Mittwoch, 23.07.2014

Wenn der Gazastreifen im Rheinland läge ...

Wer regelmäßig Bilder aus den weltweiten Kriegs- und Krisengebieten konsumiert, stumpft irgendwann ab. Oft fehlt mir außerdem auch die geografische Grundlage, um das Gesehene einordnen zu können. Wie groß ist z.B. dieser aktuelle "Krisenherd" im Nahen Osten? Und was heißt es eigentlich, wenn durch den Start einer Hamas-Rakete in 120 Kilometer Entfernung Leben bedroht wird? Und wie groß ist das Gebiet, in dem die Menschen derzeit unter dem Einmarsch der israelischen Armee leiden?


Kartenausschnitt Kartenausschnitt: Größenvergleich Gazastreifen/Köln/Bergisches Land


WWW: Die ebenso simple wie beeindruckende Web-App "If Gaza or Israel was in..." hilft mir Antworten auf diese Fragen zu finden: Indem ich interaktiv eine maßstabsgetreue Schablone des Gazastreifens über eine beliebige Vergleichsregion auf einer WWW: Openstreetmap-Karte ziehen kann. Nach demselben Prinzip bekomme ich auch ein realeres Gefühl für die Reichweite der Hamas-Raketen. Schrecklich und hilfreich zugleich.

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Dienstag, 22.07.2014

Neue Tracking-Technik Canvas Fingerprint

Was WWW: Cookies so können, hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen. Cookies können nützlich sein, etwa damit wir uns im Onlineshop einen Warenkorb zusammenstellen können. Sie können aber vor allem auch der Werbeindustrie helfen, uns besser kennenzulernen. Die wissen dann, auf welchen Webseiten wir so waren und wie lange wir uns dort aufgehalten haben.

Immerhin lassen sich Cookies recht gut in den Griff bekommen: Wer mag, kann im Browser oder mit geeigneten Schutzprogrammen einzelne Cookies löschen oder Webseiten sogar verbieten, Cookies zu speichern. Die Cookies werden dann einfach blockiert. Eine wirksame Methode für den User, nicht so schön für all jene, die uns gerne im Netz beobachten.

fingerprints.png
Fingerabdrücke: Auch im Web spielen sie eine große Rolle


Minibilder ersetzen Cookies
Doch die Industrie denkt sich immer neue Methoden aus, wie man dem User auf die Pelle rücken kann, ohne die Möglichkeit, die Beobachtung zu unterbinden. Eine Methode ist Blog: Browser Fingerprinting. Da jeder PC anders aussieht, mit anderer Ausstattung, anderer Software, anderen Geräten liefert jeder Browser eine Art unverwechselbaren Fingerabdruck. Auf diese Weise lassen sich Rechner und damit User unterscheiden, ohne dass der davon etwas mitbekommt. Doch auch diese Methode ist bereits wieder überholt. Die neueste Methode zum User Tracking nennt sich Canvas Fingerprinting und hat es wirklich in sich.

Beim Canvas Fingerprinting wird HTML5 genutzt. Der Browser wird aufgefordert, eine kleine Grafik zu zeichnen, "Canvas" genannt. Beim Zeichnen werden verschiedene Fähigkeiten genutzt, etwa werden Texte in die Grafik "gezeichnet". Das macht jeder Rechner anders, je nachdem, unter welchem Betriebssystem der Browser läuft, welche Fonts installiert sind, welche Bildschirmauflösung zum Einsatz kommt und welchen Browser man verwendet. In Wahrheit fließen noch viel mehr Parameter ein. Am Ende entsteht dann eine kleine Grafik - und die muss nicht mal wirklich zu sehen sein. Diese Grafik (Canvas) ist die individuelle ID des Rechners - auch als Zahlencode.


Deeplink: So funktionieren Cookies


Effektive Methode und nicht zu blocken
Wie gut das funktioniert, zeigt diese WWW: kleine Demo. Blitzschnell wird eine unverwechselbare ID errechnet, die sich in einer Datenbank speichern lässt und dabei hilft, einen Besucher wiederzuerkennen. Das Prinzip dieser Form des Trackings haben Wissenschaftler in Princeton und der KU Leuven Universität aus Belgien erarbeitet, es WWW: wird hier erklärt. Die Methode ist äußerst wirksam. Nur wenn sich etwas Grundlegendes an der Konfiguration ändert, dann ändert sich auch die ID und der Tracking-Prozess ist zu Ende. Aber wer seine Cookies löscht, der wird auch nicht wieder erkannt.

Für die Werbeindustrie ist diese Methode ein Glücksfall, denn sie lässt sich nicht erkennen und auch nicht blocken. Diverse Anbieter wie AddThis, Ligatus oder Plentyoffish setzen die Technik bereits ein. WWW: Hier gibt's eine Liste bereits ertappter Webseiten und Onlinedieste. Vom Weißen Haus bis Youporn sind alle mit dabei. Das Problem: Typische Werbeblocker wie Ad-Blocker sind wirkungslos. Auf diese Weise lassen sich dann Profile von den Usern erstellen, basierend auf den besuchten Webseiten. Je nach Profil bekommt der User dann automatisch passende Anzeigen, Artikel oder andere Inhalte angezeigt. Vollautomatisch.

Canvas Fingerprinting lässt sich nur schwer verhindern. Man könnte dann Javascript abschalten, den WWW: Tor-Browser nutzen, WWW: NoScript-Erweiterungen verwenden oder eine Browser-Erweiterung wie WWW: Chameleon einsetzen. All diese Methode haben allerdings auch ihre Nachteile - und sind für unbedarfte User nur mit Aufwand richtig zu nutzen. Canvas Fingerprinting macht uns also eindeutig besser identifizierbar.

"bewi mode"on:Wie so oft Herr Schieb,schiebt er Zeit hinterher.Canvas tracking verhindert schon seit langem der _einfache_(!)Einsatz von JonDo+JonDoFox!Mann muss halt nur wollen!Aber wenn man immer nur das neueste iPhone und aehnliche gimmicks propagieren muss um zu leben kann einem so etwas schon einmal entgehen.

Robin am 22.07.14 14:53

@robin: Vielen Dank für die freundliche Empfehlung. Ich schreibe ja, dass es Mittel und Wege gibt, aber die sind durchaus tricky - und das ist nicht etwa meine Privatmeinung, sondern auch die der Wissenschaftler, die die aktuellen Trackingmethoden untersucht haben. Aber vermutlich bestehen diese auch nicht.

Jörg Schieb am 22.07.14 15:08

Die Benutzung von JonDoFox und Jondo ist mitnichten"tricky"-die ist simpel!Beides wird nur in den gleichen Pfad entpackt(sind portable) und JonDo wird gestartet-schon kann man sicher sein das die "private eyes"mich nicht mehr tracken koennen.Prinzip ist hier:Verstecke "die Nadel unter anderen Nadeln"und nicht im Heuhaufen!Gegen die 9eyes ist wie beim Tor bundel natuerlich nur ein begrenzter Schutz gegeben.Will ich mich auch gegen die schuetzen-muss ich sehr konsequent sein und mich grundlegender mit der Materie befassen.Die so haeufig propagierten VPNs sind nur reine abzocke und helfen nur den Betreibern.will heissen-das ist wie SoftwarFW und AV soft reines snake oil!

Robin am 22.07.14 15:18

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich dem zu entziehen. Allerdings verstehe ich den WDR nicht. Einerseits wird über Nutzerverfolgung berichtet, andererseits werden Onlineaktivitäten auf Facebook ausgelagert. Was mich übrigens besonders ärgert, da ich als FB-Verweigerer von vielen Feedbackmöglichkeiten ausgeschlossen werde.

jeff am 23.07.14 10:01


Hier werden Methoden üblich, die man vor Kurzem noch als kriminell betrachtet hätte. Verharmlosung ist fehl am Platz. Es kann nicht sein, dass sich der Anwender ein Wettrüsten mit den Schnüfflern liefern muss. Diese "selbst-schuld"-Kommentare sind extrem kontraproduktiv. Sie hätscheln den Betrüger und machen den Betrogenen zum Deppen. Solche Machenschaften wären ganz schnell bei den seriösen Webseiten weg, wenn die User (wir!) protestieren würden. Dass man sich nicht entziehen kann, stimmt nur deshalb, weil dem Normalanwender alles egal ist. Gäbe es Proteste, gäbe es nur ein paar Prozent Besucherrückang, würde keine seriöse Webseite Tracker einbauen. Man testet immer auch, wie weit man gehen kann. Inzwischen kann man sehr weit gehen! Wer anderer Meinung ist, muss dann noch diese verharmlosenden Kommentare ertragen.

Bertram in Mainz am 23.07.14 14:46

Kleine Korrektur: Dass man mal wieder "selbst schuld" ist, stand jetzt nicht so da. Es kommt nur sehr häufig vor bei solchen Themen. Es kann nicht sein, dass man solche böswilligen Angriffe einfach als normal ansieht wie schlechtes Wetter.

Bertram in Mainz am 23.07.14 15:30

Sind das jetzt wieder Tochter-Unternehmen der NSA, diese AddThis usw.? Wenn diese Klitschen sowas wie das Verstecken dieser Datensammel-Maschinen unternehmen, ist Matrix bald nicht mehr so weit weg.

MäckRR am 23.07.14 16:01

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Dienstag, 22.07.2014

Mein Handy - Freund und Helfer

Es gibt Leute, die behaupten, dass man sich mit einem Handy im Urlaub nicht entspannen kann. Deshalb habe ich mein Handy auf meiner letzten Reise mit dem Rucksack durch Asien zu Hause in der Schublade gelassen. Automatisch entspannter war ich dadurch nicht.

Man muss ja alles mal ausprobieren. Aber man kann sich auch selbst betuppen. Nur weil ich kein Handy im Urlaub dabei habe, heißt es nicht direkt, dass ich nicht online gehe und unerreichbar bin. Und dass ich automatisch nicht mehr an zu Hause denke, tiefenentspannt durch die Welt ziehe und gar nicht telefoniere. Im Gegenteil.

Handy; Rechte: WDR/Horn

Erstens: Meine Digitalkamera ist mittlerweile WLAN-fähig. So wie die meisten Hostels, Hotels, Cafés und sogar zahlreiche Reisebusse und einsamen Bambushütten. So kann ich jederzeit und überall kurz online, Mails checken, Facebook updaten, Bilder verschicken. Sogar alle wichtigen Apps sind auf der Kamera installiert.

Zweitens: Ohne Handy fehlen mir wichtige Telefonnummern. Also muss ich vorher einen Zettel vorbereiten und ihn so verstauen, dass ich ihn a) wiederfinde und b) er im asiatischen Regen nicht im Rucksack zerfließt. Und wenn ich wirklich mal telefonieren muss, muss ich mir erst ein Telefon organisieren. Nicht unbedingt entspannter, als mal eben drei Euro für einen wichtigen Anruf zu investieren.

Drittens: Ich liebe mein Handy. Wieso sollte ich etwas, das ich liebe, nicht bei mir haben? Es gibt mir ein Stück Heimatgefühl und Vertrauen und bei Anrufen, die ich verpasse oder extra nicht annehme sogar ein bisschen das Gefühl, wichtig zu sein, aber gerade wirklich Urlaub zu haben. Sorry, ich muss halt gerade einen Cocktail trinken.

Viertens: Mein Handy passt in die Hosentasche, meine Digitalkamera nicht. Außerdem habe ich für mein Handy eine Blog: wasserfeste Hülle, die vor Monsun, Meerblick und Flugsand schützt. Ich kann meine Daten vorher sichern, immer wieder synchronisieren und das Gerät mit den entsprechenden Programmen sogar orten und sperren, wenn es doch mal geklaut werden sollte oder ich es einfach verliere. Wieso sollte ich also einen alten Knochen einpacken, den ich mit mir rumschleppe, aber kaum nutzen kann? Wenn dann möchte ich auch Reiseführer-Apps und Co verwenden.

Handy Unterwasser; Rechte: WDR/Horn

Handy-im-Urlaub-Gegner würden jetzt sagen: Früher ging es doch auch ohne.
Jaaaa, aber wir haben halt hier und heute. So kann ich mein Handy nicht nur als Verbindung zum World Wide Web nutzen, sondern auch vor Ort als Freund und Helfer. So gibt es zum Beispiel Mini-Ventilatoren für die USB-Schnittstelle am Handy und ich kann mir im stickigen Bus eine kühle Brise verpassen. Oder ich kann die Multi-Language-Übersetzer-App nutzen, um mit Einheimischen zu kommunizieren. Ich kann das Handy als Taschenlampe, mit der richtigen Hülle als Flaschenöffner und als Beamer benutzen. Es gibt Lupen, 360-Grad- und Wärmebildkameras für einige Smartphones. Ganz abgesehen von WWW: Offlinekarten, WWW: Kofferpackhilfen, Sonnenschutz-Apps und Sport-Tracking-Möglichkeiten, um mir hinterher anzusehen, mit welchem Puls ich welchen Berg hochgeradelt bin.

Handynavigation; Rechte: WDR/Horn

Ein Handy kann zu viele tolle Sachen. Nur ein paar Menschen würde ich die Nutzung dann doch gerne besser verbieten. Denen, die...

... mir ihr Handy hinhalten und so was sagen wie "Baby, ich weiß meine Nummern nicht mehr, gibst du mir deine?"

... beim Essen die ganze Zeit Flappy Bird spielen und nicht ansatzweise für einen zwischenmenschlichen Dialog zu haben sind.

... mit Handy am Mann noch weniger entspannen können als ich ohne Handy. Denn wer die ganze Zeit Angst hat, dass das Handy geklaut wird, der Akku gleich leer ist, das WWW: Roaming die Kosten sprengt oder Sand in das Gehäuse kommt, der hat nicht nur verpasst, dass es dagegen heutzutage Apps und andere Maßnahmen gibt - von Solarakkus bis zu Kostensperren - sondern auch, dass Urlaub, Entspannung und Handy eigentlich ganz gut zusammen funktionieren. Man muss es nur wollen...

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

"sondern auch, dass Urlaub, Entspannung und kein cellphone eigentlich ganz gut zusammen funktionieren. Man muss es nur wollen..."

Robin am 22.07.14 14:47

Smartphone, Cellphone, Handy ... - da bleibe ich lieber beim klassischen Mobilfunktelefon. Von welcher Art dieses dann ist, bleibt dem Betrachter überlassen, ebenso wie die Spekulation über die Funktionsvielfalt des Gerätes.

Und, ganz wichtig im Urlaub: Die Planetarium-App, damit man sich nicht auf die Geschichten von halbseidenen Hobbyastronomen verlassen muss. ;-D

Ich wünsche allen genauso viel Spaß mit ihrem Mobilfunktelefon im Urlaub, wie Anita.

Dominik am 22.07.14 15:44

"Drittens: Ich liebe mein Handy. " ?!
Oh je: SO weit ist die Handy-Sucht-Pandemie also schon gediehen!
Wie traurig! Was sagt denn Ihr Freund dazu, dass Sie einen toten Gegenstand "lieben"...? -
Nach der langen Handy-Vergottung und der Suchtapologetik des Beitrages empfinde ich es so, dass Frau Horn ihr Handy mit in den Urlaub nimmt wie der Junkie seine Spritze und die Alki ihre Flasche: Traurig, traurig.
Es bestätigt mich alles dieses in meiner Haltung: Suchtmittel wie Schmachtfone kommen mir nicht ins Haus!

Eifelwanderer am 22.07.14 21:31

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