Freitag, 07.09.2012
9 Handys, 1 Phone
Oben steht groß: "Freuen Sie sich!" Dem kurzen Anschreiben liegt ein schwarzes Kärtchen bei. Im Text heißt es dazu: "Dank dieses Tickets müssen Sie bei der Markteinführung des neuen Smartphones, für das Sie sich bei uns interessiert haben, nicht nachfragen und sich nicht in die Schlange wartender Kunden einreihen." Ich habe diese Post von der Telekom nicht erhalten. Nur wer im Laden nach einem "Premieren-Ticket" gefragt hat, erhielt es auch. Es geht um die Premiere des mutmaßlichen iPhone 5 und ich habe nicht im Laden danach gefragt - mich nervt der ganze Trubel.
Inzwischen überlege ich aber, ob ich einen Fehler gemacht habe. Zum Glück sind es nur noch fünf Tage bis zum 12. September, für den Apple seine Produktpräsentation in San Francisco angekündigt hat. Am Morgen des 13. September (deutscher Zeit) werden dann auch endlich alle - die das wissen wollen - wissen, wie groß
es wirklich ist. "Es". Früher, als wir alle noch Handys hatten und wollten, war es einfacher. Man wusste ganz andere Qualitäten zu schätzen.
"Mir ist das vorherige Modell mal aus dem zweiten Stock gefallen - nichts passiert", sagte der Mann im Anzug. Was den Smartphone-Freund heute zusammenzucken lässt, löste beim werdenden Handybesitzer Verzückung aus: diese robuste Qualität aus Finnland, toll. Und das
Nokia 3210 hatte noch dazu ein größeres Display als der unkaputtbare Vorgänger, man konnte beim SMS-Tippen mindestens eine weitere Textzeile sehen und bunte "Xpress-on"-Wechselabdeckungen dazu kaufen. Der Handyverkäufer hatte mich im Jahr 1999 jedenfalls direkt im Sack, mit mir Abertausende anderer dieser ersten Generation der Freizeitmobiltelefonierer in Deutschland. In Finnland hatten zu dieser Zeit bereits Großmütter eigene Handys.
Das Nokia 6610 hatte ein Farbdisplay und ein Radio. Im Spätsommer 2003 war es mir anfangs genug, es einfach anzusehen. Im Herbst 2004 fuhr ein Auto darüber. Das kaufentscheidende Kriterium war danach "aufklappbar", und weil es schnell gehen musste, wurde es das kompakte Motorola V220, das es gerade beim Discounter gab. Es wog 80 Gramm, das vier Zentimeter große Display unterstützte 65.000 Farben. 2005 beschäftigte ich mich erstmals mit Daten wie der Sendeleistung und dem
SAR-Wert, der darüber Auskunft gibt. Die
Tabelle mit den "SAR-Werten der marktüblichen Handys" des Bundesamtes für Strahlenschutz legte ich mir in meinem Browser als Lesezeichen an.
Aus fast jeder Handy-Familie eines: SGH-D500, Motorazr2, Nokia 6700, iPhone4 (v.l.), oben das BenQ-Siemens EF81
Das Samsung SGH-D500 hatte einen SAR-Wert von 0,31 W/kg ("sehr gering" wäre das, hieß es), es hatte Bluetooth und war ein Triband. Lange blieb es ein treues Ausweichhandy, wenn ein neueres Modell den Geist aufgab. 2005 war es auch, als ich in dem kleinen Handy-Designhandbuch "Hero Handy. Die beste Erfindung der Welt" von Henrietta Thompson davon las, dass "weltbewegende, revolutionäre Innovationen im großen Stil noch immer die Ausnahme" wären. Zwei Zeilen später beschäftigt sich die Autorin mit "Apple iPhone"-Gerüchten. Sie und ich dachten damals nicht viel länger darüber nach.
Das BenQ-Siemens EF81 wirkte hochwertig. Weil ich es bei niemandem gesehen hatte, wählte ich es aus. Beim Bedienen des kantigen, schwergängigen Modells, teilweise aus gebürstetem Edelstahl, lernte ich mehr über die Gründe seiner schwachen Verbreitung. Da tröstete auch nicht die 2-Megapixel-Kamera. Das Motorazr2 ging beide Male von allein kaputt und das Nokia 6700 wurde mir einmal geklaut. 2010 bestellte ich trotz der kolportierten schlechten Sendeleistung dann ein iPhone4 und hatte damit nicht länger ein Handy.
"Handy" - das klingt heute wie von gestern. In Finnland hat man inzwischen ja auch
eigene Smartphones. (Lange genug gedauert hat es ja.)
Mein iPhone4 ist mir übrigens auch einmal aus etwa 1,50 Meter Höhe auf den Asphalt gefallen. Nur das Display aus Aluminium-Silikat Glas war kaputt. Die Expressreparatur kostete fast 180 Euro. Wenn man das den richtigen Leuten erzählt, erntet man schmerzverzerrte Gesichter - schon bevor man beim Wort "Euro" angelangt ist.
Geht ja noch, mir ist vor ein paar Tagen das Samsung Galaxy SIII vom Sofa (30-40 cm) rungerfallen, das Glas war hin (Obwohl es Gorilla Glas II hat). Reperatur kostete 240 Euro :-( Die Glasfläche ist einfach zu gross und erzeugt zuviel Spannung. Ich bin aber trotzdem mit dem Handy oder Smartphone sehr zufrieden.
Umso grösser die Smartphones werden umso anfälliger werden sie auch was äussere Auswirkungen angeht.
Grade in der Elektroniksparte zeigt sich aber auch sehr schön was eine gute PR ausmacht.
Jetzt warten alle aufs Iphone 5 oder werden zumindest interessiert sein was es neues hat und Ende September warten dann alle auf den nächsten Blockbuster.
Markus am 7.09.12 11:37
Interessant dass der name 'Handy' auszusterben scheint, habe davon bis jetzt nur wenig mitbekommen - in meinem Bekanntenkreis ist auch das iphone durchaus weiterhin ein 'Handy'. Die Tatsache dass die alten Handys robuster waren hat sich aber mittlerweile auch in diversen Spass-Internetseiten herumgesprochen, es gibt zahlreiche Karikaturen dazu, welche zeigen sollen, wie 'unkaputtbar' insbesondere alte Nokia-Modelle sind.
Chris26 am 8.09.12 4:11
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