Mittwoch, 29.08.2012
Ist medium.com das Ding nach Twitter?
Für alle, die nicht tagtäglich bloggen, twittern, facebooken, skypen und was sonst noch alles, sind Blogs, Tweets, Posts und Chats doch irgendwie dasselbe. Alle reden mit allen - online. So ungefähr jedenfalls. Das mag auf den ersten Blick auch tatsächlich so sein, aber natürlich gibt es Unterschiede im Detail. Und auf eben diese kleinen Unterschiede kommt es im Alltag an: Jeder findet für sich heraus, welche Onlineplattform für ihn/sie die richtige ist, um sich mitzuteilen und auszutauschen.
Obwohl die Auswahl also schon vergleichsweise groß ist, gibt es immer wieder den Versuch, eine weitere Form der Kommunikation einzuführen, einen neuen Onlinedienst populär zu machen. Manche binden nur verschiedene Dienste und Inhalte zusammen wie
tumblr oder erlauben einen anderen Blick auf die Dinge wie der Bilderdienst
Pinterest. Andere versuchen tatsächlich einen neuen Weg zu beschreiten.
Gerade macht ein neuer Dienst von sich Reden, der von den Twitter-Gründern Ev Williams und Biz Stone aus der Taufe gehoben wurde:
medium.com. Wenn ich medium.com in einem Satz erklären müsste, würde ich sagen: Dahinter verbirgt sich eine Art Twitter mit Bildern, bei dem allerdings die Bilder eindeutig im Vordergrund stehen. Die Bilder sind der Kern der Botschaft, der Veröffentlichung - der Rest ist Beiwerk.
Wer medium.com aufruft (die Anmeldung erfolgt über den Twitter-Account), bekommt auch gleich ein Foto präsentiert und soll mitten auf der Seite einen Text eingeben. Genau das ist das Konzept: Die Fotos stehen im Vordergrund, die Kommentare gibt's zusätzlich. Jeder kann selbst entscheiden, was alle sehen dürfen - und was nur bestimmte Personen, Freunde etwa, die einem auf medium.com folgen (ganz nach dem Twitter-Prinzip).
Jedenfalls wird jede Veröffentlichung automatisch in "Collections" eingeteilt, in Sammlungen: Die schönsten Landschaftsaufnahmen, Aufnahmen von City-Skylines, Urlaubsfotos, Bilder von San Francisco oder Berlin. Jeder User kann eine Collection starten und einrichten.
Anders als bei Twitter oder Facebook gibt es keine Timeline, nicht die Veröffentlichungen einer Person stehen im Vordergrund, sondern die zu einem Thema oder Stichwort - so zumindest die
Idee der Gründer. medium.com legt viel Wert auf Design, das geben die Macher unumwunden zu. Ich frage mich allerdings, wie das alles auf einem Smartphone eine gute Figur machen soll, schließlich ist der Platz im Display begrenzt - aber wir werden es sicher früher oder später sehen.
Derzeit ist medium.com im geschlossenen Betastadium. Mitmachen können nur ausgewählte User. Immerhin kann man seine E-Mail-Adresse hinterlassen - und abwarten, ob man eine Einladung erhält. Allerdings gibt es bereits einige öffentlich zugängliche Übersichtsseiten (Collections), da kann man schon mal sehen, was sich die Macher von medium.com gedacht haben, etwa
Been There. Loved That. Fotos von Orten, die User besucht haben - und mögen. Oder
When I was a Kid mit Fotos aus Kindertagen.
Was auffällt: Die Macher verwenden nie den Begriff "Blog", auch nicht "Microblog". Sie sprechen ausschließlich von "Veröffentlichen" (Publishing). Die Gründer wollen wohl eine eindeutige Trennlinie ziehen, nicht in einen Topf geworfen werden mit anderen Blogdiensten - davon gibt es einfach zu viele. In der Tat ist medium.com relativ nah an tumblr dran, zumindest optisch. Auch bei tumblr sind thematisch geordnete Übersichten möglich, mit Inhalten aus unterschiedlichen Quellen. Doch während tumblr Inhalte aus anderen Quellen zusammenbindet, ist medium.com eine eigene neue Quelle.
Ein reiner Foto-Publishing-Dienst ist medium.com trotzdem nicht. Es gibt auch Collections, die ohne Fotos auskommen, wie
This Happened to me, eine Collection mit kurzen Geschichten, ohne Fotos, die offen ist - was bedeutet: Jeder registrierte Benutzer kann die Collection ergänzen. Nicht die jüngsten Beiträge erscheinen zuoberst in einer Collection, sondern die am besten bewerteten. Das zumindest ist ein klarer Unterschied zu Twitter.
Der Ansatz von medium.com ist interessant. medium.com wirkt etwas weniger hektisch als Twitter, aufgeräumter als Facebook und fast schon ein bisschen beruhigend. Entscheidend ist jetzt, was die User daraus machen, wenn medium.com seine virtuellen Pforten erst mal für die Allgemeinheit öffnet.
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