Mittwoch, 22.10.2014

Welche Farbe stimmt hier nicht?

Spätestens seit WWW: 2048 bin ich ja großer Fan kleiner Spiele im Browser. Empfohlen hatte ich ja auch schon Blog: Hextris und das Blog: Game About Squares. Ähnlich viel Spaß habe ich jetzt mit dem chinesischen WWW: "Finde die Farbe" (frei übersetzt).

Quadrate; Rechte: ioxapp.com
Welches violette Quadrat ist hier nicht ganz so violett wie die anderen?

Das Spielprinzip ist wie immer schön einfach: Ihr bekommt eine Reihe farbiger Quadrate angezeigt, von denen eins farblich ganz leicht abweicht. Runde für Runde verkleinern sich diese Quadrate. Das macht großen Spaß - so lange, bis leichter Frust aufkommt, weil ihr euch eher vorkommt wie beim Augenarzt als beim Spielen.

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Dienstag, 21.10.2014

Es muss dringend "Klick" machen

Eigentlich ist doch alles in Ordnung. Schließlich kümmern sich bei uns in Deutschland gleich drei gestandene Minister um die digitale Zukunft des Landes. Ist das nicht toll? Erst im August hat das umtriebige Internet-Trio Sigmar Gabriel, Thomas de Maizière und Alexander Dobrindt mit viel Tamtam Blog: die Digitale Agenda vorgestellt. Und heute (21.10.2014) reist Bundeskanzlerin Angela Merkel gleich mit sechs Ministern zum WWW: IT-Gipfel nach Hamburg, um mit Vertretern der Wirtschaft und der Internetindustrie alles mögliche zu besprechen. Vermutlich werden einige der angereisten Politiker stolz ihr Tablet in der Hand halten. Die Bürger sollen halt glauben, sie würden von unheimlich digital-affinenen Menschen regiert.

Gabriel und Merkel mit Smartphone; Rechte: dpa/Picture Alliance
Schau mal, ich hab mir jetzt auch so ein Smartphone gekauft - tolle Sache


Politik hat immer noch nicht verstanden
Blöd nur, dass ihnen das keiner abkauft. Ich jedenfalls nicht. Zwar ist in der Politik-Elite angekommen, dass das Thema Internet wichtig ist. Irgendwie. Zumindest vielen Bürgern. Aber keiner weiß mit dem Thema etwas anzufangen. Keine Visionen. Keine Entschlossenheit. Keine konkretem Pläne. Nur wenn es darum geht, das Internet zu kontrollieren oder zu regeln (Stichwort: "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!"), funkelt etwas Entschlossenheit durch. Die Digitale Agenda jedenfalls ist (bislang) ein Witz. Unkonkretes Geschwurbel, ohne jede Relevanz, ohne irgend eine konkrete Konsequenz. Was (unter anderem) daran liegt, dass gleich drei Minister die Verantwortung tragem, aber keine davon etwas entscheiden kann oder will.

Beispiel: Netzausbau. Es ist völlig unstrittig, dass etwas passieren muss - und zwar dringend. Das kann man sogar in der Digitalen Agenda nachlesen. Wir brauchen ein schnelleres Internet. Überall, nicht nur in den Ballungsgebieten, auch auf dem Land. Das erfordert hohe Investitionen. Allerdings hat die Politik nicht entschieden, wie die Aufgabe gestemmt werden soll. Entschlossenheit? Fehlanzeige. Hier wird nur getan, als ob. Aufbruchstimmung sieht anders aus.

Längst sind noch nicht alle Haushalte mit schnellem Internet versorgt; Rechte: dpa/Picure Alliance
Thema Netzausbau wird nur zögerlich angegangen


Falsches Personal, falsche Akzente
Auch andere Themen werden stiefmütterlich behandelt. Open Data zum Beispiel. Zwar ist man sich immerhin mittlerweile im Klaren darüber, dass Bund, Länder und Gemeinden anfallende Daten der Öffentlichkeit digital zugänglich machen müssen. Aber auch hier bewegt sich alles nur im Mäusetempo. Wer meint, er könnte solche wichtigen Themen immer wieder vertagen, der hat nicht begriffen, wie schnell es in der IT-Industrie zugeht. Wer den Anschluss nicht verlieren will, muss das Tempo erhöhen. Wer sogar an die Spitze will, der muss das Tempo doppelt erhöhen und schneller sein als alle anderen.

Es gibt nicht ein einziges ermutigendes Signal. Jemanden wie Günther Oettinger zum EU-Digitalkommissar zu machen, ist in etwa so vertretbar als würde man mir zutrauen, eine mit 400 Passagieren besetzten Jumbo zu fliegen. Mit dem Argument, ich hätte ja vor einigen Jahren schon mal am Flugsimulator geübt und finde Fliegen toll (so in etwa hat Oettinger argumentiert, wieso er als Digitalkommissar nach Brüssel geht). Wer wollte sich da von mir 10 Stunden lang in die Ferne fliegen lassen? Sicher niemand!

Schluss also mit diesem halbherzigen Getue. Berlin braucht endlich ein Ministerium oder zumindest eine kompetente Person, die exklusiv für das Thema Digitale Agenda verantwortlich ist - ausgestattet mit der nötigen Macht und den erforderlichen Mitteln. Der Netzausbau muss im Eiltempo vorangebracht werden, die Gesetze müssen fit fürs 21. Jahrhundert gemacht werden, die Regierung muss die Medienkompetenz fördern, Forschung und Wissenschaft müssen besser ausgestattet werden, Banken und Investoren müssen lernen, dass auch deutsche Startups erfolgreich sein können und ihnen Geld leihen.

Kurz: Es muss dringend "Klick" machen in den Köpfen - nicht nur auf dem Schreibtisch.

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Dienstag, 21.10.2014

Fanfiction - unterschätzte Subkultur

Was sich lohnt: regelmäßig einen Blick darauf zu werfen, welche Entwicklungen es in der WWW: Fanfiction im deutschen Netz gerade gibt. Falls ihr diese Subkultur noch nicht kennt, empfehle ich euch zum Einstieg das deutschsprachige Verzeichnis WWW: fanfiktion.de. Die Macher zählen bald fast 300.000 Texte und jeden Tag Zehntausende Besucher.

Hogwarts; Rechte: picture-alliance/design pics
Für Joanne K. Rowling sind die Geschichten von Harry Potter an der Zauberschule Hogwarts auserzählt - für die Fans noch lange nicht.

Fernsehserien und Filme, Bücher und Videospiele, Musicals und Comics - es gibt kein Genre, das vor den Autoren der Fanfiction sicher ist. Nicht jede ihrer Geschichten ist ein Hochgenuss, das ist klar. Aber spätestens seit E.L. James, deren Sadomaso-Bestseller "50 Shades of Grey" ursprünglich erotische Fanfiction aus dem Twilight-Universum war, wissen wir: Manchmal kommen erfolgreiche Autoren aus dieser Szene.

Interessant finde ich vor allem, wo sich diese Szene gerade breit macht. Fanfiction an sich ist wesentlich älter als das World Wide Web und spielte vor vielen, vielen Jahren schon im Usenet eine Rolle, wo es einzelne Newsgroups zum Thema gab. Später entstanden Mailinglisten und Foren, und bis heute geht die Szene mit der Zeit.

Zuletzt hat sie ganze soziale Netzwerke gekapert. In den "Ruinen der VZ-Netzwerke" hat sich in den vergangenen Jahren ein gigantisches Rollenspiel breitgemacht. Viele Nutzer legen sich Fakeaccounts zum Beispiel mit Figuren aus ihren Lieblingsserien an. Andere Nutzer erfinden komplett eigene Charaktere: mit angeblichen Interessen, Job und Beziehungsstatus. Wer keinen Menschen darstellen will, wird zum Vampir, zur Hexe oder zum Zauberer. Einmal angelegt, spendieren die Nutzer ihren Accounts ein komplettes Leben: Diskussionen in Gruppen entwickeln sich zu Rollenspielen und Romanen. Die Fakes schreiben sich untereinander, so wie es ihre Avatare tun würden.

LeFloid; Rechte: picture-alliance/Eventpress Monika Sandel
LeFloid, hier bei der Verleihung der 1LIVE Krone, ist einer der größten deutschen YouTuber - und auch über ihn gibt es mittlerweile Fanfiction.

Spannend finde ich gerade außerdem, dass rund um YouTube ein neues Genre innerhalb der Fanfiction entsteht: Fans schreiben Geschichten über ihre Internetstars, von LeFloid über Gronkh bis ApeCrime. Das Verzeichnis fanfiktion.de hat dafür mittlerweile WWW: eine eigene Rubrik eingerichtet, in der allein über 10.000 Geschichten zu finden sind. Auch die YouTuber selbst WWW: beschäftigen sich WWW: immer wieder mit diesem Phänomen.

Es macht Spaß, zu sehen, dass solche Subkulturen abseits aller Silos wie Facebook oder Twitter weiter existieren und sich ihren Weg suchen. Fanfiction ist eins dieser Phänomene, für die ich das Internet liebe.

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