Dienstag, 29.01.2013

Youtube ist die Hölle für Musikfans

"Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, weil es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der Gema nicht eingeräumt wurden." Wer sich gerne Musikvideos im Netz anschaut, kann diesen Satz von Youtube im Schlaf runterbeten. Denn dieser Hinweis erscheint - gefühlt! - nahezu ständig.

Aber wieviel Musik blockiert Youtube für deutsche Nutzer eigentlich tatsächlich? Dazu macht Google/Youtube keine offiziellen Angaben. Schade eigentlich, wäre doch schließlich äußerst interessant. Jetzt sind die Zahlen dann aber doch bekannt geworden - und sie erstaunen: 61,5% der am häufigsten im Internet abgerufenen Musikvideos sind für deutsche Benutzer tabu. Zumindest auf Youtube. Kaum zu glauben: Bei mehr als der Hälfte der angesagtesten Videos bleiben deutsche PC-Bildschirme grundsätzlich schwarz.

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Alltag auf Youtube: Blockiertes Musikvideo


Youtube liefert keine Zahlen - App ermittelt Daten selbst
Ohne hier auf die nervigen Blog: Streitereien zwischen Gema und Google eingehen zu wollen - schlimm genug, dass sich die beiden Parteien nicht im Interesse der deutschen User einigen können, wie viel Geld die einen zahlen und die anderen haben wollen: Ich finde es äußerst interessant, dass es nun endlich eine Möglichkeit gibt, die WWW: genauen Zahlen zu erfahren. Eine wirklich vorzügliche App, die von OpenDataCity entwickelt wurde und alle 24 Stunden neues Datenmaterial liefert.

Aber wie geht die App vor? Da Google/Youtube nicht verrät, welche Musikvideos eigentlich gerade angesagt sind, muss auch das erstmal ermittelt werden. Nicht einfach. Doch die Macher der App stellen dazu in zehn verschiedenen Ländern geschickt Suchanfragen: Sie suchen nach Videos, die mehr als 40 Millionen Mal angeschaut wurden (das ist aktuell die Grenze) und lassen sich von Google Treffer präsentieren. Alle Videos, die fehlen, sind im jeweiligen Land gesperrt. Solche Anfragen werden rund um die Uhr gestellt und die Rückmeldungen entsprechend ausgewertet.

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Die App liefert zu jedem einzelnen Video Hintergrundinfos


Mehr als jedes zweite Musikvideo in Deutschland gesperrt
Auf diese Weise ermittelt die App zuverlässig, welche Videos angesagt und welche gesperrt sind. In Deutschland sind 61,5% aller Videos nicht zu sehen, in den USA ereilt dieses Schicksal nur 0,9%, in Frankreich 1%, in Afghanistan 4,4% aller Videos. Nirgendwo sonst sind auch nur annähernd so viele Musikvideos blockiert wie in Deutschland. Die meisten übrigens wegen "möglicher" rechtlicher Probleme (gut 50%), nur ein kleiner Teil aufgrund definitiv bestehender Rechteprobleme (8,4%).

Youtube sperrt also mehr Musikvideos als eigentlich nötig - um auf Nummer Sicher zu gehen. Ich würde mir wünschen, dass die nun offiziell für jeden einsehbaren und auch im internationalen Vergleich blamablen Zahlen die beiden Streithähne Google und Gema dazu bewegen, endlich mal eine praktikable Lösung zu finden. Denn es kann doch wohl nicht gewollt sein, dass sich immer mehr Musikfreunde aus Deutschland mit Plugins ausstatten, die ihre Browser in die Lage versetzen, eigentlich gesperrte Musikvideos dann doch anzuschauen. Oder?


Statistiken in Webseiten einbetten
Übrigens: Wer mag, kann HTML-Codeschnipsel von Opendatacity in seine Webseite oder sein Blog einbauen und die interessanten Zahlen und die Grafiken übernehmen, auch in seiner Webseite/seinem Blog anzeigen. Das hilft, auf die Aktion aufmerksam zu machen. Ich habe das hier mal gemacht:

Lieber mal ne gute CD kaufen, das hat doch noch was ;)

Tommy am 29.01.13 12:48

Der Witz ist doch, dass das nicht nur Musikvideos betrifft, sondern auch jede Menge Videos, bei denen nur irgendwo eine Hintergrundmusik verwendet wird, die der GEMA nicht paßt.

Ich interessiere mich nicht für Musikvideos und sehe trotzdem diese Meldung anstelle des gewünschten Videos ständig. Meist wäre ich schon völlig zufrieden, wenn Google dann das Video halt ohne Ton abspielen würde. Man hat schon das Gefühl, dass Google hier den Unmut der User gern als Hebel gegen die GEMA einsetzen möchte.

joh am 29.01.13 13:11

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