Dienstag, 22.01.2013

Live in die Wohnzimmer fremder Leute schauen

Hand aufs Herz: Wer hat nicht beim Flanieren durch die Straßen schon mal in fremde Wohnungen geguckt? Ist doch irgendwie spannend zu sehen, wie andere Leute wohnen. Und wenn schon die Gardinen nicht blickdicht sind und auch die Vorhänge nicht vorgezogen, dann haben die Bewohner doch auch sicher nichts dagegen ... Obwohl: So ein bisschen unwohl fühlt man sich da immer schon, beim Spionieren. Ich jedenfalls.

Was aber, wenn man nicht durch ein echtes Fenster in fremde Wohnungen schaut, sondern durch ein virtuelles Fenster? Wenn man das Livebild einer Webcam anschaut. Einer Webcam, die im Wohnzimmer fremder Leute aufgestellt ist - und die nicht mal wissen, dass sie beobachtet werden. Ist das dasselbe, als ob man einen verstohlenen Blick von der Straße in die Wohnung wirft?

webcams.jpg
Per Webcam einen Blick in fremde Wohnzimmer werfen - gar kein Problem


Peeping Tom: Immer mehr Webcams in Wohnräumen
Schwierig zu sagen. Fakt ist, dass immer mehr Menschen Webcams in der Wohnung aufstellen. Sei es, um ihre Kinder zu beobachten, sei es, um Einbrecher abzuschrecken oder aus dem Urlaub mal einen Blick in die eigene Wohnung zu werfen. Ich habe auch solche Kameras, etwa die WWW: iZone Cam. Super praktisch: Ganz schnell installiert, per WLAN vernetzt und bequem von überall abzurufen. Es ist wirklich erstaunlich, wie einfach das ist. Sogar ein Mikro ist eingebaut.

Dass Fremde so eine Kamera nutzen könnten, auf die Idee bin ich bislang nicht gekommen. Doch da sollte man sich nicht so sicher fühlen. Es gibt durchaus beachtliche WWW: Sicherheitslecks in solchen Kameras. Wenn sie bekannt werden - und früher oder später wird jedes Sicherheitsleck bekannt -, dann werden sie auch missbraucht. Im Fall von Webcams ist das natürlich besonders heikel: Dann können einen Fremde unbemerkt beobachten.

camweb.jpg
Auf der Google-Karte sind offene Webcams eingetragen


User spielen Updates nicht ein - Sicherheitsleck bleibt
Konkret betroffen sind zum Beispiel die WWW: Kameras von Trendnet. Seit über einem Jahr gibt es ein Firmware-Update, um das Leck zu stopfen. Allerdings spielt offensichtlich kaum ein Kunde das Update ein. Die meisten wissen wahrscheinlich nicht einmal davon. Sie WWW: nutzen den Patch nicht.

Um zu belegen, wie viele Kameras nach wie vor angreifbar sind, in wie viele Wohnzimmer man dadurch blicken kann, wurde jetzt eine WWW: Online-Karte auf Google Maps eingerichtet. Jeder rote Punkt steht für eine Webcam, die jeder missbrauchen kann. Jeder rote Punkt eine Livecam in Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küchen ...

Darf man das?
Erschreckend, wie viele Cams das sind. Und erschreckend, dass es sich hier nur um die Cams eines einzigen Herstellers handelt. Wenn man bedenkt, wo heute überall Kameras eingebaut sind ... Wenn sich nur ein Bruchteil davon aufgrund von Sicherheitslecks missbrauchen lässt - man mag sich das gar nicht vorstellen.

Man kann darüber streiten, ob es klug ist, nicht nur die angreifbaren Kameras zu ermitteln, sondern sie auch noch - in Onlinekarten eingetragen - für jeden zugänglich zu machen. Aber die Betreiber dieses Angebots - wer genau dahinter steckt, weiß man nicht -, wollen wohl einen kleinen Skandal auslösen. Sie wollen die "Awareness" erhöhen, die Aufmerksamkeit, die Sensibilität für das Thema. Durchaus sinnvoll, finde ich. Bei mir hat's geklappt.

Das erste Problem ist hier doch sicher der Hersteller, der sowas nicht von vornherein ausschließt. Da sollten einfach ganz viele klagen, damit der das lernt. Sowas ist kein Spaß, das ist Ernst und man sollte es auch ernstnehmen.

Davon abgesehen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis jeder Fernseher eine Webcam hat, schon wegen Skype. Bis dahin sollte man das schon im Griff haben, finde ich.

joh am 22.01.13 22:37

Google hat uns die Frage nach der Klugheit der Map abgenommen. Beim Aufruf der Seite kommt die Meldung: "Google hat die Nutzung von Google-Maps-Api für die diese Anwendung untersagt."
Trotzdem ein guter Hinweis auf die generelle Unsicherheit von Webcams.
Grüße
M. Flacke

M. Flacke am 23.01.13 7:52

Was ist daran eigentlich neu?
Die Meldungen bzgl dieses Cam-Herstellers und mangelnder Firmwareupdates gingen bereits vor genau einem Jahr durchs Netz.
Wir haben 2013.
http://news.techworld.com/security/3335566/trendnet-ip-webcams-open-to-remote-spying-researcher-finds/

Selbst die im Artikel erwähnte Text auf theverge ist von Feb 2012.

Was soll das gerade jetzt? War nichts mehr über Windows8 im Werbepool?

ichi am 23.01.13 16:38

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