Freitag, 19.10.2012
Wege gegen das soziale Chaos
Ich fasse einmal zusammen: der eigene Twitter-Account, der private Auftritt bei Facebook und Google+, Profile bei XING und LinkedIn, dazu einen Haufen E-Mail-Konten vom WDR über den hr bis hin zu privaten Adressen. Und das sind nur die wichtigsten Zugänge, mit denen ich jeden Tag zu tun habe. Gefühlt kommt jede Woche einer dazu. Jeder mit Sinn und Zweck. Und jeder mit einem neuen Passwort.
Es fällt ein bisschen schwer, den Überblick zu behalten, und die Zeiten, an denen es nur ein soziales Netzwerk und eine E-Mail-Adresse jeweils fürs Berufliche und fürs Private gab, sind sowieso vorbei. Gut, es ist nicht jeder ein solcher Junkie wie ich. Aber das soziale Chaos wächst - Tag für Tag. Deshalb finde ich zwei neue Dienste sehr spannend, die den Überblick zurückbringen sollen: Alto und Alternion.
Alto: die Rückkehr von AOL
Hinter
Alto steckt sogar eine kleine Überraschung: Er kommt vom früheren Online-Riesen AOL - der in den Neunzigern unsere analogen Briefkästen mit Werbe-CDs gefüllt hat, um Deutschland online zu bringen. Alto ist wahrscheinlich der größte Wurf von AOL seit dem Spruch "Sie haben Post".
Das Konzept: ein Zugang für alle E-Mail-Adressen, egal ob von AOL selbst oder den Konkurrenten Google, Yahoo! oder Apple. Alto bleibt dabei aber nicht ein einfacher Webmailer, sondern schafft mit interessanten Sortierfunktionen Überblick: E-Mails landen auf Stapeln. Benachrichtigungen aus sozialen Netzwerken auf dem einen, Newsletter auf dem anderen und private E-Mails mit Fotos auf dem nächsten. Wer will, kann weitere Stapel anlegen und einstellen, wie Alto damit umgeht.
Zurzeit befindet sich Alto noch in der geschlossenen Testphase, und wer rein will, muss auf eine Einladung warten - was auch mir so geht. Was man bisher über den Dienst lesen kann, ist aber interessant - auch wenn zum Beispiel die Kollegen
vom US-Magazin The Verge ihn noch für ausbaufähig halten.
Alternion: mehr als 220 Dienste an einem Ort
Das noch größere Fass macht
Alternion auf. Der Dienst bietet an einem Ort Zugriff auf sagenhafte 220 E-Mail-Anbieter und soziale Netzwerke. Die Liste macht allein deshalb Spaß, weil man dabei auf lauter Dienste stößt, von denen man im Leben noch nichts gehört hat. Sie alle lassen sich mit Alternion verknüpfen und dann zentral steuern.
Ich habe den Dienst jetzt ein paar Tage getestet und halte ihn für extrem komfortabel: Am Computer fällt damit die harte Arbeit weg, sich Stück für Stück durch all seine Zugänge zu kämpfen, um zu sehen, was die Freunde so posten. Alternion hat außerdem einen recht einfach gehaltenen Webmailer an Bord und bietet damit Zugriff auf private E-Mail-Adressen - AOLs Alto dagegen unterstützt bisher nur die großen Anbieter.
Leider fehlt Alternion bisher eine App oder wenigstens eine mobile Website. Das Chaos mit all meinen E-Mail-Konten und Zugängen zu sozialen Netzwerken hätte ich nämlich auch gern am Smartphone im Griff.
Je komfortabler, desto kritischer
Dienste wie Alto oder Alternion führen natürlich dazu, dass wir Nutzer unsere Gedanken in Sachen Datenschutz wieder ein bisschen weiterspinnen müssen. Denn dass ein einzelner Anbieter auf alle Daten zugreifen kann, ist zwar komfortabel, aber natürlich auch kritisch. Alto und Alternion sind nicht die ersten Dienste in dieser Richtung - es werden aber auch nicht die letzten sein, denn sie werden immer nötiger.
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