Samstag, 16.03.2013

Firefox: Mehr Kontrolle über Werbe-Cookies

Derzeit entwickelt das Mozilla-Team den kostenlos erhältlichen Firefox-Browser mit Hochdruck weiter. So schnell kann man gar nicht gucken, wie die Mannschaft neue Versionen herausbringt. Aktuell gibt es WWW: Version 19 im Download. Doch für den 1. April ist Version 22 angekündigt - und die sorgt schon im Vorfeld für Wirbel, denn sie bringt eine interessante Neuerung mit, die vor allem all jene freuen dürfte, die nicht so sehr auf Werbung und Tracking stehen. Version 22 will sogenannte Third-Party-Cookies blockieren, wie im WWW: Mozilla-Blog angekündigt.

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Firefox wird in rasantem Tempo weiterentwickelt - für alle Geräte


Cookies können nützlich, aber auch lästig sein
Cookies sind Informationen, die ein Webseitenbetreiber auf dem Rechner des Surfers speichert, etwa, ob er angemeldet ist, welche Waren er in den Warenkorb gelegt hat, welchen Forumsbeitrag er zuletzt gelesen hat etc. So etwas dient in der Regel dem Komfort. Doch es werden noch mehr Cookies gespeichert: Auch Betreiber von in den Webseiten integrierten Werbenetzwerken oder Trackings-Systeme, die das Surfverhalten überwachen, setzen Cookies, speichern also Daten.

Weil das aber Anbieter sind, mit denen man in der Regel gar nicht direkt was zu tun hat, werden diese Cookies Third Party Cookies genannt. Diese Third-Party-Anbieter, von Werbenetzwerken etwa, sind auf so vielen Webseiten vertreten, dass sie eine Menge über den User erfahren. Deswegen erscheint zum Beispiel auf scheinbar magisch Art und Weise auf Webseite X eine Werbung über den Urlaubsort, über den man sich zwei Tage zuvor auf Webseite Y informiert hat.

Aber auch die mittlerweile überall präsenten "Gefällt mir"-Buttons von Facebook oder "+1" von Google Plus setzen Cookies - unbemerkt. Auf diese Weise können Facebook, Google+ und Co. Erkenntnisse über das Surfverhalten gewinnen. Das alles muss man nicht schlimm finden - aber eben auch nicht gut. Und desalb ist es gar nicht schlecht, wenn man künftig die Wahl hat. Firefox 22 wird Third Party Cookies keineswegs konsequent unterdrücken. Es ist vielmehr so, dass der User gefragt wird, ob er sie speichern möchte. Falls bereits eine "Beziehung" zwischen dem Anbieter und dem User besteht, etwa weil er vorher schon mal eine Webseite des Netzwerks besucht hat und ein gewöhnliches Cookie gesetzt wurde, etwa beim Besuch der Facebook-Seite, dann werden auch die Third Party Cookies dieses Anbieters zugelassen.

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Neue Optionen bei Firefox: Einstellen, welche Cookies zugelassen sein sollen und welche nicht


Guter Kompromiss: Third Party Cookies überwachen
Ich finde, das ist ein guter Kompromiss. Wichtig ist, dass der Bemutzer mehr Möglichkeiten bekommt, selbst zu bestimmen, was er möchte - und was nicht. Apples Browser Safari macht das bereits so. Chrome und Internet Explorer verzichten bislang darauf, Third Party Cookies besonders zu behandeln. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass User durch die WWW: Do-not-Track-Option die Möglichkeit bekommen sollen, einzelnen Webseiten zu erlauben oder eben zu verbieten, beim Surfen beobachtet zu werden.

Die großen Werbenetzwerke, Google, Facebook und Co. sind nicht begeistert über diese Entwicklung. Denn je mehr Menschen Third-Party-Cookies deaktivieren, umso schlechter funktionieren ihre Werbenetzwerke. Optimal auf die Bedürfnisse zugeschnittene Reklame ist nur dann möglich, wenn der User "beobachtet" wird. Je mehr Browser die Möglichkeit bieten, die Do-not-Track-Option zu aktivieren und/oder Third Party Cookies zu kontrollieren, um so schwieriger wird ihr Geschäft.

Das mag einen erst mal nicht weiter stören, was man allerdings auch nicht völlig außer Betracht lassen darf: Die Mehrheit der Webangebote ist kostenlos, und die allermeisten refinanzieren sich über Werbung. Wenn alle, die im Web unterwegs sind, die Reklame im Web ausknipsen, funktioniert das Geschäftsmodell nicht mehr. Die Angebote würden dann entweder aus dem Web verschwinden oder sie müssten Geld nehmen (oder andere Geschäftsmodelle entwickeln). Dass die Großen relativ sensibel auf das Thema reagieren, zeigt ein anderer Fall: Google hat gerade alle AdBlocker aus dem Play-Store entfernt, also alle Miniprogramme, die gezielt Werbung in Webseiten herausfiltern. Google verdient sein Geld eben in erster Linie mit Onlinewerbung - da stören AdBlocker nur.

Wen dieses Thema interessiert, der surft sowieso schon ewig mit NoScript, Adblock und Cookie Monster. Werbung von mir aus, wenn sie unauffälliger und vor allem ohne Tracking daherkäme. Bis das Realität ist, bleibt bei mir alles abgeschaltet - also noch sehr, sehr lange.

Jens am 19.03.13 16:47

Die Cookie-Verwaltung über Addons war für mich schon immer ein Grund dem Firefox den Vorzug zu geben. Adblock gehört natürlich genauso dazu wie NoScript. Wer erinnert sich noch an die schrecklichen Popup-Zeiten mit dem Internet-Explorer? Da war der Firefox (Phönix bzw. Firebird) ein echter Segen.

Dominik am 19.03.13 17:53

Wie niedlich-da glaubt noch jemand an die function"do not track".Da pfeift die tracking Industrie doch drauf!Wie waere es mal statt Jubelorgien,wenn Apple mal wieder einen Hardwaretrojaner herausbringt,hier Interviews mit Bruce Schneier(bspw. sein letztes bei CNN)zu posten und sich bei der EFF umzusehen was die so bringen?Evt. geht dann mal den "Internetexperten"des WDR ein Lichtlein auf das cookies nur ein winziger Teil des tatsaechlichen tracking Instrumentariums sind.Persoehnlich nutze ich JonDo und den JonDoFox seit Jahren.Bald kommt auch der JonDo Browser,eine noch staerker "gehaertete"Version des FF heraus.Testweise benutze ich den auch schon oefter."Wichtige"mail accounts sind anon erstellt und mails gehen da mit OpenPGP verschluesselt raus.Der"scheinbar"offene und "legale"account-wenn da etwas gesendet werden soll was vertraulich ist,kommt ein Steganographisches"urlaubsbild"ins Spiel mit PGP verschluesseltem Inhalt und PW geschuetzt.

Oh je am 20.03.13 8:28

Sehr interessant. Da haben Sie also endlich eine Funktion gefunden, die schon seit Ewigkeiten in Firefox integriert ist.

Michael am 20.03.13 9:46

Wie waere es einmal damit diesen Schieb richtig zu lesen-bevor man sinnfreie Kommentare absondert?
Bis 19.0.2 sind derartige Funktionen nicht enthalten.Da geht nur cookies akzeptieren oder nicht und die Moeglichkeit Ausnahmen hinzuzufuegen.Darueber 3rd party cookies zu erlauben ist ein sehr muehseeliges Geschaeft und nichts fuer"normale"user.Durch diese neuen functionen wird dies deutlich erleichtert.Ob dies sinnvoll ist,insbesonders da hier die moeglichkeit fehlt wie bei CookieMonster,derartiges nur temporaer zu erlauben(falls ansonsten die page zickt),da bezweifel ich auch.Nur leider sind browser developer heute durch die Werbeindustrie getriebene und die Mehrzahl der user einfach nur ****(censored)-da kommt dann halt maximal so etwas heraus.

@Michael am 20.03.13 10:10

Hier mal eine (zugegeben, vermutlich reichlich naiv-laienhafte und eigentlich auch nicht zum Thema gehörende) Frage eines Firefox-Nutzers ... äh, Users.

Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, alle (oder zumindest möglichst alle) Suchergebnisse von AMAZON zu "sperren"?

Denn es nervt mich langsam und immer mehr, dass dort fast immer dieser A...-Name auftaucht - selbst dann, wenn als Suchbegriff "LmaA Am..." eingibt... ;-)(

Peer am 20.03.13 14:09

Ist mit Drittcookies gemeint, was Opera schon kann, seit Papst Firfox 1,5?

Pragmaticus am 21.03.13 0:44

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