Montag, 13.08.2012

"Dann tragen sie die Krone kahl" - Update der Google Translate-App im Praxistest

Google hat am Freitag ein Update seiner WWW: Android-Translate App veröffentlicht, die (nicht nur) das Urlauber-Leben vereinfachen soll. Das Übersetzungs-Tool für alle Android-Smartphones (ab Version 2.3) erkennt nun auch in Fotos enthaltenen Text und übersetzt ihn. Ob kyrillische Plakatwand oder Speisekarte in japanischer Schrift - in Zukunft sollen Nutzer mit dem Handy fotografieren, um auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse in Sekundenschnelle Bescheid zu wissen. Vorerst, so hat Google mitgeteilt, steht diese Funktion in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch und Türkisch zur Verfügung.
Doch so einfach die Bedienung der App auch ist - der Praxisnutzen ist (noch) begrenzt, wie ich nach einigen Versuchen mit unterhaltsamem, teils aber auch gefährlichem Ergebnis feststellen musste. Drei Beispiele [durchgeführt mit einem Samsung Galaxy S3, Android-Version 4.04]:

1. Versuch:

"If you hit this sign, you will hit that bridge" warnt ein großes, über eine US-Straße gespanntes WWW: Transparent in gut lesbaren Großbuchstaben. Sinngemäß ins Deutsche übersetzt: Wenn Du mit Deinem Fahrzeug dieses Transparent berührst, wirst Du auch unter der folgenden Brücke nicht drunter durch passen.
Und was macht Google translate daraus, nachdem ich als Originalsprache "Englisch", als Zielsprache "Deutsch" ausgewählt und den Text im Bild mit Wischbewegungen markiert habe?
Screenshot der Google-Translate-App; Rechte: WDR/Domke
Für Urlauber mit großem Wohnmobil und schlechten Englischkenntnissen ist das keine echte Hilfe.

2. Versuch:

Plakat in einer Moskauer Schaufensterscheibe; Rechte: WDR/Domke +
Ohne kyrillisch-Kenntnisse ahnt man bei diesem Plakat lediglich, dass es um Zahnimplantate und glückliche, ältere Menschen geht. Also die App starten, Sprachen auswählen, abfotografieren und danach den Text markieren. Alles zusammen ist erneut in Sekunden erledigt. Doch wiederum ist das Ergebnis enttäuschend -offensichtlich hat die Texterkennungssoftware nur Bruchstücke der kyrillischen Schrift korrekt erkannt:
[...]"Mitarbeiter Ort der Wurzeln der Zähne ulalennih in nmllantagy goloAhm Wendungen und dann tragen sie die Krone kahl"[...] Was den alten Mann konkret glücklich macht, erfahre ich so nicht.

3. Versuch:
WWW: Eine mit Schreibmaschine getippte Notiz des früheren britischen Premierministers Winston Churchill. Zumindest die Texterkennung innerhalb des Fotos funktionierte in diesem Fall einwandfrei , die englischen Worte werden zu 99 Prozent korrekt identifiziert (schwarze Druckbuchstaben auf weißem Hintergrund sind auch der Idealfall für ein Texterkennungsprogramm). Screenshot der Google translate-App;Rechte: WDR/Domke + Doch auch hier hapert es letztendlich an einer vernünftigen Übersetzung: Mit "Es ist eine schreckliche Sache, einen Baum fällen, die das Leben hus in sie" verrät mir Google translate nicht wirklich, dass sich Churchill im Jahr 1954 als Baum-Freund outete.

Fazit(WWW: tl;dr):
Auch wenn die neue Texterkennungs-Funktion noch nicht richtig praxistauglich ist: Empfehlenswert ist die kostenlose "Google translate"-App dank ihrer anderen Features dennoch. Eingetippter Text wird seit diesem Update sogar "Instant" - also in Echtzeit - übersetzt. Ebenfalls empfehlenswert (und schon länger Bestandteil der App): Mit Hilfe des Smartphone-Mikros hilft die App beim Dialog mit Einheimischen. Um peinlichen Übersetzungsfehlern vorzubeugen, sollte man hierbei aber Vorsicht walten lassen. Nicht, dass Google Translate aus einem Baumschützer einen Schaum-Bützer macht.


Habt ihr schon Erfahrungen mit Google translate gemacht? Über Feedback in den Kommentaren würde ich mich freuen.

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Montag, 13.08.2012

Spam back!

"Auch, wenn dieser Brief Sie sicherlich überraschen wird, nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit. Ich bin Morgan Peterson und arbeite bei einem Finanzhaus in den Niederlanden. Meine Abteilung hat ein Konto mit 17.300.000 US-Dollar gefunden, das Herrn Williams aus England gehört. Er ist gestorben und hat keine Begünstigten hinterlassen. Ich habe mich entschlossen, Sie zu kontaktieren, um dieses Konto zu reaktivieren. Am Ende der Transaktion werden Ihnen 50 Prozent zustehen."

Ich habe nachgezählt: Allein am Wochenende habe ich vier dieser E-Mails erhalten. Es geht um stolze Summen. Aber dahinter stecken natürlich Betrüger. Sie versprechen viel Geld, aber wollen erst Gegenleistungen sehen, für Formulare, Gebühren, Anwaltskosten. Und am Ende passiert: nichts. Es tauchen immer neue Probleme auf, die sich natürlich nur durch noch mehr Vorschüsse beseitigen lassen. Dieser WWW: Vorschussbetrug, auf Englisch Scam, ist uralt. Aber noch immer fallen Leute drauf rein.

Eine Bekannte von mir bekam vor kurzem einen Au-pair-Job in den USA angeboten, angeblich fürstlich bezahlt mit 3.200 Dollar pro Monat, Hin- und Rückflug, Krankenversicherung, Kost und Logis obendrauf. Mit ihrer Auftraggeberin hat sie sogar geskypt - und rund 2.500 Euro für alle möglichen Dokumente, Sicherheitszeugnis, Visa und anderen Papierkram bezahlt. Nur den Au-pair-Job gab's bisher nicht, und das Geld ist weg.

Cormac Herley, der als Forscher bei Microsoft arbeitet, hat WWW: eine sehr mathematische Studie über Scam gemacht (siehe Abbildung) - und zwar aus Sicht der Betrüger. Deren Arbeit besteht aus zwei Schritten: Das Netz mit E-Mails zu überschwemmen, kostet dabei kaum Geld. Aber Leute zu generieren, die gutgläubig ihre echten Daten offenlegen - Name, Postadresse, Telefonnummer, Kontoinformationen - das macht Arbeit. Vorschussbetrug ist wie Angeln - am Ende steht die Frage: Welcher Fisch schnappt sich den Köder?

Scam-Studie von Microsoft

Wie könnten wir dieses System knacken? Das Bundeskriminalamt sagt: WWW: indem wir nie, nie, nie auf solche E-Mails antworten. Herley sieht das anders. Sein Vorschlag: Spam back! Angenommen, die Betrüger bekämen vor allem E-Mails von Leuten, die am Ende nichts zahlen - der Aufwand, aus allen Antworten die rauszufiltern, die sich als Opfer herausstellen, macht dann so viel Arbeit, dass sich die ganze Masche nicht mehr lohnt.

Es gibt sogar schon WWW: ganze Communitys mit "Scam Baitern", die nur zum Schein auf Forderungen der Betrüger eingehen - und die dazu bringen, auf ihre eigene Gier reinzufallen. Wer es besonders weit treibt, schafft es sogar, den Spieß komplett rumzudrehen und die Scammer dazu zu bringen, erst einmal selbst in Vorleistung zu treten.

Eine schöne Vorstellung wäre, das sogar zu automatisieren: Wie wäre es, wenn wir reihenweise Server einrichten, die solche Betrugsmails abfangen, automatisiert antworten und die Betrüger möglichst lange bei Laune halten? So haben wir am Ende eine Ecke im Netz, in der sich Betrüger, Spam- und Scam-Roboter und deren Gegner automatisiert unterhalten - und wir als Nutzer hätten endlich unsere Ruhe.

Hat dieser Blog den Drei-Stufen-Test durchlaufen?

Martin Helf am 13.08.12 18:37

Hallo Herr Helf,

der Rundfunkstaatsvertrag sieht für so kleine Änderungen unseres Webangebots wie die Einrichtung eines Blogs keinen erneuten Drei-Stufen-Test vor. Die genauen Bestimmungen können Sie hier in den Paragrafen 11 d und 11 f nachlesen:
http://www.wdr.de/unternehmen/senderprofil/pdf/gremien/rundfunkrat/12_RAEStV.pdf


Darin heißt es: "Ein verändertes Angebot liegt insbesondere vor, wenn die inhaltliche Gesamtausrichtung des Angebots oder die angestrebte Zielgruppe verändert wird."


Digitalien ist genau genommen noch nicht einmal um ein völlig neues Blog, sondern nur eine Überarbeitung. Das bisherige Blog von Jörg Schieb ist geschlossen worden. Er arbeitet jetzt mit im Team für Digitalien.

Mit freundlichem Gruß
Thomas Drescher

WDR Programmbereich Internet

WDR.de am 14.08.12 13:11

Das ist natürlich eine ganz prachtvolle Idee. Die Scammer oder Mugus oder wie auch immer sie genannt werden, können dann wenigstens zahlreiche bestätigte E-Mail-Adressen einsammeln, die beim Weiterverkauf wenigstens ein wenig Geld einbringen.

Wer sich wirklich auf den Tipp einlässt, darf die dabei verwendete E-Mail-Adresse anschließend getrost als verbrannt und unbrauchbar betrachten. Mal abgesehen davon, dass im Kontakt mit Scammern höchste Vorsicht geboten ist – die erwähnten Scambaiter weisen auf ihren Seiten immer wieder darauf hin.

BTW: "Forscher bei Microsoft" ... ich sag mal lieber nichts zu den inneren Widersprüchen, die allein diese Formulierung transportiert ...

Hans Altmeyer am 14.08.12 17:04

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Montag, 13.08.2012

Musikalische Spielereien mit Standardsoftware

Spaß mit einer Software für Tabellenkalkulation? - Das klingt verrückt, aber der MysteryGuitarman zeigt auf WWW: Youtube , wie es geht. Er hat ein Tabellenkalkulationsprogramm zum Mosaik umfunktioniert und darin einen Musiker per Stop-Motion-Trick zum Leben erweckt.
PRO-Tipp: Vollbild-Darstellung wählen und Qualität auf 1080p umschalten.

screenshot-Excel.jpg


In einem WWW: Making-Of-Video erklärt er, wie er vorgegangen ist. Zuerst hat er sich filmen lassen, das Video dann in einem Bearbeitungsprogramm in Einzelbilder zerlegt und die Figur dann in der Tabellenkalkulation "nachgezeichnet". In seiner Beschreibung sieht das sehr einfach aus. In den Kommentaren zum Video werden aber auch schon Zweifel geäußert, ob das wirklich so einfach war oder ob er nicht doch noch andere Programme verwendet hat. - Eigentlich (fast) egal, das Ergebnis sieht auf jeden Fall toll aus.

Ich glaube nicht, dass das echt ist.

Ulf Ulf am 14.08.12 8:49

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