Mittwoch, 19.12.2012

"Es ist unser Fehler" - Instagram reagiert auf die Kritik an den neuen Nutzungsbedingungen

Wenn es hoch hergeht, ist eine Sache wichtig: immer locker durch die Hose atmen. Und gestern ging es hoch her. Die neuen Nutzungsbedingungen für Instagram haben am Ende genau für die Hysterie gesorgt, Blog: die ich gestern noch befürchtet hatte. WWW: Jetzt hat Instagram selbst reagiert: Alles halb so schlimm - es sei nie geplant gewesen, Bilder von Nutzern zu verkaufen.

Instagram; Rechte: picture-alliance/empics
"Missverständnis", "Fehler", "Verwirrung" - Instagram nimmt die Schuld auf sich und verspricht neue Nutzungsbedingungen, die etwas klarer fassen, worum es eigentlich geht.

Genau das ist der umstrittenste Punkt in den WWW: neuen Nutzungsbedingungen: Instagram will Fotos und Daten für Werbung nutzen und dafür Geld kassieren. Daraus wurde in vielen Schlagzeilen: "Instagram will Fotos verkaufen!" WWW: In unserem Tweet zum Thema stand es leider auch genau so, weil es zugespitzt eben so gut klingt. Dabei stimmt es so nicht ganz - WWW: das lässt allein das Urheberrecht nicht zu. Den Medien, die damit gestern Klickzahlen gemacht haben, bleibt heute nichts übrig als die nächste schiefe Schlagzeile: "Instagram knickt ein!" - was so natürlich auch nicht ganz stimmt.

Schon WWW: in der ersten Ankündigung stand: "Nothing has changed about your photos' ownership or who can see them." Das hat Instagram-Chef Kevin Systrom jetzt noch einmal herausgestellt: "Um es deutlich zu sagen: Wir haben nicht die Absicht, Ihre Fotos zu verkaufen." Instagram will die Nutzungsbedingungen deshalb überarbeiten und diesen Punkt ausdrücklich festhalten. Nach "Einknicken" und "Zurückrudern" hört sich das nicht an. Nur nach klaren Formulierungen: Nutzer sollen in Instagram bald sehen können, welche ihrer Freunde welchen Unternehmen folgen. Das kennt man aus Facebook - immer dann, wenn ein Freund irgendwo auf "Gefällt mir" klickt. Und vor allem darum gehe es.

Aber trotzdem bleiben ein paar Fragen offen: Waren die unklaren Formulierungen in den Nutzungsbedingungen wirklich ein "Missverständnis", wie Systrom in seinem Blogeintrag schreibt? Oder übernimmt Instagram die Taktik von Facebook, immer wieder nach vorne zu preschen, um die Reaktionen von Nutzern und Datenschützern abzuwarten - und dann wieder zurückzurudern? Ich kann mir nämlich beim besten Willen nicht vorstellen, dass dort Menschen sitzen, die Nutzungsbedingungen frei raus formulieren und dabei lauter Missverständnisse entstehen lassen. Solche Unternehmen wägen jedes Wort ab. Dort sitzen Juristen, die ihren Job beherrschen.

Und auch über die Rolle der Journalisten könnte man sich Gedanken machen: Haben "wir Journalisten" die Sachlage falsch dargestellt, WWW: weil wir das Internet nicht verstehen? Oder legen wir Nutzungsbedingungen zurecht möglichst weit aus, weil sich absichtlich missverständlich formuliert sein könnten? - um unserem Publikum also klar zu machen, was theoretisch möglich wäre?

Nach dem Instagram-Schock wünsche ich mir jetzt auf jeden Fall ruhige Weihnachten. Frohes Fest - und schickt mir gern ein paar Retrofotos von euren Geschenken!

Was erwartet man? Einen kostenlosen, werbefreien Dienst mit 100 Millionen Nutzern zu unterhalten kostet verdammt viel Geld. Selbst wenn man keine Gewinne machen wollte (und man will), muß dieses Geld irgendwo herkommen.

Dass der Nutzer kostenlose Dienste mit der Preisgabe seiner Daten bezahlt und damit kein Kunde ist, sondern zum Produkt wird, liegt doch auf der Hand. Das darf man auch als Journalist aussprechen, finde ich. Anders geht es doch gar nicht.

Das mit den "verkauften Bildern" ist übrigens gar nicht das eigentliche Problem. Wer seine Bilder verkaufen könnte, der wirft sie nicht ins Netz und bloß wenn Instagram oder FaceBook sie verkaufen könnte, heißt das noch lange nicht, dass der Nutzer das auch könnte. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass die ganzen Bilder und sozialen Verknüpfungen innerhalb von Instagram (einschließlich der hochgeladenen Adressbücher der Nutzer) nun bei Facebook landen und diese Daten und Verbindungen dort nun eifrig genutzt werden können.

joh am 19.12.12 12:43

Ein Punkt, der in der ganzen Diskussion über die Sammelwut der "Großen" häufig übersehen wird: Es nutzt eigentlich nichts, auf andere und kleinere Anbieter der gleichen Dienstleistungen zu verweisen, weil die ja nicht so "böse" seien. Die Firmen in diesem Markt mit der höchsten Marktkapitalisierung werden sich solche Firmen in nullkommanix einverleiben und damit ihren Datenbestand ohne Aufwand vervielfachen.

Klaus Lohmann am 19.12.12 16:15

Kleiner Irrtum-es war und ist genau so gemeint wie es dort stand.CNN hat die Spitzbuben gestern kraeftig zerlegt und sich ueber dies halbherziege zurueckrudern nur schlapp gelacht.

Willy Winzisch am 20.12.12 15:56

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