Donnerstag, 14.03.2013

Google zieht dem Reader den Stecker

Bei Google habe ich regelmäßig den Eindruck, die erfinden und/oder starten jede Woche mindestens drei neue Dienste. Ab und zu werden aber schon mal einzelne Onlinedienste wieder beerdigt. Dienste, die kaum jemand nutzt, wo es offensichtlich nicht lohnt, noch viel Geld oder Energie rein zu stecken. Dass zum Beispiel WWW: Google Wave irgendwann beerdigt wurde, konnte ich gut verstehen - das hat kaum jemand benutzt. Aber jetzt will der Onlineriese WWW: Google Reader WWW: beerdigen. Am 1. Juli ist Schluss - und das schmerzt.

Aber noch ist es nicht so weit: Vielleicht gibt es den Google Reader doch noch darüber hinaus, denn er mag zwar wenige User haben, die sind dafür aber umso engagiertere Fans. Jedenfalls hat es das Thema schlagartig in die weltweite WWW: Top 10 von Twitter geschafft und sogar den neuen Papst thematisch vom Thron gestoßen. Der Protest ist groß, denn es sind vor allem die sehr aktiven Nutzer, die auf Google Reader setzen.

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Eine Online-Petition gegen die Einstellung des Google Reader - Erfolg zweifelhaft


Treue Fans wollen die Einstellung noch verhindern
Selbst eine WWW: Online-Petition ist bereits im Gange: 35.000 Personen haben die Petition innerhalb kürzester Zeit unterschrieben. Das Ziel: Google doch noch davon zu überzeugen, den Reader nicht einzustellen. Ich halte die Erfolgschancen für extrem gering. Denn Google ist nicht dafür bekannt, sich um die Bedenken der User zu scheren. Selbst Anzeigenkunden, die mehrere Tausend Euro im Monat zahlen, werden kurzerhand vor die Tür gesetzt, wenn Google das für richtig hält. Da werden zigtausend Unterschriften im Rahmen einer Online-Petition vermutlich auch nicht ausrichten können.

Übrigens: All die anderen Dienste, die laut Blog ebenfalls dicht gemacht werden, kennt kein Mensch: Search API for Shopping, Google Cloud Connect, Apps Script... Noch nie was von gehört, und ich schaue mir wirklich eine Menge an. Aber den Googles Feedreader benutzen viele, um sich auf dem Laufenden zu halten: Welche neuen Artikel und Posts gibt es auf News-Seiten und in Blogs? Der Reader fasst es wunderbar zusammen. Man kann bequem Artikel lesen, nach Stichwörtern suchen und vieles andere mehr. Und ist so immer bestens im Bilde, was auf den eigenen Lieblingsseiten los ist - RSS-Feeds sei Dank.

Und was kommt danach?
Jetzt aber muss man sich Gedanken für die Zeit danach machen. Über WWW: Google Takeout kann man immerhin seine Daten exportieren - und in einen anderen Feedreader übernehmen. Dann muss man nicht alle RSS-Feeds neu abonnieren. Außerdem weiß der neue Reader dann auch, welche Artikel man bereits gelesen hat und vieles andere mehr.

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Schlichtes Design, aber äußerst nützlich: Der Google Reader fasst aktuelle Artikel und Posts zusammen

Als Alternativen kommt da wohl am ehesten WWW: Feedly in Frage. Der Onlinedienst ist ebenfalls kostenlos und präsentiert die abonnierten Feeds übersichtlich in einem Zeitungs-Layout. Sieht ganz anders aus als im Reader. Wer diesen Kulturschock vermeiden möchte, kann aber auch ein Layout verwenden, das dem des Google Reader sehr ähnlich ist. Gut: Feedly kann mit entsprechenden Plugins in Chrome, Firefox und Safari genutzt werden. Apps für iOS und Android gibt es ebenfalls. Für die meisten ist Feedly vermutlich die beste Alternative.

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Feedly ist einer der interessantesten Alternativen: Gibt es als App und im Browser


Es gibt genügend Alternativen - jetzt die passende finden
Interessant ist auch WWW: NewsBlur. Optisch nicht unbedingt preisverdächtig, aber ideal, um sich einen Überblick über die aktuelle Themenlage zu verschaffen. Wer gerne die Tastatur benutzt, kann NewsBlur mit zahllosen Tastenkombinationen (Shortcuts) bedienen. In der Gratisversion des Dienstes lassen sich bis zu 64 Feeds abonnieren. Wer mehr will, zahlt 1 Dollar im Monat.

Als dritte Alternative sei WWW: Good Noows erwähnt. Dieser Reader sortiert Artikel aus besonders populären News-Quellen und Blogs nach Kategorien, auch ohne dass der entsprechende RSS-Feed abonniert werden müsste. Weil die allgemeinen Artikel mit den persönlichen kombiniert werden, entsteht ein guter Überblick über die aktuelle Themenlage. Der Reader bietet alles, was ein guter Feed-Reader können muss.

Auch wenn es gute Alternativen gibt: Schade ist es trotzdem, dass der Google Reader eingestellt wird.

Ich pflege schon seit über fünf Jahren mein Blog. Dafür nutze ich den Google-Dienst "Blogger". Wenn Google nun schon einen so beliebten Dienst wie den "Reader" einstellt - wie ist es dann um "Blogger" bestellt, der seit Jahren schon nicht mehr so recht entwickelt wird?

Falls Du Näheres dazu weißt bzw. in Erfahrung bringen kannst, wäre ich Dir für eine entsprechenden Information bzw. Blogeintrag dankbar, Jörg.

Gerhard Hallstein am 14.03.13 19:00

Google hat mit Reader die Szene für RSS-Dienste völlig beherrscht und das Ding zum absoluten Standard zum Synchronisieren von RSS-Readern gemacht. Es gibt buchstäblich hunderte, wenn nicht tausende von Apps, die darauf aufsetzen.

Es ist wirklich schwer, das anders zu sehen als "Umarmen und erwürgen". Klar, mit RSS und den unzähligen Apps, die auf Googles Sammeldienst aufsetzen, kann Google kein Geld verdienen: Die Inhalte kommen von anderen und Google kann in den Clients keine Werbung anzeigen. RSS war etwas, das Google nicht in den Kram paßt. Diese Strategie, zuerst den Markt zu dominieren und ihn dann ins Chaos zu stürzen, indem man den einzigen de-facto Standard einfach killt, riecht wirklich mies.

Genauso übrigens wie mit dem Wegfall von ActiveSync für Mail, Kalender und Kontakten und dem ganz neuen Wegfall von CalDAV. Google wird langsam zu einer erdrückenden und sich immer weiter abschottenden Übermacht im Internet. Schnipp, schnipp, schnipp, Google oder gar nichts.

joh am 17.03.13 23:37

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