Montag, 03.09.2012

Erb langsam - Willis gegen Apple

+ + + Update, 04.09.2012 + + +
Offenbar ist die Geschichte um und mit Bruce Willis eine WWW: Ente. Das kommt immer wieder vor: Eine Geschichte macht die Runde, klingt plausibel, alle stürzen sich drauf - wir auch. Und obwohl ich natürlich mehrfach bei meinem Kumpel Bruce angerufen habe, wollte der nicht rangehen... Mittlerweile hat jedenfalls Willis aktuelle Ehefrau WWW: Emma Hemming-Willis die Geschichte auf Twitter als unwahr eingestuft. Das muss nicht bedeuten, dass das wiederum stimmt. Wie auch immer: Der Kern der Geschichte, eben, dass man in der Cloud gespeicherte Musik nicht vererben/weitergeben kann, der bleibt - auch interessant und diskussionswürdig.

+ + +

Normalerweise hat man keine guten Karten, wenn man sich mit Bruce Willis anlegt - zumindest in seinen Filmen nicht. Da scheint er dickköpfig und unverwundbar, nicht klein zu kriegen, jemand, der alles überlebt und übersteht. Aber ob das auch im echten Leben so ist? Vor allem, wenn man sich mit dem wertvollsten Unternehmen aller Zeiten anlegt, sprich mit Apple?

Es ist so: Bruce Willis liegt im Clinch mit Apple. Warum? Weil der 57-Jährige sich offensichtlich Gedanken um die Zeit nach seiner Zeit macht. Wenn er mal nicht mehr ist, wer weiß, dann sollen seine Kinder seine üppig bestücke Musik-Bibliothek erben. Die hat Willis - absolut modern und löblich - nicht etwa fein säuberlich in CD-Regale eingeräumt. Nein, der "Stirb-langsam"-Star nutzt eine digitale Musikbibliothek - bei Apple iTunes.

willis_512x288.jpg

Die scheint umfangreich genug, dass es sich lohnt, sie ausdrücklich zu vermachen - an seine drei Töchter Rumer, Scout und Tallulah. Doch Apples Nutzungsbedingungen, die ohnehin Blog: oft viel zu lang, zu unverständlich und zu oft zuungunsten der User formuliert sind, sehen das offensichtlich nicht vor. Wenn ein User verstirbt, verschwindet alles im digitalen Orkus. Die digitalen Inhalte lösen sich gewissermaßen in Luft auf, niemand hat mehr etwas davon. So wollen es die "Terms and Conditions", die Nutzungsbedingungen.

Dieser Gedanke gefällt Bruce Willis gar nicht. Er bringt deshalb seine Anwälte in Stellung, um das zu klären. (Unterhaltsamer wäre natürlich, er würde Apples Konzernzentrale in Cupertino stürmen und faustdicke Argumente sprechen lassen - aber eine solche Dramaturgie bleibt besser Hollywood vorbehalten.) Willis will sich das nicht gefallen lassen, und ich muss sagen: Ich habe große Sympathie für diesen Gedanken.

Ich muss gestehen, dass ich mir über diese Frage noch keine Gedanken gemacht habe - bisher. Aber der Punkt ist absolut nachvollziehbar: Wieso soll man Musik - oder von mir aus auch Filme - vererben dürfen, wenn sie auf CD, DVD, USB-Stick oder worauf auch immer gespeichert sind, aber wenn man die digitalen Inhalte mit der Zeit gehend in der Cloud speichert, dann soll das nicht möglich sein? Indiskutabel - da hat Bruce Willis völlig Recht.

apple_tos_512.png

Der Hollywood-Star hat sich jedenfalls einen Trick ausgedacht (oder ausdenken lassen): Willis will offensichtlich einen Treuhandfond mit all seinen Downloads einrichten. Auf diese Weise sollen die strikt formulierten Geschäftsbedingungen umgangen werden. Sollte der Trick nicht funktionieren, dann scheut der Action-Held auch vor einer Klage gegen Apple nicht zurück. Das allerdings hat dann schon wieder was von "Die Hard", denn wie wir alle wissen, liebt Apples es, vor Gericht zu ziehen - auch wenn es Blog: uns längst nervt.

Lieber Herr Schieb, schon mal drüber nachgedacht, dass dieses "absolut moderne und löbliche" Abspeichern in der Cloud der eigentliche, rechtliche Fallstrick ist? Die AGB sind da weder wirr noch unverständlich, denn sie spiegeln auch hierzulande nur deutsches Recht wider. Apple gewährt dem Account-Inhaber den - schönes deutsches Wort - *Nießbrauch* an den auf Apples Servern gespeicherten Inhalten und dieser Nießbrauch ist nun mal nicht vererbbar.

Klaus Lohmann am 3.09.12 21:57

Zitat:
"Mittlerweile hat sich die ganze Geschichte aber allem Anschein nach als “Ente” herausgestellt: Willis’ Ehefrau Emma Heming-Willis ließ über Twitter verlauten, dass die Berichte nicht der Wahrheit entsprechen.

Bitte aktualisieren.

Johannes am 4.09.12 15:28

Äußerst bedenklich wenn nicht sogar skandalös ist die Tatsache, dass die Aktuelle Stunde am Abend des 4. 9. einen ironischen Beitrag über diesen "Fall" garniert mit Stirb Langsam-Ausschnitten sendete, obwohl zu diesem Zeitpunkt (siehe www.bildblog.de) längst enthüllt worden war, dass es eine Ente ist. Entweder hat man das beim wdr verpennt, oder man hat sich gesagt: "Jetzt haben wir schon diesen schönen Film gemacht, dann senden wir ihn auch!"

H.-G. Rasner am 5.09.12 6:10

H.-G. Rasner, vielen Dank für die Kritik. Am Ende des Beitrags der Aktuellen Stunde wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Geschichte eine Ente ist. Im Sprechertext heißt es: "Dass Bruce Willis allerdings selbst gerichtlich gegen Apple vorgeht, dementiert seine Frau derzeit via Twitter."

WDR.de am 5.09.12 10:14

Das erinnert mich an Harry Potter VII, wo Bill Weasley Harry erklärt, dass die Kobolde einen ihnen abgekauften Gegenstand als für die Lebzeit des Käufers vermietet ansehen. Das Vererben dieses Gegenstandes unter Zauberern ohne nochmalige Bezahlung ist Ihrer Meinung nach Diebstahl. Da hat Miss Rowling wohl schon ganz klare Vorstellungen gehabt, wer hier die Kobolde sind, oder?

dobby.s am 6.09.12 2:54

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Erb langsam - Willis gegen Apple

Zum Anfang dieses Eintrags

September 2012

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/archives/2012/09/03/