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Michael Ballack bleibt Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Und Philipp Lahm auch. Wat? Sehr clever, Herr Löw. Der Bundestrainer erklärte heute: "Wenn Michael wieder zurück kommt und den Weg in die Mannschaft findet, wird er auch der Kapitän sein. Spielt Michael nicht, ist Philipp der Kapitän“.
Löw macht genau das Richtige. Er knüpft seine Entscheidung an die Leistung. Ballack ist derzeit keine Hilfe, also spielt er nicht und Lahm ist der neue Capitano. Das muss Ballack aushalten. Das ist tragisch, denn seine Pechsträhne begann mit einer Verletzung für die er nichts konnte. Ballack aber hat eine Chance. Nutzt er sie und schafft die Rückkehr über die Leistung, ist er wieder der Chef.
Aber kann Löw das überhaupt wollen? Ist es ein Abschied auf Raten? Von einem, der sehr viel für die Mannschaft getan hat, ja, dennoch ist Ballacks Rolle in der Mannschaft nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen keinen Leitwolf mehr - wir haben seit der WM eine wunderbar funktionierende Mannschaft.
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Es ist wie in der Achterbahn: Rauf und runter mit den Gefühlen – mal regt mich das alles fürchterlich auf, mal macht es mich nur noch müde – aber gleichgültig kann mir die von Thilo Sarrazin ausgelöste Debatte nicht sein. Vermutlich sehr vielen von uns nicht - Auch die Aktuelle Stunde beschäftigt sich heute mit der Vorstellung und Veröffentlichung seines Buches „Deutschland schafft sich ab“.
Gleich vorneweg: Ich habe das Buch bereits und hatte somit die Gelegenheit rein zu schauen. Schon auf den ersten Seiten wurde mir mulmig – wegen der Inhalte UND wegen der Sprache, die Thilo Sarrazin bemüht:
Er spricht von Fäulnisprozessen in der Gesellschaft und führt kulturelle und soziale Unterschiede auf genetische Veranlagungen zurück – Förderung und Bildung würde da meist auch nichts mehr ausrichten. Allein diesen Gedanken habe ich mehrmals gelesen, um die Tragweite dieser Überlegungen zu verstehen.
Ich will an dieser Stelle nicht alles wiederholen, was seit Tagen zitiert und durchdekliniert wird: Muslime wollten sich nicht integrieren, der fließende Übergang des Islam zum Terrorismus, die Migration in unser Sozialsystem – Thilo Sarrazin schreibt, was sicher sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft denken. Ob diese Gedanken dadurch wahrer werden ist die Frage.
Viele andere Themen, die er anspricht, finde ich sehr wichtig – sie bedürfen der Debatte und Lösung. Ich finde zum Beispiel die Kita-Pflicht, die er anspricht, absolut richtig, bin selbst seit Jahren dafür – im Interesse der Kinder.
Aber spätestens hier hört der Konsens auch auf, denn im Grunde spreche ich Herrn Sarrazin ein echtes Interesse an Lösungen ab. Schon oft hat er einen Tonfall angeschlagen, der beleidigend und verletzend war – ich erinnere nur an seinen Vorschlag Hartz-4-Empfänger sollten zuhause Pullover tragen, um die Heizkosten zu senken – aber diesmal hat er sich definitiv ins Abseits gestellt.
Er bemüht inhaltlich und sprachlich rassistische Motive, erklärt Verhalten und sozialen Status von Menschen mit ihrer genetischen Veranlagung – das kann nun wirklich kein Versehen sein und erst recht kein Missverständnis.
Thilo Sarrazin fertigt barsch und unmenschlich diejenigen ab, die seiner Meinung nach keine Funktion in dieser Gesellschaft haben, er erklärt sie für dumm und unnütz.
Er selbst ist aber intelligent genug zu wissen, was seine Thesen, seine Sprache und sein Stil auslösen: Sarrazin beleidigt und diffamiert, er verurteilt pauschal und vereinfacht derart, dass seine Analyse nicht mehr stimmen kann. Und dann tut er auch noch so, als sei das nie seine Absicht gewesen.
Wer wirklich an einer lösungsorientierten Debatte interessiert ist, der darf nicht einfach Statistiken angucken und zitieren, sondern muss auch nach den Ursachen forschen. Und dabei geht es mir nicht darum, irgendwen aus seiner Verantwortung zu entlassen nach dem Motto „Er kann nichts dafür – die Umstände sind schuld.“
Aber Kultur und Religion als Haupt-Erklärungsmuster sind mir zu einfach. Wenn muslimische Kinder schlecht in der Schule sind, weil sie Muslime sind, woran hapert es dann bei deutschen Kindern, die keinen Bildungserfolg haben?
Auch das Gerede von wegen Tabubruch und politischer Korrektheit ist inzwischen ermüdend: Was um Gottes Willen darf in diesem Land nicht gesagt werden???
Herr Sarrazin – wie viele andere auch - sagt doch alles, was ihm in den Sinn kommt! Er muss nur aushalten, dass man ihm antwortet!
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Hallo liebe Blog-Gemeinde.
So viele Einträge, so viele Gedanken, so viele verschiedene Punkte, die bedenkenswert sind – zu einigen will ich gerne Stellung nehmen. Z.B. zu Mick am 31.08.10 14:32:
„Hallo Frau Sevindim
Wie Sie lesen werden gibt es nicht nur kontra Sarrazin sondern auch viele die mit seiner Meinung konform gehen. Ist das nun der braune Mob von Morgen? Ich glaube nicht das es so ist.“
Lieber Mick, ich bin – wie Sie nachlesen können – nicht davon ausgegangen, dass Herr Sarrazin alleine dasteht mit seiner Meinung. Von einem braunen Mob habe ich übrigens auch nicht gesprochen. Ich sehe auch keine Gespenster, aber dass biologistisches Gefasel, das soziale und kulturelle Unterschiede auf genetische Veranlagung zurückführt, dringend beantwortet werden muss, ist für mich eine Selbstverständlichkeit: So sehr bin ich dann auch integriert und deutsch-sozialisiert, dass ich weiß, worauf solcher Gen-Dummschwätz hinauslaufen kann.
Haben wir keine Integrations-Probleme in Deutschland? Aber sicher!
Mal abgesehen davon, dass ich das Wort Integration nicht mag (Wenn man mich integriert nennt, dann habe ich das Gefühl, dass man mich für "Normalität" lobt, nämlich dafür, dass ich klar komme!): Ich bin auch erschüttert, traurig und wütend, wenn ich sehe, dass Menschen sich verschließen und abschotten, wenn sie Gemeinsamkeiten ablehnen, wenn sie absichtlich „draussen“ bleiben und nicht mitmachen. Genauso unfassbar finde ich es auch, wenn Menschen sozial abgehängt werden, diffamiert, diskriminiert usw.
Übrigens gilt das – in meiner Denkwelt - für ALLE: Für Deutsche, Nicht-Deutsche und Noch-nicht-Deutsche oder wie auch immer man Einwanderer nennen möchte: Ich stamme schließlich auch aus einer türkischen Familie und meine Heimat ist Deutschland!
Was mit Straftätern ist? Mit Kriminellen? Ganz einfach: Dafür haben wir in diesem Land Gesetze. Egal welchen kulturellen Hintergrund jemand hat oder woher er selbst oder die Eltern einmal gekommen sind: Gleiches Recht für Alle. Das gilt auch für Strafen.
Noch ein Punkt, der mir sehr wichtig ist: Jetzt würde jeder auf Herrn Sarrazin einschlagen, man wolle ihn mundtot machen. Bitte was? Der Mann spricht in jedes Mikrofon, das man ihm hinhält und das sind nicht gerade wenige! Also bitte keine Paranoia.
Ich kann jedenfalls nicht erkennen, wer in Sachen Migration und Integration mit seiner Meinung hinter dem Berg hält…
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Mann, das war aber ein heftiges Unwetter heute nacht. Dachte ich heute morgen, als ich mich mal im Garten umgesehen habe. In Essen. Dann hab ich das Radio angemacht und gemerkt: Das war gar nix. Ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem, was in der Nacht über dem Münsterland niedergegangen ist:
Regen für drei Monate in nicht mal 30 Stunden. Ganze Seenplatten sind da entstanden. Die Tiere stehen im Wasser - Selbst ältere Bauern sagen: So haben wir unsere Felder und unsere Weiden noch nie erlebt. Die Statistik gibt ihnen Recht: Seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1891 hat das Münsterland niemals einen so nassen August erlebt.
Im Münsterland gibts keine Küste, keine typischen Hochwasser-Flüsse, keine jährlich überfluteten Altstädte. Darum gibts da auch keinen Hochwasserschutz, keine Deiche - warum auch. Aber seit gestern Nacht ist alles anders. Sommer in Zeiten des Klimawandels. Wir müssen uns auf immer extremere Wetter-Phänomene einstellen - das sagen Experten schon lange.
Wie haben Sie diese Nacht erlebt? Was hat der Regen bei Ihnen angerichtet? Was ist das für ein Gefühl, wenn sich ein Regen wie in den Tropen auf das Dach eines westfälischen Einfamilienhauses ergiesst?
Schildern Sie uns Ihre ganz persönliche Regenzeit - wir sind gespannt!
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Das Internet schafft sich seine eigene Realität - und manchmal finde ich das ziemlich seltsam. Vor kurzem sorgte eine Meldung über einen umgestürzten Blumenkübel in Westfalen weltweit für Internet-Aufmerksamkeit. Medien aus allen Kontinenten wollten anschliessend mehr über das Schicksal des Blumenkübels erfahren. OK, wenn die Menschen sonst keine Probleme haben...
Aber manchmal wirds auch kriminell: Da steckt eine ältere Dame in Coventry (England) eine Katze in einen Mülleimer. Eine Überwachungskamera filmt die Szene, die Katzenbesitzer stellten das Video ins Netz. Seit dem erhält die ältere Dame Morddrohungen, kann sich nur noch mit Polizeischutz in der Öffentlichkeit sehen lassen. Die Frau wird deshalb möglicherweise sogar ihren Job bei einer Bank verlieren. Bei Facebook soll es eine Gruppe geben "Tod für Mary B."
Natürlich geht das nicht, eine Katze in einen Mülleimer zu stecken. Aber - bei aller Tierliebe - es gibt nun wirklich schlimmere Greueltaten auf der Welt. Die Katze lebt, ist unverletzt, hat einige ungemütliche Stunden verbracht. Ich finde es unerträglich, einem Menschen deshalb den Tod anzudrohen, vielleicht die Existenz kaputt zu machen. Gebt der Frau eine Geldstrafe wegen verstosses gegen den Tierschutz, und gut ist es.
Mit dieser Form des Internet kehrt das Mittelalter zurück: Als Pranger. Und auf dem virtuellen Marktplatz darf jeder Depp im Schutz der Internet-Anonymität so einen Menschen beschimpfen, beleidigen, bedrohen. So wie im Mittelalter auch die Dummen, die Ungebildeten, die vom eigenen Leben frustrierten, gejohlt und gejubelt haben, wenn der Henker sein Beil niedersausen liess. Schuldig oder unschuldig? Wen interessiert das schon, wenn der Volkszorn erst brodelt.
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Bewunderung und Respekt für Frank-Walter Steinmeier: Er hat seiner Frau eine Niere gespendet. Gestern die OP - beiden soll es gut gehen.
Wir haben hier in der Aktuellen Stunde auch andere Menschen gezeigt, die das getan haben - und seitdem diskutieren auch wir in unserer Redaktion: Was ist mit uns? Mit MIR? Würde ich das auch tun? 70 Prozent der Menschen in Deutschland sagen zwar, sie würden nach ihrem Tod ihre Organe spenden - aber nur 17 Prozent besitzen einen Organspendeausweis. Und ohne Ausweis keine Spende.
Dabei kann Helfen so einfach sein: Ein Stück Papier, eine Unterschrift - und im Falle des Falles, können wir vielleicht einem Menschen das Leben retten, ein Leben leichter - eine Familie glücklich machen.
Mir ging es lange Zeit auch so: Ach ja, ist eigentlich eine gute Sache - dachte ich - aber GEMACHT habe ich nichts. Heute endlich habe ich Nägel mit Köpfen gemacht: Ich habe mir in der Apotheke einen Organspendeausweis geholt, ihn ausgefüllt und in mein Portemonnaie gesteckt!
Wie einfach das geht, sehen Sie heute abend in der Aktuellen Stunde.
Jetzt würden wir SIE gerne dafür gewinnen!
Werden auch Sie Organspender - falls Sie es nicht schon längst sind!
Auf unserer Homepage sehen sie den Aufruf: Anklicken, Ausdrucken, Ausfüllen.
Und dann machen Sie doch bitte noch ein Foto von sich mit Ihrem Organspendeausweis und laden Sie es hoch auf unsere Internetseite.
Gemeinsam helfen - das wäre doch eine schöne Sache. Und weil wir ganz fest daran glauben, dass ganz viele andere das auch wollen, setzen wir uns ein Ziel:
5000 neue Organspender in 50 Tagen!
Ich hab's gemacht: Ich bin Organspender. Sie auch?
http://www.wdr.de/tv/aks/extra/organspende.jsp
Liebe Blog-Community,
vielen Dank für die vielen und sehr engagierten Beiträge zu diesem Thema.
Wie Sie seit gestern wissen, bin ich ja recht neu in diesem Thema, aber ich verfolge die Debatte hier im Blog mit großem Interesse.
Einige Beiträge sind mir besonders aufgefallen.
Anonym am 25.08.10 19:29 – schrieb:
„Im Mai hatte ich das Riesenglück nach 6 1/2 Jahren Dialyse eine neue Niere zu bekommen. […]Ich bin dem Spender und seiner Familie so sehr dankbar, mir wurde durch sie ein neues Leben, jede Menge Lebensfreude und Freiheit geschenkt.
Ich selbst hab mir schon mit 16 einen Organspendeausweis besorgt, lange bevor ich von meiner künftigen Nierenkrankheit wusste. Auch jetzt hab ihn nicht ausrangiert, da ich hoffe, dass nach meinem Tod, vielleicht doch noch jemand von mir etwas brauchen kann.
Herrn Steinmeier danken, dass er das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht hat.
@ nobadylady
Ich kann ihnen versichern, ich bin nicht reich und ein ganz normaler Kassenpatient.“
In diesem Beitrag sind viele Dinge angesprochen, die auch andere Blogger offensichtlich stark beschäftigen: Zwei-Klassen-Medizin, der Organspender als Ersatzteillager, das Geschäft, das mit Spenderorganen gemacht werden könnte…
Ein kritischer Blick ist oft berechtigt – finde ich – aber ich möchte es mit meinem Argwohn auch nicht zu weit treiben: Ich gehe nicht davon aus, dass ich „ausgeweidet“ werde, wenn man den Organspendeausweis in meiner Brieftasche findet. Dieses Vertrauen habe ich dann doch in dieses Land, seine Menschen und sogar in sein Gesundheitssystem, auch wenn da genug im Argen liegt.
Deshalb kann ich den heftigen Tonfall von Henriette am 26.08.10 10:44 nicht ganz nachvollziehen:
Dass eine Jagd auf Organspender stattfinden könnte glaube ich nun nicht, aber:
Den Hinweis – auch anderer Blogger – auf Datenschutz und Privatsphäre nehmen wir sehr ernst! Natürlich MUSS niemand sein Bild veröffentlichen – erst recht nicht sensible Daten – deshalb schalten wir übrigens die Fotos auch nicht sofort frei, sondern sehen sie vorher an, um zu verhindern, dass jemand z.B. aus Versehen seine Adresse bekannt macht.
Außerdem haben wir – auch aufgrund Ihrer Hinweise in diesem Blog – heute einen neuen Hinweis in unsere Aktion „Ich hab’s gemacht: Ich bin Organspender!“ eingebaut: Wer sein Foto nicht veröffentlichen möchte, kann einfach ohne Foto gerne in unser Gästebuch schreiben. Hier ist eine Abkürzung dorthin:
http://www.wdr.de/tv/aks/extra/organspende.jsp
35 neue Organspender sind übrigens schon hinzu gekommen – DANKE!!!
Und zum Schluss ein Hinweis an Detlev Berbig am 25.08.10 19:41
„Grundsätzlich alles richtig! Aber: Lebendspende der Promis kommt in die Presse. Andere Spender werden vergessen.“
Nein, so ist es nicht! Gerade in der Aktuellen Stunde haben wir auch andere Menschen, nichtprominente Menschen gezeigt, die das Thema auch berührt. Prominente sorgen oft dafür, dass ein Thema debattiert wird – nicht immer neu, sondern auch mal wieder. Und auch das ist gut so.
Also, keine Moralkeule, kein Promibonus – wer mitmachen möchte, der tut es. Danke.
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Mittlerweile sind drei Babys in der Uniklinik Mainz tot. Die Klinik zeigt sich betroffen, betont aber: Mangelnde Hygiene in der Klinik habe damit nichts zu tun. Der Fehler liege woanders.
Schon gestern habe ich an dieser Stelle vor voreiligen Schlüssen und Schuldzuweisungen gewarnt und geraten, erst die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen abzuwarten. Einige wenige hier im Blog haben das geflissentlich überlesen und mir schon wegen der Überschrift Vorverurteilung unterstellt. Nochmal zum mitschreiben: NEIN! Erst Abwarten!
Deutlich mutiger ist heute unser Gesundheitsminister Rösler. Der hütet sich zwar auch vor irgendwelchen Beschuldigungen im Fall Mainz, zieht jetzt aber in Sachen Krankenhaus-Hygiene die Zügel an. Mit den zuständigen Länderministern will er über Verschärfung und Verbesserung reden. Damit ist die Diskussion über die Hygiene in unseren Krankenhäusern da - ganz unabhängig von der Tragödie in Mainz.
Offenbar - so lerne ich durch den Minister und viele Diskussionsbeiträge auch in diesem Blog - gibt es bei der Klinik-Hygiene hier im Land erheblichen Gesprächs- und vielleicht auch Verbesserungsbedarf: Da behauptet ein Hygieniker aus Berlin, dass tausende Menschen, die jährlich in unseren Kliniken sterben, bei besserer Hygiene noch leben könnten. Ich bin da skeptisch, aber: Was manche Blogger hier aus ihrer eigenen Krankenhaus-Erfahrung geschildert haben, das gibt mir schon zu denken.
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Es ist unser Job, uns auch mit schrecklichen Geschichten zu befassen. Aber manchmal geht einem so eine Geschichte eben doch nahe. Mir ging das heute mit dieser Meldung so: In einer Klinik in Mainz sind zwei Babys gestorben. Ein drittes schwebt in Lebensgefahr. Die Neugeborenen haben mit Keimen verseuchte Infusions-Lösungen bekommen.
Zweimal hab ich im Krankenhaus ein neugeborenes Kind in den Arm nehmen dürfen. Meine Kinder. Die Eltern der Mainzer Babys waren sicher genau so glücklich, als ihre Kinder auf die Welt kamen. Und dann so eine Todesnachricht? Unvorstellbar, was nun in den Eltern vorgeht.
Natürlich möchte man da schnell einen Schuldigen sehen. Möchte hygienische Verhältnisse in Krankenhäusern anprangern, vermeintlich schlampige Laboranten beschuldigen oder, oder, oder. Vorsicht! Noch ist überhaupt nicht klar, wer da möglicherweise einen tödlichen Fehler begangen hat. Bei aller Wut. Bei allem Verständnis für die "sowas darf doch in einem deutschen Krankenhaus nicht passieren" Haltung. Wir müssen ohne voreilige Schuldzuweisungen abwarten, was die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Dann allerdings möchte ich schon wissen, was getan wird, damit so etwas nie wieder vorkommt.
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Man hatte uns gewarnt. Bevor das Türkei-Abenteuer für die Bustour begann, waren wir skeptisch. Man hört ja so einiges: in Istanbul würde man sehr wahrscheinlich überfallen, weil die Strassenkriminalität nicht in den Griff zu kriegen sei. In Istanbul sei es außerdem so gut wie unmöglich, sich mit dem Auto zu bewegen, weil die Stadt von morgens bis abends im Verkehrschaos zu ersticken drohe. Überhaupt die Strassen in der Türkei: die seien für einen alten VW-Bus das Todesurteil. Und dann die Hitze: unerträglich. Außerdem seien Dreharbeiten prinzipiell eigentlich unmöglich, weil man für jeden Drehort eine Drehgenehmigung brauche, und mit den türkischen Polizisten sei da überhaupt nicht zu spaßen. Wir wussten es nicht besser und haben es geglaubt. Hätten wir die Wahl gehabt, die Bustour in diesem Jahr entweder in der Türkei oder im Neandertal zu machen – wir hätten voller Euphorie Mettmann und Umgebung erkundet.
Vier Wochen und achteinhalbtausend Kilometer später: wir sind begeistert von der Türkei.
Istanbul – grossartig. Das Verkehrschaos – ein Erlebnis. Kriminalität – sicher vorhanden, aber die bösen Buben haben die Bustour gemieden. Die Strassen: wie gemacht für unseren Bus - der Strassenbau scheint den Türken fast so wichtig zu sein wie die Gastfreundschaft. Die Hitze: im Sommer ja durchaus nicht ungewöhnlich. Drehgenehmigungen: interessieren den türkischen Polizisten ungefähr genau so sehr, wie ein Fahrspurwechsel ohne blinken.
Und die Menschen? Was für Menschen! Wo auch immer wir waren – wir waren willkommen. Nie zuvor haben wir auf der Bustour so viel Herzlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft erlebt.
Lag es daran, dass wir vom Fernsehen sind? Lag es am Bus? Ich glaube, es lag an den Türken. Türken ticken anders. Nicht nur wenn es um die Gastfreundschaft geht. Vieles haben wir nicht verstanden: Warum trifft sich die Familie gerne mal auf dem Mittel-Grünstreifen einer sechsspurigen Schnellstrasse zum Grillen? Warum hat man in der Türkei so ein unverkrampftes Verhältnis zur Müllentsorgung? Warum sind so viele Häuser entweder kaputt oder noch nicht fertig?
Was machen all die Männer all die Tage in all den Teestuben? Wie können die Frauen diese Hitze ertragen, mit Kopftuch und all dem Stoff um sie herum ?
Man könnte manches kritisch hinterfragen. Doch das war nicht unser Ziel. Es ging uns um die Menschen, nicht um Politik. Es ging nicht um Religionsfreiheit, nicht um die Rolle der Frau in der Gesellschaft, nicht um die Kluft zwischen arm und reich. Aus unserer sehr subjektiven Windschutzscheiben-Sicht war die Türkei ein phantastisches Erlebnis. Der alte Atatürk hat gesagt: Ne mutlum Türküm diyene. Glücklich ist der, der sich Türke nennen darf. Das kann ich nicht beurteilen. Im Namen unseres Bustour Teams kann ich nur sagen: Ne mutlu Türkiye ile tanisana!!
Glücklich ist der, der die Türkei bereisen darf.
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Es kann eigentlich nur ein Sommerlochthema sein, ist aber leider ernstgemeint! Der Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft hat sich mit einem pikanten Vorschlag an die Öffentlichkeit gewagt: Arbeitnehmer sollen in Zukunft auf zwei Wochen Urlaub pro Jahr verzichten! Sechs Wochen seien zuviel, vier Wochen reichten völlig aus. Im übrigen liege Deutschland bei den Urlaubstagen weltweit an der Spitze. Die Beschäftigten hierzulande hätten im Verhältnis zu anderen Ländern immer noch doppelt soviele freie Tage. Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat mutig vorgeschlagen, den Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern zu senken. Begründung: "Der Mittelstand hat volle Auftragsbücher. Da wird jeder gebraucht." Na klar, der Aufschwung kommt, man muss ihn nur richtig fördern. Also am besten japanische Verhältnisse! Was wäre von einer 60 Stunden Woche zu halten? Urlaub am besten nur noch mit ärztlichem Attest! Arbeit überhaupt solange bis der Arzt kommt! Sorry, eigentlich ist mir nicht zu scherzen zumute. Das ganze Jahr erbringen die Arbeitnehmer in Deutschland hohe Leistungen, haben dafür gesorgt, dass wir angeblich schon wieder aus der Weltwirtschaftskrise rausgefahren sind. Bei der Arbeitsproduktivität liegen wir weltweit an der Spitze. Wer heftig arbeitet, muss sich auch erholen. Offenbar hatten die Protagonisten der mittelständischen Unternehmensverbände in diesem Jahr noch zu wenig Urlaub - sonst wären sie nicht diesem Sommerlochwahn verfallen!
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Ein saftig-leckeres Steak - da sagen Viele nicht nein - rund 90 Kilo Fleisch verbraucht jeder von uns im Jahr - habe ich heute gelesen und ich war beeindruckt und ein wenig erschrocken. BSE-Skandal und Gammelfleisch-Krisen haben kaum was dran geändert. Und ich esse mit...
Aber es ist längst Zeit dafür, dass sich was ändert - findet der amerikanische Erfolgs-Autor Jonathan Safran Foer. Heute erscheint mit viel Medien-Aufmerksamkeit sein Buch "Tiere essen". Einer der Kernsätze darin lautet: "Es gibt keinen guten Weg, um sechs Milliarden Menschen mit 50 Milliarden Tieren zu ernähren!"
Er hat drei Jahre lang über Tierhaltung recherchiert und liefert u.a. erschreckende Zahlen: Danach müssen für die Ernährung eines Amerikaners pro Jahr 21.000 Tiere sterben. Ich kann diese Zahl kaum glauben und werde mir wohl am Wochenende dieses Buch kaufen müssen und nachzulesen!
Foer jedenfalls fordert: Schluß mit dem Massenkonsum von Fleisch! Es sei ungesund, unmoralisch und eine ökologische Katastrophe - soviele Gründe für mehr Gemüse. Er hat eine Riesen-Diskussion in den USA ausgelöst. Und wir fragen uns, ob diese Debatte auch in unsere Kantinen rüberschwappt?
Die Aktuelle Stunde schaut heute einigen Menschen beim Essen über die Schulter: Fleisch oder Gemüse?
Wie halten Sie's?
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Na, hoppla.
Das Thema ist offensichtlich extrem kontrovers und treibt viele von uns um.
Ich habe heute die Kommentare gelesen und halte mich an Blogger Hannes, der schreibt:
"Diese Diskussion zeigt mal wieder, dass Fanatiker jedwelcher Coleur in die falsche Richtung laufen.
Wie Buddha es lehrte: Den Mittleren Weg gehen.
Extreme Ansichten und Lebensweisen sind nicht der Weisheit letzter Schluss.
Hannes am 19.08.10 22:10"
Ja, auch ich esse Fleisch und es schmeckt mir auch. Ich bin da völlig undogmatisch. Und trotzdem berührt es mich, wenn ich sehe oder erfahre, wie ein Lebewesen leidet oder stirbt. Die Bilder von Massentierhaltungen, von Tieren, die sich selbst oder gegenseitig verletzen in der beengten, völlig widernatürlichen Haltung - die sind kaum zu ertragen. Doch wie sehr wirken diese Eindrücke nach?
Auch die Debatte um Moral - darf ich als Mensch andere Lebewesen töten, um sie zu essen, finde ich absolut spannend und überlegenswert.
Und das Thema Gesundheit: Wie maßvoll konsumiere ich etwas und mit welchen Folgen?
Aqua-Jedi schrieb am 19.08.10 um 19:31, dass das ja nun so neu nicht ist, was Jonathan Safran Foer da schreibt. In der Tat nicht, aber ist doch gut, dass da jemand diese Debatte wieder angestossen hat: Manche Dinge setzen sich in unseren Köpfen erst nach längerer Zeit fest. Und wenn diese Diskussion jetzt hilft, dass wir zumindest nachdenken über unseren eigenen Fleischkonsum, dann ist das doch eine gute Sache.
Dass ich selbst darüber Vegetarierin werde sehe ich allerdings nicht...
Herzliche Grüße!
Zum SeitenanfangIn diesem Blog können Sie als Zuschauer mit unseren Moderatoren oder unserem Redaktionsleiter über ein aktuelles Tagesthema diskutieren.
September 2010
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