Donnerstag, 28.02.2013

Der 22-Euro-Computer

Nein, nein, wir starten in Digitalistan keine neue Billig-Serie. Dass der 22-Euro-Computer hier kurz nach dem Blog: 15-Euro-Handy ein Thema wird, ist reiner Zufall. Es geht um den Raspberry Pi, einen Minicomputer, der von einer gemeinnützigen Stiftung in England entwickelt wurde und der bereits ab umgerechnet 22 Euro zu haben ist. Ursprünglich wurde der Raspberry erfunden, um Schülern und Studenten einen einfachen Rechner zum Experimentieren und Tüfteln zur Verfügung zu stellen. Weil für die meisten Teile des Computers alle technischen Details offen dokumentiert sind, beschäftigt sich mittlerweile eine große Community mit der Programmierung und Weiterentwicklung der Software für den Minicomputer.

Der Raspberry im Praxis-Test
Wie sehr muss man sich mit Technik auskennen, um diesen Computer nutzen zu können? Ist er nur für Nerds oder kommen auch technikaffine Normalos damit klar? Und: Was kann er? Um das auszuprobieren, haben wir uns einen Raspberry bestellt. Wir wollen hier in Digitalistan in den nächsten Wochen verschiedene Aufgaben mit dem Mini-Computer angehen und schauen, ob wir sie gelöst bekommen. Erste Aufgabe: Schaffen wir es, mit dem Raspberry unser Blog auf einem Fernsehbildschirm anzuzeigen?

DN2G0093.jpg Der nackte Raspberry Pi

Die Lieferung hat bei mir fast drei Wochen gedauert. Für 19 Pfund, also etwa 22 Euro, gibt es eine nackte Platine in einer pinken Plastikdose, mehr nicht. Berührungsängste mit Elektrobauteilen sollte man also schon mal nicht haben. Der Raspberry ist etwa so groß wie eine Kreditkarte. Auf der Platine sind Anschlüsse für alle nötigen Peripherie-Geräte aufgelötet. Was man zum Start noch benötigt, haben die meisten, die bis hierher gelesen haben, wahrscheinlich ohnehin zu Hause:

  • Tastatur mit USB-Anschluss
  • USB-Maus
  • HDMI-Kabel (oder alternativ ein Kabel für den Composite-Video-Anschluss)
  • Fernseher oder Monitor mit HDMI- oder Composite-Anschluss
  • Netzteil mit Micro-USB-Anschluss (5V/1.000 mA). Es funktionieren auch viele Handy-Ladegeräte.
  • SD-Speicherkarte mit mindestens 4 GB
  • Ethernet-Netzwerkkabel (ist optional, er funktioniert prinzipiell auch ohne Netzwerk)
In weniger als einer Stunde online
Die Installation der Hardware ist einfach. Ich habe noch ein passendes Gehäuse zum Raspberry bestellt, in das die Platine einfach eingeclipst wird. Das Kistchen kann man sich prinzipiell auch sparen und die Platine in ein beliebiges anderes Behältnis packen, z.B. auch aus WWW: Lego. Dann werden alle Kabel eingesteckt und damit ist die Hardware schon startklar.

DN2G0104.jpg In fünf Minuten zusammengesteckt

Etwas aufwändiger ist die Frage nach der Software. Es gibt eine Menge passender Open-Source-Betriebssysteme: verschiedene Linux-Versionen, Android und beispielsweise auch das relativ junge linuxbasierte Blog: Firefox OS. Die Raspberry-Stiftung empfiehlt für Einsteiger die Installation einer speziell angepassten Version von Debian-Linux. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht kompliziert, ist aber schneller gemacht, als eine Windows-Installation.

  1. Imagedatei des Betriebssystems herunterladen.
  2. Betriebssytem am PC mit einem Tool auf die SD-Speicherkarte kopieren.
  3. Fertig!

Eine ausführliche Anleitung gibt es WWW: hier. Dann wird es spannend: Ich schiebe die SD-Karte in den Raspberry, stecke den Stecker des Netzteils in die Steckdose und schalte den Bildschirm ein. Er flackert, eine ganze Reihe Meldungen laufen über den Bildschirm (wie man es von Linux kennt) und schon bin ich im Startmenü. Ein paar einfache Einstellungen später ist auch die grafische Benutzeroberfläche gestartet. Ich öffne den Browser und bin positiv überrascht, den Weg ins Internet hat sich der Raspberry ganz alleine über meinen Router gesucht. http://wdrblog.de/digitalistan/ lädt sofort. Aufgabe gelöst! In weniger als einer Stunde habe ich den Raspberry ausgepackt, angeschlossen, die Software installiert und kann das Internet nutzen.

DN2G0106.jpg
Läuft! Fast...

Wobei: ein kleines Problem gibt es noch. Die Videos in unserem Blog laufen nicht. Der Standardbrowser kann offenbar keine Flash-Inhalte anzeigen und beherrscht auch HMTL 5 nicht. Da werde ich mich noch ein bisschen einlesen müssen. Für den nächsten Blogeintrag werde ich das Multimediakönnen des Minicomputers mal testen. Und dann? Mal sehen. Im Netz kursieren bereits wahnsinnig viele Projekte, bei denen der Raspberry Pi eingesetzt wird - mal mehr, mal weniger sinnvoll, wie diese Garagentoröffnung per Spracherkennung.


Einen VGA-Anschluss hat das Teil aber nicht, oder?

pETER am 28.02.13 9:44

Nein, der Raspi hat nur einen HDMI-Ausgang.

Charly am 28.02.13 10:45

VGA kann der Raspberry selbst nicht ausgeben. Ich habe allerdings schon recht günstige Adapter im Netz gesehen, ob die tatsächlich funktionieren weiß ich aber nicht. In einem der Raspberry-Foren hat das aber bestimmt schon jemand getestet.

Viele Grüße, David Ohrndorf.

WDR.de am 28.02.13 10:47

Einfach nur Klasse das Himbeerchen !
Ich besitze mittlerweile 2 davon: Einen als Homemediacenter über XBMC und einen zum basteln.... Ach ja: In der "Bucht" gibt es HDMI zu VGA Adapter für ca. 16 €. Die funktionieren einwandfrei. So konnte ich einen alten Monitor anschließen.

Chefkoch am 28.02.13 12:33

Bin frischgebackener Besitzer eines Raspberry Pi Model B. Mein Ziel: Heimautomatisierung mit Sprachsteuerung. In der aktuellen c't Hacks gibt es dazu eine exzellente Anleitung, die Google Translate bidirektional zur Spracherkennung (Speech to Text) und Sprachausgabe (Text to Speech) nutzt. Eine sehr schöne Mesh-Up-Anwendung, die allerdings einen Haken hat: Die Aufzeichnung von Kommandos erfolgt bei Überschreiten einer bestimmten Mindestlautstärke. Das kann in bestimmten Einsatzgebieten funktionieren, ich bin jedoch auf der Suche nach einer "Star Trek"-Lösung. Also Anrede des Computers bspw mit "Computer" und dann ist er bereit für den Empfang von Kommandos. Das geht mit der in der c't Hacks gezeigten Lösung nicht. Bin dann in den Spracherkennungsbereich abgetaucht, in dem es sehr wissenschaftlich zugeht und wo es nur von FFT (Fast Fourier Transformation), HMM (Hidden Markov Models), und weiteren Akronymen und Fachbegriffen wimmelt. Hat jemand eine Idee für das sog. "Keyword Spotting"?

Gebhart am 6.06.13 18:55

Der Pi ist einfach super! Mein Ziel war es, den alten Acer Revo Media Center PC durch ein sparsames Modell zu ersetzen. Immerhin schluckt der Acer etwa 30-40 Watt; einfach zu viel, um ihn dauernd laufen zu lassen. Der Pi kommt auf maximal 3-4 Watt. Habe mich dann zunächst mit raspbian, dann OpenElec und jetzt ganz frisch mit xbian (derzeit noch Beta-Stadium) auseinandergesetzt. Letztgenannte ist dabei spürbar flinker als OpenElec, stürzt aber noch gerne mal ab. Die ersten Erfahrungen zeigen aber, daß der Pi ein würdiger - und vor allem stromsparender - Nachfolger für den Acer Revo sein wird. :-))

Herr Rechner am 16.07.13 14:03

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