Mittwoch, 15.08.2012

Gamescom: Retro-Sound beruhigt alte Ohren

Was macht man als Ü40er WDR: auf der Gamescom, der größten Computerspielmesse der Welt? Man stürzt sich mit Neugierde, aber altersgemäßer Zurückhaltung ins Getümmel. Allerdings stellt man schon nach einem Schnupper-Rundgang durch die Hallen fest: Selbst an diesem ersten Tag, der eigentlich nur Fachbesuchern und Journalisten vorbehalten ist, ist es unglaublich voll. Besucher auf der Gamescom im Gespräch; Rechte:WDR/Domke + Vor den Präsentationsbereichen für WDR: Bestseller-Spiele wie "Call of Duty", „Sim City", „Battlefield 3" oder „World of Warcraft" bilden sich schon kurz nach Messeeröffnung so lange Schlangen, dass es 45 Minuten und länger dauert, bis man für wenige Minuten selbst spielen kann. Morgen, hat mir der Gamescom-erfahrenere Blog: Digitalien-Blogger David Ohrndorf erzählt, werden „normale" Besucher sogar mehrere Stunden geduldig warten, um einen Blick auf die neuste Version ihres Lieblingsspiels werfen zu können. Das ist nicht meine Welt.

Und natürlich würde sich für den, der sucht, auf dieser Messe auch genügend Stoff zur Bestätigung aller Vorurteile über die Gamer-Szene finden. Doch daran will ich mich nicht festbeißen. Ich will keinen Shitstorm und auch auf Ärzte-, Handwerker- oder Hochzeitsmessen laufen Klischees bis zum Abwinken herum. Was allerdings wirklich nervt und doch hoffentlich nicht nur am Alter liegen kann: In den meisten Hallen herrscht eine unglaubliche Kakophonie, weil viele Standbetreiber in einem ganz und gar nicht virtuellen Battle zu kämpfen scheinen: „Wer hat den größten Lautsprecherturm" bzw. „Wessen Bass wummert am stärksten"?
In Halle 10, ganz hinten links hingegen, herrscht im Vergleich dazu fast himmlische Ruhe. Hier befindet sich alles zum Thema „WWW: Retro-Gaming" - ein Museum für Nerds. 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit allem, was das Computer-Zocker-Herz vor 20, 30 Jahren höher schlagen ließ.
C64 mit Joystick und Donkey Kong-Spiel (Rechte: WDR/Domke) + Das Tolle daran: Klassiker wie der „Brotkasten", ( so wurde der Heimcomputer C 64 von Commodore genannt), der Amiga 500 oder Schneider- und Apple-Rechner der ersten Generationen können nicht nur in Vitrinen bestaunt werden. Fast alle der damals gängigen Systeme stehen zum Ausprobieren zur Verfügung. Und die Geräusche sind Balsam für die Ohren der in den 1970er-Jahren Geborenen: Die magere Rechenleistung damaliger Computer sorgte statt massiver Bässe nur für wenig mehr als ein "pling plong pling" im reduzierten WWW: Midi-sound. Herrlich. Und ein Test zeigt: Bei WWW: Donkey Kong bin ich noch genau so schlecht wie damals.

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