Montag, 29.10.2012

Heißer Handy-Herbst

Jetzt ist raus, wofür sich Apple in der vergangenen Woche Blog: in Stellung gebracht hat. An einem Abend haben Microsoft und Google heute geliefert - und vorgestellt, womit sie den heißen Handy-Herbst überleben wollen.


Windows Phone 8

Windows Phone 8; Rechte: Microsoft

Ich halte Windows Phone schon seit Version 7 für das am meisten unterschätzte Betriebssystem fürs Smartphone - und finde nach wie vor schade, dass es bei einem einstelligen Marktanteil vor sich hin dümpelt. Jetzt ist Version 8 da - die kleine Schwester des großen Betriebssystems, Blog: das am Freitag an den Start gegangen ist.

Damit gibt es jetzt ein System für alle drei Gerätetypen: Die bunte Kachel-Oberfläche läuft auf dem Smartphone, dem Tablet und dem großen Computer. Alle Geräte lassen sich ähnlich bedienen. Viele Apps und Spiele, die für die neue Oberfläche programmiert sind, sollen überall laufen, oft sogar auf der Xbox-Spielekonsole. Microsoft ist damit Vorreiter - so durchgängig funktioniert es bisher noch nicht einmal bei Apple.

Eine große Überraschung ist Windows Phone 8 nicht mehr: Das neue Betriebssystem steckt schon seit Juni in der Pipeline - seitdem sind auch die grundlegenden Infos bekannt, die ich im Sommer schon WDR: im 1LIVE-Nerdblog vorgestellt habe.

Microsoft hat heute noch eine ganze Reihe weiterer Funktionen vorgestellt. Dazu gehört die "Brieftasche": Windows Phone 8 speichert darin geheime Infos zum Beispiel zu Kunden- oder Kreditkarten. Auch Gutscheine oder andere kleine Dokumente lassen sich darin ablegen. Das System kann außerdem auf NFC-Chips zugreifen. Damit lassen sich Fotos, Musikdateien und Dokumente mit anderen NFC-Smartphones austauschen. Das Bezahlen mit dem Handy - die eigentlich spannendste Einsatzmöglichkeit von NFC-Chips - wird mit Windows Phone 8 aber erst einmal nicht möglich sein. Schade.

Für Eltern finde ich die "Kinderecke" sinnvoll. Darüber lässt sich ein freier Bereich mit Apps einrichten, der selbst dann verfügbar ist, wenn alles andere passwortgeschützt ist. So bekommen Kinder nur Zugriff auf bestimmte Apps oder Funktionen. Auch die sogenannten "Räume" sind interessant - eine Art Gruppenfunktion: Darüber lassen sich zusammen mit anderen Anwendern Fotos, Dokumente oder Termine austauschen.

Was mir an Windows Phone 8 extrem gut gefällt, ist der offene Ansatz: Das System soll zum Beispiel die iTunes-Bibliothek mit dem Smartphone synchronisieren können, egal ob auf dem PC oder dem Mac. Auch auf die "Räume" soll es von außen Zugriff geben. Wer zum Beispiel auf dem Windows-Smartphone einen gemeinsamen Kalender für die ganze Familie anlegt, soll den auch übers iPhone aufrufen können.

Wie immer steht und fällt ein Betriebssystem mit der Software: Apps sind das Geheimnis eines erfolgreichen Systems. Und wer Apple schlagen will, muss gerade dort mehr bieten. Microsoft hat heute vollmundig 120.000 Apps für Windows Phone 8 angekündigt - und in Zukunft täglich Hunderte neue. Das will ich erst einmal sehen. Aber der Ansatz ist richtig. Microsoft verspricht zum Beispiel, dass es 46 der 50 beliebtesten Apps auf iPhone und Android-Smartphones auch für Windows Phone 8 geben wird.

Und zur Hardware: Windows Phone 8 wird es ab November auf Geräten von Nokia und HTC geben. Auch Samsung will einsteigen - hat dafür aber noch keinen Termin bekannt gegeben. Gute Hersteller sind also im Boot. Und vielleicht läuft es etwas besser als beim verpatzten Start des Microsoft-Tablets "Surface", bei dem Bestellungen zum Teil nicht möglich waren, zugesagte Geräte nicht geliefert wurden und Microsoft am Ende mit Gutscheinen reagieren musste.


Google Nexus 4, 7 und 10

Windows Phone 8; Rechte: Microsoft

Der großen Show bei Google hat Hurrikan Sandy einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Produktpräsentation sollte in Manhattan stattfinden. Der Konzern hat sie also abblasen müssen - wollte Microsoft aber offenbar nicht so einfach die Schlagzeilen überlassen. Eine Stunde vorher hat Google überraschend und einfach WWW: per Blogeintrag seine Smartphone- und Tablet-Neuheiten bekanntgegeben.

Da ist zum Beispiel das neue Smartphone Nexus 4. Es hat einen 4,7 Zoll großen Bildschirm mit 1.280 x 768 Pixeln. Das Gerät ist ab dem 13. November zu haben, entweder für 300 oder 350 Euro - je nachdem, ob es 8 oder 16 GB Speicherplatz sein sollen. Selbst 16 GB halte ich übrigens für ziemlich wenig - vor allem weil sich das Nexus nicht weiter aufrüsten lässt: Es gibt keinen Platz für eine zusätzliche Speicherkarte. Beim iPhone komme ich ja nicht einmal mit den 32 GB zurecht, wenn ich mir meine komplette Hörspielsammlung aufs Smartphone ziehen möchte.

Google hat dem Nexus 4 eine 8-Megapixel-Kamera verpasst - und liefert über das neue Betriebssystem eine Funktion namens "Photo Sphere". Damit kann man das Smartphone frei durch die Gegend bewegen. Es schießt dabei Fotos und setzt sie am Ende zu einem einzigen Panoramafoto zusammen. Google scheint ziemlich stolz auf diese Funktion zu sein und verkauft sie als große Neuheit. Dabei gibt es sie mit "Photosynth" schon seit Jahren als eigene App auf dem iPhone - übrigens von Microsoft.

Das Nexus 7 ist schon eine Weile auf dem Markt. Google verpasst dem Mini-Tablet aber ein Update: 16 oder 32 GB Speicher statt bisher 8 oder 16 GB. Außerdem soll es eine Variante mit einem schnelleren Mobilfunkchip geben. Und Google hat an den Preisen gedreht: Die einfachste Version des Nexus 7 soll nur noch rund 200 Euro kosten. Das ist vor allem eine Kampfansage an Apple: Das iPad mini beginnt bei 330 Euro.

Neu von Google ist außerdem das große Nexus-10-Tablet: 2.560 x 1.600 Pixel. Google nennt das Nexus 10 stolz das Tablet "mit der höchsten Auflösung der Welt" - und schlägt damit tatsächlich das iPad. Als Akku-Laufzeit verspricht Google neun Stunden im vollen Betrieb - und 500 Stunden im Standby-Modus. Das Nexus 10 erscheint ebenfalls am 13. November und soll in der einfachsten 16-GB-Version 400 Euro kosten.

Google hat außerdem die neue Android-Version 4.2 vorgestellt, will im November auch in Deutschland seinen Musikdienst Google Play Music an den Start bringen - und fährt mit all diesen Updates natürlich die volle Breitseite gegen Apple.


Die Karten liegen auf dem Tisch

Damit sind die drei großen bestens aufs Weihnachtsgeschäft vorbereitet: Apple, Amazon, Microsoft und Google - alle mit spannenden Geräten und Betriebssystemen. Jetzt entscheidet der Markt. Also wir. Welches System darf's denn sein?

Die Meinungen zu und über Windows 8 sind doch sehr, sehr geteilt, wenn ich das mal so im Kollegen- und Bekanntenkreis mitbekomme. Der Durchbruch für Windows 8 wird nicht alleine durch die Geräte entschieden. Ein "intelligentes" Betriebssystem würde merken, ob ein Touchscreen angeschlossen ist und dementsprechend Kacheln anbieten - ist ein normaler Monitor angeschlossen, würde der Desktop auf der Oberfläche erscheinen. So, und nur so, würde ein erfolgversprechender Hybrid funktionieren - der dann auch in Unternehmen zu mehr Akzeptanz führen könnte. Was man bisher aber erkannt hat: Windows 8 ist eine "unausgereifte" "Spielerei" "für zu Hause" oder "für ein paar wenige Arbeitsbereiche" wo eben diese Mehrgeräte-Fähigkeit in Frage kommt.
Optisch haben sich die Kacheln jedenfalls jetzt schon in die Netzhaut der Konsumenten gebrannt, genauso wie die dazu farblich passenden NOKIA-Geräte. Ja, für einen kurzen Modetrend könnte das vielleicht noch genügen.

Dominik am 31.10.12 13:33

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Montag, 29.10.2012

Der Weg des Sturms

Er gilt schon jetzt als historisch: Der Hurrikan "Sandy" ist vom Auge des Sturms bis zu seinen letzten Ausläufern mehr als 800 Kilometer groß. In der kommenden Nacht soll er auf die Küste der USA treffen. Webcams und interaktive Karten zeigen, welchen Weg "Sandy" nimmt und wie es vor Ort gerade aussieht. Hier finden Sie die interessantesten Links zum Thema.


Interaktive Karten

Google Crisis Map; Rechte: Google Die Google Crisis Map

Zu großen Naturereignissen bringt Google immer wieder Crisis Maps an den Start. WWW: Auf der Karte, die den Nordosten der USA zeigt, können Sie sich die aktuelle Position des Hurrikans, die Vorhersage für seinen weiteren Weg, das aktuelle Wetterradar und weitere Daten anzeigen lassen. Außerdem bietet Google WWW: eine zweite Karte mit Daten über Notfälle.

Ähnliche Daten bietet die New York Times auf WWW: zwei WWW: Karten an.


Webcams

Webcam der New York Times; Rechte: New York Times Bild vom 51. Stock

So lange "Sandy" nicht den Strom ausfallen lässt oder Internet-Verbindungen kappt, sind Webcams das direkte Auge in den Sturm. Die New York Times bietet WWW: einen der besten Blicke direkt aus ihren Büros im 51. Stockwerk.

Das Technikmagazin Mashable hat außerdem WWW: eine Reihe weiterer Webcams aus New York City und Umgebung zusammengetragen, die einen direkten Eindruck vermitteln.


Weitere Links

Berichterstattung des Weather Channels; Rechte: The Weather Channel Der amerikanische Wetter-Kanal

Der Weather Channel begleitet "Sandy" rund um die Uhr. Er ist auch von Deutschland aus WWW: per Livestream erreichbar. Polizei und Feuerwehr in New York bieten außerdem WWW: einen eigenen Audiostream an, über den die Notrufe der Stadt zu hören sind.

Welche Ausmaße "Sandy" mittlerweile erreicht hat, macht WWW: eine interaktive Grafik des Wall Street Journals klar - dort können Sie den Hurrikan direkt mit seinem "Vorgänger" "Irene" aus dem vergangenen Jahr vergleichen.

Die nationale Katastrophenbehörde der USA liefert außerdem WWW: aktuelle Informationen über Twitter und empfiehlt dort auch weitere Nutzer, die zum Beispiel live aus New York twittern. Die meisten Nutzer twittern WWW: unter dem Hashtag #sandy Informationen, Fotos, Videos und Links zum Hurrikan.

Schaut nach Afghanistan, welch ein Sturm wurde dort entfacht und wer half den Einheimischen und den Reuter Reportern beim Massaker gegen sie. So kehren die Naturgewalten nun an den Ort des Bösen zurück, die Wege des Herrn sind wohl berechnend, meine ich. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, meine ich auch.

heinzb aus nrw am 29.10.12 20:16

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