Dienstag, 04.12.2012
Warum so schüchtern, Google?
Man kann Google ja nicht vorwerfen, mundfaul zu sein. Wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu vertreten, ist Google schnell dabei. Der Konzern weiß ganz genau, wie man im 21. Jahrhundert kommuniziert. Vor allem online, natürlich. Unternehmensmeldungen werden nicht als Pressemeldung veröffentlicht, sondern in
diversen Blogs. Auch die Lobbyarbeit findet selbstredend online statt: Wenn zum Beispiel ein Leistungsschutzrecht geplant ist, das die Bewegungsfreiheit des Konzerns einzuschränken droht, dann wird dagegen
Stimmung gemacht. Wenn die ITU die Kontrolle übers Internet übernehmen will, dann wird auch darüber
ausführlich informiert.
Bitte nicht missverstehen: Es ist das gute Recht von Google, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Lobbyarbeit zu machen. Auch ich bin für Transparenz und ein weitgehend offenes Internet. So offen wie möglich. Aber Offenheit ist keine Einbahnstraße. Man könnte es auch etwas altmodischer formulieren: Niemand kann oder sollte sich nur die Rosinen rauspicken.
Google veröffentlicht Kontaktdaten aller Abgeordneten
Fremde Kontaktdaten werden veröffentlicht, die eigenen lieber nicht
Macht Google aber. Stichwort: Offenheit und Transparenz. Es ist schon erstaunlich: Bei der Anti-LSR-Aktion
google.de/deinnetz veröffentlicht Google ohne mit der Wimper zu zucken die Kontaktdaten aller Mitglieder des Bundestags. Wer gegen das geplante Leistungsschutzrecht ist, könne und solle sich doch direkt bei "seinem" MdB beschweren. Gute Idee. Das ist Demokratie. Das ist Lobbyarbeit. Und die Kontaktdaten der Bundestagsabgeordneten, zumindest von deren Büros, sind natürlich ohnehin frei zugänglich... Google präsentiert sie aber noch mal extra komfortabel in einer Karte zum Anklicken.
So weit, so schön. Aber was soll man machen, wenn man sich nicht bei seinem Bundestagsabgeordneten beschweren oder melden möchte, sondern möglicherweise bei Google? Etwa, weil man eine Frage hat oder - bewahre! - eine andere Meinung? Richtig: Dann schaut man in die Röhre. Denn es gibt partout keine Möglichkeit, Google eine Nachricht zu schicken. Keine E-Mail-Adresse für die Aktion. Wer auf
Impressum klickt, bekommt allen Ernstes die US-Adresse der Konzernzentrale präsentiert. Ansonsten noch die lapidare E-Mail-Adresse support-de@google.com.
Google Impressum: Praktisch keine direkte Kontaktmöglichkeit
Wer werkelt hinter den Kulissen?
Da hätte man auch gleich schreiben können: Schreibt uns nicht - lasst uns in Ruhe. Wer "Google Kontakt" in die Suchmaschine eingibt, erreicht beim Anklicken des ersten Treffers eine
Übersichtsseite. Aber auch hier: Keine Namen, keine direkten Kontaktadressen. Es ist nicht leicht, Google zu kontaktieren.
Da kann ich nur fragen: Warum so schüchtern, Google? Warum nicht in den direkten Dialog mit den Menschen treten. Von mir aus über Google+. Aber das ist schon ein merkwürdiges Selbstverständnis: Die Kontaktdaten der möglichen Gegner öffentlich machen, die eigenen wie ein Staatsgeheimnis hüten. Offene Kommunikation sieht anders aus.
es wird höchste Zeit diesen Datenkraken das handwerk zu legen.
Ahrens am 4.12.12 21:13
Wenn man auf der Seite www.handelsregister.de nach Google sucht,
findet man eine Gesellschaft mit folgenden Angaben:
Google Germany GmbH
ABC-Straße 19
20354 Hamburg
Hamburg Amtsgericht Hamburg HRB 86891 – Google Germany GmbH
Das ist die für Deutschland zuständige Gesellschaft. Auf der Seite www.ebundesanzeiger.de kann man sich über die aktuellen Bilanzen und die Geschäftstätigkeiten der Google Germany GmbH informieren. Alles keine Geheimnisse, ist alles problemlos öffentlich und recherchierbar.
Lustig ist, wenn man bei maps.google.de die ABC-Straße 19 in Hamburg eingibt und sich die Häuser mit dem gelben Männchen anschaut ;-)
Zu google gibt es auch Alternativen wie z.B. www.ixquick.de Der Spiegel hat auch vor einiger Zeit über Google berichtet.
Lawyertom am 5.12.12 8:00
Ich finde das völlig in Ordnung, dass Google nur eine Mailadresse angibt. Was glaubt Ihr, wie viele Bekloppte aus Spaß bei denen anrufen, wenn die Telefonnummer so richtig öffentlich wäre?
Frank am 5.12.12 15:39
Lieber Autor! Hier eine kleine Hilfe für Ihre Recherche, die mir etwas unvollständig scheint: https://www.google.de/intl/de/contact/ .... ganz klar ist dort die Firmenanschrift inkl. Telephon-, Faxnummer und Mailadresse. Und BITTE: bevor Sie den nächsten Artikel schreiben, bemühen Sie sich um mehr Informationen. Ich bin selbst auch kein Fan von Google, aber eine Hetzkampagne gegen etwas zu starten, was nicht stimmt, ist so nicht in Ordnung.
Beste Grüße und alles Gute
Das Huhn
Buntes Huhn am 5.12.12 17:41
Welcher wirklich nutzbare Nutzen würde entstehen, wenn der hier von J.S. angeprangerte Missstand beseitigt würde? Keiner! Es käme lediglich, so oder so ähnlich, eine automatische Antwort-Mail "Aufgrund des derzeit erhöhten Mailaufkommens usw. usw.".
Barbara Zander am 5.12.12 17:51
Hm, eigentlich mal ins eigene Impressum geschaut? Ob nun support@ oder redaktion@, technisch und funktional erkenne ich da jetzt keinen grossen Unterschied. Auch bei der Angabe der Telefonnummern vermag ich weder beim WDR noch bei Google Alleinstellungsmerkmale erkennen. Beides laueft auf die Zentrale.
Achja: "Personenbezogene Daten werden nur mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung erhoben." Wenn ich allerdings nicht einwillige, meine EMail-Adresse preis zu geben, so darf ich keine Kommentare posten. Eigentlich eine Google-Methode. Erfolgreich beim WDR gefunden.
AS am 5.12.12 18:29
MannmannJörg, gehen die Themen aus?
Als gäb' es gerade nix zu schreiben, wird das dürftige gugl-Impressum beklagt. ITU, Deep Packet Inspection? Pfff, dagen arbeite ja schon die Lobbymaschiene. So erfolgreich, dass DPI heute (6.12.) offensichtlich verabschiedet wurde. Toll.
Sonst kann ich "AS" da nur zustimmen: eigene Nase. Anfassen. Und nicht angefasst sein. Bei schieb.de gibt's immerhin auch nur'n Kontaktformular, keine Mailadresse...
aeon am 6.12.12 16:43
Nach meiner Ansicht ist jede Zusammenarbeit öffentlich-rechtlicher Medien mit Google, Facebook und Ähnlichen nach deutschem Recht nicht zulässig. Die Warnungen sind nicht ausreichend. Diese Ansicht wird wohl nicht von jedem geteilt.
Viel schlimmer ist aber, dass dem Nutzer naiv eine Normalität vorgegaukelt wird und damit das Geschäftsmodell Datenmißbrauch gestützt wird. Wir brauchen viel mehr kritischen Journalismus und der braucht reale Konsequenzen.
Siggi am 7.12.12 10:43
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