Dienstag, 05.05.2015

Eure Hacker sind keine Hacker!

Den Begriff "Hacker" vermeide ich gern. Als ich noch Nachrichtenredakteur fürs Radio war, habe ich meinen Kollegen öfter geraten: "Sag nicht 'Hacker'. Sag lieber 'Angreifer'." Beim legendären Angriff auf Sony, beim Aufkeimen von Anonymous, bei den großen Schlagzeilen zu Stuxnet: Nie waren es Hacker. Denn Hacker - das sind die Guten.

Wau Holland; Recht<br />
e: picture-alliance/dpa/Werner Baum
"Ein Hacker ist jemand, der versucht, einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." (Wau Holland, einer der Gründer des Chaos Computer Clubs, hier zu sehen beim BTX-Hack 1984)

Der Begriff "Hacker" wurde schon in den 1950er-Jahren genutzt: Amateurfunker, die ihre Geräte gepimpt haben, nannten sich damals so. Genauso die Nerds vom Tech Model Railroad Club, dem Modelleisenbahnclub der Eliteuni MIT. Heute würden wir sie wohl eher Bastler nennen - seit den 1980ern gehören die Hacker zur Computerwelt.

Seitdem wird aber auch fleißig alles in einen Topf geworfen: egal ob sich Hacker daran beteiligen, Sicherheitslücken aufzudecken, um das Netz sicherer zu machen - oder ob sie in fremde Systeme eindringen, illegal Daten kopieren oder ganze Websites lahmlegen. Für all diese unterschiedlichen Dinge gibt es auch ganz unterschiedliche Begriffe.

Hacker, die sich vor allem mit Sicherheitslücken befassen, werden deshalb heute in drei Typen unterteilt: White-Hat-Hacker arbeiten innerhalb der Gesetze und richten sich nach der WWW: Hackerethik. Black-Hat-Hacker dagegen arbeiten mit krimineller Energie. Und für Grey-Hat-Hacker heiligt der Zweck die Mittel: Sie verstoßen gegen Gesetze und die Hackerethik - um am Ende mit ihrer Arbeit die Welt ein bisschen sicherer zu machen.

Dennis Horn mit Guy-Fawkes-Maske; Rechte: WDR/Dennis Horn
Seit dem Aufkeimen der Anonymous-Bewegung tragen Hacker auf Symbolbildern nicht mehr die Sturmhaube, sondern Kapuzenpulli plus Guy-Fawkes-Maske.

Cracker wäre der eigentlich korrekte Begriff für Black-Hat-Hacker. So steht er im populären WWW: Jargon File, einer Art Hackerlexikon. Eingeführt wurde dieser Begriff, damit vor allem in der Presse zwischen guten und schlechten Hackern unterschieden wird - doch bis heute wird dieser Begriff nicht wahrgenommen oder einfach ignoriert.

Skriptkiddies gehören auch zu den Crackern oder Black-Hat-Hackern - wirklich hacken können sie allerdings gar nicht. Ihnen fehlt das nötige Grundlagenwissen. Stattdessen nutzen Skriptkiddies fertige Programme, um in fremde Systeme einzudringen oder sie lahmzulegen. Ein Großteil der Anonymous-Bewegung, die sich in Chats verabredet, um Websites per WWW: DDoS-Angriff lahmzulegen, besteht aus Skriptkiddies. Halbstarken Black-Hat-Hackern also, die nur in der Gruppe laut sind, sonst aber nichts zustande bringen.

Phreaker gibt es mittlerweile nicht mehr. Sie stammen aus der Urzeit des Hackens. Als Phreaker hat man Hacker bezeichnet, die Telefonverbindungen manipuliert haben, zum Beispiel um kostenlos telefonieren zu können. Mit all den Internetanschlüssen, die wir heute haben, ist diese Szene aber natürlich auch komplett ausgestorben.

Julian Assange; Rechte: picture-alliance/dpa/Sandro Compardo
Einer der bekanntesten Hacktivisten: Julian Assange, der umstrittene Kopf hinter WikiLeaks.

Hacktivisten sind Hacker, die sich politisch engagieren. Auch hier gibt es die Guten und die Bösen: Hacktivisten arbeiten zum Beispiel daran, Wahlcomputer zu verhindern, weil deren Einsatz technisch zu gefährlich ist. Hacktivisten finden sich aber auch auf Seiten der Black-Hat-Hacker, die politisch motiviert in fremde Systeme eindringen. Einer ihrer bekanntesten Köpfe: Julian Assange, Gründer von WikiLeaks, um den es zusammen mit anderen Whistleblowern auch WWW: im WDR-Projekt "Supernerds" geht.

Hardwarehacker schließlich sind die, die sich nicht auf Programmbefehle konzentrieren, sondern auf die Geräte dahinter. Sie arbeiten daran, Geräten zusätzliche Funktionen zu verschaffen, die von den Herstellern nicht vorgesehen sind. Ein Beispiel sind die vielen Kinect-Hacks für die Microsoft-Sensorleiste, die zur Steuerung der Xbox veröffentlicht wurde, aber sehr viel mehr kann, wie WWW: eine einfache Google-Suche zeigt.

Wenn ihr ein bisschen Zeit mitbringt: Der sehr lange und sehr gute WWW: Wikipedia-Eintrag zum Begriff "Hacker" geht da noch sehr viel mehr in die Tiefe.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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Montag, 04.05.2015

Drumcomputer im Browser

An diesem Spaß möchte ich euch teilhaben lassen: Die letzte Stunde habe ich mit der WWW: HTML5 Drum Machine verbracht - einem Drumcomputer, der sich direkt im Browser aufrufen lässt. Damit könnt ihr eure eigenen Samples programmieren und im Anschluss sogar als Wavedatei exportieren, falls ihr sie weiter nutzen möchtet.

Drumcomputer; Rechte: Jamie Thomson
Die HTML5 Drum Machine: kein Flash, kein Programm, sondern einfach eine Website.

Die Website ist eine Fingerübrung des Briten Jamie Thomson, der eigentlich als Texter arbeitet - aber offenbar auch ein Händchen fürs Programmieren und für die Musik hat.

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Donnerstag, 30.04.2015

Instagram plus Tinder plus Gaming-App

WWW: Mission: Pic macht aus einer klassischen Foto-App ein Spiel. Jeden Tag geben die Macher eine Aufgabe vor, und zwar ein Motto, zu dem User Fotos machen können. Lautet die Aufgabe "Metal", könnt ihr zum Beispiel die Nahaufnahme einer Getränkedose posten, einen besonders schönen Aufzug oder die Crowd beim AC/DC-Konzert. Anschließend wird per Voting ein Tagessieger ermittelt. Das funktioniert wie bei der Dating-App Tinder: Fotos, die euch gefallen, schiebt ihr nach rechts, alle anderen nach links.

Mission: Pic; Rechte: Mission: Pic, LLC
"Mission: Pic" gibt jeden Tag ein neues Motto für die Fotos vor.

Ob der Ansatz funktioniert? Einerseits wird es mit der Zeit langweilig - schließlich nutze ich Apps und soziale Netzwerke nicht, um irgendwelche Aufgaben ihrer Macher zu erfüllen. Andererseits könnte ab und zu ein kleiner Wettbewerb, organisiert zum Beispiel über Hashtags, auch den Alltag bei Instagram, Facebook oder Twitter auflockern.

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