Sonntag, 30.12.2012

Staat gegen Konzerne gegen Internet gegen Nutzer - 2013 geht der Kampf weiter

All die Rückblicke, all die Zusammenfassungen, all die Listen voller Highlights - warum blicken wir eigentlich dauernd auf die Dinge zurück, die uns das Jahr über ständig begleitet haben? Wäre es nicht spannender, einen Blick auf die Dinge zu werfen, die vor der Tür stehen, aber an die noch kaum jemand denkt? Es gibt eine Menge solcher Dinge - 2013 könnten sie uns einholen.


Beispiel eins: Die nächste Stufe im Streit ums Urheberrecht

Plattenfirmen, Filmstudios, Buch- und Zeitungsverlage - das Internet hat ganze Branchen auf den Kopf gestellt. Bisher waren das immer Branchen, die nichts "Handfestes" produziert haben. Branchen, die ihr Geld mit WWW: "geistigem Eigentum" verdient haben. Das wird sich ändern, und was wir bisher an Streit ums Urheberrecht erlebt haben, wird dann erst der Anfang gewesen sein.

Modelle aus dem 3D-Drucker; Rechte: picture-alliance/dpa, Ulrich Dahl/Technische Universität Berlin
Modelle aus dem 3D-Drucker - alles, was sich aus Plastik zaubern lässt

Wir könnten es 2013 mit den ersten 3D-Druckern für Privatleute zu tun bekommen. "Das Internet" knöpft sich dann die nächste Branche vor: die Ersatzteilindustrie. Knöpfe für den Herd, verlorene LEGO-Steine, ein neuer Verschluss für die Armbanduhr - solche Ersatzteile kosten bisher mindestens ein paar Euro. Ein 3D-Drucker verlangt dagegen nur ein bisschen billiges Plastik. Das wird den Herstellern der Originale nicht gefallen - die nächste Stufe im Streit ums Urheberrecht.

Es gibt schon jetzt Webseiten wie WWW: Thingiverse, auf denen man digitale Baupläne für 3D-Drucker runterladen kann - das zeigt, wohin die Reise geht. Die Punchline: Zum 3D-Drucker gehört natürlich auch der passende 3D-Scanner. Wer beides hat, besitzt damit eine Kopierstation für Gegenstände. Sobald die Technik in der breiten Masse angekommen ist, werden sich die Spielregeln fundamental ändern.


Beispiel zwei: Die Frage nach der Macht im Netz

Facebook, Google, Amazon - ich hoffe sehr, dass 2013 das Jahr wird, in dem wir ein bisschen über Macht nachdenken. Das habe ich zuletzt schon WWW: für die Netzpiloten getan, weil die großen Player im Netz uns in diesem Jahr zu viel "Friss oder stirb" vorgesetzt haben: Facebook kippt die Mitbestimmung, Google führt all unsere Daten in seinen Diensten zusammen, Amazon sperrt einer Nutzerin ihr digitales Bücherregal. Diese Dinge haben mir Bauchschmerzen bereitet.

Mark Zuckerberg; Rechte: picture-alliance/dpa, Alexander Zemlianichenko
Seit dem Börsengang trifft man Mark Zuckerberg öfter im Anzug. Wem gehört Facebook? Ihm? Den Aktionären? Oder besser uns Nutzern?

Wir halten uns viel zu stark mit Themen wie Datenschutz oder Privatsphäre auf und übersehen dabei das große Ganze: Die Konzerne sind zu mächtig geworden. Über Facebook organisieren sich ganze Vereine oder Schulen, an Google hängen Industrien und Geschäftszweige, auf den Servern von Amazon liegt die halbe Start-up-Welt, und Twitter bestimmt das Nachrichtengeschehen mit. Bei Spreeblick gibt es dazu WWW: einen sehr guten Artikel - Fazit: Diese Konzerne machen das Netz kaputt.

Wem gehört Facebook? Mark Zuckerberg und seinen Aktionären? Oder den Nutzern und Firmen, die daran hängen? Darf Google alles? Oder brauchen wir eine Regulierungsbehörde? Sollten unsere Daten wirklich weiter bei diesen Konzernen liegen? Oder sollten wir sie woanders speichern - und ihnen nur noch den Zugriff gewähren? Das sind Fragen, die wir uns stellen sollten - uns stattdessen nur über Datenschutz und Privatsphäre auszulassen, geht einfach nicht weit genug.


Beispiel drei: Die Suche nach ordentlicher Netzpolitik

Es ging Anfang Dezember beim Kongress der Internationalen Fernmeldeunion ITU um eine wichtige Frage: Blog: Wer kontrolliert das Internet? Einige Staaten haben dort versucht, das Netz unter die Aufsicht der ITU zu stellen - ganz offensichtlich mit dem Ziel, mehr Kontrolle darüber zu bekommen, Meinungsfreiheit eindämmen und Menschen den Zugang zum Netz kappen zu können.

ACTA-Protest; Rechte: picture-alliance/dpa, EPA/Filip Singer
Der Protest gegen ACTA hat allein in Deutschland Zehntausende auf die Straßen getrieben - das hat die Politik überrascht.

Dazu ist es natürlich nicht gekommen, aber das Netz ist tatsächlich trotzdem in Gefahr - nicht nur WWW: durch die großen Konzerne, sondern auch durch die Staaten dieser Welt. Wir brauchen also eine ordentliche Netzpolitik, national und international, um das Netz frei und offen zu halten. Doch die gibt es kaum. Die Piratenpartei, die damit wirbt, bewegt sich derzeit in Umfragen zur Bundestagswahl im Herbst gerade unter der Fünf-Prozent-Marke, und welche andere Partei steht schon für Netzpolitik?

Das vergangene Jahr hat aber gezeigt, wie groß der Wunsch in der Bevölkerung nach einer durchdachten Netzpolitik ist. Dafür stand zum Beispiel WDR: der Protest gegen ACTA, der zehntausende Menschen auf die Straßen trieb. Der Twitter-Investor Albert Wenger hat gerade WWW: in einem FAZ-Interview beschrieben, wie sehr das Internet die Welt verändert - und darin drei Dinge gesagt, auf denen ich seit ein paar Tagen schon rumkaue: "Tatsächlich wird vieles erst schlimm, bevor es gut wird." "Selbst Demokratien haben Probleme mit der Realität des Internets." "In vielen Bereichen brauchen wir Regulierung."


Das Netz ist zu einer wichtigen Grundlage unserer Gesellschaft geworden - ich hoffe und befürchte, wir werden das im kommenden Jahr so stark zu spüren bekommen wie noch nie.

Gut gebruellt Loewe,nur sollten sie dann auch mal ihren Kollegen Schieb ein wenig unter die Fittiche nehmen,der viel zu unkritisch ueber pads und cloud etc. schreibt.Ach ja und der WDR verlegt gerade zwangsweise seine Bildergalerie zum fratzenbuch mit dem wie immer vorgebrachten Kostenargument und man(Frau)koenne ja weiterhin Bilder par mail senden.Das man diese dann nicht mehr mehr anderen zugaenglich machen kann,scheint dabei egal zu sein.Aber wird wohl schon genug Lemminge geben die diesen transfer mit machen.

Gut gebruellt am 30.12.12 10:36

Ich bin absolut nicht der Meinung, dass Facebook-Mitglieder sich wie Lemminge verhalten. Sie nutzen einen guten, praktischen und sinnvollen Dienst. Wir sprechen hier ja von mehr als 25 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland. Meine Kritik richtet sich nicht direkt gegen Facebook, sondern eher gegen die Politik, die keine Wege findet, diese Riesen in Schach zu halten, so wie es zum Beispiel bei Strom- oder Telekommunikationsunternehmen geschieht.

Was Ihre Kritik an der Haltung des Kollegen Schieb angeht: Ich habe oft sogar den Eindruck, er ist noch kritischer als ich ;). Ich persönlich bin der Meinung, dass Entwicklungen wie Tablets oder die Cloud bei weitem mehr Vorteile als Gefahren bringen. Was genau ist Ihnen zu unkritisch?

Dennis Horn am 3.01.13 14:08

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