Donnerstag, 06.06.2013

LinkLounge 13/23: Babys, Hotdogs und Teenies

Der Sommer ist da. Darauf freut sich selbst die Nerdfraktion. Also: Tablet, kühles Getränk - und unsere LinkLounge mit den schönsten, besten, interessantesten Fundstücken der Woche. Wir wünschen ein schönes Wochenende!

Blog: Dennis Horn

Mein Highlight in dieser Woche: das Internet in China. Selbst der größte Zensurapparat der Welt hindert die Chinesen nicht daran, ihre Debatten öffentlich auszutragen. Der Onlinejournalismus-Professor Lorenz Lorenz-Meyer, der auch in China lehrt, hat beim Frankfurter Tag des Online-Journalismus am Dienstag gezeigt: Die chinesische Netzöffentlichkeit ist vielleicht sogar lebendiger als die deutsche Netzgemeinde.

Zwei Einblicke in fremde Welten haben mich außerdem fasziniert. Das VICE-Magazin stellt WWW: die Teenie-Superstars von Instagram vor: "Die Jungs sehen alle wie Bieber-Klone aus und die Mädchen wie die Freundinnen von Surfern. In fünf Jahren wird wahrscheinlich eine von ihnen die neue Paris Hilton sein." Außerdem: WWW: "Glass" von Dustin Curtis. Kein Artikel sonst hat es geschafft, mir die Datenbrille von Google so nahe zu bringen wie dieser.

Und zum Schluss noch etwas Kunst - in diesem Fall von Twin-Peaks-Schöpfer David Lynch: "Another mystery" heißt sein Vine-Video. Ich weiß nicht, weshalb. Aber es fesselt mich.


Blog: Jörg Schieb

Die WWW: Soundcloud ist so eine Art YouTube für Musikliebhaber. Selbst angesehene Bands wie WWW: Nine Inch Nails nutzen den Onlinedienst, um für ihre Musik die Werbetrommel zu rühren. Das neue Album "Hesitation Marks" ist noch nicht da, doch auf Soundcloud kann man sich bereits einen Song aus dem Album kostenlos und legal anhören, und zwar WWW: "Came Back Haunted". Viel Spaß damit!

Wer innerhalb eines sozialen Netzwerks wie Facebook Dateien austauschen möchte, hat es nicht leicht: Facebook zumindest sieht es nicht konkret vor, dass man Freunde mit Dateien versorgt. Mit der WWW: Facebook-App Pipe des gleichnamigen Berliner Start-ups geht so etwas: Einfach die Datei (bis 1 GB) per Drag & Drop in die App ziehen, den Freund auswählen, der die Datei erhalten soll - fertig. Der Empfänger muss nicht online sein und kann entscheiden, ob er die Datei annehmen möchte oder nicht. Der Dateitransfer soll verschlüsselt erfolgen. Zumindest eine komfortable Lösung für ein Problem, das viele in sozialen Netzwerken immer wieder haben.


Blog: Stefan Domke

Wer nicht nur eine Kaffeetasse, sondern zufällig auch ein Baby zur Hand hat, dem empfehle ich, sich am neusten Internet-Trend namens WWW: Babymuggling zu beteiligen. Es ist ganz einfach: Baby irgendwo ablegen, mit entsprechendem Abstand eine Kaffeetasse davor halten und so für die WWW: passende perspektivische Verzerrung sorgen. Angestoßen wurde dieses WWW: Mem von der WWW: New Yorker Mutter und Bloggerin Ilana, die auch dafür verantwortlich ist, dass Eltern WWW: das Haupthaar ihre Kleinsten verunstalten.

Doch nicht nur Babys, sondern auch Tiere sind ein Klickgarant. Noch besser sind eigentlich nur noch ...? Richtig: Tierbabies. Das Blog boredpanda.com hat nach dem großen Erfolg einer WWW: ersten entsprechenden Fotogalerie WWW: noch einmal nachgelegt und empfiehlt, man solle sich diesen Link für schlechte Zeiten abspeichern - eine Gemütsaufhellung sei garantiert. Recht haben sie.

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Um den Nutzwert meiner aktuellen Klickempfehlungen noch etwas zu erhöhen, hier eine Alternative zum Google Reader, Blog: der ja bald abgeschaltet wird. WWW: Die Kollegen von t3n.de sind trotz einiger Startschwierigkeiten vom neuen Curata Reader angetan. Ich empfehle ihn vor allem allen Mobil-Nutzern, die sein responsibles und minimalistisches Design schätzen werden.


Blog: David Ohrndorf

Der Niederländer Jo Luiten betreibt als WWW: Squirrel-Monkey einen sehenswerten YouTube-Channel. Besonders gerne mag ich seine aus WWW: ASCII-Codes nachgebauten Internet-Tools. Er hat schon gezeigt, wie das Spiel Angry Birds in den 1980ern ausgesehen hätte, wie Facebook in den 1990ern genutzt worden wäre - und nun ist Wikipedia dran. WWW: "The Wikipedia in the 80's" ist optisch liebevoll gemacht und auch inhaltlich lustig. So zeigt er beispielsweise, was eine Suche nach "Paris Hilton" in den 1980ern vermutlich ergeben hätte.

Und noch was für alle, die die Leidenschaft für Wurst mit mir teilen: eine Compilation amerikanischer Hotdog-Variationen. Yummy!

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Donnerstag, 06.06.2013

Musik-CDs in den Müll

Es kann so verdammt schnell gehen. Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass dieser Moment kommt. Am Wochenende habe ich kurzen Prozess gemacht: Ein Wäschekorb voller CDs hat meine Wohnung verlassen.

"(What's the Story) Morning Glory?" von Oasis war dabei. Die Kratzer in der Hülle und das zerfledderte Cover erzählen Geschichten von früher. Für einige Jahre war diese CD der Soundtrack meines Lebens. "You've Come a Long Way, Baby" war dabei. Fatboy Slim. Bis heute eins der besten Alben, die ich kenne. Auch meine erste CD überhaupt war dabei. Sie war mir lange Zeit peinlich. Aber ich gebe zu: Es war "Verdammt, ich lieb' Dich" von Matthias Reim.

Die drei ???
Nur sie darf bleiben: meine "Die drei ???"-Sammlung. Alle anderen CDs sind verschwunden.

Ich brauche diese CDs nicht mehr. Sie stehen im Schrank. Sie verstauben. Sie nehmen Platz weg. Sie sind unnötiger Ballast bei jedem Umzug. Sie sind nicht mehr als eine Erinnerung - die ich mir aber jederzeit wieder holen kann, wenn ich allein die Songs höre. Dass mich meine Musiksammlergefühle so schnell verlassen, hätte ich nicht gedacht.

Plötzlich stand ich ohne meine Musik da

Musik und ich - das funktioniert nur noch per Streaming. Das ist mir schon vor ein paar Monaten aufgefallen, im Urlaub mitten in der Wildnis, weit weg von der Zivilisation, ohne Anschluss ans Netz. Meinen MP3-Player hatte ich zwar dabei. Aber es war Monate her, dass ich zum letzten Mal einen Song draufgezogen hatte. Der Rest lag in meiner Playlist beim Streamingdienst. Und plötzlich stand ich einsam und allein ohne Musik da.

Vor einem Jahr, als all die Anbieter von simfy über Napster bis Spotify groß geworden sind, habe ich mir noch diese Fragen gestellt: Wo bleibt das gute alte Sammlergefühl? Wollen wir das wirklich? Musik hören, sie aber nicht besitzen? Bevor ich Antworten hatte, habe ich meine Art, Musik zu hören, über den Haufen geworfen - und es nicht einmal mitbekommen.

Nach einem Jahr war mein Musikkonsum komplett umgekrempelt

Ich bin nicht mehr bereit, so schnell Geld auszugeben. Ich möchte mich in einen Song verknallen, bevor ich auch nur einen Euro zahle. Ich möchte das Album hören, keine Hörbeispiele von 90 Sekunden, sondern so viel ich mag - wie im Plattenladen. Gleichzeitig genieße ich, wie viel neue Musik ich entdecke. So viel wie vorher in Jahren nicht. Ich bin wieder neugierig, traue mich wieder, nach links und rechts zu gucken, weil es nichts kostet.

Ein Jahr hat es gedauert, meinen Musikkonsum komplett umzukrempeln und mich von meinen CDs zu verabschieden - und damit auch davon, Musik überhaupt noch zu besitzen. Wie radikal das eigentlich ist, fällt mir gar nicht mehr auf. Bin eigentlich nur ich dermaßen in die Falle getappt?


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Hmm, heißt das nicht, sich in die völlig Abhängigkeit der Musikindustrie und deren Vertriebspartnern (=Streamingdienste) zu begeben?
Ich habe auch schon lange keine CDs mehr gekauft, achte beim Download aber darauf, dass die Sachen DRM-frei sind. Ganz ohne Backup-Medium (= CD oder DRM-freie MP3-Datei) kann mir Spotify oder wer auch immer doch das Abo abklemmen und ich steh komplett ohne Musik da, oder??
Wer weiss, vielleicht kommen die Politiker irgendwann auf die Idee: Wer im Netz was falsch macht, bekommt bestimmte Dienste gesperrt, zum Beispiel Streaminganbieter. Das Three-Strikes-Modell für den kompletten Ausschluss vom Netz wurde ja schon öfter mal diskutiert...

Christian Müller am 6.06.13 10:43

Ob MP3 oder Stream, beides taugt lediglich zum Bedudeln. Die Qualität ist einfach zu schlecht, um tatsächlichen Hörgenuss zu erzeugen. Bei Popmusik gehts noch, aber wer mal bei klassischer Musik ein Stück zwischen CD und MP3 verglichen hat (mit guten Lautsprechern oder Kopfhörern), der wird in der Regel einen deutlichen Unterschied zugunsten der CD bemerken, die allerdings von einer Liveaufführung wiederum noch mit Abstand getoppt wird.

Bei MP3 oder Streams geht ob der vergleichsweise geringen Bandbreite erstaunlich viel von den Nuancen verloren, darum sind sie für mich derzeit bei Weitem keine Alternative zur klassischen Musikkonserve CD. Zum Bedudeln während der Arbeit oder beim Dösen reicht allerdings ein Stream durchaus aus - aber dann kann ich wiederum nur das hören, was der Anbieter mir vorsetzt, und manch geliebten Exoten krieg ich in der Regel gar nicht angeboten.

Riewekooche am 6.06.13 11:24

Streaming-Dienste halte ich für eine große Falle. Man darf scheinbar ganz viel, und es kostet gar nicht so viel. Aber es wird immer und immer wieder kassiert! Man besitzt nichts! Man kann nicht mal ein Lied jemandem kopieren, keine Musik gebraucht verkaufen. Will man mehrfach hören, muss immer und immer wieder übertragen werden. Eine Cash-Cow für die Anbieter! Die verschwendete Übertragungskapazität zahlt ..., ja wer eigentlich?

Seltsam, im Zeitalter der Gigahertz-Prozessoren und Gigabyte-Speicherkarten sollen wir die Kontrolle über unsere Daten in die Cloud verlegen? Harmlose Backups ja, sonst ohne mich!

Man begibt sich zudem in totale Abhängigkeit. Wer das Abo kündigt, hat nichts mehr. Außerdem lässt sich gut ein Persönlichkeitsprofil anlegen, vielleicht gar mit Ortsdaten. Tagesablauf plus Musikgeschmack, daraus lässt sich viel entnehmen. (Möglichst nicht an der Haschwiese joggen. Vielleicht werden die Daten noch anderswo anderswie ausgewertet.)

Bertram in Mainz am 6.06.13 12:17

Wurden die CDs wirklich in den Müll geworfen? Oder wenigstens verschenkt? Schachtel hinstellen "Zum Mitnehmen"? Vorher Inhalte kopiert?

Es gibt noch andere Streaming-Dienste, die bloß nicht so heißen. Ich meine Radio und Fernsehen. Mich wundert, dass z.B. Tablets und Smartphones mit immer komfortableren Internet-Optionen ausgestattet werden. Aber ein Radio oder DVB-T-Empfänger ist nicht eingebaut. Eher lässt man noch ein paar Schnittstellen weg, weil man ja die Daten angeblich in der Cloud hat.

Es gibt auch Internet-Radio. Wer braucht eigentlich Streaming-Dienste? Ich werde mal schauen, was es auf DAB an Sendungen gibt. Außerdem wohne ich in einem DVB-T-Kernbereich. Unterwegs möchte ich die zunehmende Reizüberflutung nicht noch mit Musik steigern. Allerdings bin ich jemand, der wenig Musik hört. Im Gegenteil, durch die aggressive Musik-Unterlegung nahezu aller Fernsehsendungen entwickle ich zunehmend eine Aversion gegen Musik.

Bertram in Mainz am 6.06.13 12:48

Wie ist das mit dem Energieverbrauch.
PC oder mp3 Player, Webradio und zusätzlich der Downeload.
Wenn man sagt eine Internetseite soll so viel Strom verbrauchen wie eine Tasse Kaffee. Was verbraucht man beim stramen und ist dann das Digitalradio nicht viel besser.

Christoph Bernds am 6.06.13 16:00

Ich beschäftige mich schon seit langem mit der Wiedergabe von Musik und den entsprechenden Datenträgern. Ich habe festgestellt, dass sich die Klangqualität der verschiedenen Formate deutlich unterscheidet und die Darbietung der Musik über Streamingformate mit Abstand die schlechteste ist. Ich bevorzuge wieder die gute alte Langspielplatte, die zugegeben ihre Schwächen hat. Das bezieht sich aber nicht auf ihre Klangqualität sondern nur auf ihre Handhabung. Aber mit der nötigen Sorgfalt kann ich schon seit über dreißig Jahren völlig ungetrübt Musik mit der LP genießen. Und hier liegt für mich der Unterschied zu den Streamingformaten. Ich genieße die Musik und konsumiere sie nicht nur. Ich kann nur jedem Musikliebhaber empfehlen, jeden originalen Datenträger, sei es nun das gute alte Vinyl oder auch die CD, zu behalten und zu pflegen.
Abgesehen davon halte ich es für bedenklich, wenn unterschwellig für den Konsum von gestreamter Musik geworben wird.
Gruß,
IKE

IKE THEBIKE am 6.06.13 16:10

Es gab mal vor einigen Jahren eine Untersuchung des Heise-Verlags zur Hörbarkeit der MP3-Kompression. Bei genügend hoher Samplingrate war für den Normalhörer kein Unterschied wahrzunehmen. Einer der Teilnehmer hatte einen leichten Gehörschaden. Ausgerechnet der konnte zwischen CD-Qualität und MP3 einen winzigen Unterschied erkennen. Der Grund war wohl, dass bei ihm das psychoakustische Modell der MP3-Kompression nicht ganz passte. Es ging aber um winzige Unterschiede, nicht um "schlechte Qualität".

Persönlich kann ich nichts zu dem Vergleich beisteuern. Bei mir klingt Musik meistens nach Kofferradio. Das liegt daran, dass ich sie mit dem Kofferradio höre. Oder ein Computerlautsprecher mit Verstärker wird an einen alten Diskman angeschlossen. Aber ich habe aufgrund solcher Untersuchungen Anderer doch den Eindruck, dass die Unterschiede winzig sein müssen.

Link:
http://www.heise.de/ct/artikel/Kreuzverhoertest-287592.html

Bertram in Mainz am 7.06.13 0:10

Ich stehe den ganzem Streaming-Hype kritisch gegenüber, ähnlich wie Bertram in Mainz. Würde meine CDs niemals hergeben, auch wenn ich gerade in Australien bin und alles auf meinem Telefon habe (die CDs bewacht in D mein Bruder). Streamen tu ich ganz oft bei youtube und anderen Seiten, z.B. auch dem WDR - und dann heißts immer 'rebuffering'...bitte warten. Bei meinem Musikgenuß würde dies ein absolutes KO-Kriterium darstellen! Ich drücke 'Play', und erwarte dass die Musik von Anfang bis Ende spielt, ohne Kompromiss! Mal abgesehen von den ganzen Daten die ich übertragen müsste (auf dem Handy kostenpflichtig, wohlgemerkt).

Chris26 am 7.06.13 7:33

Ich kenne den Heise-Hörtest (und hab ihn grade zwecks Auffrischung nochmals überflogen). Es ist allerdings ein Unterschied, ob man eine Aufnahme "besser" findet oder "originalgetreuer". Ich hatte das große Glück, einige Werke live hören zu dürfen, von dieser Live-Aufführung eine CD-Aufnahme zu bekommen und diese dann zu MP3s wandeln und alle drei miteinander vergleichen zu können, und dabei das Stück noch in-und auswendig zu kennen, weil selber schon mit aufgeführt habend. Verglichen mit Live ist bereits eine CD-Aufnahme lausig, und das davon erzeugte 194kBit-MP3 klingt verwaschen, nuancen- und farblos. Kennt man aber die Originalaufführung mit all ihren feinen Nuancen nicht, wird man das möglicherweise kaum merken, und eventuell gefällt dem einen oder anderen die Filterung (Baßverstärkung, Höhenabsenkung), die beim MP3-Encoding vorgenommen wird, besser als die "ungefilterte" (stimmt natürlich auch nicht!) CD. Kennt man das Original, fragt man sich: Wo sind alle Feinheiten hin?

Riewekooche am 7.06.13 8:22

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Donnerstag, 06.06.2013

Datenschatz zum Datenschutz

Wenn es in Deutschland ums Netz geht, gibt es eine Handvoll Themen, um die ganze Meinungsschlachten ausgetragen werden. Eins davon taucht auch in der Politik immer wieder auf: das Thema Datenschutz. Gerade deutsche Politiker feiern sich oft als Hüter unserer Daten. Aber handeln sie auch danach? Wenn es nach den Machern von LobbyPlag geht: nicht immer.

LobbyPlay; Rechte: LobbyPlag
Europapolitiker, die für einen schärferen Datenschutz eintreten, erscheinen auf den Seiten von LobbyPlag eher grün. Wer für einen lascheren Datenschutz eintritt, eher rot.

Heute trifft sich in Brüssel der Ministerrat der Europäischen Union, um über die neue EU-Datenschutzverordnung zu verhandeln. Pünktlich dazu WWW: könnt ihr auf den Seiten von LobbyPlag sehen, welche Europapolitiker für einen eher schärferen und welche für einen eher lascheren Datenschutz eintreten. Dafür könnt ihr euch durch die Länder, die Parteien oder die Listen der Abgeordneten klicken und genau filtern, wer wofür steht.

Die meisten Gesetzesvorschläge sehen einen lascheren Datenschutz vor

Das Thema ist deshalb so interessant, weil die Datenschutzverordnung zum ersten Mal EU-weit klar regeln soll, wie im Netz mit Daten umzugehen ist. Bisher gab es dazu nur eine Richtlinie von 1995 - also aus einer Zeit vor dem Internet, wie wir es heute kennen, von jedem Mitgliedsstaat einzeln umgesetzt und interpretiert. Das wäre mit der Verordnung Geschichte.

Seit gut einem Jahr tobt darum aber ein Kampf: Nachdem EU-Kommissarin Reding Anfang 2012 ARD: ihre Pläne für die Datenschutzverordnung vorgestellt hat, gab es zwar Lob von Datenschützern. Unternehmen aber, die Daten nutzen und mit ihnen handeln, sind auf die Barrikaden gegangen und haben Lobbyisten in Stellung gebracht - deren Texte laut LobbyPlag übrigens viele Abgeordnete per Copy & Paste in Gesetzesvorschläge übernommen haben.

LobbyPlay; Rechte: LobbyPlag
LobbyPlay; Rechte: LobbyPlag
Welcher Politiker steht für einen schärferen, welcher für einen lascheren Datenschutz? Das Ranking von LobbyPlag sieht den deutschen Abgeordneten Axel Voss an der Spitze, wenn es darum geht, die neue Datenschutzverordnung zu lockern.

Das Ergebnis der LobbyPlag-Analyse finde ich überraschend. Die Macher haben mehr als 3.100 Gesetzesvorschläge für die Datenschutzverordnung analysiert - und siehe da: Die Farbe Rot überwiegt. Was bedeutet: Die meisten Gesetzesvorschläge sind von den Europapolitikern eingebracht worden, um die Verordnung zu lockern - und nicht zu stärken.

Weniger Datenschutz kann auch Innovationen fördern

Wie wichtig die Datenschutzverordnung wird, zeigt ein Gedankenspiel. Angenommen, sie würde so scharf, dass zum Beispiel Facebook in der EU wichtige Funktionen wie die Gesichtserkennung nicht an den Start bringen dürfte: Das Netzwerk könnte damit vielleicht sogar gezwungen werden, sie auch global abzustellen, weil es sich nicht leisten könnte, auf Dauer zwei verschiedene Versionen für die EU und für den Rest der Welt zu betreiben.

Es gibt natürlich auch die andere Seite der Medaille: Politiker, die für einen lascheren Datenschutz eintreten, könnte man auch als digitale Avantgardisten sehen, die den Start-ups helfen möchten, damit das nächste Google aus Berlin statt aus San Francisco kommt. Auch so lässt sich der Datenschatz in Sachen Datenschutz interpretieren, den die Macher von LobbyPlag hier heben.


Das ARD Morgenmagazin berichtet über das LobbyPlag-Projekt zur neuen EU-Datenschutzverordnung.

Beendet ist die Analyse übrigens noch nicht: Per Crowdsourcing könnt ihr ab sofort eure Einschätzungen zu den Gesetzesvorschlägen abgeben und die Analysen zur Datenschutzverordnung damit weiter verfeinern.

Am Ende sollen Antworten stehen: Welche Parteien spielen in Europa welche Rolle? Sind deutsche Politiker wirklich führend beim Datenschutz? Wenn der Entwurf für die Datenschutzverordnung im Herbst ins EU-Parlament geht - ist er noch datenschutzfreundlich oder -feindlich?

Die Tendenz zumindest zeigt: Der Eindruck, dass sich die meisten Politiker einen schärferen Datenschutz wünschen, könnte trügen.

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