Montag, 20.04.2015

Warum eigentlich "Noob" und "Nerd" und "Geek"?

"Nerd!" - eine der wenigen Ausrufe, die Bewunderung, Verwunderung und Beleidigung in einem tragen. Die Bezeichnung für den "sehr intelligenten, aber sozial isolierten Computerfan" hat es schon vor über zehn Jahren in den Duden geschafft, ist dort noch als "abwertend" verzeichnet, obwohl das Wort im Alltag nicht nur so genutzt wird.


Der Duden kennt nur den "Nerd" - in den USA dagegen wird noch einmal etwas feiner zwischen Nerd (uncool) und Geek (cool) unterschieden.

Warum aber heißt es "Nerd"? Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür. Schriftlich taucht der Begriff zum ersten Mal in einem Kinderbuch von 1950 auf. In "If I Ran The Zoo" von Dr. Seuss gibt es das folgende Gedicht zu lesen:

"And then, just to show them, I'll sail to Ka-Troo
And Bring Back an It-Kutch, a Preep and a Proo,
A Nerkle, a Nerd, and a Seersucker too!"

Da hatte das Wort mit dem Nerd, wie wir ihn heute kennen, aber noch nicht so viel zu tun. Ein Jahr später tauchte der Begriff im Magazin "Newsweek" erstmals abwertend für bestimmte Personen auf. In den 1960ern und 1970ern schaffte er es in die Alltagssprache. Wie es aber zu diesem Begriff kam - dafür gibt es drei Erklärungen.

Erstens könnte er bei Nortel in Kanada entstanden sein. Nortel ist ein Ausrüster für Telekommunikationsunternehmen und hieß bis in die 1970er noch "Northern Electric". Und welche Abkürzung stand auf den Klamotten der Nerds aus der Entwicklungsabteilung "Research and Development"? Natürlich: "N.E.R.D."

Zweitens gibt es die Erklärung aus dem Techmagazin "IEEE Spectrum" von 1995: Uniabsolventen in den USA hätten sich gegenseitig "knurd" (rückwärtsgelesen "drunk") genannt, wenn sie während des Studiums wenig gelernt, aber viel gefeiert haben - spricht man "knurd" im Englischen aus, wird "nerd" draus - fertig ist der Begriff.

Und drittens könnte er ganz einfach vom Begriff "nert" abstammen, mit dem man in den 1940ern dumme oder verrückte Personen bezeichnet hat. "nert" wiederum stammte von "nut" wie "Nuss" ab. Der Nerd also - nichts anderes als eine dumme Nuss?

Noob und Nerd; Rechte: WDR
In der 1LIVE-Comedywelt wohnen "Noob und Nerd" sogar zusammen in einer WG.

Der Begriff "Geek" wiederum stammt aus dem Mittelniederdeutschen und hieß dort im 14. Jahrhundert nichts anderes als "Narr" - im Rheinland kennen wir den Geek heute als Jeck. In den USA dagegen waren Geeks rund um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Menschen, die auf Jahrmärkten lebendigen Tieren die Köpfe abbissen. Abscheuliche und auffällige Personen wurden Geeks genannt - erst einmal also eine Beleidung.

Erst vor rund 20 Jahren hat der Begriff eine Wandlung vollzogen und wurde in dieser Zeit zum "Nerd in cool". Neben dem streberhaften Spezialwissen, das den Geek auszeichnet, gilt er nämlich als extrovertiert, als um Anerkennung buhlend, als Teil der Hipsterkultur. Zwischen Nerd und Geek gibt es also einen kleinen, feinen Unterschied.

Und dann wäre da noch der Noob. Wenn ihr eure Anfänge im Gaming der 2000er hattet, kann es gut sein, dass ihr schon einmal so genannt wurdet - vermutlich genau dann, wenn ihr euch in einem Spiel extrem dumm angestellt habt. Die Herkunft des Begriffs ist einfach: In den 1830ern wurden Menschen, die sich mit etwas neu beschäftigt haben, als "newie" bezeichnet, in den 1980ern im Usenet als "newbie", abgekürzt "newb", im Leetspeak der Gamerszene geschrieben "n00b", lesbar gemacht "noob".

Die feine Linie zwischen Newbie und Noob ist übrigens diese: Der Newbie ist wirklich neu in etwas. Der Noob dagegen ist möglicherweise schon lange dabei, wird es aber nie raffen und deshalb immer ein Noob bleiben. Was für euch, wenn es um die Begriffe Nerd, Geek und Noob geht, jetzt nicht mehr gelten sollte. Wieder was gelernt.

"nonsense wakes up the brain" Dr. Seuss :-)

LiFe am 20.04.15 10:54

Tatsächlich wieder was gelernt: Dankeschön!

Schüler am 20.04.15 12:48

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Freitag, 17.04.2015

Apps entdecken per #homescreen

Das nenne ich mal eine interessante Variante, auf spannende neue Apps zu stoßen: Die Website WWW: #homescreen wertet lauter Screenshots von iPhone-Nutzern aus und zeigt im Anschluss an, welche Apps gerade besonders beliebt sind - so stoßt ihr immer wieder auf Apps, die gerade heiß gehandelt werden, die ihr aber vielleicht noch nicht kennt.

#homescreen; Rechte: #homescreen
Vom Twitter-Streamingdienst "Periscope" bis zur Instagram-App "Layout": #homescreen wertet aus, welche Apps Nutzer gerade besonders oft neu installieren.

Die Macher von #homescreen haben extra WWW: eine eigene App rausgegeben, mit denen sich die Screenshots auch teilen lassen - ihr könnt darauf jedes einzelne Icon durchgehen und euch anzeigen lassen, auf wie vielen Screenshots die dahinter liegende App installiert ist.

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Dienstag, 14.04.2015

Authenpic - die Fotoapp für die Generation Analog

Je digitaler alles wird, desto mehr Leute versuchen, dem Analogen zu huldigen. Eines Tages werden wir uns all die Fotos von heute anschauen und uns fragen, warum zum Teufel wir trotz all dieser hervorragenden Kameras, die wir heute haben, unsere Fotos so verfälscht haben, dass sie aussehen wie aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Kirche; Rechte: picture-alliance/dpa/Markus C. Hurek
Großartiges Motiv, tolle Schärfe, schöne Farben? - dann bloß einen Retrofilter drüber, damit keiner denkt, man habe es im Jahr 2015 geschafft, ein perfektes Foto zu schießen.

Fotos aufzuhübschen gehört heute dazu. Selfies, Collagen, Filter. Instagram, Flickr, Facebook. Das führt dazu, dass wir selbst in Gesellschaft manchmal mehr mit unseren Smartphones beschäftigt sind, als uns zu unterhalten. Diese Erfahrung haben auch Mari und Linda Johannessen gemacht, zwei Schwestern aus Albany im Nordosten der USA. Bei einem Abendessen stand das Smartphone im Mittelpunkt - nicht das Essen.

"Alles muss toll aussehen, verschönert und mit der ganzen Welt geteilt werden, um Gefällt-mir-Klicks zu sammeln und sich Bestätigung zu holen", sagt Mari. "Beim Fotografieren geht es heute zu sehr um technische Aspekte, zu wenig um den Moment." Um das zu ändern, hat sie mit ihrer Schwester WWW: das Start-up "Authenpic" gegründet.

Die App der beiden funktioniert wie eine klassische analoge Kamera: Mit ihr lassen sich 24 Bilder schießen. Sobald die virtuelle Filmrolle voll ist, klickt man auf "Entwickeln" und muss wie früher darauf warten, dass man die Fotos geliefert bekommt - und zwar vom Briefträger und nicht übers Mailprogramm. Das kostet bei Authenpic knapp 10 US-Dollar. Etwas teurer ist die WWW: "Disposable Camera", die 27 Bilder pro Film liefert.

Fotos; Rechte: Authenpic
"Because imperfect is fun" - mit diesem Motto wirbt "Authenpic" um Kunden.

"Es ist nicht falsch, seine Fotos online mit seinen Freunden zu teilen", sagt der dritte Gründer von Authenpic, Jacques Bastien. "Aber wir haben vergessen, wie viel Fotos uns wert sein können - und das merken wir erst wieder, wenn wir auf sie warten müssen."

Beim Auspacken nach dem Warten zeigen sich zwei Dinge. Erstens: Die Qualität der Fotos ist fast so, wie man sie von der klassischen Entwicklung eben kennt. Es gibt nur viel weniger verwackelte Fotos - dank der oft guten Smartphone-Linsen. Zweitens: Das Auspacken macht zwar Spaß, und die ein oder andere Überraschung ist auch unter den Fotos. Aber brauchen wir Apps, die so tun, als trügen wir die gute alte Kamera mit uns?

Wer "analoge Fotos" möchte, ist mit den wundervollen Fotos einer echten analogen Kamera eh besser beraten. Auf dem Smartphone dagegen hat mich Authenpic als App schnell genervt - einfach weil all die anderen Apps, mit denen ich mir meine Fotos direkt angucken kann, nur einen Fingerzeig entfernt sind. Trotzdem, die Botschaft ist klar: Die Zeit genießen, Freunde nicht nur durch die Linse angucken, Fotos nehmen wie sie sind - und nicht perfektionieren. Dass ich das mit meinem Smartphone und seiner Kamera aber so oft tun kann, wie ich will, nicht nur 24-mal - darüber bin ich sehr glücklich.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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