Dienstag, 22.04.2014

Leer-SMS und T9-Fehlerteufel

Wenn ich eine Nachricht tippe, lese ich selten nochmal drüber. Erst nach dem Versenden fällt mir auf, dass ich vielleicht nochmal meine Tippfehler hätte korrigieren oder gucken sollen, ob die SMS auch wirklich an die richtige Freundin adressiert ist. Gut, dass es nicht nur mir so geht.

Meine Mama schrieb mir neulich: "Es was uns ein Vergnügen." Andere Mamas schreiben ganz andere Sachen. Angelika Kaminski aus Dortmund findet SMS zum Beispiel völlig überflüssig. In ihrer Generation dient ein Handy als Telefonapparat, nicht als Schreibmaschine, sagt sie. Aber wenn sie mal im Ausland ist, tippt sie mit viel Mühe eine kurze Nachricht an ihre Tochter. Sind gut angekommen. Bis bald. "Ich brauche für eine SMS von fünf Wörtern zehn Minuten. Ich schreibe grundsätzlich klein, lasse viele Leerzeichen, ein ü kann ich gar nicht, dann mache ich ue, und SMS löschen, das kann ich perfekt", lacht die 65-Jährige.

Generation Wählscheibe; Rechte: WDR/Horn

Ihr Mann Lutz kann sich schon besser mit SMS anfreunden. Aber nur, weil er noch ein Handy mit Tasten hat. "Das habe ich mir extra zugelegt, damit es besser geht mit diesen SMS." Die Autokorrektur hat Lutz Kaminski aber ausgestellt. Das war ihm zu heikel.

Autokorrektur
Manche machen Fehler wegen der Autokorrektur. Manche trotz Autokorrektur. Nicht nur die Generation Wählscheibe tippt manchmal kryptische Zeichen bei der digitalen Kommunikation zusammen. Auch der Generation Smartphone unterlaufen gerne mal kleine Missgeschicke. Von Rechtsschreibfehlern bishin zu falschen Empfängern, weil man mal wieder mit fünf Leuten gleichzeitig schreibt. Viele amüsante Beispiele dafür gibt es auf der Seite "WWW: SMS von gestern Nacht".

Feinde; Rechte: smsvongesternnacht.de

Uta Wagner aus Köln kennt dieses Problem. Schnell nochmal ein Foto per WhatsApp an eine Freundin, eine Sonne an die andere, um einen schönen Tag zu wünschen. Bei soviel Multitasking geht auch schon mal was schief. "Ich war mal mit einem Matthias zusammen, dem ich eine sehr liebevolle SMS geschrieben habe, und dann bekam ich eine Nachricht zurück, von wegen ich glaube das war nicht für mich. Ich habe die Nachricht nämlich leider an einen anderen Matthias im Telefonbuch geschickt. Das war mir peinlich."

Das Gute an SMS ist, dass man sich nicht gegenüber steht. Ich korrigiere meine Fehler direkt mit einer zweiten Nachricht, oder tue einfach so, als hätte ich sie selbst nicht bemerkt. Oft ist der Leser schließlich genauso unaufmerksam wie der Schreiber.

SMSvongesternnacht; Rechte: smsvongesternnacht.de

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Naja. SMS (oder sonstwas, wer benutzt schon noch SMS?) auf einem Handy oder eine Smartphone zu schreiben, ist reine Übungssache.

Mittlerweile ist das einfach ein Generationsproblem, denn wer damit groß wird, der schreibt auf den Dingern schneller (und auch nicht mit mehr Fehlern) als andere auf einer Computertastatur. 80 Wörter pro Minute sind da durchaus drin. Man lernt die unglaublichsten Dinge, wenn man nur früh genug damit anfängt.

joh am 22.04.14 19:24

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Leer-SMS und T9-Fehlerteufel

Zum Anfang dieses Eintrags

Dienstag, 15.04.2014

Zeitreisen per Videoclip

Als es noch kein Fernsehen gab und erst Recht kein Internet, da haben sich die Menschen noch im Kino mit Bewegtbildern aus aller Welt versorgt. In der Wochenschau gab es jede Woche das Wichtigste der vergangenen Tage zu sehen, in bewegten Bildern und mit zackig gesprochenen Kommentaren. Ich liebe es, solche Dokumentationen von einst zu sehen - eine kleine Zeitreise, ein Einblick in längst vergangene Zeiten. Man kann nicht nur sehen, was damals passiert ist - man bekommt auch Einblicke in die Art und Weise der Berichterstattung. Beides ungeheuer aufschlussreich, lehrreich und interessant.


Die Tragödie der Hindenburg


80.000 Filme aus dem Archiv ins Netz
Jetzt gibt es viele dieser Wochenschauen und Dokumentationen von einst auf Youtube zu sehen. Rund 80.000 Filme der angesehenen britischen Nachrichtenagentur WWW: Pathé News sind jetzt im Videoportal gelandet, und zwar im extra eingerichteten WWW: Kanal British Pathé. Was es da zu sehen gibt, ist wirklich beeindruckend: Eine WWW: Dokumentation über die Hindenburg, ein WWW: Bericht über Marilyn Monroe oder Filmmaterial (ohne Ton) von der WWW: Hochzeit von Queen Elizabeth II. mit dem Duke of Edinburgh.

British Pathé hat jahrzentelang über alles berichtet, was wesentlich war, von 1910 bis 1976. Zusammen mit Mediakraft Networks in München hat British Pathé das üppig gefüllte Archiv nun komplett bei Youtube eingestellt. Rund 3.500 Stunden Filmmaterial insgesamt. Auf der WWW: Webseite von British Pathé gibt es schon länger Filme und Berichte kostenlos zu sehen, hier sogar bis ins Jahr 2011. Fest steht: Das Ganze ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für Geschichte interessieren. So manches soll später auch in andere Sprachen übersetzt werden. Da die Videos mit Werbung versehen sind, verdienen die Anbieter gut an den Inhalten.


Bericht über Auto-Show 1962


80.000 Filme aus dem Archiv ins Netz
Schon nach wenigen Stunden haben viele der Filme von Pathé mehrere hundert Zuschauer erreicht. Das Interesse ist also zweifellos vorhanden. Filme wie die von British Pathé sind geschichtliche Dokumente, die jeden etwas angehen - sie gehören einfach ins Internet. Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Hüter von solchen und vergleichbaren Schätzen dem Beispiel folgten und ihre Inhalte ebenfalls der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

In diesem Zusammenhang erwähnt werden muss WWW: archive.org. Ein gemeinnütziges Projekt, das 1996 gestartet wurde und sich die Langzeitarchivierung digitaler Inhalte auf die Fahnen geschrieben hat. Auch hier gibt es jede Menge WWW: Filme zu sehen, aber auch viele WWW: Spielklassiker sind hier archiviert sowie Film- und Tonaufnahmen. Unbedingt mal besuchen.

Ich denke mal laut: Wäre es nicht schön, wenn es nicht nur die ARD: Tagesschau von vor 20 Jahren online zu sehen gäbe, sondern praktisch jede Sendung, die es jemals im Fernsehen zu sehen gab? Ja, das wäre klasse - aber wird wegen rechtlicher Probleme vermutlich Wunschvorstellung bleiben.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Zeitreisen per Videoclip

Zum Anfang dieses Eintrags

Dienstag, 15.04.2014

Die Liebe von nebenan

Love me, Tinder, love me sweet... So könnte das Elvis-Lied in der Version 2.0 klingen. Die App Tinder scheint gerade der Dating-Trend schlechthin zu sein. Unzählige meiner Freunde und Bekannte sind dort angemeldet und flirten, was die Tasten hergeben. Deshalb wollte ich es genauer wissen: wieso steht Tinder bei Singles so hoch im Kurs und was ist anders als bei anderen Dating-Portalen? Ein kleiner Selbstversuch...

Tinder ist Englisch und bedeutet Zunder. Zunder ist ein leicht brennbaren Material zum Entfachen eines Feuers. Ob die App dem Namen standhalten kann? Jasmin sagt ja. Sie ist frisch verliebt und strahlt über beide Ohren. Jan sagt eher nein. Er hatte ein Treffen, ist aber skeptisch.

Tinder Suche; Rechte: WDR/Horn

Tinder sucht seit September 2013 mögliche Partner - ob für Freizeit oder Liebe - im näheren Umkreis, per GPS. Eine große Sicherheitslücke in Sachen Ortung ist mittlerweile angeblich behoben. Zusätzlich kann man den Suchradius in den Einstellungen selbst auf einen Kilometer minimieren. So kommt man also tatsächlich an neue Kontakte direkt um die Ecke. Und weil Tinder nur mit Facebook-Anmeldung läuft und das persönliche Facebook-Profil die Grundlage für die Partner-Suche bildet, gibt es häufig auch Gemeinsamkeiten wie gleiche Hobbys, gemeinsame Freunde oder die selben Lieblingsfilme - je nachdem, welche Angaben man bei Facebook veröffentlicht und freigegeben hat.

Tinder Nutzungsbedingungen; Rechte: WDR/Horn

Meine größte Sorge bei der Anmeldung ist, dass am Ende doch was von Tinder in meinem Namen auf Facebook gepostet wird, die App in meinen "Interessen" auftaucht oder mein Gesicht als Tinder-Werbung auf der Seite erscheint. Dazu kam es zum Glück wirklich nicht, allerdings habe ich direkt drei Nachrichten von echten Freunden aus dem wahren Leben per Facebook bekommen: "Wie, du bist jetzt auch bei Tinder?" Herzstillstand! Aber klar, wenn man sich durch das Single-Angebot in der eigenen Stadt klickt, sieht man eben auch schon mal bekannte Gesichter. Wer heimlich flirten oder sogar fremdgehen will, ist bei Tinder auf jeden Fall falsch.

Ich lasse mir also Männer zwischen 32 und 41 Jahren anzeigen und klicke mich durch. Ganz schön oberflächlich irgendwie. Gefällt mir der Mann auf dem Foto nicht, drücke ich das rote X, möchte ich mehr wissen, drücke ich das Info-i. Innerhalb von 30 Sekunden habe ich gefühlt einen ganzen Supermarkt mit Männern von A-Z durchgesehen. Finde ich jemanden gut, bekommt er das Herz-Symbol. Und wenn er mich auch gut findet und sein digitales Herz vergibt, bekommen wir beide ein Match angezeigt und können anfangen zu schreiben.

Tinder Interesse; Rechte: WDR/Horn

Für mich gilt also: statt mir im wahren Leben einen Korb einzufangen, bekomme ich hier Absagen und Desinteresse bei Tinder nur durch Abwesenheit eines "Matches" zu spüren. Verkraftbar. Aber Ersatz ist schnell gefunden. Über 10 Millionen Leute nutzen Tinder. Tendenz steigend. Warum? Das möchte ich von Jan, 39 Jahre, aus Düsseldorf wissen. Ich habe ihm ein Herz geschickt, er hat mich zurück geherzt und wir haben uns getroffen. Natürlich habe ich ihm geschrieben, dass ich einen Selbstversuch für den WDR mache. Jan ist erst seit zwei Wochen bei Tinder, ein Freund hat ihn darauf gebracht. Jobmäßig kommt er nicht viel raus und hat auch keine Lust jedes Wochenende auf überfüllten Partys rumzuhängen. So kann man sich aus der Deckung heraus umgucken, sagt er. Denn eigentlich ist er schüchtern, eine Frau ansprechen würde er im wahren Leben nicht. Über Tinder vertreibt er sich aber abends eher die Zeit, eigentlich rein egoistisch, statt fernzusehen. Marktwert testen, kommunizieren, und wenn es nicht passt auch schnell wieder schweigen. "Eine Frau habe ich neulich getroffen, auf einen Drink. Das war nett, aber mehr auch nicht." Die große Liebe? Hat er so noch nicht gefunden.

Tinder Match; Rechte: WDR/Horn

Im Gegensatz zu Jasmin aus Köln. Die 33-jährige Unternehmensberaterin hat ebenfalls auf Empfehlung eines Freundes Tinder installiert. Ein paar Wochen und ein Treffen mit Mario, 34 Jahre, später war die Sachen geritzt: sie verliebte sich, er verliebte sich, und die beiden sind vom ersten Tag an ein Paar, das nur 400 Meter auseinander wohnt. Jasmin glaubt, dass das oberflächliche Tinder-System sogar von Vorteil ist. Bei anderen Portalen gibt es zu viele Infos und damit auch zu viele Gründe, jemanden wieder auszuschließen. Bei Tinder erfährt man nur Name, Alter und Entfernung des Wohnorts. Ein bisschen wie im wahren Leben - wo man jemanden sieht, das Alter schätzen kann und auf durch Aufenthaltsort schließen kann, dass er aus der Ecke kommt. Die ein oder andere nervige oder anstößige Mail hat Jasmin zwar auch bekommen, aber das kommt in jedem Portal vor, weiß sie aus Erfahrung. Ansonsten treffen sich bei Tinder viele gleichgesinnte, spontane Leute. Willig die Liebe des Lebens zu finden. So wie die zwei.

Neben Tinder gibt es natürlich auch Portale für spezielle Zielgruppen. Singles mit Kindern können bei Moms-Dads-Kids flirten. Wer nicht auf Massenagebote steht, kann beim Single-Blog "WWW: Im Gegenteil" mitmachen. Hier werden gerade Mal ein dutzend Leute vorgestellt - die dafür sehr liebevoll und persönlich.

Wer sich übrigens verliebt und doch weiter auseinander wohnt, kein Problem. Vor einiger Zeit hat sich ein Paar aus New York und Bangladesch per WWW: Videostream offiziell trauen lassen. Und sollte es doch schief gehen mit der digitalen Liebe, gibt es zum Glück auch Online-Scheidungsportale. Dank GPS bestimmt auch direkt um die Ecke.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Ist ja so eine Sache. So modern. Also die Gefühlsduselei. Knapp 100 Jahre am Markt, Immo- Haie freut es, aber international ist die Sache noch immer pragmatisch gelöst. Man/ frau wird zugeteilt und fertig.Macht das Finanzerb- Gesindel doch auch noch heute so. Ehengattenspitting, das Stichwort dazu. Von Bayern nicht zu reden.
Aber wenn wer beim WDR ist oder war hat man/ frau natürlich reichlich Zeit für Mätzchen.
Vgl. auch Breuckmann, Manni, der. Übles WM Video in der Pipeline, der Frührentner. Gut dabei: dem läuft keine Lady ob des Werkes zu.
Und ich keiner WDR Dame, nie!

Lieblicher Lauscher am 15.04.14 23:16


Kennenlernen per Zufall ist Mist! Deshalb ist eine solche Neuerung zu begrüßen. Ob das jetzt das Richtige ist, ist nicht mal so wichtig. Entscheidend ist, dass endlich das Thema aus dem Tabu raus kommt. Für viele Menschen gibt es gar keine normale Gelegenheit, weil die Umgebung statistisch untypisch ist.

Eigentlich ginge es ganz ohne Technik. Man bräuchte nur ein Kennzeichen, dass derjenige auf Partnersuche ist. Ein Fingerring oder ein Anhänger, Farbe codiert Details? Dann dürfte derjenige jederzeit darauf angesprochen werden, ohne Spott.

Es gibt für alles Kennzeichen, Aufkleber usw. Jedes Hobby, jede Partei hat ihre Logos. Für Verheiratete gibt es den Ehering. Für Partnersuchende gibt es nichts. Partnervermittlung ist immer noch durchsetzt von "schwarzen Schafen". Da ist Handlungsbedarf!

Wir sind jederzeit mit jedem Menschen auf der Welt verbunden, wenn wir ein paar Tasten drücken. Aber das Kennenlernen funktioniert immer noch mit (echtem oder arrangiertem) Zufall. So ein Unsinn!

Bertram in Mainz am 18.04.14 0:17

also ich lasse den lieben Gott walten und schalten (auch) in dieser Hinsicht, in diesem Zusammenhang. Schickt er mir ein weibliches Wesen - und nicht etwa "läuft mir eine per Zufall über den Weg" - dann übernimmt der Herr auch die Verantwortung wenn´s nicht passt und klappt oder gar "Sünde" ist und ich wasche meine Seele in Unschuld.

Volkmann am 20.04.14 21:51

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Die Liebe von nebenan

Zum Anfang dieses Eintrags

April 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/