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Aktuelle Stunde - Archiv vom Oktober 2011

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Samstag, 29.10.2011

Bild von Susanne Wieseler, Rechte: WDR

Plus oder minus oder wie oder was?

Das Beste, was mir in der Richtung bisher passiert ist, war ein 20-Euro-Schein in der Wintermantel-Tasche. Hat den ganzen Sommer über mit in der Garderobe gehangen - und taucht mit dem Herbst plötzlich wieder auf. Kann ja mal passieren. Und ist am Ende ja auch nett.

Aber 55,5 Milliarden Euro wiederzufinden, die irgendwie weg waren und jetzt wieder da sind - das ist, sagen wir, erklärungsbedürftig. Aber die Erklärung tröstet auch nicht: Ein "Buchungsfehler" - dabei sind Substraktion und Addition verwechselt worden, sprich: plus und minus.

Leider ist die Sache mit den 55,5 Milliarden auch nicht so nett und handfest wie meine 20 Euro in bar. Weil es nur um weniger Schulden geht. Und das auch nicht im "normalen" Bundeshaushalt, sondern bei einem Sonderhaushalt.

Aber immerhin: Die deutsche Gesamtverschuldung ist jetzt geringer als gedacht. Ein bisschen freuen können wir uns also - und einmal mit dem nackten Finger auf die Buchhalter in der Bad Bank zeigen, die diese 55,5 Milliarden in der Manteltasche vergessen hatten ... oder so ...

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Freitag, 28.10.2011

Bild von Thomas Bug, Rechte: WDR

Antibiotika-Hähnchen

Ich liebe halbe Hähnchen. Schön braungebrannt vom Grill. Mit lecker Pommes ein Gedicht. Heute ist mir allerdings ordentlich der Appetit vergangen. Eine neue Studie sorgt für Wirbel. Sie ist noch unveröffentlicht, aber das, was durchgesickert ist, klingt nicht gut.

Es geht um Antibiotika im Hähnchenfleisch. Deutsche Hähnchen-Mastbetriebe setzen demnach viel mehr Antibiotika ein als bisher bekannt. 83 Prozent der Tiere enthalten offenbar Antibiotika. Nicht nur, damit sie gesund bleiben, sonder auch damit sie schneller wachsen.

Das an sich ist schon schlimm. Auch, dass wir immer weniger unserem Essen vertrauen können. Dass es zwar die Bio-Alternative gibt, die sich aber nicht jeder leisten kann. Der Gipfel ist für mich aber heute das Verhalten des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums zur Sache. Es verantwortet die Studie, will sie aber erst Ende November veröffentlichen, zögert mit Einzelheiten oder gar Maßnahmen. So lange futtern wir also weiter belastetes Fleisch. Ist das nicht eine Art vorsätzliche Körperverletzung? Die haben doch ihren Auftrag schon im Namen stehen: Verbraucherschutz!

Für mich hat das einen ziemlich faden Beigeschmack.

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Donnerstag, 27.10.2011

Bild von Susanne Wieseler, Rechte: WDR

Der Anfang vom Ende der Krise!?

Und noch mal Euro-Rettung - auch wenn viele von Ihnen das nicht mehr hören können. Die Sache ist einfach zu wichtig. Ja, man ist es ein bisschen leid: Das ewige Krisen-Gerede und das ewige Euro-retten. Aber diesmal scheint tatsächlich etwas gelungen zu sein. Die Banken erlassen den Griechen die Hälfte ihrer Schulden. Die Banken müssen außerdem mehr Eigenkapital bereithalten. Italien wird zum Sparen verpflichtet. Und der Rettungsschirm bekommt mehr Breitenwirkung. Das ist doch was. Mehr jedenfalls als man vor ein paar Wochen noch für möglich gehalten hätte.

Den allgemeinen Pessimismus in der Diskussion zum blog gestern kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Natürlich muss man abwarten, ob jede einzelne Bank mitmacht, ob die Griechen und Italiener wirklich nachhaltig sparen und ob die Finanztricks, mit denen der Hebel am Rettungsschirm angesetzt werden soll, nicht doch etwas gewagt sind. Natürlich kann man das alles infragestellen und zerreden. Und natürlich weiß Niemand, ob das jetzt wirklich der Durchbruch war. Aber ist doch wohl ein Anfang. Immerhin ist das auch an den Finanzmärkten so gesehen worden. Ein erstes gutes Zeichen.

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Mittwoch, 26.10.2011

Bild von Susanne Wieseler, Rechte: WDR

Noch schnell den Euro retten ...

Großer Euro-Rettungstag heute in Berlin und in Brüssel. Es geht um eine Hebelung des Euro-Rettungsschirmes ESFS, um eine Billion Euro, um Versicherungs- und Zweckgesellschaftsmodelle, um Finanztricks.

Man darf davon ausgehen, dass weder alle Bundestagsabgeordneten noch die Staats- und Regierungschefs der EU in allen Einzelheiten wissen, wie das funktioniert. Wie also sollen wir das verstehen? Ich bilde mir eigentlich ein, in solchen Dingen ganz gut Bescheid zu wissen - auch Dank VWL im Studium - aber da hört's auf.

Was also hat der Bundestag da heute beschlossen? Es bleibt bei 211 Milliarden Euro, die wir Steuerzahler im schlimmsten Fall verlieren. Aber das Risiko, dass es tatsächlich so kommt, wird größer. Die Kanzlerin sagt: Es ist vertretbar. Einige andere sind skeptischer. Aber da es Niemand wirklich besser weiß, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu vertrauen. Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Politiker und ihre Berater zumindest grob wissen, was sie da tun. Und wenn sich im Bundestag eine ganz große Koalition findet, die einen solchen Beschluss fasst, dann ist das doch zumindest einigermaßen beruhigend. Auch wenn keiner wissen kann, wie das ausgeht. Und das auch maßgeblich davon abhängt, wie sich Griechen und Italiener in Zukunft machen ....

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Dienstag, 25.10.2011

Bild von Thomas Bug, Rechte: WDR

Banker

Ich hab' sie gefressen, die Banken. Nach der neuesten Geschichte erst recht. Die Commerzbank soll einer 91-Jahre alten Dame eine für sie abenteurliche Anlage empfohlen haben.

Die Dortmunderin verklagt die Commerzbank jetzt wegen Falschberatung. Sie fühlt sich betrogen. 40.000 Euro hat Irmgard Greiner in einen Schiffsfond investiert, den ihre Hausbank, die damalige Dresdner, heute Commerzbank, ihr empfohlen hatte. Was die 91-Jährige nicht wusste: an ihre Ersparnisse kommt sie bis 2027 wohl nicht mehr ran. So lange ist das Geld fest angelegt. Frau Greiner müsste also 118 werden, bis ihr das Geld ausgezahlt wird.

Wieder ein Beispiel für das brutale Geschäft mit dem Geld. Banker waren für mich schon immer profitgeile, skrupellose Menschen. Wo bleibt Euer Anstand? In diesem Fall mal wieder auf der Strecke.

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Montag, 24.10.2011

Bild von Asli Sevindim, Rechte: WDR

Schmidt adelt Steinbrück

War das nun ein überflüssiger Egotrip oder doch eher eine clevere Kandidaten-Kür? Die Meinungen gehen da heute auseinander. Aber egal wie man ihren Auftritt gestern Abend im Ersten fand - die geballte Aufmerksamkeit jedenfalls war und ist ihnen sicher: Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt - und vielleicht-mal-Kanzler Peer Steinbrück.

Gestern abend war das hanseatische Duo zu Gast bei Günther Jauch: Werbe-Tour für ihr gemeinsames Buch, das diese Woche in den Handel kommt. Aber nicht nur das Buch wurde da beworben.

Von quasi höchster Stelle gab es höchste Weihen, denn angepriesen wurde in der Sendung auch Peer Steinbrück selbst - als geeigneter Kandidat für große Aufgaben. Die wenig überraschende Aussage von Alt-Bundeskanzler Schmidt, dass er Steinbrück das Amt des Bundeskanzlers zutraue, macht ja schon vorher die Runde.

Heute nun können, dürfen und müssen einige auf diesen Auftritt reagieren. Reichlich gegensätzliche Stimmen sind da aus der SPD zu hören: Während Parteichef Gabriel Gelassenheit verbreitet, ärgert sich der Juso-Vorsitzende Vogt über den „Ego-Trip“. „Kanzlerkandidaten werden nicht von Altkanzlern ausgerufen, sondern von der Partei bestimmt.“ meint er.

Ich finde es absolut in Ordnung, wenn ein altgedienter und erfahrener Politiker und Staatsmann wie Helmut Schmidt seine Einschätzung kundtut. Nur ob Peer Steinbrück sich einen Gefallen tut, indem er das zulässt – da bin ich nicht so sicher. Sich so früh aus der Deckung wagen, sich loben und huldigen lassen, das könnte fast so aussehen, als er wenn er es nötig hätte. Und das ist in meinen Augen nicht wirklich souverän.
Und wie sehen SIE das?

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Sonntag, 23.10.2011

Bild von Catherine Vogel, Rechte: WDR

Facebook für Fiffy

„Die Pizza ist köstlich!“ oder „Gehe jetzt einkaufen“ – das sind meiner Meinung nach Postings auf Facebook, die die Welt nicht braucht!
„Mein neuer Kratzbaum ist der Hammer“ und „Wer will mit mir Gassi gehen?“ die gehören auch in die Kategorie! Bei My Social Petwork – einem neuen sozialen Netzwerk für Hund, Katze und Maus geht genau das! Frauchen oder Herrchen können sich hier im Namen ihres Tieres austoben! Postings, Bilder – der tierischen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Die Tierliebhaber dürfen die Gedanken der Haustiere interpretieren und ins Netz stellen! Ich brauch das echt nicht lesen!
Auf der neuen Plattform sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gut Nacht, sondern auch Schildkröte, Hase, Meerschweinchen und Co! Wozu brauch man das?
Warum dann nicht auch „My Social Plantwork“? Das neue Portal für Orchidee, Pfeilchen und Co!
Ich denke meine Yukka Palme hätte so einiges zu posten: „Ich glaub sie mag mich nicht… Hilfe… ich verdurste!“

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Samstag, 22.10.2011

Bild von Thomas Heyer, Rechte: WDR

Oh du schreckliche...

Printen, Marzipankartoffeln, Weihnachtsmänner, rote Kugeln, weiße Kugeln, Oh Tannenbaum-Gedudel – oh Gott, ich kann gut und gerne darauf verzichten! Jedenfalls zur Zeit. Was faselt dieser Heyer da, werden sie sich fragen. Weihnachten im Oktober? Haben sie heute einen Gedanken an das Fest der Feste verschwendet? Irgendeinen?
Sie vielleicht nicht - aber andere. In meiner Heimatstadt gibt es zum Beispiel in der kommenden Woche den ersten Weihnachtsmarkt, getarnt als Martini-Markt. Bis zum 24.Dezember ist noch eine Weile hin. Wer wollte, konnte heute schon in Essen in einen regelrechten Weihnachtsrausch geraten - auf den Spuren der Kugeln für den Baum. Ich sage: AAAAAAARRRRRGGGHHH!!!

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Freitag, 21.10.2011

Bild von Catherine Vogel, Rechte: WDR

...und jährlich grüßt der Strompreis!

Es ist eine eigenwillige Preispolitik, die die Stromkonzerne da betreiben! Im zwölften Jahr hintereinander steigen die Strompreise für uns Verbraucher. Von 4 bis 9 Prozent Preissteigerung ist diesmal die Rede!
Ein Ritual! Jedes Jahr steigen die Preise – das kommt wie Weihnachten, Neujahr und Ostern.
Verstehen kann ich das nicht, denn die großen Energieriesen machen ein Milliardengeschäft! 2010 war für Stromerzeuger wie RWE, Eon, Vattenfall und EnBW ein absolutes Rekordjahr. Nie zuvor habe man einen so großen Gewinn einfahren können.
Außerdem fällt der Einkaufspreis für Strom seit drei Jahren – die Margen der Stromversorger steigen.
Könnte unser Strompreis da nicht zumindest stabil bleiben?
Nein, heißt es da, denn die Umlage für Erneuerbaren Energien und der Ausbau der Stromnetze müssten zu Preiserhöhungen führen. Seit 12 Jahren?
Ich dachte, wir treiben die regenerativen Energieträger noch gar nicht so lange im großen Stil voran?!
Der Vorwurf, die Energiekonzerne beeinflussen im großen Stil den Strompreis – ist nicht neu!
Warum aber lassen wir uns das so gefallen? Dem gehen wir heute Abend in der Aktuellen Stunde nach.
Versorgungssicherheit, Kontinuität, Wohlfühlen – mit diesem Worten wird ein Abhängigkeitsverhältnis von den Stromanbietern signalisiert: „Bloß nicht wechseln! Sonst steht man ohne Licht da“.
Wir sind beim Strompreis viel zu geduldig und zu ängstlich! Wenn mir der Joghurt nicht schmeckt oder er zu teuer wird, dann kaufe ich auch einen anderen!
Aber Achtung beim Strom! Was ein Quatsch! Wir sollten genau wie im Supermarkt einfach zu einem anderen Produkt greifen! Zu dem, was einem passt.
Ökostrom und Co. Wir beschäftigen uns zu wenig mit dem, was da aus unserer Steckdose kommt.
Solange wir nur meckern und nichts machen, können die Stromversorger meiner Meinung nach die Preise steigern, wie sie möchten.
Bisschen mehr Wettbewerb könnte nicht schaden!

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Donnerstag, 20.10.2011

Bild von Catherine Vogel, Rechte: WDR

Staatskasse leer! Wen interessiert´s?

Irgendwie machen wir was falsch! Wenn unsereins kein Geld mehr hat, dann werden Urlaube gestrichen, Discounter besucht und Schuhkauf-Attacken vermieden! Sparen nannte man das irgendwann einmal! Je nachdem mehr oder weniger!
Für unseren Staat scheint das nicht zuzutreffen! Die Staatskasse ist leer – wen interessiert es? Und in dieser Situation will man satte 7 Milliarden Euro für uns Bürger locker machen! Vielleicht. Steuersenkung?!
Offenbar hat sich die Koalition nach zweijährigem Hin und Her geeinigt und nun könnte das große Wahlversprechen- vor allem der FDP - eingelöst werden.
In einer Pressekonferenz in Berlin verkündeten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Wirtschaftsminister Philipp Rösler, die Koalition habe sich auf eine Steuerentlastung zum 1. Januar 2013 verständigt. Durch eine Verminderung der sogenannten kalten Progression sollen die Steuerzahler jährlich um eben sechs bis sieben Milliarden Euro entlastet werden.
Die kalte Progression tritt dann ein, wenn Lohnerhöhungen nur gerade so ausreichen, um die steigenden Preise abzudecken und die Steuersätze nicht angepasst werden. Schönen Gruß an Herrn Wöhe als BWL-Klassiker!
Radikal sollen die Kürzungspläne dafür nicht sein, so heißt es.
Radikal fass ich mir da an den Kopf!
Wie kann man eine Steuersenkung in Aussicht stellen, während Deutschland Geld an allen Ecken und Enden fehlt? Steuergerechtigkeit – sehr gern – aber diskutieren wir nicht gerade noch über Rettungsschirme und Herabstufungen von Ratingagenturen.
Da sollte man meinen Steuermehreinnahmen wären für Deutschland überlebenswichtig!
Aber wozu aufregen! Aus Bayern schießt schon einer quer. Als bayrischer Dickschädel bekannt – hat CSU-Chef Horst Seehofer gesagt: „Mit uns gibt’s da keine Einigung!“
Da weiß die gelbe Hand nicht was die schwarze tut…

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Mittwoch, 19.10.2011

Bild von Thomas Heyer, Rechte: WDR

Die Schneesteuer – kein Schnee von gestern!

Es war einmal eine Schnapsidee in Köln, die nannten ihre Erfinder „Winterdienstgebühr“. Die Bürger verstanden sie als das was sie war – als Schneesteuer! Eine Steuer, um den Schnee zu räumen, um Strassen und Bürgersteige befahrbar und begehbar zu halten. Die Idee kam mitten im Winter auf die Welt, war also kein Aprilscherz. Doch schnell war diese Hirnblähung wieder verschwunden, so schnell wie sie das Licht der Welt erblickt hatte - zum Glück. Bürger, die an Hauptverkehrsstrassen wohnten, konnten erstmal aufatmen, denn sie wären es gewesen, die vor allem hätten zahlen sollten – genauso wie die Unternehmen in der Innenstadt. Die Idee aus Köln begeisterte natürlich Stadtväter und -mütter in anderen Städten des Landes. Doch wie gesagt, der Plan wurde schnell wieder auf Eis gelegt – damals im Winter 2010. So klang das Märchen und nun zum real-existierenden Wahnsinn: Jetzt, knapp ein Jahr danach, wird die Schneesteuer wieder zum Thema. Eine weitere Gebührenschraube, die es zu verhindern gilt! Nach Bettensteuer eine Schneesteuer und demnächst eine Lichtsteuer, die Städte in die Lage versetzt, nachts die Laternen brennen zu lassen. Was ist mit einer Rathausöffnungssteuer, einer Gebühr mit der Städte ihre Rathäuser überhaupt unterhalten können. Für Bibliotheken, die früher mal öffentliche Bibliotheken hießen, zahlen wir schon. Die Eintritte in vielen Schwimmbädern sind kaum mehr subventioniert, so dass sich Familien mit mehreren Kindern, einen Schwimmbadbesuch oft schenken, weil sie ihn sich nicht leisten können. Nein, eine weitere Abzocke à la „Winterdienstgebühr“ brauchen wir nicht – nicht im vergangenen und nicht im kommenden Winter!

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Dienstag, 18.10.2011

Bild von Thomas Heyer, Rechte: WDR

Päpstlicher als der Papst?

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat Patente auf embryonale Stammzellen verboten. Die Zerstörung eines menschlichen Embryos verstoße gegen die Menschenwürde. Soweit haben wir verstanden – denken wir. Aber: Gilt die Menschwürde auch für Embryos, die erst wenige Tage alt sind? Die Richter aus Luxemburg - päpstlicher als der Papst? Sie sagen, dass schon zum Zeitpunkt der Zeugung jede menschliche Eizelle bereits als menschlich zu betrachten ist. Die uralte Diskussion ist wieder neuentfacht! Die Befruchtung setze den Prozess der Entwicklung eines Menschen in Gang, sagt der Gerichtshof. Und wenn Embryos zur Gewinnung von Stammzellen gekillt würden, ist dies eben ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Soweit die Logik der Richter. Im Verfahren haben Experten betont, dass es sich zwar bis zum 14. Tag nach der Zeugung um menschliches Leben handelt, aber nicht um einen Menschen, der gerade entsteht! Dann aber kann auch von Menschenwürde keine Rede sein. „Leben im Sinne der geschichtlichen Existenz eines menschlichen Individuums besteht nach gesicherter biologisch-physiologischer Erkenntnis jedenfalls vom 14. Tag nach der Empfängnis an.“ So hat es jedenfalls das Bundesverfassungs-gericht 1975 festgestellt. Ausgebremst wurde mit dem Urteil der renommierte Stammzellenforscher Oliver Brüstle aus Bonn. Er wollte sich die Patente schützen lassen, um – wie es heißt – Medikamente gegen Multiple Sklerose, Alzheimer oder auch Parkinson entwickeln zu lassen. Die brauchen viele und wollen wir alle. Die neuen Medikamente wären ein Milliardengeschäft, keine Frage. Greenpeace aber ist heute übers Ziel hinaus geschossen, spricht von einer regelrechten Embryonenindustrie in Europa, die hätte entstehen können – und nun erstmal verhindert wurde!

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Montag, 17.10.2011

Bild von Catherine Vogel, Rechte: WDR

Gruppenbild mit Dame!

So kommt es einem immer wieder vor, wenn man Fotos von deutschen Top-Manager-Treffen sieht!
Die Vorstandsetagen der deutschen Unternehmen sollen weiblicher werden. Denn noch ist der Anteil von Frauen kaum wahrnehmbar. Darüber wird gerade mal wieder heftig diskutiert!
Braucht es den Druck per Gesetz, damit mehr Frauen in Spitzenpositionen aufsteigen?
Wenn es nach unserer Familienministerin Schröder geht, dann regelt eine Selbstverpflichtung demnächst den Anteil der Frauen in den deutschen Führungsriegen!
Ein Entwurf sieht vor, dass die börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen jährlich die Anzahl von Frauen und Männern in Vorstand und Aufsichtsrat veröffentlichen müssen. Sie sollen auch erklären, welchen Anteil von Frauen und Männern sie bei der nächsten Bestellung der Gremien anstreben.
Damit will Schröder die Konzerne zur Abgabe einer Selbstverpflichtung zwingen.
Sollte dann in einem Unternehmen die Zusammensetzung eines Vorstands oder eines Aufsichtsrates nicht der Selbstverpflichtung entsprechen, gibt’s eine Geldbuße und die Berufung des neuen Gremiums ist ungültig!

Kollegin Ursula von der Leyen ist das zu wenig, sie möchte eine Frauenquote schwarz auf weiss im Gesetz verankert!
Braucht es das? Bisher war ich der Meinung, eine Frauenquote ist überflüssig! Denn eine Spitzenposition sollte nach Qualifikation und nicht nach Geschlecht besetzt werden.
Die Debatte über eine Frauenquote stammt aus den achtziger Jahren. Entsetzlich, dass wir sie immer noch führen und auch noch als DAS Aufreger-Thema sehen.
Vielleicht könnte man das mal im Jahr 2011 klären.
Für mich steht fest: Es müssen mehr Frauen Führungspostionen übernehmen. Schade, wenn es dafür ein Gesetz braucht. Aber dann muss es wohl so sein…
Auf ein Gruppenbild mit DameN!

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Samstag, 15.10.2011

Bild von Thomas Heyer, Rechte: WDR

Occupy - Klappe, die zweite…

„Nicht zufällig handeln Banken und Spekulanten wie die Mafia. Sie sind eine. Mit Moral braucht man denen nicht zu kommen, sie haben keine. Man muss ihnen mit dem Gesetz kommen. Knallhart.“ So hat Jens heute noch zum Blog von gestern geschrieben. Mit dieser Meinung steht er nicht allein und ich kann ihn gut verstehen!
Heute ist sie auch bei uns auf den Strassen angekommen – die Occupy Bewegung, die seit Wochen in New York DAS Thema ist. Weltweit protestierten heute am Aktionstag Menschen – in ihrer Ohnmacht - gegen die Allmacht der Finanzmärkte. „Occupy Wall Street“ so auch heute in Köln, Düsseldorf, Bielefeld oder auch Paderborn. Doch was heißt „Besetzt die Wall Street“? Gibt es Pläne für eine Instand(-be)setzung? Da ist in den globalisierten Zeiten das System gewaltig aus dem Ruder gelaufen: Die US Immobilienkrise wird zur Lehmann Pleite, die Krise der Griechen lässt den Euro implodieren. Es herrscht pure Angst, Angst vor der Mafia!?!

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Freitag, 14.10.2011

Bild von Martin von Mauschwitz, Rechte: WDR

Occupy...

Es begann in den USA: Menschen blockieren Wall-Street, den heiligen Altar der Finanz-Welt. "Occupy Wallstreet" nennt sich die neue Bewegung. Der Platz, auf dem sie ihre Dauer-Demonstration gegen die Allmacht des Finanz-Kapitals abhalten soll nun geräumt werden - angeblich, um ihn zu säubern. Noch hat sich die Polizei nicht getraut, dagegen vorzugehen.
Einige Bürgermeister und Polizeichefs hier bei uns werden die Nachrichten aus New York genau verfolgen, denn: Die "Occupy..."-Bewegung hat sich per Internet bis nach Deutschland fortgepflanzt. Unter anderem in Köln soll es ab morgen Demonstrationen geben.
Noch wissen wir nicht, was draus wird und wer die Sache hier vorantreibt aber: überraschend finde ich das nicht. Haben wir im Ernst gedacht, die Menschen würden sich allzeit von einer Finanzbranche auf der Nase rumtanzen lassen, die zunehmend den Bezug zur Realwirtschaft verliert? Die nach der Lehman-Pleite und den milliardenschweren Rettungsschirmen mit allen Tricks notwendige Reformen verhindert hat? Eine Marktwirtschaft, in der die Banken die Gewinne behalten, Verluste aber auf die Steuerzahler abwälzen können, wird scheitern - an der eigenen Hybris und an den Menschen, die sich das irgendwann nicht mehr gefallen lassen.

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Donnerstag, 13.10.2011

Bild von Asli Sevindim, Rechte: WDR

112 oder 110?

Diese Geschichte aus der gestrigen Aktuellen Stunde hat auch uns sehr aufgewühlt:
Eine schwangere Frau liegt von Krämpfen geschüttelt auf der Straße - Ein Fußgänger setzt per Handy einen Notruf ab - die Helfer kommen spät. Zu spät. Die Frau stirbt.

Passiert ist das am Sonntag-Abend in Witten an der Ruhr - Wir haben gestern darüber berichtet. Heute wissen wir: Die Frau hatte eine schwerwiegende Vorerkrankung - eine Tumorerkrankung am Herzen. Ob sie zu retten gewesen wäre, das vermag keiner zu sagen.
Was aber unabhängig davon klar ist: Dieser Notruf ist richtig schief gelaufen. Weil er die 112 nicht erreichen konnte, meldete der Fußgänger alles der 110. Doch die leitete nicht den Anrufer selbst weiter, sondern übermittelte die Informationen. So waren wohl keine Nachfragen möglich. Unvollständige Informationen sollen den Einsatz erschwert haben. Ein Problem, das im schlimmsten Fall Menschenleben kosten kann. Leider wissen viele Menschen nicht, welche Telefon-Nummer sie im Notfall wählen müssen. Deshalb ist das gleich ein Thema in der Aktuellen Stunde.
Und ich überlege selbst noch einmal, ob ich das im Fall der Fälle selbst auch sicher wüsste???

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Mittwoch, 12.10.2011

Bild von Martin von Mauschwitz, Rechte: WDR

Vorsicht, Pille!

Ja wir geben es zu: Asli und ich haben gelegentlich mal solche Vitamin-Pillen eingefahren. Wenn wir Stressphasen hatten und uns das Erkältungswetter zusetzte. Hustend und mit triefnase im TV-Studio, das kommt halt nicht so gut.
Heute haben wir einen Bericht in der Aktuellen Stunde, der uns allerdings nachdenklich macht: Darin ist von US-Studien die Rede die nachweisen, dass zum Beispiel Frauen, die über sehr lange Zeit Vitaminpräparate einnehmen, häufiger an Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden sterben sollen. Bei Männern soll häufiger Prostatakrebs vorkommen. Dazu Ärztestatements, dass man Zusatzvitamine gar nicht braucht, selbst wenn man sich ausschliesslich von Fastfood ernähren sollte.
Als hätte sie es geahnt, hat Asli uns heute die volle Natur-Vitamin-Power mitgebracht: Orangen, Kiwis, Bananen, Äpfel, dazu frischer Ingwer-Tee. Voll der Obsttag hier.
Ich hätte da noch ne Packung Vitamin-Pillen zu verschenken....

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Dienstag, 11.10.2011

Bild von Asli Sevindim, Rechte: WDR

In diesem Café bitte nicht stillen…

Patricia Hermanns ist fassungslos. Die junge Frau ist hochkant aus einem Café in Krefeld geflogen. Der Grund ist für sie eine Unverschämtheit – wahrscheinlich nicht nur für sie.

Die junge Frau hat ein kleines Baby. Und die haben ja schon mal die Angewohnheit Hunger zu bekommen. Eindeutiges Zeichen dafür: Ein markdurchdringendes Schreien. Der Arbeitsauftrag für die Mutter ist dann ebenso eindeutig: Bitte stillen, bitte stillen!

Patricia Hermanns hatte sich dafür ein Bäckerei-Café ausgesucht. So wie sie es erzählt, hat sie sich ganz hinten in eine Ecke verdrückt und ihrem Kleinen dann die Brust gegeben. Eine Verkäuferin soll daraufhin zu ihr gekommen sein und ihr gesagt haben, dass das Stillen dort verboten sei – andere Gäste würden sich dadurch gestört fühlen. Eine entblößte Brust, das sei nicht wirklich schicklich.

Patricia Hermanns fühlt sich völlig vor den Kopf gestoßen und ist damit nicht allein: Stillende Mütter werden nicht geduldet, aber für Raucher richtet man eigens Räume ein – so lautet eine Kritik.
Die Bäckerei hat inzwischen erklärt, dass die Mitarbeiterin wohl überreagiert habe. Nichts böses gegen die Frau - Aber sie muss ja vorher auch irgendwelche Instruktionen erhalten haben. Wie kommt man denn sonst darauf, dass es eine Belästigung ist, wenn ein hungriges Baby „gefüttert“ wird?

Etwas mehr Verständnis wäre hier sicher angebracht – allerdings auf beiden Seiten. Dass auch stillende Mütter sich verständnisvoll dezent verhalten – das setze ich einfach mal voraus…

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Montag, 10.10.2011

Bild von Martin von Mauschwitz, Rechte: WDR

Big Brother

Danke, lieber Chaos Computer Club! Du hast Ausspäh-Software unter die Lupe genommen und festgestellt: Wer diese Programme laufen lässt, der kann Bürger nach Strich und Faden ausspähen. Und zwar grad so, wie es eben NICHT erlaubt ist. Beispiel gefällig? Mit so einem Programm, heimlich auf den Computer eines Bürgers geschleust, kann man heimlich die Webcam anschalten und so den ganzen Raum überwachen, man kann Emails lesen - selbst solche, die noch gar nicht abgeschickt sind. Schlimmer noch: Jeder halbwegs begabte Hacker kann sich mit einklinken und dann seine eigene ganz privates Überwachung jenseits von Recht und Gesetz starten. - Bund und NRW haben schon dementiert, diese Software eingesetzt zu haben. Nun soll die Spur nach Bayern führen.
Es ist naiv, zu sagen: Ich hab nix zu verbergen, ich baue keine Bomben, sollen sie doch meine Mails lesen. Bei allem Verständnis für die Sicherheitsbehörden, die auch nur ihren Job machen wollen: Wir müssen ihnen auf die Finger schauen. Du, lieber Chaos Computer Club hast uns dabei geholfen. Nochmal: Danke.

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Freitag, 07.10.2011

Bild von Susanne Wieseler, Rechte: WDR

Protest und Provokation

Ich habe mich ziemlich erschrocken und war einigermaßen entsetzt, als ich heute Vormittag in einem Nachrichtenkanal die Bilder aus Griechenland sah. Feixende Demonstranten mit Hitlerbärtchen und vorgerecktem rechten Arm. Spontan denkt und fühlt man natürlich: Ihr habt sie doch nicht alle, wir helfen euch doch! Immer wieder liefen die Bilder in epischer Breite, einfach nur mit dem Hinweis auf Demonstranten, die gegen den Besuch von Wirtschafts-Minister Rösler demonstrieren. Absolut empörend!

Ich war dann ziemlich beruhigt, als ich mit unseren Redakteuren und Reportern gesprochen habe. Dass es sich nämlich um einige wenige handelt. Die eben offenbar ganz gezielt provozieren wollen mit ihrer kleinen Horrorshow und wissen wie man das tut, vor laufenden Fernsehkameras. Und dass wir heute mit sehr vielen Griechen gesprochen haben, die alle selbst entsetzt waren, über die Bilder.

Also: Ich finde es immer noch überflüssig und blöd. Aber mit ein bisschen Hintergrund und Einordnung sieht das schon ganz anders aus. Nicht verstehen kann ich Kollegen, wie die bei dem privaten Nachrichtenkanal, die solche Bilder zeigen und behaupten, so sehe der Protest der Griechen gegen Deutschland aus. Nicht zu reden vom dem was die Bild-Zeitung macht, das liest sich wirklich wie Hetze.

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Donnerstag, 06.10.2011

Bild von Thomas Bug, Rechte: WDR

Steve Jobs

Mit der Nachricht war zu rechnen, trotzdem macht sie einen traurig. Wie die Meisten Menschen, habe ich ihn nie persönlich kennengelernt. Und doch war er mir irgendwie vertraut. Denn was er sich ausgedacht hat, hat unser Leben verändert. Auch meins.

Wir ziehen so selbstverständlich Musik auf unsere iPodsPadsPhones, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich eine CD kaufen soll. Wir wischen über unsere Geräte, laden Apps, mit denen wir unser Leben organisieren. Und tun wir das nicht mit seinen iGeräten, machen wir's über die der Konkurrenz. Die sich vieles abgeschaut hat.

Ich ahne, dass die bekannten Miesepampel wieder meckern. Dass wir einem Datenschlucker heute den Blog widmen, es offenbar nichts Wichtigeres gibt, als über teuren, unnötigen Technikkram zu sprechen. Mir geht's um den Mann dahinter. Den mit den Visionen. Den Vordenker. Der die Gabe hatte, sich Gedanken über das Leben von Morgen zu machen. Und - ja - damit auch viel Geld verdient hat.

Ich habe Respekt vor dieser Lebensleistung.

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Mittwoch, 05.10.2011

Bild von Susanne Wieseler, Rechte: WDR

Späte - Radfahrer und andere Rowdies ...

Es tut uns leid - der blog kam gestern Abend mit einiger Verspätung ...! Die Technik hat leider geklemmt - sorry!!!


Ich würde nie, niemals mit dem Auto über eine rote Ampel fahren. Jedenfalls nicht wissentlich.

Zu Fuß mache ich das aber schon gelegentlich. Wenn keine Kinder in der Nähe sind und sonst alles erkennbar frei ist. Und neulich bin ich auch mal mit derm Fahrrad über eine rote Fußgänger-Ampel geeiert. IN einer Tempo 30-Zone, ich war sehr langsam und weit und breit kein anderer "Verkehrsteilnehmer" in Sicht. Und trotzdem musste ich zahlen, weil die Polizei hinter mir war. Und das hat mich ziemlich geärgert. Ja, man braucht Regeln. Und man soll sich auch dran halten. Aber wenn man so eindeutig Niemanden gefährdet, dann verstehe ich nicht, warum da hart durchgegriffen wird.

Und warum man die Bußgelder erhöhen sollte, leuchtet mir auch nicht ein. 15 oder 30 Euro reichen als Denkzettel doch wohl völlig. Natürlich muss man einen Rad-Rowdie dran kriegen, der über einen Bürgersteig stocht und Fußgänger aufscheucht oder anrempelt. Aber - anders als Autofahrer - gefährden Radfahrer ja in der Regel hauptsächlich sich selbst - wenn überhaupt. Im Übrigen haben sie, finde ich, tatsächlich einen Bonus verdient, weil sie umweltbewusst unterwegs sind.

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Dienstag, 04.10.2011

Bild von Martin von Mauschwitz, Rechte: WDR

PKW-Maut, ja bitte.

So fallen Tabus: An eine PKW-Maut hat sich in Deutschland ernsthaft kaum je einer rangetraut. Zu mächtig die Autofahrer-Lobby mit dem ADAC, zu mächtig die Auto-Industrie, die bei solchen Gelegenheiten um ihren Absatz-Markt Deutschland fürchtete. Ähnlich wie beim Tempolimit wollte sich am Ende kein Regierender mit solchen Themen um seine Wahlchancen bringen.
Doch die Zeiten haben sich geändert: Die deutsche Auto-Industrie steht und fällt längst nicht mehr mit den in Deutschland verkauften Autos und der Druck auf die Politik, mehr Geld reinzuholen ist massiv gestiegen.
Bundesverkehrsminister Ramsauer macht jetzt die Tür zur Maut ein Stückchen auf. Erstmal vorsichtig: ...denken wir drüber nach... könnte ich mir vorstellen... Aber: Der Geist ist aus der Flasche.
Ich glaube daß die Maut, wenn überhaupt, erst nach der nächsten Wahl kommt, wenn die frisch Gewählten das kleine Zeitfenster für Grausamkeiten nutzen (müssen). Und ich finde die Maut richtig. Beim Straßenbau fehlen Milliarden. Dass die Nutzer dieser Straßen sich daran beteiligen, dieses Loch zu stopfen, ist gerecht, auch wenn die Autofahrer mit Mineralöl- und KfZ-Steuer zugegeben schon einen kräftigen Obulus entrichten. In unseren Nachbarländern ist niemand an der PKW-Maut zugrunde gegangen. Das wird auch bei uns so sein.

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Montag, 03.10.2011

Bild von Thomas Heyer, Rechte: WDR

Freude, was sonst?

Es war abends am 9. November 1989 als ich einen Freund in Paris besuchte. Ich stand vor seiner Wohnung und klingelte. Drinnen hörte ich laut den Fernseher laufen, doch niemand öffnete. Plötzlich schrie Gerhard – so hieß mein Freund – von innen: „Ich kann jetzt nicht, die Mauer ist auf!“ Ich sehe mich noch da stehen, im Flur dieses Hauses. Absolut gar nichts habe ich damals im spitzen Moment des konkreten Augenblicks verstanden. DIE Mauer? Auf? Deutschland einig Vaterland? Was dann geschah wissen wir alle? Alle? Für meine Kinder ist der Gedanke an ein geteiltes Deutschland die Reise in eine ganz ferne Zeit. Sie kennen nur die „eine“ Bundesrepublik, die heute ganz groß in Bonn gefeiert wird. An diesem Tag in Feierlaune und sattem Sonnenschein brauche ich persönlich kein politisches Geplänkel. Was soll das Wasser im Wein? Da kritisieren Linkspartei und Gewerkschaften das Ost-West Lohngefälle, da wertet die CSU die Linkspartei prompt als Schatten auf der deutschen Einheit und der CSU Generalsekretär fordert eine Überprüfung der Linken durch den Verfassungsschutz. Bitte – sie mögen kritisieren, drohen und fordern, aber doch bitte nicht heute. Heute herrscht Friede, Freude, Einheit!   

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