Freitag, 25.01.2013

Jetzt kommen die Sechs-Sekunden-Clips

Wer Twitter nutzt, kann sich kurz fassen. 140 Zeichen müssen reichen - länger darf ein Tweet bekanntlich nicht werden. Daran haben sich Millionen von Menschen längst gewöhnt, die täglich Twitter benutzen und mit dem Platz wunderbar auskommen. Durch die Beschränkung auf 140 Zeichen ist eine ganz eigene Kommunikationskultur entstanden. Mag nicht jeder, hat aber was.

Jetzt hat Twitter einen eigenen Videodienst an den Start gebracht - und da müssen sechs Sekunden ausreichen. Mit der heute (25.01.2013) offiziell gestarteten Smartphone-App WWW: Vine können Twitter-User ultrakurze Videoclips drehen und sie über Twitter verteilen, auf Wunsch erscheinen die Clips auch auf Facebook oder der Vine-Homepage. Die App ist kostenlos, wird derzeit aber nur für iPhone und iPod Touch angeboten. Versionen für weitere Smartphones WWW: sollen bald folgen.

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Die Vine-App: Anfangs erst mal nur für iPhone und iPod Touch


Vine-Videos: Sechs Sekunden lang - reicht das?
Der besondere Charme der Vine-Videos ist, dass man sie sich direkt im Tweet anschauen kann, egal ob man am PC sitzt oder Tweets auf einem Mobilgerät liest. Es ist jedenfalls nicht nötig, wie bislang, zu einer Webseite oder in ein Videoportal zu wechseln, um so einen Vine-Clip anzuschauen. Ton gibt es ebenfalls. Das dürfte die Akzeptanz solcher Kurzclips erhöhen, zumindest bei den Zuschauern.

Alles ist ganz einfach: Man kann mit der Vine-App selbst kurze Videos drehen. Muss man sogar, denn bereits vorhandene Videos lassen sich mit der App bislang nicht weiterverarbeiten. Ist der Clip fertig, lässt er sich blitzschnell mit Freunden teilen, via Vine, Twitter oder Facebook. Weil Vine aber zu Twitter gehört und Twitter und Facebook zunehmend im Clinch liegen, hat Facebook flugs eine Funktion deaktiviert. Ab sofort können Vine-User nicht mehr die Freunde aus dem Kontaktordner übernehmen. Kindergarten im App-Universum.

So sieht so ein Sechs-Sekunden-Video zum Beispiel aus


Vine-Videos: Sechs Sekunden lang - reicht das?
Die ersten per Vine verteilten Kurzclips wie WWW: hier, WWW: hier, WWW: hier oder WWW: hier hauen mich nicht unbedingt vom Hocker. Sechs Sekunden sind eben wirklich kurz. Viele der Vine-Filmchen wirken hektisch, bestenfalls belanglos, man hat kaum Zeit, das Wesentliche zu erfassen. Und weil die Bilder in einer Endlosschleife laufen, stellt sich obendrein ein - vermutlich ungewollt - komischer Effekt ein.

Ernste Dinge wiederholt man halt nicht pausenlos, eher Szenen aus der Pannenvideo-Kiste. Abgesehen davon erinnert mich das Ganze an Wackelbildchen aus den 90er-Jahren: Als die Bandbreite des Internet noch nicht ausreichte für richtige Videos, hat man kurze Bilderfolgen ins Netz gestellt, die zumindest einen Touch von Video zu bieten hatten. Im Jahr 2013 sieht das aber eher albern aus. Warum man sich für sechs Sekunden entschieden hat und nicht für fünf oder zehn, das weiß niemand. Willkür.

Vermutlich werden nun einige die neue Funktion ausprobieren. Aber zum Massen-Hype taugt Vine eher nicht. Zum einen gibt es bislang nur eine App fürs iPhone. Aber selbst wenn auch die Apps für Android, Windows Phone und Blackberry bereits fertig wären: Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Spaß daran haben, sich in sechs Sekunden auszudrücken. Das setzt alles schon sehr viel Begeisterungsfähigkeit voraus.

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