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Ich wart seit Wochen, auf diesen Tag
und tanz vor Freude, über den Asphalt
Mit diesen Zeilen beginnt der Hosen-Song "Tage wie Diese", die Fan-Hymne von Fortuna Düsseldorf. Diese Fans haben nicht Wochen, sie haben 15 Jahre warten müssen. Auf einen Tag wie diesen. Aber: Vielleicht haben sie dann doch genau 90 Sekunden zu früh getanzt. Und blöderweise nicht auf dem Asphalt, sondern auf dem Rasen .90 Sekunden vor dem Abfiff des Skandalspiels von gestern abend haben Fans das Spielfeld gestürmt.
Natürlich bin auch ich gegen gewalttätige Fußball-Fans. Natürlich ist es eine Sauerei, 2000 Grad heisse Feuerwerkskörper mitten in einer Menschenmenge zu zünden, wo selbst kleine Kinder in der Nähe sind. ABER:
Die da gestern in Düsseldorf auf den Rasen gestürmt sind, waren Fans die versehentlich annahmen, das Spiel sei aus. Sie haben - soweit ich das sehen konnte - niemanden geschlagen und als sie ihren Irrtum bemerkten (und von den anderen Fans mit Sprechchören "Auf die Tribüne!" zurückgepfiffen worden waren), sind sie schnell zurück auf ihre Plätze gegangen. Daraus - wie es Vertreter von Hertha BSC getan haben - jetzt "Todesangst" und ein drohendes "Blutbad" zu konstruieren, ist verantwortungslos.
Ich hab selbst vor einem Jahr das Relegationsspiel in Gladbach miterlebt - Tor in der Nachspielzeit, anschliessend Auflösungserscheinungen auf der Tribüne, keiner wusste: Zählt das Tor? Wird nochmal angepfiffen? Was ist überhaupt los? Manchmal ist Fußball eben auch chaotisch.
Ich will keine "Fans" rechtfertigen, die prügeln und die uns den Fußball kaputt machen. Ich will nur, dass wir auch nach dem Spiel gestern die Kirche im Dorf lassen. Und Fortuna in der ersten Liga.
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Banken-Bashing ist in. Spätestens seit wir alle Milliarden raustun mussten, weil die in überdrehter Gier zusammengemurksten, abstrusen Finanzprodukte vieler Investment-Banker sich als das entpuppten, was sie immer waren: heiße Luft. Allerdings die teuerste heiße Luft aller Zeiten. Frech lachten uns die Boni-Millionäre ins Gesicht: Wir sind systemrelevant, ihr müßt uns flüssig halten, ätsch.
Aber auch an der Basis, beim Klein-Klein-Banking für Privatkunden blamieren sich unsere Banken offenbar so gut sie können: Die Stiftung Warentest hat Tester in die Filialen geschickt. Tester, die eine Beratung und ein Angebot über einen 4000 Euro Kredit erbaten. Das Ergebnis ist eine Frechheit gegenüber den Kunden: Zehn von zwölf Bankfilialen erhielten die Note "Mangelhaft". Viele Berater agierten schlicht illegal. Transparenz, Vergleichbarkeit - Fehlanzeige. Schlimmstenfalls stand der Kunde am Ende völlig schuldlos sogar als nicht mehr kreditwürdig dar. Nach diesem Testergebnis besorgt man sich seinen Kredit besser im Internet: Die standardisierten Verfahren der Direktbanken bekamen Bestnoten.
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NRW wählt. Berlin wackelt. Das war meistens so. Denken wir nur mal an den denkwürdigen Wahltag, als in Düsseldorf CDU Rüttgers SPD-Steinbrück aus dem Amt warf. Noch am selben Abend verkündete Kanzler Schröder: Bundestag auflösen, Neuwahlen im Bund.
Und gestern? Hannelore Kraft gewinnt so strahlend, dass manche Medien sie gleich ins Kanzleramt zerren wollen. Ich glaube, das ist Quatsch. Sie hat sich so klar zu NRW bekannt, eine Kanzlerkandidatur nächstes Jahr würde genau das zerstören, was ihr gestern den Sieg gebracht hat: Glaubwürdigkeit.
Das krasse Gegenteil: Norbert Röttgen. Minuten nach Schließung der Wahllokale hat er in NRW hingeworfen. Wer vorher danach gefragt hat, bekam - vorsichtig formuliert - unscharfe Antworten. Nun liegt die Quittung auf dem Tisch. Karriere-Politiker auf der Durchreise mögen die Nordrhein-Westfalen nicht, da hätte sich Röttgen schon bei Norbert Blüm schlau machen können.
Die nächste NRW-Welle im Bund schlägt die FDP: Christian Lindner, der die mausetote NRW-FDP so grandios wiederbelebt hat bleibt brav im Land und Rösler Bundesvorsitzender? Wers glaubt...
Schlußendlich freuen wir uns auf die großen Unbekannten im neuen Landtag: Die Piraten. Frisches Element einer lebendigen Parteien-Demokratie oder Dilettanten, die schnell auf Grund laufen werden? Schaun wir mal.
Liebe Wählerinnen und Wähler, als Journalist kann ich mich nur bedanken: Ihr habt gestern Grundsteine gelegt für viele, viele spannende Geschichten. Wir werden sie gern erzählen.
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Die NRW Wahl - eine kleine Bundestagswahl? SPD liegt nach der ersten Prognose vorne...39%...Kraft darf es ruhig persönlich nehmen... CDU hat eine deftige Schlappe erlebt...Ergebnis noch schlechter als 2010...ein Desaster...26 (!!!)%...Röttgen muss es persönlich nehmen...Konsequenzen (!?)...Grüne fast unverändert...Damendoppel Kraft/Löhrmann darf wohl weitermachen... Piraten natürlich wie erwartet drin...Linke adieu...FDP hat's satt geschafft...darf sich über Lindner freuen. Schade unbedingt diese Wahlbeteiligung! Gut, knapp 60%, aber die Sofapartei ist damit wieder mal der eigentliche Gewinner.
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Eklat gestern Abend bei der Verleihung des Henri, des Henri Nannen Preises in Hamburg - ein renommierter Journalistenpreis! Drei Redakteure der von mir verehrten Süddeutschen Zeitung nahmen den Preis nicht an, weil ebenfalls zwei Kollegen der Bild-Zeitung geehrt werden sollten. Ehre für die Bild-Zeitung, Schluss mit der Ehre! Bild wurde für die Beiträge zur Affäre um Ex-Präsident Wulff der Preis zugedacht. Ohne Frage, hier haben die Bild-Rechercheure und -Autoren was geleistet. Stern-Boss Henri Nannen hätte vermutlich seinen Spaß an ihnen gehabt. Die SZ Kollegen sollten für ihre Artikel zur Formel-1-Affäre bei der Bayern LB geehrt werden. Diese Serie ist vorbildlicher, investigativer Journalismus von der allerbesten Sorte. Allemal einen Henri wert! Aber, liebe SZ Kollegen - aus der Preisverleihung jetzt eine Show zum Thema „guter Journalismus/schlechter Journalismus" zu machen, will mir nicht in den Kopf. Bild nervt manchmal ganz gewaltig. Bild betreibt manchmal Kampagnenjournalismus - keine Frage. Bild ist auch mitunter mieser Boulevard - o.k. . Aber in der Sache Wulff hat Bild nun mal einiges ausgegraben, hat nicht locker gelassen und hat Vorlagen für die Süddeutsche, den Spiegel und auch für die Aktuelle Stunde geliefert. Also liebe SZ-Freunde, wie sagt man im Rheinland so schön: Man muss och jönne künne!
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In ungefähr sechs Wochen? Kein Problem, wenn man ein Banker der größten amerikanischen Bank ist. Unglaublich, aber bei JPMorgan Chase ist genau das passiert! In gut zwei Monaten hat das Unternehmen rund zwei Milliarden Dollar bei riskanten Finanzwetten verloren! Und selbst der Chef ist schockiert! "Fehler, Schlampereien, Fehlentscheidungen", der Bankchef fand viele Worte. Dabei kann es noch schlimmer werden, denn die Finanzwetten laufen weiter!
Die sonst auch so abgezockten Börsianer sind geschockt und deshalb ging es für die Aktie der Bank in den Keller. Denn bisher galt der Bankenriese als größtes und bestverdienende Haus in den USA.
UNSERE Banker scheinen sich keine Sorgen machen zu müssen. Zumindest bei der Commerzbank hat man alles im Griff: Schließlich werden hier wieder große Millionengehälter verteilt. Ene mene muh und der Millionär bist Du! Nach dem Motto, so berichtet das Handelsblatt, hat der Aufsichtsrat die Deckelung für die Chefs wieder aufgehoben! Also soll Commerzbank-Chef Martin Blessing in diesem Jahr ein Grundgehalt von mageren!!!! 1,3 Millionen Euro bekommen! Alle anderen Vorstände erhalten jeweils 750.000 Euro. Aber das sind ja auch nur acht Mann, was stellen wir uns so an!
Und die Boni werden wohl auch extra abgerechnet. Also bitte, wer will da meckern?
Es knallen also die wieder Korken in der Bankenbranche!
Hallo? Jemand da? Vier Jahre ist die Zockerei jetzt her, die 2008 in die Bankenkrise und in die Fianzkrise führte!
Willkommen im Déjà-vu des Desasters! Es scheint, als hätten die Banker nichts gelernt...
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Das ist drastisch: In Münster hat jetzt ein Mann offiziell Radfahrverbot - und zwar lebenslänglich. An diesem Verbot hat er aber auch fleissig gearbeitet: Erst war er mit 1,6 Promille auf dem Rad erwischt worden. Folge: Lappen weg. Doch dann radelte er immer wieder sturztrunken den Beamten in die Arme. Ausgerechnet in der Radfahrer Musterstadt Münster. Nun darf er nie wieder aufs Rad - und elf weiteren Kandidaten, droht ein ähnliches Schicksal. Ehrlich gesagt: Mein Mitleid hält sich in Grenzen, denn: 1,6 Promille - alter Schwede - da bekommt ein normaler Mensch eigentlich schon keinen Fuß mehr vor den anderen.
Gesetzlich ist ja geregelt, dass einer, der sich charakterlich nicht zum Führen eines Kraftfahrzeuges eignet, eben auch keinen Führerschein bekommt. Charaktermängel kann man auch im Fahradsattel zeigen. - Als Radler mit gelegentlichem Guerilla-Fahrstil weiss ich, wovon die Rede ist.
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Der Fall gilt als einer der größten Umweltskandale Deutschlands. 51 Mitarbeiter der inzwischen insolventen Envio-Recycling GmbH in Dortmund sollen über Jahre ungeschützt dem hochgiftigen Kühl- und Isoliermittel PCB ausgesetzt worden sein. Über Jahre hinweg verdiente die Firma - allen voran deren Geschäftsführer - mit der Entsorgung der Bauteile aus Transformatoren gutes Geld. Die elektrotechnischen Elemente enthalten Kupfer, ja so gar Gold und Platin. Die Preise dafür steigen weltweit. Da der Krebserreger PCB seit Ende der 80er Jahre in Deutschland verboten ist, konnte Envio als Giftmüllspezialist Geschäfte überall dort machen, wo man giftigen Müll entsorgen musste. Die Firma war in Lettland, der Ukraine oder auch auf Barbados aktiv. Am Hafen in Dortmund wurden die Altteile, in denen PCB als Isolierung oder auch als Kühlung diente, dann auseinander geschraubt und -gesägt. In Aktion für Envio dabei Arbeiter - mal mit mal ohne Schutzanzüge - für knappe 7,50 Euro die Stunde. Arbeitsschutz - Fehlanzeige! So sollen sich die Leiharbeiter, Beschäftigten von Fremdfirmen hochgradig vergiftet und ihre Angehörigen - Frauen und Kinder - verseucht haben. So weit der Fall bei dem wir tief durchatmen! Noch mal tief durchatmen muss ich, wenn ich lese, dass der Ex Chef der Umweltversauerfirma heute alle Vorwürfe - die Körperverletzung und die Umweltverstöße - zurückgewiesen hat. Nun ist es an den Anklägern alle Beweise fein säuberlich auf den Tisch zu legen. Da dürfen wir guter Hoffnung sein, dass die Ex-Geschäftsführer nicht geschmeidig aus dem Verfahren kommen. Immer vorausgesetzt, ihnen ist Fehlverhalten nachzuweisen. Ganz unerträglich ist allerdings die Argumentation eines Anwalts. Er hat heute zum Prozessauftakt die Opfer regelrecht verhöhnt. Die Vergiftungen und Verseuchungen seien nur plausibel mit ungesunden Lebensstilfaktoren der Mitarbeiter zu erklären. Noch Fragen?
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NRWs Städte und Gemeinden haben in Münster vor dem Verfassungsgericht gegen ihre derzeitige Beteiligung an den Kosten der deutschen Einheit geklagt. Dabei ging es nicht um den „Soli" an sich, sondern um die Frage, wer in NRW wie viel für den Länderfinanzausgleich und den Fonds „Deutsche Einheit" zahlen muss. Es geht immerhin um hunderte Millionen Euro. Und die 91 Kommunen haben heute recht bekommen! Das Gesetz zur Einheitslastenabrechnung verstoße gegen Bundesrecht und beschneide das Selbstverwaltungsrecht der Kommunen.
Und so werden unsere Städte und Gemeinden in Zukunft voraussichtlich weniger für den „Soli" zahlen müssen. Oder vielleicht sogar Geld zurück bekommen! Auf jeden Fall muss die Landesregierung ein neues, gerechteres Gesetz schaffen. Und vielleicht können die Kommunen dann ja ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen für Dinge, die uns vor der Haustür auffallen und an denen in den letzten Jahren gespart wurde: Vielleicht für Straßensanierungen, saubere Spielplätze oder ein paar Grad mehr im heimischen Schwimmbad.
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Adieu le président! Sarkozy hat seine Schuldigkeit getan, der kleine Nicolas kann gehen, vorbei damit auch die Liasion Merkozy! Die Küsschen-hier-Küsschen-da Politik hat in Zeiten der Finanzkrise bestens funktioniert - jedenfalls aus Sicht der selbsternannten Euro-Retter, jetzt darf das Modell Merkollande ran. Nur, was soll das für ein Modell sein? Und: Was wird aus dem europäischen Sparkurs? In Griechenland haben die Wähler den Sparpolitikern die rote Karte gezeigt, griechische Aktien gingen heute in den Keller! Kann man verstehen, denn in der ältesten Demokratie sitzen nach dem Urnengang von gestern plötzlich Faschisten im Parlament! Eine unerträgliche Vorstellung. In Griechenland ist man heute jedenfalls ratlos. Die große Koalition wollte ihre Sparpolitik fortsetzen. Sie hat im neuen Parlament nun mal aber keine Mehrheit mehr. Alle anderen fünf Fraktionen sind gegen die Sparmaßnahmen. Und mit Sparen hat auch der neue französische Präsident wenig am Hut. Er hat den Franzosen einen Wechsel versprochen - weg vom Sparkurs, hin zu mehr Wachstumsimpulsen. Doch das muss sich ja nicht ausschließen - wie Francois Hollande ja selbst beweist! Er will sein Gehalt kürzen! Vorbildlich! Allerdings kann er auch leicht kürzen, denn sein Vorgänger hat die Tantiemen des ersten Mannes im Land erstmal um 17 Prozent erhöht. Dennoch: Vielleicht wissen wir ja demnächst, was unter dem Modell Merkollande zu verstehen ist. Wachstum durch Einsatz des Kapitals, das aus den Gehaltskürzungen europäischer Politiker gewonnen wird. Pourquoi pas?
Zum SeitenanfangIn diesem Blog stellen wir ein aktuelles Tagesthema zur Diskussion. Die Meinungen und Anregungen unserer Zuschauer geben uns wichtige Hinweise für unsere Arbeit, die wir auch in der Sendung gerne aufgreifen.
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