Samstag, 02.02.2013

Smarter Reisen mit dem Phone

Klar, man kann auch ohne Smartphone verreisen, aber wenn man das Telefon dabei hat, kann es einem wirklich helfen. Ich war gerade für einige Wochen mit dem Rucksack in Asien (Myanmar, Laos, Thailand, Malaysia, Singapur) unterwegs. Mehr als einmal haben mir ein paar Apps dabei Geld, Zeit oder Nerven gespart. Allerdings habe ich im Praxiseinsatz auch gemerkt: Nicht jede App ist wirklich reisetauglich und Apples Iphone ist nicht unbedingt der beste Reisebegleiter.

Mönch fotografiert in Bagan (Myanmar) ein Pagodenfeld mit einem Smartphone; Rechte: WDR/Ohrndorf
Nicht nur Nerds nehmen auf Reisen ein Smartphone mit

Wo bin ich denn hier eigentlich?
Am häufigsten habe ich das Smartphone zur Orientierung genutzt. Richtig hilfreich war es zum Beispiel, um den überraschend ahnungslosen Taxifahrer in Bangkok vom Rücksitz aus zum richtigen Hotel zu lotsen. Aber auch, um festzustellen, dass das gewünschte Guesthouse in Luang Prabang nur 300 Meter von der gerade erreichten Bootsanlegestelle entfernt ist und nicht "very far", wie die örtlichen Transportunternehmer versicherten und mir die Fahrt mit dem Tuk-Tuk empfahlen.

Ich habe verschiedene Karten-Apps ausprobiert. Die neue Google-Maps-App für das Iphone ist zwar hübsch gemacht, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Ohne aktive Datenverbindung funktioniert sie nur sehr eingeschränkt. Anders als in der Android-Version kann man hier nicht verschiedene Kartenausschnitte vorab aufs Telefon laden, um sie dann ohne Internetverbindung zu nutzen. In Myanmar, wo es zurzeit noch kein Handynetz mit mobilem Internet und nur wenige W-Lan-Hotspots gibt, ist die Google-Maps-App also praktisch nutzlos. Von den zahlreichen Alternativen hat mir WWW: CityMaps2Go am besten gefallen. Die App basiert auf den Karten des WWW: Openstreetmap-Projekts und man kann sehr bequem vorab die Karten einzelner Städte oder kompletter Länder herunterladen. Außerdem lädt die App auf Wunsch auch alle Wikipedia-Artikel zu relevanten Sehenswürdigkeiten innerhalb des Kartenbereichs herunter, so kann man später auch diese Artikel ohne Internetverbindung lesen.

Dokumente in der Hosentasche
Je länger man unterwegs ist, desto mehr Reisedokumente sammeln sich an: Flugtickets, Bahntickets, Reservierungsbestätigungen für Hotels. Ich habe alle digitalen Dokumente in WWW: Google Drive abgelegt. In der App kann man die Dokumente dann auf "offline verfügbar" schalten, sie sind dann auch ohne Internetverbindung auf dem Handy abrufbar. So konnte ich bei allen Hotels und Fluglinien einchecken, ohne einen Ausdruck dabei zu haben. Aber Vorsicht, laut Berichten anderer Reisender, klappt das nicht immer. Auch hilfreich: Der eingescannte Reisepass auf dem Handy hilft beim Ausfüllen von Einreiseformularen, wenn man den Pass nicht extra rauskramen will. Wenn in einem Reiseführer nur wenige Seiten interessant waren, habe ich sie eingescannt in Google Drive abgelegt und das Buch selbst zu Hause gelassen, um Gewicht zu sparen.

Buffet am Straßenrand in Luang Prabang; Rechte: WDR/Ohrndorf Tipps für gutes Essen gibt es auch per App.

Reisen auf Empfehlung
Am liebsten gucke ich mir einen neuen Ort erst mal zu Fuß an, da hilft CityMaps2Go und die eingebauten Wikipedia-Artikel auch gut weiter - und dann? Ich mag Empfehlungen. Und obwohl es an WWW: Tripadvisor sicher einiges zu bemängeln gibt (die Hotelangebote sind beispielsweise oft eher teuer) - diese Plattform und die zugehörige App hat immerhin genügend User, um einem für jeden auch nur halbwegs relevanten Ort Empfehlungen anderer Reisender für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten anzuzeigen. Allerdings, das sollte man immer im Hinterkopf behalten, natürlich sind die Geschmäcker unterschiedlich. Laut Tripadvisor-Bewertung für Singapur ist beispielsweise Chinatown (Rang 27) attraktiver als Little India (Rang 44) - ich würde es genau andersherum sehen, denn Chinatown ist komplett auf Touristen eingestellt, in Little India sitzen auch Einheimische in den Restaurants.
Stichwort Essen: Die App WWW: Foodspotting ist ein Knaller, hat allerdings leider noch zu wenig Benutzer. Es geht darum, Fotos von Mahlzeiten zu posten, die man gerade geordert hat. So können andere Nutzer sich später unter den manchmal kryptischen Beschreibungen einer Speisekarte viel besser etwas vorstellen. Gerade in Südostasien könnte das sehr hilfreich sein, wenn die App denn häufiger genutzt würde. Noch gibt es viel zu wenig Bilder darin.
Teilweise ganz hilfreich sind die Empfehlungen auf WWW: Foursquare, die es dort zu allen möglichen Themen gibt. Gut fand ich zum Beispiel den Tipp zu einem Einkaufszentrum in Kuala Lumpur: Es gibt auch in der ersten Etage Toiletten, die allerdings kaum jemand nutzt, stattdessen stellen sich die Leute in langen Schlangen im Erdgeschoss an. Der Tipp hat mir Zeit gespart.

Das Iphone macht es einem unnötig schwer
Ich bin erst vor wenigen Monaten von einem Android-Telefon auf das Iphone umgestiegen. Zwei Sachen haben mich an dem Apple-Telefon unterwegs genervt: Mit manchen WLAN-Routern hat sich das Telefon partout nicht verbinden wollen, mein altes Netbook, das ich eigentlich nur zum umkopieren von Bilddateien bei mir hatte, konnte hingegen mit allen Routern Kontakt aufnehmen. Apple hat inzwischen ein WWW: Betriebssystem-Update veröffentlicht, das diesen Bug behoben haben soll. Der Download des Updates hat allerdings erst funktioniert, als ich wieder in Deutschland war. Einmal hat auch mein nächtlicher Ausflug zum Hotelrouter und ein Reset des Geräts Besserung gebracht.
Noch nerviger ist allerdings das extra-kleine SIM-Karten-Format des Iphone 5. Mit meinem alten Android-Telefon konnte ich beispielsweise in Thailand in jeden Supermarkt gehen, um eine billige lokale Telefonkarte zu kaufen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Telefonieren und Internetnutzung gibt es so für ein paar Euro im Monat. Diesmal hies es überall nur "No Iphone". Die SIM-Karten, die man überall bekommt, sind zu groß für das Iphone. Für mutige Bastler gibt es zwar auch WWW: Anleitungen, wie man aus einer herkömmlichen SIM-Karte eine Nano-SIM-Karte basteln kann. Aber spätestens an der Stelle, wo beschrieben wird, wie man die SIM-Karte vorsichtig abschleifen muss, hatte ich keine Lust mehr, mir diese Bastelarbeit im Urlaub anzutun. Und selbst, wenn Bastelmesser und Lineal zum Zuschneiden ausreichen sollten - hier macht mir Apple den Urlaub unnötig kompliziert.

Fazit
Ich kann das Argument schon verstehen, dass man doch nicht auch noch im Urlaub auf das Smartphone gucken möchte. Aber wer nicht grade nur eine Woche "Am-Strand-rumliegen" gebucht hat, bekommt mit dem Smartphone und einigen Apps eine Menge Mehrwert und echte Hilfe beim Reisen - und fotografieren und telefonieren kann man damit ja auch noch.

Man kann die Simkarte auch einlegen, wenn sie nur zugeschnitten ist, feilen ist nicht nötig. Allerdings ist das Zuschneiden nicht ohne, meine erste Testkarte hatte es nicht überlebt. war aber gottseidank eine Prepaid-karte.

Danny am 2.02.13 10:18

Das sind sicherlich gute Hinweise, jier noch Tipp zu einer exklusiven Android-App: Oruxmaps ist eine super Kartenapp (dabei kostenlos), die mit vielen downloadbaren Kartenformaten umgehen kann (man kann z.B. im heimischen Wlan benötige Rasterkarten - Openstreetmap, Google Maps u.v.a. - mit dieser App vorher runterladen oder Vektorkarten - auf Basis von openstreetmap - von ganzen Ländern vorher legal (!) im Internet runterladen und dann offline nutzen). Allein wegen dieser App würde ich nicht aufs Iphone wechseln. Übrigens: Großer Vorteil von Android-Smartphones: Nutzung des GPS-Moduls ist vom Mobilfunkmodul unabhängig: anders als beim Iphone, kann man also Mobilfunk deaktivieren und trotzdem GPS nutzen. Das erhöht die Akkudauer erheblich.

Frank am 2.02.13 17:01

Noch ein wichtiger Hinweis für die, die Kopien von Ausweisen usw. auf dem Smartphone lagern: Verschlüsselung der Dateien (bzw. der Scans) nicht vergessen! - damit man im Falle eines Verlust des Smartphones keine Angst vor Mißbrauch haben muss.
Bewährtes Tool (ebenfalls kostenlos) für Verschlüsselung: Boxcryptor! Damit ein verschlüsseltes Verzeichnis auf dem Smartphone anlegen (also nicht nur den Cloudspeicher verschlüsseln) und wenn man gerade keinen Zugriff auf die Daten braucht, das verschlüsselte Verzeichnis bei Boxcryptor unmounten - dann sind die Daten wirklich 100% sicher.

Frank am 2.02.13 17:09

Vielen Dank für einen sehr informativen, hilfreichen Bericht! Bisher habe ich noch kein Smartphone, überlege aber jetzt wirklich mir eins anzuschaffen. Bin nämlich auch gerne unterwegs.:-)

Wolfgang am 3.02.13 9:00

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