Freitag, 30.11.2012

Bitte mehr Transparenz, liebe Suchmaschinen

Die meisten vertrauen der Suchmaschine ihrer Wahl. Sie gehen davon aus, die optimalen Fundstellen präsentiert zu bekommen, möglichst unabhängig ausgewählt, nach Relevanz sortiert. Was relevant ist und was nicht, da mag es unterschiedliche Ansichten geben - und natürlich verraten Suchmaschinen wie Google, Bing und Co. ihre Geheimrezeptur nicht en détail, denn sonst würden Millionen von Webseitenbetreibern und Onlineshops versuchen, ihre Webinhalte für die Suchmaschine zu optimieren, um als relevant betrachtet zu werden. Aber eigentlich sollte die Relevanz sich an den Bedürfnissen des Suchenden orientieren.

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Google Shopping: Keine Suchmaschine im eigentlichen Sinne


Bezahlte Anzeigen statt Suchergebnisse
Doch bezahlt werden sollten Fundstellen ganz sicher nicht. Erst recht sollte nicht die Fundstelle an erster Stelle stehen, für die am meisten bezahlt wurde. Genau das ist aber bei WWW: Google Shopping der Fall. Ein Onlineportal, in dem man nach Produkten suchen kann. Wer hier vertreten sein will, muss dafür bezahlen. Zumindest in der US-Version des Portals entscheidet die Höhe des Gebots darüber, an welcher Stelle ein Produkt erscheint. Jedes präsentierte Produkt ist letztlich eine bezahlte Anzeige. Je mehr ein Onlineshop zu zahlen bereit ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt in den Trefferlisten auftaucht, erklärt WWW: Google selbst.

Das ist wohlgemerkt nicht in der normalen Suchmaschine von Google so, wohl aber im Shopping-Bereich. Und wer Google als Suchmaschine blind vertraut, überträgt dieses Vertrauen zweifellos auch auf andere Suchdienste von Google, etwa das Shopping-Portal. Es hätte kaum jemand mitbekommen, dass bei Google Shopping ausschließlich Anzeigenplatzierungen zu sehen sind, wenn Konkurrent Microsoft nicht eigens eine Webseite namens WWW: Scroogled ins Leben gerufen hätte, um diesen Missstand anzuprangern.


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Scroogled: Microsoft kritisiert die Suchfunktion von Google


Scroogled legt den Finger in die Wunde
"Scroogled!" heißt die Webseite - zu deutsch: übervorteilt. Microsoft wirft Google hier unverblümt vor, die Besucher des Shopping-Portals WWW: zu täuschen. Ein Webvideo macht dem Besucher klar: Wer bei Google Shopping USA sucht, der bekommt keine relevanten Suchergebnisse zu sehen, sondern Anzeigen. Punkt. Natürlich hat Microsoft gleich noch eine Empfehlung parat, wo man besser suchen kann - bei Microsoft Bing...

Microsofts Kritik ist zwar ein bisschen einseitig, aber die Kernaussage ist zutreffend: Wer eine Suchmaschine benutzt, egal wie sie heißt und wer sie betreibt, der sollte niemals im Unklaren darüber gelassen werden, welche Informationen bezahlt werden und welche nicht. Google, Bing und Co. präsentieren in ihren regulären Suchdiensten immer auch Anzeigen bei den Suchtreffern, die sind entsprechend gekennzeichnet, farblich hervorgehoben und mit dem Wort "Anzeige" versehen. Das ist auch gut so - und das Mindeste. In meinen Augen müsste diese Kennzeichnung sogar noch etwas deutlicher erfolgen, denn viele Internetbenutzern ist es einfach nicht klar, dass die ersten Treffer, auch wenn sie farblich hervorgehoben sind, eben Anzeigen sind.

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Unabhängige Empfehlungen oder bezahlte Anzeigen? Man weiß es nicht...

Bitte mehr Transparenz, liebe Suchmaschinen
Doch es gibt eben auch Angebote, wo solche Kennzeichnungen völlig fehlen oder allzu gut versteckt sind. Das Shopping-Portal von Google ist ein gutes Beispiel. Hier sollte bei jedem Produkt stehen, dass entweder schon das Anzeigen des Produkts bezahlt wird oder das Anklicken. Oder dass eine Provision fließt, wenn der Kunde etwas kauft. Was auch immer das Geschäftsmodell ist: Transparenz ist wichtig. Der User sollte im Bilde sein.

Genau dasselbe gilt für den rasant boomenden Bereich der Onlinekarten: Nicht umsonst rangeln Google, Apple, Microsoft, Nokia und einige andere um die Aufmerksamkeit der User. Alle drängen mit Macht aufs Smartphone. Warum? Weil hier viel Geld verdient werden kann. Ich will als Benutzer aber wissen, ob eine Empfehlung unabhängig erfolgt, oder ob es sich um eine Anzeige handelt. Ob in den Karten nur bezahlte Einträge zu sehen sind, oder eben auch unbezahlte: Wir User werden völlig im Dunkeln gelassen.

Ich plädiere für vollkommende Transparenz. Nur so kann Vertrauen erhalten bleiben. Bei allen Suchmaschinen und Onlinediensten.

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