Freitag, 15.02.2013
Linklounge 13/07: Von Fischen und Faultieren
Braucht die Welt sechs-sekündige Videos? Welche Zukunft hat SocialTV? Können interaktive Grafiken politische Überzeugungsarbeit leisten? Vor allem aber: Werden Faultiere der neue Haustiertrend in Deutschland? Unsere neuen Klickempfehlungen helfen beim Weg zur jeweiligen Antwort.
Es gibt im Netz eine ganz einfache Regel: Don't believe the hype. Diese Regel hilft zum Beispiel dabei, Vine als das einzuordnen, was es ist: ein Hype. Wie übertrieben die Leute gerade reihenweise auf
eine wackelige App mit Sechs-Sekunden-Videos abgehen, verstehe ich auch nach Tagen und Wochen nicht. Lieber sind mir solche Versuche wie
der der Axel-Springer-Akademie, die sorgfältig sortieren, wofür sich Vine lohnt und wofür nicht. Das "wofür nicht" überwiegt übrigens.
Nächstes Thema: Social TV. Don't believe the hype. Wir experimentieren ja auch in der ARD damit, zum Beispiel zum Tatort, zum Eurovision Song Contest oder zum Fußball. Timo Pelz macht sich in seinem Blog gerade ein paar interessante Gedanken zur Frage,
ob Social TV überhaupt noch eine große Zukunft bevorsteht. Seine These: Wir sehen immer seltener live fern - und immer öfter zeitversetzt. Deshalb steht das, was wir Social TV nennen, möglicherweise schon mit einem Bein im Grab.
Und beim letzten Thema heißt es: Believe the hype. Denn dieser kleine Ausschnitt aus den Hörfunknachrichten von WDR 5 ist in dieser Woche nicht umsonst zum Hit im Netz geworden ...
Jörg Schieb
Präsident Barack Obama hat diese Woche eine
eindrucksvolle Rede vor dem US-Parlament gehalten - und die Abgeordneten darauf vorbereitet, dass er sich eine Menge vorgenommen hat. Auch, was das Waffenrecht anbelangt. So kann es nicht weitergehen, sagt Obama - und will das Waffenrecht endlich verschärfen. Wer noch Zweifel hat, dass das dringend nötig ist, sollte sich dringend diese
interaktive Grafik anschauen: 9.595 Menschen sind 2010 durch Schusswaffen in den USA getötet worden. Über 400.000 zu erwartende Lebensjahre - einfach weg, weil sich die Waffenlobby in den USA immer wieder durchsetzt.
Ein gut gemachter Erklärfilm kann eine Menge bewegen, finde ich immer. Mich jedenfalls hat
dieses Video zum Nachdenken gebracht. Der Film erklärt eindrucksvoll, wieso wir aufhören sollten, die Meere zu überfischen. 1,2 Milliarden Menschen ernähren sich nahezu ausschließlich von Fisch. Was passiert, wenn weiter so ungehemmt gefischt wird, das zeigt der Film - und sorgt so vielleicht dafür, dass wir bewusster Fisch einkaufen und verspeisen.
Stoppt die Überfischung from
OCEAN2012 on
Vimeo.
Bis 2003 erzeugte die gesamte Menschheit fünf Milliarden Gigabyte an Daten, 2011 kam die gleiche Datenmenge in nur 48 Stunden zusammen. Jede digitale Aktivität, jeder über Smartphone, Tablet oder Computer ausgelöste Prozess, sorgt dafür, dass dieser Datenberg anwächst. Welche Folgen das hat und warum "Big Data" das zukünftige "Nervensystem für den Planeten" werden könnte, wird in diesem neuen, animierten Video der
Landesanstalt für Medien NRW erklärt. Produziert hat den Clip übrigens
Mario Sixtus.
Ganz greifbare Gegenwartsprobleme werden in diesem Video-Tutorial angegangen: Wie kann ich den Sound meines Smartphones verbessern? Richtig, mit einem Verstärker aus einem Plastikrohr. Das probiere ich definitiv demnächst mal aus. Passt sicher toll in eine Handtasche. Gewusst, wie:
Der vietnamesische Fotograf Khanh Hmong wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die Geschichte seines Landes. Mit historischen Fotografien in der Hand besucht er die Original-Schauplätze von damals und sucht so lange nach der richtigen Perspektive, bis der Übergang zwischen damals und heute fließend ist.
Das Ergebnis vereint jahrzehntealte Fotos mit dem jeweiligen Ist-Zustand. Sieht toll aus. Wer an solchen "Looking into the Past"-Projekten gefallen findet, dem empfehle ich außerdem den Klick
auf diese Flickr-basierte Best-of-Liste 2012. Und natürlich lohnt sich auch ein Klick auf die WDR-Plattform, die mit Hilfe hunderter User einen Blick in die Vergangenheit wirft:
Das WDR-Projekt Digit.
Als letztes noch zwei höchst unterschiedliche Clip-Empfehlungen.
Das eine Video ist sehr faultierlastig und löste bei mir unweigerlich einen kindlichen "So eins will ich auch haben"-Reflex aus. Der andere Clip erinnert mit seinen verstörenden Bildern und Geräuschen teilweise eher an einen Horrorfilm als eine Dokumentation über eine Fischfangflotte. Und doch löst auch er einen Reflex in mir: Den Film muss ich unbedingt sehen, wenn er ins deutsche Kino kommen sollte.
Leviathan (trailer) from
Cinema Guild on
Vimeo.
David Ohrndorf
Wer will Photoshop kostenlos runterladen? Das geht jetzt und zwar völlig legal. Einzige Einschränkung: Es handelt sich um die Version 1.07 aus den 80er Jahren. Deren
Sourcecode, also die unzähligen Zeilen Programmiersprache, stellt das Computerhistory-Museum in Kalifornien zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung. Damit wirklich etwas anfangen können vermutlich die Wenigsten, aber für IT-Sammler natürlich ein Must-Have auf der Festplatte. Und wer schon auf den Seiten des Museums unterwegs ist, kann sich gleich noch ein paar weitere skurile Archivalien ansehen. Zum Beispiel einen
Brief, den einer der Erfinder des Transistors 1956 geschrieben hat. Man sieht eine krakelige Handschrift (die mich ein wenig an meine eigene erinnert). Inhaltlich, so schreibt das Museum selbst, enthält der Brief allerdings keine "earth-shattering discoveries" (keine weltbewegenden Neuigkeiten). Es geht unter anderem um die Vorbereitung einer Reise nach Stockholm.
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