Donnerstag, 13.12.2012

Die Zukunft des Blicks zurück

Der TV-Unsitte folgend wird auch im Internet immer häufiger aufs Jahr zurückgeschaut, lange bevor es wirklich zu Ende ist. Doch anders als im Fernsehen, wo eine einzelne Redaktion mehr oder weniger willkürlich darüber entscheidet, was für die Zuschauer im Jahr 2012 relevant war und was nicht, basiert das "Year of review" im Netz stark auf den Ereignissen, für die sich die User wirklich interessiert haben.

Googles Statistiker jagen den Zeitgeist
WWW: "Zeitgeist 2012" nennt beispielsweise Google seine Projektseite, auf der nach diversen Ländern sortierbar die "Trends 2012" (also die Suchanfragen mit den meisten Aufrufen über einen längeren Zeitraum hinweg) angezeigt werden. Und auch wenn mich so manches WWW: deutsche Trend-Ergebnis am Geschmack der Masse zweifeln lässt (Meistgesuchte Fernsehsendungen in Deutschland: "Voice of Germany"/"Dschungelcamp"/"Der Bachelor"), ist es dennoch aufschlussreich, wonach meine Mitmenschen gesucht haben.

Sehr interessant ist es auch, auf eigene Faust möglicherweise angesagte Suchbegriffe des Jahres 2012 analysieren zu lassen. Dass es die deutsche Band "Unheilig" beispielsweise in den RTL-TV-Rückblick des aktuellen Jahres geschafft hat, entbehrt WWW: aufgrund der Google-Trend-Analyse jedenfalls jeglicher Grundlage. Leider bietet Google bislang keine Möglichkeit an, sich für die eigenen Suchanfragen eine ähnlich aufbereitete Analyse anzeigen zu lassen.

googletrends_2012.jpg

Facebook: "Bayern Munich" in den deutschen Jahrestrends?
Auch Facebook hat in dieser Woche seine 2012er-Trends veröffentlicht und dafür die (öffentlich freigegebenen) Inhalte seiner User ausgewertet. Dort gibt es jedoch keinerlei Infos, auf welcher Grundlage die jeweiligen Rankings erstellt wurden. Wurde der Begriff "BVB" bzw. "Berlin Tag und Nacht" WWW: von Facebook-Nutzern in Deutschland tatsächlich derart oft in Statusmeldungen oder Kommentaren erwähnt, dass es für Platz 1 bzw. 2 in der Deutschland-Rubrik "Am häufigsten erwähnt" reichte? Oder zählen auch die "Gefällt-mir"-Klicks unter einem Posting oder Kommentar auf der jeweiligen Facebookseite, die den Begriff beinhaltet?Und wie bitteschön konnte es der Begriff "FC Bayern Munich" [sic!] auf Platz 6 der deutschen Top 10 schaffen?

Wer Lust hat, kann sich als angemeldeter Facebook-Nutzer aber auch seinen WWW: eigenen Jahresrückblick erstellen. Ein Klick genügt, und Facebook generiert aus den eigenen Fotos, Statusmeldungen und sonstigen Aktivitäten in 2012 einen Überblick über die "20 wichtigsten Momente" des Jahres. Das Problem ist allerdings die gewöhnungsbedürftige Gewichtung: Zwar sind es "meine" Momente, aber dennoch kann nicht ich aktiv entscheiden, welcher mir rückblickend angezeigt werden soll. Wichtig für einen Platz in den Top 20 ist offenbar vor allem, wie viele meiner "Freunde" beim jeweiligen Posting auf "Gefällt mir" geklickt haben. Der Jahresrückblick deiner Freunde ist über diese URL verfügbar: https://www.facebook.com/yearinreview/username

Twitter: Interaktiver Rückblick und zu viel Eigenlob
WWW: Twitters Sonderseite zum Jahr 2012 liest sich in Teilen leider wie eine selbstbeweihräuchernde PR-Broschüre, noch dazu mit starkem Fokus auf den amerikanischen Markt. Eine eigene Auswertung der deutschen Top-Tweets gibt es dagegen gar nicht. Mir scheint sogar, dass die amerikanischen Begleittexte nur grob (automatisiert?) übersetzt wurden. [Wie sonst ist zu erklären, dass bei den abgebildeten Fotos nun "Guthaben" anstelle des englischen "credits" vor dem Namen des Fotografen steht?]

Unter "Neue Stimmen" werden mir Prominente aufgelistet, "die 2012 beitraten", in der WWW: Rubrik "Der Puls des Planeten" erfahre ich, dass beim Super Bowl-Finale fast 14 Millionen Tweets während des Spiels abgesetzt wurden ein Klick auf WWW: "Goldene Tweets" bringt mich zu Barack Obamas "Four more Years" und dem Tweet eines amerikanischen NFL-Profis , der über Schiris motzt.

Sehr gut gefällt mir die Funktion "Dein Jahr auf Twitter", die sämtliche Tweets des Jahres 2012 interaktiv graphisch aufbereitet anzeigt. Leider sind aber nur dann alle Tweets eines Twitter-Accounts in solch einem Jahresrückblick anschaubar, wenn der jeweilige Account-Inhaber vorher aktiv einen solchen Rückblick erzeugt hat. Für den WDR-Twitter-Account habe ich das mal gemacht: WWW: Hier ist er.

myyearontwitter.jpg

Mein Fazit? Auch wenn es an einigen Stellen noch hakt, mir viele Funktionen noch fehlen und ich auch einige Zweifel an der empirisch sauberen Datenerhebung (vor allem bei Facebook) habe: Der Weg, den diese drei Dienste beim Thema "Rückblick" gehen, gefällt mir. Was ich mir für die Zukunft wünsche, ist eine nutzerfreundlichere und noch viel stärker individualisierbare Auswertung meines eigenen Datenbestandes. Und auf Wunsch kann ich dann auch die öffentlich einsehbaren Postings meiner Facebook-Freunde oder Twitter-Follower mit in meinen ganz persönlichen Rückblick einfließen lassen. Und der geht dann auch bis zum echten Ende des Jahres...

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