Dienstag, 21.10.2014

Fanfiction - unterschätzte Subkultur

Was sich lohnt: regelmäßig einen Blick darauf zu werfen, welche Entwicklungen es in der WWW: Fanfiction im deutschen Netz gerade gibt. Falls ihr diese Subkultur noch nicht kennt, empfehle ich euch zum Einstieg das deutschsprachige Verzeichnis WWW: fanfiktion.de. Die Macher zählen bald fast 300.000 Texte und jeden Tag Zehntausende Besucher.

Hogwarts; Rechte: picture-alliance/design pics
Für Joanne K. Rowling sind die Geschichten von Harry Potter an der Zauberschule Hogwarts auserzählt - für die Fans noch lange nicht.

Fernsehserien und Filme, Bücher und Videospiele, Musicals und Comics - es gibt kein Genre, das vor den Autoren der Fanfiction sicher ist. Nicht jede ihrer Geschichten ist ein Hochgenuss, das ist klar. Aber spätestens seit E.L. James, deren Sadomaso-Bestseller "50 Shades of Grey" ursprünglich erotische Fanfiction aus dem Twilight-Universum war, wissen wir: Manchmal kommen erfolgreiche Autoren aus dieser Szene.

Interessant finde ich vor allem, wo sich diese Szene gerade breit macht. Fanfiction an sich ist wesentlich älter als das World Wide Web und spielte vor vielen, vielen Jahren schon im Usenet eine Rolle, wo es einzelne Newsgroups zum Thema gab. Später entstanden Mailinglisten und Foren, und bis heute geht die Szene mit der Zeit.

Zuletzt hat sie ganze soziale Netzwerke gekapert. In den "Ruinen der VZ-Netzwerke" hat sich in den vergangenen Jahren ein gigantisches Rollenspiel breitgemacht. Viele Nutzer legen sich Fakeaccounts zum Beispiel mit Figuren aus ihren Lieblingsserien an. Andere Nutzer erfinden komplett eigene Charaktere: mit angeblichen Interessen, Job und Beziehungsstatus. Wer keinen Menschen darstellen will, wird zum Vampir, zur Hexe oder zum Zauberer. Einmal angelegt, spendieren die Nutzer ihren Accounts ein komplettes Leben: Diskussionen in Gruppen entwickeln sich zu Rollenspielen und Romanen. Die Fakes schreiben sich untereinander, so wie es ihre Avatare tun würden.

LeFloid; Rechte: picture-alliance/Eventpress Monika Sandel
LeFloid, hier bei der Verleihung der 1LIVE Krone, ist einer der größten deutschen YouTuber - und auch über ihn gibt es mittlerweile Fanfiction.

Spannend finde ich gerade außerdem, dass rund um YouTube ein neues Genre innerhalb der Fanfiction entsteht: Fans schreiben Geschichten über ihre Internetstars, von LeFloid über Gronkh bis ApeCrime. Das Verzeichnis fanfiktion.de hat dafür mittlerweile WWW: eine eigene Rubrik eingerichtet, in der allein über 10.000 Geschichten zu finden sind. Auch die YouTuber selbst WWW: beschäftigen sich WWW: immer wieder mit diesem Phänomen.

Es macht Spaß, zu sehen, dass solche Subkulturen abseits aller Silos wie Facebook oder Twitter weiter existieren und sich ihren Weg suchen. Fanfiction ist eins dieser Phänomene, für die ich das Internet liebe.

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Sonntag, 19.10.2014

Als Computer noch Charakter hatten

An diesem Wochenende habe ich mich in einer Website voller alter Computer verloren. Steven Stengel aus Orange County besitzt eine ganze Reihe alter Schätze, von einem der ersten Heimcomputer überhaupt, dem WWW: Altair 8800, über den legendären WWW: Apple II bis zum unsterblichen Brotkasten, dem WWW: Commodore 64.

Apple II, Rechte: picture-alliance/dpa/Alexandra Mudrats
64 KB Arbeitsspeicher und 280x192 Pixel in zwei Farben, je nach Ausstattung für 3.500 bis 5.000 D-Mark: Mit dem Apple II haben Steve Jobs und Steve Wozniak Computergeschichte geschrieben.

Steve Stengels WWW: "Obsolete Technology Website" ist wie eine Reise durch ein Museum - in eine Zeit, in der Computer noch Charakter hatten. Eine äußerst hässliche Reise zwar, denn es gibt in der Tat schönere Websites mit weniger Werbung. Aber egal: So viel Computergeschichte auf einen Fleck - das ist wundervoll.

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Dienstag, 07.10.2014

GEMA vs. YouTube - ein Streit, der niemanden mehr interessiert?

Diesen Satz können viele Nutzer mittlerweile im Schlaf auswendig aufsagen: "Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar." Hintergrund ist nach wie vor die Frage: Wie viel Geld soll die GEMA für Musikvideos bei YouTube bekommen? Immerhin scheffelt die Google-Tochter viel Geld durch Werbung, im Umfeld der Videos.

GEMA-Sperrtafel; Rechte: YouTube
"Nicht schon wieder!" - egal, welches Musikvideo man bei YouTube anklickt: Vor der berüchtigten GEMA-Sperrtafel ist man nie gefeit.

Der Rechtsstreit zwischen der GEMA und YouTube wird nach wie vor auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen, die Umwege suchen und Ländersperren zum Beispiel technisch umgehen - WDR: was sogar legal ist. Trotzdem fühle ich mich dabei wie ein Krimineller oder habe zumindest ein schlechtes Gewissen, "meine Künstler" um ihr Geld zu bringen.

Auch die Künstler selbst sind zum Teil gegen die Sperrtafel. Der WWW: Wutausbruch des Musikers Jan Delay dazu bei Facebook ist heute fast legendär: "Das ist echt peinlich! So läuft die neue Welt nun mal. Findet euch damit ab und findet eine Lösung!"

Die Band OK Kid hat mir WDR: im Interview für Planet Schule und die Servicezeit erzählt, wie wichtig ihr YouTube-Kanal mittlerweile ist: "Die meisten Leute nutzen YouTube, um unsere Videos anzugucken. Wir machen die Videopremieren also nicht mehr im Fernsehen, sondern bei YouTube. Uns ist das auch als Nachwuchskünstler wichtiger, dass sich die Musik verbreitet, als das wir jetzt sofort an diesen Klicks verdienen müssen. Man muss dann heute so kreativ sein, dass man das Geld anders reinkriegt."

OK Kid, Dennis Horn; Rechte: WDR/Frank Dunski
"VIVA und MTV sind als Musikfernsehen nicht mehr relevant", sagt die Band OK Kid - und setzt stattdessen vor allem auf ihren YouTube-Kanal.

So lange dieser leidige Streit zwischen GEMA und YouTube aber schon dauert: Mittlerweile frage ich mich immer öfter, ob er nicht für beide Seiten extrem kontraproduktiv war und ist - und ob er viele Nutzer überhaupt noch groß interessiert. Die suchen sich einfach Umwege, gaukeln YouTube über Proxyserver vor, in einem anderen Land zu sitzen, nutzen andere Videodienste und kostenfreie Streamingdienste - und nehmen die Ländersperren oft einfach hin.

Wenn es also Ziel von YouTube oder der GEMA war, durch die Sperrtafeln den Druck und den Protest der Nutzer auf die jeweils andere Seite zu erhöhen, glaube ich: Der ist nach so langer Zeit heute einfach raus. Oder liege ich falsch - und ihr regt euch noch immer auf, bei jeder der vielen, vielen Sperrtafeln, die euch bei YouTube begegnen?


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Mich regt's nicht wirklich auf, da der gute Youtube Unblocker das Problem ruckzuck beseitigt ;)

Agent007 am 8.10.14 2:54

Irgendetwas hat Herr Horn dabei nichts so ganz verstanden-Youtube hat es noch nie wirklich interessiert ob die Gema einknickt oder nicht-ihre Kohle machen die auch mit der Sperrtafel.
Zudem wussten und wissen die wie es im Netz laeuft und haben darauf gesetzt das die user Umgehungsmoeglichkeiten finden.Nur die Gema schaeumt vor Wut und schiesst sich selber ins Knie.Zudem-auch die "Kuenstler"sind ja selber schuld-sie muessen ja nicht bei der Gema sein!Kostet ein wenig mehr Arbeit,aber es geht.

Nun ja am 8.10.14 8:25

Youtube unblock nutze ich auch wenn wir so ne Tafel im Weg steht. Aber ansonsten ist es mir klar dass der Künstler für seine Arbeit auch entlohnt werden muss.
Nur was ich nicht verstehe - wenn ich mit dem Unblocker vorgaukele, ich sei in den USA, so wird mein Klick aufs Video doch da gezählt und die US-'GEMA' entlohnt den Künstler dort. Warum muss da nur weil ich in Deutschland sitze, die deutsche GEMA erneut aktiv werden?
Oder anders ausgedrückt, ich bin Musiker und bin bei einem Verlag in, sagen wir, Frankreich. Der Verlag sagt mir, er stelle mein Schaffenswerk auf youtube und ich willige ein. Damit weiss ich: Youtube = Internet = weltweit! Wenn dann einer klickt, egal wo, wird es in Frankreich gezählt und ich bekomme dort her meine Kohle. Wenn ich über Amazon in den USA was runterladen will, bekomme ich auch so was wie 'nur für US-Bürger mit US-Kreditkarte verfügbar'. Wenn ich den service bezahl sollte er doch legal sein?
Wie gesagt ich begreifs nicht. Kläre mich doch mal einer auf!

Chris26 am 8.10.14 10:10

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