Freitag, 25.01.2013
Ein #aufschrei in Sachen Sexismus
Laura Himmelreich hat mit ihrem
Artikel über Rainer Brüderle im Stern eine Debatte ins Rollen gebracht, in der viel Zunder steckt: Wie viel Sexismus gibt es in unserer Gesellschaft? Mir als Mann fällt es schwer, diese Frage zu beantworten. Ich vermute aber: ganz schön viel. Ich bekomme das ja mit. Jeden Tag. Nur eben nicht als Opfer.
Mich erschrecken einige Reaktionen auf den Artikel. Politiker aus der FDP
vermuten reflexhaft eine Kampagne,
bei SPIEGEL ONLINE verteidigt ein großer Teil der Nutzer in den Kommentaren ihren (wohl auch eigenen) Alltagssexismus, und Handelsblatt-Chef Gabor Steingart schreibt in seinem täglichen Newsletter heute: "Vielleicht sollte man nach all den Bonsai-Affären mal wieder über Politik reden." All diese Reaktionen kommen übrigens von Männern.
Ich empfehle allen eine Diskussion zum Thema, die gerade bei Twitter läuft - und über die ich sehr froh bin. Denn das Netz und Twitter schaffen eine Gegenöffentlichkeit, zum Teil überhaupt erst die Möglichkeit, eine breite Diskussion zu einem wichtigen Thema zu entfachen.
Unter dem Hashtag #aufschrei berichten Frauen von Sexismus. Ein paar Beispiele? Bitteschön.
Der Bademeister im Grundschulschwimmen, der uns beim Duschen zuschaute & erklärte wie wir uns richtig "da unten" waschen sollten
#aufschrei
— kathy (@totalreflexion)
24. Januar 2013
Die Überlegung, mit diesem Outfit nicht durch diese eine Straße zu gehen. Oder eben die Zische, Rufe, Pfiffe aushalten.
#Aufschrei
— Lucie (@Autofocus)
25. Januar 2013
Arbeitgeber, die über sexualisierte Übergriffe informiert werden, nichts tun und den Mann befördern.
#aufschrei
— teresa m. bücker (@fraeulein_tessa)
25. Januar 2013
Der Physiklehrer, der bekanntermaßen jede mündlich Prüfung im Rock oder Top ungeachtet des Inhalts positiv bewertete.
#aufschrei
— Lou Hefner ✩☠✩ (@lou_hefner)
25. Januar 2013
der ferienclubchef, der mich, bevor ich nach spanien flog, um dort zu arbeiten, per sms bat, doch auch die strapse einzupacken.
#aufschrei
— maike(@ruhepuls)
24. Januar 2013
Und all die Leute die auf solche Vorfälle jemals mit einem verständnislosen „ja und?" reagiert haben.
#aufschrei
— Helga 海文 (@hanhaiwen)
25. Januar 2013
Was ich bei Twitter lese, ist mindestens beschämend, manchmal schrecklich und oft deprimierend. Allein die schiere Menge an Erfahrungen zeigt, wie groß das Problem ist.
Heutzutage wird sich aber auch manchmal für jeden Pups aufgeregt. Wenn diese Amerikanisierung nun auch bei dem Thema um sich greift, traut man sich ja bald schon nicht mehr überhaupt noch jemand anzusprechen. Sonst wird man nachher noch wegen eines Kompliments als Schutzfink dargestellt.
Alfons am 25.01.13 13:12
Also die Kanzlerin zeigt in Oslo ihr Dekollete, schwimmt in MäckPomm nackt und knutscht Hollande genauso wie Sarkozy. Für die Stern-Journalistin anscheinend undenkbar.
karl am 25.01.13 13:28
"Bonsai-Affären", das Wort ist genau richtig. Das muss ich mir merken. Man könnte auch "Operetten-Skandal" oder "Sturm im Wasserglas" sagen.
Ja, ich bin ein Mann. Aber das ist nicht entscheidend. Ich würde auch nicht zum Richter rennen, wenn mir jemand den "Vogel" zeigt oder mich mit Schimpfworten beleidigt. Solcher Kram ist, ja genau, eine "Bonsai-Affäre" ;-)
Bertram in Mainz am 25.01.13 22:57
Na, mal wieder nichts verstanden? Das ist eben kein "Sturm im Wasserglas" oder was es sonst noch für verniedlichende Umschreibungen gibt. Das sind sexuelle Übergriffe und ich behaupte jedes Mädchen, jede Frau musste schon solche Erfahrungen machen. Das als Kleinigkeiten abzutun ist schlicht an Verachtung kaum zu überbieten! Und noch was: auf den Hintern glotzen, Pfiffe und verbale Anzüglichkeiten sind NIE Komplimente.
an all die Kerle am 26.01.13 16:57
Wer sich im Net etwas auskennt, weiß wie ein solcher Shitstorm funktioniert. Da reicht es völlig, wenn (in der Relation) Wenige nur laut und penetrant genug auftreten. Tatsächlich realistische Aussagen macht ein Twittergewitter an keiner Stelle. Ich halte es für fatal, überhaupt ernsthaft zu erwägen, solche eine Reaktion auf Twitter hätte mit dem echten Leben wirklich viel zu tun.
Als Mann weiß ich von dem primitiven Verhalten so mancher Männer - aber eben auch von dem ebenso primitiven Verhalten von Frauen (besonders wenn sie im Rudel auftreten). Wer es nicht glaubt, kann sich ja zu Altweiber unter die angetrunkenen Weiber mischen und beobachten, dass auch Frauen sich nicht besser gebaren, wie Männer.
Aber ich will nicht verschweigen, dass die Duldung solchen Verhaltens in unserer Gesellschaft eine starke Schräglage hat und mMn bei keinem der Geschlechter zu ertragen ist.
Ich finde es richtig, dass dieses Verhalten von Machtmenschen im Stern thematisiert wurde.
Chuck am 26.01.13 19:53
fragt sich, wie die Maiden sich dann in Zukunft von einem Mann vesorgen lassen wollen (nachweislich nach wie vor die häufigste Partnerwahl), wenn man sie nichtmal ansprechen, geschweige denn sexy finden darf. Der soll sie einach so heiraten? Nur, weil sie sein Geld will? *lol* - wer ist denn sooo doof? Da kriegt der Kerl im Puff doch mehr für sein Geld.
Casanova am 26.01.13 20:01
Du meine Güte,jetzt auch das Ansehen der Oberweite ist Sexistisch? Auf den Po sehen auch? Und was ist mit dem Gesicht? Ich gehe ab sofort nicht mehr in die Disco,zum Tanzen und Kino,nachher werde ich wegen gucken wie der Kachelmann und andere verklagt und das will ich nicht. Aber einen vorschlag wie man(n) nicht mehr pfeifft und guckt,Burka tragen dann hat sich alles erledigt.Vielleicht sollten a l l e deutschen Männer in die Wüste geschickt werden und die Frauen hätten dieses Land für sich alleine.Ob Sie dann glücklicher sind ganz ohne Männer???
Tom am 26.01.13 20:07
tja, es funktioniert eben nicht: alle Vorteile vom sexy Outfit genießen und gleichzeitig nicht bekuckt werden. Das ist wie Schoko essen ohne dick werden - geht nunmal nicht.
Wie oft versuchen die Mädels mit entsprechenden Avancen die Mathe-Note zu retten, während die Jungs tatsächlich rechnen müssen? So eine darf sich einfach nicht über lüsterne Blicke des Mathelehrers beklagen. Diese sind doch ihr Kapital.
meine Freundin heißt Erich am 26.01.13 21:48
Gleichberechtigung – definitiv ja! Männerhass – nein, das muss nicht sein! Wo bleibt eure Souveränität, liebe Geschlechtsgenossinnen?
Ich könnte gut ein Dirndl ausfüllen? Klar doch: „Danke fürs Kompliment. Drum hängt schon eins in meinem Schrank“. „Danke, zum Oktoberfest werde ich mal drüber nachdenken.“ „Und Ihnen würde sicher 'ne Krachlederne gut stehen.“ …
Alternativ: „Konzentrieren Sie sich bitte wieder auf die Inhalte unseres Gesprächs.“
Wir wollen doch nicht eine Variante der „Schönen neuen Welt“ von Aldous Huxley: Kontaktaufnahme per SMS, Twitter etc. – bildlos mit vorgefertigten Unisex-Bausteinen. Eizellen und Samenspende gehen per Post direkt ans Labor…
Apropos Twitter: Wen repräsentiert die Diskussion, wenn das Gros der Bevölkerung gar nicht twittert, viele nicht einmal wissen, was das überhaupt ist?
Eine Frau mitten im Leben am 27.01.13 10:04
Ich empfehle *Allen*, solch populistisches Buchstaben-Gestammel auf Twitter niemals mit einer ernsthaften, zivilen "Diskussion" zu verwechseln - egal, zu welchem Neue-Sau-durchs-Dorf-Thema.
Kirchen-Moral (ach, hatten wir ja grade schon), Rentner mit Führerschein, Zivilisations-Krankheiten, Aids (immer wieder gern genommen), Discounter-Osterhasen schon im Januar, Sprit-/Strom-/Gaspreise, Dschungelcamp - was fehlt noch im Wahljahr??
Klaus Lohmann am 28.01.13 11:24
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