sind noch nicht bereit für eine digitale Transformation, das könnte noch dauern. Eine Aufbruchstimmung gibt es aber.

Ich denke Neue Ideen schaffen neue Arbeit. Das Problem ist wie es immer war nur im 21. Jahrhundert noch schwieriger denn je: die Umsetzung.

LiFe am 7.05.15 15:49

Ich denke ausschließlich Neue Ideen schaffen neue zusätzliche Arbeit. Ideen sind nicht ausgeschöpft. Das Problem ist wie es immer war nur im 21. Jahrhundert noch schwieriger denn je: die Umsetzung. Es bedarf starke Nerven, Humor und eine große Portion Geduld.

LiFe am 7.05.15 16:18

Was die Wirtschaft mit Strukturwandel versteht, hat sie uns doch schon gezeigt. Die Fa. Evonik z.B. (deren Hauptaktionär die RAG ist, die ja für den Strukturwandel im Ruhrgebiet verantwortlich zeichnet) hat 2008 angekündigt, das sie ihre Personalkosten von 4 Mrd. Euro um 25% senken will. Wie nacht man sowas. Nun, man stellt keine Industriefacharbeiter mit Monatslöhnen von 3000 bis 3500 Euro/Monat ein. sondern vergibt die Arbeiten an Subunternehmer, die sich dann über Zeitarbeiter mit Stundenlöhnen kleiner 12 Euro (was einem Monatslohn von 1800 Euro entspricht). Da im Tarifvertrag Branchenzuschläge vereinbart werden, die aber nicht für Handwerkbetriebe gelten sollen, sind die Subunternehmer alle als handwerksähnliche Betriebe in der Handwerksrolle eingetragen. So läuft eine erfolgreicher Strukturwandel. Die Folge ist, das Kaufkraft für eine ganze Region verloren geht. Aber das sind Mißverständnisse, und die Betroffenen sind nur zu wenig transformiert, um die Vorteile zusehn.

HerbertH am 7.05.15 16:31

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Dienstag, 21.04.2015

Tyrions Kurzbesuch bei iTunes

Der Apple-Support-Mitarbeiter ist sehr verständnisvoll. „Das kann ich gut nachvollziehen, dass Sie sich an uns wenden, WWW: Game of Thrones ist ja auch wirklich eine ganz tolle Serie, und das ist auch wirklich ärgerlich."

Vier Tage zuvor (17.04.) hatte ich voller Glück festgestellt, dass die 5. Season von "Game of Thrones" im deutschen iTunes-Store verfügbar war - auf Englisch, für knapp 30 Euro komplett in HD. Seltsam, stutze ich: Das sollte es in Deutschland doch nur bei Sky Atlantic geben, wo die neuen Folgen der HBO-Serie seit dem 12. April ausgestrahlt werden. Aber es gab keinen Zweifel: Auch bei WWW: werstreamt.es war nachzulesen, dass Apple alle fünf Staffeln streamt. Es sollte also wirklich einen Staffelpass für die laufende 5. Season geben: alle Folgen im Komplettangebot. Als Fan hatte ich da keine Wahl. Kurze Zeit später war die Bestätigungsmail da, die erste Folge bereit zum Download.

gameoftext.jpg

Dabei beließ ich es zunächst, empfahl den Weg über iTunes aber weiter - zuletzt auch gestern einem Kollegen. Der fand das Angebot dann aber gar nicht mehr im Store. Ich hatte meinen Pass weiterhin, konnte aber Folge zwei nicht laden - WWW: und war nicht die einzige.

Selbst für den Apple-Support scheint das überraschend gekommen zu sein: "Als ich heute Morgen zur Arbeit kam, hatte ich hier den Hinweis, dass "Game of Thrones" -Staffel 5 wieder aus dem Store genommen wurde. Es gab rechtliche Schwierigkeiten. Es war zu früh drin", erklärt der Mitarbeiter, der mich aus dem europäischen Ausland zurückruft. Für wenige Tage war das Angebot auffindbar - bis auffiel, dass Verhandlungen noch gar nicht abgeschlossen sind? In US- und UK-iTunes-Store gab und gibt es die aktuelle Staffel weiterhin nicht. Die kleine deutsche Sensation der Exklusivität - nur eine Panne.

"Bis zum 30. April sollten dann aber alle bisher ausgestrahlten Folgen bei iTunes verfügbar sein." Bis dahin, so erklärt er, seien hoffentlich noch bestehende Uneinigkeiten mit dem Rechteinhaber - HBO, nicht Sky - geklärt. Ob gerade jemand richtig Ärger bekommt, weil er da etwas zu früh freigegeben hat? Selbst ein Tyrion-Fan? Der Hotline-Mitarbeiter bleibt jedenfalls ungerührt freundlich. Ihm ist wohl egal, wie es in Westeros weitergeht.

Für Menschen wie mich, die sich schnell den Staffelpass sichern wollten, bedeutet das: Von iTunes die Rückerstattung verlangen - oder den Pass behalten und darauf hoffen, dass die ersten Folgen Game of Thrones dann also wirklich Ende April im iTunes-Store verfügbar sind. Die Alternative wäre ein Sky Abo - für 16,99 Euro monatlich und das für 24 Monate. Nein, danke!

Update (26.04.2015): Neues vom iTunes Store, Mail vom 25.04.: "Der Staffelpass und Folge 1 von „Game of Thrones", Staffel 5, wurden vom Anbieter versehentlich vor dem geplanten Termin zugänglich gemacht und sind ab dem 28. April 2015 wieder verfügbar. Die weiteren Folgen sind ab dem 5. Mai wöchentlich nach der TV Ausstrahlung verfügbar. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten möchten wir uns entschuldigen. (...)" Na immerhin.

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Dienstag, 06.05.2014

Mein Treffen mit "The Hoff"

Knight Rider habe ich gesehen, klar. Baywatch auch. Und dann das: WWW: David Hasselhoff kommt zur re:publica 14. Ein Gag? WWW: Das dachten sich wohl auch die re:publica-Macher um Markus Beckedahl, als sie von dem prominenten Gast hörten, den einer der Hauptsponsoren der Konferenz, F-Secure, eingeladen hat. Hasselhoff ist in Berlin in seiner neuen Funktion als "digital ambassador" dabei - gemeinsam mit dem szeneprominenten Computerviren-Spezialisten Mikko Hypponen von F-Secure. Die beiden wollen ein WWW: Manifest für digitale Freiheit auf den Weg bringen - in einem Crowdsourcing Prozess gemeinsam mit den re:publica-Teilnehmern. Ganz nebenbei soll es dabei wohl auch um die Vorstellung einer von F-Secure entwickelten (kostenpflichtigen) Sicherheitsapp gehen. David als Freedom-Maskottchen? Dazu sollte sich wohl jeder selbst seine Meinung bilden.

Warum aber nicht vorab mal mit "The Hoff" sprechen, der vor einer Weile selbst unerfreulichere Erfahrungen mit dem Internet gemacht hat - als ein peinliches Video von der Kamera seiner Tochter gestohlen und im Netz verbreitet wurde. So oder so: WWW: Hasselhoff ist im Internet längst Kult. Und dann klappt es, unser Team bekommt einen Interviewtermin. Zum Einstieg mal etwas Vergangenheitsbewältigung.

David war immerhin der erste Mann, der mit einem intelligenten Auto sprach. Und tatsächlich, er durfte kürzlich einen selbst fahrenden Wagen testen. Wie das war, beschreibt er hier:

Und das Internet im Allgemeinen, was mag er daran?

Auf der re:publica ist er als "digitaler Friedensbotschafter". Was bedeutet digitale Freiheit eigentlich für ihn?

Mit Mikko Hypponen habe ich übrigens ebenfalls gesprochen, mehr dazu später. Schnell noch ein Erinnerungsfoto:

Selfie mit David Hasselhoff, Rechte: Moog

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