Samstag, 25.08.2012

Der ewige Zwist zwischen Apple und Samsung nervt

Ist man ein harmoniesüchtiger Mensch, wenn man den ewigen Zwist zwischen Apple und Samsung nicht mehr ertragen kann? Ich denke nein. Man muss wohl schon Patentanwalt sein, um den gefühlt 1.000 Prozessen, die Apple und Samsung derzeit weltweit vor Gerichten ausfechten, etwas abgewinnen zu können. Keine Frage: Es sind gerade goldene Zeiten für Patentanwälte. Die verdienen königlich. Doch wer zahlt die Zeche am Ende? Richtig: wir Konsumenten.

Keine Woche, in der sich Apple und Samsung nicht in die Haare kriegen. Jetzt hat ein Bundesgericht im kalifornischen San Jose im Patentstreit zwischen Apple und Samsung ein wichtiges Urteil gefällt. Nach Ansicht des Gerichts hat Samsung einige Apple-Patente verletzt und muss nun 1,05 Milliarden US-Dollar (rund 838 Millionen Euro) ARD: Schadenersatz an Apple zahlen, weil Samsung bei seinen Smartphones und Tablets angeblich die geschützten Designmuster von Apple verletzt habe. Auch der Home-Bildschirm mit den App-Icons sei mehr oder weniger kopiert worden, meinten die Geschworenen. Gefordert hatte Apple 2,75 Milliarden Dollar. Zwar hatte Samsung umgekehrt auch Patentvorwürfe gegen Apple erhoben, die wurden allerdings allesamt von den Geschworenen verworfen.

samsung_apple.jpg

Eine erhebliche Niederlage für Samsung. Kein Wunder, dass die Südkoreaner in Berufung gehen wollen. Als Verbraucher sollte man hier nicht gleichgültig mit den Schultern zucken. Denn neben der Tatsache, dass dieses ewige Gezanke eine Menge Geld kostet, haben solche gerichtlichen Entscheidungen natürlich auch Konsequenzen am Markt. Da werden Geräte nicht oder erst verspätet in den Handel gegeben, die Auswahl wird kleiner - und dadurch steigen selbstverständlich die Preise. Denn nur Konkurrenz belebt das Geschäft. Tatsächlich hat Apple gleich nach dem Urteil angekündigt, in den USA den Verkaufsstopp diverser Samsung-Geräte zu beantragen.

Doch nicht nur Samsung ist betroffen, auch Google dürfte das Urteil nicht freuen, schließlich baut und verkauft Samsung Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystem. Je weniger davon verkauft werden, desto geringer sind die Marktanteile von Android - und um so weniger Google-Dienste werden genutzt. Die Folge: weniger Umsatz., etwa mit Werbung.

Anfang der Woche hatte auch ein Gericht im südkoreanischen Seoul zu ganz ähnlichen Fragen zu entscheiden wie jetzt das Gericht in San José. Anders als in Kalifornien wurden in Kalifornien aber Apple und Samsung verdonnert, sich WWW: gegenseitig Lizenzen zu zahlen, weil offensichtlich Patente verletzt wurden. Ein salomonisches Urteil - und eins, das wohl eher mit der Realität zu tun hat. Denn eins dürfte klar sein: In der IT-Welt geht es nur so schnell vorwärts, weil gute Ideen sich durchsetzen.

Was hätten wir davon, wenn nur Rank Xerox Computermäuse herstellen dürfte, weil Rank Xerox die erste Maus gebaut hat? Was hätten wir davon, wenn nur Amazon seine Kunden informieren dürfte: "Dafür interessieren sich andere Kunden, die dieses Produkt gekauft haben", weil Amazon zuerst auf diese Idee gekommen ist? Wo wären wir, wenn nur Tim Berners-Lee Webseiten ins Netz stellen dürfte, weil er das World Wide Web erfunden hat? Nur Microsoft Textverarbeitungen verkaufen dürfte, weil die mit Word das erste kommerzielle Textprogramm geschaffen haben?

Es ist geradezu albern, jede Trivialität patentieren zu können - selbst Ideen und Konzepte. Das ist in den USA besonders schlimm. Es führt zu unnötigen und letztlich auch kontraproduktiven Rechtsstreitigkeiten. Man kann ja nicht behaupten, dass Apple gefährdet wäre, wenn jemand gute Ideen von Apple weiter entwickelt. Apple ist das wertvollste Unternehmen aller Zeiten und profitiert davon, wenn der Markt insgesamt wächst und sich entwickelt. Nur darauf zu achten, ob jemand einen Home-Bildschirm übernimmt, das ist etwas zu kurz gedacht.

Apple wäre gut beraten, mehr Energie in Innovationen zu stecken als in juristische Auseinandersetzungen. Gute Ideen zu haben ist jedenfalls definitiv sympathischer, als vor irgendeinem Gericht Recht zu bekommen. Denn wie jeder weiß: Recht haben und Recht bekommen, das ist nicht dasselbe.

Es ist schon blöd, dass Samsung Lieferant und gleichzeitig 'Mitbewerber' ist.

Aber vielleicht sollten die Autohersteller sich über die Anordnung der Fußpedale
und den Sitz des Lenkrades im Auto mal in Urheberrechtsstreitigkeiten austoben. Wer Streit sucht, wird ihn finden!

Schwadralla am 25.08.12 22:56

Wieso mischen die Macher des Star Trek -Serienuniversums nicht bei diesen Patentstreitigkeiten mit? Dort wurden doch zu allererst Handys, Notebooks und Tablets gezeigt!

Thomas am 26.08.12 2:04

Die Kunden koennen sich ja wehren-einfach den Appleschrott im Regal stehen lassen. ;)
Auffallig auch hier wieder das nicht zwischen Patenten und Gebrauchsmuster unterschieden wird.
Es ging hier nur teilweise um Patente und Samsung hatte gute Argumente gegen die angemeldeten Gebrauchsmuster von Appel-nur machten sie leider einen technischen Fehler bei der Einreichung bei Gericht.In der naechsten Instanz koennte das daher anders ausgehen.Btw. die Startrekmacher haben leider nie Gebrauchsmusterschutz fuer ihre Ideen eingereicht-der aber heatte auch nichts genutzt,da sie nie ihre "Erfindungen"auf den realen Markt gebracht haben.Somit waehren die Gebrauchsmuster auch laengts verfallen.Rank Xerox-da ist seitens microsoft und apple wesentlich mehr"geklaut"worden als nur die "Maus"-u.a. das komplette Design der gui.

Abhilfe am 26.08.12 7:38

Darueber kann Samsung doch nur lachen:21mrd$ in der Kasse an cash,1mrd punishment=1.5% des Umsatzes der tcom Sparte!"Verkaufsverbot fuer einige Produkte"-die eigendlich alle schon nicht mehr auf dem Markt sind-da Samsung extrem schnell darin ist angepasste\geanderte Produkte auf dem Markt zu bringen.Markfuehrer in Asien-dem wichtigstem Zukunftsmarkt der Sparte.Zudem duerfte dies auch nicht das Ende der prozessiererei sein.Problematisch ist dies eher fuer andere Mitbewerber die nun auch von appel verklagt werden koennten-denn Samsung koennte die 10$ die dies Urteil(lt. Berechnungen von Fachleuten)ein android phone verteuern koennte verkraften.Andere Hersteller eher nicht.

SumSum am 26.08.12 9:28

"Nur Microsoft Textverarbeitungen verkaufen dürfte, weil die mit Word das erste kommerzielle Textprogramm geschaffen haben?"

MS Word mag mittlerweile ja das am weitesten verbreitete Textverarbeitungsprogramm sein, das erste war es mit Sicherheit nicht. Wordstar, dessen Tastenkombinationen bis heute verwendet werden, sollte zumindest Redakteuren bekannt sein. Und MS Word ist auch nicht das beste Textprgramm - schade daß es durch solche Schludrigkeiten aufgewertet wird.

386sx am 26.08.12 15:09

Smartphones und Tablets besitzen alle das Design der alten Schiefertafel, die die älteren von uns noch in der Schule benutzt haben.
Viereck mit abgerundeten Ecken.
Die Streitlust von Apple bestärkt mich jedenfalls darin, dass ich mir nie einen angebissenen Apfel zulegen werde!!!
Ich kann den Sch.... nicht mehr hören.
Vielleicht besitzt Apple ja auch ein Patent für das Benutzen von Tasten??!!

Franz Hoffmann am 26.08.12 17:55

Irgendwie nervt mich am meisten, dass hier jeder eine feste Meinung und kaum jemand Ahnung hat. Bei den Design-Patenten z.B. geht es gar nicht um runde Ecken, sondern um eine sehr spezifische Gestaltung eines Produkts mit Dutzenden von exakten Einzelheiten. Das ist so ähnlich wie bei der Coca Cola Flasche, die genauso geschützt ist, ohne dass jemand Coca Cola vorwirft, die runde Glasflasche patentiert zu haben. Jeder darf Erfrischungsgetränke in Flaschen verkaufen. Bloß, wenn die Flasche der Coca Cola Flasche verdächtig ähnlich sieht, wird Coca Cola (mit Recht) dagegen vorgehen. Das ist bei Smartphones und Tablets auch nicht anders. Jeder kann ein sehr spezifisches Produktdesign als Geschmacksmuster schützen lassen.

Dass Apple hier der erste Hersteller war, der ein gutes Design für schützenswert genug hielt, um sich hier diese Mühe zu machen, spricht nicht gegen Apple, sondern für die Doofheit der anderen. Coca Cola wirft auch niemand die ikonische und geschützte Flaschenform vor.w

joh am 26.08.12 18:57

Apple, die Copycat der IT-Industrie. Dann aber hinterher gegen andere Klagen, naja wundern kann bei so einem US-Patentsystem auch nichts mehr,

Tom am 26.08.12 20:48

Mich stört nicht nur das Patent-Gezänk, sondern auch die aggressive Kundenbindung. Tablets und E-Book-Reader werden an bestimmte App-Stores oder Book-Stores gebunden. Die wichtigen Schnittstellen (USB, Card-Reader) werden weniger. Daten soll man in der Cloud ablegen. Ich wünsche mir ein wirklich freies Tablet!

Eine Alternative: Die teuren Windows-7-Tablets, auf denen Windows-taugliche Programme laufen können. Aber Windows 7 ist eigentlich nicht für Tablets gemacht. Die Anwenderprogramme auch nicht. Und Windows (7 oder 8) als "frei" anzusehen, na ja ...

Da sollte doch etwas ganz Tolles kommen: Das Linux-Tablet! "Spark" hieß es zunächst. Später wurde es in "Vivaldi" umbenannt. Was wurde daraus? Im Internet findet man nur alte Vorankündigungen vom Frühjahr, das Gerät käme demnächst auf den Markt.

Bertram in Mainz am 27.08.12 14:05

Herr Schieb schreibt: "Apple wäre gut beraten, mehr Energie in Innovationen zu stecken als in juristische Auseinandersetzungen."
Soso. Soll Apple tatenlos mit ansehen wie andere Firmen teure Entwicklungen in fremden Produkten vermarkten und damit Geld verdienen ? Samsung wollte weder Lizenzen bezahlen noch die Kopien einstellen. Selbst Google hat die Firma Samsung 2010 auf die Probleme hingewiesen.
Samsung hat hier dreist und mit voller Absicht Produkte kopiert, das darf man doch nicht einfach hinnehmen.
Sehr enttäuscht bin ich über die mangelnde Kompetenz von Herrn Schieb in dieser Angelegenheit, offensichtlich hat er weder das Urteil noch die Berichterstattung über Details der Verhandlung verfolgt. Das kann man doch von einem Fachjournalisten erwarten, oder ?

Klatuu am 28.08.12 13:42

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