Dienstag, 27.01.2015

Zehn Links, mit denen ihr erfahrt, was Facebook, Google und Co. über euch wissen

Letzte Woche hatte ich wieder eine Diskussion mit einem dieser Nutzer, die Facebook als "Fratzenbuch" bezeichnen, Google für den Untergang des Netzes halten und jedes Start-up aus den USA, das Daten sammelt, tiefste Verachtung entgegenbringen.

Dennis Horn; Rechte: WDR/Frank Dunski
Die Akte Horn: Mit den richtigen Links erfahre ich, wie gut die großen Onlinedienste mich kennen.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist richtig und wichtig, die Netzgiganten sehr kritisch zu begleiten. Aber diese Hysterie!? - ich kann sie nach wie vor nicht verstehen. Wer sich bei Facebook anmeldet, neigt nicht automatisch zum digitalen Narzissmus oder ist dazu verpflichtet, seinen Alltag in Selfies abzubilden. Wer Google nutzt, muss nicht sein komplettes Leben offenbaren. Und wer Daten an all die Unternehmen aus dem Silicon Valley "abgibt", bekommt dafür in der Regel auch eine Gegenleistung.

Was bei aller Kritik manchmal untergeht: dass wir über uns gespeicherte Daten sichten können. Die Funktionen dazu wurden natürlich nur zögerlich eingeführt - gefühlt erst, nachdem den Onlineriesen klar wurde, dass sich Nutzer und Datenschützer nicht ewig an der Nase herumführen lassen. Und weil sie so gut versteckt sind, weiß auch kaum jemand über sie bescheid. Dabei könnte genau das viel Unwissenheit abbauen.

Beginnen wir mit Facebook: Allein der Blick in eure eigene Chronik gibt schon viel her - noch wichtiger ist aber der Blick ins Aktivitätenprotokoll und in die noch sehr viel umfangreicheren Daten, die euch Facebook per Download bereitstellt. Dieses Archiv zum Runterladen ist für meinen Account zum Beispiel 28 MB groß. Die Links:

WWW: Zugriff auf deine Facebook-Daten - Auflistung aller gespeicherten Daten
WWW: Aktivitätenprotokoll - chronologische Auflistung aller Beiträge und Aktivitäten

Facebook-Archiv; Rechte: WDR/Dennis Horn
Ein Klick reicht - und innerhalb weniger Minuten stellt Facebook ein Archiv der gespeicherten Daten zum Download bereit.

Google mit all seinen verbundenen Diensten von Android über Drive und Gmail bis YouTube stellt noch mehr Möglichkeiten bereit, auf die eigenen Daten zuzugreifen. Das Blog "Cloud Fender" hat dazu kürzlich WWW: eine hilfreiche Liste zusammengestellt. Die wichtigsten Links daraus sind diese hier:

WWW: Anzeigeneinstellungen - Welches Profil hat Google über euch angelegt?
WWW: Standortverlauf - eure Aufenthaltsorte, gespeichert von Android
WWW: Suchverlauf - ein Blick in eure Suchhistorie mit Google-Konto
WWW: Dashboard - zentrales Tool für die Konten- und Datenverwaltung
WWW: Daten herunterladen - auch Google stellt ein Archiv zum Download bereit

Über das Google Dashboard könnt ihr übrigens eine monatliche E-Mail anfordern, die euch daran erinnern soll, eure Kontoaktivitäten zu überprüfen - ein gutes Mittel für mehr Sicherheit und Aufmerksamkeit, was die eigene Datensammlung angeht.

Twitter-Archiv; Rechte: WDR/Dennis Horn
Übersichtlicher als die Downloads der anderen Dienste: das Archiv der eigenen Daten bei Twitter, das vor allem aus den eigenen Tweets besteht.

Auch weitere Dienste von Amazon über Twitter bis YouTube, die oft auch den Stempel "Datenkraken" aufgedrückt bekommen, stellen Funktionen bereit, mit denen sich zumindest ein Teil der eigenen Daten einsehen lässt. Hier die Links dazu:

WWW: Amazon-Historie - ein Blick auf sämtliche bisherigen Bestellungen
WWW: Twitter-Archiv - ein Download der kompletten Twitter-Historie als ZIP-Datei
WWW: YouTube-Archiv - ein Blick auf den eigenen Wiedergabe- und Suchverlauf

Natürlich stecken nicht alle Daten in diesen Archiven. Amazon zum Beispiel speichert meine Nutzung der Seite bis ins kleinste Detail: den "Klickstream" - eine Liste aller angeklickten Produkte, die sich nur per Post und nach viel Hin und Her mit der Rechtsabteilung des Unternehmens anfordern lässt. Und auch die Initiative WWW: "Europe vs. Facebook" hat nachgewiesen, dass in den Datensätzen der Nutzer wohl wesentlich mehr Informationen stecken, als es zum Beispiel das eigene Facebook-Archiv suggeriert.

Trotzdem: dass viele Dienste mittlerweile einen recht geordneten (wenn auch oft versteckten) Einblick in die eigenen Daten möglich machen, ist ein Fortschritt.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Guter Artikel! Man kann nicht genug Aufklärung betreiben, auch wenn es oftmals ein Kampf gegen Windmühlen zu sein scheint. Weiter so!

Karsten Gulden am 29.01.15 10:12

Guter Artikel! Man kann nicht genug Aufklärung betreiben, auch wenn es oftmals ein Kampf gegen Windmühlen zu sein scheint. Weiter so!

Karsten Gulden am 29.01.15 10:13

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Freitag, 23.01.2015

CloudConvert wandelt alles in alles

Es gibt ja diese Momente, in denen allein die Existenz verschiedener Dateiformate zu Wutanfällen, Schreikrämpfen und Mordgelüsten führt. Dateien zu konvertieren, ist nicht immer einfach. Deshalb halte ich den Onlinedienst WWW: CloudConvert des Münchener Startups Lunaweb für ein spannendes Angebot: Dort könnt ihr über 200 Formate wandeln, von Audios und E-Books über Bilder und Präsentationen bis zu Videos und Websites.

CloudConvert; Rechte: Lunaweb
MP3-Dateien aus Videos extrahieren oder E-Book-Formate in PDF-Dateien wandeln - CloudConvert bietet da unzählige Möglichkeiten.

Die Dateien, die ihr konvertieren möchtet, ladet ihr hoch oder übertragt sie von einem eurer Cloudspeicher. Sobald die Umwandlung beendet ist, bekommt ihr einen Downloadlink per E-Mail - oder CloudConvert legt euch die Datei wieder bei Dropbox, Google Drive und Co. ab. Die kostenfreie Version von CloudConvert erlaubt mit Nutzeraccount bis zu 25 Umwandlungen mit insgesamt 1 GB pro Tag.

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Dienstag, 20.01.2015

FOMO? - nein: JOMO!

Mittlerweile weiß ich ja gar nicht mehr, welches moderne Internet-Leiden mich am meisten plagt. Wahrscheinlich ist es mein Dasein als Blog: Cyberchonder. Oder ist es Blog: FOMO, meine Angst etwas zu verpassen, sobald der Flugmodus aktiviert ist? Oder noch ein anderes Phänomen, weshalb ich mich stundenlang in Digitalistan verliere?

Dennis Horn mit Smartphone; Rechte: WDR/Frank Dunski
Je öfter am Tag wir das Smartphone aus der Hosentasche ziehen, desto problematischer.

Forscher der Uni Bonn sagen übrigens: Blog: Es ist gar nicht so schlimm, Stunden mit seinem Smartphone zu verbringen. Schlimm ist, wie oft wir dafür den Tag unterbrechen. 17- bis 23-Jährige ziehen ihr Smartphone im Schnitt 130-mal am Tag aus der Hosentasche und schalten es ein. Geht man von 16 Wachstunden aus, unterbricht man damit alle sieben bis acht Minuten seinen Tagesablauf. Man kommt also nie wirklich dazu, einen klaren Gedanken zu Ende zu führen, weil ständig irgendetwas bimmelt.

Wer nicht abschalten kann, findet an seinem Smartphone zwar zwei einfache Funktionen dagegen: die Einstellung "lautlos" und den Aus-Knopf. Wenn ich mein Smartphone auf "lautlos" stelle, laufen aber noch immer alle Benachrichtigungen auf. Wer die neueste Version von Android installiert hat, kann außerdem nicht einmal mehr die Vibration abstellen. Und der Aus-Knopf verhindert, dass ich das Smartphone schnell in die Hand nehmen kann, wenn ich es doch einmal brauche. Was ja öfter passiert.

Unter iOS habe ich in den vergangenen Monaten die Funktion "Nicht stören" geschätzt. Mein Smartphone ist sowieso in der Regel auf "lautlos" gestellt. "Nicht stören" geht aber noch einen Schritt weiter und stellt eingehende Anrufe und Mitteilungen ganz stumm - außer, sie kommen von Kontakten, die ich als "Favorit" gespeichert habe oder solchen, die mehrfach hintereinander anrufen, weil es vielleicht dringend ist.

Offtime; Rechte: Offtime
"Offtime" sperrt für eine vorgegebene Zeit gewünschte Funktionen des Smartphones.

Unter Android schätze ich die kostenlose App WWW: "Offtime" mittlerweile sehr - weil ich mit ihr erreicht habe, das Smartphone nicht mehr dauernd in die Hand zu nehmen. Auch mit ihr lassen sich Anrufe und Mitteilungen komplett stumm schalten. Sie lässt sich aber auch gezielter einsetzen, um nur den Internetzugang oder einzelne Apps zu sperren - am besten genau die Apps, von denen man sonst nicht die Finger lassen kann. Ist "Offtime" einmal in Betrieb, gibt es kein Zurück; Anrufe für den Notfall sind aber weiter möglich.

Für Nutzer, die sich selbst nicht am Riemen reißen können, ist das eine gute Lösung. Aus FOMO, "Fear of Missing Out", wird dann vielleicht JOMO: "Joy of Missing Out".


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Es ist doch schlimm!!!
Warum reden wir hier drum herum mit FOMO und JOMO.
Wir sind süchtig danach. Da hilft nur: ausmachen...
Ende der Durchsage

asaph am 20.01.15 13:56

Hallo.

Warum sollte man bei Android noch nicht mal Vibration ausschalten können.
Ich glaube da habt ihr was nicht verstanden.
Wenn ihr Hilfe braucht einfach melden.

pr0j3ctx am 24.01.15 20:06

@pr0j3ctx: Richtig gelesen. Es gibt in der neuen Version von Android (Lollipop) bisher keine Möglichkeit, das Handy im Standardbetrieb komplett lautlos zu stellen, so dass es auch nicht mehr vibriert. Wenn du die Lösung hast, nach der alle anderen noch suchen: gern her damit.

Dennis Horn am 24.01.15 20:14

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