Sonntag, 24.05.2015

NSA: "We are always listening"

Macht doch nichts, wenn die NSA alles mitbekommt - vielleicht sogar jedes Gespräch belauscht. Oder doch? So lange man nicht selbst konkret oder spürbar betroffen ist, halten die meisten die ständige Überwachung für vertretbar. Das ändert sich allerdings, wenn die Beobachtung bemerkt wird: Plötzlich ist es nicht mehr angenehm, Gegenstand einer Überwachung zu sein. Genau das ist der Hintergedanke der Aktion WWW: wearealwayslistening.com. Die Macher kleben uralte Diktiergeräte unter die Tische von Bars und Restaurants in New York City. Beschriftet mit "Property of NSA" (Eigentum der NSA).

Die Diktiertgeräte sind leicht zu entdecken - und die Besucher der Lokale sollen sie auch entdecken. Ihnen soll bewusst werden, dass sie überall und jederzeit überwacht werden können. Auf der Homepage finden sich diverse kurze Videos, die zeigen, wie die Aufnahmegeräte unter Tische geklebt werden. Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um Attrappen, sondern um funktionstüchtige Geräte, die auch wirklich Aufnahmen anfertigen. Mitunter werden Mitschnitte der aufgenommenen Gespräche veröffentlicht, die in der WWW: Soundcloud hinterlegt wurden. Macht doch schließlich nichts, wenn man von der NSA belauscht wird - oder etwas doch?

Diktiergeräte unterm Tisch: New York City wird belauscht; Rechte: WDR
Diktiergeräte unterm Tisch: New York City wird belauscht

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Freitag, 22.05.2015

Auch Firefox macht Kohle mit Daten

Im Englischen klingt vieles schicker als es ist. Wer denkt bei "WWW: Suggested Tiles" was Böses? Firefox präsentiert demnächst "empfohlene Kacheln", denn genau das ist die wörtliche Übersetzung. Gemeint ist aber etwas ganz anderes. Demnächst schlägt der vor allem bei uns in Deutschland so beliebte Firefox-Browser beim Öffnen eines neuen Tabs basierend auf dem Browser-Verlauf von sich aus Websites vor, die zu den Interessen des Firefox-Nutzers passen. Die angebotenen Webseiten sind allerdings bezahlte Anzeigen.

Firefox will künftig gezielt Werbung präsentieren - in neuen Tabs; Rechte: dpa/Picture Alliance
Firefox will künftig gezielt Werbung präsentieren - in neuen Tabs


Nutzerdaten führen zu Profilen
Ist ja ein Ding: Nach Google, Facebook und Microsoft - im weitläufigen Sinne die "bösen", da kommerziellen Unternehmen - setzt nun also auch eine Stiftung auf die konkrete Verwertung von Nutzerdaten. Die beim Browsen ermittelten Daten werden dazu genutzt, ein Profil anzulegen. Nicht mal ansatzweise so komplex wie bei Google oder Facebook, aber doch ein Profil, das scharf genug ist, um passende Anzeigen - sorry, Kachel-Vorschläge - präsentieren zu können. Und für jede gezeigte und womöglich angeklickte Kachel fließt Geld an die Mozilla Foundation, die Stiftung hinter dem Firefox-Browser.

Die Firefox-Betreiber versichern, dass die Nutzerdaten nicht an Dritte weitergegeben werden. Das ist rührend, wäre aber ja wohl auch noch schöner. Google, Facebook und Microsoft argumentieren genauso: Sie geben keine konkreten Daten weiter, nutzen aber die vorliegenden Daten, um perfekt zugeschnittene Online-Reklame zu präsentieren. Mozilla will mit Firefox nun im Grunde genommen genau dasselbe machen. Im kleineren Rahmen, keine Frage. Aber das Prinzip ist absolut identisch.

Firefox Tiles: Kacheln mit Webseiten - künftig auch mit Werbung; Rechte: dpa/Picture Alliance
Firefox Tiles: Kacheln mit Webseiten - künftig auch mit Werbung


Kacheln mit Werbung
Demnächst geht es in einer Betaversion los. Bis Sommer soll das neue Konzept dann fest im Firefox-Browser integriert sein. Beim Öffnen eines neuen Tabs sieht der Nutzer dann acht Ziegeln mit Vorschlägen. Webseiten, die thematisch passen. Einige davon sind bezahlt. Wie genau die "Suggested Tile" aussieht, bestimmt der Werbekunde. Wer das nicht will, kann (und muss) ein Opt-Out durchführen. Der "Service" lässt sich also abschalten. Immerhin. Auch werden keine Cookies gesetzt, sondern "nur" der eigene Browser-Verlauf zur Analyse verwertet. Dennoch: Hier wird eine Linie überschritten.

Die Omnipräsenz von Werbung kann schon nerven. Natürlich: Kostenlose Inhalte oder Produkte müssen sich refinanzieren. Doch da war Mozillas bisheriger Weg, nämlich durch das Einstreichen von Provisionen für das Weiterleiten an Suchmaschinen, eine deutlich bessere Wahl. Die Frage, die sich stellt, ist: Wieso muss eine Stiftung mehr Umsatz machen? Für Firefox ist es schade.


Es ist doch nur Werbung. Wer etwas zu verkaufen hat darf anbieten. Die Entscheidung bleibt jedem frei, ob er von Angeboten gebrauch machen will oder nicht.

LiFe am 23.05.15 11:42

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Donnerstag, 21.05.2015

Immer noch alle unter Verdacht

Justizminister Heiko Maas sieht in den letzten Wochen geplagt aus. Leidend. Der ganze Körper sagt lautstark: Ich will das nicht. Trotzdem macht der SPD-Mann mit. Eigentlich wollte Maas die Blog: Vorratsdatenspeicherung gar nicht. Jetzt aber dann doch. Er bereitet die Vorratsdatenspeicherung light vor. Manche sagen auch "WWW: Grundrechtsverletzung mit Zuckerguss" dazu.

Und das alles nur, weil sein Blog: Chef Siegmar Gabriel es so will. Natürlich nicht nur der, aber er vor allem. Die anlasslose Massenüberwachung aller Bundesbürger, vom Bundesverfassungsgericht vor fünf Jahren in der damaligen Ausformulierung klar als verfassungswidrig eingestuft, wird unter dem Begriff "WWW: Speicherpflicht für Verkehrsdaten" wiederbelebt. Alter Wein in neuen Schläuchen.

Heiko Maas; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will Geheimnisse in Erfahrung bringen

Massenüberwachung Beta
Der Widerstand dagegen wächst. Ganz so leicht wie damals, als noch keiner auf so was geachtet hat, wird die neue Richtlinie diesmal nicht durchzuwinken sein. Berufsgruppen wie Journalisten, Rechtsanwälte, Seelsorger oder Mediziner laufen bereits Sturm gegen die geplante Massenüberwachung. Zwar hat Heiko Maas das vom Verfassungsgericht einkassierte Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) überarbeitet, so sind zum Beispiel die Speicherfristen deutlich kürzer als damals. Aber am Grundgedanken hat sich überhaupt nichts verändert: Jeder wird anlasslos überwacht.

So werden Positionsdaten der Mobilgeräte und damit letztlich die Bewegungsprofile von allen vier Wochen gespeichert. Das ist zwar weniger als im alten Gesetz, wo die Daten ein halbes Jahr lang gespeichert wurden, trotzdem sollen diese Daten gesammelt werden. Andere Kommunikationsdaten bleiben sogar länger gespeichert. Das sieht nicht nach Einsicht aus, sondern nach Taktik. Heiko Maas versucht, den engen, vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Spielraum voll auszunutzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die immer lauteren Zweifel der Bürger spielen keine Rolle.

Gabriel fordert die Vorratsdatenspeicherung light; Rechte: dpa/Picture Alliance
Gabriel fordert die Vorratsdatenspeicherung light


Es findet keine Debatte statt
Was mich persönlich am meisten stört: Es hat keine ehrliche, offene und ernsthafte Debatte über das Thema gegeben. Es wurde nicht ausreichend diskutiert, ob es verhältnismäßig ist, die Grundrechte aller Bundesbürger derart stark einzuschränken, nur um möglicherweise Vorteile bei der Verbrechensbekämpfung zu haben. Es wird vollkommen ignoriert, dass die Gesellschaft einen hohen Preis dafür zahlen soll, die Ermittlungsarbeit zu erleichtern. Ganz abgesehen davon, dass bislang nicht nachgewiesen ist, dass die VDS wirklich erhebliche Vorteile bei der Ermittlungsarbeit bringt. Es wird gerne behauptet, aber praktisch nie belegt.

Warum findet keine ehrliche Debatte statt? Weil man sie fürchtet - und weil man keine Lust hat zu argumentieren. Natürlich ist es richtig, dass im Internet eine Menge Kriminalität begangen wird. Aber auch auf der Straße. Oder in Wohnungen. Und niemand käme auf die Idee, jede Wohnung zu verwanzen und mit Kameras auszustatten - für den Fall der Fälle. Der digitale Raum hat Privatsphäre verdient. Sie einfach zu aufzugeben, ist fahrlässig.

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