Donnerstag, 13.12.2012

LinkLounge 12/50

Während Kollege Blog: David Ohrndorf uns aus der Ferne mit WWW: Urlaubsimpressionen beglückt, haben wir daheim Gebliebenen uns einmal mehr ans Werk gemacht, um Digitalistan-Leser und WWW: Follower kurz vor dem dritten Adventswochenende mit den allwöchentlichen Linktipps zu versorgen. Hier kommen sie also, mit dabei sind Diskussionsbeiträge zum Thema Medienwandel, Zauberei mit einer Tomate, die Rückkehr eines Google-Klassikers auf Apple-Endgeräte und Traurig-Schönes mit Klavier.

Blog: Insa Moog

Steckt der Journalismus in der Krise? Oder eher ist es eher der Leser, der User, der journalistische Qualität nicht mehr zu schätzen weiß und vor allem nicht mehr dafür bezahlen möchte? Ebenso wie der durchschnittliche Anzeigenkunde übrigens? So, mehr Klischees waren in so wenigen Zeilen kaum unterzubringen. Ach so, "Zeitungssterben" wäre noch ein Begriff, der in der Diskussion um Online-Journalismus und Medienwandel nicht fehlen darf. Stephan Dörner bringt ein paar WWW: "Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage" auf den Punkt. Ein interessanter Diskussionsbeitrag - Leseempfehlung!

Etwas leichtere Kost bietet diese Aufbereitung einer Telekom-Kündigung. WWW: Dominik Schwarz hat seine Leidensgeschichte in gut konsumierbare Form gegossen - gab es eigentlich schon einmal ein experimentelles Theaterstück zum Thema?

Zum Schluss etwas beinahe Poetisches, entdeckt bei der WWW: New York Times. Eher zufällig sah Filmemacher Anthony Sherin, dass jemand auf dem Bürgersteig gleich vor seiner Wohnung in den Washington Heights (New York City) ein Klavier abgestellt hatte. WWW: In einem kurzen Beitrag beschreibt er seine darauffolgenden Beobachtungen, er nimmt dann seine Kamera zur Hand und knipst die Szenen, die sich rund um das Piano abspielen. All das war 2011 und Sherin produzierte daraus diesen hübschen kleinen Film über das Schicksal eines heimatlosen Instruments, der später auf verschiedenen Filmfestivals gezeigt wurde, nun zu sehen im Angebot der New York Times: 'Solo, Piano - N.Y.C.':


Blog: Dennis Horn

Wenn es um Netzfundstücke geht: So viel Spaß wie in dieser Woche hatte ich selten. Da ist zum Beispiel WWW: die "Suche im Mad-Men-Style", über die ihr Google per Schreibmaschine bedienen könnt. Das ist unfassbar unsinnig, aber auch wahnsinnig entschleunigend. Großen Spaß hatte ich mit WWW: "Earth at Night 2012", einer wunderschönen Karte, über die ihr euch die Welt und ihre Städte bei Nacht anschauen könnt. Und dann war da noch die WWW: Facebook History of the World. Da hat sich jemand sehr viel Mühe gegeben, um die Geschichte der Welt in einer Facebook-Timeline nachzuerzählen.

Außerdem liegt mir ein Artikel von Nils Bokelberg sehr am Herzen. Der Kerl gehörte zu den ersten VIVA-Moderatoren und ist heute geschätzter Blogger. Rund um das Zeitungssterben, den Medienwandel und den Social-Media-Hype hat er WWW: den Artikel "Stirb, Medium, stirb!" gebloggt - über das "sehr weit verbreitete Herbeisehnen des Todes von Medien, die älter sind als das Internet". Endlich mal ein Artikel, der etwas Unaufgeregtheit in die Diskussion bringt. Danke!

Blog: Jörg Schieb

WWW: Google Maps ist der beste Online-Kartendienst, da gibt es keinen Zweifel. Trotzdem hat Apple einfach einen eigenen Kartendienst gestartet und auf allen iOS-Geräten installiert. Doch die User sind not amused, denn Apples Kartendienst ist eine Katastrophe. Deshalb mussten iOS-User lange im Browser Google Maps aufrufen - was nicht ganz dasselbe ist. Doch jetzt hat Google sein Google Maps als App im AppStore bereitgestellt. Das dürfte viele iOS-User freuen - mich auf jeden Fall.

Der Internet Explorer hat eine Sicherheitslücke, die bedenklich ist: Durch Einschleusen von entsprechendem Programmcode lassen sich die WWW: Mausbewegungen des Benutzers ausspionieren. Egal? Von wegen: Wer einen Keylogger austricksen will, etwa um die PIN am Bildschirm durch Anklicken einzugeben (manche Onlinebanken machen das), kann so ausgetrickst werden. Betroffen sind alle Versionen von IE6 bis IE10.

Blog: Stefan Domke

Ich verfolge die Diskussion um das WDR: Leistungsschutzrecht, wie es sich die deutschen Verleger wünschen und wie sie es vermutlich von der deutschen Politik geschenkt bekommen werden, seit Monaten mit wachsender Wut. Journalist Stefan Niggemeier hat sich WWW: in seinem aktuellen Blog-Beitrag aus der vergangenen Woche vor allem damit beschäftigt, wie einseitig in deutschen Printmedien über das Thema berichtet wird und wie Kritik und Kritiker am geplanten Gesetz offenbar systematisch totgeschwiegen werden.

Schneller Themenwechsel, sonst krieg ich schlechte Laune: Vergesst bitte alles, was ihr über Hasen-aus-dem-Hut-Zauberer zu wissen glaubt. Was der Franzose Yann Frisch mit Tomaten, einem Becher und einer Teekanne anstellt, ist fantastisch:

Schon vor einem Jahr ging seine Tomaten-Nummer durchs Netz. Doch mit
französischem Publikum und ohne Vollbart schaffte WWW: der Clip es nur auf knapp 200.000 Klicks, die aktuelle chinesische Version kratzt dagegen schon nach einer Woche an der Zwei-Millionen-Marke.

Zuguterletzt empfehle ich als Therapie gegen das bald überall einsetzende Tauwetter einen Blick auf WWW: die aktuelle "Big-Picture"-Serie des Boston Globe. Schneeflocken, und verschneite Landschaften in XXL, Toll!

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag LinkLounge 12/50

Zum Anfang dieses Eintrags

Donnerstag, 13.12.2012

Die Zukunft des Blicks zurück

Der TV-Unsitte folgend wird auch im Internet immer häufiger aufs Jahr zurückgeschaut, lange bevor es wirklich zu Ende ist. Doch anders als im Fernsehen, wo eine einzelne Redaktion mehr oder weniger willkürlich darüber entscheidet, was für die Zuschauer im Jahr 2012 relevant war und was nicht, basiert das "Year of review" im Netz stark auf den Ereignissen, für die sich die User wirklich interessiert haben.

Googles Statistiker jagen den Zeitgeist
WWW: "Zeitgeist 2012" nennt beispielsweise Google seine Projektseite, auf der nach diversen Ländern sortierbar die "Trends 2012" (also die Suchanfragen mit den meisten Aufrufen über einen längeren Zeitraum hinweg) angezeigt werden. Und auch wenn mich so manches WWW: deutsche Trend-Ergebnis am Geschmack der Masse zweifeln lässt (Meistgesuchte Fernsehsendungen in Deutschland: "Voice of Germany"/"Dschungelcamp"/"Der Bachelor"), ist es dennoch aufschlussreich, wonach meine Mitmenschen gesucht haben.

Sehr interessant ist es auch, auf eigene Faust möglicherweise angesagte Suchbegriffe des Jahres 2012 analysieren zu lassen. Dass es die deutsche Band "Unheilig" beispielsweise in den RTL-TV-Rückblick des aktuellen Jahres geschafft hat, entbehrt WWW: aufgrund der Google-Trend-Analyse jedenfalls jeglicher Grundlage. Leider bietet Google bislang keine Möglichkeit an, sich für die eigenen Suchanfragen eine ähnlich aufbereitete Analyse anzeigen zu lassen.

googletrends_2012.jpg

Facebook: "Bayern Munich" in den deutschen Jahrestrends?
Auch Facebook hat in dieser Woche seine 2012er-Trends veröffentlicht und dafür die (öffentlich freigegebenen) Inhalte seiner User ausgewertet. Dort gibt es jedoch keinerlei Infos, auf welcher Grundlage die jeweiligen Rankings erstellt wurden. Wurde der Begriff "BVB" bzw. "Berlin Tag und Nacht" WWW: von Facebook-Nutzern in Deutschland tatsächlich derart oft in Statusmeldungen oder Kommentaren erwähnt, dass es für Platz 1 bzw. 2 in der Deutschland-Rubrik "Am häufigsten erwähnt" reichte? Oder zählen auch die "Gefällt-mir"-Klicks unter einem Posting oder Kommentar auf der jeweiligen Facebookseite, die den Begriff beinhaltet?Und wie bitteschön konnte es der Begriff "FC Bayern Munich" [sic!] auf Platz 6 der deutschen Top 10 schaffen?

Wer Lust hat, kann sich als angemeldeter Facebook-Nutzer aber auch seinen WWW: eigenen Jahresrückblick erstellen. Ein Klick genügt, und Facebook generiert aus den eigenen Fotos, Statusmeldungen und sonstigen Aktivitäten in 2012 einen Überblick über die "20 wichtigsten Momente" des Jahres. Das Problem ist allerdings die gewöhnungsbedürftige Gewichtung: Zwar sind es "meine" Momente, aber dennoch kann nicht ich aktiv entscheiden, welcher mir rückblickend angezeigt werden soll. Wichtig für einen Platz in den Top 20 ist offenbar vor allem, wie viele meiner "Freunde" beim jeweiligen Posting auf "Gefällt mir" geklickt haben. Der Jahresrückblick deiner Freunde ist über diese URL verfügbar: https://www.facebook.com/yearinreview/username

Twitter: Interaktiver Rückblick und zu viel Eigenlob
WWW: Twitters Sonderseite zum Jahr 2012 liest sich in Teilen leider wie eine selbstbeweihräuchernde PR-Broschüre, noch dazu mit starkem Fokus auf den amerikanischen Markt. Eine eigene Auswertung der deutschen Top-Tweets gibt es dagegen gar nicht. Mir scheint sogar, dass die amerikanischen Begleittexte nur grob (automatisiert?) übersetzt wurden. [Wie sonst ist zu erklären, dass bei den abgebildeten Fotos nun "Guthaben" anstelle des englischen "credits" vor dem Namen des Fotografen steht?]

Unter "Neue Stimmen" werden mir Prominente aufgelistet, "die 2012 beitraten", in der WWW: Rubrik "Der Puls des Planeten" erfahre ich, dass beim Super Bowl-Finale fast 14 Millionen Tweets während des Spiels abgesetzt wurden ein Klick auf WWW: "Goldene Tweets" bringt mich zu Barack Obamas "Four more Years" und dem Tweet eines amerikanischen NFL-Profis , der über Schiris motzt.

Sehr gut gefällt mir die Funktion "Dein Jahr auf Twitter", die sämtliche Tweets des Jahres 2012 interaktiv graphisch aufbereitet anzeigt. Leider sind aber nur dann alle Tweets eines Twitter-Accounts in solch einem Jahresrückblick anschaubar, wenn der jeweilige Account-Inhaber vorher aktiv einen solchen Rückblick erzeugt hat. Für den WDR-Twitter-Account habe ich das mal gemacht: WWW: Hier ist er.

myyearontwitter.jpg

Mein Fazit? Auch wenn es an einigen Stellen noch hakt, mir viele Funktionen noch fehlen und ich auch einige Zweifel an der empirisch sauberen Datenerhebung (vor allem bei Facebook) habe: Der Weg, den diese drei Dienste beim Thema "Rückblick" gehen, gefällt mir. Was ich mir für die Zukunft wünsche, ist eine nutzerfreundlichere und noch viel stärker individualisierbare Auswertung meines eigenen Datenbestandes. Und auf Wunsch kann ich dann auch die öffentlich einsehbaren Postings meiner Facebook-Freunde oder Twitter-Follower mit in meinen ganz persönlichen Rückblick einfließen lassen. Und der geht dann auch bis zum echten Ende des Jahres...

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Die Zukunft des Blicks zurück

Zum Anfang dieses Eintrags

Donnerstag, 13.12.2012

Firefox tüftelt an Handy-OS

Firefox soll aufs Handy. Nicht als Browser, den gibt es für WWW: Android-Handys längst, sondern als eigenständiges Betriebssystem, als Firefox OS. Die Mozilla Foundation, der wir den kostenlosen Firefox-Browser zu verdanken haben und die nicht primär kommerzielle Ziele verfolgt, tüftelt schon eine ganze Weile an einem Betriebssystem für Smartphones. Jetzt ist die erste Vorabversion fertig - und die kann jeder ausprobieren.

Um mit der Vorabversion mal rumzuspielen, braucht man kein Smartphone, keinen Lötkolben und auch kein Informatikdiplom. Denn die Mozilla Foundation hat sich was Praktisches einfallen lassen: Der WWW: Firefox OS Simulator kann als Plugin für den regulären Firefox-Browser geladen und benutzt werden. Die Einstiegshürden sind damit denkbar gering. Und wer sich die Demo anschaut, kann sehen, wohin die Reise geht.

firefox_os_512x288.png
Firefox OS: Ein kostenloses Betriebssystem für Smartphones


Grundlage für alles ist HTML5
Firefox OS setzt komplett auf HTML5. Der Simulator bietet derzeit zwar nur eine Auflösung von 480x320 Bildpunkten - moderne Smartphones können deutlich mehr -, aber das spielt letztlich keine Rolle. Zum Ausprobieren reicht das, vor allem für Apps-Entwickler, die zukünftig Apps für das neue Firefox OS anbieten wollen. Denn so viel kann verraten werden: Auch Firefox OS setzt voll auf das App-Konzept, so wie Apple (die das erfunden haben) bei seinem iOS, Google mit Android und Microsoft mit Windows Phone 8. Leben eingehaucht wird Firefox OS erst durch die Apps.

Man darf sich allerdings keine Illusionen machen: Ein gigantischer Erfolg wird Firefox OS ganz sicher nicht. Die Marktmacht von Playern wie Apple, Google und Microsoft, die ausnahmslos alle über übervolle Kassen und jede Menge PR-Power verfügen, lässt sich nicht einfach so brechen. Das ist allerdings auch nicht ernsthaft geplant. Ziel ist, ein kostenlos erhältliches Smartphone-Betriebssystem anzubieten. In der ersten Jahreshälfte 2013 sollen erste Geräte mit Firefox OS kommen - erst mal nur auf dem südamerikanischen Markt, wo es schon eine Rolle spielt, ob ein Smartphone 50 Euro mehr kostet oder nicht.

firefoxos_512x288.png
Firefox OS: Optisch keine allzu großen Überraschungen...

Firefox OS wird einiges bewegen
Auch wenn das Firefox OS den Markt nicht gleich umkrempeln wird: Mozilla wird vermutlich trotzdem einiges bewegen. Firefox behauptet sich schließlich auch äußerst erfolgreich gegen Internet Explorer, Safari und Chrome. Weil die Mozilla Foundation bei Firefox OS auf Offenheit und Transparenz setzt und Datenschutz wie Datensicherheit in den Vordergrund stellt, können die anderen Anbieter von Smartphone-Betriebssystemen nicht einfach so weitermachen.

Apple, Google und Microsoft werden vermutlich unter Druck geraten. Zumindest etwas. Sicher ist das zwar nicht, doch ich gehe davon aus, dass dadurch alles in Bewegung kommt. Digitalistan-Blogger Blog: Stefan Domke meint eher, ein weiteres Smartphone-Betriebssystem dürfte es schwer haben, zumal Firefox OS sich optisch ähnlich präsentiert wie iOS oder Android. Allzu einfallsreich waren die Mozilla-Entwickler bei der Benutzeroberfläche (GUI) in der Tat nicht: Sie orientieren sich stark an iOS und Android, die beide schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Moderne, interaktive Elemente wie in Windows Phone 8, etwa Gadgets, die live aktuelle Daten liefern, fehlen im Firefox OS.

Aber jetzt seid Ihr gefragt: Hat ein Firefox OS gute Chancen oder machen die traditionellen Smartphone-Betriebssysteme keinen Platz? Die Diskussion ist eröffnet.

Auch die Ubuntu-Gemeinde ist nicht untätig! Mal schauen in 2014 ...

schwadralla am 13.12.12 18:51

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Firefox tüftelt an Handy-OS

Zum Anfang dieses Eintrags

Dezember 2012

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/archives/2012/12/13/