Dienstag, 05.03.2013

Smartwatch statt Smartphone

Was ist eigentlich das nächste große Ding? 3D-Drucker - und die große Industrie-Revolution? Smart TV - und vielleicht endlich ein Fernseher von Apple? Das Internet der Dinge - wie beim Project Glass von Google? Alles möglich. Der Hype ist auf jeden Fall da.

Die Überraschung dieses Jahres ist für mich aber ein ganz anderes Thema: Armbanduhren. Die heißen jetzt nur anders, nämlich Smartwatches, und sind auch Thema auf der Cebit. Dahinter stecken auf den ersten Blick normale Digitaluhren, die sich aber per Bluetooth mit dem Handy verbinden lassen. Sie zeigen, wer angerufen hat, vibrieren, wenn es klingelt, zeigen ob es neue Nachrichten bei Facebook gibt, welche Termine anstehen. Einige lassen sich auch als Tacho ans Fahrrad klemmen oder als Jogginguhr nutzen.

Smartwatch; Rechte: WDR/Horn
Keine einfache Uhr, sondern ein vollwertiges Smartphone: Das Armband-Handy von Pearl ist eine der ersten "kompletten" Smartwatches.

Die interessantesten Modelle waren bisher die Sony Smart Watch, die man mit einigen Android-Geräten verbinden kann, und die Pebble, ein Crowdfunding-Experiment, das seit Januar ausgeliefert wird und mit Android- oder Apple-Smartphones läuft.

Etwas weiter - und deshalb extrem spannend - geht der Versandhändler Pearl, der mit der simvalley PW-315.touch für rund 80 Euro ein ganzes Smartphone fürs Handgelenk verkauft. Das Gerät sieht aus wie ein winziges quadratisches iPhone, das man einfach an ein Armband gepappt hat, ausgestattet mit grundlegenden Apps vom Telefonbuch über eine SMS-Funktion und einem Musikplayer bis zum eingebauten Radio.

Mit dieser Uhr zu telefonieren, klappt überraschend gut: Man hält sie 30 Zentimeter vom Gesicht entfernt, und wenn es einigermaßen ruhig ist, lässt sich damit gut sprechen, auch wenn der Lautsprecher zum Teil scheppert. Sobald es etwas lauter wird, zum Beispiel draußen auf der Straße oder eben hier in den Messehallen der Cebit, versagt der eingebaute Lautsprecher aber. Dann muss entweder ein Headset herhalten - oder als kleiner Spaß: Handschuhe mit eingebauten Lautsprechern, mit denen sich endlich so telefonieren lässt, als würde man nur so tun, dass man telefoniert.

Handschuhe zum Telefonieren; Rechte: WDR/Horn
Handschuhe mit Mikrofon und Lautsprecher in den Fingern - per Bluetooth lassen sie sich mit der Smartwatch verbinden.

Während sich mit der Pearl-Smartwatch tatsächlich ganz gut telefonieren lässt, war ich mit der Bedienung am Touchscreen weniger zufrieden: Bis ich zwischen den Apps hin- und herwischen konnte, musste ich ein Dutzend mal üben, wie ich die Uhr möglichst filigran berühre. SMS zu schreiben, fand ich unmöglich: Für ein kurzes "Hallo, Welt!" habe ich fast eine Minute gebraucht. Und Wurstfinger habe ich nun wirklich keine. Ein Internet-Browser fehlt komplett. Die Bedienung der meisten Apps ist eher frickelig.

Trotzdem glaube ich, dass uns in Sachen Smartwatches noch eine spannende Zeit bevorsteht: Heiko Loy von Pearl hat mir verraten, dass das nächste Modell, das schon in ein paar Monaten auf den Markt kommen soll, mit Android als Betriebssystem laufen soll. Dann ließen sich dann theoretisch auch Apps aus dem Google Play Store auf der Uhr installieren - und damit auch solche wie WhatsApp, Facebook oder Twitter.

Es sind übrigens nicht nur die Smartwatches, die schon auf dem Markt sind, die das Thema so heiß machen - sondern vor allem die, die noch kommen könnten. Google hat im vergangenen Jahr Blog: schon einen Patentantrag für eine eigene Uhr eingereicht, die zum Augmented-Reality-Gerät wird, wenn ihr Deckel aufspringt: Man schaut dann durch das Glas, sieht damit die Umwelt - und im Display erscheinen Infos über das, was man gerade anschaut. Im Grunde Googles WWW: Project Glass - nur als Uhr statt als Brille.

Smartwatch; Rechte: WDR/Horn
Hallo, Welt! - Basteln auch Apple, Google und Samsung an Smartwatches?

Seit Monaten kocht auch die WWW: Gerüchteküche rund um eine iWatch, die noch in diesem Jahr erscheinen soll. Apple beschäftigt angeblich 100 Entwickler, um eine Uhr zu bauen, die einige Funktionen von iPhone und iPad übernehmen soll. Auf der Uhr sollen die Profilfotos der Personen erscheinen, die anrufen. Sie soll sich außerdem als Fitnessgerät einsetzen lassen, das Schritte zählt und die Herzfrequenz misst. Apple hat fast 80 Patente für eine eigene Uhr beantragt.

Wer hätte gedacht, dass wir immer höher, schneller, weiter gehen - und dann plötzlich Armbanduhren zu einem der heißesten Themen werden. Michael Knight und K.I.T.T. würden Freudensprünge machen.

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